Vollständige Version anzeigen : Wenn das kein Mord war ...
Donnerstag 5. Juni 2003, 13:20 Uhr
E i l Jürgen Möllemann ist tot
Recklinghausen (AP) Der frühere stellvertretende FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann ist tot. Das bestätigte am Donnerstag eine Sprecherin der Polizei in Recklinghausen.
.... an Selbstmord oder Unfall glaube ich nicht !
PreMillionaire
05.06.2003, 13:51
Warum nicht Selbstmord? Mit der Aufhebung der Immunität und den Razzien wurde Möllemann in seiner Ehre gekränkt, ob nun berechtigt oder unberechtigt laß ich mal außen vor.
Frontman
05.06.2003, 13:52
ich denke eher selbstmord, da sind zu viele sachen die ihm wohl keinen weg gelassen haben :(
War bißchen dürftig die Info oben. (Danke Pre, hab's mal kopiert)
Möllemann bei Fallschirmabsturz ums Leben gekommen
Recklinghausen (AFP) - Der frühere FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann ist bei einem Fallschirmabsturz im nordrhein-westfälischen Marl ums Leben gekommen. Das teilte ein Sprecher der Polizei in Recklinghausen mit. Die näheren Umstände des Unglücks sind noch unklar. Zuvor war im Rahmen der Ermittlungen gegen Möllemann das Haus des früheren FDP-Spitzenpolitikers in Münster durchsucht worden. Der Bundestag hatte am Morgen einstimmig die Immunität Möllemanns aufgehoben und so den Weg für die Behörden freigemacht.
Gegen Möllemann ermitteln die Staatsanwaltschaften in Münster und Düsseldorf wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und des Verdachts des Verstoßes gegen das Parteiengesetz. Im Zuge der Ermittlungen sollten nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft Münster insgesamt 25 Räumlichkeiten an 13 Orten in Deutschland, Luxemburg, Spanien und Liechtenstein durchsucht werden. An den Maßnahmen waren Staatsanwälte, Steuerfahnder und Beamte des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen beteiligt. Ein Sprecher Möllemanns wollte sich im Düsseldorfer Landtag zunächst nicht zu den Durchsuchungen äußern.
Und wer ist für Unfall ? :(
Ja warten wir es am besten ab was bei den Ermittlungen rum kommt. Mutmaßungen bringen niemandem etwas.
Matze
DIE ZEIT veroeffentlichte folgenden Nachruf:
Der letzte Absturz eines Talents
Der Tod von Jürgen Möllemann kann niemanden kalt lassen, schon gar nicht all jene, die so lange von ihm profitiert haben, ohne schon früher die Reißleine zu ziehen
Von Robert Leicht für ZEIT.de
Man mag es kaum glauben, so melodramatisch der Effekt:
Jürgen Möllemann ist auf eben die Weise zu Tode gekommen, auf die er seine politische Laufbahn immer wieder aufzubauschen versuchte: Durch einen Sprung aus dem Flugzeug - diesmal allerdings ohne dass sich der Fallschirm öffnete. Geradezu zwangsläufig fühlt man sich an seinen eigenen Spruch erinnert: "Bei meinen Fallschirmsprüngen klatschen viele nur so lange, wie der Schirm sich noch nicht geöffnet hat." Makaber das Ganze - gerade weil es eine so absonderliche Logik zu haben scheint.
Was den letztlich verschmähten Populisten dahin brachte, sein Leben zu verschmähen - die Einsicht, dass ein politisches Spiel aus war, die gerade gegen ihn gestartete Razzia in seinen Firmenräumen, die Aufhebung seiner Immnuität - wir werden es wohl nie genau erfahren. So beklemmend konsequent sich das alles ausnimmt, wir dürfen uns dieser vermeintlichen Konsequenz nicht hingeben, weil sie nur dazu führt, zu denken: Möllemann war eben nicht nur selber, sondern allein schuldig am Desaster seines Abstieges.
Nein, während seines Aufstieges habe so viele mit ihm gespielt, haben so viele in der FDP von ihm profitiert, haben übrigens auch in den Medien viele auf seine provozierenden und profilsüchtigen Äußerungen spekuliert: Da waren wenige, die beizeiten ihm den Kopf zurechtgerückt haben - was auch gewiss nicht so einfach gewesen wäre. Aber wenn aus dem Talent schließlich ein Irrläufer wurde, dann haben auch jene ein Maß an Mitschuld, die nicht schon viel früher an der Reißleine gezogen haben, größte Namen sind darunter.
So bleibt nun das - nebst allem vorausgegangenen Zorn - erschütternde Ergebnis auch unseres politischen Prozesses in einer Medien- und Massendemokratie: Dieser Selbstdarstellerzirkus, der auf immer neue Selbstdarsteller angewiesen ist, verbraucht seine Helden so schnell, wie er sie anfordert. Viele sind dem nicht gewachsen und verhärten innerlich zu Masken, denen nichts mehr zustoßen kann. Dass Jürgen Möllemann, dem man politisch immer heftiger entgegentreten musste, die Unmöglichkeit seiner Lage noch erkannt hat, erschüttert auch den Kritiker mindestens so sehr, wie die makabre Flucht, die er aus dieser immer enger gewordenen Unmöglichkeit gewählt hat.
