Dem Kollaps entgegen
"Geld war oft ein Grund für den Irrglauben der Massen. Große Kulturen wurden irgendwann alle zu verzweifelten Spielern und riskierten ihre gesamte Existenz für ein Stück Papier .... Die Menschen denken, vorsichtig formuliert, im Herdentrieb. Es zeigt sich, dass sie in der Herde schnell ihren Verstand verlieren, während sich ihre Sinne nur langsam erholen und nur bei einem nach dem anderen."
(Charles Mackay: "Aussergewöhnlicher Irrglaube der Menschen und die Dummheit der Massen", Vorwort der Ausgabe 1852).
Einführung
Die 90iger waren eine Zeit des Betruges und der Manipulation, in der fast nichts mehr so war, als was es erschien, in einer Zeit, in der die Regeln und Prinzipien (moralisch, ethisch, geistig, politisch, finanziell ...) in den Wind geworfen wurden.
Von der größten Massenpanik unserer Geschichte getrieben, Geld zu verdienen, Wohlstand und Vermögen anzuhäufen und das Vergnügen zu maximieren, hatten die Menschen verlernt, zwischen richtig und falsch, zwischen gut und böse, wahr und gelogen zu unterscheiden.
Die meisten Menschen können den schnellen Verfall unserer Gesellschaft, Kultur, Werte, dem Finanzsystem, der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit nicht erkennen. Geblendet von der Gier in den 90iger, dem jahrzehntelangen Wohlstandswachstum, der historisch einmaligen Aktienhausse, den 24 Stunden- Nonstop-(Falsch-) Informationen von CNN und der Regierungspropaganda scheint es, als ob die Menschen von einem Geist des Irrglaubens und der Blindheit befallen wurden.
Die Regierung und die vom Establishment kontrollierten Medien Washingtons und der Wall Street hatten die Realität für uns neu definiert und wir hatten diese Neudefinition blind akzeptiert.
Heute steht die Wirtschaft nach den 90igern nun wieder vor goldenen Zeiten, es steht unmittelbar ein neuer, kräftiger und nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung bevor. So will es wieder die US Regierung und die amerikanische Zentralbank FED mit ihren Verbündeten den Menschen suggerieren und vielleicht glaubt sie es in geradezu naiver selektiver Wahrnehmung auch selber. Ausdruck findet diese Nachricht für alle gut erkennbar insbesondere in den wieder fern jeglicher Realität empor geschnellten Aktienindizes rund um den Globus.
Die Regierung, das Finanzministerium, die Zentralbank, Wall Street und ihre Medienverbündeten, manipulieren den US-Aktienmarkt in die größte spekulative Dauerblase seit der niederländischen Tulpenspekulation im 16. Jahrhundert.
Doch es fällt der US Administration vor dem Hintergrund erhöhter Arbeitslosigkeit, ständig neuen Hiobsbotschaften über Fabrikschließungen und stagnierendem Verbrauchervertrauen deutlich schwerer die Illusion der prosperierenden US Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Nach wie vor sehen die meisten Amerikaner keine Gefahr, keinen Grund sich über irgend etwas Sorgen zu machen, nur einen Weg um viel Geld zu verdienen und schnell reich zu werden, mehr zu konsumieren.
Aber in diesen Monaten geht es um mehr: die Wiederwahl des amtierenden Präsidenten, das herrschende Weltfinanzsystem, die Weltwirtschaft und damit die amerikanische Hegemonie müssen vor dem Kollaps bewahrt werden. Aus der ganzheitlichen Perspektive eines geeigneten Betrachters wäre schon ein Erfolg, wenn das Weltfinanzsystem in einem eher langsamen denn eruptiven Prozeß auf ein breiteres, stabileres Fundament gestellt würde.
Gold ist ein sensibler Indikator für finanzielle und monetäre Instabilität und für die Angst der Menschen vor einer Unsicherheit im Finanzsystem. Parallel zu den steigenden Aktienmärkten wird von der US Zentralbank und der US Regierung versucht, den Goldmarkt, der in den letzten 24 Monaten eine Vervierfachung der Nachfrage der Anleger gesehen hat (Käufe von Goldmünzen in den USA), nach unten zu manipulieren, um zu verhindern, dass die Massen erkennen wie zerbrechlich und verwundbar das Weltfinanzsystem de facto ist. Denn das Weltfinanzsystem, die aktuelle Papier-Schulden-Pyramide von weltweit etwa 400.000 Mrd. US $ ruht nur auf einer Säule: dem Vertrauen, Vertrauen in unser politisches System und unsere Politiker und dem Vertrauen in die Finanzstrukturen.
Die bewusst herbeigeführte Systemkrise
Offensichtlich sind viele von der Regierung veröffentlichten Statistiken geschönt und verdreht. Die meisten Menschen lassen sich von der "Titanic", dem Krieg der Sterne", dem Internet, den Nonstop- Sportereignissen und dem Fernsehen unterhalten und genießen es, ihr gutes Leben komfortabel zu verbringen. Erzähle ihnen was sie hören wollen und sie werden zufrieden sein.
Warren Buffet - der erfolgreichste Investor weltweit - behauptet, dass jedes Papiergeldsystem ohne Deckung vom Vertrauen der Politiker abhängig ist. Ob das Vertrauen gerechtfertigt ist, können Sie den Entwicklungen aller Weltwährungen in Asien, Lateinamerika, aber auch in Nordamerika und in Europa entnehmen. Viele Währungen, die wir noch vor 20 Jahren hatten, gibt es nicht mehr. Sie wurden einfach inflationiert oder umgetauft. Jede Regierung lebt nach dem Motto, wenn der Schuldner nicht zahlt, bezahlt der Gläubiger und der erhält nichts oder nur einen Teil des Einbezahlten zurück. Argentinien will aktuell seine Gläubiger mit weniger als 25% der ursprünglichen Schuld abspeisen. Bei der Augustversteigerung 2jähriger Anleihen des US-Finanzministerium fanden nur 26% des Angebots einen Käufer. In Japan passiert ähnliches. Vermutlich kaufen schließlich die Notenbanken selbst die Staatsanleihen, mit frischem Geld.
Des Weiteren behauptet Buffet, dass jedes Papiergeldsystem ohne Deckung in einem politischen und wirtschaftlichen Chaos endet. Weil sich Vertrauen in die Politik nie auszahlt.
Wie sorglos die Politiker, die Nationalbanken und der IWF mit den Vermögen aller Bevölkerungsgruppen umgeht können Sie daran entnehmen, dass über Nacht in den Krisenregionen der letzten Jahren große und kleine Vermögen (Anleihen/Aktien) in Landeswährung vernichtet wurden. Ganze Industriezweige sind in diesen Ländern innerhalb weniger Wochen von der Landschaft verschwunden.
Brisante Situation der Weltwirtschaft, Anlagebetrug mit Staatsanleihen
Die wirtschaftliche Situation ist weltweit brisant. Waren vor einigen Jahren lediglich Asien, Afrika, Osteuropa und Lateinamerika gefährdet, ist nun der Kern des Finanzsystems offensichtlich auf der Intensivstation.
Brisant deshalb, weil die Ursachen, die man durchaus kennt, im System nicht beseitigt werden. Oder klarer ausgedrückt, man will die Ursachen nicht beseitigen, weil dies einer Bankrotterklärung gleichkommen würde, weil dies die Kernschmelze an den Aktien- und Anleihemärkten auslösen würde. Der point of no return ist längst überschritten.
Die Ursache dieser brisanten Entwicklung liegt in unserem Finanzsystem, das im September 1971 konstruiert wurde: das sogenannte Smithsonian - Abkommen.
Von diesem Tage an, konnten sich die Länder und die Politiker in der eigenen Währung verschulden, d. h. Geld drucken ohne Deckung. Alle Länder und Politiker haben davon Gebrauch gemacht, sich massiv verschuldet, und wenn es keinen Ausweg mehr gab, die Schulden zu Lasten der Volkswirtschaften inflationiert. Ein wirkliches Konzept aus der Schuldenfalle zu entrinnen ist nicht vorhanden.
Die staatlichen Institutionen stellen heute unmissverständlich klar, dass Sie keinen großen Kredit platzen lassen werden. Dies gilt weltweit, nicht nur für den Staat, sondern ebenso für alle Notenbanken. Damit wird allen Marktteilnehmern signalisiert, dass der einzige wirkliche Grund für eine heftige Krise nicht mehr eintreten wird. Denn alle Krisen in der Vergangenheit sind ausschließlich durch den Zusammenbruch großer Schuldner verursacht worden.
Spiegelbildlich heißt das natürlich, dass als einfachste Lösung noch weiter aufgeschuldet wird. Funktionieren wird dies so lange, wie Staatstitel insbesondere Staatsanleihen von den Investoren als werthaltige Aktiva betrachtet werden oder der Weg in die Hyperinflation eingeschlagen wird.
Sehen Sie sich aktuelle Beispiele in Argentinien und davor in Asien und Osteuropa an. Millionen von Gläubigern haben hier über Nacht Vermögen / Ersparnisse verloren. Die Historie bietet genügend Beispiele für geplatzte Finanzblasen und es werden weitere folgen.
Solange die Anlegermassen davon überzeugt sind, dass Investitionen in Staatsanleihen, d.h. die Finanzierung von Staatsschulden, eine gute, sichere und rentable Investition sind, und solange der IWF als eine vertrauenswürdige Organisation angesehen wird, solange wird es an den Märkten keine Kernschmelze geben.
Erst dann, wenn die Anlegermassen erkennen, dass Investitionen in Anleihen einem Anlagebetrug gleichkommen, nur eine Null- Rendite abwerfen und keine Sicherheiten bieten (außer den Versprechen der Politiker) und zum Teil uneinbringlich sind und insgesamt niemals zurückbezahlt werden sowie ein Fass ohne Boden sind, erst dann wenn die Steuerzahler feststellen, dass Milliarden von Steuermitteln in korrupte politische Systeme und korrupte, schlecht geführte Banken gepumpt wurden, erst dann werden sie sich panikartig aus Anleihen, natürlich mit hohen Verlusten (s. Asien, Argentinien), zurückziehen und die Kernschmelze beginnt. Auch immer mehr verschuldete Unternehmen können nicht einmal mehr die Zinsen bezahlen geschweige denn die Schuld tilgen.
Damit diese Wahrheiten nicht an die Öffentlichkeit gelangen und alles so bleibt wie bisher, werden die Banken, die US Fed, die Medienkonzerne und alle an diesem Spiel mit Beteiligten, die positive Stimmung mit aller Macht auf diesem Niveau halten, nicht aufhören neue Paradigmen zu verbreiten, um die Kernschmelze zu verhindern.
Das Missverhältnis zwischen der Anlage in echten, nicht vermehrbaren Substanzwerten, wie Gold einerseits und der weltweiten Explosion der Geldmengen und der Ausgabe von Anleihen, die im Ernstfall nicht mehr wert sind als das Papier, auf dem sie gedruckt sind, andererseits, ist evident. Wer einmal begriffen hat, wie das Geld aus dem NICHTS entsteht und mit ihm die neuen Schulden, der wird die Zukunft mit anderen Augen sehen müssen.
Desinformationen, Halbwahrheiten und die Gleichgültigkeit der Bevölkerung waren die Voraussetzungen für die Schaffung eines hoheitlichen staatlichen Geldmonopols, dessen es eigentlich nicht bedurfte. Mit diesem Monopol konnte man betrügen, manipulieren und verfälschen. Die Geschichte lehrt uns, dass solche Systeme keine Überlebenschance haben. Leider interessiert die Geschichte niemanden, denn sonst könnte man aus der Geschichte lernen.
Die Gretchenfrage des Anlegers ist indes: Droht eine Weltwirtschaftskrise II - oder kommt ein Börsenaufschwung wie 1995 ? Während ich auch heute noch die erste Frage nicht beantworten kann, schließe ich die zweite Option nach wie vor aus.
Der Deutsche Aktienindex DAX hat seit dem Tiefstpunkt im Frühjahr 2003 über 50% an Wert gewonnen, eine gute Performance. Allerdings hat er noch immer bis zu seinem Top aus dem Jahre 2000 eine gute Strecke zurückzulegen. Er hatte – gerechnet von höchsten bis zum niedrigsten Wert - über 70% an Wert verloren. Während der amerikanische Markt ( DOW und S&P ) nicht so große Verluste hinnehmen mussten, sieht die Entwicklung im japanischen Nikkei in der jüngsten Geschichte ähnlich wie in Deutschland aus.
Stephen King (Chefökonom von HSBC in London) untersuchte geplatzte Finanzblasen. Er kam zu dem Ergebnis, dass spekulative Blasen an den Finanzmärkten irgendwann platzen. Nur der Zeitpunkt eines solchen Ereignisses ist offen. In den meisten Fällen kann sich eine Blase so lange aufblähen, dass eine Gewöhnung an den Zustand eintritt und nur noch wenige mit einem Platzen rechnen. Er hat anhand von vier Ereignissen in den achtziger und neunziger Jahren an den Börsen in Japan, Mexiko, Großbritannien und Spanien versucht, einige typische Kriterien für das Entstehen einer Blase aufzuzeigen.
Nach den Erkenntnissen der Investmentbank sind dies
- ein starkes Wachstum der Geldmenge,
- ein rapide zunehmender Anteil des Werts von Finanzanlagen am Bruttoinlandsprodukt,
- eine Erhöhung des Leistungsbilanzdefizits und
- eine starke Zunahme der Verschuldung der privaten Haushalte.
Die Weltwirtschaftskrise ist bisher ausgeblieben. Wir standen knapp davor, so die FAZ im Frühjahr, als der DAX bei einem Indexstand von 2300 Punkten notierte. Die Risiken sind nach wie vor existent, denn die Ursachen sind nicht beseitigt worden, ganz im Gegenteil. Auch wenn insbesondere von amerikanischer Seite alles erdenkliche getan wird, den Kollaps zu vermeiden, durch Kurieren an Symptomen.
Globale Finanzmanipulationen
"Menschen glaubten niemals an Vulkane, bis sie von der Lava überspült wurden."
(George Santayana)
Asien, Lateinamerika, Osteuropa haben 1987 eine Kernschmelze im Ansatz erlebt.
Mit Insiderwissen einflussreicher Zirkel, sind dort zu lasten der Volkswirtschaften und der Menschen politische und wirtschaftliche Strukturen aus den Angeln gehoben worden.
Die Folge: Währungen verloren bis zu 80% ihres Außenwertes, die Börsenkurse verloren bis zu 90%. Nach dem man durch gezielte Massnahmen an Devisen- und Aktienmärkten, die Länder und Politiker und auch die Börse da hatte, wo man sie haben wollte, hat man zu Tiefstpreisen alles (Immobilien, Unternehmen, Sachwerte) erworben, was gut und sicher war sowie schnellen Profit versprach.
Im Laufe von wenigen Jahren, in Zusammenarbeit mit den Medienkonzernen und allen wichtigen Insidern / Kooperationspartnern in diesem Spiel, wurden die Börsen wieder nach oben manipuliert. Verloren haben die Anleger und viele kurzfristig denkende unwissende Spekulanten.
Dieses beschriebene Szenario der Insider, die globale Manipulation von Märkten, beginnt an irgendeinem Ort dieser Welt, immer wieder von Neuem. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Finanzsystem auseinanderbricht.
Die US-Wirtschaft - die Schuldenspirale - die Haushaltsdefizite
Robert Rubin: "Spekulative Exzesse bedrohen die Weltwirtschaft."
Der ehemalige US-Finanzminister sprach am 2. Februar 2001 vor der London School of Economics. Er ging auf die Finanzkrisen der vergangenen Jahre ein und beklagte, dass mit jeder erfolgreich abgebogenen Krise, mit jedem Beinahe - Kollaps, die Gewissheit zunimmt, alles werde stets gut ausgehen. Das Risiko besteht darin, dass an irgendeinem Punkt die Exzesse zu groß werden und dann die unausweichlichen Konsequenzen folgen.
Rubin wandte sich gegen das sogenannte neue Paradigma, das so viele herkömmliche Sorgen über konjunkturelle Abschwünge, Risiken und solides Wirtschaften als irrelevant abtut, und fügte hinzu:
"Ich bin grundsätzlich anderer Ansicht, weil diese Sichtweise der Wirtschaft aller menschlichen Geschichte im Hinblick auf Märkte und Volkswirtschaften widerspricht, und das sollte schon ein ernüchternder Vorbehalt sein. Seit ich nach New York zurückgekehrt bin, ist mir stark aufgefallen, wie alle Aspekte des Finanzgeschäfts von der Grundannahme durchdrungen sind, dass alles immer gutgehen wird, und dass jegliche Unterbrechung nur vorübergehend und schlimmstenfalls milde sein wird lösbar, höchstwahrscheinlich, durch den Federal Reserve Board, und auf jeden Fall überwindbar, indem man sich erneut auf die langfristigen Veheissungen konzentriert."
Er fürchte indessen, dass Exzesse und Ungleichgewichte unser wirtschaftliches Wohlergehen konkret gefährden könnten.
Die US-Wirtschaft befindet sich nicht in der guten Verfassung, die die Statistiken oder die Entwicklung des Dow Jones Index signalisieren.
In der Produktion gehen durch Entlassungen und der Schließung ganzer Fabriken Arbeitsplätze verloren.
Die Produktion wird in den USA dramatisch abgebaut. 1980 bestand die Geschäftstätigkeit der General Electric zu 85 % aus der Produktion und dem Verkauf und zu 15 % aus Finanzen und Service. Heute hat sich das Verhältnis mit 25 % zu 75 % umgekehrt.
Das Analyse des US Handelsdefizit zeigt, dass es der US amerikanischen Wirtschaft nicht mehr möglich ist, die Defizite durch kleine Korrekturen an den Wechselkursen auszugleichen.
Die Sparrate ist negativ, während die Verschuldung der Unternehmen leicht abgebaut wurde steigt die der Privathaushalte trotz Steuergeschenken weiter an.
Die Privathaushalte verzeichnen die höchsten Verschuldungsraten der Geschichte, wobei viele der neuen Schulden zum Konsum, Kauf von überteuerten Immobilien und Aktien gemacht wurden. Pervers: Häuser werden gekauft, um neue Schulden zum weiteren Konsum aufnehmen zu können.
Da die Leasingraten für den Autokauf in den Statistiken nicht berücksichtigt sind, ist die tatsächliche Verschuldungssituation sogar noch dramatischer als offiziell angegeben.
Die durchschnittlichen Unternehmensgewinne, die nach dem dramatischen Einbruch 2001 dank radikaler Restrukturierung gestiegen sind, werden in 2004 auch wieder sinken.
Es gibt indes nur eine Stütze der US - und damit der Weltwirtschaft: der US- Immobilien- und Aktienmarkt. Wenn diese Stütze wegbricht wird die US-Wirtschaft, das US- Finanzsystem und damit das Weltfinanzsystem in sich zusammenbrechen.
Damit dies nicht geschieht, muss die Illusion der immerwährenden Aktienhausse bewahrt werden. Steigende Zinsen und Steigende Inflationsraten könnten die Luftblasen der Kapitalmärkte endgültig zum Platzen bringen.
Wurde im Frühjahr / Sommer 2003 ausgehend von der US Fed noch das Gespenst der Deflation auf der Weltfinanzbühne diskutiert, ist es mittlerweile offensichtlich, daß dieses worst case Szenario wie es Japan seit 12 Jahren als Resultat der Immobilien- und Aktienexzesse der 80iger erlebt, mit aller Macht verhindert werden soll. Oder war die Deflationsdebatte von der US - Fed nur inszeniert, um die Schuldenlast zu lindern: Staaten, Unternehmen wie auch Verbraucher haben das historisch niedrige Zinsniveau im Zuge der Deflationsangst und die massenhaft von der US – Fed bereitgestellte Liquidität genutzt, um sich via Anleihen oder Refinanzierungen Kapital zu beschaffen, sich billig zu verschulden oder bestehende Kredite billiger zu refinanzieren. Die Verschuldung ist selbstverständlich weiter angestiegen, die Probleme wurden somit vergrößert und ein wenig in die Zukunft verschoben.
Es wäre angesichts der exzessiven Geldmengenausweitung viel richtiger gewesen, sich um Inflationsgefahren Gedanken zu machen ! Seit dem Amtsantritt Greenspan's im August 1987 ist die vom Federal Reserve Board für die Geldmenge als maßgebend betrachtete M3-Geldmenge von 3.7 Bio.$ auf nunmehr 8.4 Bio.$ angewachsen; damit ist in diesen 15 Jahren mehr Papiergeld geschaffen worden als in den ersten 211 Jahren des «modernen« Amerika. In den letzten Wochen und Monaten waren fortlaufend neue Rekorde festzustellen: Allein in der Woche vom 5.-9. August 2002 wurde M3 beispielsweise um 44.3 Mrd.$ aufgestockt, und von Januar bis August 2002 kamen in nur acht Monaten über 1 Bio.$ ( 1.000.000.000.000 )dazu.
Tatsächlich ist die Geldschöpfung nach Maßgabe der Aggregate M1, M2 und M3 bei weitem nicht hinreichend, denn viel mehr «Geld» als durch die Notenbank – Pressen entsteht in privaten Verschuldungsexzessen. Während Greenspan M3 um 4'700 Mrd.$ ausgeweitet hat, sind die Gesamtschulden der USA gleichzeitig von 10'480 Mrd.$ um das Dreifache auf 31'760 Mrd.$ explodiert. Allein innerhalb der zwölf Monate von Mitte 2001 bis Mitte 2002 ist die Gesamtverschuldung der USA um 2320 Milliarden Dollar gestiegen, während das BIP um nur 321 Mrd. $ zugelegt hat. Dieser Trend ist bis heute gültig: immer mehr neues Geld für immer wenig er Leistung!
Das Geld fließt indes nicht in die Bereiche, in denen es für den Umbau der amerikanischen Wirtschaft gebraucht wird. Es dient mit Sicherheit dazu, die Aktienmärkte vor dem Kollaps zu bewahren. Dies ist jedoch lediglich eine gigantische Umverteilung von Steuergeldern in private Hände.
Bislang hat es die FED verstanden, die Wirtschaft der USA und damit die der Welt in Gang zu halten respektive die amerikanischen Verbraucher, der Weltkonjunkturlokomotive via kreativer Vermögensbildung, Inflationierung der Immobilien- und Kapitalmärkte, zu refinanzieren und ständig über nahezu kreative Transformationsmechanismen mit frischem Geld für weitere, kreditfinanzierte Konsum - Exzesse zu versorgen. Denn die US Fed sieht in der Versorgung der Wirtschaft mit Kapital und der Entwicklung der Kapitalmärkte eine wesentliche Quelle für Wohlstand. Kaum ist schon wieder das kreative Potenzial der amerikanischen Buchhalter bei Enron, Tyco, Worldcom vergessen, werden wir daran erinnert, dass dies auf staatlicher Ebene exzessiv perfektioniert wird.
Inflation
Warren Buffett behauptet:
Die Wirtschaft tendiert automatisch und die Politik sehr gerne zur Inflation, denn Inflation verbreitet die Illusion der Geldvermehrung.
Das Gegenteil einer inflationären Entwicklung ist eine deflationäre Entwicklung und die kommt einem Todesurteil für unsere Politiker gleich, denn Deflation vernichtet Sachwerte.
Deflation ist der Todfeind unserer Politiker und bedeutet nicht anderes als sinkende Einkommen, fallende Preise, Massenarbeitslosikeit und in der Folge auch Bankenzusammenbrüche.
Bei der Wahl zwischen Inflation und Deflation entscheidet der Politiker deshalb immer zu Gunsten der Inflation.
"Der Überschuß an Krediten, den die Nationalbank von Japan und die Fed in den Aktienmarkt gepumpt hat, löste eine phantastische Aktienhausse aus. Verspätet wurde versucht, die Überschüsse einzusammeln und den Boom zu stoppen. Aber es war zu spät. (...) 1929 war das spekulative Ungleichgewicht so übergroß, daß dieser Versuch in Entlassungen von einer demoralisierten Wirtschaft endete. Das Ergebnis war eine kollabierenden US-Wirtschaft. ( ...) Die Weltwirtschaft stürzte in die große Depression der 30er Jahre." (Alan Greenspan, The Objectivist, 1966).
Die amtliche US- Inflationsstatistik ist ein Schwindel:
50% der lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen werden aus der Statistik einfach ausgeklammert. Die wahre Inflationsrate liegt bei über 10%.
Die Amerikaner brauchen für Ihre Autos und Flugzeuge kein Benzin. Und sie essen auch nicht- jedenfalls, wenn es nach der amtlichen Inflationsrate geht. Dank dieser Methode kann die US-Notenbank jeden Monat aufs neue behaupten sei die Kerninflationsrate unter Kontrolle.
Derzeit liegt die Kerninflationsrate bei 2,3%. Der Schwindel geht auf die Jahre 1973-1974 zurück als Richard Nixon Präsident war. Damals gab es wie heute eine gewaltige Ölpreiserhöhung die durch das Ölpreisembargo der OPEC ausgelöst wurde. Dadurch explodierten schon bald die Preise für den Endverbraucher. Als damals der Ölpreis innerhalb weniger Monate um 400% anstieg, rief der FED Vorsitzende Arthur Burns den Wirtschaftsstab der FED zusammen und wies in an, die Auswirkungen dieser 400-prozentigen Ölpreisstatistik aus der CPI Statistik herauszunehmen.
Denn, so argumentierte Burns: "Es ist systemfremd, es hat nicht mit dem inherrenten Trend des amerikanischen Wirtschaftszyklus zu tun".
Wenige Monate nach dem Ölpreisschock schossen auch die Nahrungsmittel massiv in die Höhe weil in den USA eine schwere Dürre herrschte und gleichzeitig Rekordmengen nach Russland exportiert wurden. Nun wurden die Nahrungsmittel auch aus dem CPI genommen.
Gemessen am heutigen Gewicht machen die ausgeschlossenen Posten mehr als 50% der Güter und Dienstleistungen aus.
Es ist sehr schwer die Gefahr in den USA zu sehen, da die Vertreter der Politik, der Finanzen und des Geldwesens von der Regierung bis hin zur Wall Street gewöhnlich über den wahren Stand der Wirtschaft lügen, um ihre Jobs, Einkommen und Profite zu verteidigen.
Im Schatten der weltweiten Finanzturbulenzen ist der US-Kapitalmarkt zur größten und gefährlichsten spekulativen Blase der Weltgeschichte herangewachsen. Die Notenbanken sind mit der kritischen Entscheidung konfrontiert, den deflationären Zusammenbruch des Weltfinanzsystems und des Weltwirtschaftssystems zu beobachten oder die Währungen zu inflationieren, als ob es kein morgen mehr gibt.
Die Notenbanken haben sich für die zweite Lösung entschieden: zu inflationieren. Seit Oktober 1998 haben die 44 größten Zentralbanken die Zinssätze dramatisch gesenkt. Die Fed hat die Entwicklung angeführt, die EZB mußte mehr oder weniger nachziehen.
Die erhöhte Inflation wird dafür sorgen, dass die stark verschuldeten privaten Konsumenten und Unternehmen etwas mehr Luft bekommen. Diese Möglichkeit wird auf Seiten der US-Notenbank auch durchaus ins Auge gefasst. Das Ganze läuft darauf hinaus, Dollars zu drucken. Unglaubliche zweistellige Wachstumsraten der Geldmenge folgten, wobei die Fed in der Amtszeit Greeenspans die Geldmenge mehr als verdoppelte.
Die globale Schuldenblase
Weltweit ersaufen Staaten, Unternehmen und Privatpersonen in Schulden. Die Krise des weltweiten Finanzsystems ist offenkundig. Der Bankrott vieler Staaten ist unabwendbar, da die Zuwachsrate der Staatsverschuldung der wichtigsten Staaten über der des jeweiligen BIP liegt, die Zinsen aus der Staatsverschuldung jedoch nur aus Abforderung aus dem BIP beglichen werden können.
Bei einem Zins von 7 % verdoppelt sich die Schuld alle zehn Jahre, bei 10 % alle sieben Jahre. Steigen Schulden schneller als das, woraus sie verdient werden können, kommt es in berechenbar endlicher Zeit zum Bankrott.
In der BRD wurden z.B. im 1. Quartal 2003 mehr Schulden (plus erhaltenem Bundesbank - Gewinn) gemacht als an Lohn- und vor allem an Umsatzsteuer eingenommen worden ist. Der Staat ist einschließlich seiner Pensions- und Rentenverpflichtungen mit ca. € 5 Bio. verschuldet. Der Staat bilanziert nicht. Würde er bilanzieren, wäre seine Insolvenz unschwer erkennbar. Indem sich der Staat verschuldet, diskontiert er immer künftige Steuereinnahmen. Seine Verpflichtungen aus Schulden plus Pensions- und Rentenverpflichtungen (abgezinst) liegen bereits beim ca. Zehnfachen des jährlichen Steueraufkommens. Das BIP Wachstum in der BRD und Frankreich ist quasi nicht existent, das der EU marginal positiv. Optimistische Prognosen für 2004 sind angesichts der Erfahrung der letzten Jahre mit äußerster Vorsicht zu genießen. Ein vorsichtiger Rechner würde von anderen Zahlen für seine (Steuer-) Einnahmen ausgehen.
In den Jahren 1977 - 1983 wurde in den USA zwischenzeitlich ein permanentes Schuldenlimit von 400 Mio. USD festgelegt und jeweils ein temporäres Limit erhöht. Diese Augenwischerei wurde 1983 aufgehoben. In regeImässigen Abständen wurde in der Vergangenheit in den USA das Limit der Staatsverschuldung den Gegebenheiten, sprich dem wahren Schuldenstand, angepasst. Die US-Regierung erwartet für das nächste Jahr ein Haushaltsdefizit zwischen 525 Mrd und 530 Mrd USD.
Insgesamt wächst die Verschuldung in den USA gegenwärtig dreimal schneller als das offizielle Sozialprodukt. Mit anderen Worten:
Für jeden Dollar an zusätzlichem Sozialprodukt müssen drei Dollar an neuen Schulden aufgebracht werden.
Die Wachstumsrate des US - BIP im zweiten Quartals 2003 liegt annualisiert offiziell bei 3.2%. Bei der Berechnung des BIP wird selbstverständlich auch gelogen, verschleiert und manipuliert:
Konsumtive Staatsausgaben militärischer Natur machten 48 % des Wachstums im zweiten Quartal aus. Der hedonistische Ansatz im „Fixed Investment“ steuert weitere 43,4 % des Wachstums bei. Die potentielle Fragilität des Konsums im Hinblick auf kollabierte „Cash-out“ Refinanzierungen von Hypothekenkrediten, Verschuldungsgrad der privaten Haushalte und Arbeitslosigkeit als auch die Fragen, die sich im Hinblick auf den impliziten BIP- Preisdeflator stellen, können an dieser Stelle sogar außer Acht gelassen werden, um klarzustellen, dass die Qualität des US Wachstums im zweiten Quartal schlecht ist und nicht ansatzweise die Vermutung eines sich selbsttragenden Aufschwungs begründen kann.
Wie vor diesem Hintergrund der Schuldenberg reduziert werden kann bleibt schleierhaft. Die USA sehen sich heute mit realwirtschaftlichen Problemen konfrontiert, die ähnlich wie in Japan aus der spekulativen Blase und der damit verbundenen Fehlallokation von Kapital an den Aktienmärkten resultieren und eben nicht mittelfristig gelöst werden können. Übrig geblieben ist nach dem Platzen der Blase aus 2000 / 01 in den Industrie- und Technologieunternehmen ein Überhang an freien Kapazitäten und eine enorm hohe Verschuldung. Aktuell beläuft sich diese auf 31.000 Mrd. $. In Relation zum BIP entspricht das einer Verschuldung von rund 300 Prozent. Der US $ fällt gegenüber den freien Währungen – viele insbesondere asiatische Währungen haben sich an den US $ fest gebunden - seit mehr als 12 Monaten. Dies wird kurzfristig – entgegen der Vermutungen vieler Volkswirte - bei freien Märkten zu steigenden Handelsdefiziten führen. Denn die amerikanische Wirtschaft ist nicht mehr fähig, die konsumierten Waren zu angemessenen Kosten und in angemessener Qualität selber zu produzieren. Somit müssen sie weiter zu höheren Kosten importiert werden, Inflation inklusive. Die Alternative ist der Verzicht, Sparen.
Kein Land der Erde hat seit 25 Jahren Altschulden getilgt. Die Altschulden werden absichtlich verschwiegen und sind gar kein Thema in der öffentlichen Diskussionen. Thema am Rande sind bestenfalls die Neuschulden.
Aber auch Neuschulden sind ein unangenehmes Thema. Wenn es um die Festlegung der Höhe der Neuverschuldung geht, wird getrickst und manipuliert. Noch schlimmer ist, dass auch die Neuverschuldung in allen Ländern dieser Welt nie getilgt worden ist. Ausnahme sind die USA im Jahre 1999.
Von Japan spricht, und das ist mir vollkommen schleierhaft, kaum einer. Japan hat nach wie vor mit den Übertreibungen an Aktien und Immobilienmärkten der 80iger zu kämpfen. Der amerikanische Ökonomieprofessor Rudiger Dornbusch vom MIT in 2002:
„Die große Gefahr für das Weltfinanzsystem heißt Japan. (...) Die Frage ist nicht, ob Japan zusammenbricht, sondern nur noch wann. (....) Dauerrezession, zehn Prozent vom BIP Defizit, 300 Prozent Verschuldung - dieses Land ist von innen nicht mehr reformierbar. Der Japan-Crash kann zwar nicht verhindert, aber begrenzt werden.“
Obwohl ununterbrochen neue, teilweise unsinnige "Konjunkturprogramme" aufgelegt wurden, tat sich in der realen Wirtschaft nichts mehr. Viel Geld versickerte bei der „japanischen Mafia“, die sich an den öffentlichen Aufträgen bereicherte.
Japans BIP nahm seit 1976 stetig ab, zuletzt 2002 mit einer Jahresrate von 5,5 % (!), die Konsumentenpreise fielen mit einer Jahresrate von zuletzt 3,3 % (Quelle: The Economist).
Während das BIP in 2003 getragen insbesondere von privatem Konsum mittlerweile annualisiert sensationelle 3,5 % steigt fallen die Konsumentenpreise weiter.
Das japanische BIP liegt umgerechnet bei knapp unter 3 Billionen USD. Die Staatsverschuldung (inklusive abgezinste Pensionszusagen und öffentliche Betriebe, wie Post) liegt bei etwa 6 Billionen US $. Die Zinsen auf die Staatsverschuldung werden nicht offiziell ausgewiesen, sind z.T. in Schattenhaushalten bzw. per Überkreuz- Verbuchung mit der Notenbank versteckt. Da Japans Langfrist- Zinssätze seit 1990, dem Beginn der Baisse, zwischen 8 und etwas über 1 Prozent schwankten, sind die Experten auf Schätzungen angewiesen. Sie liegen bei 320 bis 420 Milliarden p.a.(Quelle: Nachfrage beim IWF).
Da die japanischen Staatseinnahmen aber nur um die 400 Mrd. USD liegen ist absehbar, dass die ordentlichen Staatseinnahmen gerade noch ausreichen, um den Zinsendienst auf die aufgelaufene Staatsverschuldung zu decken. Sämtliche sonstigen Staatsausgaben werden also durch die Aufnahme zusätzlicher Staatsschulden "gedeckt".
Die Ursache für die dramatische Lage der Staatsfinanzen liegt wohl auch in einem falsch verstandenen Keynesianismus: die Staatsausgaben liegen bei 700 bn US $, die Zinsen tendierten lange gegen Null, dringend erforderliche Reformen der Strukturen wurden dabei vergessen bzw. waren politisch nicht durchsetzbar. Der Weg aus der Krise ist nach Meinung vieler Ökonomen die Erzeugung von Inflation. Doch damit werden auch die zu zahlenden Zinsen steigen. Was steigt eher und schneller Steuereinnahmen oder Zinsdienste ? Auch ob die aktuelle Erholung Japans Wirtschaft nachhaltig ist, ist keineswegs sicher: in den letzten 12 Jahren gab es mehrfach Quartale mit beeindruckenden Wachstumszahlen, bevor Japan wieder in die Rezession abtauchte.
Der aktuelle Tankan Bericht läßt aber keinen Zweifel daran, dass der Export insbesondere in die USA eine wichtige Stütze ist. Die USA wollen allerdings die via Interventionen in Milliardenhöhe für den japanischen Export wichtigen manipulierten Wechselkurse nicht mehr akzeptieren um die Handelsdefizite zu verringern. Asien hält die größten US $ Devisenreserven der Welt. Der politische Druck zur Abwertung des Yen gegenüber dem US $ zeigt Wirkung - nicht zuletzt auch weil Großspekulanten einen neuen Ort zum Tummeln gefunden haben. Würden Sie derzeit in US - $ investieren ?
Demgegenüber ist die private Sparquote nicht zuletzt aus der Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang, der Probleme in den Rentensystemen - die japanische Rentenversicherung steht aufgrund der Demographie vor ähnlichen Problemen wie in Deutschland - und Arbeitslosigkeit sehr hoch. Angelegt ist das mühsam Ersparte zum größten Teil ( noch ) in staatlichen Anleihen. Nachdem die Regierung 2002 die Garantiesumme der Sparer für Ausfälle durch Bankeninsolvenz herabsetzte auch in physischem Gold. Der Japanische Sparer sollte besser versuchen sein Geld fortzuschaffen, abseits der hochverschuldeten Währung.
Japan, which already has the largest government bond market in the world, has said it will sell 36.5 trillion yen of new bonds this fiscal year, started April 1, as a slump in tax income deepens. The nation has 562 trillion yen in marketable securities, or $4.7 trillion, outstanding at the end of March, compared with the U.S. government's $3.3 trillion
Moodys sieht anscheinend in Japans Staatsverschuldung ein bedeutendes Risiko und senkte das Kreditrating auf das Niveau von Botswana. Bedenken sollte man, daß Japan die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist. Viele Menschen realisieren aus mir nicht erkenntlichen Gründen das nicht.
Der Banken und Versicherungssektor ist nach wie vor belastet mit faulen Krediten. Aber das Problem soll in zwei Jahren gelöst sein, nicht zuletzt durch politischen Druck und Kostensenkungen, so der japanische Wirtschaftsminister Heizo Takenaka. Diese Aussagen sind direkt vor den letzten Wahlen datiert.
"The ratio of bank lending to gross domestic product (GDP) is now at around 80 percent and we are seeing the final stages of a correction," he said, adding that the ratio had been at around 120 percent during the asset-inflated "bubble" years of the 1990s. The bad debt problem will be resolved in two years," he said.
Japanese banks are struggling with 40 trillion yen ($338.8 billion) in bad loans and are under pressure to dispose of them, though they are also under public fire for having cut fresh loans to companies in the process.
Historisch gesehen sind die Menschen in Gold geflohen, wenn es der Regierung nicht mehr gelang, die Währung zu managen, bzw. wenn alles außer Kontrolle lief.
