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Alt 31.07.2022, 15:05   #181
Sally
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die ersten Indizien laufen ein,

dass Russland zum 990sten mal die Unwahrheit propagiert,
bei 1000 Aussagen....

https://www.n-tv.de/politik/Rotes-K...le23498044.html
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Alt 31.07.2022, 17:51   #182
robinsap
 
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Alt 01.08.2022, 09:07   #183
Sally
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Zitat:
Zitat von robinsap

https://www.youtube.com/watch?v=d4OQYhllXIo

Lets Go sally


Solche chart-kollegen wie hier im video, muss man/frau

zuerst einige Wochen beobachten , Motto:


wie verändert er seine Aussagen, wenn sich am Markt etwas verändert?
Kannst ja mal versuchen den youtuber , auch in 1-2-3 Wochen
wiederzusehen und was er dann von sich gibt
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Alt 03.08.2022, 17:19   #184
bimbes
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Am Mittwoch hatte Kanzler Olaf Scholz den Energietechnik-Konzern Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr besucht, wo die Turbine auf dem Weg von Kanada nach Russland zwischengelagert ist. „Sie sei jederzeit einsetzbar“, sagte der SPD-Politiker und warf Russland indirekt vor, Vorwände für die ausbleibenden Gaslieferungen zu nutzen: "Die Turbine ist da, sie kann geliefert werden, es muss nur jemand sagen, ich möcht' sie haben, dann ist sie ganz schnell da."

Herr Scholz: Vorwände? Nord-Stream 2 ist einsetzbar, Gas kann geliefert werden, es muss nur jemand sagen, ich möchte´ es haben, dann ist es ganz schnell da.
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Alt 03.08.2022, 18:01   #185
robinsap
 
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Fisch

Ok

Geändert von robinsap (03.08.2022 um 21:09 Uhr).
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Alt 06.08.2022, 10:55   #186
Sally
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Böerse
leider kann ich derzeit nicht sagen, ob wir im Dax ein neues Jahres-tief sehen werden (wie vorher hier avisiert)

Die USA macht bekanntlich den Markt und Nasdaq / S&P500 sind ja in Bestform, Dax ist derzeit noch underperformer, weil das Gas-problem weiter besteht und die Wirtschaft hart treffen kann, wenn

a pro po Gas-turbine

mal wieder alle cherry & Konsorten ähm Konspirativen mit ihrer allgegenwärtigen Russen-propaganda schwer auf dem Holzweg..
na wie immer halt.
Außerdem sind über minimum 2 bestehende Gas-pipelines Gaslieferungen möglich, wenn von Russland gewünscht...ist aber nicht

Für mich entpuppt sich das als "Straf-aktion" gegen Deutschland, weil schwere Waffen geiefert wurden

Hier übrigens ein US-Verschwörer ...ziemlich nah an Trump... und damit an Cafe- Verschwörungs- Nasen hier auf stck-channel

...so gehört sich das......im Strafmaß.....besser wäre für dies Typen ein paar Jahre Bau plus Kohle weg

https://www.n-tv.de/politik/Trump-P...le23510010.html
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Alt 06.08.2022, 11:01   #187
Sally
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Man / Frau merke sich als einfache Regel

wo Putin, Trump oder cherry und Co drauf steht...und fast egal was
über obskure Quellen so verbreitet wird

die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Unwahrheiten bzw. minimum Verdrehungen handelt, dürfte bei >90% angesiedelt sein.

Wohl dem, der diesen Aussagen Glauben schenkt oder anders gesagt

Gegen eine 90%Chance am Aktien-markt sollte nie gehandelt werden
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Alt 06.08.2022, 14:18   #188
bimbes
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Verstehe ich das richtig? Wir erlassen Sanktionen damit Russlands Wirtschaft zerstört wird (O-Ton A. Bearbock: „Russland ruinieren“), erwarten aber, dass Russland uns weiterhin Gas liefert, damit unsere Wirtschaft nicht zerstört wird.
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Alt 07.08.2022, 03:40   #189
schloss
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Zitat:
Zitat von bimbes

Verstehe ich das richtig? Wir erlassen Sanktionen damit Russlands Wirtschaft zerstört wird (O-Ton A. Bearbock: „Russland ruinieren“), erwarten aber, dass Russland uns weiterhin Gas liefert, damit unsere Wirtschaft nicht zerstört wird.


Nach Sally-Logik - Ja, genau!
__________________
Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.
-Goethe

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Alt 10.08.2022, 08:33   #190
Sally
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eure Interpretation wie immer selten dämlich
und verdreht wie man es gerade braucht.

Die Ukraine ist doch nur eine kleine Spezial-Operation......also Klein-kram für Russland.
in den Gas-verträgen dürfte natürlich im Kleingedruckten stehen;
bei spezial-operationen gilt ...pacta sunt servanda......natürlich nicht


vor allem, wenn Russland verlauten läßt, alle Liefer-kürzungen haben mit den Leitungs- oder Turbinen-problemen zu tun.. nee is klar

Geändert von Sally (10.08.2022 um 08:36 Uhr).
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Alt 11.08.2022, 02:14   #191
Sally
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Alt 14.08.2022, 11:19   #192
robbyredford
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Analyse unseres Partnerportals „Economist“Putin steht im Bann eines einzigartigen russischen Faschismus
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Russischer Soldat.
The Economist / Getty Images Russischer Soldat.

