mfabian
05.09.2003, 19:09
Da in diesem Forum oft von Futures die Rede ist, möchte ich diesen Begriff einmal in einfachen Worten erklären:
Futures sind kein Konstrukt der Neuzeit. Es gibt sie schon seit hunderten von Jahren. Und zwar in Form von "Termin-Kontrakten."
Hoppla, schon wieder so ein neumodisches Wort, das keiner versteht.
Also der Reihe nach:
Du bist Bauer. Es ist März 1760. Der Schnee schmilzt langsam und es wird Zeit, demnächst die Kartoffel-Saat in die Felder zu pflügen.
Das Problem dabei: Du brauchst 100 Dukaten, um das Saatgut zu bezahlen und die hast Du nicht. Du brauchst weiterhin mindestens 600 Dukaten um Deine Familie und die Knechtschaft bis zur Ernte ernähren zu können. Auch dieses Geld fehlt Dir.
Was also tun?
Dein Feld ist so gross, dass der Ertrag per Oktober rund 1000 Dukaten einbringen dürfte.
Du brauchst also Kredit und gehst zum Geldverleiher. Der macht Dir folgendes Angebot:
"Ich gebe Dir jetzt und heute 900 Dukaten bar auf die Hand. Als Gegenleistung unterschreibst Du mir ein Papier (Termin-Kontrakt), worin Du Dich verpflichtest, am 31. Oktober 1760 Deine gesamte Kartoffel-Ernte an den Überbringer dieses Papieres abzugeben. Ungeachtet dessen, was Deine Ernte zu diesem Zeitpunkt Wert sein wird."
Als Bauer überlegst Du, dass das Geschäft für Dich von Vorteil ist. Du kannst die Saat bezahlen, Deine Leute durch den Sommer füttern und hast ausserdem noch einen sicheren Gewinn von 200 Dukaten. Dass dieser Gewinn um 10% geringer ist als er wäre, wenn Du Saatgut und Unterhalt selbst bezahlen könntest, ist weniger wichtig. 10% Prämie wiegt für Dich weniger als die Sicherheit, die Du durch diesen Kontrakt erwirbst. Also sagst Du zu.
Der Geldverleiher überlegt: Der Kontrakt bringt mir eine Rendite von 10%, sofern die Kartoffelpreise dieses Jahres auf gleichem Niveau verharren wie letztes Jahr. Natürlich birgt der Vertrag gewisse Risiken. Was, wenn die Kartoffelpreise sinken, weil wir eine Überproduktion haben? Andererseits: Haben nicht die Meteorologen für das Nachbarland schlechtes Wetter vorausgesagt? Vielleicht kann ich die Kartoffeln für 1100 oder sogar 1200 an die Nachbarn verkaufen. Und selbst wenn ich unsicher bin: Es gibt eine Börse für Kartoffeln. Also kann ich diesen Kartoffel-Kontrakt jederzeit an einen anderen verkaufen wenn mir der Preiszerfall zu heiss wird.
---
Termin-Kontrakte gibt es auch heute noch. Wer ein Einfamilienhaus besitzt, mag sich an folgende Offerte erinnern, wenn er im Mai Heizöl für die nächste Saison bestellt hat: "Sie können entweder den derzeitigen Mai-Preis für das Öl bezahlen oder aber den Oktober Preis. Liefern werden wir in jedem Fall im Oktober. "
Futures sind dasselbe nur insofern etwas abstrakter als sie sich rein auf Aktien, Papiere, Indizes beziehen und nicht auf reelle Waren (Kartoffeln).
Ich meine, was würde unser Geldverleiher schon mit ein paar Tonnen Kartoffeln anfangen wollen? :hihi
Marcus
Futures sind kein Konstrukt der Neuzeit. Es gibt sie schon seit hunderten von Jahren. Und zwar in Form von "Termin-Kontrakten."
Hoppla, schon wieder so ein neumodisches Wort, das keiner versteht.
Also der Reihe nach:
Du bist Bauer. Es ist März 1760. Der Schnee schmilzt langsam und es wird Zeit, demnächst die Kartoffel-Saat in die Felder zu pflügen.
Das Problem dabei: Du brauchst 100 Dukaten, um das Saatgut zu bezahlen und die hast Du nicht. Du brauchst weiterhin mindestens 600 Dukaten um Deine Familie und die Knechtschaft bis zur Ernte ernähren zu können. Auch dieses Geld fehlt Dir.
Was also tun?
Dein Feld ist so gross, dass der Ertrag per Oktober rund 1000 Dukaten einbringen dürfte.
Du brauchst also Kredit und gehst zum Geldverleiher. Der macht Dir folgendes Angebot:
"Ich gebe Dir jetzt und heute 900 Dukaten bar auf die Hand. Als Gegenleistung unterschreibst Du mir ein Papier (Termin-Kontrakt), worin Du Dich verpflichtest, am 31. Oktober 1760 Deine gesamte Kartoffel-Ernte an den Überbringer dieses Papieres abzugeben. Ungeachtet dessen, was Deine Ernte zu diesem Zeitpunkt Wert sein wird."
Als Bauer überlegst Du, dass das Geschäft für Dich von Vorteil ist. Du kannst die Saat bezahlen, Deine Leute durch den Sommer füttern und hast ausserdem noch einen sicheren Gewinn von 200 Dukaten. Dass dieser Gewinn um 10% geringer ist als er wäre, wenn Du Saatgut und Unterhalt selbst bezahlen könntest, ist weniger wichtig. 10% Prämie wiegt für Dich weniger als die Sicherheit, die Du durch diesen Kontrakt erwirbst. Also sagst Du zu.
Der Geldverleiher überlegt: Der Kontrakt bringt mir eine Rendite von 10%, sofern die Kartoffelpreise dieses Jahres auf gleichem Niveau verharren wie letztes Jahr. Natürlich birgt der Vertrag gewisse Risiken. Was, wenn die Kartoffelpreise sinken, weil wir eine Überproduktion haben? Andererseits: Haben nicht die Meteorologen für das Nachbarland schlechtes Wetter vorausgesagt? Vielleicht kann ich die Kartoffeln für 1100 oder sogar 1200 an die Nachbarn verkaufen. Und selbst wenn ich unsicher bin: Es gibt eine Börse für Kartoffeln. Also kann ich diesen Kartoffel-Kontrakt jederzeit an einen anderen verkaufen wenn mir der Preiszerfall zu heiss wird.
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Termin-Kontrakte gibt es auch heute noch. Wer ein Einfamilienhaus besitzt, mag sich an folgende Offerte erinnern, wenn er im Mai Heizöl für die nächste Saison bestellt hat: "Sie können entweder den derzeitigen Mai-Preis für das Öl bezahlen oder aber den Oktober Preis. Liefern werden wir in jedem Fall im Oktober. "
Futures sind dasselbe nur insofern etwas abstrakter als sie sich rein auf Aktien, Papiere, Indizes beziehen und nicht auf reelle Waren (Kartoffeln).
Ich meine, was würde unser Geldverleiher schon mit ein paar Tonnen Kartoffeln anfangen wollen? :hihi
Marcus