Der Fall Möllemann wäre das passende Beispiel, um einmal auf die "sychologie des Suizids"einzugehen. :(
Ich bin mehr als erschüttert,
wieviele SCN-user unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes von Möllemann Schuld zuweisen und Täter benennen konnten:
Erstens,
Jürgen W.Möllemann wurde in den Tod getrieben,
zweitens,
von den Juden,
drittens,
erklärten jene user unverzüglich, parallel dazu, daß sie mit rechtsradikalem Gedankengut nicht die Bohne zu tun hätten, als Indizien wurden die ausländische Ehefrau angeführt, die mit der Situation in D auch unzufrieden sei, desweiteren die deutsche Nationalität, für die man zu schämen sich weigern würde und die sogenannte "Gutmenschenführung" durch die Jüdische Gemeinde in Deutschland, die MOSSAD-gesteuert und Meinungsfreiheit verneinend eine Kampagne gegen Möllemann inszenierte, die an die Methoden von Goebbels Hetzpropaganda erinnerte.
Beim zwangsläufigen Nachlesen fiel mir nur Kurt Tucholsky ein,
der angesichts des Aufmarsches der Nazis 1933 unter dem Brandenburger Tor in Berlin schrieb:
"Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte."
Ist mal wieder die jüdische Weltverschwörung an deutscher Unzufriedenheit schuld,
müssen sich deutsche Ehrenmänner zu Tode stürzen, wenn sie "einfach nur die Wahrheit sagen"?
Sind die Juden, wie zu allen Zeiten, selbst schuld, wenn sie keiner mag?
Wer sind die "Schuldigen" von morgen... Ausländer, Moslems, Behinderte und Schwule?
Alles schon mal da gewesen, liegt nur ein paar Jahrzehnte zurück.
Gegen Möllemann waren verschiedene juristische Verfahren, unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung anhängig, Staatsanwaltschaften in Luxemburg, Liechtenstein, Frankreich und Deutschland ermittelten gegen ihn, der (demokratisch) gewählte Deutsche Bundestag hob kurz vorher seine, durch Abgeordnetenstatus erworbene Immunität auf, die geplanten Durchsuchungen seiner Geschäfts- und Privaträume wurde ihm zwei Stunden vorher bekannt gegeben - und der Mann geht seelenruhig aus 4000m Fallschirmspringen???
Wenn dem so war, wird sich herausstellen, daß es sich bei dem Absturz um einen tragischen Unglücksfall handelte, wenn nicht, wird unter Umständen herauskommen, daß Jürgen W. Möllemann nicht der Ehrenmann war, für den man ihn zu halten glaubte.
Unsere Vergangenheit ist schwierig genug, das dunkelste Kapitel alles andere als bewältigt zu betrachten, eine Rückkehr zum normalen Zusammenleben von jüdischen und nichtjüdischen Deutschen in weiter Ferne, also laßt uns bitte nicht den restlichen Kredit verspielen, den unsere Eltern und Großeltern nach dem Krieg bekamen, um zu zeigen, daß wir für den "häßlichen Deutschen" Verantwortung (nicht Schuld!) übernehmen können, nichts anderes erwartet die -überwiegend nichtjüdische- Welt von uns.
Mein Beileid an die Frau und Kinder von Herrn Möllemann, die Unumkehrbarkeit und die Unbegreiflichkeit seines Entschlußes werden sie mit vielen Fragen alleine lassen... :(
Tut mir leid Carlo, das war wirklich etwas schnell reagiert von mir, war aber mein erster spontaner Gedanke, und da hier wie auch anderswo im IT ziemlich viel "rumverschwört" wird, dachte ich , ich hätte auch das Recht, diese fraglos provokante und sicher unpopulärste aller Ansichten ( ich bin ein überzeugter Anti-Politiker) zu äußern.
Mein Beileid gilt natürlich auch der Familie von JWM .:( Aber wird von den Mediengeiern jetzt wohl wenigstens in Ruhe gelassen.
Hallo perry :)
dafür kannst Du gar nichts, war doch eine gute Idee, zu diesem Ereignis einen thread zu eröffnen...
Es ist nur sehr bedrückend zu lesen,
wie schnell der Neokortex einiger user geneigt ist, Sachverstand und Ratio sofort gegen verschwörerische, menschenverachtende und demokratiefeindliche Betrachtungsweisen zu tauschen, wenn dabei nur die eigene Unzufriedenheit im Wohlstandsweltbild ein Sprachrohr findet.
Ein Mensch bleibt ein Mensch, bleibt ein Mensch...Hautfarbe und Religion sind egal, so steht es in der Genfer Menschenrechtskonvention. Erschütternd, wieviele doch lieber eine Einteilung in Gut und Böse vornehmen möchten... :(
@carlo u.a.
Ich halte mich an Herrn Kubicki und Genscher. Beide gehen nicht davon aus, dass es Selbstmord war. Und so auswegslos war seine Position wirklich nicht, sowohl was die Ermittlungen betraf als auch die Aufhebung der Immunität, es war laut Kubicki, der mit seiner Verteidigung betraut ist, alles schon ziemlich weit abgeklärt. Und zu deinem Neokortex-Vorwurf noch das Gegenargument:
Obwohl der Staatsanwalt, und der dürfte derjenige mit den gesichertsten Informationen sein, in alle Richtungen einschließlich Mord bzw. Totschlag ermittelt, ist diese Variante keineswegs vom Tisch, wie es uns die Medien bereits Minuten nach dem "Ereignis" weiss machen wollen. Da wird wenn überhaupt nur die Frage Unfall oder Selbstmord in den Raum gestellt, um in einer anschliessenden Reportage über Möllemann und von seiner "letzten Inszenierung" zu sprechen, ohne dass dafür irgendein gesicherter Beweis vorliegt!!! Das ist Dir höchstwahrscheinlich wie so vieles nicht aufgefallen, mir allerdings von der ersten Minute an...