Faule Schulden, so weit das Auge reicht
Am 31. Oktober 2000 stand das Bankensystem der drittgrößten asiatischen Industrienation kurz vor dem Einsturz. Nur durch Notoperationen, der Verlängerung von Krediten von den selber notleidenden Banken oder dem kontrollierten Konkurs faktisch bankrotter Unternehmen gelang es die zweite Asienkrise zu vermeiden. Schulden in Milliardenhöhe wurden abgeschrieben, viele Arbeitnehmer z.B. bei Automobiluntemehmen Daewoo Motor verloren weltweit ihre Stellungen.
Der Berg fauler Schulden südkoreanischer Banken belief sich auf offiziell 60 Mrd. Euro, obwohl bereits mehr als 100 Mrd. Euro fauler Bankschulden verstaatlicht wurden.
Die Lösung derartiger Krisen könnte sehr schnell außer Kontrolle geraten und eine Kettenreaktion auslösen, welche die gesamte Region erneut in finanzielles und wirtschaftliches Chaos zurückwirft. 50 an der Börse notierten Unternehmen wurden inoffiziell als unrettbar eingestuft und sollten keine weiteren Kredite erhalten. Verständlicherweise wurde die Gläubiger ausstehender Anleihen nervös und forderten ihr Geld zurück.
Die Furcht vor einer Abschwächung der Exporte in die USA könnten für erneut aufkeimende Panikstimmung sorgen.
Auch Japans Finanzsystem offenbart trotz des japanischen Reformeifers und der Verstaatlichung von Schulden nach wie vor eklatante Risiken. Der Zusammenbruch des Versicherungsunternehmens Kyoei Life am 20. Oktober 2000, mit 42 Mrd. Euro an ausstehenden Schulden die größte japanische Unternehmenspleite aller Zeiten, wurde allgemein nur als Auftakt für eine Lawine ähnlich großer oder sogar noch größerer Pleiten in naher Zukunft betrachtet. Nur wenige Tage früher, bereits am 9. Oktober, war das Versicherungsunternehmen Chiyoda Mutual unter einem Schuldenberg von 26 Mrd. Euro zusammengebrochen. Seit dem Frühjahr 2003 wird nach der ersten Bankenpleite auch offiziell von einer Bankenkrise gesprochen.
Die gesamte Finanzbranche leidet unter ihren in der spekulativen Boomphase der 80iger Jahre vergebenen Renditeversprechen, die sich unter den jetzigen Bedingungen, bei Zinsen nahe Null, nur durch Auftürmen immer neuer Schulden erfüllen lassen.
Und im Gegensatz zum extrem großzügigen Rettungspaket der Regierung für die Großbanken, in Euro umgerechnet ein vierstelliger Milliardenbetrag, hat es bislang keine entsprechende Stützung für den Versicherungssektor gegeben. Die Aktienmärkte Japans stürzten im Frühjahr 2003 auf ein 21 Jahrestief.
Auch Lateinamerika bietet ein selbst für hartgesottene Investoren "schwindelerregendes Panorama".
Aktuell auf der Liste der Megakrisen steht Argentinien. Schon ein flüchtiger Blick auf die offiziellen Zahlen ließ in 2000 keinen Zweifel daran, daß Argentinien schnurstracks der Zahlungsunfähigkeit auf seine Auslandsschulden entgegenlief. Die fälligen Schuldendienste werden seit 2 Jahren nicht mehr bedient. Die Gläubiger werden weniger als 25% der ursprünglichen Schuld nach dem argentinischen Vorschlag erhalten.
Ein Übergreifen der Argentinienkrise auf den gesamten südamerikanischen Kontinent konnte nur mit Mühe vermieden werden. Argentinien drohte in Anarchie und Chaos zu versinken.
Den Währungen Brasiliens, Kolumbiens und Chiles gerieten unter starken Druck. Selbst der Peso des Erdölexportlandes Mexiko war unter erheblichen Druck geraten, weil eine Abschwächung der US-Importe erwartet wurde. Überall in Lateinamerika purzelten die Aktienkurse.
Schulden und Vermögen gleichen sich systembedingt 1:1 aus, jeder Schuldner hat auch Gläubiger. Bei einem Blick auf die Schuldenberge sollten sich die Gläubiger nicht unbedingt einbilden, daß sie ihr Geld jemals wiederbekommen. Die Insolvenzwalze rollt über den Erdball und erfaßt nicht nur kleine Verbraucher sondern auch ganze Staaten.
Während die privaten Haushalte in den USA mehr ausgeben, als sie einnehmen, verbraucht die amerikanische Wirtschaft mehr Güter und Dienstleistungen, als sie selbst produziert.
Dies hat in den vergangenen Jahren zu einer geradezu explosionsartigen Ausweitung des US- Handelsdefizits geführt:
Anfang der 90er Jahre bewegte es sich noch unterhalb von 50 Mrd. Dollar - jährlich. Von 1994 bis 1997 wurden schon jeweils 100 Mrd. Dollar mehr Waren importiert als exportiert. Und in den Folgejahren machte der nicht durch eigene Produktion abgedeckte Konsumrausch eine weitere Vervielfachung des möglich.
Alleine im Monat August 2003 erreichte das US - Handelsbilanzdefizit mit 40 Mrd. Dollar einen abermaligen Rekordwert. Annualisiert ergibt sich ein Handelsbilanzdefizit von ca. US $ 500 Mrd.
Korrespondierend dazu entwickeln sich die US $ Devisenreserven insbesondere der asiatischen Handelspartner. Die spannende Frage ist nicht ob, sondern wann und wie die Handelsbilanzdefizite ausgeglichen werden und welche Konsequenzen daraus resultieren. Der japanische Yen wertet trotz Interventionen in einem Umfang, welche so manchen Devisenspezialisten den Atem raubt, gegen den US $ auf. Dies ist gleichbedeutend mit einer Abwertung der Devisenreserven. Japan sieht anscheinend keinen Ausweg, als diesen Verlust zu akzeptieren. Auch China wird dieser Weg nicht erspart bleiben.
Die Illusion der Aktienhausse seit 1998
Während der letzten 100 Jahre lag das durchschnittliche KGV des S&P 500 bei 15, die tiefsten Punkte lagen bei 6. Aktuell liegt das KGV bei 35, wobei viele Gesellschaften in 2004 fallende Gewinne verzeichnen werden, da es in den USA keinen nachhaltigen Wirtschafts-, Investitions- und Konsumboom geben wird.
Am meisten gestiegen sind die High-Tech-Werte. Die NASDAQ ist mit einem KGV von über 60 bewertet. Ich habe bisher keinerlei Gründe finden können, welche die hohen KGV's für Intel (52.4) oder Cisco (38.4) rechtfertigen. Intel müsste seine Gewinne vervierfachen, um einen fairen Preis zu erreichen.
Der aktuelle Rausch läßt sich auch wieder an den ( Internet- ) Aktien ablesen.
Die Marktkapitalisierung von Amazon liegt nach einer Verachtfachung innerhalb von zwei Jahren inzwischen über 18 Mrd. US Dollar, was ungefähr der von Volkswagen entspricht. Vor kurzem konnte das Unternehmen dann auch die Gewinnschwelle überschreiten. Bei Amazon liegt der Buchwert pro Aktie bei minus 3 Dollar.
Cisco Systems erreicht aktuell ein KGV mit über 30 bei fallenden Umsätzen und einer vollkommen ausgequetschten Produktivität. Yahoo weist ein KGV von 115 aus, Ebay von 100.
Bewertungsspielräume werden i.R. der Möglichkeiten kreativer Buchführung insbesondere von Technologieunternehmen weiterhin ausgenutzt. Eine Bombe tickt z.B. bei den häufig vernachlässigten Pensionsverpflichtungen und den nicht bilanzierten Stock options – auch in old economy Unternehmen.
Der Aktienmarkt sieht heute wieder aus wie eine Geldmaschine. Es ist diesmal nicht einmal wie in dem ( Internet- ) Rausch der 90iger. Aber die alten Börsenregeln scheinen wieder außer Kraft, also die fundamentalen Kriterien für die Bewertung von Aktienpreisen wie das zyklisch angepasste Verhältnis von Kurs und Reingewinn, Dividendenrendite, Verschuldungsverhältnisse, das Verhältnis von Kurs und Wiederbeschaffungskosten der Buchwerte usw.
Es stellt sich die Frage, wie sich dieses Diskrepanz auflösen wird. In 2004 werden durchschnittlich die Unternehmensgewinne eher sinken denn steigen. ..... oder stehen wir vor einem neuen Bewertungsparadigma ?
Der Kursverfall an der Technologiebörse Nasdaq bis März 2003 kam einigen Topmanagern von High-Tech-Unternehmen teuer zu stehen. Seit dem Rekordhoch am 10. März 2000 sackte der Nasdaq Composite Index dramatisch ab und ließ den Wert ihrer Unternehmensanteile kräftig schmelzen. Unternehmer wie William Gates, Microsoft, Lawrence Ellison, Oracle, Jeffrey Bezos; Amazon.com, Jerry Yang, Yahoo!, Philip Anschutz, Qwest, Jay Walker, Priceline.com verloren einen großen Teil ihres Vermögens. Sie haben gelernt, die Insiderverkäufe sind seit einiger Zeit auf Rekordniveau.
Die beispielhafte Manipulation des Aktienmarktes
"Wir haben die Verantwortung, größere Marktverschiebungen durch die Entwicklung von regulatorischen Standards und wenn nötig, durch direkte Eingriffe in den Markt zu verhindern." (Alan Greenspan, 14.01.97). Die Eingriffe (Manipulation) in den Aktienmarkt sind mittlerweile offensichtlich, die Ausmaße gigantisch. Das Finanzministerium und die Fed kaufen über das Absturzsicherungsteam (Greenspan, Summers) und über die Mithilfe der Firmen des Establishments wie z.B. Merrill Lynch, Goldman Sachs, Morgan Stanley Futures Kontrakte des Dow Jones, wenn der Markt Schwäche zeigte.
In einem noch viel größerem Ausmaß als 1997ff. wird aktuell massiv auf die Aktienpreise in den USA Einfluß genommen.
Die Federal Reserve tätigt über den Terminmarkt großvolumige Kontrakte über Aktienindex-Derivate. Diese Derivate auf einen steigenden Aktienindex erzeugen einen Kaufsog für Aktien. Die Federal Reserve versicherte den großen Aktienfonds (Mutual Funds), dass ihnen großzügig Zentralbankgeld zur Verfügung gestellt werden würde. So sollte verhindert werden, dass die Investmentfonds wegen Kündigungen von Anlegern in Liquiditätsprobleme kommen.
Die Regierung arbeitet dabei mit den größten Medienkonzernen zusammen, um die Finanz- und Wirtschaftsdaten zu manipulieren, so dass sie für den Aktienmarkt dauerhaft positiv bleiben. Die schlechten Meldungen werden ignoriert während die Botschaft von ständig steigenden Aktienmärkten dauerhaft über CNBC, CNN Business Reports usw. verbreitet wird.
Im Frühjahr (März) 2000 hatte der NASDAQ seinen historischen Höchststand: von 5123 Punkten erklommen, er hat also nun innerhalb von 12 Monaten 60 % seines Wertes verloren, im zyklischen Tief waren es 80 %. Auf diese Weise haben sich auf den heutigen Stand gerechnet 2000 Milliarden Dollar an Aktienwerten (Marktkapitalisierung) in Luft aufgelöst. Dies kommt beinahe dem gesamten Bruttosozialprodukt Deutschlands gleich. Soviel Geld haben nominell die amerikanischen und anderen Investoren in NASDAQ Aktien verloren. Viele Familien in Amerika haben in den letzten Jahren ihre Sparbücher oder andere traditionelle, relativ. sichere Anlageformen aufgegeben, um das Geld statt dessen in die vermeintlich gewinnträchtigen Aktienmärkte zu investieren, einen großen Teil davon in die "wunderversprechenden Technologiewerte"
Mehrmals verhinderte das "Absturz-Verhinderungsteam" eine ausgewachsene Systemkrise des Weltfinanzsystems mit einem raschen Wertverfall des Dollars und den entsprechenden Folgewirkungen. Irgendwann reichten aber die Maßnahmen der Fed nur noch, um diesen Prozeß jedesmal nur um wenige Tage oder gar nur um Stunden aufschieben.
Mittlerweile hat die Fed jede Zurückhaltung und Scham abgelegt. Die Interventionen und Geldausweitung hat Ausmaße angenommen, wie es in der Geschichte der USA noch nie gegeben hat. Mit Alan Greenspan wird es an der Wall Street keinen Crash mehr geben. Aktien zu kaufen, so scheint es, ist mittlerweile kein Risiko mehr. Die Bewertungen der Unternehmen geraten dabei vollkommen außer Kontrolle. Kursrückgänge werden geduldet, bis zu charttechnisch wichtigen Marken.
Irgendwann wird keine Manipulation, Stützung oder gar "Absturzverhinderung" mehr möglich sein, weil die Diskrepanz zwischen den Aktienbewertungen und der wirtschaftlichen Realität auch bei optimistischsten Zukunftsszenarien zu abstrus sind. Ein Aktiencrash, bei dem Werte in der Größenordnung des gesamten Bruttoinlandsprodukts der USA von 9000 Mrd. Dollar vernichtet werden, steht dann ins Haus.
Die Federal Reserve und Wirtschaftswissenschaftler haben einen besonderen Begriff für dieses Investitionsverhalten von inzwischen ca. 60% der amerikanischen Haushalte gefunden Sie nennen es den "Vermögenseffekt" (wealth effect). Die Menschen fühlen sich "reicher", weil die Jahresberichte ihrer Anlagefonds, Aktienbroker oder Immobilienbüros Papiergewinne ausweisen, und riskieren deshalb viel häufiger, Kreditkarten oder andere Schulden zu machen, um ein neues Haus, Auto oder Konsumgüter zu kaufen. Dieser "Vermögenseffekt" der Konsumrausch auf Pump, der durch die Illusion des Papierreichtums genährt wird - gilt als Hauptantrieb für die jährlichen Zuwächse des amerikanischen BSP von 4-5% seit 1995.
Geplatzte Seifenblasen im Lauf der Jahrhunderte
Holland 1637 Tulpenzwiebeln Verlust 99 %
England 1720 South Sea Company Verlust 88 %
Frankreich 1720 Mississippi Company Verlust 99 %
USA 1929-1932 Dow Jones Aktienindex Verlust 89 %
Japan 1989-1998 Nikkei 225 Aktienindex Verlust 67 %
Russland 1998 RTX Aktienindex Verlust 80 %
Weltweit 2000/03 TMT Aktien Verlust 80-100 %
USA / private Hypothekenverschuldung
Neben den völlig überzogenen Aktienmärkten macht sich in den USA und in Teilen Europas eine zweite gigantische Spekulationsblase bemerkbar:
der Immobilienmarkt.
Die Hauspreise in einem Teil Kaliforniens stiegen in 2002 um 20 % in 12 Monaten. Und in Los Angeles liegt das Plus bei 16,5 %. Wie lange können Immobilienpreise weiterhin 8mal so schnell steigen wie die persönlichen Einkommen? "Die Mieten fallen, aber die Immobilienpreise steigen weiter", so eine Schlagzeile aus San Francisco.
Seit der Rezession 1990-1991 haben die Amerikaner die relativ niedrigen Hypothekenzinsen ausgenutzt und so viele Immobilien gekauft wie nie zuvor. Dazu wurden auch vermehrt Kredite aufgenommen;
Waren 1990 noch 35% der Immobilienwerte mit Hypothekenschulden belastet, so stieg der Anteil bis 2000 auf 50 %. 2002 betrug der Anteil stolze 84 %.
Aber es kommt noch schlimmer. Auf das Haus (bzw. den Eigenbesitzanteil) wurden dann oft noch einmal Konsumentenkredite (sog. "home equity-Kredite') aufgenommen. Derartige Kredite haben den Konsumrausch der letzten Jahre gespeist.
Die Folge ist, daß die durchschnittliche Verschuldung der Haushalte bis auf 88 % des verfügbaren Jahreseinkommens anschwoll. In der Rezession 1990 waren es 28%. Insgesamt haben die Amerikaner 8,4 Billionen Dollar an Konsumentenschulden und Immobilienschulden.
Was passiert wenn der Wert einer Immobilien bei einem Eigenkapitalanteil von 10% sinkt ? Oder wenn der Eigentümer bei Arbeitslosigkeit die Schulden nicht mehr bedienen kann ? Oder die Zinsen steigen ?
Das Entstehen der Immobilienblase in den USA ist eng mit den riesigen Geldbewegungen auf den US-Kapitalmärkten verbunden: Rund ein Drittel der jährlich mehr als 500 Mrd. Dollar an "Kapitalerträgen" der US-Aktienmärkte - etwa 200 Mrd. Dollar pro Jahr - fließt augenblicklich in den Immobilienmarkt. Wie an den Börsen wird die Preisinflation im Immobiliensektor vom Aufbau eines gigantischen Schuldenberges begleitet.
Gleichzeitig bedeutet der sich beschleunigende Niedergang des Wohnungsbaus fast unüberwindliche Probleme für eine immer größere Zahl amerikanischer Familien, die entweder einen ständig steigenden Teil Ihres Einkommens für Wohnkosten aufbringen müssen oder sich einfach keine anständige Wohnungen mehr leisten können. Die USA haben unter den führenden Wirtschaftsnationen die höchste Armenrate – sozialer Sprengstoff.
Der Bankensektor hat ein sehr großes Interesse, diese für ihn enorm profitable Immobilienblase am Leben zu erhalten. Vor 20 Jahren verlangten die Banken, daß ein Kunde für eine Hypothek 20% des Kaufpreises für ein Eigenheim auf den Tisch legte. Heute verlangen die Banken beim Hypothekenkauf nur noch ein Eigenkapital von 5% und selbst die einfachsten Prüfungen der Zahlungsfähigkeit wurden aufgegeben.
Der Anteil der unbedienbaren Schulden in der Schuldenpyramide wird atemberaubend Ausmaße annehmen. Wenn der inflationierte Immobilienmarkt zusammenbricht – bereits heute ist das Angebot an überteuerten Immobilien bei sinkenden Preisen in vielen Regionen erheblich höher als die Nachfrage, der S&P Homebuilding Index und die REITs haben ihren Scheitelpunkt hinter sich gelassen, wird dies eine der schlimmsten existentiellen Krisen in der Geschichte der Vereinigten Staaten auslösen. Denn dann würden nicht nur Billionen Dollar fiktiver Werte ausradiert; die Hypotheken würden verfallen und Millionen Familien obdachlos werden.
Tatsächlich weisen alle Kategorien der Verschuldung in den USA ein enormes Wachstum auf:
Die Verschuldung der privaten Haushalte (Konsumentenkredite, Kreditkarten, Autokredite usw,) stieg in den 90er Jahren bis 2003 von 3,3 auf mehr als 8 Billionen Dollar.
Der Unternehmenssektor weitete im gleichen Zeitraum seine Schulden von 6 Bio. Dollar auf knapp 17 Bio. Dollar aus.
Die öffentliche Verschuldung stieg von 3 auf 24 Bio. Dollar. Umgerechnet das 3 - fache des US BIP
Die am schnellsten wachsende Schuldenkategorie bei den Privathaushalten sind neben den Immobilienkrediten ähnlich wie vor der Hausse zum Ende der 90iger Jahre Aktienkredite (margin debt). Sie haben heute ein Ausmaß erreicht, das höher ist als 2000. Im Verlaufe des Jahres 1999 schnellte das Volumen der ausstehenden Verschuldung in diesem Bereich von 141 Mrd. Dollar auf 228 Mrd. Dollar hoch, ein Anstieg um 56%. Im Januar 2000 waren es bereits 244 Mrd. Dollar.
Dies sind aber nur die Schulden, welche die Anleger direkt bei ihren Aktienhändlern machen. Werden auch solche Aktienkäufe eingerechnet, die über Kreditkarten, durch Beleihung von Rücklagen zur Altersvorsorge und durch Hypotheken auf Häuser und Grundstücke finanziert werden, so beläuft sich das Volumen ausstehender Aktienkredite in den USA auf bis zu 600 Mrd. Dollar, wobei die Relationen von 1929 noch bei weitem übertroffen werden.
Eine nicht minder große Bedrohung für das weltweite Finanzsysteme als alle Krisenherde in Asien und Lateinamerika zusammen bildet die Kombination aus weiterhin sehr stark überbewerteten US Aktienkursen und Immobilienpreisen sowie der Unternehmensverschuldung.
Unterdessen nehmen die faulen Schulden im US- Bankensystem ganz rasant zu. In den letzten zwölf Monaten sind die problematischen Kredite um 45% und die uneinbringlichen Kredite gar um 300% angestiegen. Korrespondierend dazu explodiert das exposure der Banken in risikoreichen Derivaten.
Zugleich befinden sich die Risikorücklagen der US-Banken auf dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren. So warnte der Londoner Economist in seiner Ausgabe vom 28. Oktober 2000 vor einer heraufziehenden großen Bankenkrise in den USA, die sich selbst dann nur äußerst schwierig bewältigen ließe, "wenn die Aktienmärkte nicht zusammenbrechen und wenn die Wirtschaft nicht in die Rezession geht."
Die Gefahr der Derivate und die unbekannten Risiken der Banken
Nur ein paar Zahlen zu Ihrer Information:
Das Derivatevolumen alleine in den USA beträgt im August 2003 bei 140.000.000.000.000.- US $ (Billionen). (Das Welt - Bruttosozialprodukt beträgt ca. 20.000.000.000.000.- Euro )
Das Wachstum dieser Derivate betrug zwischen 1990 und 1997 pro Jahr 30%. In dem letzten Jahr ist es geradezu explodiert. Die deutschen Banken mischen in diesem Geschäft kräftig mit. Spitzenreiter weltweit in diesem Geschäft sind die amerikanischen Banken. Nur ein Beispiel:
Das Derivatevolumen ist bei J.P. Morgan 785 mal höher als das Eigenkapital.
Bei Bankers Trust heißt diese Zahl 545.
Eine Schieflage von nur 1% bedeutet den Verlust von 1.900.000.000 Euro. Beim LTCM- Crash hat die Bewältigung einer Schieflage von 3. Mrd. Euro schon große Probleme gemacht. Sie können sich nun leicht vorstellen was passieren kann, wenn nur eine winzige Schieflage auftritt. Ein Bankencrash ist die Folge. Ganz zu schweigen von den enormen zusätzlichen Kreditrisiken z.B. in Südamerika und Asien.
Die US-Überschüsse: Dürfen's ein paar Billionen mehr sein?
Wie die amerikanische Administration sich reich rechnet: Am 7. Februar 2000 legte Präsident Clinton den Haushaltsplan 2001 vor, den letzten seiner Präsidentschaft. Vor dem Kongress wiederholte er dabei eine grandiose Vorhersage, die er kurz zuvor schon auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gemacht hatte:
Die USA könnten in den kommenden 15 Jahren mit ihren "Haushaltsüberschüssen" die gesamten Staatsschulden von 3,6 Billionen Dollar auf Null abbauen.
Das Weiße Haus habe ausgerechnet, dass der "Haushaltsüberschuss"' bis 2015 auf 4,5 Billionen Dollar anwachsen werde.
Für das Jahr 2000 erwartete Clinton nach dem Rekordergebnis 1999 von über 124 Mrd. Dollar eine weitere Zunahme des "Haushaltsüberschusses" auf 167 Mrd. Dollar.
Eindrucksvolle Zahlen. Mit der Realität haben sie jedoch wenig zu tun.
1999 kamen mehr als 99% des sogenannten "Überschusses" gar nicht dem laufenden Haushalt zugute, sondern waren Einzahlungen der Arbeitnehmer in den staatlichen Rentenfonds "Social Security Trust Fund". Von den 124 Mrd. Dollar " Überschuss" waren das 123 Mrd. Dollar. Von den projizierten 167 Mrd. "Überschuss" im laufenden Jahr sollen 148 Mrd. Dollar aus dem Fonds kommen. Wie das Weiße Haus selbst zugibt, gehen 60 Prozent der projizierten "Überschüsse" bis 2015 (2,8 Bio. Dollar) auf diesen Sozialversicherungsfonds zurück. Dessen "Überschüsse" ergeben sich aus den Einzahlungen der geburtenstarken Jahrgänge 1945-67 ("Babyboomer"), die jetzt ihre höchsten Einkommen erzielen und daher auch die höchsten Sozialabgaben auf zukünftige Rentenleistungen zahlen. Nach 2015 wird dieser "Überschuss" natürlich rasch verschwinden, da dann die entsprechenden Rentenzahlungen fällig werden.
Und die übrigen 40% der Überschüsse ? ... sind ebenfalls Luftschlösser. Sie sind eine simple statistische Extrapolation der Steuerlage, d.h. die Regierung sagt: Das Bruttoinlandsprodukt wächst derzeit um den Rekordwert von 5,8%, wir tun jetzt einfach so, als würde das in den nächsten 15 Jahren genauso bleiben." Das kann natürlich jeder behaupten.
Der BIP- Wert von 5,8% für 1999 und die hohen Einnahmen der Regierung beruhen einzig und allein darauf, dass die Notenbank wie nie zuvor Geld druckt und auf die Börsen und Geldmärkte wirft, weil sonst das amerikanische (und damit das globale) Finanzsystem längst zusammengebrochen wäre. Heute sieht die Lage nicht viel anders aus.
Nun können wir alles zusammenaddieren: 60% der "Überschüsse" sind nichtexistent, und weitere 40% der Überschüsse" sind Luft, das macht zusammen... Nun ja, in Amerika war eben Wahljahr, 2004 wird wieder gewählt. Tatsache ist, dass die US Handels- und Leistungsbilanzdefizite sich auf einsamen Weltrekordhöhen befinden, dass die US-Zentralbank mit frisch gedruckten Dollars Staatsschulden aufkauft, die damit schon seit Jahren auf (kriminelle) Art manipuliert werden und die Regierung weiter gefälschte Quartalszahlen überbewerteter börsennotierter Firmen duldet.
Währungsreformen und Fluchtwege. Warum wird das Volk über die weltweite Zunahme von Währungsreformen und mögliche Fluchtwege dumm gehalten ?
Weil man die da unten glauben machen möchte, daß Währungsreformen von denen da oben nur mit größter Zurückhaltung, höchstem Verantwortungsgefühl und somit nur ganz, ganz selten vorgenommen werden.
Kurz: Der Sparer soll sich einbilden, daß sein Geld zu 99 Prozent sicher sei.
In Wahrheit stehen die Chancen weltweit 99:1, daß Papiergeld - Rücklagen mindestens einmal pro Generation für ungültig erklärt und/oder um eine oder gar mehrere Nullen gemindert werden.
Grund: Regierungen pflegen Währungen mit leichter Hand und oft schneller zu wechseln als "unsereins das Hemd." Allein seit 1948 fühlten sich 130 Staaten bemüßigt, ihre Finanz- und Schuldenprobleme per Banknotentausch zu lösen.
Insgesamt kam es im letzten Jahrhundert zu mehr als 200 Währungsumstellungen. Rund die Hälfte davon stellten echte Paritätsverschiebungen dar (z.B. 1991 in Nicaragua: 5 Mio Cordobas für 1 Goldcordoba), die andere lediglich Namensänderungen etwa aus politischen Gründen (so wurden 1973 aus Ostkaribischen Dollar Barbados-Dollar) oder Systemwechsel (wie 1955 auf Zypern, wo man das krumme englische Pfund- auf das Dezimalsystem umfunktionierte).
Besonders abschreckendes Beispiel: Brasilien.
Bis Anfang 1967 kursierte in dem Sambaland der Ur-Cruzeiro, benannt nach einem halbwegs zwischen Rio de Janeiro und Sao Paulo gelegenen Städtchen. Ab 13.02.1967 sah man sich gezwungen, das von der Inflation ausgehöhlte Geld tausend zu eins in Neue Cruzeiros umzutauschen. Damit dem düpierten Sparer das einschneidende Ereignis nicht allzu lange im Gedächtnis härten blieb, strich man 1970 das Wort "Neu"und hatte damit scheinbar wieder den Status quo hergestellt (auch Frankreich tilgte aus den gleichen Erwägungen 3 Jahre nach seiner am 01.01.1960 durchgeführten Hundert-zu-eins-Umstellung von Francs auf Nouveau-Francs die Bezeichnung "Nouveau").
Trotzdem war schon 1986 auch der wiedererweckte Cruzeiro nichts mehr wert und maßte im Verhältnis 1000:1 in sogenannte Cruzados gewechselt werden: 1989 folgte der Neue Cruzado, wiederum in der Relation 1000:1. Nach einer Schamfrist von 1 Jahr wurde nicht nur wie gehabt das diskriminierende "Neu" eliminiert, sondern auch gleich der alte Name Cruzeiro wieder aus der Mottenkiste geholt. Doch es lief nichts: Im August 1993 war die Wandlung von 1000 Cruzeiros in 1 Neue Währungseinheit fällig - diesmal den Cruzeiro Real, was man etwa mit "wahrem Cruzeiro" übersetzen konnte, aber auch "königlichem Cruzeiro". Doch schon im Juni 1994 kam der nächste Streich: 2750 Cruzeiro wurden zu 1 Real; so hieß einst im 14. Jahrhundert eine ehrwürdige portugiesische Silbermünze. Was alles sehr lustig nach Karneval in Rio klingt, bedeutete für die betroffenen Brasilianer, dass sie nach jeder dieser Aktionen ihrer Ersparnisse verlustig gingen und beispielsweise Lebensversicherungspolicen nur noch für hinterlistige Zwecke verwenden kannten. Dabei hatte man dem Stimmvieh vor jedem Währungswechsel hoch und heilig versichert, das neue Geld sei hundertprozentig sicher, es bestünde keinerlei Grund zur Besorgnis und wer anderes behaupte, sei ein Schwarzmaler und Unruhestifter.
Die größten Lügen werden nicht nur vor einer Wahl erzählt, sondern vor allem auch dann, wenn eine Währungsreform ins Haus steht. Die über hundert währungstechnischen Bäumchen-wechsele-dich-Spiele, die man seit dem Jahr der D-Mark-Einführung auf den fünf Kontinenten über die Bühne zog, beginnen bei Äquatorialguinea (1985: 4 Bipkwele = 1 CFA Franc), führen über Korea-Nord (1959: 100 Alte Won = 1 Neuer Won) oder Korea-Süd(1953: 100 Wort = 1 Hwan;1962: 10 Hwan = 1 W) und enden bei Zaire (1967: 1000 Kongo-Francs = 1 Zaire; 1993: 3.000.000 Zaires = 1 Neuer Zaire).
Stets und überall war es der kleine Mann, dem letztendlich die Rechnung präsentiert wurde und nicht selten mußte er, siehe besonders krasses Beispiel Zaire, mit Hungern zahlen. Der für die Misere verantwortliche Zaire-Diktator dagegen lebte weiter in Saus und Braus, wie auch deutsche Politiker- und Bankiersgrößen.
Zur öffentlichen Sparer- Verdummungsstrategie gehört nicht nur das Unter-der-Decke-halten der weitverbreiteten Währungs-Endlichkeit, sondern auch das Nicht-an-die-große-Glocke-Hängen von erfreulichen Ausnahmen im globalen Abwertungsdschungel. Schröder und Eichel sind hier bekanntlich keine Ausnahme. Wir leben de facto mitten in einer Blütezeit der Geldkräche, jeden Moment kann es die eigene Währung treffen. Längst gibt es einen Run auf den SFr, auf die diese triste Aussicht nicht zutrifft, die Währung, von der Ihre Regierung nicht möchte, dass Sie Ihre Ersparnisse in sie wechseln.
Dafür bürgt schon der seit fast zwei Jahrhunderten geradliniger Verlauf der Geschichte des Franken. Der SFr ist quasi l00% Gold - gedeckt und somit bis heute nicht verwässert.
Wenn Sie heute in eine Anleihe oder eine Lebensversicherung auf CHF - Basis investieren, können Sie ziemlich sicher sein, am Tag X auch wieder Franken herauszubekommen.
Lösungen bei Finanzkrisen - Wege aus der Abhängigkeit
Die bisherigen Finanzkrisen muten als ein unbedeutendes Sandkastenspiel an, verglichen mit der aktuellen weltweiten Schuldenkrise.
Einst unabhängige und auch wohlhabende Staaten befinden sich heute in der Krise, da die für Kredite aufzubringende Zinslasten jede eigenständige Politik untergraben und das Land nur solange überhaupt am Weltkapitalmarkt teilnehmen darf, solange die Schulden "bedient" werden.
Aus diesem Grund meinen ggf. diese Staaten, beim IWF neue Kredite aufnehmen zu müssen, was jedoch die Zinslasten nur noch weiter erhöht und das Land noch weiter in Schwierigkeiten bringt.
Der IWF Kredit ist keinesfalls eine Hilfe, sondern treibt das Land in noch größere Probleme, da das Grundproblem der Verschuldung noch weiter erhöht wird. Außerdem verliert die Nation mit der Annahme von IWF-Geldern seine Unabhängigkeit, weil diese Leistungen nur dann vergeben werden, wenn die vom IWF geforderten restriktiven Maßnahmen durchgeführt werden.
Das Land, welches sich dem IWF-Diktat unterwirft verliert also zunehmend die Kontrolle über Politik und Wirtschaft. Für alle wohlgesinnten Politiker kann dieser Weg also keine Möglichkeit sein, die Krise zu bewältigen.
Feste Wechselkurse - Verlust der Währungssouveränität
Noch vor kurzem wurde gerade das andere Übel - feste Wechselkurse - vom IWF als wegweisendes Modell gelobt, dabei war von vornherein klar, dass feste Wechselkurse zu einer starken Währung jeden entwickelnden Staat ruinieren müssen, da die Exporte einbrechen und Kapitalflucht einsetzt.
Außerdem bauen sich dadurch hohe Auslandsschulden von Staat und Unternehmen auf, da die Verzinsung über den festen Wechselkurs im Ausland vorübergehend günstiger ist. Da jedoch wegen des festgezurrten Wechselkurses kein Ausgleich von Export und Import mehr möglich ist, kommt es zu Spannungen - der Wechselkurs läßt sich immer schwerer halten und es kommt früher oder später zu einer Währungskrise, in dem der Wechselkurs verfällt und die Auslandsschulden das Land erwürgen.
Alle Währungskrisen der letzten Zeit (Asien-, Rußland-, Brasilienkrise, wie auch in Argentinien oder Ecuador) haben ihre Ursache in den festen Wechselkursen, verbunden mit einer hohen Auslandsverschuldung.
Für alle echten Politiker darf ein fester Wechselkurs deshalb niemals ein Ziel der Politik sein.
Mit Sparmaßnahmen in die Depression
Wenn durch Währungskrisen die Schulden unbezahlbar wurden, meinen viele Staaten, durch Sparmaßnahmen im eigenen Land, getreu den IWF-Empfehlungen, der Krise Herr werden zu können.
Damit wird die Kaufkraft der Bevölkerung verringert und die Wirtschaft weiter zum erlahmen gebracht. Damit entsteht jedoch nur eine Depression, welche weitere Schuldenaufnahme, höhere Zinskosten und eine noch schärfere Depression erzwingen muß.
Richtige Maßnahmen
Was also müßten die verschuldeten und durch Währungskrisen geschwächten Staaten tun, um aus der Krise zu kommen ? Keinesfalls dürfen, wie gezeigt wurde, die üblichen Maßnahmen wie von "Experten" und dem IWF gefordert, ergriffen werden. Der IWF-Weg, den die meisten Staaten gehen, führt unmittelbar zu Armut, Abhängigkeit und Untergang.
Wenn also eine Regierung die Probleme ernsthaft lösen möchte, darf sie sich nicht scheuen Maßnahmen durchzusetzen, welche von der übrigen Welt, vor allem dem Kapitalmarkt verurteilt werden.
Das wichtigste ist, daß erst einmal die hohen Zinslasten für das Ausland gestoppt werden. Deshalb muß ein Zahlungsstopp für die Zinslasten bekanntgegeben werden.
Die Aufnahme neuer Kredite wird abgelehnt, genauso wie jede IWF-"Hilfe".
Damit es nicht sofort zu einer Kapitalflucht kommt, muß gleichzeitig der Wechselkurs freigegeben werden. Das führt zwar unmittelbar zum Absturz der Währung, was jedoch die Exporte kräftig ankurbeln, wobei die flexiblen Wechselkurse eine Kapitalflucht verhindern.
Um eine Geldhortung mit Deflation zu verhindern, muß die Notenbank nun entscheidende Schritte einleiten: Es muß angekündigt werden, daß die Notenbank einer Geldhortung sofort mit einer gebührenpflichtigen Umtauschaktion der gesamten Bargeldmenge beantworten werden. Ist tatsächlich ein Sinken des Preisniveaus zu beobachten, wird sofort die ganze Bargeldmenge gebührenpflichtig ausgetauscht.
Im weiteren Verlauf wird nun eine stabile Währung eingeführt - ein Geld, welches auch in der größten Krise noch im Umlauf bleibt und den Warenaustausch sicherstellt und neben den flexiblen Wechselkursen Kapitalflucht ausschließt. Sobald sich die Wirtschaft erholt hat, kann dann die Schuldenlast abgetragen werden.
Sollten große Insider und Fonds die Währung durch Einsatz gewaltiger Kapitalmengen zerstören wollen, so müssen sofort Kapitalverkehrskontrollen (wie in Malaysia unter der Asienkrise) eingeführt werden und bei Bedarf sogar die eigene Währung gebührenpflichtig einem Umtausch unterzogen werden.
Stellen Sie sich dieses Szenario für die USA und den US $ vor. Es kommt einer Kernschmelze des Finanzmarktes gleich.
Fazit
Ich glaube, dass nach dem Platzen der grössten Aktienblase in der Geschichte der Menschheit (2000/2001) jetzt weitere Blasen am Platzen sind:
Die Aktienblase, die Immobilienblase und was das grösste Ereignis werden kann, das Platzen der Dollarblase. Die Hoffnung über eine Abwertung des US Dollars das Handelsdefizit in den Griff zu bekommen, wird zunächst scheitern. Der Dollar wertet nunmehr seit über einem Jahr ab, ohne dass sich das Defizit verringert hätte. Die Ursache liegt in der Unfähigkeit Amerikas, gewisse Güter selber herstellen zu können und der Lohndiskrepanz rund um den Globus. Vielmehr werden nach wie vor arbeitsintensive Tätigkeiten in das Ausland verlagert.
Infolge dessen steigen die Verbraucherinsolvenzen in den USA stark an. Der Anteil der unbedienbaren Schulden wird in der US Schuldenpyramide atemberaubend Ausmaße annehmen. Die USA haben bereits jetzt von den 13 leading nations mit 13 % die höchste Armenrate. Die Sparquote beträgt in den USA fast Null. Das Konsumwunder der USA wird implodieren.
Wir stehen vor einer möglicherweise radikalen Veränderung in der Weltfinanzordnung.