Sonntag, 07.08.2022, 11:06

Russland wird durch Putins faschistische Politik zu einer Bedrohung für die Ukraine, den Westen und sein eigenes Volk. Denn nichts stört Putin so sehr wie die eigenständige Identität der Ukraine.

Was in Moskau in diesen Tagen besonders zählt, ist das, was fehlt. Niemand spricht offen über den Ukrainekrieg. Der Begriff ist tabu und jede Äußerung gefährlich. Von den Kämpfen 1.000 km weiter südlich zeugen lediglich Heldenporträts von Soldaten, die auf Werbetafeln abgebildet sind. Und doch befindet sich Russland mitten im Krieg.

Keine Fackelzüge werden in Moskau veranstaltet. Nur selten stößt man auf das „Z“-Symbol, eine halbe Swastika, das die Unterstützung des Krieges repräsentiert. Sturmtruppen veranstalten keine Pogrome. Russlands in die Jahre gekommener Diktator Wladimir Putin schart keine ekstatischen Jugendlichen um sich oder ruft zur Massenmobilisierung auf. Und doch befindet sich Russland fest im Griff des Faschismus.
Spannend, aber gerade keine Zeit?

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Russland erfüllt nahezu alle Faschismus-Kriterien

Ähnlich wie Moskau seinen Krieg hinter einer „Spezialoperation“ verschleiert, so verbirgt es seinen Faschismus hinter einer Maßnahme zur Vernichtung von „Nazis“ in der Ukraine. Für Yale-Professor Timothy Snyder sind die Merkmale jedoch unverkennbar: „Die Meinungen darüber, was Faschismus ist, sind oft sehr unterschiedlich“, schrieb er kürzlich in der New York Times , „das heutige Russland erfüllt jedoch nahezu alle Kriterien.“

Der Kreml habe einen Personenkult um Putin und einen Totenkult um den „Deutsch-Sowjetischen Krieg“ von 1941-45 geschaffen. Das Putin-Regime sehne sich nach der Wiederbelebung eines verlorenen goldenen Zeitalters und nach einer Säuberung Russlands durch heilsame Gewalt. Die Auflistungen von Snyder könnten um Homophobie, das Festhalten an traditionellen Familienformen und einen fanatischen Glauben an die Staatsmacht weiter ergänzt werden. All dies ist in einem säkularen Land mit starken anarchistischen Zügen und freizügigen Ansichten über Sex nicht selbstverständlich.
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Putins Teufelkreis

Um zu verstehen, in welche Richtung sich Russland unter Putin entwickelt, muss man zunächst den historischen Hintergrund dieses Landes verstehen. Den größten Teil seiner Regierungszeit betrachtete der Westen Russland als einen Mafia-Staat, der an der Spitze einer atomisierten Gesellschaft steht. Diese Sichtweise war nicht falsch, doch sie war unvollständig. Vor einem Jahrzehnt begann Putins Popularität zu schwinden. Seine Antwort darauf war ein Rückgriff auf das faschistische Gedankengut, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder auflebte.

Was als politisches Kalkül begonnen haben mag, brachte Putin in einen Teufelskreis aus Unmut und Ressentiments jenseits aller Vernunft. Er gipfelte in einem verheerenden Krieg, den viele für unmöglich gehalten hatten, gerade weil er sich jeder Risiko- und Chancenabwägung entzog.
Kein Zurück mehr für Russland

Unter Putins Faschismus steuert Russland nun auf einen Kurs zu, bei dem es kein Zurück mehr gibt. Ohne Opferrhetorik und Gewaltanwendung hat der russische Machthaber dem Volk nichts mehr zu bieten. Für die westlichen Demokratien bedeutet dieser Vorwärtsmarsch ein von Feindseligkeit und Verachtung geprägter Dialog mit Russland, solange Putin an der Macht ist. Wenn der Krieg vorüber ist, wünschen sich viele im Westen eine Rückkehr zur Normalität - mit einer faschistischen Regierung in Russland ist jedoch kein echter Frieden möglich.

Der Ukraine steht damit ein langer Krieg bevor. Das Ziel Putins ist nicht nur die Gebietseroberung, sondern auch die Zerschlagung von demokratischen Idealen und eigenständigen nationalen Identitätsbewegungen in den Nachbarländern. Eine Niederlage kann er sich nicht leisten. Selbst im Falle eines Waffenstillstands ist er darauf bedacht, die Ukraine in die Knie zu zwingen, notfalls auch mit härteren Maßnahmen. Um seinen Willen im eigenen Land durchzusetzen, wird er Gewalt und Totalitarismus einsetzen. Dabei geht es ihm nicht nur um die Zerschlagung der freien Ukraine. Er kämpft auch gegen die Hoffnungen und Träume seines eigenen Volkes. Bislang hat er damit Erfolg.
Krieg bedeutet Frieden

Was ist russischer Faschismus? Das F-Wort fällt oft beiläufig. Es hat keine eindeutige Definition, speist sich aber aus Exzeptionalismus und Ressentiment, einer Mischung aus Neid und Frustration, geboren aus der Demütigung. Im Falle Russlands liegt die Ursache für diese Demütigung nicht in der Niederlage gegen andere Mächte, sondern in der Misshandlung des Volkes durch die eigenen Machthaber. Entmündigt und in Angst vor der Obrigkeit, verschafft sich das Volk einen Ausgleich durch eine imaginäre Rache an Feinden, die der Staat als solche ernennt.