Träum weiter und vergiss die geschwollene Polemik nicht! :sss
Sag mal schloß,
sollen mir Deine Zeilen die Mitgliedschaft in einer Diskordischen Gesellschaft bedeuten?
Überzeugungen schaffen Überzeugte, was immer Du glaubst, schränkt Dich ein, also glaube nicht, was sie sagen!
Oder hältst Du es mehr mit Hodscha Nasreddin und versuchst gerade, für jedermann seinen Esel sichtbar zu machen?
Ganz schön entwurzelt, wie früher schon geschrieben... :sss
Liechtenstein sperrt Beweismittel
Selbstmord Möllemanns weiterhin bezweifelt - Ermittlungen des Staatsanwalts müssen neu geordnet werden
von Günther Lachmann
Düsseldorf _-_ Nach dem tragischen Tod von Jürgen W. Möllemann kann die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Teile der Ermittlungen gegen den früheren FDP-Politiker nicht weiterverfolgen. In der kommenden Woche will die Behörde das gesamte Ermittlungsverfahren neu ordnen. "Wir müssen darüber entscheiden, ob es Komplexe gibt, bei denen als Beschuldigter ausschließlich Jürgen Möllemann infrage kommt", sagte Staatsanwalt Johannes Mocken gegenüber WELT am SONNTAG. Bislang ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Parteiengesetz, Betruges und Untreue gegen Möllemann, den ehemaligen Hauptgeschäftsführer der nordrhein-westfälischen FDP, Hans-Joachim Kuhl, sowie vier weitere namentlich nicht genannte Beschuldigte.
Bei der Überprüfung der Ermittlungen wird ein im vergangenen Bundestagswahlkampf an rund acht Millionen Haushalte verteiltes Flugblatt eine zentrale Rolle spielen. Darin hatte Möllemann Michel Friedman und Ariel Scharon scharf angegriffen. Dieser "Flyer" hatte knapp eine Million Euro gekostet, 840 000 Euro für Post-versandkosten und 140 000 Euro für den Druck.
Exakt diese Summe hatte ein Unbekannter im vergangenen Jahr in bar von einem Luxemburger Konto der Bank BNP Paribas abgehoben. Das Konto gehört Möllemanns Düsseldorfer Firma WebTec.
Die Staatsanwaltschaft warf Möllemann vor, er solle Mitarbeiter der nordrhein-westfälischen FDP überredet haben, Geld zur Finanzierung des Flugblattes in bar und unter falschem Namen an die Parteikasse zu überweisen. "Für uns stellen sich heute also die Fragen: Stammt das von den FDP-Mitgliedern eingezahlte Geld aus Möllemanns Privatvermögen? Ist es identisch mit der Barabhebung in Luxemburg? Wenn ja, wie ist es dort hingelangt, und wusste der Geldgeber, welchem Zweck es dient? Und vor allem: Wussten die Beteiligten aus der FDP davon?", sagte Mocken.
Nur dann, wenn die Staatsanwaltschaft in der Lage ist, eine wissentliche Beteiligung von FDP-Mitarbeitern an der Flugblattfinanzierung zu beweisen, kann sie ihre Vorwürfe aufrechterhalten. Das gilt ebenso für die fragwürdigen Geldflüsse in der Zeit von 1996 bis 2001 an die nordrhein-westfälische FDP.
Beweise erhofft sich die Düsseldorfer Behörde von dem bei einer internationalen Razzia sichergestellten Material. Sie ließ 25 Objekte in vier Ländern durchsuchen, unter anderem in Liechtenstein die Landesbank sowie die Curl AG, über deren Konten Geld geflossen sein soll.
Mit den bei der Curl AG in Vaduz sichergestellten Unterlagen können die deutschen Ermittler bislang allerdings nicht viel anfangen. "Sie wurden auf Grund der Beschwerde eines Mitarbeiters der Curl AG versiegelt", bestätigte Staatsanwalt Mocken auf Anfrage. Damit sind sie bis auf weiteres nicht einsehbar. Problematisch verliefen zunächst auch die erst am Samstag abgeschlossenen Durchsuchungen in Möllemanns Ferienhaus auf Gran Canaria. Denn bevor die deutschen Beamten am Donnerstag ihren Fuß über die Türschwelle setzen konnten, traf die Nachricht vom Tod Möllemanns in Spanien ein. Deshalb musste der Durchsuchungsbeschluss dahingehend geändert werden, dass nunmehr das Gebäude der Hinterbliebenen durchsucht werden durfte. Dadurch wurde die Aktion um mindestens einen Tag verzögert. Gefunden wurden in Möllemanns Ferienhaus keinerlei schriftliche Unterlagen, die sich in dem Verfahren verwerten ließen. Die Ermittler nahmen lediglich die Festplatte eines PC mit nach Deutschland.
http://www.weltamsonntag.de/data/2003/06/08/113915.html
Samstag, 7. Juni 2003
Nach Möllemanns Tod
Unbekannte Waffengeschäfte?
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den früheren FDPSpitzenpolitiker Jürgen Möllemann basieren nach Informationen mehrerer Zeitungen auf dem Verdacht millionenschwerer Waffengeschäfte. Die "Berliner Zeitung" berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, eines dieser Geschäfte habe einen Umfang von fast einer halben Milliarde DM gehabt. In der "Bild"-Zeitung war die Rede von Zahlungen in Millionenhöhe zwischen Möllemanns Firma Web/Tec und der Firma seines langjährigen Geschäftspartners Rolf Wegener, der Curl AG in Liechtenstein. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft kommentierte diese Berichte nicht.