KOLLAPS-KURIER_Phase4
Realer Verlauf des Zusammenbruches der globalen Ökonomie
Tuesday, October 07, 2003Großbritannien - wird nächste Zeit komplettiert
Dieses Projekt handelt von einem weiteren “Erfolgsmodell“ in der “Wirtschaftswunderwelt“, das sich jedoch bei genauerer Betrachtung, also jenseits der Parolen, als ein ebenso weiteres Mitglied des Dorian-(Earl-)Gray-Clubs entpuppt. De facto ist das einstige Flaggschiff der sieben Meere, Großbritannien, schon längst ein sozialökonomisches Wrack. Und wie auch bei den diversen anderen (bislang veröffentlichten) Projekten (`USA`, `China`, `Russland/Osteuropa`) können auch hier die aus der allgemeinen Tagespresse, frei zugänglichen Agenturmeldungen aus dem Internet sowie dem Spiegel-Jahrbuch 2003 entnommenen Daten nur mit der exakten Metapolation der Marx`schen Krisentheorie `Die Himmelfahrt des Geldes` (Robert Kurz; in: `Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft`; (Zeitschrift); Ausgabe 16/17; Horlemann-Verlag; 1995; www.krisis.org ) in Kohärenz gebracht bzw. dechiffriert werden.
Wenn von “Wundern“ in Sachen Wirtschaft die Rede ist, macht in Bezug auf Großbritannien dabei immer zuerst das Wort vom “Job-Wunder“ die Runde. Und so titelt auch die Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 13.02.2003: “Britisches Job-Wunder hat weiter Bestand“ – eine “Hurra-Überschrift“, die sich auch bei vielen, vielen anderen Artikeln dieser und weiterer Zeitungen sowohl im Zusammenhang mit diesem als auch den anderen bisher veröffentlichten Projekten findet. Sobald mensch jedoch in den Text hineingeht, zeigt sich die ganze Unverfrorenheit der “Fake-Factory.“ Doch zuerst einmal ungeschnitten weiter: „Das britische Job-Wunder hat bestand: Im Januar blieb die Arbeitslosenquote in Großbritannien mit 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat unverändert, wie das nationale Statistikamt mitteilt. Die Zahl der Arbeitssuchenden sank um 3.500 auf 928.500. Dies ist der niedrigste Stand seit 27 Jahren.“ Da schau an: “Wunder über Wunder“ – dumm nur, dass es direkt im Anschluss folgendermaßen weitergeht: „Experten zeigten sich über die Höhe des Rückgangs überrascht. Warum sich große Entlassungswellen bei britischen Firmen nicht in der offiziellen Statistik niederschlügen, sei „ein totales Mysterium“, sagte Volkswirtin Jodie Saul von der Canadian Imperial Bank of Commerce.“
Keineswegs: “Hokus Pokus Statistikbus“ – nach Zitat eines von Krisis-Mitglied Norbert Trenkle im Grenzcamp 2002 gehaltenen Referates wurden in Großbritannien allein zwischen 1979 und 1997 die Kriterien für die Aufnahme in diese Statistik insgesamt dreißigmal geändert – jedes Mal mit dem Ergebnis, dass die Arbeitslosenzahl weiter sank (ähnlich wurde in den USA verfahren (siehe auch Projekt `USA`) – z.B. dass wenn jemand nur eine Stunde in der Woche “arbeitet“, derjenige/diejenige nicht mehr als “arbeitslos“ gilt; eine “Berechnungsgrundlage“, die auch in der EU angewendet wird, und demnächst dann auch in “Deutschland“).
Selbst nach den schon kaum weniger “moderierten“ Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO – also das Internationale Arbeitsamt) erweist sich die Lage in Großbritannien als wesentlich schlechter als in den nationalen Statistiken: Die Organisation errechnete für das vierte Quartal 2001 eine Arbeitslosenzahl von 1,51 Millionen und eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent.
Für alle die mal wieder MEINEN: „Was gehen mich die Arbeitslosen (in “England“, “China“, “Liberia“, “Russland“ etc.) an???“ – hierzu noch ein Beitrag der SZ vom 24.01.2003: “Internationales Arbeitsamt meldet Rekordwert – 180 Millionen Menschen (weltweit) ohne Beschäftigung“. Selbstverständlich sind schon diese Zahlen nur die Spitze des Eisberges, wie mensch allein dem im Projekt `China` angeführten Artikel der Rheinischen Post (RP) vom 24.02.2003 entnehmen kann, wo es in Bezug auf China heißt: „Selbst offizielle Beschäftigungsstatistiken gehen von einer Arbeitslosigkeit von bis zu 60 Millionen Menschen aus, nicht einmal eingerechnet jene 150 Millionen Arbeitskräfte auf dem Land, die beschäftigungslos beschäftigt sind.“ Diese Zahl von 150 Millionen wird bereits auch in einem Artikel der SZ vom 13.02.2003 genannt, und auch in diesem Artikel wird die offizielle “Rechenkunst“ ad absurdum geführt: „Arbeitsminister Zhang Xiaojuan räumte ein, dass die offiziellen Arbeitslosenstatistiken das Problem verschleierten. 60 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung lebe auf dem Land, die Arbeitslosendaten der Regierung spiegelten aber nur die Lage in den Städten wieder. Ein Experte der chinesischen Akademie der Wissenschaften sagte, auf dem Land seien derzeit 120 bis 150 Millionen Menschen ohne Arbeit“. Addiert ergibt sich also allein nur für China eine “offizielle“ Arbeitslosenzahl von 210 Millionen Menschen (wie die ILO dann auf nur 180 Millionen – und das sogar weltweit - kommt, bleibt ihr Geheimnis).
Dennoch verdeutlicht der Artikel die Dramatik der globalen Lage (siehe auch Projekt `Globaalaballa`): „Im Vergleich zum Jahr 2000 habe die Zahl der weltweit als arbeitslos gemeldeten Personen innerhalb von zwei Jahren um 20 Millionen zugenommen, meldet die International Labour Organisation (ILO) weiter. Auch die Zahl der “working poor“ habe mit 550 Millionen wieder den 1998 registrierten Höchststand verzeichnet.“
„Die Beschäftigungslage verschlechtert sich dramatisch“, erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia bei der Veröffentlichung des UN-Berichtes. Während das Heer der Arbeitslosen weiter um Dutzende Millionen Personen anwächst, sei weit und breit keine Wende zum Besseren auszumachen.“
Wer nun wieder MEINT, es treffe ja ohnehin nur immer wieder die “anderen“ (vor allem die so genannten “Armen“) bei der “Reise nach Jerusalem“ in der DRITTEN INDUTRIELLEN REVOLUTION (und nach dem damit zusammenhängenden Zusammenbruch der “Wachstumssimulation“ alias Börsencrash), sollte auch mal einen Blick in das Projekt `USA` werfen; denn dort kann mensch dann lesen, dass z.B. allein in der amerikanischen Industrie innerhalb weniger Monate 3 Millionen Arbeitsplätze gestrichen worden sind. Und dem, der gar MEINT, „das ist alles nicht so schlimm“, hier noch ein weiteres Zitat aus dem SZ-Artikel in Hinsicht auf die Folgen dieser Entwicklung: „Angesichts der “negativen Entwicklung“ (schöne Umschreibung für “Gattungsharakiri“) fordert die ILO die internationale Gemeinschaft dringend zum Handeln auf. Wenn der gegenwärtigen Entwicklung nicht Einhalt geboten wird, würden die “sozialen Spannungen“ zunehmen (eine weitere Umschreibung für “Globales Massaker“). Allein um die neu auf den “Arbeitsmarkt“ (das widerliche “Der Mensch als Ware“) drängenden Jugendlichen zu absorbieren müssten bis zum Jahr 2015 mindestens eine Milliarde neue Stellen geschaffen werden.“ – und das in der DRITTEN INDUTRIELLEN REVOLUTION, die diese “Arbeitsplätze“ dramatisch beschleunigt überflüssig macht (sowohl in der “Industrie“ – wozu mittlerweile selbstverständlich auch die “Landwirtschaft“ gehört - als auch im so genannten “Dienstleistungssektor“) (siehe auch: Robert Kurz; `Schwarzbuch Kapitalismus`- Abschnitt: `Die Geschichte der Dritten Industriellen Revolution`/ Kapitel: `Die Fata Morgana der Dienstleistungsgesellschaft`; Taschenbuchausgabe 2001 sowie Robert Kurz; `Der Mythos der Produktivität`; www.krisis.org ; Rubrik: `Weitere Texte von Krisis-Autoren`).
Wie sehr sich dabei die schon im UN-Bericht der ILO erwähnten “sozialen Spannungen“ in Großbritannien verschärft haben, konnte mensch schon bei den zahlreichen Unruhen der letzten Jahre im Fernsehen verfolgen. Nicht weniger deutlich macht das ein Artikel der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) vom 11.03.2003: “Englische Priester leben in Angst und Schrecken“ – „Im letzten Jahr wurde Tim Lipscomb zwölfmal von Einbrechern heimgesucht. Sechsmal zerschmetterte man die Scheiben seines Autos, zweimal entkam er Verfolgern nur um Haaresbreite, und die Steine, die gegen die Fenster flogen, hat er schon gar nicht mehr gezählt. Tim Lipscomb ist Pfarrer. Und das ist einer der gefährlichsten Jobs (immerhin hat diese Abel-Gestalt noch einen), die im Vereinigten Königreich zu vergeben sind.
Mit einem dramatischen Aufruf hat der Erzbischhof von York (endlich kriegen auch da diese schleimigen Pharisäer, die die “Herrschaft des Menschen über den Menschen“ (Marx) seit Jahrhunderten mit initiiert haben, die finale Untergangsantwort – tja, ihr Heuchler, so ist das nun mal: Mensch kann nicht zwei Herren dienen; Gott und dem Mammon (also nicht Sozialität und Asozialität – wobei natürlich klar ist, dass Asozialität immer im Massensterben endet)) jetzt auf die Probleme hingewiesen. In manchen Landesteilen nahmen die Übergriffe auf geistliches Personal so sehr zu, dass es ernsthafte Nachwuchssorgen gibt. Vor allem im Norden könne man manche Gemeinden nicht mehr besetzen, weil die Pfarrer angsterfüllt ablehnten, erklärte David Hope.
Mit Norden sind vor allem die Ghettos in Industriestädten wie Leeds gemeint (“Industriestädte“ – bloß ohne Industrie). Dort betreut Tim Lipscomb seine Gemeinde. Im Schatten eines Gefängnisses steht die St.-Bartholomew-Kirche, die immer wieder Ziel von Anschlägen wurde.
Eigentumsdelikte und Randale führen die Liste der Delikte an. 1667 Diebstähle wurden der Versicherung der Anglikanischen Kirche 2002 gemeldet. 2260-mal demolierten Vandalen Gotteshäuser, 67 Brandstiftungen richteten Schäden von mehr als 6 Mio. Euro an.
Derweil werden die Täter immer dreister. Pfarrer Lipscomb überraschte vor kurzem einen Einbrecher, der seine Beute im Vorraum der Kirche aufgetürmt und in der Sakristei vom Telefon ein Taxi bestellt hatte.“ - Natürlich “rätseln“ die offiziellen Heuchler, trotz der sich immer mehr ausbreitenden Verelendung, noch immer über die Ursachen.
Was jedoch in Großbritannien (wie auch anderorts) statt Erkenntnis angesagt ist, ist zunehmende Repression: So ist 2003 eine Verschärfung des Strafrechts auf den Weg gebracht worden, und auch Betteln wird zukünftig in Großbritannien wieder bestraft, wie die WAZ am 08.03.2003 meldete: “In Großbritannien soll Betteln bestraft werden – Polizei will künftig hart durchgreifen“. Merkwürdigerweise stellt der Artikel aber auch gleich zu Anfang fest: „Armut ist ein großes Problem in Großbritannien. Mehr als 5.000 Menschen leben allein in London auf der Straße.“ Doch dann geht`s richtig zur Sache: „Die Bekämpfung solcher Missstände hatte sich Tony Plärr, äh, Blair bei seinem Amtsantritt aufs Panier geschrieben, und mit einem umfangreichen Katalog soll jetzt ein Meilenstein gesetzt werden. Spektakulärster Punkt beim Kreuzzug gegen die Armut: Betteln wird verboten.
Wer nach Verabschiedung des Gesetzes gegen “asoziales Verhalten“ noch mit offener Hand erwischt wird, muss mit Bestrafung rechnen.“ – Na, klar: Betteln ist asozial; aber eine Gesellschaft, die Bettelei hervorbringt, natürlich nicht. Und obwohl Organisationen, die sich um Obdachlose kümmern, anführen, dass eh doch nur jemand, der auch eine Adresse nachweisen könne, überhaupt staatliche Unterstützung beziehe und dass dafür immer noch nicht genügend Plätze in Obdachlosen-Asylen bereitständen, ist sich Innen-Terminator, äh, Innenminister Blunkett “absolut sicher“, dass „in diesem Land niemand mehr betteln muss“. Deshalb soll eine alte Verordnung aus dem Jahr 1824 „mit neuem Leben erfüllt werden“ (in Bezug auf das damalige verheerende Elend und die entsprechende brutale Repression siehe die eindringlichen zeitgenössischen Berichte bei Marx und Engels – nur dass es diesmal wirklich im Untergang mündet, da es in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION (exorbitante Produktivkraftsteigerung) keine neue “Lange Welle“ (Schumpeter-VWL-Konstrukt – massenhaftes Einsaugen von in anderen Bereichen massenhaft ausgespieenen Arbeitskräften für einen neuen “Produktionszyklus“) mehr geben wird).
Natürlich ist die Strafandrohung (inklusive Zwangsarbeit – Pech nur, dass auch diese nicht mehr zu “finanzieren“ ist) für “asoziales Verhalten“ nicht nur auf Betteln beschränkt, sondern umfasst unter anderem auch Radfahren auf dem Bürgersteig, Urinieren an der Hausecke (natürlich gibt es auch in Großbritannien, wie überall, kaum noch öffentliche Toiletten) oder das Abbrennen von Feuerwerk. Die Regierung plant mit dem neuen Gesetz die Verschärfung des Kampfes gegen „Drogensüchtige, Hooligans, betrunkene oder lärmende Nachbarn“, die das Leben in manchen Teilen des Landes zur Hölle machen (das machen diese nicht zur Hölle, sondern der Zusammenbruch der Ökonomie hat es auch für diese schon längst zur Hölle gemacht).
Und nicht nur die von Massenarbeitslosigkeit verursachte Armut nimmt in Großbankrottanien, äh, Großbritannien rapide zu: “Mit 65 Jahren sehen Briten oft ganz alt aus“, titelte die WAZ bereits am 17.12.2002. Weiter heißt es dann da: „Das britische Rentensystem steckt in einer schweren Krise. Um einen drohenden Kollaps zu verhindern, plant die Regierung einen weitreichenden Umbau.“ - Aha, wieder mal der gute alte “Umbau“. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen soll die Alterssicherung retten. Wichtigster Punkt ist die Abschaffung einer festen Pensionsgrenze: „Wer “will“ – oder muss, „weil das Geld nicht reicht“ – “kann in Zukunft auch über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten“, “ohne Einbußen bei der Rente zu erlangen“ “(zum letzten Lügenmärchen weiter unten). Aus diesem Satz spricht nur noch blanker Hohn, denn, wie es weiter unten im Artikel steht: „Kaum mehr als 440 Pfund (rund 700 Euro) stehen einem Ehepaar pro Monat zu.“ Mehr als 13 Millionen Briten sind nach aktuellen Schätzungen von Altersarmut bedroht – wahrlich: ein echtes “Erfolgsmodell“.
Den damit zusammenhängenden, weltweit um sich greifenden malthusianischen Zynismus äußert unverblümt auch der für Arbeit und Renten zuständige Staatssekretär Andrew Smith, wenn er von einer “erbarmungslosen Arithmetik“, der zufolge “wir länger leben und alle eine ausreichende Altersversorgung erwarten“, faselt – genau wie in “Deutschland“ (und anderswo) sind die “Alten“ schuld: “Zu viele“ “Alte“, die “zu wenigen“ “Jungen“ “auf der Tasche liegen“. Diese “Demographie-Demagogie“ des neoliberalen Selektionswahns schert sich dabei den Teufel um die eigenen himmelschreienden Widersprüche, geschweige denn können sie den REALPROZESS erfassen. Denn selbst, wenn “die Alten“ dem Aufruf zum “sozialverträglichen Frühableben“ folgen sollten (zu der schon auf Hochtouren laufenden Euthanasie weiter unten) bliebe immer noch der Widerspruch bestehen, dass auch die Jugendarbeitslosigkeit heute schon bei 30 Prozent liegt. Also auch weg mit “den Jungen“ ??? Und überhaupt: Warum geht es den Elendsregionen dieser Welt nicht prächtig, obwohl die immer wieder angeführte und “wünschenswerte“ “Bevölkerungspyramide“ doch dort die demographische Standardvariante ist ??? Auch ist das Ausradieren einer großen Bevölkerungsgruppe und der damit verlorengehenden enormen “Kaufkraft“ bestimmt prima geeignet, die ohnehin schon desaströse Lage der “Zirkulations“- und somit natürlich auch der “Produktionssphäre“ zu entschärfen. – Von wegen “Bevölkerungspilz“ versus “Bevölkerungspyramide“: eigentlich heißt es nämlich (simulierter) “Wertschöpfungspilz“ gegen (systemnotwendig “ewig wachsende“) “Wertschöpfungspyramide“.
Denn was sich anhand der derzeit global zusammenbrechenden “monetär regulierten“ sozialen Sicherungssysteme (egal ob “staatlich“ oder “privat“) offenbart, ist der schon von Marx exakt analysierte Basiswiderspruch des auf “ewigem Wachstum“ basierenden Markt-Staat-Systems, ein Widerspruch der die letzten 25 Jahre nur noch durch die Simulation dieses “Wachstums“ “funktionierte“: Dieses System nämlich basiert auf der “ewigen Anhäufung von Zeit“, während gleichzeitig diese “Zeit“ sukzessive überflüssig gemacht wird (In letzter Konsequenz ist es die bisherige menschliche Geschichte durchziehende Dialektik von Sozialität versus Asozialität – denn “angehäuft“ wird dabei “menschliche Lebenszeit“ (dargestellt in der “Geldform“), während eben diese menschliche Lebenszeit durch den Einsatz von Maschinen fortlaufend “überflüssig“ gemacht wird. Und da eben nur die menschliche Arbeitskraft “wertschöpfend“ und somit “geldschöpfend“ ist – schließlich hat bislang kein Physiker oder Chemiker “Wert“ in den Dingen, also auch noch nicht in Maschinen, gefunden – gräbt sich das System seine einzige Quelle des “Reichtums“ ab. - Merke: “Wert“ bzw. “Geld“ ist Metaphysik).
Nun ist innerhalb dieses Systems nur die “wertschöpfende Arbeitszeit“ die einzig gültige Zeit, was natürlich heißt, dass alle Arbeitszeit, die nicht für die so genannte “unmittelbare Warenproduktion“ anfällt, so genannte “Kosten“ darstellen, die zwar innerhalb der totalisierten “Geldwirtschaft“ auch “bezahlt“ werden müssen, doch nicht selber “wertschöpfend“ sind. Sie sind ein “Abzug“ des in der Produktion erzielten “Mehrwertes“/ “Profits“; d.h. sie müssen “finanziert“ werden, weshalb sie auch im BWL-Jargon unter “Gemeinkosten“ laufen. Dazu zählen Bereiche wie Buchhaltung, Reinigungs-/Wartungskolonnen, Rechtsabteilung, Teile des Fuhrparks, Werbung, Management und Finanzverwaltung. Zwar können diese an so genannte “Dienstleistungsunternehmen“ “ausgelagert“ werden (das tolle “Outscourcing“), dennoch bleiben diese Arbeiten weiterhin ein Abzug vom gesamtgesellschaftlichen “Mehrwert“, sprich “Kosten“ (das begriffslose Konstrukt der “Dienstleistungsgesellschaft“ - besonders haarsträubend in der VWL-Theoriebastelstunde: die VWL zählt einfach alle in der Gesellschaft verausgabten Arbeitsstunden zusammen – was auch bedeutet: “Wertschöpfung“ in der “Warenzirkulation“ – oh, no !!! - und zimmert daraus das “Bruttoinlandsprodukt“ (BIP)).
So ist es gerade dieses Verhältnis von “produktiver“ zu “unproduktiver“ Arbeit, was das System derzeit kollabieren lässt, denn im Zuge der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION (exorbitante Produktivkraftsteigerung durch die Microelektronik) werden diese “wertschöpfenden“ Arbeitsplätze in einem nie da gewesenen Ausmaß überflüssig gemacht, ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist (so ist z.B. in Japan (siehe auch Projekt `Japan`) vor kurzem die erste vollautomatische Reifenproduktion angelaufen, die auf einem Drittel der bisherigen Produktionsfläche die doppelte Produktivität erreicht, oder werden in der Chipherstellung mittlerweile vornehmlich 300mm-Wafer verwendet, mit denen doppelt so viel Chips gleichzeitig hergestellt werden können wie bisher (was selbstredend auch “Überflüssigmachen“ von Personal bedeutet), oder werden in der Schiefer-Verarbeitung (bislang noch recht “arbeitsaufwendig“) die ersten Roboter eingesetzt – aber auch im “Dienstleistungssektor“ macht sich diese Rationalisierung durch Automation immer mehr bemerkbar: so werden derzeit (was in “Japan“ und den “USA“ schon weit verbreitet der Fall ist) auch in “Deutschland“ automatisierte Kassen eingeführt, oder gibt es schon vollautomatische Videotheken).
Es ist also das mittlerweile auf dem Kopf stehende Verhältnis von “wertschöpfender“ und somit “geldschöpfender“ Arbeit zu “nicht wertschöpfender“ Arbeit, also “Kosten“, was dieses Schneeballsystem zusammenbrechen lässt – aus der “Wertschöpfungspyramide“ ist ein (in der Luft hängender) “Wertschöpfungspilz“ geworden. (Selbstverständlich ist auch der sich als Mitglied der absurden und zum Scheitern verurteilten neoliberalen “Zumutungs-Gesellschaft“ demnächst bis 90 als Portier, Tütenaufhalter oder Model für Totenwäsche verdingen müssende Rentner nicht “wertschöpfend“.)
Somit gerät natürlich auch der “staatliche Verwaltungsapparat“, der ja ebenso aus der gesamtgesellschaftlichen “Mehrwertmasse“ “finanziert“ werden muss, immer mehr in Schieflage (Schieflage à la Titanic), was selbstverständlich postwendend auf das eben auch “finanzierte“ staatliche Rentensystem durchschlägt (de facto ist “der Staat“ nämlich in weiten Teilen auch nichts anderes als ein “Dienstleistungsunternehmen“ – und selbst da, wo “er“ als “Auftraggeber“ erscheint (Baubranche, Rüstungsindustrie, Verwaltungsequipment) muss “er“ das “Geld“, was “er“ dafür ausgibt, erst einmal über “Steuern“ und “Abgaben“ einnehmen – was natürlich auch für die “Renten“ gilt) (zur “Finanzierung“ des Staates durch “Kredit“ weiter unten). – Und genau das wird auch im WAZ-Artikel so vermeldet, nur dass der Verfasser das alles zusammenhangslos herunterschreibt: „Riesige Haushaltslöcher haben sich aufgetan, obwohl der Staat nur für eine Grundrente zuständig ist.“ – wobei er bzw. so genannte “Experten“ für die “riesigen Haushaltslöcher“ die offensichtlich auch in Großbritannien weitverbreitete “Frühverrentung“ “verantwortlich“ machen: „Das Problem liege ganz woanders, behaupten Rentenexperten. Ausgestattet mit satten Abfindungen und begünstigt vom Immobilienboom (der aber auch derzeit kollabiert – dazu weiter unten), ließen sich zahlreiche Briten weit vor der Altersgrenze pensionieren. Sie fallen jetzt als Beitragszahler aus und vergrößern die Finanzierungskrise.“ Diese “Frühverrentung“ sei auch der Grund, dass die von der Regierung beschlossenen “Maßnahmen“ (Abschaffung der Altersgrenze) “nicht ausreichen“, um den Kollaps des Systems zu vermeiden.
Diesen Kauderwelsch muss mensch erst mal sortieren, denn ganz offensichtlich leidet der Verfasser unter gravierenden Wahrnehmungsstörungen. Zunächst einmal können mit den zuvor genannten 13 Millionen Menschen, die von “Altersarmut“ bedroht sind (und überhaupt ist ja Armut, wie oben erwähnt, “weit verbreitet“), wohl kaum jene „zahlreichen mit “fetten Abfindungen“ versehenen und “vom Immobilienboom begünstigten“ Briten, die sich weit vor der Altersgrenze pensionieren ließen“, gemeint sein (zu der Tatsache, dass diese schließlich doch noch zu den 13 Millionen “dazustoßen“ werden, weiter unten). Des weiteren wird festgestellt, dass diese die “Krise“ allenfalls noch “verschlimmern“. Und natürlich wird genau in diesem Zusammenhang mit keiner Silbe erwähnt, dass der allergrößte Teil dieser “Frühpensionäre“, selbstredend nicht freiwillig ausgeschieden ist, sondern massenhaft “sozialverträglich“ entlassen wurde, d.h. sie beziehen statt “Arbeitslosengeld“ halt “Rente“. Auch diese “Verfahrensweise“ ist nichts als ein weiterer “Kniff“, um die Arbeitslosenstatistik zu “bereinigen“; was allerdings wiederum bedeutet, dass die “Frühverrentung“ alias “Arbeitslosigkeit“ also nicht der “Grund“ für die “Verschlimmerung“ bzw. die “riesigen Haushaltslöcher“ sein kann – das “Geld“ kommt halt nur aus einem anderen Fach der ohnehin leeren “Staatskasse“.
Der eigentliche Grund für diese (“plötzlichen“) “Finanzkrater“ ist die im Jahre 2000 kollabierte Akkumulationssimulation alias Börsencrash, dessen Auswirkungen erst jetzt voll durchschlagen sowie der bereits angelaufene Kollaps der Immobilienblase. Im ohnehin “finanzlastigen“ Großbritannien (laut Spiegel-Jahrbuch 2003 beschäftigt der “Dienstleistungssektor“ 70 Prozent aller Beschäftigten !!!) macht sich dies besonders krass bemerkbar, und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen “finanzierte“ sich der britische Staat in wachsendem Maße über die “Besteuerung von Spekulationsgewinnen“ aus der bis März 2000 noch auf Hochtouren laufenden “Kapitalisierung der Zukunft“ (siehe auch: Robert Kurz; `Schwarzbuch Kapitalismus`; Abschnitt: `Die Geschichte der Dritten Industriellen Revolution`/ Kapitel: `Kasinokapitalismus – Das Geld wird arbeitslos`), zum anderen waren die einzelnen Finanzabteilungen der britischen (staatlichen) Körperschaften aufgrund der schon damals hinten und vorne nicht reichenden reellen Einnahmen selbst an dieser “Spekulationswelle“ beteiligt. Zusätzlich “profitierte“ Großbritannien noch vom Zufluss “spekulativen Kapitals“, das nach dem Platzen der Aktienblase unter “Anlagedruck“ stehend in das damalige “Zins-El Dorado“ strömte, und somit die fiktiven Wertsteigerungen des Immobilienbooms, durch vermehrte Nachfrage noch anheizte. Nach dem Zusammenbruch dieser “Reichrechnerei“ ist jetzt “Offenbarungseid“ angesagt, was dann, wie gehabt, blind-repressiv auf die Menschen abgewälzt wird, nur dass es diesmal den Zusammenbruch durch den Verlust der sowieso nur noch simulierten “Kaufkraft“ nochmals beschleunigen wird (“Geschichte“ ist nun mal kein “Zyklus“, sondern ein einmaliger “Prozess“).
Wie gigantisch die britischen “Haushaltskrater“ in Wirklichkeit sind, also jenseits der “offiziellen Bilanzierung“ (laut Spiegel-Jahrbuch wies Großbritannien für 2001 einen ausgeglichenen Staatshaushalt aus), verdeutlicht ein Artikel der FTD vom 06.06.2003 (mit dem Hohl-Titel “God save the Euro“): „Noch mag die britische Wirtschaft (zu den Voodoo-Unternehmen weiter unten) robust erscheinen; doch dieser Eindruck könnte trügerisch sein. Die britische Wirtschaft hat dem globalen “Rezessionstrend“ (also der finale Kollaps) nach 2001 (de facto seit 2000 – dem jähen Ende „des sich aus sich selbst vermehrenden Geldes“) vor allem aus zwei außergewöhnlichen Gründen widerstanden (was im übrigen so auch nicht stimmt, wie aus einem bereits am 10.02.2003 erschienenen Artikel der SZ ersehen lässt: „Die Industrieproduktion ist 2002 geschrumpft wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Verbraucher, die immer mehr Schulden gemacht hatten, halten den Geldbeutel neuerdings öfter zu.“): einem einmaligen Immobilienboom (einer beistehenden Grafik kann mensch entnehmen, dass die Immobilienpreise in Großbritannien gegen über 1995 um 125 Prozent zugelegt haben – zu diesem Teil des britischen “Wunders“ auch noch weiter unten), der den vielen Eigentümern auf der Insel “finanziell geholfen“ hat; und einer fast atemberaubenden Investitions- und Schuldenpolitik der Regierung, die versucht, jene drastischen Defizite im Verkehrs- und Gesundheitssystem wettzumachen, die in den Jahren der Kürzungen im Thatcherismus-Eifer entstanden sind.“
Und auch diesen Satz muss mensch erst mal entwirren, denn so waren die in diesem Artikel so genannten „Jahre des “Thatcherismus-Eifers“ “ doch auch schon nichts anderes gewesen als ein Ausdruck dafür, dass die staatlichen Einnahmen bereits zu dieser Zeit nicht mehr ausreichten, um die systemnotwendige Infrastruktur “reell zu finanzieren“ – auch diese “Kürzungen“ sind nichts anderes als in die Zukunft verschobene “Schulden“, wie sich anhand der dramatischen Situation im Verkehrs-, Gesundheits- und Bildungswesen und der “plötzlichen“ “atemberaubenden Investitions- und Schuldenpolitik“ zeigt (wobei es sich bei der zitierten “Investitions- und Schuldenpolitik“ de facto um eine Tautologie handelt, da besagte “Investitionen“ ja eben auch nur noch über Schulden finanziert werden (können) – es müsste also heißen: “Schulden- und Schuldenpolitik“; sprich: “Schulden über Schulden“).
Doch weiter bei besagtem FTD-Artikel: „Beides (also Immobilienboom und Schuldenpolitik) birgt Gefahren. Viele Ökonomen warnen vor einem baldigen Platzen der Immobilienblase, was nach Diagnose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wirtschaftlicher viel katastrophaler wirken würde als ein Aktiencrash (dazu, wie schon erwähnt, weiter unten). Das könnte auch jenen Bonus eines scheinbar höchst soliden Staatshaushaltes dramatisch schnell schwinden lassen. Jetzt fliege auf, dass Großbritannien „seinen Haushalt quasi auf Pump konsolidiert hat“, so Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank in London.“ (natürlich macht es auch der Zombie “Deutsche Bank“ nicht mehr lange – siehe auch Projekt `Deutschland`) – wirklich “wundervoll“.
Eine nicht weniger deutliche Sprache spricht ein Artikel der SZ vom 03.02.2003, der über die “Nöte“ des britischen “Schatz“-Kanzlers Gordon Brown berichtet, und in dem es heißt: „Zu Beginn seiner Amtszeit, in den Jahren 1997 bis 1999, hatte Brown mit einer Politik “zugenähter Taschen“ (die aber real natürlich auch schon leer waren) und dank einer “kräftigen Konjunktur“ (also der Aktien- bzw. Immobilien-Hype) den britischen Haushalt “radikal saniert“. Doch inzwischen hat sich die Finanzpolitik auf der Insel um 180 Grad gedreht: Milliardensummen (die natürlich gar nicht existieren) will London ausgeben, um Schulen, das Gesundheitswesen (das de facto ebenfalls nicht mehr vorhanden ist) sowie die innere Sicherheit (also soziale KZ`s) zu “verbessern“ und um nebenbei „die Konjunktur am Laufen zu halten“ (sprich: den “Voodoo-Konsum“).“
Wie “seriös“ die britische staatliche (natürlich auch sonst wo auf der Welt – siehe auch Projekt `USA`) “Finanzbuchhaltung“ dabei verfährt, zeigt sich nur einige Zeilen später, wo es lapidar heißt: „Ein wachsender Teil der öffentlichen Ausgaben läuft bei den Briten am Staatshaushalt vorbei. So werden sich beispielsweise die hohen zweistelligen Milliardenbeträge für die Sanierung des Eisenbahnnetzes nur in den Büchern einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft finden, aber nicht in Browns Bilanzen.“ - und direkt im Anschluss wird`s noch besser: „Die nationale Statistik-Behörde hat ihren “Segen“ zu dieser Buchhaltung im (unfassbarer O-Ton) “ENRON-STIL“ gegeben.“ (ein US-Energieversorger, dessen gigantische Bilanzmanipulationen im Jahr 2001 im bislang zweitgrößten Unternehmenskonkurs der (US-)Wirtschaftsgeschichte endete – siehe auch Projekt `USA`)
Und wie auch die FTD meldet die SZ: „Der Grund für die rapide Verschlechterung der britischen Finanzsituation ist zum einen “die jahrzehntelange Knauserigkeit“ (O-Ton) bei der Infrastruktur. Diverse Zugunglücke in den vergangenen Jahren und jüngst ein schwerer Unfall bei der Londoner U-Bahn zeigen, dass sich solche “Knauserigkeit“ auf lange Sicht rächt. Geld nicht auszugeben, bedeutet eben nicht immer Sparsamkeit. Zum zweiten kommt Brown in Nöte, weil das “Wachstum“ auch auf der Insel abflaut. Mit Zweckoptimismus versucht er, seine Landsleute bei Laune zu halten. Denn wenn die Ausgabenwut der letzten Jahre jetzt in sein Gegenteil umschlagen würde (der Zusammenbruch des “scheinfinanzierten“ “Voodoo-Konsums“), stünde es nicht gut um die “Konjunktur“ und damit auch um Browns Einnahmen.“ – Doch natürlich rafft auch dieser Autor nicht, was wirklich vor sich geht: Sowohl die “jahrzehntelange Knauserigkeit“ als auch das begriffslose “Geld nicht auszugeben, bedeutet nicht immer Sparsamkeit“ zeigen die vollkommene Verkennung der simplen Tatsache, dass dieses “Geld“ eben schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorhanden ist.
Nicht minder basiert auch ein weiterer Teil des britischen “Jobwunders“, der nach Aussage des Volkswirtes Mike Hume von Lehmann Brothers auf „die große Nachfrage des öffentlichen Sektors“ zurückzuführen ist (SZ, 13.02.2003), einzig und allein auf “Deficit Spending“. Denn mit der “großen Nachfrage des öffentlichen Sektors“ ist ein von Bilanzfälscher, äh, Finanzminister Gordon Brown gestartetes, groß angelegtes Job-Programm gemeint – was aber natürlich auch “finanziert“ werden muss.
Kein Zweifel: Angesichts solcher “Zahlenkunst“ erweisen sich die Statistiken des “Ministry of Truth“ als geradezu “fundiert“ (im übrigen fällt auf, dass die jeweiligen Artikel eine jeweils andere Ursache der “plötzlichen Krise“ feststellen: Such den Sündenbock).
Wer indes jetzt mal wieder MEINEN sollte, dass es ihn/sie schon nicht erwischen werde, da man ja schließlich “privatversichert“, “stolzer Besitzer“ einer “Immobilie“ sei, eine “Lebensversicherung“ abgeschlossen und/oder in “Fonds“ (nachdem “Aktien“ ja nicht mehr so gut laufen – dumm nur, dass diese “Fonds“ auch in “Aktien“ investieren) “investiert“ habe, wird auch “hier“ schon bald ein ziemlich wahnsinniges Gesicht machen – so wie schon Millionen von “privaten“, asozialen Hohlköpfen in den USA (siehe auch Projekt `USA`), aber eben auch in Großbritannien. In der FTD vom 04.03.2003 liest sich das dann so: “Pensionsfonds verpulvern Altersvorsorge der Anleger – Verwaltete Vermögen in Großbritannien schrumpfen dramatisch“ – „Britische Pensionsfonds (selbstredend auch die “amerikanischen“) haben im vergangenen Jahr rund 100 Mrd. Pfund (146 Mrd. Euro) verloren und die Altersvorsorge von Millionen Menschen in Gefahr gebracht.“
Doch natürlich trifft auch dieses “Verpulvern“ mal wieder nicht den Kern der Sache, da damit der REALROZESS nicht erfasst werden kann, sondern die übliche “Sündenbock-Leier“ abgespult wird (wie auch schon in Hinsicht auf die “Alten“ in Sachen “Rente“). Näher kommt mensch der Wahrheit, wenn mensch das “plötzliche“ Gemaule (nachdem jahrelanges hohles Hurra in Sachen “Aktien“ angesagt war) über den angeblich zu hohen “Aktienanteil am Portfolio“ (der besonders bei den britischen Pensionsfonds “viel zu hoch sei“ (obwohl dieser 2002 von 71,1 auf 64,4 Prozent fiel – im übrigen ist es keine vier Jahre her, da konnte dieser gar nicht hoch genug sein, und gerade “Großbritannien“ oder die “USA“ waren das “leuchtende Beispiel“)), bzw. wenn mensch die “weisen Ratschläge“, „die “Fonds“ sollten doch den “Anleiheanteil“ erhöhen“, genauer betrachtet.
Denn gerade dieser tolle “Vorschlag“ zeigt, dass die “Experten“ keinen blassen Schimmer haben, woher denn das wunderbare “mehr Geld“ eigentlich kommt. Dabei ist es ganz einfach: Sowohl “Aktien“ als auch “Anleihen“ sind nichts anderes als “verliehenes Geld“, für das der “Anleger“ einen “Obolus“ bekommt – nennt mensch ihn nun “Zins“ bei “Anleihen“ oder aber “Dividende“ bei “Aktien“. Dieser ominöse “Zins“ wiederum ist nichts anderes als ein Teil des in der “Warenproduktion“ generierten “Mehrwertes“ (“Profits“), den es in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION mittlerweile aber nicht mehr gibt. (auch bei den anderen “Anlageformen“ verhält es sich genau so – sei es der tolle “Mietzins“ einer “Immobilie“ oder aber auch die nicht minder tolle “Überschussbeteiligung“ bzw. der “Garantiezins“ einer “Lebensversicherung“ (deren “Aktienanteil“ ebenfalls - natürlich auch “plötzlich“ – “zu hoch“ ist, weswegen diese gerade massenhaft bankrottieren – dazu gleich mehr)).