Zum Faschismus gehören Inszenierungen - man denke an all die Kundgebungen und Uniformen -, gepaart mit dem Rausch der realen Gewalt. In all seinen Ausprägungen, so Snyder, sei Faschismus durch den Sieg des Willens über die Vernunft gekennzeichnet. Der Titel seiner Kolumne lautet: „Wir sollten es aussprechen. Russland ist faschistisch“. Und tatsächlich waren es die Russen selbst, die als erste das Wort ergriffen.

Zu ihnen gehörte auch Jegor Gaidar, der erste post-sowjetische Premierminister. Er erkannte bereits im Jahr 2007 die Bedrohung, die von Russlands postimperialer Nostalgie ausging. „Russland durchläuft eine riskante Phase“, schrieb er. „Wir sollten nicht der Magie der Zahlen erliegen, aber die Tatsache, dass zwischen dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches und Hitlers Aufstieg zur Macht 15 Jahre lagen, ebenso wie 15 Jahre zwischen dem Zusammenbruch der UdSSR und Russland in den Jahren 2006-07, gibt zu denken.“
Putins Propaganda ähnelt nationalsozialistischem Deutschland

Unmissverständlich äußerte sich im Jahr 2014 Boris Nemzow als weiterer liberaler Politiker: „Aggression und Grausamkeit werden durch das Fernsehen geschürt, während die Schlüsseldefinitionen vom leicht besessenen Kreml-Meister geliefert werden. Der Kreml kultiviert und belohnt die niedersten menschlichen Instinkte, wodurch Hass und Gewalt entstehen. Diese Hölle kann nicht friedlich enden.“

Ein Jahr später wurde der inzwischen als „Volksverräter“ verschriene Nemzow in der Nähe des Kremls ermordet. Einige Stunden vor seinem Tod warnte er in seinem letzten Interview: „Russland verwandelt sich zusehends in einen faschistischen Staat. Wir haben bereits eine Propaganda nach Vorbild des nationalsozialistischen Deutschlands. Ebenso haben wir einen festen Stamm von Sturmbrigaden... Das ist erst der Anfang.“
Wladimir Solowjow im Kampf gegen die Liberalen
The Economist / Russia-1 Wladimir Solowjow im Kampf gegen die Liberalen
Krieg als Zeichen der Verdrängung von Vernunft

Niemand hat den zunehmenden Einfluss des Faschismus deutlicher signalisiert als Putin und seine Gefolgsleute. Fernab der Wohlstandsstraßen von Moskau hat der Kreml Panzer, Menschen und Fernsehsender mit dem Buchstaben Z versehen. Die Halb-Swastika ist auf die Türen russischer Film- und Theaterkritiker gemalt worden, die die „dekadente und degenerierte“ westliche Kunst vertreten. Für Online-Beiträge wurden Krankenhauspatienten und Kindergruppen, manche kniend, zu einer Halb-Swastika aufgereiht.

Der deutsche Exil-Kulturkritiker Walter Benjamin definierte den Faschismus in den 1930er Jahren als Vorführung. „Das logische Ergebnis des Faschismus ist die Einführung der Ästhetik in das politische Leben“, stellte er fest. Eine solche Ästhetik ziele auf die Verdrängung der Vernunft ab, was letztlich im Krieg seinen Ausdruck fände.

Die zwei TV-Gesichter des Krieges, Wladimir Solowjow und Olga Skabejewa, sind heute eine Karikatur nationalsozialistischer Propagandisten. Solowjow ist meist im schwarzen Zweireiher bayrischer Art zu sehen. Skabejewa, streng und kantig, erinnert ein wenig an eine Domina. Beide verkörpern Hass und Aggression. Gemeinsam mit ihren Gästen verurteilen sie die Kriegserklärung des Westens an Russland und fordern Putin theatralisch auf, diesen durch das Entfesseln des gesamten russischen Atomwaffenarsenals in Schutt und Asche zu legen.
10% der russischen Bevölkerung erfuhren Folter

Diesem imaginären Armageddon steht eine reale Gewalt gegenüber, die das Fundament der Beziehung zwischen dem russischen Staat und seiner Bevölkerung bildet. Eine Levada-Umfrage im Auftrag des Komitees gegen Folter (das inzwischen selbst auf der schwarzen Liste steht) ergab, dass 10 % der russischen Bevölkerung bereits Erfahrungen mit Folter durch Strafverfolgungsbehörden gemacht hat. Das Land zeichnet sich durch eine Kultur der Grausamkeit aus. Häusliche Gewalt gilt in Russland nicht mehr als Straftat. So wurden in der ersten Woche nach Kriegsbeginn junge Demonstrantinnen in Polizeizellen gedemütigt und sexuell missbraucht. Knapp 30 % der russischen Bevölkerung sind der Meinung, dass Folter erlaubt sein sollte.