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Bisher war Möllemann nur mit der Lieferung von Fuchs-Spürpanzern an Saudi-Arabien Anfang der 90er Jahre in Verbindung gebracht worden. Die "Berliner Zeitung" schrieb, Möllemann habe über Scheinfirmen Provisionen in Höhe von mehreren Millionen Mark kassiert, die zum Teil nicht versteuert worden seien. Die Einkünfte aus den Rüstungsgeschäften und ihr geschäftlicher Hintergrund seien bereits weitgehend aufgeklärt gewesen. Aus diesem Grund habe Möllemann auch zunächst einem Angebot der Staatsanwaltschaft zugestimmt, die Verfahren gegen einen Strafbefehl sowie eine Steuernachzahlung samt Strafzuschlag zu beenden. Sein Einverständnis habe er dann aber vor wenigen Wochen zurückgezogen, als ihm die zu zahlende Gesamtsumme mitgeteilt worden sei.
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Möllemanns Freund und politischer Weggefährte Wolfgang Kubicki sagte zu den mutmaßlichen Waffengeschäften, es habe schon lange Spekulationen dieser Art gegeben: "Aber mir fehlt da wirklich jeder Hinweis."
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In Düsseldorf bestätigte Staatsanwaltssprecher Mocken Informationen der "Berliner Zeitung ", wonach in der Spendenaffäre der nordrhein-westfälischen FDP in einem Zeitraum von bereits 1996 bis 2001 ermittelt werde. Nach dem Tod Möllemanns müsse über das Verfahren neu nachgedacht werden, sagte er. Zwar würden Ermittlungskomplexe, die ausschließlich Möllemann direkt beträfen, beiseite gelegt. Es gebe aber fünf weitere Beschuldigte, gegen die zum Teil wegen Beihilfe ermittelt werde. In diesem Zusammenhang müsse auch die Mitwirkung des Haupttäters aufgeklärt werden. Deshalb könne nicht alles, was Möllemann betreffe, zur Seite gelegt werden.
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Darum müsse auch in den nächsten Wochen überlegt werden, ob die Durchsuchung von Möllemanns Privathaus in Münster neu aufgelegt werde - aus Pietätsgründen selbstverständlich erst in einiger Zeit, erklärte er. Diese war am Donnerstag nach der Nachricht von Möllemanns Tod abgebrochen worden. Die Durchsuchung der übrigen 25 Büro- und Wohnräume Möllemanns in mehreren Ländern sei abgeschlossen worden. Die Ergebnisse würden jetzt ausgewertet.
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Diskussion über Mitverantwortung in FDP
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Unterdessen ist eine Debatte über eine mögliche Mitverantwortung der FDP-Spitze entbrannt. Mehrere FDP-Politiker kritisierten, in der Affäre Möllemann seien Parteifreunde zu hart mit dem ehemaligen NRW-Landesvorsitzenden und Bundes-Vize umgegangen. Generalsekretärin Cornelia Pieper wies Vorwürfe zurück, die Parteispitze habe eine Hetzjagd auf Möllemann betrieben. Die FDP müsse sich im Zusammenhang mit seinem Tod nichts vorwerfen, sagte sie der "Märkischen Oderzeitung".
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Der Kieler FDP-Fraktionschef Kubicki gab zwar keinem FDP-Politiker Schuld an Möllemanns Tod. "Aber sicherlich werden einige Herren aus der Führungsspitze meiner Partei es heute bereuen, dass sie nicht nur den Politiker, sondern auch die Persönlichkeit Jürgen Möllemann so massiv in Frage gestellt haben ", sagte Kubicki der "Bild am Sonntag ".
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Er glaube trotz zunehmender Hinweise nicht an einen Freitod des langjährigen FDP-Spitzenpolitikers Möllemann, sondern eher an einen Unfall. Auch Fremdverschulden schloss er nicht aus. "Für einen Selbstmord gibt es keinen nachvollziehbaren Grund ", sagte Kubicki der Zeitung. "Warum sollte er sich gerade jetzt umbringen? Er hat es im November nicht getan, als klar wurde, dass seine Karriere in der FDP zu Ende ist. Er hat es im März nicht getan, als er zum Parteiaustritt genötigt wurde."
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Ähnlich hatte sich nach Angaben des stellvertretenden Münsteraner FDP-Kreisvorsitzenden Hans Varnhagen auch Möllemanns Witwe, Carola Möllemann-Appelhoff, geäußert. Er wisse von drei Beileidsbriefen von FDP- Mitgliedern, deren Annahme sie verweigert habe.
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Möllemann war am Donnerstag bei einem Fallschirmsprung am westfälischen Flughafen Marl-Loemühle in den Tod gestürzt. Inzwischen verdichten sich die Anzeichen für einen Freitod des 57-Jährigen.
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FDP-Spitze für Staatsakt
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Die FDP-Führung will indes ungeachtet aller Differenzen der vergangenen Monate für ihren Ex-Minister und -Vizekanzler einen Staatsakt im Bundestag herbeiführen. Parteichef Guido Westerwelle habe ein solches Gedenken bei der Regierung angeregt, sagte ein FDP-Sprecher. Den Antrag werde die Fraktion Anfang der Woche stellen. Es habe bereits Gespräche gegeben.
http://www.n-tv.de/3165141.html
fisherman
08.06.2003, 15:32
Ich wundere mich nur, dass sich die ganze Medienmeute so leicht mit der Selbstmordtheorie abspeisen läßt.
Und das nennt sich nun investigativer Journalismus!
