Vollständige Version anzeigen : Hyperinflation im Euroland
juttamarie
12.10.2003, 13:48
Hallo,
ich habe mich heute registrieren lassen um eine Frage zu stellen die mich, da ich immer Germanastis Beiträge lese, beschäftigt:
Es ist immer die Rede von der Hyperinflation in den USA. Was ist das jetzt genau, und wie kann es überhaupt in Euroland möglich sein, da hier so viele
verschiedene Länder eine gemeinsame Währung haben?
Würde mich über eine Erklärung freuen,
viele Grüsse
juttamarie
WallstreetTiger
12.10.2003, 15:56
Hyperinflation
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Hyperinflation ist eine Form der Inflation, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition, aber eine verbreitete Daumenregel spricht von einer Hyperinflation ab einer monatlichen Inflationsrate von 50% (entspricht einer Jahresrate von 12 975%). Einfach gesagt ist eine Hyperinflation eine unkontrollierbare Inflation mit extrem hoher monatlicher Rate.
Vor dem zwanzigsten Jahrhundert waren Hyperinflationen selten, da von einen gewissen Inflationsniveau an die Ökonomien zu ungeprägten Edelmetallen als Geldersatz oder zu Naturaltausch übergegangen sind. Die immer weitere Verbreitung von ungedecktem Geld ermöglichte Hyperinflationen, da Regierungen zur Deckung ihrer Ausgaben einfach größere Geldmengen druckten und in den Verkehr brachten. Eine solche Ausweitung der Geldmenge ist einer wichtigsten Faktoren, die zu einer Hyperinflation führen können.
Es gibt verschiedene geschichtliche Episoden von Hyperinflationen mit monatlichen Inflationsraten von über 200%. Beispiele sind die frühen zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland, mit einer maximalen monatlichen Inflationsrate von 32 400%, Griechenland 1943/44 mit einer maximalen monatlichen Rate von 8,55 Milliarden Prozent und Ungarn 1945/46 mit einer maximalen monatlichen Rate von 4,19 * 1016%. Andere Beispiele für Hyperinflationen gab es in Bosnien-Herzegowina und Jugoslawien anfangs der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und 1985 in Bolivien.
-----------------------------------------------------------------------------------
WallstreetTiger
12.10.2003, 17:12
Aber es wird bei uns keine Hyperinflation geben:
http://www.elliott-waves.com/deflation7.htm
juttamarie
12.10.2003, 17:13
Danke,
aber wie kann das denn im Euroland passieren (also auch in Deutschland),
da die Ausweitung der Geldmenge doch nicht so extrem ist wie in den USA (oder doch?)
und viele Länder eine gemeinsame Währung haben?
Wie würde sich denn eine Hyperinflation in den USA auf uns in Europa auswirken?
Grüsse juttamarie
juttamarie
12.10.2003, 17:19
Also bei uns vielleicht Deflation und in den USA Hyperinflation?
WallstreetTiger
12.10.2003, 17:26
@juttamarie
germanasti geht davon aus, dass die USA eine Hyperinflation bekommen wird. Ich halte dies für nicht naheliegend. Sowohl für Europa als auch die USA gehe ich von einer bevorstehenden Deflation aus.
Eine Hyperinflation wäre aufgrund der Preissteigerungen in den letzten ca 60 Jahren in meinen Augen unlogisch.
Hallo Leute,
wenn ich mir diese K-Wellen so anschaue könnte ich fast glauben, daß wir schon jahrelang in der Hyperinfation sind , es aber nicht gemerkt haben. Vielleicht ist es ja das.
Perry
Hi Juttamarie,
Eine Hyperinflation entsteht dann, wenn sehr viel mehr Geld vorhanden ist als Waren, die man für dieses Geld kaufen kann.
Beispiel war das Deutsche Reich um 1923: Da Deutschland unter sehr hohen Schulden litt (Reparationszahlungen aus dem 1. Weltkrieg) hat man einfach Geld gedruckt und somit die Geldmenge gegenüber der Warenmenge erhöht. Kostet ein Brot z.B. vorher 1 Mark und wird die Geldmenge um Faktor 10 erhöht, kostet ein Brot einfach 10 Mark.
Entsprechend reduzieren sich die Schulden. Schulden von 1 Mio Mark entspricht nach der Inflation nur noch dem Äquivalent von 100'000 Broten. So versuchte sich die Regierung damals aus den Schulden zu stehlen.
Die Sache hat aber zwei Haken:
Erstens:
Es kommt darauf an, in welcher Währung die Schulden bestehen. Wenn wie im Falle des Deutschen Reiches die Schulden in Reichsmark - also der eigenen Währung bestehen, funktioniert der Trick. Bestehen die Schulden in einer stabilen Fremdwährung, funktionniert er nicht. So geschehen in Mexico und Argetinien Anfang der 90er Jahre. Beide Länder hatten eine enorme Inflation und die Pesos wurden entsprechend abgewertet aber genützt hat's nix: Die Schulden bestanden in US-Dollar und bei einem abgewerteten Peso um Faktor 10 müssen halt 10 mal mehr Pesos aufgewendet werden, um die Schuld zu tilgen.