Die von der russischen Armee in Butscha und anderen besetzten Städten begangenen Gräueltaten stellen nicht nur kriegsbedingte Exzesse oder disziplinloses Verhalten dar. Sie sind Ausdruck des Lebens in der Armee, das von Veteranen weiter verbreitet wird. Die 64. Motorisierte Schützenbrigade, die mutmaßlich für die Übergriffe verantwortlich war, erhielt von Putin den Titel „Garde“ für die Verteidigung des „Mutterlandes und der Staatsinteressen“ und wurde für „Massenheroismus und Tapferkeit, Durchhaltekraft und Mut“ gepriesen. In Russland ist die im Fernen Osten stationierte Brigade für Tyrannei und Misshandlungen berüchtigt.
Putins nachlassende Legitimität schürte Faschismus

Wie so vieles aus dem Kreml ist auch der Faschismus ein von oben gesteuertes Projekt, ein Schachzug der herrschenden Elite und nicht die Folge einer Bürgerbewegung. Er verlangt keine Mobilisierung der Massen, sondern passive Akzeptanz. Es geht darum, die Menschen zu entmündigen und jede Form der Selbstorganisation zu verhindern. Der Kreml und die Fernsehanstalten können diesen Prozess nach Belieben steuern. In den ersten Jahren seiner Präsidentschaft griff Putin auf finanzielle Mittel zurück, um die Bevölkerung aus dem politischen Geschehen herauszuhalten. Nachdem die Wirtschaft 2011-12 ins Stocken geriet und die bürgerliche Mittelschicht für mehr Rechte auf die Straße ging, schürte er Nationalismus und Hass. Als sich die politische Lage nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 wieder beruhigte, verschwand der Faschismus so plötzlich wie er aufgetaucht war.

Sein erneutes Erwachen in den Jahren 2021-22 folgte auf Putins nachlassende Legitimität, Proteste gegen die Vergiftung und Verhaftung des Oppositionsführers Alexej Nawalny und die zunehmende Entfremdung der jüngeren russischen Bürger, die weniger empfänglich für Fernsehpropaganda und offener für den Westen sind. In ihren Augen war Putin ein alternder, rachsüchtiger und korrupter Großvater, dessen geheimer Palast durch Nawalnys millionenfach geklickten YouTube-Film im Jahr 2021 enthüllt wurde. Putin musste einen höheren Gang einlegen - dazu gab ihm die Ukraine die passende Gelegenheit.
Freiheit bedeutet Knechtschaft

Die Wurzeln des russischen Faschismus reichen bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück. Im Anschluss an die Oktoberrevolution keimte faschistisches Gedankengut unter den „weißen Emigranten“ auf. Ein Teil dieser Ideen gelangte nach dem Krieg durch Stalin wieder in die Sowjetunion. Er befürchtete die Ermächtigung und Befreiung seines eigenen Volkes durch einen Sieg über den Faschismus, den er zusammen mit Amerika und Großbritannien errungen hatte. So erklärte er den sowjetischen Erfolg zum Triumph des Totalitarismus und des russischen imperialen Nationalismus. Kriegsverbündete verwandelte er in Feinde und Faschisten, die alles daran setzten, die Sowjetunion zu zerstören und sie um ihren Ruhm zu bringen.

In den nachfolgenden Jahrzehnten schränkte die offizielle kommunistische Ideologie und die persönliche Erfahrung der Russen im Kampf gegen die Nazis an der Seite der westlichen Alliierten den Faschismus ein. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion schwanden diese Zwänge und öffneten die Büchse der Pandora. Durch die vollständige Ablehnung der alten sowjetischen Ideale durch die liberale Elite der 1990er Jahre verschwand auch eine lange Tradition antifaschistischer Literatur und Kunst.
„An das Leben in einer Welt, in der ein krimineller Staat das Sagen hat, gewöhnt“

Die ganze Zeit über hatte der Faschismus innerhalb der KGB im Verborgenen geschwelt. In den späten 1990er Jahren bezeichnete Alexander Jakowlew, der Architekt der demokratischen Reformen unter Michail Gorbatschow, die Sicherheitsdienste offen als Wegbereiter des Faschismus. „Die Gefahr des Faschismus in Russland ist real, denn seit 1917 haben wir uns an das Leben in einer kriminellen Welt gewöhnt, in der ein krimineller Staat das Sagen hat. Durch Ideologie geheiligtes Banditentum - diese Formulierung passt sowohl zu Kommunisten als auch zu Faschisten.“

Diese Doppeldeutigkeit zeigte sich besonders deutlich in der äußerst populären 12-teiligen Fernsehserie „Siebzehn Augenblicke des Frühlings“, die in den 1970er Jahren auf Anweisung des KGB produziert wurde. Auf den ersten Blick war die Serie nichts anderes als der Versuch einer Wiederbelebung der stalinistischen Geheimpolizei. Juri Andropow, ehemaliger KGB-Chef und späteres sowjetisches Staatsoberhaupt, beabsichtigte die Verherrlichung sowjetischer Spione, um eine neue Generation junger Männer für den Dienst zu gewinnen. Wie sich herausstellte, verhalfen die Sendungen zur Einführung einer nationalsozialistischen Ästhetik in die russische Populärkultur - eine Ästhetik, die später von Putin instrumentalisiert werden sollte.
Nicht ukrainischer, sondern russischer Faschismus
The Economist / Getty Images Nicht ukrainischer, sondern russischer Faschismus
Neue Ära einer Zeit der Manipulation

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein fiktiver sowjetischer Spion, der unter dem Decknamen Max Otto von Stierlitz das Oberkommando der Nazis infiltriert. Als hochrangiger Standartenführer der SS hat er die Aufgabe, einen Geheimplan zu vereiteln, der zwischen der CIA und Deutschland kurz vor Kriegsende geschmiedet wird. Die Nazis in dieser Verfilmung werden von den beliebtesten sowjetischen Schauspielern menschlich und attraktiv verkörpert. Wjatscheslaw Tichonow, der die Rolle des Stierlitz spielte, war ein Musterbeispiel für männliche Perfektion. Groß und gut aussehend, mit perfekten Wangenknochen, glänzte er in einer eleganten Nazi-Uniform, die im sowjetischen Verteidigungsministerium für ihn geschneidert worden war.