Nun war über Jahrzehnte “Geld“ (also die “Realabstraktion“ (Alfred Sohn-Rethel) “vergangener wertschöpfender Arbeit“), was aufgrund der immer höher geschraubten “Produktivkraft“ nicht mehr “rentabel“ (gemessen am gesellschaftlichen bzw. branchenüblichen “Durchschnittsprofit“) in “realwirtschaftliche Erweiterungsinvestitionen“ (schon in den 70er und 80er Jahren war nämlich ständig von “Überkapazitäten“ die Rede) “angelegt“ werden konnte, in die “Aktien-Spekulation“ bzw. in den “Kredit-Sektor“ geflossen, wo es sich scheinbar aus sich selbst heraus vermehrte – d.h. das Schneeballsystem verwandelte sich in eine Simulation seiner selbst. Die Unternehmen und Staaten, die bei der “Reise nach Jerusalem“ nicht auf der Strecke blieben, mussten sich aufgrund einbrechender Steuereinnahmen bzw. wegen mangelnder Kapitalkraft für Neuinvestitionen bzw. ständigen weiteren Zurückfallens hinter das fortlaufend höher geschraubte Produktivitätsniveau immer mehr “verschulden“, wobei die “Zinsen“ für diese “Schulden“ immer weniger aufgebracht werden konnten. Diese “Kreditaufnahme“ erfolgte entweder über “direkte Kredite“ wie z. B. eben “Anleihen“, oder aber über die “Ausgabe von Aktien“. Die damit verbundene “Ausdehnung der Kreditmasse“ sowie die “fiktiven Wertsteigerungen“ durch das “Anheizen von Nachfrage nach Aktien“ (deren “gestiegene Werte“ dann wiederum zuhauf “beliehen“ wurden) gaukelten einen “Reichtum“ vor, der de facto gar nicht existierte (so war ein so genanntes “Kurs-Gewinn-Verhältnis“ (KGV) von 50 und mehr zu Zeiten des “Aktien-Hype“ gang und gäbe, und auch heute gibt es eine solche Absurdität im Bereich der Gentech-Branche - “noch“ - denn auch dieser “Rest-Hype“ kollabiert derzeit aufgrund des erst jetzt voll durchschlagenden Zusammenbruchs der Akkumulationssimulation - auch wenn Unternehmen wie z.B. die US-Firma Genentech mittlerweile ein “Irrsinns-KGV“ von 68 aufweisen (was bedeutet, dass pro Aktie das 68-fache des anteiligen Jahresgewinns gezahlt werden muss – siehe auch Projekt `USA`)).
Im Jahr 2000 war dann die Party für immer vorbei: Die (warenproduzierenden) Unternehmen konnten weder mehr die “Zinsen“ für ihre gigantischen “direkten Schulden“ zahlen noch die “Ertragserwartungen“ der Aktienanleger mehr erfüllen (aufgrund der infolge der strukturellen Massenarbeitslosigkeit in der DRITTEN INDUTRIELLEN REVOLUTION zusammenbrechenden globalen “Kaufkraft“). Dieser Kollaps der “Verwertungssimulation“ ließ und lässt jetzt sogar noch beschleunigt in einer nie da gewesenen finalen globalen Pleitewelle immer mehr Unternehmen bankrottieren (siehe auch die diversen anderen Projekte – als “Giga-Beispiel“ `USA`). – So ist das halt, wenn mensch nicht danach fragt, woher denn “sein“ toller “Zins“ stammt bzw. was das überhaupt ist: “Zins“.
Das zeigt sich auch bei den tollen “Lebensversicherungen“ bzw. “Banken“, die derzeit bankrottieren bzw. es schon hinter sich haben. Und natürlich bildet auch “Großbritannien“ dabei keine Ausnahme: “Lebensversicherer Britannic löst Kurzsturz aus – Markt reagiert geschockt auf die Ankündigung eines möglichen Dividendenausfalls – Spekulationen um Insolvenz“, lautete die Schlagzeile der FTD bereits am 07.01.2003. „Eine Gewinnwarnung und mögliche Dividendenstreichung durch den britischen Lebensversicherer Britannic hat gestern die gesamte Branche in Bedrängnis gebracht. Die Aktie von Britannic stürzte an der Londoner Börse um 49,9 Prozent ab. Die Titel der Rivalen Prudential, Aviva, Royal Sun und Legal & General – alle ähnlich stark auf den Altersvorsorgemarkt ausgerichtet – brachen um bis zu 4 Prozent ein. Investoren waren von der Nachricht geschockt. Als erster britischer Anbieter bereitete Britannic seine Anleger auf eine Dividendenkürzung vor, um den Auszahlungsverpflichtungen gegenüber den Versicherten nachzukommen. Der operative Ertrag werde deutlich hinter den Erwartungen bleiben. In der Vermögensverwaltung müssen zudem 50 Mio. Pfund (77 Mio. Euro) abgeschrieben werden. Merrill Lynch kürzte die Gewinnprognose um 27 Prozent auf 77 Mio. Pfund.
Der Kurssturz des mittelgroßen Anbieters zeigt das anhaltend hohe Misstrauen der Anleger gegenüber dem kriselnden Lebensversicherungssektor. Dividendenkürzungen werden nun auch bei den Konkurrenten nicht ausgeschlossen (zu diesen gleich noch), was die Branche weiter nach unten ziehen würde. Seit dem vergangenen Frühjahr kämpfen Lebensversicherungen rund um den Globus mit dem Einbruch an den Kapitalmärkten – darunter auch zahlreiche deutsche Anbieter wie die Allianz.
Die Dauerbaisse am Aktienmarkt hat die finanziellen Risikopuffer der Assekuranz hauchdünn werden lassen. Milliardenschwere Kapitalspritzen sind nötig, um noch neues Geschäft abschließen zu können und die Firmen zahlungsfähig zu halten. Britische Anleger sind besonders stark betroffen, da sie bis zu 80 Prozent ihres Vermögens in Aktien angelegt haben. Der Chef der britischen Finanzaufsicht (FSA), Howard Davis, hatte am Freitag mögliche Konkurse nicht ausgeschlossen. Bankrottspekulationen kreisten gestern auch um Britannic.“
Wie gehabt, muss mensch auch diesen Beitrag erst einmal entschlüsseln, um die ganze Brisanz der Lage verstehen zu können. Am augenfälligsten sind dabei die “80 Prozent“ und “die Dauerbaisse am Aktienmarkt, die die “finanziellen Risikopuffer“ der Versicherungen “hauchdünn“ werden lassen“. Damit kommt nämlich nichts anderes zum Ausdruck, als dass die “reellen Einnahmen aus dem Neugeschäft“ schon seit Jahr und Tag nicht mehr ausreichen, um überhaupt noch “Gewinne“ ausweisen zu können – ja, das “Versicherungsgeschäft“ (also zugesagte Leistungen zu erbringen) überhaupt noch fortführen zu können. Nachdem diese wundersame Geldquelle nun für immer versiegt ist, zeigt sich das daran, dass die Auszahlung fälliger Versicherungen nebst Verzinsung “urplötzlich“ gefährdet ist und auch die “Aktionäre“ leer ausgehen. Anhand der Versicherungen offenbart sich die ganze Potemkin-Welt des “Finanzsektors“: Es wird deutlich, dass auch “Versicherungen“ nur “Geld“ “einsammeln“, es woanders “anlegen“, und einen Teil des damit erzielten “Gewinns“ in Form von “Überschussbeteiligungen“/“Garantiezinsen“ für “Lebensversicherungen“ oder eben “Dividenden“ an “Aktionäre“ “ausschütten“ (wobei es in den letzten Jahren nur noch dieser Zufluss “spekulativen “Kapitals“ “ war, der es den “Versicherungen“ ermöglichte, die zugesagten “Leistungen“ an die “Versicherten“ zu erbringen). Wie bei den Banken handelt es sich um “formalrechtliche Abmachungen“ “Geld zu geben“ und nach einer gewissen Zeitspanne “mehr Geld zurückzubekommen“. Wie dieses “Mehr“ jedoch “realisiert“ werden kann, also die “Bedingungen der Möglichkeit“, bleibt bei dieser “Abmachung“ außen vor.
Begriffslos gibt das auch ein Artikel der SZ vom 05.07.2002 wieder: „Das Geld, das die Kunden im Laufe ihres Lebens für ihre Policen zahlen, müssen die Versicherungs-Unternehmen natürlich Gewinn bringend anlegen (natürlich auch das Geld der “Anleger“, also “Besitzer“ von “Versicherungsaktien“ – wobei diese halt auf ihre “Dividende“ abzielen). Nur so können sie jährlich die Sparsumme aufstocken und im Rentenalter auszahlen. Um das zu erreichen, kaufen die Versicherer Aktien und Anleihen, die sie als Reserven anhäufen. – wirklich ein Paradebeispiel der bürgerlichen Begriffslosigkeit; denn schließlich “vermehrt“ sich ja auch das in “Aktien und Anleihen angehäufte Geld“ nicht einfach “aus sich selbst heraus“.
Nachdem nun aber diese “Bedingungen der Möglichkeit“ im Zuge der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION real nicht mehr gegeben sind, und auch die Simulation zusammengebrochen ist, wird klar, dass es mit den “Milliardenspritzen, um die Firmen zahlungsfähig zu halten“ nichts werden wird, da ja auch die Banken de facto schon über den Rand des Abgrunds hinaus, und somit Bankrotte auch bei den “britischen Versicherern“ vorprogrammiert sind.
Dass dies keine reinen “Mutmaßungen“ sind, zeigen die massenhaften Zusammenbrüche in den USA (und Japan – FTD, 07.01.2003 (siehe auch Projekte `USA` und `Japan`)) über die die FTD vom 10.03.2003 unter der Überschrift “Zusammenbrüche – Assekuranz in Not“ berichtete. In den USA brachen 2001 35 Versicherungen zusammen, 2002 sogar 39 (darunter der Versicherer Conseco, der drittgrößte Bankrott der US-Wirtschaftsgeschichte). Und auch in Japan kollabierten seit 1997 7 Versicherer, zahlreiche weitere Pleiten drohen (dass es bislang nicht mehr waren, ist nur massiven “Finanzspritzen“ des Staates geschuldet, was aber, im Konzert mit den Mega-Milliardenhilfen für die japanischen Banken, auch die “Kapitaldecke“ der japanischen Notenbank gefährlich “dünn“ hat werden lassen).
Sollte nun jemand MEINEN, das könne “hier“ (BRD – siehe auch Projekt `Deutschland`) nicht geschehen, sollte einen Blick in die FTD vom 09.01.2003 werfen: “Schwere Zeiten für Versicherer – Verbandspräsident Michaels: „Einige werden auf der Strecke bleiben“ “ – heißt es da schon in der Überschrift. „Dramatisch abgeschmolzene Bewertungsreserven aus dem Aktienvermögen nach dem Kursverfall an den Weltbörsen verringern den finanziellen Spielraum (“Spielraum“ wie ein Huhn in der Legebatterie). Insgesamt steckt die einst als nahezu problemresistent geltende Branche in einer ähnlichen Krise wie die Banken. Auch ist der Wettbewerb so hart, dass im reinen Versicherungsgeschäft kaum noch Gewinne anfallen.“ – Bereits diese Aussagen zeigen, dass es sich in der BRD strukturell genau so verhält wie auf dem Rest des Globus`; wobei besonders die Bemerkung, wonach “der harte Wettbewerb“ (was de facto das “Enger-Werden der Märkte“ wiederspiegelt) “kaum noch Gewinne im reinen Versicherungsgeschäft abwerfe“ nichts als die zuvor dargestellte Tatsache, dass nur noch “Reichrechnerei durch Spekulation“ das “Geschäft“ noch aufrecht erhalten hatte, bestätigt.
Selbstverständlich werden sich diese “Engpässe“ auch auf die “Versicherten“ verheerend auswirken, was schon die Beispiele USA und Japan zeigen, wo (besonders in Japan – FTD, 07.01.2003) mittlerweile die “Garantieverzinsung“ selbst für laufende Verträge abgesenkt wurde (auch in der BRD wird ab 2004 dieser “Garantiezins“ abgesenkt (von3,25 auf 2,25 – bis Juli 2000 waren es sogar noch 4 Prozent) – wobei bis ungefähr Mitte 2003 immer wieder von 2005 die Rede war), ganz zu schweigen von den “Totalausfällen“ durch Insolvenzen (hauptsächlich USA).
Doch auch in der BRD stehen die Zeichen auf Untergang, wie sich am Beispiel der erst Ende 2002 gegründeten “Auffanggesellschaft“ Protector zeigt. Vollmundig hieß es damals, dass Protector “höchstwahrscheinlich nie“ eingreifen müsse – weshalb die “Gesellschaft“ nur über die drei offiziellen “Vorstandsmitglieder“ als Personal verfügte. Dennoch dauerte es kein halbes Jahr, da war mit der Mannheimer-Versicherung der “Ernstfall“ eingetreten, wobei es jedoch kein “Auffangen“ gab – die Mannheimer schlitterte schlichtweg in den Bankrott (Ende 2002 war allerdings schon die Rückversicherungstochter des Gerling-Konzerns (der auch ansonsten schon ein weiterer Bankrott-Kandidat ist), immerhin der sechstgrößte Rückversicherer der Welt, kollabiert – am 11.03.2003 meldete die FTD dann, dass die Gerling Globale Rück alle Zahlungen eingestellt habe, wodurch mehrere Hundert Erstversicherer, denen der Rückversicherer mehrere Milliarden Dollar schuldete, diese jetzt als “Abschreibungen“ verkraften müssen). Zwar beeilten sich die BaFin (Bundesaufsicht für Finanzen – die übrigens noch wenige Wochen vor dem Zusammenbruch der Mannheimer die Lage der deutschen Versicherer als “stabil“ eingestuft hatte) und die gesamte Branche zu “versichern“, dass den Versicherten keine Nachteile entstünden, dennoch wurde eingeräumt, dass „wenn sich die Lage in der Branche verschärfen würde“, auch Zahlungsausfälle für Versicherte „nicht auszuschließen seien“.
Dass diese weiteren Pleiten auch “hier“ schon bald folgen werden, zeigen die Beispiele Provinzial Nord, die aufgrund der kollabierten Aktienmärkte für das letzte Geschäftjahr “Abschreibungen“ von über 500 Mio. Euro verkraften musste (die beteiligten Sparkassen mussten massiv Geld nachschießen), sowie der Kölner Versicherungskonzern Gothaer der 2002 nach “Abschreibungen“ von 225 Mio. Euro einen Verlust von 198 Mio. Euro verzeichnete, und das auch “nur“, indem das Unternehmen weitere “Abschreibungen“ in Höhe von 425 Mio. Euro auf dieses Jahr “verschob“. Kandidat Nummer eins ist jedoch die Mannheimer Versicherungsgruppe Inter. So titelte denn auch die FTD vom 02.10.2003: “Versicherungsgruppe Inter besänftigt Aufsicht mit Notplan – Assekuranz fürchtet zweiten Fall für Protektor“ – und auch hier lautet die “Diagnose“: „Die Inter Leben leidet heftig unter den Verlusten aus Aktien. Im vergangenen Jahr hatte sie 50 Mio. Euro auf Aktien abgeschrieben und weitere Wertberichtigungen (noch so eine tolle Umschreibung von de facto Verlusten) über 117 Mio. Euro aufgeschoben. Dadurch wurden so genannte stille Lasten gebildet (ein echter Hit: aus einstmals so genannten “Stillen Reserven“ sind “urplötzlich“ “Stille Lasten“ geworden – demnächst werden sie dann ihre richtige Bezeichnung tragen: “Schreiende Lasten“).
„Wir haben die stillen Lasten schon auf 106 Mio. Euro abgebaut“, sagt Vorstandschef Bernd Jansen. Angesichts der Prämieneinnahmen von 126 Mio. Euro und des sehr knappen Eigenkapitals von 10 Mio. Euro gilt dies als hohe Belastung. Unter den Versicherungsmanagern wächst angesichts der Finanzlage die Sorge über die Inter. „Über die Gesellschaft wird bei Fachtagungen noch nicht mal mehr hinter vorgehaltener Hand getuschelt“, sagte ein Branchenkenner aus Baden-Würtemberg. Möglicherweise müsse die von der Assekuranz (Versicherungswirtschaft) gegründete Auffanggesellschaft schon bald erneut tätig werden.“
Dass die Auffanggesellschaft jedoch vielmehr mit dem Zählen schon bald nicht mehr nachkommen wird, verdeutlicht ein Artikel des Spiegel (11/2003), wo die Gesamtsumme der so genannten “Stillen Lasten“ nur der deutschen Lebensversicherer auf 35 bis 40 Mrd. Euro beziffert wird, die bislang “aufgeschoben“ wurden, doch dieses Jahr “realisiert“ werden müssen: „Auf Druck der Branche erlaubte es der Gesetzgeber Ende 2001 erstmals (nach dieser Aussage hat es sich die Branche ja wohl eher selbst “erlaubt“), dass die Versicherer ihre Anlagen nicht mit den aktuellen Marktpreisen in die Bilanz stellen müssen. Mit dem Hinweis, dass der Kursrutsch an der Börse nur temporär sei, schönte daraufhin rund die Hälfte der 120 Versicherer ihre Zahlen. Insgesamt wurden auf diese Weise eigentlich notwendige Abschreibungen (allein nur für 2001) in Höhe von 2,5 Mrd. Euro kaschiert. Doch 2002 rauschten die Aktienkurse weiter in den Keller. Deshalb werden sich in den Bilanzen stille Lasten und Abschreibungen in Höhe von 45 bis 50 Mrd. Euro türmen. – Und wie es somit jenseits der bunten Werbung aussieht, macht folgende Passage klar: „Eine neue Studie zeigt: Deutschen Lebensversicherern geht es noch schlechter als bislang angenommen. Zwei Drittel der Firmen haben zu wenig Kapital.“ – „Seit der Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre müssen die deutschen Lebensversicherer ihren Kunden eine weitreichende und beruhigende Garantie geben (Soma für die kleinen Geldidioten): Sie sichern jederzeitige Deckung aller Zahlungsverpflichtungen aus den Policen zu (dumm nur, dass sich das AUTOMATISCHE SUBJEKT (Marx) nicht per Dekret beeinflussen lässt).
Nun rüttelt Bernd Michaels, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), an diesem gesetzlich verankerten Prinzip. „Die Regelung darf kein Tabuthema sein“, sagte er Mitte Februar auf einer Tagung. Die Gefahr, dass in einer Panikreaktion alle verunsicherten Kunden bei einem Lebensversicherer ihr Geld zurückhaben wollten, sei heute gar nicht mehr gegeben“ – tja, dann fragt sich nur, warum dann überhaupt die Regelung aufheben ????? - Eine Zeile später weiß mensch warum: „Da könnte der Chef-Lobbyist der Branche durchaus irren. Nie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Gefahr so groß, dass einzelne Lebensversicherer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr uneingeschränkt nachkommen können. Die Börsenbaisse (sprich: der finale Kollaps) haben die Reserven bei einer Vielzahl von Anbietern aufgezehrt. Statt stiller Reserven haben die meisten Unternehmen mittlerweile vor allem stille Lasten in ihren Bilanzen versteckt.“ – was natürlich auch auf andere Versicherungen zutrifft wie die “private Krankenversicherung“, deren “Kapitalausstattung“ ebenfalls oftmals nur noch aus “Stillen Lasten“ besteht (FTD, 13.06.2003): “Aufsicht nimmt Krankenversicherer stärker ins Visier“ – „Nach der Lebensversicherung könnte auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) eine Absenkung des Höchstrechnungszinses folgen. Mit dem Höchstrechnungszins verzinsen Versicherer die Altersrückstellungen, mit denen die Kunden (also die eitlen Geldidioten, die MEINEN, „sie erwische es nicht“ – schöne Grüße von HEGEL) für die höheren Krankheitskosten im Alter ansparen. Der Wert liegt zurzeit bei 3,5 Prozent – viele Versicherer verdienen mit ihren Kapitalanlagen aber deutlich weniger. Die Unternehmen können zwar mit einem niedrigeren Zins arbeiten, tun das aus Wettbewerbsgründen aber nicht (was dann logischerweise im Bankrott mündet). Sollte es zu einer Absenkung kommen, hätte das steigende Prämien im Alter zur Folge.“ - Und wie könnte es auch anders sein, heißt es weiter: „Die Krise an den Aktienmärkten und die niedrigen Zinsen an den Rentenmärkten haben auch in der PKV ihre Spuren hinterlassen (“Spuren“ à la Tornado) – der Blick in die Bilanzen 2002 schmerzt: Die Überschüsse sind geschmolzen (wie Schnee an der Sonne), viele Unternehmen hätten notwendige Abschreibungen verschoben und so genannte stille Lasten gebildet (was nichts anderes heißt, als dass es diese “Überschüsse“ eigentlich gar nicht gibt – so musste die größte deutsche private Krankenversicherung, die DKV, für verlustreiche Aktienverkäufe und Abschreibungen Verluste von 630 Mio. Euro verbuchen – und das auch “nur“, denn auch die DKV “verschob“ weitere Abschreibungen als so genannte “Stille Lasten“, über deren Höhe DKV-Chef Jan Boetius und Finanzchef Hans-Josef Pick sich jedoch beharrlich ausschwiegen (FTD, 21.02.2003)) Ein großer Teil dieser “Stillen Lasten“ (also riesige Verluste) muss 2003 abgeschrieben werden.“
Deshalb gründete die PKV Anfang Juli 2003 ebenso wie die Lebensversicherer eine “Auffanggesellschaft“ – Medicator (FTD, 07.07.2003). Und genau wie bei Protector heißt es hier: Keine Gefahr. Wer`s glaubt wird selig. Auch in diesem Artikel ist von “Stillen Lasten“ und der Absenkung des Höchstrechnungszinses die Rede – darüber hinaus jedoch von drastischen Beitragserhöhungen inklusive Erpressung für Versicherte, vornehmlich ältere: „Gerade ältere Versicherte sind Beitragserhöhungen schutzlos ausgeliefert, da sie bei einem Wechsel der Gesellschaft ihre angesparten Altersrückstellungen verlieren würden und zudem bei einem anderen Versicherer hohe Einstiegsprämien zahlen müssten.“ Doch natürlich schützen Beitragserhöhungen, wenn sie denn überhaupt durchzusetzen sind (mangels “Finanzkraft“ der Versicherten), natürlich auch nicht vor dem finalen Bankrott.
Wie in Großbritannien die FSA will deshalb auch die BaFin die Aufsicht verschärfen: „Die BaFin will ihr Augenmerk verstärkt auf die finanzielle Solidität der PKV richten. Seit dem 1. Januar 2003 verlangt die Aufsicht von den PKV-Unternehmen genauere Angaben zur Situation ihrer Deckungsstöcke. Sie zeigen, ob genug Mittel da sind, um alle Kundenansprüche befriedigen zu können.“ Dieses Zitat ist Beleg für “unverfrorene Begriffslosigkeit“, und zwar, weil sich die BaFin zum einen über eine so genannte “Umlage“, also “Beiträgen“ der Versicherungen, finanziert und somit natürlich nichts als eine korrupte “Beruhigungspille“ für die kleinen Geldidioten darstellt; zum anderen, weil die BaFin natürlich keinerlei Einfluss auf den schon oben beschriebenen REALPROZESS hat.
Auf britische Verhältnisse steht auch der oben schon erwähnte Michaels, der Anfang Oktober die schon Februar 2003 gestellte Forderung nochmals bekräftigte (FTD, 09.10.2003): “Verband fordert neues Prinzip für Lebensversicherer – Präsident Michaels hält hohe Garantien für überholt“: „Wir müssen den Schwerpunkt verlagern von der laufenden Überschussbeteiligung in Richtung Schlussüberschussbeteiligung“, sagte Michaels vor Versicherungsjuristen. Bei einem solchen Modell, wie es beispielsweise in Großbritannien üblich ist, hängt die Höhe des Schlussüberschusses stark von der Gewinnsituation zum Zeitpunkt der Ausschüttung ab. Das gebe den Gesellschaften eine größere Flexibilität, sagte Michaels“ – beim In-den-Abgrund-rennen-Lassen der kleinen, nicht minder asozialen und begriffslosen Geldidioten.
Nachdem dann nun auch noch die Versicherer auf Kosten der Steuerzahler von dem Damoklesschwert massiver Steuerzahlungen in Höhe von bis zu 10 Mrd. Euro befreit worden sind, bricht schon wieder hohles Hurra-Gejohle aus, doch sollte sich mensch davon nicht blenden lassen. Denn wie die FTD vom 13.10.2003 nüchtern feststellt: „Eine Überlebensgarantie ist das freilich nicht. An der Krise der Branche hat das Steuerrecht nur kleinen Anteil.“ - Na, dann mal “Hoffentlich Allianz-versichert“ (hat übrigens auch große “Probleme“).
All diese Beispiele belegen nun wiederum nur eins: dass es systemisch gesehen (also in der “Verwertung des Werts“) vollkommen egal ist, ob mensch nun “staatlich“ oder “privat“ “versichert“ ist – beides bricht zusammen, da es keine “Wertschöpfung“ mehr gibt – und somit auch kein tolles “Geld“.
Und gerade die Beispiele “Japan“, “USA“ und eben auch “Großbritannien“ sollte denjenigen, die auch “hier“ immer hysterischer nach “Privatisierung“ schreien, eigentlich zu denken geben.
Doch zurück auf die Insel: Wie dramatisch die Lage bei dem schon angeführten Versicherer Brittanic ist, verdeutlicht auch eine dem FTD-Artikel beigefügte Graphik: Allein von Ende Mai 2002 bis Anfang Januar 2003 sackte der Kurs von 700 Pence auf 164 Pence ab, also um 77 Prozent – da hat sich mensch wirklich prima “ver – sichert“.
Nicht besser sieht es bei den anderen britischen Versicherern aus, wie die Welt vom 27.02.2003 berichtet – sowohl der größte britische Versicherer Aviva, der zweitgrößte; Prudential, als auch der zweitgrößte britische Sachversicherer Sun & Alliance meldeten die Senkung ihrer Dividenden. Die Prudential-Aktie hat seit Ende 1999 rund drei Viertel ihres “Wertes“ eingebüßt und Aviva kappte die Dividendenausschüttung gleich mal um 40 Prozent –verknüpft mit einer Warnung vor einem erneuten “Gewinneinbruch“. Und im “Pensionsfond“ von Aviva klafft eine Lücke von 456 Mio. Pfund.
Diese “Lücke“ ist Sinnbild für den Zusammenbruch einer weiteren tollen “privaten Alterssicherung“ – nämlich der auch “hier“ immer mehr beschworenen “Betriebsrente“. In der WAZ vom 17.12.2002 liest sich das folgendermaßen (in dem Beitrag geht es um die “britischen Betriebsrenten“): „Viele Arbeitgeber haben ihren Angestellten eine betriebliche Altersvorsorge zugesagt, die aber durch die Turbulenzen auf dem Aktienmarkt ebenfalls in eine Krise geraten ist.“ – was gleichermaßen auch für die “USA“; “Japan“ (siehe auch Projekte `USA` und `Japan`) und eben auch “Deutschland“ gilt (FTD, 22.05.2003): “Unternehmen drohen höhere Pleitekosten – Rekordschaden des Pensions-Sicherungs-Vereins für Betriebsrenten insolventer Firmen“. Es versteht sich, dass überhaupt nur ein winziger Teil der Zig-Tausend deutschen Unternehmen, die 2001 und 2002 bankrottierten, zu diesem “Verein“ gehörten, und die Entlassenen jener nicht dazugehörigen Firmen von ihren Pensionsansprüchen nie etwas sehen werden. Doch auch den “Vereinsmitgliedern“ wird es nicht anders ergehen: „Der 1974 gegründete PSV ist eine Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft. Unternehmen sichern Anwartschaften der Mitarbeiter aus direkten Rentenzusagen oder internen Rentenkassen über den PSV, damit die Beschäftigten im Insolvenzfall ihre Ansprüche nicht verlieren. Zurzeit deckt der Versicherungsverein Betriebsrentenansprüche von acht Millionen Berechtigten aus 40.000 Unternehmen ab.“ - Und genau da wird’s richtig lächerlich: „Für 2002 zahlten die Mitgliedsunternehmen für Rentenansprüche von 225 Mrd. Euro rund eine Milliarde Euro“ – eine echt tolle “Deckung“. Doch es kommt noch besser: „Im November des Vorjahres hatte der PSV den Beitragssatz von 2,5 Promille der Rentenverpflichtungen auf 4,5 Promille angehoben. Ein Unternehmen mit Zusagen in Höhe von 100 Mio. Euro musste 450 000 Euro statt 250 000 Euro zahlen. Wenn das Schadenvolumen beim PSV auf demselben Niveau liegt wie 2002, müssen die Mitgliedsunternehmen mit einer weiteren drastischen Erhöhung rechnen. Denn der Beitragssatz hätte in 2002 aufgrund der vielen Schäden eigentlich schon auf 6,1 Promille steigen müssen. Das konnte der PSV nur durch Entnahmen in Höhe von 300 Mio. Euro aus seinem Ausgleichsfonds abfedern. „Das kann man nur einmal machen“, sagt auch PSV-Vorstand Martin Hoppenrath. Der Ausgleichsfonds enthält nur noch 71 Mio. Euro.
Die hohe Schadensfrequenz hat 2003 bisher angehalten, hinzu kommen Großschäden wie die Pleite des Elektronikkonzerns Grundig. Die Zahl der Insolvenzen von Mitgliedsunternehmen hatte schon 2002 um fast 45 Prozent von 448 auf 643 zugelegt (darunter auch Großbankrotte wie Holzmann und Babcock), das Schadensvolumen hat sich mit einer Steigerung von 614 Mio. Euro in 2001 auf 1,48 Mrd. in 2002 mehr als verdoppelt“ – es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der PSV selbst Insolvenz anmelden muss, denn: Jetzt bricht zusammen, was zusammen gehört.
In Analogie dazu wackelt die Hütte auch bei dem britischen “Sachversicherer“ Sun & Alliance – wie schon ein Artikel der SZ (02. o. 05.07.2002) zeigt: “Pleitewelle bei Medienfonds befürchtet“ - Konkret geht es um die Pleite der Babelsberger TiMe Gruppe, die bei der SunAlliance eine so genannte “Erlösausfallversicherung“ abgeschlossen hat: „Probleme scheint auch die gerade jetzt so wichtige Erlösausfallversicherung zu bereiten. Die britische Royal & Sun Alliance (RSA) möchte aus den Verträgen aussteigen und weigert sich, weitere Versicherungspolicen auszustellen. Der angebotene Vergleich allerdings fällt mager aus: Nur rund 20 Prozent der prospektierten Versicherungssumme will die RSA für ihre Freistellung zahlen.“ – Natürlich ist das nichts als ein untrügliches Zeichen sowohl dafür, dass die RSA selber massive “Finanzprobleme“ hat, als auch dafür, wie viel von den “Versprechungen“ (alias “Prospekt“) der tollen “Versicherungen“ zu halten ist.
Nun mag mensch als marktsozialisierte und somit geschichtslose Monade sagen 2002 ist lange her, und seitdem ist alles wieder gut, doch bedauerlicherweise titelt die FTD vom 05.09.2003: “Versicherer Royal & Sun sammelt frisches Geld ein“ – „Der britische Versicherer Royal & Sun Alliance kommt nicht aus der Krise heraus. Mit einer Erhöhung des Kapitals um 960 Mio. Pfund (umgerechnet 1,4 Mrd. Euro) will RSA seine Schadenrückstellungen aufstocken, die einem internen Kassensturz zufolge um 744 Mio. Pfund (rund 1,1 Mrd. Euro) zu niedrig sind. Wie andere Versicherungen auch leidet auch RSA an einer zu niedrigen Solvabilitätsquote, die das Verhältnis von Eigenmitteln zum gezeichneten Geschäft ausdrückt. Bislang war eine Kapitalerhöhung am Widerstand der Aktionäre gescheitert.“ Das heißt natürlich nichts anderes, als dass die RSA de facto pleite ist.
Dennoch können die kleinen Geldidioten wohl gar nicht genug davon bekommen, dass man sie verarscht (FTD, 25.09.2003): “Britische Aufsicht will Verbraucher besser schützen – Neuer FSA-Chef plant Risikoskala für Finanzprodukte“. Die britische “Finanzaufsichtsbehörde“ Financial Services Authority (FSA) verfährt dabei wie die schon erwähnte deutsche BaFin: beschwichtigen und lügen, dass sich die Balken biegen. Denn: „Skandale um “schlecht abgesicherte Investments der Pensionsfonds“ und die Beinahepleite des Versicherers Equitable Life (mit einem Schaden von 3,7 Mrd. Euro), haben zuletzt den Ruf der “Finanzdienstleister“ auf der Insel erschüttert.“ Jetzt soll “Papa“ es richten. Dumm nur, dass “Papa“ selber nicht weiß, was “Geld“ ist. Denn die Vorraussetzungen, dass so etwas wie “Zins“ existiert, lassen sich nun mal nicht “staatlich verordnen“. Und so wird es kommen, wie es kommen muss: Die blökenden Geldidioten werden im finalen Finanz-BSE allesamt verrecken.
Als nicht minder desaströs erweist sich der britische Bankensektor – kein Wunder, da sich die “Banken“ ja ebenso wie die “Versicherungen“ nur über den “Zins“ “finanzieren“. Auch sie haben keine eigene “Wertschöpfungspotenz“. Dennoch sind sie ein Zentrum des globalen Wahns (siehe auch Projekt `Globaalaballa`); zu ersehen aus der Tatsache, dass die vergebene “Kreditmasse“ gerade mal zu 8 Prozent “gedeckt“ sein muss. Nachdem die ““Kapitalisierung“ und “Verpfändung“ der Zukunft“ im Jahr 2000 kollabiert ist, konnten und können viele Privatpersonen und Unternehmen, die ihre Kredite mit Aktien “abgesichert“ hatten, arbeitslos wurden oder infolge massiver “Umsatzeinbrüche“ (die oftmals nichts anderes waren als das Auffliegen von Bilanzfälschungen), ihre Schulden nicht mehr zahlen und bankrottieren zu Myriaden. In der Folge zieht diese Pleitewelle auch die Banken mit in den Abgrund, da auch sie natürlich ebenso “Schuldner“ sind. Dass bislang nicht schon viel mehr von den “Gauklerbuden“ zusammengebrochen sind, liegt an einer noch nie da gewesenen “expansiven Geldpolitik“ der Notenbanken, die das Geld de facto zu “Null Prozent“ an die in extremen Zahlungsschwierigkeiten steckenden Geldinstitute verleihen sowie an Massenentlassungen und Bilanzmanipulationen (“Aufschieben“ von “Abschreibungen“, “Verbriefungen“ und “Auslagern“ von faulen Krediten).
Dass es sich auch dabei nicht um ein Hirngespinst handelt, verdeutlicht ein FTD-Artikel vom 11.03.2003: “Zentralbanken planen für den Notfall“ – worin dann auch mal so eben erwähnt wird, dass sich die Zentralbanken bereits im Jahr 2001 weltweit wegen der durch den Zusammenbruch der Wachstumssimulation hervorgerufenen “Liquiditätsengpässe“ telefonisch “kurzgeschlossen“ hatten, um mit Zinssenkungen und massiver Zufuhr von Liquidität Zusammenbrüche von Banken (bzw. Unternehmen) zu verhindern: „Die EZB pumpte Dollar-Reserven in den Markt um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Zudem senkten sie zusammen mit der US-Notenbank Fed die Leitzinsen.“ Es geht bei der Zinssenkungsorgie also nicht um irgendeine phantasierte “Hegemonie in der Konkurrenz“, sondern stellt schlichtweg schiere Verzweiflung dar. Doch selbst quasi “Null-Prozent-Zinssätze“, zu denen sich die Banken das “Geld“ (natürlich wissen auch diese Experten nicht, was “Geld“ eigentlich ist) bei den Zentralbanken leihen oder gar staatliche Multi-Milliarden-Hilfen erweisen sich als wirkungslos - schon am 12.03.2003 schrieb die FTD: „Kurz vor dem Exitus: Dem japanischen Bankensystem droht der Kollaps, zumindest aber die Renationalisierung.“ ( - doch wie schon in Hinsicht auf die Versicherungen bzw. die “Renten“ gezeigt, ändert sich durch die formalrechtliche Umwandlung strukturell natürlich nichts) „Bis auf die Mitsubishi Tokyo Financial Group (was natürlich nicht heißt, dass es um diese Bank wirklich besser stehen würde (FTD, 10.02.03) – siehe auch Projekt `Japan`) können derzeit alle Großbanken nur dank staatlicher Kapitalaufstockungen durch Vorzugsaktien aus den Jahren 1998 und 1999 überleben.“ Genützt hat`s nichts: Mitte Mai 2003 (FTD, 19.05.2003) musste der japanische Staat erneut 15 Mrd. Euro für die bankrotte Resona-Bank locker machen, die fünftgrößte Bank Japans. Doch auch diese gigantische Rettungsaktion erweist sich als Fass ohne Boden (FTD, 13.10.2003): Trotz eben jener Multi-Milliarden-Hilfe fiel allein in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres erneut ein Giga-Verlust von 13,7 Mrd. Euro an. Auch andere japanische Großbanken wie Mizuho (FTD, 12.03.2003) oder UFJ, die kleinste der vier japanischen Großbanken, sind “Tote ohne Begräbnis“ – die UFJ hat allein nach Unternehmensangaben faule Kredite von 40 Mrd. Euro in ihren Büchern stehen und rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Verlust von 15 Mrd. Euro (FTD, 07.02.2003). Und damit mensch einen Überblick über die Gesamtmasse der faulen Kredite bekommt, empfiehlt sich ein Artikel der FTD vom 18.02.2003, in dem die japanische Opposition eine Auktion von faulen Krediten in Höhe von 331,7 Mrd. Euro fordert (diese Summe ist natürlich nur ein Teil der faulen Gesamtmasse). Diese sollen von ausländischen Investoren aufgekauft werden – ein Vorschlag der absurder nicht sein könnte, da es nämlich nirgendwo auf der Welt ein Deut besser aussieht als in Japan: In China ist die Hälfte aller vergebener Kredite faul, und zwar unglaubliche 500 Mrd. Dollar (siehe Projekt `China`) - und selbst bei den deutschen oder amerikanischen Banken sieht es nicht anders aus. In den USA belaufen sich allein die Schulden der amerikanischen Energiebranche (die es bald aber nicht mehr geben wird – allein 2003 sind erneut drei weitere Energieversorger zusammengebrochen - siehe Projekt `USA`) auf rund 500 Mrd. Dollar – und um die Rückzahlung dieser Schulden ist es schlecht bestellt (FTD, 18.02.2003): “Schulden der Energiefirmen belasten Banken“ – „Die Schuldenlage der amerikanischen Energiebranche hat sich 2002 erheblich verschlimmert und macht nun auch den dortigen Banken zu schaffen. US-Geschäftsbanken waren schon 2002 gezwungen, die an Energiefirmen vergebenen Kredite mit hohen Rückstellungen abzusichern. Trotzdem glauben Experten, dass den Banken Verluste in Milliardenhöhe drohen. Ein großer Teil des Schuldenbergs, rund 117 Mrd. Dollar, liegt allein bei neun Energiehändlern. Der Börsenwert dieser neun Firmen ist seit der Enron-Krise um drei Viertel auf 28 Mrd. Dollar zusammengeschrumpft. Fast alle sind inzwischen von den Rating-Agenturen auf “Junk“-Status (“Ramsch“) herabgestuft worden. Das Problem in der Energiebranche hat inzwischen eine kritische Masse erreicht, die Firmen haben einfach nicht genügend Cash-Flow um ihre Schulden zu bedienen.“ – natürlich geht es anderen “Branchen“ der US- Wirtschaft kein Bisschen besser (siehe Projekt `USA`).