Unbestritten spricht auf den ersten Blick einiges für Selbstmord, insbesondere die zeitlich Nähe zur Aufhebung der Immunität und den Hausdurchsuchungen.
Aber wäre dies nicht gerade auch eine vortreffliche Gelegenheit, einen Mord als Selbstmord zu tarnen ???
Sicherlich nicht ausgeschlossen, fisherman,
nur stellt sich dann die Frage nach der praktischen Ausführung, das heißt, durch welche vorsätzliche und bewußt geplante Handlung (Manipulation?) verlor Möllemann die Kontrolle über den Sprung?
Aus dem Flugzeug hat ihn jedenfalls keiner geschubst, unter Drogen und Alkohol stand er auch nicht.
Außer Selbstmord käme für mich da eher noch ein tragischer Unfall in Frage... :rolleyes:
fisherman
08.06.2003, 16:32
Carlo,
dazu verstehe ich zu wenig von der Materie, aber ich bin überzeugt, es gäbe derartige Möglichkeiten. Natürlich ist auch ein Unfall möglich.
Vermutlich werden die genauen Umstände ( wie im Fall Barschel ) niemals aufgeklärt werden...
Doch, ich denke schon, fisherman,
die Umstände sind doch weitaus weniger mysteriös, als bei Barschel.
Ich denke, ein Großteil der Skepsis liegt in der Unfaßbarkeit des plötzlichen Verlustes und der ewig unbeantwortet bleibenden Frage nach dem "Warum?" bei Suiziden begründet.
Naja, mal abwarten... :rolleyes:
SPIEGEL ONLINE - 05._Juni_2003,_16:50
URL:_http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,251707,00.html
Nachruf auf Jürgen W. Möllemann
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"Sein größter Gegner ist er selbst"
Von Markus Deggerich
Sein politischer Ziehvater Hans-Dietrich Genscher bezeichnete ihn als "political animal im umfassendsten Sinne des Wortes". Jürgen W. Möllemann machte diesem Ruf alle Ehre - auf einer politischen Achterbahnfahrt mit heimlichen Bewunderern und unheimlichen Feinden.
Es war sein letzter Auftritt im Fernsehen und das klang nicht nach Abschied. In altbekannter Art platzierte Jürgen Möllemann am Sonntagabend bei Sabine Christiansen einen dieser Schlusssätze, in denen er all das verband, was seine Persönlichkeit und Politik beschreibt: "Vielleicht machen wir das ja alle zusammen", sagte der ehemalige FDP-Politiker über die Spekulationen, ob er nun doch noch eine neue Partei gründen werde und erntete ein paar Lacher. Touché. Denn mit "alle" waren die anderen Politik-Outlaws wie Oskar Lafontaine und Gregor Gysi gemeint.
Es war ein typischer Möllemann-Satz: Ein wenig zynisch-ironisch, provozierend, selbsterhebend, bar jeden Realitätsbezugs in der Gegenwart, aber im Gefühl den Eindruck vermittelnd: Alles ist möglich, wenn man mich nur lässt.
Man hatte ihn lange gelassen. Nach dem Geschmack vieler Parteifreunde zu lange. Konnte er ohne? Möllemann war auf dem Höhepunkt seiner Karriere 1992/93 Wirtschaftsminister und Vizekanzler in der Regierung von Helmut Kohl (CDU). Er musste 1993 vom Amt des Wirtschaftsministers zurücktreten, weil er sich für die Vermarktung eines Einkaufswagen-Chips eines Verwandten eingesetzt hatte. Lange hatte er damals gezögert und geglaubt, das im Urlaub aussitzen zu können, bis ihn sein Ziehvater Hans-Dietrich Genscher zur Räson brachte. Schon damals entwickelte er ein Schema, mit dem er seine Niederlagen für sich erträglich gestaltete. Ging etwas schief, sah er sich als Opfer, wahlweise von Parteiintrigen, Kleinmut, Zeitgeist, betonierten Strukturen. Wer konnte ihn schon verstehen?
In der FDP rückte er später wieder zum stellvertretenden Vorsitzenden auf und war Erfinder des "Projekts 18". Kurz vorher hatte er der FDP in Nordrhein-Westfalen als Spitzenwahlkämpfer einen glänzenden Wiedereinzug in den Landtag verschafft und herrschte unangefochten im größten Landesverband. Wegen seines antiisraelischen Flugblatts kam es zwischen Möllemann, der ein erklärter Freund der arabischen Welt und seit 1993 Präsident der deutsch-arabischen Gesellschaft war, und der Partei zum Bruch. Nicht nur die windige Finanzierung der Kampagne, auch der einkalkulierte antisemitische und antiisraelische Unterton war Made by Möllemann.
Windiger Ruf
Wohl kaum ein anderer Politiker besaß einen so windigen Ruf in der politischen Klasse und in der Journaille - und wurde doch immer wieder (an)gerufen, weil man ja wusste, dass er für Schlagzeilen und knackige Zitate gut war. Möllemann war ein Magnet. In der Rolle als kalkulierender Politik-Proll nutzte er die Medien nicht nur - er war auch ihr Produkt.
Dem Politiker war es immer egal, wer unter ihm FDP-Vorsitzender war. Denen die Ämter, mir den Ruhm, war seine Devise. Nur einmal versuchte er Parteichef zu werden und fiel durch. Nach Liebesentzug verkroch er sich immer eine Weile schmollend, um dann doch wieder zurückzukehren. Er lebte vom Kurzzeitgedächtnis, dem eigenen und dem der anderen. Zusammen mit seinem FDP-Bruder im Geiste, Wolfgang Kubicki aus Schleswig Holstein, trieb er seine Parteigenossen des Öfteren an den Rand des Wahnsinns, wo ihn viele selbst oft verorteten. "Man fragt sich manchmal: Ist der Mann bei all seiner Begabung, bei all seinem politischen Geschick, ist der normal?", grübelte der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff öffentlich. Er meinte die Frage rhetorisch.