Die Bürger Russlands waren fasziniert. Dmitri Prigow, ein russischer Künstler und Dichter, schrieb: „Unser wundervoller Stierlitz verkörpert gleichermaßen den perfekten Faschisten und den perfekten Sowjetbürger, der den Übergang vom einen zum anderen mit überwältigender und unmerklicher Leichtigkeit vollzieht... Er ist der Vorbote einer neuen Ära - einer Zeit der Mobilität und der Manipulation.“

Und Putin profitierte. Unmittelbar vor seiner Ernennung zum russischen Präsidenten im Jahr 1999 nannten die Wähler Stierlitz in Umfragen als ihre Idealbesetzung für das Amt - gleich nach Georgi Schukow, dem Befehlshaber der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg. Putin, ein ehemaliger KGB-Mann, der in Ostdeutschland stationiert gewesen war, hatte das Image eines modernen Stierlitz kultiviert.
Putin war bevorzugter Kandidat, weil er wie Stierlitz aussah

Als das Meinungsforschungsinstitut VTsIOM die Umfrage 2019 wiederholte, belegte Stierlitz den ersten Platz. „Es hat eine Umkehrung stattgefunden“, so die Meinungsforscher. „1999 schien Putin der bevorzugte Kandidat vor allem deshalb zu sein, weil er wie Stierlitz aussah; 2019 bleibt das Bild von Stierlitz relevant, weil es von dem bekanntesten Politiker des Landes umgesetzt wird.“ Am 24. Juni diesen Jahres wurde eine Stierlitz-Statue vor dem Hauptquartier des Auslandsnachrichtendienstes (SWR) enthüllt, der Teil des sowjetischen KGB gewesen war.

Für Putin gehen die faschistische Ästhetik und die besondere russische faschistische Philosophie Hand in Hand. So haben er und ein Großteil seiner ehemaligen KGB-Kollegen den Kapitalismus umarmt und gegen Liberale und Sozialisten gehetzt. Auch projizierten sie die Demütigung, die sie im ersten postsowjetischen Jahrzehnt erlitten hatten, auf das ganze Land und stellten das Ende des Kalten Krieges als Verrat und Niederlage dar.
Westliche Demokratie würde Russland in den Ruin treiben

Ihr Prophet heißt Iwan Iljin, ein Philosoph des frühen 20. Jahrhunderts, der in den 1920er Jahren von den Bolschewiki ins Exil geschickt wurde und sich in Italien und Deutschland dem Faschismus anschloss. Iljin sah den Faschismus als ein „notwendiges und unvermeidliches Phänomen... basierend auf einem gesunden Nationalbewusstsein“. Damit rechtfertigte er die selbsternannte Rolle der Politiker als Hüter des Staates. Als solche waren sie dazu berufen, dessen Ressourcen zu kontrollieren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verurteilte Iljin die seiner Meinung nach von Hitler begangenen Irrtümer, wie z. B. den Atheismus, und seine Verbrechen, darunter die Vernichtung der Juden. Trotzdem glaubte er weiter an die faschistische Idee der nationalen Wiedergeburt. Im Jahr 1948 schrieb er: „Der Faschismus ist ein komplexes, vielschichtiges Phänomen und, historisch gesehen, weit davon entfernt, überlebt zu werden“. Entsprechend dieser Auffassung begrüßte Putin die Religion, lehnte den Antisemitismus ab und verzichtete auf eine kollektive Führung zugunsten seiner von Plebisziten bestätigten direkten Regierungsgewalt.
Lesen Sie auch: Zwangsrekrutierung - Kreml schickt Angestellte von Staatskonzernen zur „militärischen Umschulung“

Iljins Buch „Unsere Aufgaben“ wurde 2013 vom Kreml als Pflichtlektüre für Staatsbeamte empfohlen. Es schließt mit einem kurzen Aufsatz an einen künftigen russischen Führer. Demokratie und Wahlen nach westlichem Vorbild würden Russland in den Ruin treiben, heißt es darin. Nur eine „geeinte und starke Staatsmacht, im Grundgedanken diktatorisch und im Wesen nationalstaatlich“ könne das Land vor dem Chaos bewahren.
Iljin prägte Putin-Politik

Das von Putin angeblich wiederholt gelesene Werk Iljins heißt „Was der Zerfall Russlands für die Welt bedeuten würde“ und stammt aus dem Jahr 1950. Darin wird argumentiert, dass die westlichen Mächte versuchen werden, „ihr feindseliges und lächerliches Experiment auch im postbolschewistischen Chaos durchzuführen, indem sie es trügerisch als den höchsten Triumph von ,Freiheit‘, ,Demokratie‘ und ,Föderalismus‘ darstellen ... Die deutsche Propaganda hat zu viel Geld und Mühe in den ukrainischen Separatismus (und vielleicht nicht nur in den ukrainischen) investiert“.