Und selbstverständlich ist auch die deutsche Bankenwelt de facto ein Zombie. Zwar versuchen auch hier die Unternehmen zu tricksen, was das Zeug hält (so hat etwa die Dresdner Bank faule Kredite in Höhe von 35 Mrd. Euro “ausgelagert“), doch sind diese “Maßnahmen“ nur ein Aufschub, bzw. hat das Kind einen anderen Namen bekommen. Wie prekär auch “hierzulande“ die Lage ist, verdeutlicht ein Artikel der FTD vom 10.06.2003: “Commerzbank sichert Pensionen gegen Insolvenz ab“ – wer nun aber MEINT, das wäre eine “soziale Maßnahme“ der irrt gewaltig, gemeint sind nämlich nur 160 “Erlauchte“: „Die Commerzbank will die Pensionen ihrer Spitzenmanager gegen den Fall einer Insolvenz absichern. Ein Sprecher der Bank bestätigte gestern Medienberichte, demzufolge rund 100 Mio. Euro in einen eigens dafür im Januar dieses Jahres gegründeten Commerzbank Pensions-Trust e.V. eingebracht werden sollen. Damit sollen die Pensionsansprüche geschützt werden. Anspruchsberechtigt sind rund 160 Personen, darunter auch der Vorstand der Bank. Hintergrund dieser Entscheidung ist die Begrenzung der Pensionszahlungen aus dem Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) der deutschen Wirtschaft im Fall einer Insolvenz. Ein Sprecher betonte, dass es sich um ein übliches Verfahren handele und in der Chefetage keineswegs die Furcht vor einem Zusammenbruch der Bank umgehe.“ – Aber sicher doch: ein “übliches Verfahren“ – das es noch nie gab. Diese asozialen Kreaturen wissen ganz genau, was die Stunde geschlagen hat. Nicht weniger klar wird, was von dem ja schon in Sachen “Betriebsrente“ erwähnten tollen “PSV“ zu halten ist. Dennoch werden auch die “Spitzenmanager“ diesmal nicht verschont werden, da die finale Krise die “Euros“, “Pfunds“, “Dollars“, “Yens“ (der tolle “Yen“ kollabiert ohnehin schon – mittlerweile gibt es in Japan schon mehr als 130 “Binnenwährungen“ wie etwa “Love“, “Bambus“, “Peanuts“ oder “Heizöfchen“; also der Rückfall in primitivsten “Naturalientausch“ (siehe auch Projekte `USA` - denn auch dort gibt es solche “Binnenwährungen“ - und `Japan`)) oder “Schweizer Franken“ genau so “wertlos“ werden lässt, wie z.B. den “Rubel“ (siehe auch Projekt `Osteuropa, Russland, Balkan`)
Was nun die britischen Banken scheinbar “gesund“ wirken lässt, sind Massenentlassungen sowie eine nie da gewesene “Fusionitis“ bzw, Vernichtungskonkurrenz, die natürlich auch wieder Massenentlassungen nach sich zieht – also keineswegs “Gewinne“ aus einer “Realakkumulation des (natürlich mittlerweile globalisierten) Kapitals“. Seit dem Zusammenbruch der Wachstumssimulation im Jahr 2000 sind nur in London über 35.000 Banker entlassen worden (FTD, 16.10.2003), und am 17.10.2003 kündigte die HSBC eine weitere Entlassungswelle von 4.000 Angestellten an. Die Royal Bank of Scotland (FTD, 28.02.2003), die zweitgrößte britische Bank, konnte nur durch die Übernahme sowohl der britischen Konkurrentin National Westminster und der damit verbundenen “Synergieeffekte“ (also Massenentlassungen durch “Zusammenlegung“ von Bereichen und Filialschließungen) als auch durch den Kauf mehrerer Banken in den USA durch ihre amerikanische Tochter Citizens Financial ihren “Vorsteuergewinn“ für 2002 um 12 Prozent auf 9,44 Mrd. Euro steigern. Gleichzeitig vermeldete das Unternehmen jedoch auch eine um über 30 Prozent auf rund 1,9 Mrd. Euro gestiegene “Risikovorsorge“ für faule Kredite. Was dem Artikel nicht zu entnehmen war, sind bisher aufgeschobene “Wertberichtigungen“ auf Aktien – denn es steht außer Zweifel, dass auch die RBOS - wie alle Banken weltweit - diesbezüglich noch weitere Milliardenleichen im Keller hat.
Dass die Lage doch etwas anders aussieht, als es die “tollen Zahlen“ vorgaukeln, zeigt das Beispiel der Halifax Bank of Scotland (HBOS), der nach dem Börsenwert viertgrößten Bank Europas. Am 01.08.2003 titelte die FTD: “Aggressive Strategie beschert HBOS Ertragsschub – Analysten warnen britische Großbank vor Kreditrisiken“ – Wie bei der RBOS wird auch hier deutlich, dass es sich nicht mehr um einen insgesamt noch “ausdehnenden Markt“ handelt, sondern nur noch um die finale Vernichtungskonkurrenz, d.h. “Gewinnsteigerungen“ werden nur noch durch Aufkaufen von Konkurrenten bzw. durch das aggressive Abwerben von Kunden derselben erzielt. Das bekräftigt auch ein weiterer Artikel der FTD vom 30.09.2003: “HBOS-Tochter attackiert Rivalen in Irland“. Damit ist auch die ruhige Kumpanei der irischen Banken, gegen die gerade wegen Preisabsprachen ermittelt wird, wohl definitiv zu Ende.
Wie der Überschrift des ersten Artikels jedoch zu entnehmen war, hat diese “aggressive Strategie“ allerdings auch fatale “Nebenwirkungen“, was die um 32 Prozent auf 499 Mio. Pfund (rund 710 Mio. Euro) gestiegenen “Wertberichtigungen“ für faule Kredite belegen. Und auch ansonsten steht es mit der “Kapitalkraft“ wohl nicht zum besten: Mitte Juli 2003 borgte sich die HBOS mal eben 3 Mrd. Euro (FTD, 17.07.2003).
Bös` erwischt indes hat es Abbey National, die zweitgrößte britische Hypothekenbank. (Besonders pikant ist die Tatsache, dass Abbey auch “Lebensversicherungen“ anbietet (wie ja überhaupt das Gros der Banken weltweit so genannte “Allfinanzkonzerne“ sind), die aber gar nicht mehr so sicher sind (FTD, 07.02.2003): “Abbey schockt Versicherte“ –„Mehr als 800 000 Inhaber von Lebensversicherungspolicen der britischen Bank Abbey National werden in diesem Jahr keine Überschussbeteiligung gutgeschrieben bekommen. Die Schlussboni zum Ende der Laufzeit einer Police sollen um 20 Prozent gekürzt werden.“ – Keine Frage: Wir brauchen das britische Modell !!!) Bereits am 27.02.2003 lautet die Überschrift der FTD: “Hypothekenbank Abbey National schreibt erstmals rote Zahlen – Britisches Institut leidet unter hohen Abschreibungen“ Die Hypothekenbank wies einen Verlust von 1,43 Mrd. Euro aus. Das Resultat war insbesondere auf hohe Abschreibungen zurückzuführen. Abbey hatte fast 2,3 Mrd. Pfund (rund 3,34 Mrd. Euro) auf Übernahmen, das Bondportfolio und den Wert der Lebensversicherungsaktiva abgeschrieben. Aber auch im Geschäftsfeld mit Firmenkunden, in das die Londoner Bank erst in den letzten Jahren eingestiegen war, sah es verheerend aus. Indem Abbey Kunden mit schlechten Ratings hochverzinsliche Darlehen anbot, wurden während des Booms der 90er Jahre Gewinne erzielt (aber auch das war alles nur “Reichrechnerei“). Die “Strategie“ hat sich inzwischen als fatal (O-Ton FTD) erwiesen, weil die Zahl der faulen Kredite stark gestiegen ist. 2002 musste die Bank die “Risikovorsorge“ für faule Kredite auf 514 Mio. Pfund (rund 740 Mio. Euro) verdoppeln. Es versteht sich, dass auch bei Abbey weitere Entlassungen anstehen.
Dieser Einbruch bei den Hypothekenfinanzierern ist das Fanal für den finalen globalen Kopfschuss der “Restsimulation“ – das Platzen der globalen Immobilienblase. Schon zu Anfang eines Artikels des Handelsblattes (HB) vom 16.07.2003 wird das unmissverständlich klar: „An der Drei kommt keiner vorbei. Drei Jahre Aktienkrise, drei Prozent Minizinsen für Anleihen. Ratlos suchen Investoren nach Alternativen – und flüchten zu Immobilieninvestments: eine Eigentumswohnung kaufen und vermieten; sich an einem geschlossenen Immobilienfonds beteiligen und so Miteigentümer eines Bürohauses werden; oder zumindest ein paar Prozent des Wertpapierdepots in einen offenen, täglich verkaufbaren Immobilienfonds anlegen.
Dieser Nachfrageboom trieb in den vergangenen Jahren die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser, Bürobauten und Ladenlokale fast weltweit an. Die Preise stiegen nicht nur, sie stiegen auch mit den höchsten Zuwachsraten aller Zeiten. Das Wirtschaftsmagazin „The Economist“ warnt bereits, die Börsenblase der späten Neunzigerjahre sei abgelöst worden von einer Immobilienblase (mittlerweile ist auch schon wieder von einer neuerlichen (Rest-)Blase an den Aktienmärkten die Rede), die „früher oder später platzen wird“.“ Und eine schon oben angeführte Grafik in der FTD vom 06.06.2003 veranschaulicht dies: In den USA stiegen die Immobilienpreise seit 1995 um 51 Prozent, in Frankreich um 45 Prozent, in der Eurozone um 35 Prozent und in Großbritannien um die schon erwähnten unglaublichen 125 Prozent. Im Vergleich dazu sanken die Immobilienpreise in der BRD in derselben Zeitspanne um fünf Prozent.
Was macht nun diese fiktiven Wertsteigerungen so gefährlich, wie es ja auch schon der Internationale Währungsfond (IWF) konstatierte? Auch dazu ein Auszug aus dem HB-Artikel, der zwar systemisch begriffslos ist (denn schließlich ergibt sich der “Wert“ einer Immobilie auch aus der darin enthaltenen – gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen - Arbeitszeit), aber oberflächlich dennoch deutlich macht, welch ein gigantisches Damoklesschwert über der Weltwirtschaft hängt – allerdings ohne Pferdehaar:
Was ist eine Immobilie wert?
Anders gefragt: Was ist eine Immobilie wirklich wert? Für den Familienvater auf der Suche nach einem Garten für die Kinder mag das eine Frage des Verliebtseins in ein bestimmtes Haus mit einem charmanten Grundstück sein. Doch Profis kalkulieren kühler, und ihre Einschätzung bestimmt langfristig den Marktwert. Investoren vom Fach beurteilen eine Immobilie ausschließlich anhand der Mieteinnahmen, die sich mit ihr langfristig erzielen lassen. Sie ermitteln den fairen Kaufpreis als Vielfaches der auf Dauer realistischen Jahresmiete. Für eine neu gebaute Eigentumswohnung in absoluter Filetstücklage zum Beispiel rechnen sie in Deutschland mit dem Faktor 25, sonst nur mit 20. In Zahlen bedeutet das: Angenommen, eine Wohnung mit 100 Quadratmetern lässt sich – ohne Nebenkosten – für 800 Euro im Monat vermieten. Das sind 9600 Euro im Jahr. Mit dem Faktor 25 ergibt das einen angemessenen Kaufpreis von 240 000 Euro, mit dem 20-fachen sogar nur 192 000 Euro. Keinen Cent mehr. Wer auf das Geschwätz des Bauträgers oder Maklers hereinfällt und mehr bezahlt, der steuert beim späteren Verkauf der Wohnung auf Verluste zu.
Diese Rechenschemata gelten so oder ähnlich weltweit. Doch in vielen ausländischen Märkten wurden sie in den vergangenen Jahren außer Kraft gesetzt: Dort stiegen die Preise der Immobilien schneller als die Mieten – ein untrügliches Zeichen einer bevorstehenden Korrektur. Sollte die kommen, bedeutet das für die Weltwirtschaft Gefahr von einer zusätzlichen Seite. Nach Schätzungen machen Immobilien zwei Drittel des Gesamtvermögens in den Industrienationen aus. Das gilt besonders für die USA. Die scheinbar unendlichen Wertzuwächse ihrer Immobilien gaukeln den amerikanischen Konsumenten einen Wohlstand vor, den sie nach einem Preissturz nicht mehr haben. Sie wirken zusätzlich in den Augen der Banken kreditwürdiger, als sie es mit einem niedriger bewerteten Eigentum wären. Die so oft bestaunte ungebrochene Konsumlust der US-Bürger, Stütze der amerikanischen Konjunktur, beruht zu einem wesentlichen Teil auf diesen beiden Aspekten (aber natürlich ist das auch in Großbritannien so). Das geht so lange gut, wie die Hauspreise nicht nachhaltig abrutschen.
Angst vor japanischen Verhältnissen
Nach einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) trafen bisherige Crashs an den Immobilienmärkten die Konjunktur doppelt so hart wie Börseneinbrüche. „Das zeigt bereits die fatale Entwicklung in Japan Ende der Achtzigerjahre, als der Immobilienmarkt dem Aktienmarkt folgte und die Wirtschaft in eine tiefe Rezession riss“, warnt Tobias Just, Experte der Deutsche-Bank -Tochter DB Research. Der Kollaps im Immobiliensektor war letztlich einer der auslösenden Faktoren für die Deflation, die Japan derzeit zum konjunkturellen Schreckensbild der Amerikaner und Europäer macht. Zumal der Auftrieb der Immobilienpreise in einer nur moderat wachsenden, stagnierenden oder gar schrumpfenden Volkswirtschaft an natürliche Grenzen stößt. Auf Dauer können die Werte der Häuser nicht schneller steigen als das landesweite Einkommen. Wenn Mieter nicht mehr bereit oder in der Lage sind, hohe Beträge für ihre Bleibe zu zahlen, rüttelt das automatisch am Wert des Hauses. Rezession und steigende Arbeitslosigkeit verhindern, dass Immobilien auf Dauer eine Insel des Glücks in einem rundum problematischen Wirtschaftsumfeld sein können. Beispiel Deutschland: Seit Beginn der Konjunkturkrise stieg die Zahl der Zwangsversteigerungen drastisch an. Kamen im Jahr 2000 noch rund 60 000 Häuser unter den Hammer, so waren es 2002 bereits 45 Prozent mehr: 87 000. Noch deutlicher zeichnet sich das inzwischen auf den überhitzten Märkten ab. In Großbritannien fielen im April 2003 die Immobilienpreise mit der höchsten Rate seit acht Jahren, so die Royal Institution of Chartered Surveyors. In den USA allerdings melden nur einzelne Städte Rückgänge des Preisniveaus.
Wie gehabt, muss mensch das alles erst mal richtig sortieren: Zunächst ist da erst mal die Tatsache, dass das Geld eben nicht mehr in Erweiterungsinvestitionen der realen Warenproduktion fließt, sondern generell nur noch spekulativ angelegt wird (wenn derzeit in real warenproduzierende Unternehmen investiert wird, so sind diese Investitionen reine Rationalisierungsinvestitionen, d.h. sie speien noch mehr Menschen aus dem Produktionsprozess aus – siehe auch die diversen anderen Projekte, z.B. `USA`). Das jedoch beruht nicht auf einer “Zockermentalität“, sondern ist auf den simplen Sachverhalt zurückzuführen, dass Erweiterungsinvestitionen auf dem erreichten Produktivitätsniveau schlichtweg reine “Geldverbrennung“ darstellen würden, da die zusätzlich produzierten “Waren“ einfach nicht mehr “gewinnbringend“, ja sogar eben nur noch mit Verlust “verkauft“ werden könnten, d.h. es würde mehr Geld reingepumpt als rauszuholen wäre (de facto ist das in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION generell der Fall: Es gibt nur noch “NEGATIVE WERTSCHÖPFUNG“). (Ein schönes Beispiel, wie real dieser Wahnsinn ist, ist die Autoindustrie: Derzeit stehen nämlich nur in Europa schon mehr als sieben Millionen Neuwagen auf Halde – deshalb werden im Saldo derzeit mehr und mehr Autofabriken dichtgemacht (was den Zusammenbruch der simulierten Kaufkraft noch weiter beschleunigen wird) bzw. die Hersteller bankrottieren (so z.B. die de facto bankrotten Konzerne Fiat; Rover und Ford, aber natürlich sind auch die vermeintlichen “Gewinner“ wie BMW, Daimler-Chrysler, VW usw. hoffnungslos verschuldet – siehe auch Projekte `USA`, `Euroland`, `Deutschland` und `Japan`))
Also wandert das Geld in “Anlagen“, die “gewinnversprechender“ erscheinen – seien es “Aktien“, “Anleihen“ oder eben “Immobilien“. Doch wie mensch weiß, trügt der Schein nur allzu oft – denn dadurch wird nichts als ein künstliches “Nachfragespielchen“ gespielt, was letzten Endes jedoch auch nichts anderes als “cash-burning“ darstellt (beides zusammengenommen, also die Unmöglichkeit weiterer “Realinvestitionen“, aber auch die Unmöglichkeit weiterer “spekulativer Gewinne“, belegt nur eins: die “Akkumulationsunfähigkeit des Kapitals“ (R. Kurz) oder wie Marx es ausdrückte: „Die innere Schranke des Kapitals ist das Kapital selbst“ – oder noch kürzer: Es hat sich aus-gebeutet !!!), da, wie dem Artikel ja schon zu entnehmen war, die zu erzielenden Mieten die für die Immobilien gezahltenSummen nie wieder reinholen können, geschweige denn sogar “vermehren“, was ja eigentlich der (Wahn-)“Sinn“ der ganzen Veranstaltung namens “Kapitalismus“ ist; nämlich die “Verwertung des Werts“. Da dieses “Plus“ alias “Profit“ aber nur in der Produktion generiert werden kann (siehe auch: Karl Marx; `Das Kapital`; Bd. I; - besonders: Zweiter Abschnitt: `Die Verwandlung von Geld in Kapital`), stellt dementsprechend auch der tolle “Mietzins“ nichts als einen Teil bzw. Abzug des “Mehrwertes/Profits“ dar, was in letzter Konsequenz dann auch bedeutet, dass, wenn es keinen “Mehrwert“ mehr gibt, auch kein “Mietzins“ mehr “eingestrichen“ werden kann.
Das stellt sich dann (oberflächlich) folgendermaßen da: Firma XY bankrottiert, das Gebäude seht leer – und schwups ist er dahin, der tolle “Mietzins“. Und was für die Firma XY gilt, trifft im selben Maße natürlich auch auf “Privatpersonen“ zu: “Manager A“ bzw. “einfacher Malocher B“ werden durch den Bankrott der Firma XY arbeitslos und können die “Darlehensraten“ für das schmucke Einfamilienhäuschen bzw. den “Mietzins“ für die Bruchbude nicht mehr aufbringen – und schon ist`s auch hier vorbei mit den “Einnahmen“. (Vor allem an diesem Beispiel zeigt sich die vollkommene Illusion des so genannten “Eigentums“ (was dann in so idiotischen Werbesprüchen wie z.B. “Nie wieder Miete zahlen“ mündet), denn schließlich ist es zunächst einmal völlig egal, ob jemand “monatliche Darlehensraten“ zahlt oder halt “monatliche Miete“ – beides stellt “zu verzinsende, vorgeschossene Geldsummen“ dar (die Manager A – der, wie ja schon erwähnt, systemisch gesehen, ohnehin ein “Kostenfaktor“ ist – bzw. Malocher B dann natürlich “abarbeiten“ müssen). Und selbst, gesetzt die Tatsache, jemand kann die Kaufsumme in toto hinblättern, so müssen auch dann die “laufenden Kosten“ “gedeckt“ werden. Tja, so ist das: Innerhalb der “Verwertung des Werts“ steht alles und jeder unter permanentem “Finanzierungsvorbehalt“ – was selbstredend auch auf so genannte “Staaten“ zutrifft.)
Wenn nun aber nicht nur eine Firma abschmiert und nicht nur “ein paar“ Manager bzw. Malocher arbeitslos werden, sondern Myriaden von Unternehmen bzw. Millionen von Angestellten auf der Strecke bleiben, verschärft sich die “Krise“ natürlich dramatisch (zumal die historische Konstellation in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION eine irreversible und eben noch nie da gewesene ist - noch einmal: “Geschichte“ ist kein “Zyklus“, sondern ein einmaliger “Prozess“). Und genau das ist derzeit der Fall (allerdings läuft dieser Prozess schon seit über 20 Jahren – so sind allein in der BRD seit den 80er Jahren mehr als 5 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe abgebaut worden). Seit dem Zusammenbruch der Aktienspekulation im Jahr 2000 werden die zuvor auf Pump hochgezogenen “Überkapazitäten“ sukzessive stillgelegt, sei es durch die wegbrechende doppelt simulierte Kaufkraft (z.B. stehen in den USA Millionen Menschen vor dem Nichts, da ihre “Aktienanlagen“, aus deren “Dividenden“ sie ein Teil ihres Konsums finanzierten bzw. mit denen sie Konsumkredite absicherten, sich in Rauch auflösten) – was dann “Käuferstreik“ genannt wird, in verschärftem Maße durch die “Entwertung“ aufgrund neuer, produktiverer Herstellungsmethoden (z.B. die mittlerweile als Standard geltende 300-Millimeter-Wafer-Technik bei der Chipherstellung, mit der doppelt so viele Chips wie bislang üblich mit einem Bruchteil der früheren Belegschaft gleichzeitig hergestellt werden können – siehe auch z.B. Motorola (hat jüngst seine Chipsparte “ausgelagert“) im Projekt `USA`) – oder halt durch den schlichten Bankrott der Unternehmen, die aufgrund der wegbrechenden “Nachfrage“ (ganz egal, ob es sich dabei um “private Nachfrage“ oder “Nachfrage von Unternehmen“ handelt) ebenfalls ihre Kredite bzw. “laufende Kosten“ nicht mehr (zurück-)zahlen können.
Gerade die Voodoo-Ära der “New Economy“ mit ihren zahlreichen “IT-Dienstleistern“, “Internet-Designern“, “Investmentbankern“ und anderen Koksgestalten hinterließ dabei, nachdem sie ihr Scheinleben ausgehaucht hatte, nur noch leere Ruinen – was zu teilweise dramatischen Leerständen bei Büroflächen führte (dazu, welch verheerenden Rückschlag das wiederum auf die reale Warenproduktion hat, weiter unten in Bezug auf solche Unternehmen). Wie verheerend der Kahlschlag war, kann mensch zwei Artikeln aus der FTD sowie der Welt entnehmen. Die Welt, 27.02.2003: “Jersey City (New Jersey, USA) erlebte nur eine kurze Karriere als Finanzzentrum“ – „Als die Büros der Finanzinstitute an der New Yorker Wall Street aus allen Nähten zu platzen drohten, brach auf der anderen Seite des Hudson River in Jersey City der Bauboom aus. Doch dann stoppten drei Jahre der Aktienflaute an den Börsen die Kräne und Bagger. Investmentbanken wie Merrill Lynch & Co. oder Charles Schwab Corp. strichen insgesamt mehr als 75.000 Stellen und zogen sich wieder nach Manhattan zurück (aber auch da stehen massig Bürogebäude leer). Seit 2000 hat sich der Leerstand in den Bürogebäuden von Jersey City auf 16,5 Prozent verdreifacht.“ Und in Bezug auf London heißt es in der FTD vom 18.10.2003: “Der City of London laufen die Mieter weg – Höchster Leerstand im Finanzdistrikt seit Rezessionsjahr 1991“ Der Büroleerstand in der Londoner City hat mit 14 Prozent (2000: 2,5 Prozent) den höchsten Stand seit 1991 erreicht, und Analysten erwarten noch Schlimmeres. Nachdem in den letzten beiden Jahren rund 35.000 Jobs im Finanzsektor gestrichen worden waren, haben die Vermieter im Londoner Finanzdistrikt ähnliche Probleme wie ihre Kollegen in Frankfurt. Auch in der kontinentaleuropäischen Finanz-Hauptstadt stehen nach mehreren Entlassungswellen zahlreiche Büroetagen leer – und drücken massiv auf die Preise. Nach einer Studie der Immobilienberatungsfirma Jones Lang LaSalle (JLL) gab es im dritten Quartal 2003 ein Viertel weniger Neuvermietungen als im Durchschnitt der vorangegangenen 18 Monate. Die selbe Sprache sprechen auch die Statistiken für Mieterlöse. Sie sind bei Neuvermietungen in der Londoner City um 13 Prozent gefallen. Immobilien im Wert von 3,6 Mrd. Euro sind laut Studie derzeit in der City im Angebot.
Wie absurd die Lage mittlerweile ist, geht aus der anschließenden Passage hervor: „Immobilienfirmen greifen deshalb zu drastischen Mitteln, um neue Mieter zu gewinnen. Zum Beispiel erhalten Kunden zunächst ihr Objekt auf begrenzte Zeit mietfrei. „Solche Zugeständnisse haben stark zugenommen“, sagt Nick Baucher vom Immobilienentwickler CB Richard Ellis.“ Zweifelsohne wird sich das noch verschärfen, denn: „Trotz der großen Leerstände wird weiter kräftig gebaut (genauso wie in der Autoindustrie): Der Zählung von JLL zufolge befinden sich derzeit in der City knapp 300.000 Quadratmeter Bürofläche im Bau. Die Planung hatte noch zu Boomzeiten begonnen.“
(zum Vergleich sei hier ein von der Investmentbank Lehmann Brothers bezogenes, neu fertig gestelltes 30-stöckiges Bürohaus angeführt – Fläche: rund 93.000 Quadratmeter) – Es mag aberwitzig klingen, aber mensch fühlt sich dabei ein wenig an die Astronomie erinnert – nämlich, dass, wenn das Licht eines Galaxien entfernten Sterns auf die Erde trifft, der Stern, von dem das Licht ausging, womöglich schon gar nicht mehr existiert. Aber nicht nur in dieser Hinsicht wirkt das Ganze absurd: Denn obwohl, wie gezeigt und zitiert, die Lage sich noch weiter zuspitzen wird und schon Immobilien im Wert von 3,6 Mrd. Euro zum Verkauf stehen „legen gerade die deutschen Immobilienfonds ihre Mittel dennoch weiter in London an. Auf das Konto von Degi und DB Real Estate gingen fünf der sieben größten Deals.“ – auch ein Zitat mit astronomischer Analogie: Warum das Geld nicht gleich in ein schwarzes Loch werfen ???
Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auch noch auf das Projekt `China` bzw. auf einen Artikel des Handelsblattes vom 19.11.2002 (ein echter Hammer) mit der Schlagzeile: “Immobilienkrise droht Chinas Banken zu sprengen“ – vor allem für diejenigen, die dort ein Paradebeispiel für einen “Aufschwung“ ausgemacht haben wollen.
Aus den bisher angeführten Tatsachen wird ersichtlich, dass es mit den noch in der tollen Beispielsrechnung erwähnten “kühl kalkulierenden Profis“ nicht allzu weit her sein kann, denn gerade im gewerblichen Bereich wimmelt es doch nur so von solchen “Profis“. Doch auch im “privaten Bereich“ hat es sich “ausgeprellt“, mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass durch “Prellerei“ natürlich kein Jota “Mehrwert/Profit“ generiert wird – wie mensch unschwer dem schon angeführten Abschnitt `Die Verwandlung von Geld in Kapital` des ersten Bandes des `Kapitals` entnehmen kann (vor allem die Absätze: `Unerklärlichkeit des Mehrwertes aus der Übervorteilung des Konsumenten` und `Unerklärlichkeit des Mehrwertes aus wechselseitiger Prellerei` - denn wenn z.B. Geldbesitzer A Geld mit dem Wert von 100.000 gegen Ware des Warenbesitzers B im Wert von 80.000 tauscht, bleibt die Wertsumme dennoch 180.000; es ist also kein Bisschen “Mehrwert“ entstanden) Begriffslos gibt das auch der Verfasser des HB-Artikels wieder, wenn er davon redet, dass „Rezession und steigende Arbeitslosigkeit verhindern, dass Immobilien auf Dauer eine Insel des Glücks in einem rundum problematischen Wirtschaftsumfeld sein können.“ – was in einem “rundum problematischen Wirtschaftsumfeld“ (das in Wirklichkeit der Untergang des warenproduzierenden Systems ist) natürlich nichts anderes heißt, als dass aus der Krise des Schuldners postwendend die Krise des Gläubigers wird, und zwar im doppelten Sinne: Zunächst einmal muss dabei festgestellt werden, dass “Rezession“ und “Arbeitslosigkeit“ generell in einem ursächlichen Zusammenhang stehen
Posted by: Olaf / 6:44 AM
Monday, September 22, 2003Russland, Osteuropa und Balkan - (wird die nächsten Tage ergänzt)
Ähnlich wie in Hinsicht auf die ehemaligen Tigerstaaten in Südostasien (mittlerweile firmieren nur noch Japan und China unter diesem Begriff – so ändern sich die Zeiten) wurde lange Zeit auch von den “riesigen neuen Märkten“ in Osteuropa bzw. Russland schwadroniert. Doch je näher die Osterweiterung der EU rückt, desto schräger wird der einstige Lobgesang der neoliberalen Auguren und Gesundbeter des Markt-Staat-Systems. Plötzlich tauchen an allen Ecken und Kanten Risse im Konstrukt auf, und es dämmert den Marktwirtschaftsheroen, dass dieses Ereignis ihre eigene Beerdigung sein wird.
Wie auch schon in den Projekten `China` und `USA` wird hier kein affirmativer Bezug auf Dorian-Gray-Staaten genommen, sondern die sich rapide beschleunigende finale globale “Krise“ eben jenes Markt-Staats-Systems auch empirisch belegt. Und wie in den anderen Projekten, wurden auch hier die verwendeten Daten aus der allgemeinen Tagespresse bzw. frei zugänglichen Quellen aus dem Internet entnommen, wobei es (genau wie in Bezug auf `China`) sehr schwierig war, etwas über einzelne Unternehmen zu erfahren.
Was aber zu erfahren war, ist die Tatsache, dass die allseits bejubelten “Wachstumsraten“ ebenso wie in China nichts als eine “Deficit-Spending-Luftnummer“ sind bzw. auf “Kapitalexport“ (doch nicht mehr im “marktexpansiven“ Sinn, sondern als reine Produktionsverlagerung aus “Kostengründen“) beruhen. Und gleich den vorhergehenden Projekten, lassen sich diese Daten nur mit der exakten Metapolation der Marx`schen Krisentheorie `Die Himmelfahrt des Geldes` (Robert Kurz; in: `Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft`; (Zeitschrift) Ausg. 16/17; Horlemann-Verlag; 1995; www.krisis.org ) in Kohärenz bringen bzw. dechiffrieren (ergänzend dazu empfiehlt sich noch: Robert Kurz; `Der Kollaps der Modernisierung`; Reclam-Leipzig; 1993; (Taschenbuchausgabe) sowie Robert Kurz; `Schwarzbuch Kapitalismus`; Abschnitt: `Die Geschichte der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION`; Taschenbuchausgabe 2001).
Als Zombie Nummer eins ist dabei natürlich Russland zu nennen, wo mittlerweile zwei Drittel der ca. 145 Mio. Einwohner auf einem Lebensstandard am oder gar unter dem “Existenzminimum“ leben (welches nach offiziellen Kriterien schon de facto auf Slum-Niveau angesiedelt ist), inklusive Zerfall sämtlicher Sozialleistungen wie kostenlose Bildung und Medizin (Spiegel, 29/2003). Dementsprechend ist auch die Lebenserwartung mittlerweile auf 59 Jahre gesunken. Und dennoch wird wie im Fieberwahn unablässig vom “schlafenden Riesen“ geredet. Wie abgrundtief absurd diese Bezeichnung ist, zeigt sich schon bei Betrachtung der Rahmendaten (entnommen aus: Spiegel-Jahrbuch 2003): Nach offiziellen Angaben betrug das Bruttoinlandsprodukt 2001 ganze 241 Mrd. US-Dollar bzw. 1660 Dollar pro Kopf (wovon jedoch schätzungsweise 36 Prozent (bis zu 110 Mrd. US$) die "Schattenwirtschaft“ produziert, die bekanntlich meist keine Steuern zahlt).
Im Vergleich dazu betrug allein das BIP Nordrhein-Westfalens (ca. 17 Millionen Einwohner) 2002, obwohl um 0,3% geschrumpft, immer noch 459 Milliarden Euro (das macht ca. 33 400 Euro pro Einwohner, bezogen auf die real Erwerbstätigen dann sogar 55.000 Euro) (SZ, 06.02.2003), d.h. das BIP Russlands ist gerade mal halb so groß wie das von NRW.
Erst recht nur noch blankes Kopfschütteln in Hinsicht auf die Hurra-Apostel bleibt, wenn mensch sich die Eckdaten der Wirtschaft in den USA, Japan, der Eurozone und Deutschland ansieht: So betrug das BIP der USA 2002 11047,5 Mrd. Euro (288 Millionen Einwohner (EW)), das Japans 4241,5 Mrd. Euro (127,4 Millionen EW), in der gesamten Eurozone 7050 Mrd. Euro (307,8 Millionen EW) und in der BRD 2108,2 Mrd. Euro (82,5 Millionen EW) (Entnommen aus FTD `Kompass`, Rubrik: Politik und Wirtschaft – Quellen: Bundesbank, Eurostat, OECD, IWF, WTO). Zusammengenommen (USA, Japan und Eurozone – was auch heißt, dass Länder wie Schweden und die Schweiz noch gar nicht enthalten sind) erwirtschafteten also 723,2 Millionen Menschen ein BIP von 22339 Mrd. Euro, was berechnet auf die Einwohnerzahl Russlands ein BIP von 4467,8 Mrd. Euro ergibt, und somit das 18-fache oder 1800 Prozent des russischen BIP. Pro Kopf macht das in etwa 32.000 Euro, d.h. grob gerechnet das 20-fache oder 2000 Prozent. (zu der Tatsache, dass das so genannte BIP ohnehin ein nur relativ aussagekräftiges, da begriffsloses VWL-Konstrukt, ist, siehe auch Projekt `USA`)
Und so kann mensch denn auch dem Spiegel-Jahrbuch 2003 entnehmen: „Trotz der institutionellen Reformen (“Reformen“ à la `China`) ist die russische Wirtschaftsstruktur nicht so stark, wie die konjunkturellen Daten vermuten lassen. Ein Vergleich belegt den Unterschied: Der geplante US-Verteidigungshaushalt für 2002/03 ist mit 393 Mrd. US- Dollar rund sechsmal so groß wie die zentralen Staatsausgaben Russlands 2002 (natürlich sind auch die USA ein “Toter auf Abruf“ – siehe unten bzw. Projekt `USA`). Zwar entstehen schon 70 Prozent des BIP im privaten Sektor, doch tragen die flexiblen und innovativen Klein- und Mittelbetriebe (also brutale Ausbeuterklitschen) gerade mal 10 Prozent dazu bei (zum Vergleich Polen: etwa 50 % (zur “Luftnummer“ “Polen“ weiter unten), EU 63 %). Der Bankensektor bleibt fragil, die Bankenreform (immer noch 1200 Geschäftsbanken) ist auch nach der Ablösung des Zentralbankchefs Geraschtschenko im März 2002 nicht vorangekommen.
Ein Indiz für das mangelhafte Banken- und Finanzsystem ist die anhaltende Kapitalflucht von 17 Mrd. Dollar, die im Jahr 2001 über den 10 Mrd. Dollar Auslandsinvestitionen lag. Eine Amnestie für Kapitalflüchtlinge soll das Geld nach Russland zurückbringen. Etwa 10 Prozent aller umlaufenden Dollarscheine sind gefälscht (überhaupt ist der Rubel nur noch eine “Armen-Währung“ – ein untrügliches Zeichen des sozialökonomischen Zerfalls). Heimische Finanzressourcen (private Ersparnisse) bleiben für die Investitionsfinanzierung großenteils ungenutzt, die Kreditvergabe ist rückläufig. Eine Folge: Die Kapitalinvestitionen sind zu niedrig. Beispielsweise arbeiten mehr als die Hälfte der Maschinen zur Elektrizitätserzeugung über ihre veranschlagte Produktionsdauer hinaus. Russland steht deshalb in jedem Winter vor Stromengpässen. Der Energiemangel wird zu einem Wachstumshindernis (typisch bürgerliche Denke: in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION wird weiterhin von “Wachstum“ fabuliert). Obwohl mit dem gigantischen Gasfeld "Sapoljarnoje" im arktischen Russland (geschätzte Reserven 3,3 Billionen Kubikmeter) das erste Feld dieser Art seit dem Fall der Sowjetunion im Oktober 2001 in Betrieb ging (dreimal darf mensch raten, wer das finanziert hat), sind die Investitionen im Erdgas- und Erdölbereich im mittelfristigen Durchschnitt niedriger als vor 1990.“
Und für alle diejenigen, die mal wieder MEINEN, dass Russland ja weit weg sei, dazu noch einen passenden Beitrag aus dem Handelsblatt vom 21.05. 2003: “Die sichere Energieversorgung Europas steht auf dem Spiel“ – “Russland benötigt Hunderte Milliarden Dollar Investitionen in seine Energiewirtschaft“. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur und des russischen Energieministeriums sind dafür 660 bis 810 Mrd. Dollar erforderlich (siehe auch Projekt `USA`) – „“zumindest“, wenn der Sektor nicht zusammenbrechen soll“ (so sind z.B. von den 212 800 km Pipelines, trotz teilweiser Erneuerung, große Teile überholungsbedürftig). „Das nämlich hätte verheerende Folgen auch für die Energieversorgung Europas. Denn Russland liefert ein Fünftel des in Europa verbrauchten Erdöls und 47 Prozent des europäischen Erdgasbedarfs (laut Spiegel-Jahrbuch 2003 liefert Russland 53 Prozent seines Erdöls und 63 Prozent seines Erdgases in die EU (in Bezug auf die BRD ist die Lage noch prekärer: die BRD bezieht 29 Prozent des Erdöls und 36 Prozent des Erdgases aus Russland) – was das angesichts der auch hier zusammenbrechenden Verwertungsmaschine für verheerende Auswirkungen auf Russland haben wird, bedarf wohl keiner näheren Analyse). ... Um einen Zusammenbruch zu verhindern, sind aber allein in der Gasindustrie zum Erschließen neuer Vorkommen und zur Unterhaltung und Modernisierung der Infrastruktur 170 bis 200 Mrd. Dollar nötig, in der Ölindustrie sogar 230 bis 240 Mrd. Dollar; für die Stromwirtschaft hat das Ministerium 120 bis 170 Mrd. Dollar errechnet.“
Angesichts der in 2000 kollabierten Wachstumssimulation alias Börsencrash (das jähe Ende der “Kapitalisierung der Zukunft“) und der gigantischen globalen Verschuldung (“Verpfändung der Zukunft“ - allein die USA weisen eine Gesamtverschuldung von 32 000 000 000 000 (Billionen) Dollar (siehe Projekt `USA`) auf, aber auch die BRD hat nur an Staatsschulden ca. 4 500 000 000 000 (Billionen) Euro aufgetürmt) wird deutlich, dass diese Herkulesaufgabe in der Geldform nie zu schultern sein wird, weder in “konzertierter Aktion“ - und schon gar nicht von Russland allein. Denn nimmt mensch das BIP Russlands zur Grundlage, so müssten die Einwohner drei bis vier Jahre das Essen, Trinken etc. einstellen, um, wie schon erwähnt, “zumindest“ den Zusammenbruch der Energieversorgung zu verhindern.
