mfabian
05.09.2003, 18:50
Die COT-Daten (COT = Commitment of Traders), die jeden Freitag abend erscheinen sind in den meisten Fällen ein sehr guter Indikator für Börsentrends auf Sicht 1-2 Wochen.
Bevor ich in Details gehe, möchte ich zunächst erklären, wie man die COT-Daten interpretiert.
Die neusten Daten findet man immer hier: http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?postid=416155#post416155
Wir sehen pro Index, Commodity, Währung jeweils eine Zeile mit folgenden Spalten
Commercials:
-- NTP
-- Delta week
-- %Bullish
Large NTP
Small NTP
Open Interest
Was bedeuten die Zahlen in diesen Spalten?
Jeder Future-Kontrakt, der gehandelt wird, hat immer genau einen Käufer und einen Verkäufer. Die Summe der Kontrakte beträgt also Null, wenn man Long-Kontrakte positiv und Short-Kontrakte negativ listet.
Interessant ist nun die Frage: Wer verkauft und wer kauft?
COT unterscheidet drei Gruppen von Spekulanten:
Die Commercials sind jene Big-Boys, die am jeweiligen Markt professionell agieren. Bei Indizes sind das Banken und Hedge-Fonds. Bei Gold und Silber auch die entsprechenden Minengesellschaften. Beim Weizen die Bauern etc. Die Commercials sind also schon alleine deshalb so wichtig, weil es die Profis sind, die das Kerngeschäft besser kennen als alle anderen (Goldminen ==> Gold) und nicht nur die Entwicklung ihres Gutes am besten abschätzen können sondern die Preisentwicklung aktiv mitgestalten und wesentlich beeinflussen können. Abgesehen davon haben die Coms auch die Macht, Medien-Informationen zu ihren Gunsten zu streuen.
Large NTP (oder auch Large-Specs genannt) sind meist Pensionskassen und Versicherungen. Also Marktteilnehmer, deren Kerngeschäft nicht die Börse ist, die aber derart massiv auftreten, dass ihre Transaktionen meldepflichtig sind.
Und als dritte Gruppe die kleinen Fische (Small NTP) zu denen wir Privatleute uns zählen.
Die COT-Daten können also beispielsweise lauten:
Commercials NTP -20000
Large NTP: -15000
Small NTP: +35000
Wie gesagt: In der Summe ergibt das immer Null.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit gilt die Regel: Die Commercials liegen immer richtig und die Small NTPs liegen immer falsch.
Es interessiert uns also, wie sich die Commercials positionieren.
Hierbei beachten wir die drei Werte unter Commercials :
Beispiel:
Commercials: -20'000
Delta week: -5'000
%Bullish: 40.00%
Für die aktuelle Woche sind die Commercials also mit 20'000 Kontrakten short. Delta Week ist die Veränderung zur Vorwoche. Letzte Woche waren die Coms noch mit 15'000 Kontrakten short und haben nun ihre Kontrakte um 5000 Short-Positionen ausgebaut.
Diese Zahlen sind netto. Das heisst, dass in diesem Fall 80'000 Long-Kontrakte 100'000 Short-Kontrakten gegenüberstehen. Also 40% long, 40% bullisch, und damit wäre auch die letzte Zahl erklärt.
In unserem Beispiel sind also sowohl die Commercials als auch die Large Specs massiv short. Sie werden wissen warum! Und wer kauft das Zeugs? Richtig, die Kleinen, die Small-Specs (Specs=Spekulanten) und die Geschichte zeigt, dass die Kleinen immer falsch liegen.
Das Open Interest in der letzten Spalte ist das die Anzahl der Kontrakte (long und short), die in den Handel eingebracht aber noch nicht ausgeführt wurden. Also offene Positionen. Ein Indikator dafür, wie aktiv der Markt ist. Je höher das Open Interest umso stärker können die COT-Daten interpretiert werden.
Stellt man nun in einem zweiten Schritt diese COT-Daten grafisch dar, erhält man einen sehr schönen historischen Überblick über die Positionierung der Trader. Wir sehen auf dieser Grafik sehr schön, Wann die Commercials ihre Positionierungen zwischen short auf long gewechselt haben:
http://www.softwarenorth.net/cot/current/charts/SP.png
Wie treffsicher nun die Positionierung der Commercials in der Vergangenheit war, kann jeder selbst nachvollziehen. Man braucht dazu lediglich die Positionierung der Trader pro Woche mit z.B. dem SP500 zu vergleichen, wie wir hier sehen:
http://www.cairns.net.au/~sharefin/Charts/CombinedSPX.gif
Die Grafik im oberen Drittel entspricht dem SP500 und die unteren drei Linien sind die Positionierungen unserer drei Trader-Gruppen. Die Commercials sind in Rot.
Hier eine 3-Jahres Übersicht:
http://www.cairns.net.au/~sharefin/Charts/spxcst.gif
Die Positionierung der Commercials ist ein recht zuverlässiger mittelfristiger Indikator. Allerdings muss man festhalten, dass die Commercials recht schwerfällig ihre Meinung ändern. In der Regel erst 1-2 Wochen nach einer Trendwende. Beispielsweise haben sie erst am 1. April 2003 auf long umgeschwenkt obschon die Rally am 12. März begann.