Aber in der Verachtung durch andere, die er fast masochistisch-genießend auf sich zog, schwang auch immer heimliche Bewunderung mit. Das wusste er, das spürte er. Wie oft hatte man ihn ab- und weg geschrieben? Wie oft feierte er ein Comeback? Spott-Titel sammelte er wie Orden: "Der Riesen-Staatsmann Mümmelmann" (Franz Josef Strauss), "der Quartalsirre" (Hermann Otto Solms) "Intrigantes Schwein" (Irmgard Adam-Schwaetzer). Er selbst bezeichnete sich gerne als Stehaufmännchen. Negative Aufmerksamkeit ist auch eine Form von Aufmerksamkeit. Das hatte er schnell gelernt. Und wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt und groß.
Enormes Talent auf Irrwegen
Er besaß enormes politisches Talent, aber kein Maß, keine innere Sperre. Tabus zu brechen war ihm eine Lust. Er kokettierte gerne damit, dass er den Politikbetrieb nicht brauche, weil er ja erfolgreicher Unternehmer sei. Aber wer sich so hochschraubt, fällt tief - und erst in der Not spürt man, ob man auch Freundschaften gepflegt und gewonnen hat. Wirkliche Freunde, keine Parteifreunde. Er bezeichnete seine Partei gerne als "Familie" und "Heimat". Das glaubte ihm nicht jeder, dafür war es zu emotional. Ganz sicher war sie sein Nährboden, auf dem er 33 Jahre lang als Mitglied abwechselnd gedieh und verdarb, aber er war mit ihr genauso verwachsen wie mit der Politik, die seine Bühne war.
Der studierte Lehrer kam 1972 für die Liberalen in den Bundestag, Er trat nach der Bonner Wende 1982 als Staatsminister im Auswärtigen Amt unter Genscher sein erstes Regierungsamt an. 1987 wurde er Bildungsminister, 1991 Wirtschaftsminister. Nach dem Rücktritt seines Mentors Genscher übernahm der 1945 in Augsburg geborene Möllemann auch das Amt des Vizekanzlers und Stellvertreters von Helmut Kohl (CDU).
Bei allem, was er seiner Partei zugemutet hatte, gehört auch zur Wahrheit, dass sie ihn immer wieder gerne (be)nutzte. Seine Qualitäten als Wahlkämpfer, als Antreiber, als Medienmagnet verschaffte den Liberalen immer wieder Aufmerksamkeit. Möllemann kannte dieses ambivalente Verhältnis der Partei zu ihm: "Ich weiß, dass manche bei meinen Sprüngen nur so lange geklatscht haben, wie der Fallschirm noch zu war", sagte er am 24. September 2002, einen Tag nach seinem Rücktritt als stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender.
Schuld hatte "der Münsteraner"
Als der nordrhein-westfälische Grünen-Politiker Jamal Karsli der israelischen Armee vorwarf, gegen die Palästinenser "Nazi-Methoden" anzuwenden, fand er Asyl in Möllemanns FDP-Fraktion. Lange sah Parteivorsitzende Guido Westerwelle dem Treiben zu, noch vorsichtig tastend, ob da nicht was zu holen sei, ob der Möllemann nicht vielleicht doch einen guten Riecher für Stimmungen im Volk hatte. Der FDP-Chef nutzte ebenso gerne Möllemanns Kampagnenideen vom Projekt 18 und lenkte nach der enttäuschenden Bundestagswahl 2002 die Verantwortung für die Niederlage auf "den Münsteraner", wie er am Ende nur noch genannt wurde, und das desaströse Faltblatt, in dem Möllemann eine Woche vor der Wahl erneut die antisemitische Karte spielte: Er glaubte es, wie immer, besser zu wissen.
Möllemann verließ im März unter Druck seine Partei und die Bundestagsfraktion, wie immer mit einem Türknall und dem Opferblick auf sich selbst: "Wie ich zu einer so falschen Einschätzung der FDP kommen konnte, dass ich eine solche Jagd auf einen aus den eigenen Reihen für ausgeschlossen hielt, darüber will ich erst nachdenken, wenn mich das nicht mehr buchstäblich mitten ins Herz trifft", sagte er, an Herzrhythmusstörungen erkrankt. Doch zu dem Zeitpunkt glaubte ihm nicht mal mehr jeder, dass er krank war. Möllemann, das war sein von ihm genährter Fluch, traute man alles zu.
"Political animal"
Angesichts des Todes verbietet sich Spekulation. Ungehörig erscheinen die Assoziationen vom tiefen Fall, der Reißleine, der letzten großen Schlagzeile oder Inszenierung. Aber das Leben kennt keinen Zufall. Erinnerungen werden wach an andere politische Todesfälle wie dem von Schleswig-Holsteins ehemaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel - mit dieser Mischung aus Politik- und Medienbetrieb in einer Erregungs-Gesellschaft, den verschwimmenden Grenzen aus Schuld und Unschuld, Tragik und fast vorgezeichnetem, selbst gewähltem Weg. Möllemann wird uns weiter beschäftigen und - darf man das sagen? - es passt zu ihm. Nein, darf man nicht sagen, soviel Pietät muß noch möglich sein!_ :mad:
Hans-Dietrich Genscher hielt 1997 zum 25-jährigen Bundestagsjubiläum Möllemanns eine Festrede: "Jürgen Möllemann ist ein "political animal" im umfassendsten Sinne des Wortes. Sein größter Gegner allerdings ist er selbst."