Klar, dass angesichts solch gewaltiger Summen der russische Gaskonzern Gazprom vor den in einer Studie der Energieexperten (ja, ja – die “Experten“) von Boston Consulting Group (BCG) binnen fünf Jahren geforderten Investitionen in die Erschließung von Gasfeldern im Eismeer, auf der Jamal-Halbinsel und in Ostsibirien zurückschreckt. Stattdessen hat sich Russland bzw. Gazprom (aber das ist nicht nur in Russland nicht so genau zu unterscheiden) die Gasvorkommen Turkmenistans gesichert. Um, wie es ein Moskauer Gasexperte sagt, in Hinsicht auf die Investitionen “Zeit zu gewinnen“, habe der Konzern deshalb einen Langfristvertrag über den Bezug von 3 Bill. Kubikmetern turkmenischen Erdgases in den nächsten 25 Jahren vereinbart (dafür verlangt Turkmenistans Diktator Sapamurad Nijasow, dass alle 100 000 Russen “sein“ Land verlassen – ein echt feiner “Deportations-Deal“). Mit dem Iran und Kasachstan führt Gazprom ebenfalls Kaufverhandlungen. Damit, so Stephan Deering von BCG in Moskau, werde Gazprom immer mehr vom Förderer „zum Gashändler“ – also der de facto-Abschied aus der Produktion (d.h. aus “Zeit gewinnen“ wird der gute alte “Sanktnimmerleinstag“). Und in der Geldform ist das auch logisch: Müsste der Konzern die Investitionen nämlich streng kapitalistisch “seriös“ aus den erzielten “Profiten“ “finanzieren“ (2002 erwirtschaftete Gazprom einen “Reingewinn“ von 1,76 Mrd. Dollar, 2001 2,37 Mrd.) so wären (bezogen nur auf die Investitionen in die Gasindustrie) die Gewinne der kommenden 100 Jahre dafür aufzuwenden. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass auch Gazprom Schulden in Höhe von 13,2 Mrd. Dollar aufgetürmt hat, und allein dafür schon gut sieben Jahre “Gewinn“ abgezogen werden müssen. Alles klar ?!?
Ganz nebenbei hat besagter Deal auch noch eine fatale “Nebenwirkung“: Dadurch fehlt nämlich das turkmenische Erdgas für die geplante Pipeline von Turkmenistan über Afghanistan nach Indien und Pakistan. Dieser Transit wiederum sollte Geld in die leeren Kassen des zerstörten Afghanistans spülen – ein Plan, der nun selbstverständlich nicht mehr aufgeht (HB, s.o.).
Nicht weniger katastrophal wird sich die von Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann (Ruhrgas gehört mittlerweile zum Eon-Konzern) geforderte “Neue Preispolitik“ auswirken (Eon bzw. Ruhrgas ist mit 6,5 Prozent der größte ausländische Anteilseigner – insgesamt liegt der offiziell bekannte Auslandsbesitz am Gazprom-Kapital derzeit bei 11,5 Prozent. Größter Aktionär ist mit 39,3 Prozent nach wie vor der russische Staat, weitere 6,6 Prozent hält Gazprom als eigene Aktien. Russische Privatpersonen (also die Mafia) sind mit 15,5 Prozent beteiligt – merkwürdig: zählt mensch alle Prozentzahlen zusammen, ergibt das gerade mal 70 Prozent.) . Der ebenfalls im Aufsichtsrat von Gazprom sitzende Sparten-Chef “rügte“ Ende Juni 2003 Gazproms “flauen Ertrag" (FTD, 30.06.2003). Er monierte vor allem die niedrigen Inlandspreise, die nur ein Fünftel so hoch wie die im Export erzielten lägen (Laut Aussage von Vize-Wirtschaftminister Andrej Schadoren (Handelsblatt, 21.05. 2003) beträgt der Inlandspreis derzeit 23,1 Dollar pro 1000 Kubikmeter, der Exportpreis nach Spiegeljahrbuch 2003 110 Dollar).
Welch dramatische Auswirkungen eine drastische Erhöhung dieser “politischen Preise“ auf die sozialökonomische Lage Russlands hätte kann mensch ebenfalls dem Artikel des Handelsblattes entnehmen (diese Passage zeigt auch sehr schön die irrwitzige “Rationalität“ der Betriebswirtschaft): „Während Gazprom für turkmenisches Erdgas 50 Dollar pro 1000 Kubikmeter bezahlen muss, benötigte der Konzern bei der Entwicklung der teuren neuen eigenen Felder einen Binnenmarkt-Gaspreis von 59 bis 61 Dollar (netto ohne Mehrwertsteuer und Transportkosten) im Jahr 2010. Diese Forderung weist Vize-Wirtschaftsminister Andrej Schadoren zurück: „45 bis 50 Dollar sind das Maximum:“ “ – Bereits zu Anfang 2002 hatte eine neugebildete “Preisagentur“ die Preise für Strom und Gas um 20 Prozent erhöht und schon diese Anhebung hatte erhebliche Auswirkungen sowohl auf die “Konkurrenzfähigkeit“ der (natürlich oftmals maroden und massiv subventionierten) russischen Industrie (natürlich auch bedingt durch die vergleichsweise niedrigen Auslandsinvestitionen) als auch auf die gesamtgesellschaftliche Lage (Reduzierung der ohnehin nur minimalen Kaufkraft, noch mehr Verelendung).
Natürlich sind neben der Energiewirtschaft auch weitere Bereiche der russischen Infrastruktur marode wie z.B. großenteils die 159 000 Kilometer Schienennetz bzw. die veraltete Ausrüstung der Bahn (90 Prozent der Züge), die dazu noch unter permanenter Finanznot leidet, obwohl sie mit jährlich 10 Mrd. Euro subventioniert wird. Nicht besser steht es um die 584 000 km Straßennetz. Autobahnen nach westlichem Standard gibt es nicht (aber natürlich verfallen auch die westlichen zusehends). Der schlechte Straßenzustand erhöht die Transportkosten, die oft die Hälfte der Herstellungskosten betragen. Auch die Luftflotte hat mehr oder weniger Ikarus-Format: 70 Prozent aller Flugzeuge entsprechen nicht mehr den westlichen Standards (was aber auch die westlichen Airlines, die eben diesem Standard entsprechen, nicht daran hindert zu bankrottieren - siehe die diversen Projekte wie z.B. `USA`). Quasi abgewrackt ist auch die Handelsflotte die 2001 über 1644 Schiffe verfügte - weltweit durchschnittlich die ältesten der Branche. Halt der gute alte “Seelenverkäufer“.
Absurd ist der Abschnitt über die Landwirtschaft in der laut Spiegel-Jahrbuch 2003 12,6 Prozent aller Beschäftigten tätig sind. So heißt es da, „dass 80 Prozent der 84,7 Mio. ha Ackerfläche von Großbetrieben bewirtschaftet werden, 7 Prozent von Familienbetrieben und 6 Prozent sind Privatgärten. Die Großbetriebe produzierten nur 43 Prozent des Wertes aller Agrarerzeugnisse, die Privatgärten dagegen liefern wie zu Sowjetzeiten (was definitiv nicht stimmt) 93 Prozent aller Kartoffeln und 80 Prozent des Gemüses, besitzen 64 Prozent aller Ziegen und Schafe und 41 Prozent des sonstigen Viehbestands“. – Eigentlich wird damit aber nur festgestellt, dass ein Großteil der Nahrungsmittel in schierer Subsistenz produziert werden, während die Großbetriebe aufgrund der maroden Infrastruktur und Maschinen sukzessive verfallen. Dieser Abschnitt dokumentiert nichts anderes als den Untergang der sozialökonomischen Diversifizierung – also den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Arbeitsteilung.
Ein weiteres massives Problem Russlands sind seine 150 Mrd. Dollar Auslandsschulden. Zwar wurde aufgrund eines positiven Außenhandelsüberschusses von 49,4 Mrd. Dollar in 2001 (der natürlich mit den bisherigen Auslandsinvestitionen in die Erschließung von Erdöl-/Erdgasfeldern zusammenhängt) erstmals seit 1991 der Schuldendienst ans Ausland mit 13,75 Mrd. pünktlich erfüllt (2002 waren 13,77 Mrd. Dollar fällig, 2003 dann 18,36 Mrd.), doch macht der Schuldendienst 2001 gut 4,9 Prozent vom BIP aus – und das angesichts der verheerenden sozialökonomischen Lage.
Vor allem im Gesundheitswesen sind die Zustände katastrophal und gerade mal 4,6 Prozent des BIP (und diese Zahl stammt noch aus dem Jahr 1997 !!!) gehen in die öffentlichen Gesundheitsausgaben. Aids und Syphilis breiten sich weiter aus (Tuberkulose 2001 erstmals um 0,7 % gesunken: 133 000 Neuerkrankungen und 30 000 Tote). Die Zahl der registrierten HIV-Infizierten hat sich 2001 auf über 180 000 mehr als verdoppelt. Nur jedes dritte Kind wird gesund geboren, die Säuglingssterblichkeit liegt nach “offiziellen Angaben“ bei 14,7/1000 – Wie wenig aussagekräftig in diesem Zusammenhang z.B. die Zahl der Ärzte von 4,7/ 1000 Einwohner ist konnte mensch in einem Beitrag des ARD-Weltspiegels im August 2003 erfahren, in dem über den Exodus von 50.000 sibirischen Dörfern berichtet wurde, in die weder Güter noch medizinische Hilfe mehr gelangen. Einzig ein alter pensionierter Arzt machte hin und wieder seine Runde. Als “Sahnehäubchen“ wurden ab 1. Januar 2002 Medikamente mit Mehrwertsteuer (10 % ) belegt – und das bei ohnehin schon himmelschreiender Armut.
Das staatlich festgelegte Existenzminimum betrug im März 2002 monatlich 1719 Rubel (63 Euro nach Wechselkurs, die interne Kaufkraft liegt (angeblich) höher) und wird von 47,7 Mio. Einwohnern nicht erreicht (also einem guten Drittel – und auch hier wieder sind es nur die offiziellen Angaben). Die meisten der rund 38 Mio. Rentner erhalten seit 1. Januar 2002 Minimalrenten (702 Rubel = 26 Euro) oder Durchschnittsrenten (1320 Rubel = 49 Euro), wenige die Maximalrente von 1600 Rubel. Das Existenzminimum für Pensionäre Ende 2001 betrug 1197 Rubel.
Nur noch an das MINISTRY OF TRUTH kann mensch denken, wenn von einer Arbeitslosenquote von nur 9 Prozent die Rede ist, bei einer angeblichen “Beschäftigtenzahl“ von 65 Mio. Ebenso wird von einer “Reallohn“- bzw. “Realrentensteigerung“ von 19,8 bzw. 22,6 Prozent gefaselt, jedoch gleichzeitig eine 18,6-prozentige Inflation angeführt, was aus den “Steigerungen“ de facto Kürzungen werden lässt (alle Daten aus Spiegel-Jahrbuch 2003). Und naiv unbedarft heißt es dann auch: „Trotzdem ist die Kaufkraft beispielsweise bei Fleisch und Milch niedriger als 1913. Bekam man damals für ein Monatsgehalt noch 49 kg Fleisch, so waren es 2002 nur noch 20 kg.“ Keine Frage: Alles wird gut.
(Dieser Abschnitt verdeutlicht nebenbei wie begriffslos die Anbeter des Geldes sind. Denn wie heißt es so schön in einem Artikel des Handelsblattes vom 18.09.2003: “Russland öffnet Versicherungsmarkt“ – „Russlands Versicherungsmarkt, der im vorigen Jahr umgerechnet 9,5 Mrd. Euro Prämienaufkommen ausmachte, boomt: „Es ist ein riesiger Wachstumsmarkt mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten über mindestens zehn Jahre“, sagte Klaus Junker, Bereichsleiter für Mittel- und Osteuropa der Allianz AG. „Vor allem mit der beginnenden “Pensionsreform“ (die de facto der Zusammenbruch des staatlichen Rentensystems ist – siehe auch die diversen anderen Projekte, wie z.B. `Großbritannien`) kommt ein Schub. Denn noch ist der Markt gar nicht entwickelt." Wie groß die Chancen noch sind, zeigt ein Vergleich: Deutsche geben jährlich im Schnitt 1 550 Euro für Versicherungen aus, Russen aber nur 60 Euro pro Kopf und Jahr.“ – Ohne Worte, zumal ja derzeit auch die Versicherungen selbst kollabieren (das jähe Ende des Schneeballsystems des „sich aus sich selbst vermehrenden Geldes“).)
Angesichts solcher Verelendung verwundert es kaum, dass ein “Wirtschaftszweig“ Furore macht – mit allen daraus nachfolgenden “Begleiterscheinungen“: „Insgesamt wurden 2001 rund 13,1 Mio. Hektoliter Wodka und sonstige Spirituosen produziert, ein Plus von 8,4 Prozent, der Bierausstoß stieg um 21 Prozent auf 4,4 Mio. Hektoliter. Durch Gewalt, Unfälle, Alkoholmissbrauch und Selbstmorde sterben mehr Menschen als an Krebs.“
Nicht weniger verwundert es, dass in einem solchen Zustand der Verwesung Korruption und Kriminalität gedeihen: „Mehr als die Hälfte der Russen traut ihrer Polizei nicht (wer hätte das gedacht). Die Kriminalität wächst: Experten schätzen, dass es etwa 12 000 Verbrecherorganisationen gibt, meist mit Verbindung zu Politikern und Spitzenbeamten. 400 Banden operieren international. Einige haben innerhalb der EU ein funktionierendes Geldwäschesystem aufgezogen. 70 Tonnen Drogen wurden 2001 sichergestellt, 46 Prozent mehr als im Jahr zuvor.“
Und weiter: „Korruption ist weit verbreitet: Umgerechnet fast 37 Milliarden Dollar wurden 2000 und 2001 als Schmiergeld gezahlt, der Hauptteil (33,5 Milliarden Dollar) im Bereich der Wirtschaft ging an Kommunalbeamte. Ärzte (600 Millionen Dollar), Universitätsbeamte (449 Millionen Dollar) und Gerichte (274 Millionen Dollar) griffen auch kräftig zu. Der neue Eisenbahnminister entließ Anfang 2002 mehrere hundert Mitarbeiter, doch die weit verzweigten Imperien des Atom- und des Verteidigungsministeriums wurden bisher nicht angetastet.“ – Natürlich sind auch diese asozialen Figuren mit ihrem Latein am Ende, wenn demnächst Dollar, Euro und Yen genauso wertlos sind wie der Rubel, der schon lange nicht mehr rollt.
Wie vollkommen verkommen und doch unsäglich begriffslos die Neo-Nomenklatura ist, geht aus einem Statement über den russischen Präsidenten Putin hervor: „Präsident Putin lässt keinen Zweifel daran, dass er Russland mit westlicher Hilfe (tja, Vladimir – Pech gehabt - der Westen braucht selber dringend Hilfe), "gelenkter Demokratie" und einer zentralen Führung in Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und (Rüstungs-)Technologie innerhalb der nächsten 15 Jahre modernisieren will. In seinem dritten Bericht zur Lage der Nation am 18. April 2002 forderte er seine Regierung auf, mehr für das Wirtschaftswachstum zu tun, denn "den Platz unter der Wirtschaftssonne (die geht aber gerade global unter und wird zur “Nacht ohne Morgen“) müssen wir uns selbst erkämpfen". – wobei er sich gerade innenpolitisch in Bezug auf Kritiker natürlich weiterhin auf seine Ex-Kollegen vom Geheimdienst verlässt. - Allen Ernstes hatte Putin Mitte August 2003 dann auch noch verkündet, das BIP bis 2010 verdoppeln zu wollen (kleine Anmerkung: Um dies zu erreichen müsste das jährliche Wachstum 10 Prozent betragen !!!).
Wie grotesk dieser “Ukas“ ist, verdeutlicht auch ein Artikel der FTD vom 21.08.2003: “Weltbank bezweifelt Putins Wachstumsziel“ – In diesem Artikel ist zwar von einem 7,2-prozentigem Anstieg allein in der ersten Jahreshälfte 2003 die Rede, wovon jedoch für fast die Hälfte dieses “Wachstums“ der so genannte “Kohlenwasserstofffaktor“ verantwortlich war, d.h. dass die russische Wirtschaft von der Irak-Krise profitierte, in deren Verlauf der Preis für russisches Öl um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr anstieg. Und allein dieser Ölpreisanstieg konnte Russland vor erneuten Verhandlungen mit dem “Pariser Club“ retten – dem internationalen Forum für überschuldete Staaten (die so genannte “Leichen-Liga“). Fünf Jahre nach der verheerenden Finanzkrise von 1998 befindet sich die russische Wirtschaft de facto sogar in einer noch prekäreren Lage als damals: Denn dadurch, dass infolge dieses Zusammenbruchs auch die Importe drastisch einbrachen (mensch erinnere sich: Russland war zahlungsunfähig), resultierte daraus ein weiterer riesiger “Investitionsstau“ (siehe russische Energieversorgung & Co.). Dass lässt sich, wie ein Banker einer “Geberbank“ in besagten Artikel feststellt nun nicht länger aufschieben – er umschreibt es nur ein wenig heuchlerisch: nach seiner Ansicht „sei ein wachstumsintensiver Prozess nach dem Zusammenbruch von 1998 mittlerweile beendet: der Ersatz von Importen durch heimische Produktion (wo er diese ausgemacht haben will, bleibt sein Geheimnis – denn wie heißt es so schön im Weltbankbericht: „Um das angestrebte Wachstum zu erreichen, muss sich die Produktivität der russischen Unternehmen deutlich erhöhen.“ – wofür diese aber zuerst moderne Maschinen bräuchten, die aber halt auch erst mal “bezahlt“ werden müssen (such die “Devisen“)), der durch die massive Abwertung des Rubels in Gang gesetzt worden war (das war keine “Abwertung“, sondern “Freier Fall“).“ Und passend dazu titelte die FTD vom 30.09.2003: “Russlands Vorbehalt gegen WTO wächst – Parlamentsabgeordnete und Unternehmer sprechen sich gegen raschen Beitritt aus“ – Kein Wunder: Würden die Zombie-Industrien der weltweiten Konkurrenz ausgesetzt, wären diese binnen kürzester Zeit plattgewalzt (siehe auch: `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 5: `Globalisierung und Phantomindustrien` - sowie in Bezug auf die Folgen eben jener “Weltmarktöffnung“ das Projekt `China` (China ist mittlerweile Mitglied der WTO)). Zitat FTD: „Vertreter der russischen Maschinenbauindustrie (was immer das für ein Vodoo-Club sein mag) hatten in den vergangenen Tagen deutliche Bedenken gegen eine WTO-Integration geäußert (d.h., den Paten geht der Arsch auf Grundeis). Nach Ansicht von Branchenmitgliedern sind die Unternehmen für den uneingeschränkten Wettbewerb mit ausländischen Unternehmen noch nicht gerüstet.“ (Tja, dumm nur, dass aber mittlerweile auch hochgerüstete Maschinen- und Anlagebaugiganten bzw. –spezialisten wie ABB, Babcock, Alstom bzw. Fürth, Jagenberg u.a. bankrottieren oder tief in den roten Zahlen versinken (was natürlich dann auch im Bankrott mündet)).
Eine nicht weniger deutliche Sprache spricht auch die Tatsache, dass der russische Außenhandel überwiegend vom Rohstoffexport lebt (der aber auch schon weitestgehend fremdfinanziert ist – s.o.), was ja auch nichts anderes heißt, als dass eine industrielle Produktion de facto nicht mehr stattfindet (mit Ausnahme von Waffen). Und zu guter Letzt verdeutlicht ein Statement der UNO, wie es wirklich um Russland bestellt ist: Die UNO geht nämlich davon aus, dass die russische Bevölkerung wegen Aids und Geburtenmangels bis 2010 „deutlich schrumpft“. – was natürlich nur Symptome des finalen “Großen Sterbens“ sind (siehe auch einen Spiegel-Artikel aus 2003 über Athopien - `Unter Geiern`).
Nicht minder deprimierend schließt auch der Kommentar des Spiegel-Jahrbuches 2003 über die Perspektiven: „Derzeit zeigt die Politik noch keine Rezepte gegen die Folgen der demographischen Katastrophe (also das “Große Sterben“) und zur Sicherung sozialer Mindeststandards“ (wie auch ohne “Regulationsinstrument“ – nämlich “Geld“ (siehe auch Robert Kurz; `Die Unselbständigkeit des Staates und die Grenzen der Politik`; www.krisis.org ; Rubrik: `Weitere Texte von Krisis-Autoren`)) – Mensch sollte sich also von den Gesundbetern des Markt-Staat-Systems und Beschwörern dieses “Ost-El-Dorados“ nicht länger einen russischen Potemkin-Bären aufbinden lassen.
Deutlicht verschnupfter hören sich neuerdings auch die Jubel-Chorknaben der anstehenden EU-Osterweiterung an – “plötzlich“ entdecken sie, was seit Jahren schon bekannt ist: die eklatanten Doppeldefizite der Beitrittskandidaten (Haushalts- bzw. Außenhandelsdefizite – siehe auch Projekt `USA` sowie `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 8). “Osteuropabank beklagt Defizite der Beitrittsstaaten“ titelt fett die FTD vom 12.06.2003. Darin schwafelt der Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Jean Lemierre, dass die Beitrittsländer „einen Wachstumspfad erreichen müssten, der von Investitionen und nicht von öffentlichen Ausgaben gestützt wird“ (merkwürdig: er scheint nicht zu bemerken, dass dieser “Keynesianismus“ global gang und gäbe ist – auch in der EU wird nicht darüber verhandelt, ob überhaupt Schulden für öffentliche Ausgaben gemacht werden, sondern einzig und allein wie hoch diese sein “dürfen“ (dieses “Dürfen“ ist in Wirklichkeit ein “Müssen“ aufgrund mangelnder Einnahmen - siehe auch Robert Kurz; `Die Unselbständigkeit des Staates und die Grenzen der Politik`; `Der kurze Sommer des Keynesianismus`; `Das Ende der Wirtschaftspolitik`; `Der Mythos der Produktivität` sowie `Die neue Krise des Geldes` - alle unter: www.krisis.org ; Rubrik: `Weitere Texte von Krisis-Autoren`)). „Zwar wachse die Wirtschaft in den Beitrittsländern derzeit mit durchschnittlich 3,5 Prozent stärker als in der Union, doch diese Wachstumsraten würden nur durch eine starke private und öffentliche Binnennachfrage erreicht“ (also “auf Pump“ finanziert). „Die Konsequenz ist ein hohes Defizit, das lässt sich nicht lange durchhalten“, so Lemierre. Vollkommen jenseits von allem, ja sogar abgrundtief zynisch, zeigt sich Lemierre, wenn er fordert, dass sich die Länder „stärker um den Aufbau eines “Mittelstandes“ sowie um Investitionen in die Ausbildung, zwecks “Anlocken“ von weiteren Auslandsinvestitionen“ “bemühen“ sollten (anscheinend hat er noch nicht mitbekommen, dass dieser “Mittelstand“ gerade auch in der Rest-EU zusammenbricht – so erzielt inzwischen laut Dietrich Hoppenstedt, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, jedes dritte mittelständische Unternehmen in der BRD keinen Gewinn mehr bzw. macht sogar Verluste (natürlich befinden sich deswegen auch die Banken und Sparkassen selbst in einer prekären Lage, da diese Unternehmen somit natürlich auch nicht mehr ihre Kredite zurückzahlen können), darüber hinaus verfügen 38 Prozent des Mittelstandes über keinerlei Eigenkapital mehr (WAZ, 21.02.2003)), und auch in Sachen “Investitionen in Ausbildung“ leidet er offensichtlich unter Wahrnehmungs-BSE: denn wenn schon nur für die Sanierung allein der Schulen in der BRD 30 Mrd. Euro fällig sind, und selbst die “reiche“ BRD das nicht mehr “finanzieren“ kann – wie sollen denn dann bitte die Beitrittsländer diese Summen aufbringen?????).
Und so reiht sich in den letzten Monaten Schlagzeile an Schlagzeile: “Ungarns Krise dämpft Osteuropa-Euphorie“ (FTD, 24.06.2003), “In Osteuropa drohen Währungskrisen“ (FTD, 18.07.2003), “Bundesbank warnt Osteuropäer vor Euro-Eifer“ (FTD, 22.07.2003), “Ostländer nicht EWS-reif“ (FTD, 05.09.2003) usw. usw. Vor allem rückt dabei die so genannte “Euro-Tauglichkeit“ hin Hinblick auf die Doppeldefizite zunehmend ins Rampenlicht. Besondere Beachtung verdient dabei der Artikel vom 18.07.2003 “In Osteuropa drohen Währungskrisen“ – Zu diesem Ergebnis kommt selbst das ultra-hardcore-marktwirtschaftsgläubige Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) in ihrem aktuellen Konjunkturbericht für Osteuropa, wonach „alle denkbaren Strategien auf dem Weg in die Währungsunion gefährlich sind“. Um den zehn mittel- und osteuropäischen Ländern, die ab Mai 2004 der EU angehören sollen, die Einführung des Euro zu “erleichtern“, „müssten die Beitrittsbedingungen nachgebessert oder der Stabilitätspakt flexibler interpretiert werden“ (dieser “Stabilitätspakt“ ist de facto schon jetzt schon eine Ruine – und die wirklich krassen Folgen der kollabierten Wachstumssimulation bzw. der derzeit kollabierenden Immobilienblase kommen erst noch (selbst die neoliberalen Auguren prophezeien schon, dass „die Weltwirtschaftskrise dagegen aussehen wird wie ein “Kaffeekränzchen“ “)). „Solange die Regeln zum Beitritt zur Währungsunion nicht geändert werden, würde die Euro-Einführung ein weiteres wirtschaftliches “Aufholen“ der Neumitglieder unmöglich machen“, so der Bericht des WIIW (tatsächlich steht kein “Aufholen“, sondern der diesmal streng marktwirtschaftliche Untergang auf dem Programm – siehe auch : Robert Kurz; `Kollaps der Modernisierung`; Reclam-Leipzig; 1992).
Damit bekommt die Debatte um die Einführung des Euro in den EU-Beitrittsländern eine neue Richtung. Bislang ging die Diskussion vor allem darum, ob ihr schneller oder späterer Beitritt zur Euro-Zone sinnvoll ist – aufgrund der durch sowohl einen schnellen als auch einen späteren Beitritt ergebenden “Wechselkursrisiken“, stellt sich nun mehr wohl eher die Frage des “ob überhaupt“. – so kann`s gehen: Das Gejohle wird zum Gejammer.
Wie schwachsinnig dieses Hurra der letzten Jahre war, verdeutlichen allein nur schon mal wieder die ökonomischen Rahmendaten der tollen “Neo-Wirtschaftswunder“:
Posted by: Olaf / 4:18 AM
Friday, September 12, 2003USA (derzeit noch nicht vollständig -wird aber die nächsten Tage komplettiert)
Gegenstand dieses Projektes sind nicht revanchistische Momentaufnahmen, sondern die wirklich weltbedrohenden Konsequenzen des Ist-Zustandes der Vereinigten Staaten von Amerika.
Die hier verwendeten Daten wurden zum größten Teil der Tagespresse entnommen, also aus “gutbürgerlichen“ (Süddeutsche (SZ), Frankfurter Allgemeine (FAZ), Frankfurter Rundschau (FR), Die Welt) bzw. neoliberalen (Financial Times (FT), Financial Times Deutschland (FTD), Handelsblatt (HB) u.a.) Postillen (allesamt Gesundbeter des Markt-Staat-Systems) sowie aus frei zugänglichen Agenturmeldungen aus dem Internet, lassen sich jedoch nur mit der exakten Metapolation der Marx´schen Krisentheorie `Die Himmelfahrt des Geldes` (Robert Kurz, in: `Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft; (Zeitschrift); Ausgabe 16/17; Horlemann-Verlag; 1995; www.krisis.org ) in Kohärenz bringen bzw. dechiffrieren.
Auch sei noch einmal betont, dass es im Rahmen der Projektreihe `Chronik der Krise` eben nicht um einen affirmativen partiellen Bezug auf sich in Auflösung befindende Nationalstaaten geht, sondern vielmehr um ein Übersichtlich-Machen der globalen Zusammenbruchsprozesse. Daher wird explizit noch einmal auf unser Projekt `China` bzw. auf die derzeit noch in Arbeit befindlichen Projekte `Japan`, `Deutschland`, `Grossbritannien`, `Osteuropa`, `Èuroland`, `Freddie Mac & Co.`, `Hoffentlich Allianz-versichert` sowie `Globaalaballa` verwiesen, wobei auftretende Überschneidungen genau eben diese globale Verschränkung belegen (bedingt durch die trotz (und derzeit gerade aufgrund) rezessiver Tendenzen (“Austrocknen der Märkte“) sich immer weiter beschleunigende (immer wieder gerne von diversen linken und rechten Nationalfetischisten geleugnete) TRANSNATIONALISIERUNG DES KAPITALS auf allen Ebenen (ausführlich dazu im Projekt `Globaalaballa`)).
Schon bei der nur oberflächlichen Betrachtung der so genannten “amerikanischen Unternehmen“ (was natürlich vollkommen anachronistisch ist, da sich der allergrößte Teil der “Aktiengesellschaften“ in globalem “Streubesitz“ befindet) wird mensch ganz anders: Spätestens seit 2001 zeichnen sich die Größe bzw. Zuwächse dieser vor allem durch Giga-Bankrotte bzw. Zuwächse bei den astronomischen Verlusten aus. Alles rennet, rettet, flüchtet – und zwar unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des Konkursrechtes. (Wie war das noch mit der “Totalen Konkurrenz“ in der “Freien Marktwirtschaft“???) Ob Worldcom, Enron, United Airlines (zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt), US Airways (sechstgrößte US-Fluggesellschaft – Ende Juli 2003 reihte sich dann auch noch die zehntgrößte Fluglinie American Trans Air in die Endlosschlange der zahlungsunfähigen Überflieger ein), die in 2003 zusammengebrochenen Energieversorger Mirant, National Energy Group (eine Tochter des kalifornischen Versorgers PG&E) sowie NRG Corp, die 35 Versicherungen, die 2001 bzw. die 39, die 2002 kollabierten, der Datennetzbetreiber Global Crossing (Bankrott trotz “Connections“ zum Pentagon), der Satellitenhersteller und –betreiber Loral Space & Communications, diverse Stahlkonzerne (z.B. Bethlehem Steel, LTV u.a.) und die sich in Sachen “Verrechnen“ (“Bilanzkosmetik“), bzw. Minus-Rekorden überbietenden Konzerne wie AOL-Time-Warner, Boeing, Xerox, Chrysler, Ford, Alcoa (weltgrößter Aluminiumhersteller), Solectron (weltweit zweitgrößter Auftragsfertiger für Elektronik), Dow Chemicals, American Airlines (weltgrößte Fluggesellschaft) usw. usw. usw. usw. usw. usw. usw. usw. ... – alles schreit, obwohl doch “Global Players“, plötzlich nach “Papa Staat“ (der aber ebenfalls de facto bankrott ist) oder funkt zumindest S.O.S.. Fast hat es den Anschein als würde der Großteil der amerikanischen Wirtschaft nur noch aus Kapitel 11 bestehen. Statt des Weißkopfseeadlers kreist nur noch der Pleitegeier:
In Analogie dazu meldete das Handelsblatt schon am 19.11.2002, dass nur noch staatliche Kreditgarantien in Milliardenhöhe einen Konkurs von United Airlines (UAL), der weltweit zweitgrößten Fluglinie, vermeiden könnten (die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) musste einen fälligen Kredit über 500 Mio. Dollar verlängern – so weit zum “deutschen“, “chinesischen“, “amerikanischen“, “italienischen“, “türkischen“ usw. “Kapital“). Auch räumt der Artikel mit dem Märchen auf, dass der ominöse “11. September“ Ursache dieser “Krise“ sei, denn wie aus einer vielsagenden Graphik zu entnehmen ist, beliefen sich die Verluste schon der ersten beiden Quartale 2001 auf satte 700 Mio. Dollar. Summa summarum häufte UAL vom I.Quartal 2001 bis zum IV. Quartal 2002 Verluste in Höhe von ca. 5.5 Mrd. Dollar an. Und obwohl UAL seit den Terroranschlägen des 11. September eben diese massiven Staatshilfen erhält, titelte die FTD vom 04.08.2003: “United Airlines verdoppelt Verlust trotz Staatshilfen“. Das Unternehmen verbuchte für das II. Quartal 2003 einen Verlust in Höhe von 623 Mio. Dollar (II. Quartal 2002: 341 Mio. Dollar). Addiert mensch die 300 Mio. Dollar Staatshilfe hinzu, macht das fast 1 Mrd. Dollar. Allerdings gab sich Konzernchef Glenn Tilton dennoch erleichtert, denn schließlich sei im Vergleich zu den Verlusten von 1,3 Mrd. im ersten Quartal des Jahres eine deutliche Verbesserung zu erkennen (Aber sicher doch, Glenn - nur jedoch, dass diese “Verbesserungen“ vor allem auf einem 30-prozentigen Einschnitt bei den Löhnen und Gehältern basiert – Schöne Grüße von der “Kaufkraftvernichtung“). Auch die anderen amerikanischen Ikarus-Airlines, vorab die in diesem Jahr nur durch gigantische “Umschuldungen“ vorläufig dem Konkurs entgangene weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines (allein im dritten Quartal 2003 verzeichnete die Fluglinie erneut einen Verlust von 357 Mio. Dollar – und das sogar noch vor “Sonderposten“), verbuchten weiterhin Verluste bzw. konnten nur dank der staatlichen Beihilfen “Gewinne“ erzielen.
Wer nun meint, dass es sich bei den hier aufgelisteten Zahlen mal wieder um so genannte “Peanuts“ handelt, sei auf einen Artikel der SZ vom 09.01.2003 verwiesen – mit ziemlich ernüchternden Aussagen: “Die Luftfahrtindustrie (ein ähnlich begriffsloses Konstrukt wie “Finanzindustrie“) hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 13 Milliarden Dollar erlitten. Damit lägen die Einbußen der Jahre 2002 und 2001 über der Gewinnsumme der vergangenen 45 Jahre, sagte der Präsident des internationalen Branchenverbandes Iata, Giovanni Bisignani (der Iata vertritt 275 Fluggesellschaften weltweit und damit 95 Prozent der Branche). Eine Entspannung sei auch in den kommenden Jahren nicht zu erwarten, da die Kosten im Luftverkehr weiter ansteigen würden. „Die Industrie steckt in großen, großen Schwierigkeiten“, sagte Bisignani in Trinidad und Tobago. ...“. Wohl wahr. Wie katastrophal die Lage ist, lässt sich exemplarisch aus dem so genannten “Sanierungsprogramm“ von UAL ersehen. Neben der schon erwähnten 30-prozentigen Gehaltskürzung (das “Management“ will beim Personal pro Jahr 2,56 Mrd. Dollar “einsparen“) wird die Fluggesellschaft, die täglich 8 Mio. Dollar Verlust einfliegt, auch 49 Flugzeuge stilllegen und geplante Flugzeuglieferungen bis 2005 stornieren. Damit will United seine jährlichen Investitionen auf ein Fünftel reduzieren (also ein Einbruch bei den Investitionen von sage und schreibe 80 Prozent !!!). Die Zahl der Flüge soll weiter erheblich gesenkt werden (was sicherlich auch zu dem drastischen Umsatzeinbruch von 18 Prozent nur im bisherigen Verlauf des Jahres 2003 beigetragen hat). Neben den Gehalts- bzw. Investitionskürzungen beinhaltet die “Sanierung“ selbstredend Massenentlassungen. So soll bis Ende 2003 die Belegschaft auf 74.000 Menschen schrumpfen - vor den Terroranschlägen waren bei United noch mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigt, d.h. also: über 25 Prozent Personalabbau. Es erübrigt sich fast, zu erwähnen, dass bei den anderen Airlines ähnliche “Sparprogramme“ laufen (so will z.B. American Airlines pro Jahr 4 Mrd. Dollar “einsparen“).
Die Dramatik verdeutlicht sich auch noch anhand eines kleinen Artikels der FTD vom 03.06.2003: Laut US-Verkehrsministerium sollen “Ausländer“ künftig bis zu 49 anstatt der bislang erlaubten 25 Prozent an amerikanischen Fluggesellschaften besitzen dürfen. Ziel dieser Gesetzesänderung ist es, US-Firmen einen weit besseren Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu verschaffen – sozusagen eine “Bettelkonzession“.