Nach dem ersten Volksaufstand in der Ukraine, der so genannten „Orangenen Revolution“, im Jahr 2005 bezeichnete Putin den Zusammenbruch der Sowjetunion als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Er nutzte die anti-ukrainische Stimmung in seinem Land, um es auf einen Konfrontationskurs mit dem Westen zu bringen. Im selben Jahr brachte man Iljins Leichnam aus der Schweiz, wo er 1954 im Exil gestorben war, nach Russland zurück. Berichten zufolge bezahlte Putin den Grabstein aus seinen eigenen Ersparnissen. Im Jahr 2009 legte er Blumen auf Iljins Grab nieder.
Unwissenheit bedeutet Stärke

Dass Putin sich faschistische Methoden und Denkweisen zu eigen gemacht hat, ist eine alarmierende Botschaft für den Rest der Welt. Die Funktionsweise des Faschismus besteht darin, sich Feinde zu schaffen. Er macht Russland zum tapferen Opfer des Hasses anderer, während er zugleich die Abneigung gegen seine realen und vermeintlichen Feinde im In- und Ausland rechtfertigt.

Putins Vorgänger und „Modernisierer“ Dmitri Medwedew äußerte kürzlich in den sozialen Medien: „Ich hasse sie. Sie sind Mistkerle und Degenerierte. Sie wollen uns, Russland, tot sehen... Ich werde alles tun, um sie verschwinden zu lassen.“ Auf wen er sich dabei bezog, ließ er im Dunkeln. Die russische Feindseligkeit richtet sich gegen drei Ziele: den liberalen Westen, die Ukraine und die Verräter im eigenen Land. Sie alle müssen sich vor Augen führen, was russischer Faschismus bedeutet.
Kampf gegen die westliche Demokratie

Putin versucht seit langem, die westlichen Demokratien zu untergraben. So hat er in Europa rechtsextreme Parteien wie das französische Rassemblement National (RN), Fidesz in Ungarn und die Lega in Italien unterstützt. In der Hoffnung auf einen Sieg von Donald Trump über die Demokraten mischte er sich in die amerikanischen Wahlen ein.

Doch selbst wenn die Kämpfe in der Ukraine zum Stillstand kommen, wird sich der Iljin-Anhänger im Kreml nicht mit den westlichen Demokratien arrangieren. Putin und seine Leute werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Liberalismus zu bekämpfen und Zwietracht zu säen.

Seit Jahrhunderten schon ist Russland teil-europäisch. Wie der Politologe Kirill Rogow jedoch kürzlich feststellte, ermöglichte der Ukrainekrieg es Putin, diesen Teil der russischen Identität abzutrennen. Während Putin an der Macht ist, wird Russland Bündnisse mit China, dem Iran und anderen antiliberalen Ländern eingehen. Wie immer steht es dabei an der Spitze der Ideologie.
Düstere Aussichten für die Ukraine

Für die Ukraine sind die Prognosen noch düsterer. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn veröffentlichte Russlands staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti einen Artikel, in dem sie zur Beseitigung „der ethnischen Komponente der Selbstidentifikation unter den Bewohnern der von den Sowjetmächten geschaffenen Gebiete des historischen Klein- und Neurusslands [Ukraine und Belarus]“ aufrief.

Nach Putins Aussage ist die Ukraine Ursprung tödlicher Viren und Heimat amerikanisch finanzierter biologischer Laboratorien, die mit Coronavirus- und Cholerastämmen experimentierten. „In unmittelbarer Nähe zu Russland werden biologische Waffen hergestellt“, warnte er.

Das russische Staatsfernsehen bezeichnet die Ukrainer als Gewürm. In einer Talkshow scherzte Herr Solowjow kürzlich: „Wenn ein Arzt eine Katze entwurmt, ist das für den Arzt eine Spezialoperation, für die Würmer ist es ein Krieg und für die Katze ist es eine Säuberung.“ Die Chefredakteurin des staatlich kontrollierten internationalen Fernsehsenders RT, Margarita Simonyan, erklärte „Die Ukraine darf nicht weiter existieren.“
Eigenständige ukrainische Identität stellt Bedrohung für imperialistisches Russland dar

Ziel der Invasion ist nicht nur die Eroberung von Gebieten, sondern auch die Beseitigung der eigenständigen ukrainischen Identität, die eine Bedrohung für die imperialistische Ausrichtung Russlands darstellt. Zusammen mit seinen Straftruppen hat der Kreml Hunderte von Lehrern entsandt, um die ukrainischen Kinder in den besetzten Gebieten umzuerziehen. Das Land setzt eine unabhängige, souveräne Ukraine mit dem Nationalsozialismus gleich. Entweder verliert die Ukraine ihren Status als Nationalstaat oder Russland selbst wird vom Gedanken der Emanzipation infiziert, der seine imperiale Identität zerstören wird.

Besonders finster fallen die Aussichten für Russland aus. Putin rechnete nicht mit einem Zermürbungskrieg. Er ging von der Annahme aus, dass ein Angriff auf Kiew einen raschen Regimewechsel in der Ukraine und die Unterwerfung der ukrainischen Gesellschaft zur Folge haben würde. Bislang ist es Putin nicht gelungen, die Ukraine zu besiegen. Russland hat er dagegen erfolgreich besiegt.