Neben der Leidenschaft für Schalke 04, wo er als Aufsichtsrat fungierte, war der Fallschirm sein Markenzeichen. Bei einem Fallschirm-Sprung ist Jürgen Möllemann am Donnerstag ums Leben gekommen. Er hinterlässt Frau und drei Kinder. Und viele Fragen.
SPIEGEL ONLINE - 06._Juni_2003,_17:15
URL:_http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,251929,00.html
Web-Märtyrer Möllemann
_
Verschwörungen, Gerüchte, Memorabilia
Von Frank Patalong
Während bei eBay der Handel mit Möllemann-Memorabilia boomt, kocht es in allen Foren. Im Diskussionsbereich der FDP-Website sprießen die Verschwörungstheorien. So schnell wird die Partei die wohl nicht wieder los.
43 Euro für ein vorgedrucktes Autogramm: Preis steigend (Stand: Freitag, 16.15 Uhr)Keine 33 Minuten nach den ersten Nachrichten vom Tode Jürgen W. Möllemanns dauerte es am Donnerstag, bis "DerLeser", ein anonymer Teilnehmer im Diskussionsforum der FDP-Website, als erster eine Verschwörungstheorie in die Runde warf: "Selbstmord ???", überschrieb er die Betreffzeile seines Beitrages, "Es gibt Geheimdienste, die wissen wie das geht".
Damit war Pandoras Büchse geöffnet. "In jedem ganz normalen Kriminalfall", schrieb ein Teilnehmer am Donnerstagnachmittag, "fragt der Ermittler erst ein mal cui bono?". Denn das beschäftigt die Gemeinde der Möllemann-Anhänger: "Warum?" Oder präziser noch: Zu wessen Vorteil wäre sein Tod?
Schnell war da die Antwort gefunden: Jenen, den der Abbruch der Ermittlungen gegen Möllemann nutzt. So entstehen Verschwörungstheorien der hartnäckigsten Sorte. Wenn dann noch einer der Protagonisten, über den im Kontext diskutiert wird, entsprechend handelt, ist der weitere Verlauf fast programmiert: Schon jetzt sprechen die Möllemann-Fans von "Auftragsmord".
Polit-Foren: In Krisenzeiten immer gefährlich
Die Redaktion der FDP-Website übt Notwehr und gießt so doch nur Öl ins Feuer: Seit Freitagmittag wird das Forum durchpflügt und "korrigiert". Teils verschwinden Einzelbeiträge, teils gleich ganze Diskussionen. Immer mehr gewagte Thesen verschwinden hinter einem offiziellen Statement:
"Liebe Freunde des Diskussionsforums,
da in der gegenwärtigen Debatte Teilnehmer den Schutz der Anonymität missbrauchten und inakzeptable Äußerungen und Beleidigungen zum Schaden des Forums gepostet haben, werden folgende Modifikationen eingeführt:
* 1. Neuanmeldungen erfolgen nicht mehr automatisch. Die Freischaltung erfolgt durch den Moderator. Das kann 1-2 Tage dauern. Auf absehbare Zeit werden bei Neuanmeldungen keine so genannten Freemailer ohne eindeutige Identifikation (z. B. gmx, hotmail, yahoo) akzeptiert. Freemailer mit eindeutiger Identifikation sind z.B. web.de.
Diese Neuerung bezieht sich NICHT auf bereits registrierte Teilnehmer!
* 2. Eine Begrenzung auf EIN neues Thema wird eingeführt: jeder Teilnehmer kann pro Tag nur noch eine neue Diskussionsgruppe eröffnen.
Wir bitten um Verständnis für die neuen Regelungen. Sie sollen das Forum vor Missbrauch schützen helfen und der Übersichtlichkeit und Benutzerfreundlichkeit dienen.
Mit freundlichen Grüßen
Der Webmaster"
Sollen die Maßnahmen das Forum vor Missbrauch, oder sollen sie die Partei schützen? Denn immer klarer kristallisiert sich heraus, wen die Diskutanten auf dem Kieker haben: die FDP, zuletzt eben nicht mehr Heimat des Jürgen W. Möllemann.
"Ob Westerwelle sich schuldig fühlt?", fragte ein Forenteilnehmer schon am Donnerstag gegen 13.24 Uhr. Dafür, entgegneten ihm andere, gebe es keinen Anlass. "Wirklich nicht?", fragte daraufhin "Martina": "Wie praktisch, dass die Ermittlungen eingestellt werden. So muss man nie erfahren, ob was dran war oder nicht."
Damit wird der normale Vorgang der Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen einen Toten zum scheinbar beweisträchtigen Indiz für die Verschwörungstheorie.
"Hier wird bewusste Legendenbildung betrieben", glaubt "Llarian", einer der emsigsten Poster im FDP-Forum. "Genau das ist doch der Grund, warum Ermittlungsbehörden eigentlich dazu angehalten werden, ihre bisherigen Ergebnisse möglichst schnell zu veröffentlichen. Um genau dem entgegenzutreten. Das wissen auch die Legendenbilder, und darum muss es schnell gehen. Eine Legende, die nicht bis zum Wochenende gebaut ist, wird von der Realität überrollt."