Besagter “Investitionsstop“ hat natürlich postwendend ebenso drastische Auswirkungen bei den (zivilen) Flugzeugherstellern (und somit selbstverständlich auch auf deren Zulieferer) – in den USA vornehmlich Boeing. In den vergangenen drei Jahren baute der Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Zivilsparte inklusive der erst Juli 2003 angekündigten weiteren Entlassungswelle von 5.000 Menschen über 40.000 Arbeitsplätze ab, was in etwa 40 Prozent der Gesamtbelegschaft in diesem Bereich ausmacht (nach einem Artikel der FTD vom 18.07.2003 hat der Konzern noch knapp 160.000 Beschäftigte, davon 77.000 in der Rüstungssparte und aktuell noch 58.900 im Zivilflugzeugbau. Mitte 2001 waren beispielsweise noch 96.500 Beschäftigte im Zivilflugzeugbau tätig. – zu diesem Abbau kommen dann noch die ebenfalls in diesem Artikel erwähnten weiteren 5.000 hinzu). Entsprechend drosselte Boeing seine Produktion zwischen 2001 und 2003 um rund 50 Prozent, nachdem die Nachfrage drastisch eingebrochen war. Lieferte Boeing 2001 noch 527 Flugzeuge aus, so waren es 2002 nur noch 381 – und 2003 sollen es gar nur noch 280 sein (bis Jahresmitte 2003 produzierte Boeing 145 Flugzeuge (im Vorjahreshalbjahr waren es noch 222) – was umgehend bei Vorlage dieser Halbjahreszahlen zur Senkung der Prognosen für 2004 führte (bedingt auch durch den dramatischen Einbruch bei den Aufträgen auf 109 Bestellungen)). Im ersten Halbjahr 2003 lief bisher ein Gesamtverlust von 670 Mio. Dollar auf; und allein nur im zweiten Quartal lag der Umsatz im Zivilflugzeugbau mit 5,82 Mrd. Dollar um 24 Prozent unter dem Vorjahreswert. 2003 wird Boeing erstmals in der jüngeren Geschichte mehr Umsatz mit seinem Rüstungsgeschäft als mit Zivilflugzeugen erzielen; und nur eben dieses Rüstungsgeschäft (zum Thema “Rüstungskeynesianismus“ weiter unten) konnte mit einem verglichen zum Vorjahreswert um 7 Prozent auf 6,56 Mrd. gesteigerten Quartals-Umsatz einen noch größeren Verlust vermeiden. Neben der weiter krisengeschüttelten Luftfahrt trugen zu diesem Verlust vornehmlich so genannte “Sonderbelastungen“ aus der hoch defizitären Weltraumsparte bei, die im Zuge der weltweiten Krise in der Raumfahrt ins Trudeln geraten ist. Die US-Raumfahrtindustrie profitiert zwar von militärischen Programmen, doch der Rückgang an neuen zivilen Satellitenaufträgen und damit Raketenstarts nach dem Scheitern hochfliegender Pläne für satellitengestützte Telekommunikations- und Internetnetze veranlassten auch Boeing und den schon oben erwähnten Satellitenhersteller und -betreiber Loral Space & Communications zu “drastischen wirtschaftlichen Maßnahmen“. Während Loral Mitte Juli 2003 Insolvenz anmeldete und den Verkauf (angestrebter Erlös: 1,1Mrd. Dollar) von 5 seiner 11 Satelliten an den internationalen Betreiber Intelsat beabsichtigt, um seine langfristigen Schulden von 2,1 Mrd. Dollar abzubauen, verbuchte Boeing zum Abschluss des II. Quartals eine “Sonderbelastung“ von insgesamt 1,1 Mrd. Dollar (Diese “Sonderbelastungen“ – und das gilt für alle in den Projekten angeführten Beispiele - sind natürlich nichts anderes als bislang verheimlichte Verluste – also Betrug.) Der Großteil dieser “Sonderbelastung“ entfällt mit 835 Mio. Dollar auf die neue Boeing-“Prestigerakete“ (O-Ton FTD) Delta 4, eine “Konkurrenzraketenfamilie“ (ebenfalls O-Ton FTD) zur Ariane 5. – was Boeing am 15.07.2003 zu der Mitteilung veranlasste, als Konsequenz auf die schwache zivile Nachfrage die Rakete zukünftig nur noch für staatliche Missionen einsetzen zu wollen; also der Abschied aus der zivilen Raumfahrt. Auch in der Satellitenherstellung fiel eine “Sonderbelastung“ von 265 Mio. Dollar an, die “personelle Konsequenzen“ nach sich ziehen soll.
Bei den US-Technologie-Konzernen United Technologies (UTC) und Honeywell macht sich die “Luftfahrtkrise“ (die natürlich nur ein Teilmoment des globalen Zusammenbruchs ist) ebenfalls schmerzlich bemerkbar. UTC (155.000 Beschäftigte weltweit), zu dessen “Portfolio“ der weltweit drittgrößte Hubschrauberhersteller Sikorsky, der führende Hersteller ziviler Flugzeugtriebwerke Pratt & Whitney, der weltgrößte Aufzughersteller Otis, der drittgrößte Flugzeugausrüster Sundstrand sowie Carrier, die Nummer zwei bei Klimaanlagen, gehören, konnte sein Ergebnis nur durch massive “Kosteneinsparungen“ bzw. rüstungskeynesianische Umsatzverlagerungen halten. Während der Umsatz im Zivilflugzeuggeschäft um 13 Prozent einbrach, stiegen die Militärumsätze um 16 Prozent. Der Umsatzzuwachs im zweiten Quartal 2003 stammte vor allem aus den Bereichen Otis und Carrier und dabei insbesondere im Chinageschäft – da sind dann wohl noch mal ein paar Millionen zu den faulen Krediten im chinesischen Bankensektor in Höhe von 500 Mrd. Dollar (oder 50 Prozent der Gesamtkreditmasse) hinzugekommen (siehe Projekt `China`). Böser erwischt hat es indes Honeywell, den weltgrößten Hersteller von Flugzeugcockpitinstrumenten (auch liefert Honeywell wichtige Bauteile für das Triebwerk des Riesen-Airbus A380 – die Transnationalisierung lässt grüßen), dessen Gewinn im zweiten Quartal 2003 um 19 Prozent zum Vorjahr einbrach. Die Umsatzrendite fiel von 12,2 auf 8,8 Prozent. Besonders krass machte sich der “Margenverfall“ in der Zivilsparte bemerkbar, wo die “Marge“ (“Gewinnspanne“) von 16,5 auf 10,4 Prozent fiel.
Dieser Einbruch in der Flugzeugherstellung hat, wie erwähnt, natürlich auch unmittelbare Auswirkungen auf die Zulieferer – hier beispielsweise die Aluminiumindustrie (die damit einhergehende Fusionswelle (Alcan, Pechiney, Alusparte Corus) in diesem Bereich wird gesondert in den Projekten `Euroland` bzw. `Globaalaballa` bearbeitet). So hat der Einbruch in der US-Flugzeugherstellung den weltgrößten Aluminiumhersteller, der US-Konzern Alcoa, ebenfalls in große Schwierigkeiten gebracht. Schon 2001 hatte Alcoa wegen “schwacher Nachfrage“ der Luft- und Raumfahrt- sowie der Autoindustrie einen Jahresverlust von 142 Mio. Dollar zu verzeichnen, und beendete auch das letzte Quartal 2002 mit einem Nettoverlust von 233 Mio. Dollar. Nominell macht der Konzern zwar derzeit wieder Gewinne - vor allem aufgrund von Preiserhöhungen für Aluminiumoxid, dem Ausgangsstoff für die Aluminiumherstellung (zusätzlich “profierte“ der Konzern noch von der sowohl weiter unten als auch im Projekt `Freddie Mac & Co.` separat erwähnten “Bau-Bubble“), doch schrumpfen diese (trotz der bisherigen, neben der Preiserhöhung zusätzlich eingeleiteten “Umstrukturierungen“) schon wieder. Als Reaktion darauf kündigte Alcoa Anfang Juli 2003 einen “scharfen Sparkurs“ an, der – wie üblich – Stellenstreichungen und “Standortschließungen“ beinhaltet. Im Zuge dieser “Standortschließungen“ sollen zwar die Kapazitäten an “billigeren Standorten“ erweitert werden, vornehmlich in Brasilien und Australien (Produktionsverlagerung direkt an Rohstoffquellen – ein Blick in den Atlas genügt, um festzustellen, dass im Gegensatz zu Brasilien bzw. zum nördlichen Südamerika in Nordamerika keine (verzeichneten) Bauxitvorkommen bestehen), doch wegen der “enormen Überkapazitäten“ in der Aluminiumindustrie braucht es keine allzu hellseherischen Fähigkeiten, um schon jetzt sagen zu können, dass absolut ein dickes Minus bei der “Beschäftigungszahl“ zu verzeichnen sein wird – siehe Boeing. Mit diesem (in der gesamten Branche) forcierten Konzentrationsprozess ist eine weitere Verbesserung in der Produktivität verknüpft, was zum einen weitere Stellenstreichungen bedeutet, zum anderen den Konkurrenz- und somit den Konzentrationsdruck noch weiter erhöhen wird.
Wie es sich ganz allgemein schon herumgesprochen haben dürfte, befindet sich auch die (globale – siehe dazu auch die diversen anderen Projekte) Automobilindustrie in einer existenzgefährdenden Krise. In den USA sind das hauptsächlich die “Big Three“: General Motors, Ford und Chrysler. Besonders in die Schlagzeilen rutschte dabei Chrysler, seit 1998 mit Daimler-Benz fusioniert, wo nur allein im ersten Halbjahr 2003 bei einem um 28 Prozent gesunkenen Umsatz einen Verlust von 800 Millionen Euro anfiel. Als Hauptgrund dieses Riesenverlustes wird laut FTD vom 25.07.2003 die “Neubewertung“ des Bestands unverkaufter Autos bei den Händlern genannt (– ein echtes Kuriosum: In den USA wird ein Auto als verkauft verbucht, sobald es die Produktionshalle in Richtung Händler verlässt – Warum eigentlich nicht direkt auf die Müllkippe und dann ebenso “verbuchen“???). Schuld daran ist natürlich - wie überall auf der Welt - die “Kaufunlust“, gegen die selbst der seit geraumer Zeit tobende Preiskrieg mit Nachlässen von bis zu 4000 Dollar (durchschnittlich 3000) nichts bewirken kann. Beim ebenfalls zum Daimler-Chrysler-Verbund gehörenden japanischen Autokonzern Mitsubishi (siehe auch Projekt `Japan` - darüber hinaus eines von zahllosen Beispielen der TRANSNATIONALISIERUNG (siehe Projekt `Globaalaballa`)) brach das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 25 Prozent ein. Hier wurde neben dem Absatzeinbruch auf dem US-Markt die “schlechte Zahlungsmoral“ der vorwiegend jungen US-Kundschaft, also Abschreibungen auf das Finanzierungsgeschäft angeführt. Das heißt also, krass gesagt, dass die einen nicht kaufen und die anderen nicht zahlen – und das bei von allen Konzernen angebotenen Null-Prozent-Finanzierungen (FTD 05.06.2003, 25.07.2003).
Auch General Motors (GM) befindet sich in Schieflage. Schon im Frühjahr 2003 brach der Umsatz um dramatische 19 Prozent ein – selbstredend bei durch die immer größeren Preisnachlässe im Rabattkrieg ebenso sinkenden “Margen“. Dazu kommen noch weiter rapide steigende Krankenversicherungskosten sowie riesige “Deckungslücken“ in der Pensionskasse, die sowohl auf die durch den Vernichtungswettbewerb geschrumpften “Margen“, vor allem jedoch auf die kollabierte Akkumulationssimulation (Börsencrash) zurückzuführen sind. Die FAZ vom 27.06.2003 berichtet, dass die Aktie von GM allein in den letzten zwölf Monaten mehr als 25 Prozent an “Wert“ verloren hat (“Aktien“ haben bekanntlich eh nichts mit “realen Werten“ zu tun, sondern repräsentieren “(verpfändete) Zukunftserwartungen“). Bei den Pensionen fehlen so derzeit 19,3 Mrd. Dollar, was GM Ende Juni 2003 zur Aufnahme der größten Unternehmensanleihe (also “auf Pump“) der Geschichte in Höhe von fast 17 Mrd. Dollar zwang, ohne die Hunderttausende ehemalige Mitarbeiter und deren Familien ohne soziale bzw. medizinische Absicherung wären. Diese Konstellation gilt natürlich für alle großen US-Automobilkonzerne. So schreibt die FTD am 11.08.2003: „Alle großen US-Automobilkonzerne befinden sich derzeit in der prekären Situation, dass sie nur mit dünnen Margen operieren, während die medizinischen Kosten für Mitarbeiter und ehemalige Kollegen rasant ansteigen. In den Pensionskassen der Unternehmen fehlen deshalb Milliarden Dollar:“ Der Artikel gibt natürlich keinerlei Auskunft darüber, warum die “Margen“ so geschrumpft sind; also über die Ursachen dieser “Kaufzurückhaltung“ (siehe auch: Robert Kurz; `Schwarzbuch Kapitalismus`; 1999/Taschenbuchausgabe 2001; Abschnitt: `Die Geschichte der Dritten Industriellen Revolution` sowie `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 8 und 9), geschweige denn fällt dem Verfasser auf, dass selbst wenn die “Margen“ auf Normalmaß zurückkehren würden, bei allen Herstellern immer noch riesige “Deckungslücken“ beständen. (Diese “Lücken“ in den ach so tollen “privaten“ “Rentenkassen“ – wie bei den Stahlkonzernen, “Pensionsfonds“, Versicherern u.a. noch beschrieben – sind ein Paradebeispiel dafür, dass sich durch formalrechtliche Veränderungen (privat statt staatlich) strukturell nichts, aber auch wirklich gar nichts, ändert. Das sollte denen, die derzeit auf einmal laut nach “privater Vorsorge“ schreien, eigentlich zu denken geben.)
Am prekärsten ist die Lage jedoch (anscheinend) bei Ford. Neben einer aus zuvor genannten Gründen (“Pensionslücke“ von 7,3 Mrd. Dollar) geplanten Anleihe von 10 Mrd. Dollar und in den letzen beiden Jahren angehäuften Verlusten in Höhe von 6,4Mrd. Dollar hat der Konzern Schulden in Höhe von 16,6 Mrd. Dollar aufgetürmt, was sämtliche Rating-Agenturen dazu veranlasste, die Anleihen des Konzerns mit dem höchsten Risiko einzustufen, nämlich “Junk“ (“Ramsch“). Die US-Rating-Agentur Egan-Jones erklärte sogar, dass ein Konkurs des zweitgrößten Automobilherstellers der Welt nicht mehr ganz auszuschließen sei (alle Daten aus FTD, 13.03.2003 und 12.06.2003). Wie katastrophal die Lage ist, wird aus einem kleinen Artikel der Frankfurter Rundschau (FR) vom 17.07.2003 ersichtlich: „Die Ford Motor Company hat wegen niedrigerer Absatzzahlen und massiver Preiskämpfe in den USA und Europa im zweiten Quartal weniger umgesetzt und verdient. Der Gewinn fiel nach Angaben des Konzerns im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 417 Millionen Dollar. Der Umsatz sank um vier Prozent auf 40,9 Mrd. Dollar. Der weltweite Absatz schrumpfte um sieben Prozent auf 1,7 Millionen Autos. Zum Profit trug vor allem die Finanzsparte bei (siehe nochmals: `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 8). Das Auto-Geschäft brachte es dagegen nur auf einen Gewinn von 3 Mio. Dollar.“ (ja, richtig gelesen: drei Millionen)
Ein Weltkonzern mit 345 000 Beschäftigten erzielt mit seinen “handfesten Waren“ sage und schreibe drei Millionen Dollar; noch nicht einmal ein Prozent vom erzielten Gewinn – grandios. - Und so titelt die FTD vom 12.06.2003: “Fords Zukunft hängt an einem Kleinlaster“. Gemeint ist der F 150, ein simpel gestrickter Pick-up. Doch offensichtlich leidet Henry Fords Enkel Bill Ford unter zunehmendem Realitätsverlust – O-Ton FTD: ... „Um fast ein Viertel möchte Bill Ford die Produktion (des F 150) steigern. Beschwörend rief er den Arbeitern zu: „Seid ihr bereit ein paar Überstunden zu machen?“ – Das wäre zu schön um wahr zu sein. In den beiden vergangenen Jahren hat Ford 6,4 Mrd. Dollar an Verlusten angehäuft. In den USA leidet das Unternehmen unter Überkapazitäten von rund 20 Prozent, die nun schrittweise abgebaut werden. Von Überstunden kann kaum die Rede sein, eher von Werksschließungen. Kann der F 150 die Wende bringen? „Das gelingt ihm nicht mal, wenn er beim Formel-1-Rennen Schumi schlägt“, sagt der unabhängige Analyst Peter Schmidt von Automotive Industry Data.“ Zusätzlich kommen noch massive Qualitätsprobleme hinzu – wie bei dem neuen Geländewagen `Explorer` der gleich mit Qualitätsproblemen und Rückrufaktionen ins Rennen geschickt wurde. Auch bei der US-Produktion des Erfolgsmodells `Focus` gab es eine beispiellose Pannenserie: Airbags gingen grundlos auf, Räder lösten sich von der Karosse. Neunmal musste Ford in Nordamerika in die Werkstätten zurückrufen. Beim Europamodell aus deutscher Produktion gab es nicht einen Rückruf. Ein Ford-Manager sagt: „ Die US-Produktion muss dringend auf Europa-Standard gebracht werden (doch auch die Europatöchter von Ford (525 Mio. Dollar Minus allein im zweiten Quartal 2003) und GM (Opel) schreiben rote Zahlen).“ Denn sollte dem F 150 ein ähnliches Debakel passieren, wird Ford nicht mehr viele Geburtstage feiern. Dennoch ließ sich das Unternehmen nicht beirren und startete im August 2003 zwei neue “Rückrufaktionen“ für über zwei Millionen Fahrzeuge. Bei der einen bestand Bruchgefahr der Halterungsbolzen von Sitzlehnen, bei der anderen ließ sich der Tempomat nicht wieder ausschalten.
Dass Ford wohl bald fort ist, wird jedoch nicht nur aufgrund von Qualitätsproblemen geschehen, sondern wegen des erst jetzt voll durchschlagenden Börsencrashs bzw. infolge des damit zusammenhängenden Zusammenbruchs der globalen Kaufkraft im Zuge der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION – wie es Großvater Henry schon messerscharf pointierte: “Autos kaufen keine Autos“.
Diese anstehenden Massenentlassungen zwecks “Kapazitätsanpassung“ beschränken sich natürlich nicht nur auf Ford (nach einem Artikel der SZ vom 10.01.2003 sollen 35.000 Menschen entlassen werden, also über 10 Prozent der Belegschaft), sondern werden bei allen Herstellern greifen: Im September beginnen in den USA die Tarifverhandlungen mit der Automobilarbeitergewerkschaft UAW. Und wie fast überall, vollziehen die Gewerkschaften den Standort-Kotau, anstatt sich transnational zu formieren. Die Folgen dieser Kriecherei und Lokalbornierung (ohne transnationale Ausrichtung gibt es nur noch Gattungsharakiri) kann sich mensch schon jetzt an fünf Fingern abzählen.
Nachtrag: Seit dem 16. bzw. 17.09. 2003 sind nun die neuen “Tarifverträge“ für Chrysler bzw. Ford publik (FTD, 16. und 17.09.2003). Die “Einigung“ (da kann mensch sehen, dass die Funktionäre der Gewerkschaften die ehemals sozialen Bewegungen verraten und verkauft haben) in Bezug auf Chrysler sieht unter anderem keine “Arbeitsplatzgarantie“ mehr vor, was den Konzern im vorigen “Sanierungsschritt“, bei dem bereits 26.000 Stellen abgebaut und Werke geschlossen worden waren, noch zum Teil hohe Abfindungen kostete. Diese fallen nun weg. Mit dem neuen Verrat , äh, “Vertrag“ kann Chrysler nun seinen Plan, fünf Zulieferwerke zu verkaufen, verwirklichen. Darüber hinaus sind für Chrysler auch noch weitere Werksschließungen möglich (die das Unternehmen selbstverständlich “nicht ausschließt“), ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die jährlichen Lohnerhöhungen jetzt deutlich geringer ausfallen (irgendwie hat das auch was: für die Arbeitsmonaden, die auch immer nur “mehr Geld“ für sich und ihre private Familienklitsche haben wollten und asozial alles geschluckt haben, ganz egal, ob der Kollege, mit dem mensch gestern noch zusammengearbeitet hat, über die Klinge springt, beginnt die finale Runde bei der “Reise nach Jerusalem“). Der alte “Vertrag“ sah drei Prozent vor. Was demnächst ansteht, geht aus einem Statement des Analysten Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim hervor: „Das Unternehmen hat noch immer Überkapazitäten. Die können jetzt leichter abgebaut werden.“ – was sich dann Anfang Oktober 2003 bestätigte (FTD, 06.10.2003): Chrysler wird erneut 4.500 Mitarbeiter entlassen.
Und auch bei Ford kann`s jetzt richtig losgehen: Der neue “Tarifvertrag“ ermöglicht Werksschließungen (bisher ist von vier Werken in den USA die Rede) und die Entlassung von (natürlich “vorerst“) 12.000 Mitarbeitern in den USA (des weiteren werden in Deutschland 1700 Stellen abgebaut sowie in Belgien 3500 Mitarbeiter entlassen). Es versteht sich, dass auch hier von Abfindungen, “Arbeitsplatzgarantien“ und Lohnerhöhungen nicht mehr gesprochen wird. - Doch selbst die Aussagen von Gewerkschaftsseite, dass dieser “Vertrag“ auf jeden Fall das Überleben des Konzerns sicherstellen soll – was ein deutliches Zeichen der dramatischen Situation bei Ford ist – wird den Kollaps nicht verhindern.
Dadurch, dass die Automobilkonzerne den aus den oben angeführten Gründen steigenden Kostendruck natürlich postwendend auch an ihre Zulieferer und Handelspartner weitergeben (zum “Handel“, also der “Warenzirkulation“, weiter unten), läuft derzeit bei den Zulieferern (und in der Folge selbstredend auch bei den Zulieferern der Zulieferer) eine gigantische Fusionswelle an, also massivste Konzentration bzw. Transnationalisierung des Kapitals. Dazu veröffentlichte die FTD vom 18.07. 2003 einen Artikel über die “Einkaufstour“ des weltweit drittgrößten Autozulieferers, der US-Konzern Visteon. Visteon, eine ehemalige Tochter von Ford, deren Krise auch den Zulieferer in die roten Zahlen getrieben hat, will bis 2005 nur noch rund 50 Prozent des Umsatzes mit Ford machen. Vor vier Jahren stand Ford noch für 90 Prozent des Umsatzes. Nach Ansicht von Experten steht die Branche vor einem langen Konzentrationsprozess. Für Zulieferer ist es wichtig, gegenüber Kunden als Systemanbieter aufzutreten. Die Autohersteller haben beschlossen nur noch mit einer Hand voll großer Anbieter zusammenzuarbeiten statt mit Hunderten kleiner. (Ein Grund dafür, dass zahlreiche mittelständische Zulieferer in Deutschland derzeit zum Verkauf stehen – Grüße von der “Kaufkraftvernichtung“ und der “Transnationalisierung“). Als weiteres Beispiel, speziell im US-Markt, greift der defizitäre US-Zulieferer Arvin nach dem ebenfalls Verluste schreibenden Konkurrenten Dana. Selbstredend stehen auch dabei so genannte “Synergieeffekte“ im Mittelpunkt, also “Kostensenkungen“.
Nachtrag: Auch hier hat sich die “Vorhersage“, wie mensch der Ergänzung zu Chrysler entnehmen kann (Verkauf von Zulieferwerken), nur wenige Tage später bestätigt – wie ja auch schon beim Schuhsohlenlecken der Gewerkschaften. Und auch im Zusammenhang mit dem weiter unten erwähnten Netzwerkausrüster 3Com traf die “Voraussage“ nur zwei Tage später ein. – Besteht die Phase 4 etwa aus “Hellsehern“ oder ist gar “Schwarze Magie“ im Spiel ??? Oder denken diese Menschen einfach nur zusammen, was zusammen gehört ?!?
Dementsprechend zeigen sich auch deutliche Bremsspuren beim US-Reifenhersteller Goodyear (FTD, 24.10.2003). Der Konzern vermeldete für das abgelaufene dritte Quartal einen erwarteten Verlust von 115 Mio. Dollar bedingt durch die Schließung eines Werkes in den USA und der Entlassung von 1360 Mitarbeitern in Nordamerika und Europa. Aufgrund schwacher Umsätze wurde darüber hinaus auch noch ein “Sparprogramm“ beschlossen, das unter anderem Einschnitte bei Löhnen und Gehältern von 1,15 Mrd. Dollar über die nächsten drei Jahre vorsieht. Da jedoch vor kurzem in Japan (Bridgestone) die erste vollautomatische Reifenproduktion angelaufen ist, die auf einem Drittel der Produktionsfläche die doppelte Produktivität erreicht, braucht mensch kein Hellseher zu sein, um sagen zu können, dass das wohl nicht reichen wird.
Wo Goodyear aber richtig Gummi gibt, ist bei frisierten Bilanzen: Wie die Endlosschlange amerikanischer Unternehmen hatte auch Goodyear über die letzten fünf Jahre zu hohe “Gewinne“ ausgewiesen – und zwar um schlappe 100 Mio. Dollar. Zudem muss auch noch der “Wert“ (schön zu sehen, dass die asoziale Metaphysik des “Werts“ ihren finalen Absturz erlebt) des Unternehmenskapitals um 120 Mio. Dollar nach unten korrigiert werden – Bad News bei Goodyear.
Keinen Deut bedrohlich weniger als in der Autoindustrie sieht es in der maroden amerikanischen Stahlindustrie aus, was auf deren Drängen die US-Regierung schon Anfang 2002 dazu veranlasste, “Strafzölle“ von 30 Prozent auf Import-Stahl zu verhängen. Die “Antidumpingzölle“ auf Grundlage des Byrd-Amendment, ein Gesetz (auf US-Senator Robert Byrd zurückgehend) zum Schutz der darbenden, von vielen Bankrotten erschütterten US-Stahlindustrie vor ausländischen Anbietern (mittlerweile ist dieses Gesetz vor der WTO ultimativ gescheitert), stellen laut Aussage eines Diplomaten nichts anderes als eine Art organisierter Bestechung dar, da die Gelder aus diesen “Antidumpingzöllen“ (dieses “Dumping“ ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine um ein vielfaches höhere Produktivität) postwendend in die Kassen der angeschlagenen Konzerne fließen, um damit eine so genannte “Konsolidierung“ zu ermöglichen.
Den ersten “Erfolg“ jedoch, den dieser Paten-Paragraph zeitigte, war ein Aufschrei der amerikanischen Autoindustrie, die durch die Verteuerung des höherwertigen und billigeren (vornehmlich europäischen) Stahls vollkommen zu Recht ihre “Wettbewerbsfähigkeit“ gefährdet sehen.
Darüber hinaus werden die im Zuge der “Konsolidierung“ angelaufenen Fusionen Zehntausenden ihren “heißgeliebten“ “Arbeitsplatz“ kosten. Schon am 08.01. 2003 meldete die SZ, dass der US-Stahlkonzern International Steel Group Inc. (ISG) alle Stahlwerke und operativen Vermögen der seit über einem Jahr in einem Insolvenzverfahren nach (wie könnte es auch anders sein) Kapitel 11 des US-Insolvenzrechtes befindlichen Bethlehem Steel Corporation für 1,5 Mrd. Dollar kaufen will. Zwar heißt es dann weiter, dass ein Kauf Tausende Jobs retten würde, die sonst wegen der gewaltigen Bethlehem-Schulden verschwinden könnten, was jedoch (wie mensch gleich sehen wird) nichts als begriffsloses Meinen darstellt. Denn zum einen war die ISG selbst erst 2002 aus der Konkursmasse des “liquidierten“ Stahlkonzerns LTV Corporation “gebildet“ worden und hatte dessen Stahlwerke und wichtigsten Betriebe sowie ein Mini-Stahlwerk der Acme Steel Company übernommen – also: ein Bankrotteur kauft einen anderen Bankrotteur – zum anderen bedeuten derartige “Sanierungen“ durch “Übernahmen“ von “Sachwerten“ bzw. “operativen Vermögen“ nichts anderes als das Abwälzen von “Altlasten“ (darunter auch die guten alten “Betriebsrenten“) auf die “Allgemeinheit“ bzw. den “Staat“ (auch das ein Markenzeichen der tollen “Marktwirtschaft“) sowie die “Liquidierung“ von “unrentablen“ Betriebsbereichen, was natürlich auch Entlassungen beinhaltet. Diese bittere Erfahrung durften auch jüngst die “Pensionsberechtigten“ eines insolventen und schließlich von US. Steel “übernommenen“ amerikanischen Stahlkonzerns machen (bedauerlicherweise ließ sich betreffender Artikel unter den Tausenden nicht ad hoc wiederfinden – wird aber nachgereicht) deren Pensionsansprüche vom Staat übernommen wurden und prompt “zum Teil verfielen“ (welchen Umfang dieser “Teil“ ausmacht, wird noch recherchiert). (Kleiner Abstecher nach `Good Old Germany`: Wer nun mal wieder meint, das könne “hier“ nicht geschehen, sei zum einen an die tolle “Frühverrentung“ erinnert, die ja auch nichts anderes darstellt als das Abwälzen von Kosten für den “Personalabbau“ (zu den daraus für den “Staat“ resultierenden “Kosten“ noch weiter unten eine Bemerkung) – zum anderen auf einen Artikel des `Spiegel` (10/2003) verwiesen, wo es schon in der Überschrift heißt: „In den Bilanzen deutscher Großkonzerne tickt eine Zeitbombe: Rund 330 Milliarden Euro müssen künftig für Betriebsrenten bezahlt werden. ... So muss zum Beispiel ThyssenKrupp über die nächsten Jahrzehnte hinweg Jahr für Jahr über 400 Millionen Euro aus dem Erwirtschafteten an die eigenen Betriebsrentner auszahlen.“)
Nachtrag “Stahl zu Schrott“: Am 26.10.2003 meldete die Agentur dpa-AFX (unter Yahoo-Nachrichten – Rubrik: Pleitewelle), dass sich ein weiterer US-Stahlkonzern in die endlose Schlange von Dutzenden bankrottierter US-Schmieden eingereiht hat: In der vorhergehenden Woche meldete die ehemalige Ford-Tochter, der Stahlkonzern Rouge Steel, Insolvenz an und macht damit seinem Namen alle Ehre. Und wie gehabt lautet auch hier das “Rettungskonzept“: Lohnkürzung für die noch verbliebenen 2.600 Mitarbeiter. Bedauerlicherweise war der Meldung nicht zu entnehmen, wie hoch die Schulden des Konzerns schon sind, was den Konzern aber nicht in seiner Absicht hinderte, noch mal 120 Mio. Dollar zur Weiterführung des Geschäfts aufzunehmen – und das bei einem Halbjahresverlust von 31,3 Mio. Dollar bei gerade mal 580 Mio. Dollar Umsatz. Zweifelsohne wird die rote Karte für Rouge nicht lange auf sich warten lassen.
Als ein weiterer Gigant der US-Wirtschaft ist General Electric (GE) ins Zwielicht geraten. Das selbst für versierte Analysten undurchschaubare Konglomerat, das mit seinen 300.000 Beschäftigten Glühbirnen, Kühlschränke, Flugzeugtriebwerke, Kraftwerksturbinen, Industrieausrüstungen und Kunststoffe (etwa für Auto-Innenverkleidungen, Elektrogeräte, Verkehrsschilder oder auch Küchenutensilien) fertigt, in den Bereichen Sicherheitssysteme, Medizintechnik, Wasserbearbeitung sowie mit weitgestreuten Finanzdienstleistungen (Unternehmensfinanzierungen, Konsumentenkredite, Versicherungen – bereits heute gehört GE zu den größten Kreditkartenorganisationen und Rückversicherern der Welt) aktiv ist und darüber hinaus auch noch den Fernsehsender NBC betreibt, geriet Anfang 2003 in die Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass der Gewinn 2002 deutlich unter den Prognosen lag. Dazu noch verlor die Aktie von GE allein 2002 40 Prozent.
Auch im ersten Halbjahr 2003 musste GE einen deutlichen Gewinnrückgang von 14 Prozent verzeichnen, und laut Michael Regan, Analyst der Credit Suisse First Boston, ist es um die “Profitabilität“ schlechter bestellt, als auf den ersten Blick erkennbar. Kritiker argwöhnen sogar, dass kreative Buchführung im Spiel ist, um kurzfristig Gewinne hochzuschrauben. Dass dieser Vorwurf wohl ins Schwarze trifft, lässt sich sowohl aus der “Bandbreite“ der “Gewinnprognosen“ für 2003, die zwischen 3 bzw. 13 Prozent liegen , ersehen als auch aus der damit zusammenhängenden Tatsache, dass die Finanzsparten den Großteil des “Gewinns“ erzielen (siehe auch mal wieder: `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 8 bzw. 9). Doch auch in der Finanzsparte macht sich die kollabierte Wachstumssimulation (alias Börsencrash) zunehmend bemerkbar, was bei der Versicherungstochter zu Gewinneinbrüchen und so genannten “Sonderbelastungen“ führte. (Die Kunst des “Reichrechnens“ - also Kredite als “Haben“ zu verzeichnen - wird weiter unten auch noch im Zusammenhang mit den Banken bzw. dem Hypothekenfinanzierer `Freddie Mac` sowie den Versicherungen Gegenstand sein (siehe auch die Projekte `Freddie Mac. & Co.` und `Hoffentlich Allianz-versichert`)).
Exemplarisch für die dubiosen Finanztransaktionen soll hier ein Deal des konzerneigenen Leasingunternehmens General Electric Capital Aviation Services (Gecas) mit der (na, was denn sonst) insolventen, unter Gläubigerschutz stehenden und mit 12,9 Mrd. US-Dollar verschuldeten größten kanadischen Fluggesellschaft Air Canada angeführt werden (und wieder mal Grüße von der TRANSNATIONALISIERUNG): Anfang Juli 2003 vereinbarte Air Kanada (selbst schon eine Fusion aus Canadian Airlines und Air Canada) neue (drastisch reduzierte) Leasingraten für 106 Flugzeuge sowie ein besichertes Darlehen in Höhe von 575 Mio. US-Dollar (unter der Bedingung, dass Air Canada das Gläubigerschutzverfahren, das bereits einmal verlängert worden ist, abschließt) und die Vorfinanzierung für den Kauf von 43 Regionaljets (1,3 Mrd. Dollar). Damit wird ein Streit beigelegt, der in einem Ultimatum der Gecas gipfelte, dass, wenn Air Canada die seit April 2003 eingestellte Ratenzahlung nicht wieder aufnehme, die Gecas 100 Flugzeuge einkassieren würde, was zweifelsohne das Ende der Fluglinie bedeuten würde (natürlich hat Air Canada aber auch noch andere Gläubiger). Besonders pikant an dem Artikel der FTD vom 07.07.2003 ist die Tatsache, dass von den 232 derzeit direkt bei Air Canada im Einsatz befindlichen Flugzeugen der Fluggesellschaft gerade mal 10 gehören. Und auch von den 133 (zum größten Teil veralteten) Maschinen, die bei Regionaltöchtern eingesetzt werden, gehören der Fluglinie nur 93.
Dennoch basiert die “Einigung“ nicht auf einem “Nachgeben“ von Air Canada (wo, nebenbei bemerkt, natürlich auch ein drastisches Sparprogramm läuft, inklusive Personalabbau von 3600 Stellen, um jährliche Personalkosten von 770 Mio. Dollar einzusparen), sondern ist hauptsächlich auf die allgemein katastrophale Lage in der Leasingbranche zurückzuführen, infolge derer die Leasingraten aufgrund des Überangebots an neuen Flugzeugen dramatisch gefallen sind. Letztlich ist es nichts als schon verzweifeltes Eigeninteresse, das die Gecas zu dieser Einigung zwang. Denn sollte Air Canada tatsächlich bankrottieren, so ständen gigantische “Wertberichtigungen“ in der Bilanz der Gecas an.
Dass bei GE wohl noch weitere böse Überraschungen fällig sind, zeigt sich noch an einem weiteren Beispiel: Erstmals seit 1969 kam es im Januar 2003 zu einem landesweiten Streik in verschiedenen GE-Fabriken in den USA, an dem sich nach Presseberichten rund 18.000 Beschäftigte beteiligten. Sie protestierten gegen eine Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge (wie war das noch gleich mit der “Unterdeckung“ ???).
Hiob ist auch in der US-Chemie- bzw. Pharma-Industrie angesagt (aber natürlich auch im globalen Maßstab). Wie einem Artikel der SZ vom 31.01 2003 zu entnehmen ist , meldet u.a. der US-Chemieriese Dow Chemicals rote Zahlen. Im letzten Quartal 2002 fiel nach Konzernangaben ein Riesenverlust von 809 Mio. Dollar an; für das Gesamtjahr 2002 338 Mio. Dollar. Schon 2001 war ein Gesamtjahresverlust von 385 Mio. Dollar aufgelaufen – und das, obwohl die globale Chemieindustrie ihre Investitionen schon seit 1999 drastisch zurückgefahren hat (weltweite Investitionen 1998: 45 Mrd. Dollar, 2002: 29,1 Mrd. Dollar – HB, 25.06.2003 (Graphik)). Im Januar 2003 verkündete Dow dann auch noch den Abbau von 3000 bis 4000 Stellen sowie Werksschließungen (was die Zulieferer erfreut haben dürfte). Ebenso hat der angeschlagene US-Pharmakonzern Schering-Plough gravierende Sparbeschlüsse zur “Restrukturierung“ seines Geschäfts beschlossen (FTD, 25.08.2003). Zu den “Maßnahmen“ zählen die Kürzung der Dividende um 68 Prozent, der Abbau von 1000 der 2900 Arbeitsplätze in den USA (Gesamtkonzern: 30.000) und die Streichung von Bonusbezügen und außerordentlichen Sozialleistungen. In den letzten zweieinhalb Jahren hat die Aktie fast 70 Prozent verloren und die Eigenkapitalquote tendiert gegen Null (was bei dringend erforderlichen Investitionen in Anlagen und Forschung die Aufnahme von Krediten erzwingt - die jedoch für den Konzern nur noch schwer zu bekommen sind). Dazu kommt noch eine Strafe von 500 Mio. Dollar für Schlampereien in Produktionsstätten für Arzneien. (Diese “Produktionsmängel“ - mensch denke an Ford – erinnern doch stark an die verblichene Sowjetunion bzw. den kollabierten Ostblock (siehe auch: Robert Kurz; `Der Kollaps der Modernisierung`; Reclam-Leipzig; (Taschenbuchausgabe); 1993)). (Durch die auch in der Pharmabranche ungebrochene Fusionswelle meldete der US-Pharmakonzern Pfizer für das II. Quartal 2003 ebenfalls einen gigantischen Verlust von 3,59 Mrd. Dollar, bedingt durch die Übernahme des Konkurrenten Pharmacia.)
Wer MEINT, stattdessen breche jetzt halt in der so genannten Bio-Tech-Branche das ökonomische Humunculus-Zeitalter an, trifft weitestgehend auch dort nur auf Dorian Gray. Schon am 12.03.2003 titelte die SZ: “Biotechbranche in der Finanzkrise“. Dem Artikel zufolge „steht nach Ansicht von Analysten und Investoren ein hartzer, äh, harter “Ausleseprozess“ bevor.“ Zahlreichen Unternehmen drohe wegen des Engpasses an den Finanzmärkten (ja, ja – such das FIKTIVE KAPITAL) das Geld auszugehen. Große Unternehmen würden diese “schwierige Phase“ auf den Kapitalmärkten überstehen (denkste !!!), kleinere Gesellschaften aber müssten angesichts des “schlechten Finanzierungsklimas“ derzeit um ihr Überleben kämpfen. Weiter heißt es, dass schon in den kommenden Monaten einigen Unternehmen das Geld ausgehen werde, und schon jetzt müssten viele die Forschung stark einschränken. Mit gravierenden Folgen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass einige Unternehmen ihre Finanzreserven verbrauchen, bevor sie mit eigenen Produkten auf den Markt kommen könnten (von denen nur wenige große medizinische Fortschritte mit sich bringen).
