mfabian
05.09.2003, 17:50
Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis, englisch P/E : Price earning relation) ist eigentlich Trivialität pur:
Man nimmt den Kurs einer Aktie (z.B. 100) und dividiert durch den Gewinn pro Aktie (z.B. 8) und erhält:
KGV = 100 / 8 = 12.5
Steigt der Gewinn der Firma auf z.B. Fr. 9, sinkt das KGV auf 11.1.
Sinkt der Gewinn auf Fr. 5.- pro Aktie steigt das KGV auf 20.
Soweit also erz-trivial.
Der erste Parameter für unsere Formel, der Aktienkurs ist jeweils exakt bekannt.
Die Krux liegt beim zweiten Parameter, dem Gewinn, denn je nachdem, was man beweisen möchte (Bulle oder Bär) wird man sich gewisser Techniken bedienen, um den Gewinn derart zu manipulieren, dass das KGV die gewünschte Aussage liefert.
Ein kleines Beispiel aus der Vergangenheit (Juni 2003): Es gibt Analysten, die das KGV beim SP500 auf 17.5 berechnet haben. Andere hingegen berechnen das KGV des SP500 auf 31.
Wer hat nun recht? Ein KGV von 17.5 wäre nur noch leicht teuer (der historische Schnitt liegt bei 14.5) und mit einem KGV dieser Grössenordnung könnte man tatsächlich vermuten, dass der Bärenmarkt ein Ende gefunden hat.
Demgegenüber weist ein KGV von 31 auf eine Blase hin (DJ stand 1929 bei einem KGV von 29) und sagt im wesentlichen aus, dass die Aktien um 70% fallen müssten (bzw. Gewinne um 300% steigen), damit wieder faire Preise erreicht werden.
"Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast" lautet ein bekannte Spruch und dasselbe gilt für Kennzahlen. Also schauen wir mal in die Trickkiste, wie die Gewinne ermittelt werden.
Die klassische Methode, um das KGV zu ermitteln, lautet: Man nehme den Durchschnitt der effektiv erzielten Gewinne der letzten vier Quartale.
Diese Methode hat den Vorteil, dass sich das KGV erstens korrekt ermitteln lässt und zweitens historische Vergleiche möglich sind. Denn in Statistiken werden jeweils die auf effektiven Gewinnen basierenden KGV's geführt.
Nach dieser Methode hat der SP500 ein KGV von 31.
Von Seiten der Bullen wird diese Methode jedoch angezweifelt. Begründung: Es interessiert nicht der Gewinn der Vergangenheit sondern der erwartete Gewinn der Zukunft.
Eine nachvollziehbare Argumentation, die allerdings zwei Nachteile hat:
1. Zukünftige Gewinne sind nicht bekannt man muss sich also auf Schätzwerte verlassen.
2. Diese "erwarteten Gewinne" liegen in den meisten Fällen zu hoch.
Auch ein historischer Vergleich ist nicht möglich: Würde man die effektiven (niedrigeren) Gewinne der Vergangenheit mit den übertriebenen erwarteten zukünftigen Gewinnen vergleichen und diese grafisch darstellen, so ergibt sich grafisch ein zu erwartender Sprung, der Anleger dazu verleiten würde, nun zu investieren.
Manche Analysten gehen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie nicht-wiederkehrende Ausgaben wie z.B. Abschreibungen dem Gewinn hinzuaddieren.
Begründung: Wir sind am rein operativen Ergebnis interessiert. Abschreibungen verfälschen das Bild.
Gegenargument: Auch Abschreibungen sind wiederkehrende Ausgaben und müssen in die Gewinnrechnung einbezogen werden.
Wie dem auch sei: Nimmt man die hohen Erwartungen als Basis und addiert die Abschreibungen, kommt man beim SP500 auf ein KGV von 17.5
Die Bären behaupten bekanntlich, die Börsen seien zu teuer und die Korrektur müsse demnach noch weiter gehen. Die Bullen argumentieren demgegenüber mit diesen "angepassten" Werten um zu beweisen, dass die Börsen eben nicht mehr übertrieben seien.
Am "grossen Bild" ändert das aber wenig: Über die letzten 100 Jahre lässt sich historisch folgendes Belegen:
1. Der Durchschnitt des KGV liegt bei 14.5
2. In Übertreibungsphasen wird ein KGV von über 20 erreicht.
3. Bärenmärkte laufen so lange, bis ein KGV von 8-10 erreicht wird.
Leider verfügen wir über keine historischen Werte, die auf dem "erwarteten KGV" basieren, denn die Erwartungen werden zur Makkulatur sobald die echten Zahlen eingetroffen sind.
Doch selbst wenn: Dann würde diese Statistik wohl höchstens aussagen, dass ein durchschnittliches Erwartungs-KGV bei 10 und das Ende eines Bärenmarktes bei 5 liegt. Unter diesem Gesichtspunkt würde dann ein derzeitiges Erwartungs-KGV ebenso auf eine notwendige Korrektur und auf eine Weiterführung des Bärenmarktes hindeuten.
Was aber auf alle Fälle falsch ist, ist die Vermischung echter Zahlen mit Erwartungs-Zahlen und genau dies wird eben häufig praktiziert!