COT-Daten erscheinen jede Woche am Freitag nach US-Börsenschluss. Sie beziehen sich allerdings auf die Erhebungen des vorangegangenen Dienstag, sind also deshalb immer 4 Tage alt.
Marcus
Bevor ich in Details gehe, möchte ich zunächst erklären, wie man die COT-Daten interpretiert.
Die neusten Daten findet man immer hier: http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?postid=416155#post416155
Wir sehen pro Index, Commodity, Währung jeweils eine Zeile mit folgenden Spalten
Commercials:
-- NTP
-- Delta week
-- %Bullish
Large NTP
Small NTP
Open Interest
Was bedeuten die Zahlen in diesen Spalten?
Jeder Future-Kontrakt, der gehandelt wird, hat immer genau einen Käufer und einen Verkäufer. Die Summe der Kontrakte beträgt also Null, wenn man Long-Kontrakte positiv und Short-Kontrakte negativ listet.
Interessant ist nun die Frage: Wer verkauft und wer kauft?
COT unterscheidet drei Gruppen von Spekulanten:
Die Commercials sind jene Big-Boys, die am jeweiligen Markt professionell agieren. Bei Indizes sind das Banken und Hedge-Fonds. Bei Gold und Silber auch die entsprechenden Minengesellschaften. Beim Weizen die Bauern etc. Die Commercials sind also schon alleine deshalb so wichtig, weil es die Profis sind, die das Kerngeschäft besser kennen als alle anderen (Goldminen ==> Gold) und nicht nur die Entwicklung ihres Gutes am besten abschätzen können sondern die Preisentwicklung aktiv mitgestalten und wesentlich beeinflussen können. Abgesehen davon haben die Coms auch die Macht, Medien-Informationen zu ihren Gunsten zu streuen.
Large NTP (oder auch Large-Specs genannt) sind meist Pensionskassen und Versicherungen. Also Marktteilnehmer, deren Kerngeschäft nicht die Börse ist, die aber derart massiv auftreten, dass ihre Transaktionen meldepflichtig sind.
Und als dritte Gruppe die kleinen Fische (Small NTP) zu denen wir Privatleute uns zählen.
Die COT-Daten können also beispielsweise lauten:
Commercials NTP -20000
Large NTP: -15000
Small NTP: +35000
Wie gesagt: In der Summe ergibt das immer Null.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit gilt die Regel: Die Commercials liegen immer richtig und die Small NTPs liegen immer falsch.
Es interessiert uns also, wie sich die Commercials positionieren.
Hierbei beachten wir die drei Werte unter Commercials :
Beispiel:
Commercials: -20'000
Delta week: -5'000
%Bullish: 40.00%
Für die aktuelle Woche sind die Commercials also mit 20'000 Kontrakten short. Delta Week ist die Veränderung zur Vorwoche. Letzte Woche waren die Coms noch mit 15'000 Kontrakten short und haben nun ihre Kontrakte um 5000 Short-Positionen ausgebaut.
Diese Zahlen sind netto. Das heisst, dass in diesem Fall 80'000 Long-Kontrakte 100'000 Short-Kontrakten gegenüberstehen. Also 40% long, 40% bullisch, und damit wäre auch die letzte Zahl erklärt.
In unserem Beispiel sind also sowohl die Commercials als auch die Large Specs massiv short. Sie werden wissen warum! Und wer kauft das Zeugs? Richtig, die Kleinen, die Small-Specs (Specs=Spekulanten) und die Geschichte zeigt, dass die Kleinen immer falsch liegen.
Das Open Interest in der letzten Spalte ist das die Anzahl der Kontrakte (long und short), die in den Handel eingebracht aber noch nicht ausgeführt wurden. Also offene Positionen. Ein Indikator dafür, wie aktiv der Markt ist. Je höher das Open Interest umso stärker können die COT-Daten interpretiert werden.
Stellt man nun in einem zweiten Schritt diese COT-Daten grafisch dar, erhält man einen sehr schönen historischen Überblick über die Positionierung der Trader. Wir sehen auf dieser Grafik sehr schön, Wann die Commercials ihre Positionierungen zwischen short auf long gewechselt haben:
http://www.softwarenorth.net/cot/current/charts/SP.png
Wie treffsicher nun die Positionierung der Commercials in der Vergangenheit war, kann jeder selbst nachvollziehen. Man braucht dazu lediglich die Positionierung der Trader pro Woche mit z.B. dem SP500 zu vergleichen, wie wir hier sehen:
http://www.cairns.net.au/~sharefin/Charts/CombinedSPX.gif
Die Grafik im oberen Drittel entspricht dem SP500 und die unteren drei Linien sind die Positionierungen unserer drei Trader-Gruppen. Die Commercials sind in Rot.
Hier eine 3-Jahres Übersicht:
http://www.cairns.net.au/~sharefin/Charts/spxcst.gif
Die Positionierung der Commercials ist ein recht zuverlässiger mittelfristiger Indikator. Allerdings muss man festhalten, dass die Commercials recht schwerfällig ihre Meinung ändern. In der Regel erst 1-2 Wochen nach einer Trendwende. Beispielsweise haben sie erst am 1. April 2003 auf long umgeschwenkt obschon die Rally am 12. März begann.
COT-Daten erscheinen jede Woche am Freitag nach US-Börsenschluss. Sie beziehen sich allerdings auf die Erhebungen des vorangegangenen Dienstag, sind also deshalb immer 4 Tage alt.
Marcus