Oder um beim Beispiel mit den Broten zu bleiben: Mexico und ARgentinien müssen trotz Abwertung ihrer Währungen immer noch gleich viele Brote backen, um die Dollar-Schuld zu tilgen.
Im Falle der USA ist es so, dass der erstere Fall zutrifft. Die US-Schulden lauten auf Dollar und somit kann sich Amerika aus den Schulden stehlen indem es Dollarnoten druckt. Wie WallstreetTiger letzte Woche mal gepostet hat, müssten die USA den Dollar um 40% abwerten, um eine ausgeglichene Aussenhandelsbilanz zu haben. Sprich: Der Dollar wird verbilligt, Yen und Yuan entsprechend verteuert und somit kosten dann japanische und chinesische Waren gleich viel wie amerikanische.
Dies funktioniert - aus Sicht der Amerikaner - solange die übrige Welt ihre Währungen stabil hält. Nur tut die Welt den USA diesen Gefallen nicht. Jeder versucht, seine Währung gegenüber dem Dollar einigermassen anzupassen. Drucken also die Amis Geld, um den Dollar zu schwächen, tun Japaner, Europäer und Schweizer sofort dasselbe, weil ihnen sonst die Exportindustrie im Nacken sitzt.
Schlussendlich bedeutet das dann, dass die Geldmenge weltweit erhöht wird. Für die Amis verpufft die Wirkung und Papiergeld wird weltweit schwächer. Stabil bleiben nur die Commodities (also Rohstoffe) wie Gold, Metalle, Landw. Produkte etc, die nicht - wie Papiergeld - beliebig vermehrt werden können.
Kurz: Durch die Politik der Gelddruckerei exportieret Amerika Inflation und schwächt generell das Vertrauen in Papierwährungen.
Zweitens:
Dieses neugedruckte Geld muss sich nicht zwingend hyperinflationär auswirken. Dies ist ein Argument, das WallstreetTiger sehr oft hier (siehe auch http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=10580 ) zum Ausdruck gebracht hat:
Neu gedrucktes Geld wirkt nur dann inflationär, wenn es in die Hände der Konsumenten gelangt, wenn also versucht wird, mit diesem Geld etwas zu kaufen.
Im Falle der USA ist es allerdings derzeit so, dass der grösste Teil der Steuergeschenke (65%) an Superreiche ging, die ohnehin schon alles haben und das Geld nur auf die Bank tragen ohne mehr zu konsumieren. Der Rest, etwa $300 pro US-Bürger, wurde zu einem Drittel für Schuldentilgung verwendet, zu einem weiteren Drittel in Aktien investiert und nur zu einem dritten Drittel verkonsumiert. Von dieser Seite her sind also keine inflationären Impulse zu erwarten.
Was nur €uropa betrifft, so sehe ich hier längerfristig eher positive Auswirkungen.
Warum?
Papiergeld ist in erster Linie eine Sache des Vertrauens. Wir alle wissen, dass ein 100-Euro, -Franken oder -Dollar-Schein im Prinzip nur ein wertloses Stück Papier ist. Es ist nur unser Vertrauen darin, dass man für dieses Stück Papier etwas Sinnvolles bekommt, das uns an Papiergeld glauben lässt.
Wenn sich nun herumspricht, dass die Amerikaner massiv Papiergeld drucken, dann wird der Glaube und das Vertrauen in den Dollar erschüttert. Es macht schlicht keinen Sinn, Investitionen in Dollar zu tätigen, wenn das Zeugs in einem Jahr vielleicht 20% weniger Wert ist.
Doch wohin mit seinem Anlagekapital, wenn der Dollar nicht mehr sicher ist?
Da gibt es zwei Antworten: Die eine lautet Gold, Gold kann nicht beliebig vermehrt werden und hat der Menschheit bereits seit 5000 Jahren als stabile Währung gedient. Nachteil: Gold ist nur in relativ geringen Mengen verfügbar.
Die Alternative ist der Euro. Zwar ist auch der Euro Papiergeld aber zumindest wird der Euro von mehreren Staaten getragen. Statt wie beim Dollar vollkommen der Willkür eines einzelnen Staates ausgeliefert zu sein, der seine Währung nach eigenen egoistischen Interessen manipulieren kann wie er will, ist hier immerhin der Konsens mehrerer Länder notwendig.
Dies, genau dies prädestiniert den Euro langfristig, die neue globale Leitwährung unseres Planeten zu werden.
Marcus
juttamarie
13.10.2003, 19:02
sehr interessantes Posting. Werde ich mal in Ruhe drüber nachdenken.
Das mit dem Euro hatte ich auch gedacht, da ja viele Staaten involviert sind, wird
das mit der Hyperinflation sicher nicht so einfach.
Allerdings bleibt die Frage offen, wie man das Problem mit den Staatsverschuldungen lösen kann.
Grüsse jutta´marie
Dummerweise kann die Involvierung vieler Staaten auch negative Auswirkungen haben, nämlich wenn ein Staat Schulden nimmt und somit die Währung auf Kosten anderer schwächt, welche dann ihrerseits Schulden aufnehmen. Deswegen ist es auch so gefährlich, dass Deutschland eine so hohe Neuverschuldungsquote aufweist und generell schon sehr hoch verschuldet ist.
vBulletin v3.0.3, Copyright ©2000-2013, Jelsoft Enterprises Ltd.