Reflex: Unverständliches verlangt nach Antworten
Ein Argument, das den Diskutanten der diversen Verschwörungstheorien eine böse Absicht unterstellt. Doch solche Theorien entstehen nur allzu schnell - und halten sich hartnäckig: Immer dann, wenn die Frage nach dem "Warum?" nicht be- und greifbar scheint, füllt die menschliche Phantasie die Lücke mit plausibel erscheinenden Theoremen.
"So gesehen", schreibt "Llarian" weiter, "ist jede Überlegung, die für einen Mord spricht, plötzlich genausoviel wert wie ein echtes Faktum, dass auf einen Unfall oder Selbstmord hindeutet. Bewertet wird ja anhand eines hypothetischen Beweises. Und das Ergebnis basiert auf diesen Annahmen. Und man revidiert solche Ergebnisse in der Regel nicht. Und so entstehen Legenden. Egal wie abstrus diese sind. Und diese Tendenz finde ich ziemlich übel."
Das ist sachlich, aber die wild ins Kraut schießenden Gerüchte sind menschlich. Die Anhänger des kontroversen, aber charismatischen Westfalen empfinden seinen Tod als Verlust, der einerseits nach Erklärung verlangt, andererseits nach Trost - das ist fast wie beim Tod eines Popstars.
Memorabilia: Wahlkampf-Altpapier wird Kapitalanlage
Den Trost finden sie vielleicht darin, das, was von Möllemann blieb, festzuhalten: Zeugnisse seiner physischen Existenz zum Beispiel.
Der "Möllemann-Flyer": Für seine politische Karriere der Anfang vom Ende, nun ein begehrtes HandelsgutNur Stunden nach Möllemanns Tod begann in den virtuellen Verkaufshallen von eBay ein schwunghafter Handel mit Möllemann-Memorabilia. Noch laufen die Auktionen, denn die meisten sind auf eine Laufzeit von mehreren Tagen angesetzt. Doch schon werden Autogrammkarten für 43 Euro und mehr gehandelt, schon steigen die Kurse ausgerechnet für den berüchtigten Flyer, der Möllemanns Ende in der FDP einleitete: Über 20 Euro brachte die als antisemitisch diskutierte Postwurfsendung schon am Freitagmittag.
Das Fazit der Fans: "Mölli", ein Märtyrer
Im Tod ist Jürgen W. Möllemann nun begehrt. Im Leben zuletzt politisch isoliert, wird er wieder zum "political animal", als das er den größten Teil seines Lebens galt. Der Handel mit Memorabilia wie die kochende Gerüchteküche um diverse mögliche Verschwörungsansätze deuten darauf hin, dass "Mölli" auf dem Weg ist, zum Märtyrer stilisiert zu werden.
Nichts macht das deutlicher als die Vergleiche, die in den diversen Foren der FDP-Website gezogen werden. "Wie bei Barschel" heißt da ein einsamer Diskussionsbeitrag.
Weit häufiger jedoch fällt der Name Pim Fortuyn. Nachzulesen sind solche Beiträge zumindest bei der NRW-FDP gar nicht: Möllemanns einstige politische Heimat erzittert unter den "Protesten gegen so viel Scheinheiligkeit", die die FDP nach der Veröffentlichung einer offiziellen Trauernote erleben musste. "Es wäre schön", schreibt da ein Diskutant im Forum der Bundespartei und erntet Applaus, "wenn sich alle, die Möllemann noch gestern wie einen Aussätzigen behandelten, bei ihren Nachrufen so kurz fassen könnten wie Herr Westerwelle."
Denn selbst, wenn sich der Tod Möllemanns als Selbstmord herausstellen sollte, ist für viele die Schuldfrage anscheinend schon geklärt. "Wer", fragt ein FDP-Forumsmitglied auf ein "Auftragsmord der politischen Kaste?" überschriebenes Posting, "soll ihn denn ermordet haben?"
Die Antwort darauf klärt die Schuldfrage auf jeden Fall - egal, ob Möllemanns Tod nun Unfall, Suizid oder Mord gewesen ist: "IM Geiste von den Herren Westerwelle + Konsorten".
Das ist keine bloße Verschwörungstheorie mehr, so etwas nennt man Rufschädigung.
Hoofie_or_Boo
09.06.2003, 19:46
Der FEIGLING hat sich umgebracht! ...... darüber gibt es nichts mehr zu diskutieren!
Könnten ihm einige eigentlich gleich tun!
niemandweiss
09.06.2003, 19:53
Original geschrieben von Hoofie_or_Boo
Der FEIGLING hat sich umgebracht! ...... darüber gibt es nichts mehr zu diskutieren!
Könnten ihm einige eigentlich gleich tun!
einer, der glaubt, es wieder mal ganz genau beurteilen zu können :rolleyes: :confused:
Hoofie_or_Boo
09.06.2003, 20:18
Original geschrieben von niemandweiss
einer, der glaubt, es wieder mal ganz genau beurteilen zu können :rolleyes: :confused:
M.E. gibt es da auch nichts mehr zu diskutieren ..... zur Rechenschaft für seine verbrecherischen und betrügerischen Aktivitäten kann er sowieso nicht mehr gezogen werden.
Die Lücke, die er hinterlässt, wird ihn vollständig ersetzen!
"Schade" ist nur, dass einge Schreiberlinge nix mehr zum Mutmaßen haben!
Bin mal gespannt, was für Schweinereien aufgedeckt werden, was diese Schweinebacke so alles getrieben hat.
So Einer soll dann noch ein Staatbegräbniss bekommen :bad
Schade, daß ich nicht die Möglichkeit habe diesen Thread zu schließen, ich würde es gerne tun. :rolleyes: :cry
Ich bin dafür, den Thread zu löschen... nicht nur zu schliessen.
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