Marcus ;)
Man nimmt den Kurs einer Aktie (z.B. 100) und dividiert durch den Gewinn pro Aktie (z.B. 8) und erhält:
KGV = 100 / 8 = 12.5
Steigt der Gewinn der Firma auf z.B. Fr. 9, sinkt das KGV auf 11.1.
Sinkt der Gewinn auf Fr. 5.- pro Aktie steigt das KGV auf 20.
Soweit also erz-trivial.
Der erste Parameter für unsere Formel, der Aktienkurs ist jeweils exakt bekannt.
Die Krux liegt beim zweiten Parameter, dem Gewinn, denn je nachdem, was man beweisen möchte (Bulle oder Bär) wird man sich gewisser Techniken bedienen, um den Gewinn derart zu manipulieren, dass das KGV die gewünschte Aussage liefert.
Ein kleines Beispiel aus der Vergangenheit (Juni 2003): Es gibt Analysten, die das KGV beim SP500 auf 17.5 berechnet haben. Andere hingegen berechnen das KGV des SP500 auf 31.
Wer hat nun recht? Ein KGV von 17.5 wäre nur noch leicht teuer (der historische Schnitt liegt bei 14.5) und mit einem KGV dieser Grössenordnung könnte man tatsächlich vermuten, dass der Bärenmarkt ein Ende gefunden hat.
Demgegenüber weist ein KGV von 31 auf eine Blase hin (DJ stand 1929 bei einem KGV von 29) und sagt im wesentlichen aus, dass die Aktien um 70% fallen müssten (bzw. Gewinne um 300% steigen), damit wieder faire Preise erreicht werden.
"Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast" lautet ein bekannte Spruch und dasselbe gilt für Kennzahlen. Also schauen wir mal in die Trickkiste, wie die Gewinne ermittelt werden.
Die klassische Methode, um das KGV zu ermitteln, lautet: Man nehme den Durchschnitt der effektiv erzielten Gewinne der letzten vier Quartale.
Diese Methode hat den Vorteil, dass sich das KGV erstens korrekt ermitteln lässt und zweitens historische Vergleiche möglich sind. Denn in Statistiken werden jeweils die auf effektiven Gewinnen basierenden KGV's geführt.
Nach dieser Methode hat der SP500 ein KGV von 31.
Von Seiten der Bullen wird diese Methode jedoch angezweifelt. Begründung: Es interessiert nicht der Gewinn der Vergangenheit sondern der erwartete Gewinn der Zukunft.
Eine nachvollziehbare Argumentation, die allerdings zwei Nachteile hat:
1. Zukünftige Gewinne sind nicht bekannt man muss sich also auf Schätzwerte verlassen.
2. Diese "erwarteten Gewinne" liegen in den meisten Fällen zu hoch.
Auch ein historischer Vergleich ist nicht möglich: Würde man die effektiven (niedrigeren) Gewinne der Vergangenheit mit den übertriebenen erwarteten zukünftigen Gewinnen vergleichen und diese grafisch darstellen, so ergibt sich grafisch ein zu erwartender Sprung, der Anleger dazu verleiten würde, nun zu investieren.
Manche Analysten gehen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie nicht-wiederkehrende Ausgaben wie z.B. Abschreibungen dem Gewinn hinzuaddieren.
Begründung: Wir sind am rein operativen Ergebnis interessiert. Abschreibungen verfälschen das Bild.
Gegenargument: Auch Abschreibungen sind wiederkehrende Ausgaben und müssen in die Gewinnrechnung einbezogen werden.
Wie dem auch sei: Nimmt man die hohen Erwartungen als Basis und addiert die Abschreibungen, kommt man beim SP500 auf ein KGV von 17.5
Die Bären behaupten bekanntlich, die Börsen seien zu teuer und die Korrektur müsse demnach noch weiter gehen. Die Bullen argumentieren demgegenüber mit diesen "angepassten" Werten um zu beweisen, dass die Börsen eben nicht mehr übertrieben seien.
Am "grossen Bild" ändert das aber wenig: Über die letzten 100 Jahre lässt sich historisch folgendes Belegen:
1. Der Durchschnitt des KGV liegt bei 14.5
2. In Übertreibungsphasen wird ein KGV von über 20 erreicht.
3. Bärenmärkte laufen so lange, bis ein KGV von 8-10 erreicht wird.
Leider verfügen wir über keine historischen Werte, die auf dem "erwarteten KGV" basieren, denn die Erwartungen werden zur Makkulatur sobald die echten Zahlen eingetroffen sind.
Doch selbst wenn: Dann würde diese Statistik wohl höchstens aussagen, dass ein durchschnittliches Erwartungs-KGV bei 10 und das Ende eines Bärenmarktes bei 5 liegt. Unter diesem Gesichtspunkt würde dann ein derzeitiges Erwartungs-KGV ebenso auf eine notwendige Korrektur und auf eine Weiterführung des Bärenmarktes hindeuten.
Was aber auf alle Fälle falsch ist, ist die Vermischung echter Zahlen mit Erwartungs-Zahlen und genau dies wird eben häufig praktiziert!
Marcus ;)