Die Thematik der körperlichen Verseuchung und Säuberung ist nicht allein auf die Ukraine beschränkt. Auch in Russland existieren Fremdkörper - Auster schlürfende, Gänseleberpastete essende Verräter, die geistig in der westlichen Welt leben und mit genderfluiden Ideen infiziert sind. Das russische Volk, so erklärte Putin in einer Fernsehansprache, werde sie „einfach ausspucken wie ein Insekt in seinem Mund“, was zu einer „natürlichen und notwendigen Selbstentgiftung der Gesellschaft“ führe.
Putin schließt Volk von Entscheidungsfindung aus

Wie Stalin fürchtet auch Putin das Volk und misstraut ihm. Es muss kontrolliert, manipuliert und, wenn nötig, unterdrückt werden. Er schließt es von der tatsächlichen Entscheidungsfindung aus. Wie der russische Soziologe Greg Yudin argumentiert, wird das Volk für das Ritual der Wahlen benötigt, das die Legitimität des Anführers demonstriert, aber in der übrigen Zeit soll es unsichtbar bleiben. Yudin nennt diese Vorgehensweise „Menschen auf Abruf“.

Der Krieg hat alles verändert. Hitler sagte im Frühjahr 1943 zu Goebbels: „Der Krieg ... hat uns die Lösung einer ganzen Reihe von Problemen ermöglicht, die in normalen Zeiten niemals hätten gelöst werden können“. Schon bald war Putin in der Lage, eine De-facto-Militärregierung einzurichten und die zensorische Kontrolle zu übernehmen. Er sperrte Facebook, Twitter und Instagram sowie alle noch verbliebenen unabhängigen Medien, isolierte das Land vom toxischen Einfluss des Westens und jagte alle Gegner des Krieges aus dem Land. Jede öffentliche Äußerung, die die Version des Kremls über die Ereignisse in der Ukraine in Frage stellt, wird mit einer 15-jährigen Gefängnisstrafe geahndet.
Krieg habe Russland gesellschaftlich verändert

Gregory Asmolov vom King's College London vertritt die Ansicht, diese neue politische Realität sei noch vor wenigen Monaten unvorstellbar gewesen und bedeute nun den größten Erfolg des Kremls in diesem Konflikt. Der Krieg habe Putin den Wandel Russlands zu einer, wie Asmolov es nennt, „abgekoppelten Gesellschaft“ ermöglicht. Dazu argumentiert er: „Diese Bemühungen beruhen auf der Vorstellung, dass der Schutz einer internen Legitimität der derzeitigen Führung und die Loyalität der Bürger unmöglich sind, wenn Russland relativ offen und mit dem weltweit vernetzten System verknüpft bleibt."

Bisher hat Putin eher eine Lähmung der russischen Gesellschaft erreicht, als eine Mobilisierung der Massen. Inszenierungen von Einigkeit und Mobilisierung geschehen durch die Fernsehsender, die innerhalb eines alternativlosen Informationsraums agieren. Unter den Zuschauern - überwiegend Menschen jenseits der 60 - befürworten mehr als 80 % den Krieg. Von den 18- bis 24-Jährigen, die ihre Nachrichten aus dem Internet beziehen, ist es weniger als die Hälfte. Möglicherweise liegt hier der Grund dafür, dass die Symbolfiguren der Z-Operation keine berufstätigen Männer und Frauen sind, sondern eine Babuschka mit einer roten Fahne und ein achtjähriger „Enkel“ (auf Wandmalereien oder Schokoladenverpackungen). Sie sind die idealen Fernsehzuschauer und Reality-Show Statisten.
„Erzwungener Konsens“

Die Kombination aus Angst und Propaganda erzeugt das, was Rogow einen „erzwungenen Konsens“ nennt. Der Staat veröffentlicht Meinungsumfragen, aus denen hervorgeht, dass die Mehrheit der Russen die „Spezialoperation“ begrüßt. Der Hauptgrund, Putin zu unterstützen, ist der Glaube daran, dass alle anderen es auch tun. Das Verlangen nach Zugehörigkeit ist stark. Selbst wenn Informationen zur Bevölkerung durchsickerten, würden diese „einfach ignoriert oder weggeredet, um das von der Propaganda geschaffene Konzept von sich selbst, dem Land und der Macht nicht zu zerstören“, so die Soziologin Elena Konewa.

Der Motor des Faschismus fährt nicht im Rückwärtsgang. Putin kann nicht zu einem realitätsnahen Autoritarismus zurückkehren. Die Expansion liegt in seiner Natur. Und er wird versuchen, sich nicht nur geografisch auszudehnen, sondern auch in das Privatleben der Menschen einzudringen. Mit zunehmender Dauer des Krieges und steigenden Verlustzahlen stellt sich die Frage, ob Putin die Mobilisierung der passiven Mehrheit gelingen wird, oder ob diese langsam unruhig wird. Die Eliten im Kreml, in der Armee und in den Sicherheitsdiensten werden die Lage genau beobachten.
Zwei plus zwei macht vier

Victor Klemperer, ein deutscher Jude, der im Ersten Weltkrieg kämpfte und den Zweiten überlebte, schrieb, dass „der Nationalsozialismus das Fleisch und Blut der Menschen durch einzelne Wörter, Redewendungen und Satzstrukturen durchdrang, die ihnen in millionenfacher Wiederholung aufgezwungen wurden.“ In seinem Buch „Die Sprache des Dritten Reichs“ beschreibt er, wie sich die Vorsilbe ent- während des Krieges in Deutschland durchsetzte.

Als russische Panzer in den frühen Morgenstunden des 24. Februar die Ukraine überrollten, eröffnete Putin seinen Krieg gegen die Ukraine mit der gleichen distanzschaffenden Vorsilbe. Das Ziel, so erklärte er, seien Ent -Nazifizierung und Ent -Militarisierung. Die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti fügte später hinzu: „Die Entnazifizierung bedeutet unweigerlich auch die Ent -Ukrainisierung“.

„Der Nationalsozialismus hat Deutschland beinahe zerstört“, schrieb Klemperer, „Die Aufgabe, es von dieser tödlichen Krankheit zu heilen, wird heute als ,Entnazifizierung‘ bezeichnet. Ich hoffe und glaube, dass dieses schreckliche Wort ... verschwinden und nur noch ein historisches Dasein führen wird, sobald es seine gegenwärtige Aufgabe erfüllt hat ... Doch das wird noch eine Weile dauern, denn nicht nur die nationalsozialistischen Taten müssen verschwinden, sondern auch ... die typische nationalsozialistische Denkweise und ihr Nährboden: die Sprache des Nationalsozialismus.“

Der Beitrag ist zuerst im Economist unter dem Titel „Vladimir Putin is in thrall to a distinctive brand of Russian fascism" erschienen und wurde von Cornelia Zink übersetzt.
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Alt 14.08.2022, 14:38   #193
Sally
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moin
schon fast zuu lang dieser Artikel, der spät im Text
gut argumentiert.
Ist hier im Bereich oft gäußert und nicht überraschend für Leser

Ich frage mich wie die führenden Köpfe darüber denken, dass Putin schon vor 8 Jahren begann US-Staats-anleihen zu verkaufen und in Gold anzulegen, in meinen Augen
hat da
der Ukraine - Krieg quasi angefangen....zumindest im Hirnn des KGB
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Alt 14.08.2022, 19:53   #194
bimbes
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„Als Pionier der Medienkritik hatte Karl Kraus schon erkannt, dass die Medien die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern erzeugen, und dass Meinungen und Stimmungen nicht einfach entstehen, sondern gemacht werden.

All das erleben wir heute. Und weht doch noch mal ein zarter Hauch von echter journalistischer Berichterstattung – wie eine CBS- Dokumentation über das Schwarze Loch Ukraine, in dem zwei Drittel der gelieferten Waffen verschwinden – dann muss der Sender den Report entfernen. Wenn Amnesty International berichtet, dass die ukrainische Armee Kriegsverbrechen begeht weil sie sich hinter Zivilisten verschanzt, wird die Institutschefin sofort gefeuert. Und wenn ein Prominenter wie der großartige Roger Waters ( “We dont need no education”) auf CNN ein wenig Klartext redet und dem Reporter (ab Min. 23) “education” verordnet in Sachen Ukraine, Minsk-Vereinbarungen und begründet, dann kann so ein Interview nicht ungeschnitten gesendet werden.

„Und wer gar wagt, als echter Frontreporter live aus dem Donbass zu berichten wie Graham Philips, dem wird in seiner britischen Heimat sein Bankkonto gesperrt – ohne Gerichtsverfahren, ohne Einspruchsmöglichkeit, unter dem Bann totalitärer “Sanktionen”.

Willkommen in der Neuen Normalität der "regelbasierten Ordnung" in der grundlegende Menschenrechte ebenso außer Kraft gesetzt sind wie die Presse- und Meinungsfreiheit.

https://www.broeckers.com/
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Alt 14.08.2022, 20:52   #195
robbyredford
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Zitat:
Zitat von bimbes

„Als Pionier der Medienkritik hatte Karl Kraus schon erkannt, dass die Medien die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern erzeugen, und dass Meinungen und Stimmungen nicht einfach entstehen, sondern gemacht werden.

All das erleben wir heute. Und weht doch noch mal ein zarter Hauch von echter journalistischer Berichterstattung – wie eine CBS- Dokumentation über das Schwarze Loch Ukraine, in dem zwei Drittel der gelieferten Waffen verschwinden – dann muss der Sender den Report entfernen. Wenn Amnesty International berichtet, dass die ukrainische Armee Kriegsverbrechen begeht weil sie sich hinter Zivilisten verschanzt, wird die Institutschefin sofort gefeuert. Und wenn ein Prominenter wie der großartige Roger Waters ( “We dont need no education”) auf CNN ein wenig Klartext redet und dem Reporter (ab Min. 23) “education” verordnet in Sachen Ukraine, Minsk-Vereinbarungen und begründet, dann kann so ein Interview nicht ungeschnitten gesendet werden.

„Und wer gar wagt, als echter Frontreporter live aus dem Donbass zu berichten wie Graham Philips, dem wird in seiner britischen Heimat sein Bankkonto gesperrt – ohne Gerichtsverfahren, ohne Einspruchsmöglichkeit, unter dem Bann totalitärer “Sanktionen”.

Willkommen in der Neuen Normalität der "regelbasierten Ordnung" in der grundlegende Menschenrechte ebenso außer Kraft gesetzt sind wie die Presse- und Meinungsfreiheit.

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sei doch einfach froh, dass wenigstens du in dieser furchtbaren westlichen welt mit ihrer "Neuen Normalität der regelbasierten Ordnung" weiterhin unzensiert und frei nach schnauze, dünkel und polit. grundhaltung deinen agitatorischen sermon völlig unzensiert (und in diesem forum sogar hochgeschätzt und fast unwidersprochen) immer und immer wieder darlegen darfst


freu dich
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