Zwar wird in diesem Artikel wieder das Hohelied auf Amerika gesungen, wo es - im Gegensatz zu der handvoll europäischer - 45 “profitable“ Unternehmen gebe, doch nur eine Zeile weiter wird ebenso von einer im Vergleich “schneller ablaufenden Konsolidierung der Branche“ in den USA berichtet. Auch die FTD vom 24.06.2003 (Rubrik: `Agenda`) reiht sich in diesen begriffslosen Jubelchor ein: “Erfolgreiche Entwicklung“ – heißt es da. Allerdings vermeldet auch dieser Hurra-Artikel eine prekäre finanzielle Schieflage zahlreicher Unternehmen in der Biotechbranche. Diesbezüglich fokussiert ein Nebenartikel hauptsächlich auf Europa, doch im Hauptbeitrag über die US-Unternehmen heißt es dann: „Hochschulen, Industrie und kleinere Biotech-Firmen sind eng vernetzt und profitieren von Entwicklungen der Partner. In großem Umfang fließen Gelder des National Institute of Health Universitäten und Unternehmen zu, allein im vergangenen Jahr kassierten US-Forscher 22 Mrd. Dollar.“ – in den USA läuft also die Finanzierung nicht mehr über den von FTD-Schreibern zuvor noch gepredigten und gelobten “Markt“, sondern über die immer wieder heftig kritisierten “staatlichen Subventionen“ (was den US-Haushaltskrater sicher noch ein wenig gigantischer werden lässt – siehe unten). Ohne diese Gelder würden auch viele amerikanische Firmen wegen “mangelnder Kapitalkraft“ vor dem Aus stehen.
Vor allem die hohen Kosten der Entwicklung und der anschließenden klinischen Phase erweisen sich für viele Unternehmen (vor allem die, die keinen “Papa Staat“ als generösen Mäzen im Rücken haben) als “Deadline“: „Die klinische Phase durchzustehen, ist teuer. Wollte man alle europäischen Produktfirmen bis Ende 2005 durchfinanzieren, bräuchte man zwischen 10 und 33 Mrd. Euro. Vergleicht man diese Summe mit den 8,3 Mrd. Euro, die der Sektor seit Anfang 2000 eingesammelt hat, wird klar, dass diese Geldmenge nicht aufgebracht werden kann. Viele Firmen werden den Kapitalmangel nicht überleben – schon jetzt verschwinden allein in Deutschland pro Monat zwei bis drei Unternehmen vom Markt.“
Das ganze Ausmaß des hohlen Hurras verdeutlicht folgende Passage: „George W. Bush sucht die Termine sorgfältig aus, die er in der Vorrunde zur Präsidentschaftswahl 2004 wahrnimmt. Nur dort, wo Glanz und Optimismus herrschen, lassen die Wahlkampfplaner ihren Chef auftreten. In diese Kategorie fällt die BIO-Konferenz in Washington, die weltgrößte Zusammenkunft der Biotechbranche. Gestern trat Bush vor Hunderten Managern und Wissenschaftlern im Convention Center der Hauptstadt auf – und lobte ihren Beitrag für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten (anscheinend hat George noch nicht mitbekommen, dass diese bankrott ist – zur Gesamtverschuldung der US-Unternehmen weiter unten).
Denn die Branche boomt. Alle paar Wochen werfen US-Unternehmen neue Präparate auf den Markt, die Zahl der Firmen, die Gewinne schreiben, nimmt stetig zu, die Aktienkurse steigen.“ – Pech nur, dass eine beistehende Grafik doch eine etwas andere Sprache spricht (FTD, 24.06.2003; Quelle: Ernst & Young). Dieser kann mensch dann nämlich entnehmen, dass sich der (wohlbemerkt) “Nettoverlust“ allein der 318 börsennotierten US-Firmen nur für das Jahr 2002 auf 9,4 Mrd. Dollar summierte – also pro Unternehmen etwa 30 Mio. Dollar (wie groß wohl der Verlust gewesen wäre, wenn besagte Subventionen nicht geflossen wären, und wie viele von den Unternehmen wohl noch nach der anstehenden “Konsolidierung“ vorhanden sind??? – denn wenn, wie die SZ berichtet, 45 US-Firmen “Gewinne“ (vielleicht “Gewinne“ à la US-Airlines) machen, bedeutet das natürlich auch, dass 273 Verluste schreiben (bezogen nur auf die 318 börsennotierten Unternehmen)).
Anscheinend war der Schreiber des FTD-Artikels jenseits von jeglichem Bezug zur Wirklichkeit (vielleicht hält er oder Bekannte auch Biotech-Aktien, die ein wenig “gepusht“ werden sollten) als er Folgendes über die US-Biotechfirma Genentech schrieb: „Nach dem jüngsten Kursanstieg ist das Unternehmen 38 Mrd. Dollar wert – fast so viel wie der französisch-deutsche Pharmariese Aventis. Anders als das Gros der europäischen Konkurrenz schreibt Genentech Gewinn, im vergangenen Jahr fast 500 Mio. Dollar. Der Konzern mit Sitz in San Francisco macht 2,7 Mrd. Dollar Umsatz, beschäftigt mehr als 5.000 Mitarbeiter, hat zehn Produkte auf dem Markt und zwei Dutzend in der Entwicklung. Rund 500 Wissenschaftler publizieren jährlich 250 bis 300 Fachartikel. „Seit seiner Gründung vor 27 Jahren hat sich Genentech seinen Pioniergeist bewahrt“, schwärmt Branchenexperte Frank Borriello von BB Biotech.“ Und wie im Rausch geht`s direkt weiter: „Genentech hat den Investoren die Hoffnung zurückgegeben, die ihnen Skandalunternehmen geraubt hatten. Der Chef des einstigen Börsenlieblings Imclone, Sam Waksal, etwa wurde vor einigen Tagen wegen Betrugs zu mehr als sieben Jahren Haft verurteilt. Über Monate hatte der Fall die Branche belastet. Doch davon ist nun keine Rede mehr, Euphorie ist angesagt.“
Soweit die bunte BWL-Smartieswelt – zumal es nur eine Zeile weiter schon heißt, dass sich auch für Genentech der oben erwähnte (22 Mrd.-Dollar-)“Standortvorteil“ “auszahlt“. Auch mit den zitierten 500 Mio. Dollar “Gewinn“ kann irgend etwas nicht so recht stimmen, denn am 11.07.2003 titelt ein anderer Schreiber der FTD: “Genentech kehrt in Gewinnzone zurück“ – „Im zweiten Quartal erzielte das nach Amgen zweitgrößte Biotech-Unternehmen der Welt ein Nettoergebnis von 132,3 Mio. Dollar nach einem drastischen Verlust von 213,6 Mio. Dollar im gleichen Quartal des Vorjahres.“ Dem Artikel zufolge basierte dieser offensichtlich auf dem oben beschworenen “Pioniergeist“ bzw. “Innovativkraft“ – à la Imclone: 2002 war Genentech wegen Patentrechtsverletzung zu einem Schadensersatz von 500 Mio. Dollar verurteilt worden, die das Unternehmen nun Quartal für Quartal abstottert – ein deutlicher Beleg der “Kapitalkraft“ (und es wird auch klar, was gemeint ist, wenn es im obigen Vollrausch-Artikel heißt: „In Europa werden fantastische Forschungsergebnisse erzielt – umgesetzt werden sie allerdings allzu oft von US-Firmen.“). Darüber hinaus brach der “Gewinn“ im Vergleich zum ersten Quartal 2003 bereits wieder um 13 Prozent ein.
Ebenso verdeutlicht die im Hurra-Artikel vermutete “Einkaufstour“ amerikanischer Firmen in Europa (Chiron übernahm Ende Mai 2003 den britischen Impfstoffanbieter Powderject Pharmaceuticals Plc (dadurch entsteht der weltweit zweitgrößte Anbieter von Grippe-Impfstoffen), Biosearch aus Italien verschmolz mit Versicor zu Vicuron Pharmaceuticals und Mitte Juni 2003 schluckte das US-Unternehmen Cell Therapeutics die letzte börsennotierte Biotech-Firma in Italien, Novuspharma) die vollkommene Verkennung dessen, was real passiert. So ist denn diese Fusionswelle keine Einbahnstraße, wie die Übernahme der US-Biotechfirma Igen durch den Schweizer Pharmakonzern Roche Ende Juli 2003 zeigt (wobei laut FTD-Artikel vom 28.07.2003 auch Igen ein “existenzielles Interesse“ (O-Ton FTD) an diesem Deal hatte – kein Wunder bei einem Jahresumsatz von 56 Mio. Dollar (wovon 33 Mio. Roche für Lizenzen beisteuert) und einem Vorsteuerverlust von 28 Mio. Dollar), sondern Ausdruck der verschärften Transnationalisierungsprozesse (Konzentration des Kapitals – nicht zu vergessen die Tatsache, dass die Anteilseigner der börsennotierten Unternehmen – und nicht nur dieser – aus allen Ecken der Welt stammen) im Zuge der kollabierten Akkumulationssimulation (bzw. des fortschreitenden Zusammenbruchs der Finanzmärkte – dazu weiter unten), welche daneben auch noch durch die banale Tatsache, dass diese Branche derzeit in ein fortgeschrittenes Reifestadium eintritt, zusätzlich forciert werden. (mensch braucht kein “Hellseher“ zu sein, um voraussagen zu können, dass dies einen massiven Arbeitsplatzabbau nach sich ziehen wird)
Wie groß dieser Fusionsdruck bzw. wie prekär die finanzielle Schieflage mittlerweile ist, zeigt auch der Ende Juni 2003 verkündete Zusammenschluss der beiden US-Unternehmen IDEC Pharmaceutical und Biogen (was Biogen jedoch nicht davon abhielt, Ende Juli 2003 den Abbruch der Produktentwicklung eines Medikaments gegen die Darmkrankheit Morbus Crohn bekannt zu geben, was prompt auch die Aktie des irischen Entwicklungspartners Elan um 21 Prozent einbrechen ließ), wodurch, laut FTD, „ein “Branchenriese“ mit 1,55 Mrd. Dollar Umsatz und mehr als 3700 Mitarbeitern entsteht“ – was aber de facto nur ein Intermezzo sein dürfte.
Vielmehr aber noch verdeutlicht dies der menschenverachtende Beschluss der US-Zulassungsbehörde FDA, die Zulassung für Präparate, „bei denen ein hoher therapeutischer Bedarf besteht“, zu “vereinfachen“ – also eine “Versuchskaninchen-Konzession“ (natürlich am “zahlenden Kunden“). Denn der perfide Zweck dieser “Vereinfachung“ besteht einzig und allein darin, „dass die Zahl der Neuzulassungen nach dem stetigen Rückgang der vergangenen Jahre 2003 wieder anzieht.“ – was das gängige Credo des Marktes - “Buy or Die“ - ein wenig verschärfen dürfte: “Buy AND Die“ !!!
Doch nicht nur unter “finanziellen Engpässen“ leidet die Branche, sondern, wie die FTD schon am 19. 05.2003 berichtet, ebenso unter technologischen (die dann selbstverständlich auch wieder zu finanziellen werden): “Biotech-Firmen droht Produktionsengpass – Nach langwieriger Entwicklung können Medikamente oft nicht zügig hergestellt werden – Gefahr für die Branche“. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die modernen Wirkstoffe technologisch immer anspruchsvoller werden. Fünf bis sechs Jahre vergehen allein von der Planung einer Biotech-Produktionsanlage bis zur Auslieferung eines fertigen Medikamentes (was natürlich auch erst mal alles “finanziert“ werden muss). „Es gibt industrieweit leider sehr oft Probleme, die Produktion vom Labormaßstab auf ein industrielles Niveau zu heben“, so Wolfram Carius, Leiter der Biotech-Sparte von Boehringer Ingelheim. Wie groß die Probleme werden könnten, hängt davon ab, wie viele und welche biologischen Präparate die “Marktreife“ (“Marktreife“ à la Contergan) erlangen werden. Über 370 Biotech-Wirkstoffe seien derzeit entweder in der klinischen Erprobung oder im Zulassungsverfahren, so der US-Pharmaverband PhRMA. Gerade mal ein Fünftel davon wird erfahrungsgemäß den “Ausleseprozess“ überstehen.
Und noch ein Novum: Bei herkömmlichen, chemiebasierten Wirkstoffen haben Pharmakonzerne traditionell die Herstellung auch selber in die Hand genommen. Das ändert sich gerade. „Es gibt in der Pharmaindustrie einen eindeutigen Trend zur Ausgliederung der Biotech-Produktion“, sagt Wolfram Carius. In der Branche stehen weitreichende Umwälzungen an, denn schwer zu produzierende, komplexe Moleküle brauchen viel Know-how und hohe Investitionen. Aber auch einfachere Moleküle, deren Produktion weniger aufwendig ist, müssen sich rechnen und die Anlagen entsprechend ausgelastet sein (so ist das in der tollen Marktwirtschaft – nicht das Bedürfnis, sondern einzig die “Rentabilität“ ist das Kriterium, ob etwas gesellschaftlich durchaus Notwendiges hergestellt wird - oder eben nicht).
Wie weit dieser “Auslagerungsprozess“ schon jetzt vorangeschritten ist, zeigt das Beispiel Boehringer (ist zwar ein so genannter “deutscher“ Konzern, aber hier sehr gut geeignet): Boehringer entwickelt und produziert am Biotech-Standort Biberach Medikamente im Auftrag großer und kleiner Pharmafirmen, darunter branchenweit bekannte Produkte wie Enbrel von Amgen (weltgrößtes Biotech-Unternehmen (USA)), Betaferon von Schering und Synagis von Medimmune (das US-Unternehmen vereinbarte Mitte Juni 2003 eine Entwicklungskooperation mit der deutschen Biotech-Firma Micromet) – aber weiterhin viel Vergnügen bei der imaginierten “Nationalbastelstunde“.
Im wahrsten Sinne des Wortes schlafraubend (als Kontrast zum “Gute Nacht“ der US-Chemie- bzw. Pharma-Industrie) ist der Bankrott von Westpoint Stevens, einer der größten US-Hersteller für Bettwäsche und Handtücher. Westpoint litt unter Auslandskonkurrenz, fallenden Umsätzen (klar, dass das immer größer werdende Obdachlosenheer – mittlerweile sind es gut 40 Millionen Menschen – keine Bettwäsche braucht) sowie Schulden in Höhe von 1,8 Mrd. Dollar. Selbstverständlich flüchtete sich auch Westpoint unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11.
Und auch für die Blue Jeans sieht`s schwarz aus. Am Freitag den 13., äh, 12. September 2003 meldete die FTD: “Levi Strauss streicht Stellen“ – „Der US-Jeanshersteller Levi Strauss Levi Strauss & Co. will in den USA und Europa (vermutlich bei den “teuren“ “Portugiesen“, “Ungarn“, “Polen“, “Russen“ u.a. – siehe auch Projekt `Russland, Osteuropa, Balkan`) insgesamt 650 Stellen streichen. Das entspricht fünf Prozent der gesamten Belegschaft, teilte das Unternehmen mit. Der Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, er werde die Produktion in Billiglohnländer verlagern und im Zuge dessen 3.600 Mitarbeiter entlassen.“ – und dass es sich dabei nicht um leere Drohungen handelt, um etwa die Lohnabhängigen wie üblich ein wenig zu erpressen, meldet dann die FTD am 26.09.2003: “Levi`s beendet Tradition“ – „Der Jeans- und Bekleidungshersteller Levi Strauss schließt seine vier letzten nordamerikanischen Bekleidungsfabriken. Knapp 2000 Mitarbeiter in einem amerikanischen und in drei kanadischen Betrieben verlieren ihre Stellen. Konzernchef Phil Marineau begründete die Schließung mit dem scharfen Wettbewerb in der Branche. Es hätten nur noch wenige Marken eigene Fabriken in Nordamerika. Levi Strauss sei einer der letzten dieser Firmen gewesen (Firmen wie Wrangler oder Lee haben schon seit längerem ihre Produktion “ausgelagert“). Das Unternehmen wolle sich statt auf die Fertigung auf das Produktdesign, den Verkauf und die Kundenbeziehungen im Einzelhandel konzentrieren. Die Fertigung werde zu Auftragsfertigern im Ausland verlegt.“ – da werden dann demnächst mal wieder ein paar mehr das in den USA (aber natürlich auch global) angesagte “Lumpendesign“ tragen.
Nachtrag zu “Turn Red, äh, Blue into Black“: Offensichtlich beherrscht Levi`s nicht nur die Kunst des Färbens in Bezug auf Bekleidung – Schönfärberei ist auch bei den Bilanzen angesagt (FTD, 13.10.2003): “Bilanzfehler treffen Jeansfirma Levi Strauss in kritischer Phase“ – „Levi Strauss & Co. reiht sich in die lange Schlange amerikanischer Unternehmen ein, die ihre Bilanzen rückwirkend korrigieren müssen. Die Jeansfirma räumte ein, dass der Nettogewinn 2001 um 26 Mio. Dollar zu hoch angesetzt war. Zudem sei das Ergebnis des dritten Quartals 2003 etwa 4,9 Mio. Dollar niedriger als zunächst behauptet.“ Doch die Probleme der Firma gehen über die Bilanzen hinaus: 2002 lag der Umsatz mit 4,2 Mrd. Dollar um gut 40 Prozent unter dem Rekordjahr 1996 – und das bei einem Schuldenberg von 2 Mrd. Dollar. Zweimal musste Levi inzwischen Kreditvereinbarungen mit seinen Banken neu aushandeln, um einen Konkurs zu vermeiden. Dass das jedoch nur eine Galgenfrist ist, lässt sich aus einer simplen Rechnung ableiten: Rechnet mensch den für das dritte Quartal 2003 auf 21,8 Mio. Dollar “korrigierten“ Nettogewinn (der sich zum Vorjahresquartal verdoppelt habe) auf das Jahr hoch, so kommt mensch, selbst wenn der Einfachheit halber 25 Mio. Dollar zugrunde gelegt werden, auf 100 Mio. Dollar Jahresgewinn. Bei den aufgetürmten Schulden von 2 Mrd. Dollar hat das Unternehmen somit die Gewinnsumme von 20 Jahren “verpfändet“ – so viele Jeans kann Levi`s natürlich nie wieder verkaufen, um diesen Betrag zu tilgen, zumal durch die mit den “Auslagerungen“ verbundenen Kosten dieser Schuldenberg sogar noch eher anwachsen wird.
Die hier angeführte Rechnung kann mensch übrigens bei allen in diesem und anderen Projekten beschriebenen Unternehmen anwenden - eine Rechnung, die zeigt, wie abgrundtief absurd es ist, überhaupt noch von “Gewinnen“ zu reden.
Der Erfolgsfilm ist auch bei Eastman Kodak gerissen. Plante der amerikanische Fotokonzern, der Ende 2002 noch 70.000 Mitarbeiter hatte, zu Anfang 2003 noch einen Stellenabbau von 2.300 bis 2.900 Stellen für das laufende Jahr, um damit erwartete Kosteneinsparungen von 65 bis 85 Mio. Dollar zu erzielen, so war Ende Juli nach einem dramatischen Gewinneinbruch von 61 Prozent wegen weiterhin rückläufiger Nachfrage (und “Tourismusschwäche“- tja, Arbeitslose, Obdachlose und Hungernde machen nun mal keinen “Urlaub“) im vorangegangen Quartal die Zahl der zu streichenden Stellen auf 6000 gestiegen (erhoffte “Kosteneinsparung“ hier: 400 Mio. Dollar). Als Zugabe senkte die Rating-Agentur Standard & Poor`s Kodak`s Bonität nach der Bekanntgabe der Übernahme von Practiceworks, ein Softwarehersteller für Zahnarztpraxen, zum Übernahmekurs von 466 Mio. Dollar auf BBB (kurz vor “Junk“ (“Ramsch“). Und am 26.09.2003 schließlich titelte die FTD: “Eastman Kodak stoppt Investitionen ins Filmgeschäft“ – Damit verabschiedet sich der mit 3 Mrd. Dollar verschuldete Konzern aus dem traditionellen Filmgeschäft, will dieses jedoch in den kommenden zwei Jahren noch so richtig “ausquetschen“ (O-Ton FTD – was das noch an Stellenstreichungen direkt und indirekt (bei den Zulieferern) kosten wird, kann mensch sich an einem Finger abzählen). Zudem kürzte Kodak erstmals in der 123-jährigen Firmengeschichte die Dividende für die Aktionäre, und zwar um 72 Prozent von 1,80 Dollar auf nunmehr 50 Cent pro Aktie. Dennoch sehen Analysten nur wenig Chancen, dass Kodak - aufgrund der weit enteilten Konkurrenz - dieser Umstieg auch gelingen wird – auch bei Kodak ist wohl nichts mehr mit “Bitte Lächeln“.
Nachtrag “Kodak zu No-Buck“: Am 23.10.2003 titelte die FTD: “Kodak erleidet erneuten Ergebniseinbruch“ – auch im dritten Quartal brach der “Gewinn“ um 63 Prozent ein. Der Konzern meldete einen Quartalsgewinn von 122 Mio. Dollar, hat also nach der kleinen Rechnung von Levi´s die “Gewinnsumme“ von “nur“ sechs Jahren als Schulden aufgehäuft. Es kann also wohl kaum verwundern, dass die Investoren ob der “Zukunftsaussichten“ bzw. “Strategiewechsel“ mehr als skeptisch sind.
Die Axt im Walde kreist derzeit auch bei International Paper (FTD, 12.09.2003): Der weltgrößte Papierhersteller streicht bis Jahresende 2003 weitere 3.000 Stellen; 3,5 Prozent der Gesamtbelegschaft. Schon 2002 hatte der Konzern 9.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Kürzungen sind Teil eines “Plans“, die Kosten um 1,5 Mrd. Dollar zu reduzieren.
Überhaupt befindet sich der amerikanische Papiermarkt mitten in einer “Konsolidierungswelle“. Bereits am 15.07.2003 meldete die FTD: “Milliarden-Fusion in Amerikas Papiermarkt“ – Der US-Papierhersteller Boise Cascade kauft Officemax, die hinter Staples und Office Depot drittgrößte US-Ladenkette für Büroartikel. Zweck dieses Deals ist ein “Strategiewechsel“ des zuletzt in die Verlustzone gerutschten Papierherstellers. Das Unternehmen, das bereits heute 45 Prozent seines Umsatzes (im Vorjahr lag dieser bei 7,4 Mrd. Dollar) durch die Distribution von Büroartikeln erzielt, die längst über Papierprodukte hinausgehen, versucht damit den Wandel von einem Industrie- und Transportunternehmen hin zu einer Handels- und Dienstleistungsfirma. - Merkwürdig: Anscheinend realisiert keines der in diesem Projekt erwähnten Unternehmen, die ähnliche “Transformationsprogramme“ anvisieren, dass natürlich auch die “Dienstleistungsgesellschaft“ kollabiert (– siehe `Fluggesellschaften`, weiter unten sowie `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 3 und Robert Kurz; `Schwarzbuch Kapitalismus`; Abschnitt: `Die Fata Morgana der Dienstleistungsgesellschaft`).
Und nicht nur die “traditionellen“ Industrien sind Kapitel 11-Kandidaten bzw. Mega-Minus-Macher, sondern auch die Hightech-Branche “hat fertig“. Gerade hier zeigt sich der potemkinsche Charakter der “New Economy“. Ob Chiphersteller bzw. deren Ausrüster, Computerbauer, Handy-Hersteller, Software-Unternehmen, Telekomfirmen, Internet-Services und Medienkonzerne: “Mayday, Mayday“ - auf allen Frequenzen.
Ein Primus des auch in dieser Branche verbreiteten “Frisierens“ ist der Mischkonzern Tycos International Ltd., der schon 2002 wegen seiner “Bilanzierungsmethoden“ in Turbulenzen geraten war (SZ, 23.01.2003). Zusätzlich (oder wohl auch deshalb) vermeldete der Konzern für das letzte Quartal 2002 einen Gewinneinbruch von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 630Mio. Dollar. Der (plötzliche) Gewinnrückgang war nach Angaben von Tycos vor allem auf die schlechteren Ergebnisse der Elektroniksparte zurückzuführen (doch auch in anderen Sparten hat Tyco weniger verdient). Kurz darauf kündigte Tycos dann im Frühjahr 2003 die Schließung Hunderter Fabriken an (der betreffende Artikel ist ebenfalls noch “missing“ und wird nachgereicht).
Auch der weltgrößte Hersteller von elektronischen Speichersystemen EMC (die Geräte werden fast ausschließlich in Unternehmen eingesetzt) kommt nicht recht aus dem Tal der Tränen heraus. Nachdem der Konzern in den Jahren 2001 und 2002 jeweils Verluste melden musste (2002: ein “sattes Minus“ (O-Ton FTD, 27.02.2003) von 494 Mio. Dollar) und der Umsatz des einstigen “Börsenlieblings“ nach seinem Top-Jahr 2000 von 8,9 Mrd. Dollar (bei einem Gewinn von 1,8 Mrd. Dollar) auf 5,4 Mrd. Dollar (2002) absackte (um 40 Prozent also), verkündete EMC-Chef Joe Tucci; dass sich der Konzern durch Zukäufe von Software-Firmen vermehrt auf das Geschäft mit Speicher-Software konzentrieren will, um die heißgeliebten “Margen“-Ziele zu erreichen (Anfang Juli 2003 übernahm der Konzern das seit über zwei Jahren “unprofitable“ Softwareunternehmen Legato, das auf Programme für Speichernetzwerke in Unternehmen spezialisiert ist), was aber de facto den Abschied aus der Hardware-Produktion einläutet. Denn trotz massiver “Kostensenkungsprogramme“ seit Joe Tucci`s Amtsantritt im Januar 2001 (die selbstverständlich weiterlaufen), in Zuge derer von den ehemals 23.500 Mitarbeitern Anfang 2001 am Jahresende 2002 noch 17.000 übrig blieben, also 6.500 Menschen bzw, ca. 30 Prozent der Belegschaft gefeuert wurde, fiel der schon erwähnte Verlust von knapp 500 Mio. Dollar an. Das nennt mensch eine “gelungene Sanierung“. Passend dazu schockte EMC Mitte Juli 2003 die Anleger mit schwachen Zahlen und Ausblicken – aber der “Aufschwung“ kommt ja ganz bestimmt.
Tristesse herrscht auch bei den Chip-Produzenten. Wie düster es in der Branche aussieht, lässt sich aus einem Artikel der SZ vom 02.01.2003 ersehen, in dem es trocken heißt: „... „Samsung ist derzeit der einzige profitable Chiphersteller der Welt.“ – (mittlerweile musste auch Samsung kräftig Federn lassen).
Als weltbekannte US-Konzerne stehen dabei Intel und Texas Instruments (TI) besonders unter Druck. Und obwohl es Texas Instruments, den weltgrößten Handychiphersteller, durch seine Ausrichtung und den erst 2003 richtig durchschlagenden Einbruch im Handymarkt in den Jahren zuvor nicht so hart traf wie den Rest der Branche, wies TI auch für 2001 (201 Mio. Dollar) und 2002 (344 Mio. Dollar) hohe Verluste aus. Der Konzern mit 34.500 Mitarbeitern erzielte 2002 einen Umsatz von 8,4 Mrd. Dollar, wobei der Löwenanteil von 6,9 Mrd. Dollar auf die Chipsparte entfiel. Die restlichen Erlöse stammen aus den wesentlich kleineren Segmenten für Sensoren und Taschenrechner. 2003 hat sich nun, wie schon gesagt, die Situation in der Handy-Branche dramatisch verschärft, was dazu führte, dass das Unternehmen seine “Gewinnprognosen“ (“Gewinne“ á la 2001 und 2002) deutlich gesenkt hat. Darüber hinaus kündigte TI schon im April 2003 den Abbau von 800 Arbeitsplätzen an, Mitte Juni dann einen “Nachschlag“ von weiteren 250 Stellen.
Und auch der kalifornische Halbleiterhersteller National Semiconductor macht mit beim Streichkonzert (FTD, 22.05.2003) und entlässt weitere 340 Mitarbeiter. Damit sinkt die Beschäftigtenzahl auf 9200. Darüber hinaus wird noch eine Produktionslinie zur Herstellung von Handybestandteilen geschlossen.
Intel scheint es dagegen schon wieder besser zu gehen, jedenfalls brechen schon wieder Jubelstürme aus – an denen sich Intel selbst - trotz eines verglichen zum Vorjahreszeitraum doppelt so hohen Quartalsgewinns von 896 Mio. Dollar – aber nicht beteiligen will. Der Konzern wird schon wissen warum. Wie sich im folgenden Abschnitt nämlich zeigt, haben sämtliche Chipproduzenten ihre Investitionen drastisch eingeschränkt, und wenn investiert wird, dann im Bereich der 300-Millimeter-Wafer. Mit diesen Wafern lassen sich mehr als doppelt so viele Chips wie derzeit üblich gleichzeitig produzieren und zudem Kosten reduzieren (siehe auch: Robert Kurz; `Der Mythos der Produktivität`; www.krisis.org ; Rubrik: `Weitere Texte von Krisis-Autoren`). Das dürfte neben der Preisdrückerei gegenüber den Ausrüstern und der Tatsache, dass, da der Markt schrumpft, “Gewinne“ nur noch auf Kosten der Konkurrenz gemacht werden können (so verzeichnen AMD, Infineon u.a. gigantische Verluste) so ziemlich das einzige kleine schmutzige Geheimnis der wundersamen “Gewinnsteigerung“ Intels sein (vielleicht hat ja auch die Finanzabteilung mal wieder ein besseres Pokerhändchen gehabt ??? - wie immer: Kapitel 8) – Investitionen in der Masse zurückfahren (so hat Intel seine Investitionen für 2003 um rund 1 Mrd. Dollar gekürzt) und kurzfristige Vorteile durch die Einführung produktiverer Herstellungsmethoden. Allerdings rüsten derzeit z.B. auch Samsung und UMC (weltweit zweitgrößter Auftragshersteller für Microchips, Taiwan) mächtig auf. UMC wird bis Ende nächsten Jahres 500 Mio. Dollar in die Kapazitätserweiterung bei seinem Werk in Südtaiwan investieren, um die Produktion von 8.000 auf 20.000 Wafer pro Monat (natürlich 300-Millimeter-Wafer) zu steigern. Außerdem wird das Unternehmen 1Mrd. Dollar investieren um die Produktion seines neuen Joint Ventures mit Infineon Technologies in Singapur zur erhöhen. (FTD, 10.07.2003) All das bedeutet natürlich nichts anderes, als dass sich der Vernichtungswettbewerb noch weiter verschärfen wird – und in der Folge: Auch Computer “kaufen“ keine Autos.
Welch ein perfider Meister Intel in Sachen Erpressung ist, zeigt das Beispiel des hoch defizitären US-Speicherchip-Herstellers Micron (FTD, 26.09.2003 – wo es ganz offen in der Überschrift schon heißt: “Intel nutzt Microns Zwangslage aus“), der im abgelaufenen Quartal einen Verlust 123 Mio. Dollar auswies, nachdem es im Vorjahreszeitraum sogar 586,5 Mio. Dollar waren. Insgesamt meldete Micron den elften Quartalsverlust in Folge (siehe Lucent). Damit nun Micron nicht vollends abschmiert, kaufte Intels Finanzarm Intel Capital mal eben 5,3 Prozent Microns für 450 Mio. Dollar in Aktien. Das frische Geld will Micron nun in Produktionstechnik für modernste Speicherchips stecken, um den Investitionsrückstand gegenüber Rivalen wie Samsung oder Infineon aufzuholen. Die Finanzspritze erlaube Micron, im Wachstumsmarkt für schnelle Speicherchips mitzumischen, behauptet Micron-Chef Steve Appleton; doch Analysten warnen vor übertriebenem Optimismus: „Intels Strategie heißt: Teile und herrsche“, sagt etwa Andrew Norwood, Chipspezialist der Marktforschungsfirma Gartner. „Intel hält die Speicherchiphersteller mit Geld am Leben, damit sie in die neuesten Technologien investieren und sich gegenseitig bei den Preisen bekämpfen“. – Intel selbst war wegen fallender Preise schon in den 80er Jahren aus der Speicherchip-Produktion ausgestiegen. Seitdem lenkt der kalifornische Konzern die Branche in die gewünschte Richtung, indem er sich mit Chipherstellern geschäftlich verzahnt oder auf die Technik seiner Prozessoren trimmt. Intel verdient an Prozessoren, die quasi das Gehirn eines Computers sind. Damit sich auch seine neuesten Pentium-Modelle gut verkaufen ist Intel darauf angewiesen, dass Speicherchips entsprechend weiterentwickelt werden. Das stark schwankende (schwankend à la 8,0 auf der Richter-Skala) Geschäft mit diesen so genannten DRAM-Chips, dem Kurzzeitgedächtnis des Rechners, überlässt Intel anderen Chipherstellern – Micron etwa, Infineon oder den asiatischen Herstellern Samsung, Hynix (dieser würde jedoch für Intel zum Milliardengrab werden) und Elpida. Marktführer Samsung macht damit im Moment noch Gewinn (aber auch nur noch in “Spurenelementen“) alle anderen Konzerne machen gigantische Verluste. Damit sie trotzdem in die neue Chipgeneration investieren können – derzeit sind die so genannten Double-Data-Rate-Speicherchips gefragt – hilft Intel mitunter finanziell aus. Bei Micron war Intel schon 1998 mit 500 Mio. Dollar zur Stelle. Erst kürzlich stockte Intel auch seinen Anteil bei Elpida, einem Joint Venture der japanischen Konzerne Hitachi und NEC, auf 123 Mio. Dollar auf (Elpida ist der letzte Chiphersteller Japans und steht trotz Intels generöser Spende immer noch vor dem Aus – siehe auch Projekt `Japan`). „Das ist eine ist eine machiavellistische Strategie“, sagt Gartner-Analyst Norwood. Solange die Preise für Speicherchips unten bleiben, kommt Intel nicht so sehr unter Druck der Computer-Hersteller und kann Prozessoren weiter teuer verkaufen. Intel sichert sich saftige Gewinnmargen, während die Speicherchip-Hersteller in einer Rabattschlacht um “Marktanteile“ (siehe auch: `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 7) Verluste auftürmen. – doch auch das “Erfolgsmodell“ Intel wird schon bald ein jähen Absturz erfahren.
Um wie viel die Chipkonzerne ihre Investitionen zurückgefahren haben, lässt sich aus der Lage der US-Chip-Ausrüster ersehen. So ordnete Applied Materials, der weltgrößte Hersteller von Chipfertigungseinrichtungen (der u.a. auch die Fabriken von Chipgiganten wie Intel, AMD und Infineon ausrüstet – soviel zum “Standort-Stolz“) Anfang Februar 2003 zwei Wochen Zwangsurlaub für das Quartal an und vermeldete zugleich eine Ausweitung der Verluste. Der Nettoverlust belief sich nach Konzernangaben im ersten Quartal zum 26.01.2003 auf 65,7 Mio. Dollar nach 45,5 Mio. Dollar zum Vergleichsquartal (leider ließ sich keine Ganzjahressumme ermitteln). Über den angekündigten Zwangsurlaub hinaus, wollten die Applied-Manager auch weitere Entlassungen unter den 14.000 Mitarbeitern nicht ausschließen - im November 2002 waren bereits 1750 Beschäftigte entlassen worden (über 10 Prozent). Genützt hat`s nichts: Auch im dritten Quartal zum 27.07.2003 fiel erneut ein Verlust von 37 Mio. Dollar an.
Noch schlimmer traf es das ehemalige Tochterunternehmen von Hewlett-Packard (HP), Agilent. Wie die FTD am 24.02.2003. berichtete, hatte Agilent, Anlagenbauer für die Technologiebranche (produziert beispielsweise Testgeräte für Chiphersteller wie Intel); den Verlust im ersten Quartal auf 369 Mio. Dollar ausgeweitet. Umgehend kündigte der Konzern den Abbau von weiteren 4.000 Arbeitsplätzen an, nachdem bereits zuvor 10.500 Stellen gestrichen worden waren, die die Mitarbeiterzahl am Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres auf 36.000 Beschäftigte sinken ließen – d.h., inklusive der neuen Entlassungswelle, einen Abbau der zuvor 46.500 Stellen um über 30 Prozent. Dunkelrot endete auch das II. Quartal 2003 mit einem Fehlbetrag von 146 Mio. Dollar (Vorjahresquartal: 253 Mio. Dollar – natürlich Minus).
(Ähnlich sieht es beim Konkurrenten ASML aus (ist zwar ein niederländischer Konzern, aber hier ganz gut geeignet, um zu verdeutlichen, wie es um den weltweit beschworenen “Aufschwung“ in Wirklichkeit bestellt ist): Nach einem Minus von 479 Mio. Dollar im Jahr 2001 und einem weiteren Verlust von 208 Mio. Dollar in 2002, setzte das Unternehmen seine Verlustserie fort und meldete auch für das zweite Quartal 2003 einen Fehlbetrag von 63 Mio. Dollar. Umgehend kündigte auch ASML weitere 500 Entlassungen an, nachdem bereits im ersten Halbjahr 2003 1450 Mitarbeiter der am Ende 2002 verbliebenen Belegschaft von 7250, gehen mussten. Insgesamt macht das einen Stellenabbau von über 20 Prozent.)
Am Rande sei hier auch mal erwähnt, welche unmittelbaren Auswirkungen der Zusammenbruch der fiktiven Akkumulation in der globalisierten Form des Kapitals hat: In einem Artikel der FAZ vom 13.09.2003 wird über zusätzliche “Sparmaßnahmen" des niederländischen Elektro-/Elektronikkonzern Philips (der natürlich auch Milliardenverluste macht) berichtet, die weit über die bereits beschlossenen Schließungen zweier Halbleiterwerke in den USA (Albuquerque und San Antonio) hinaus gehen (siehe auch Projekte `Euroland``und `Globaalaballa`) - das wird die ebenfalls arbeitsplatzgeilen Konkurrenz-Monaden in den "USA" gefreut haben (natürlich baut der Konzern weltweit radikal Stellen ab). Das bedeutet aber wiederum, dass diese "Kaufkraft" verloren geht und die betroffenen Menschen sich weder "amerikanische" noch "italienische", "niederländische", "deutsche", "türkische" etc. "Waren" mehr "kaufen" können. Vor allem aber wird aus diesem Artikel die Absurdität des vollkommen anachronistischen Konstrukts der sich immer noch um die Weltherrschaft kloppenden "Nationen" deutlich, denn der "amerikanische" Mitarbeiter bei Philips, BMW, ABB, Ahold, Deutsche Bank, Swiss Re, Lufthansa usw. usw. usw. konkurriert volles Programm gegen seine "eigenen Landsleute" - genauso wie umgekehrt der "deutsche" Mitarbeiter von Ford, Opel, Citi-Bank, General Electric, American Airlines usw. usw. usw. gegen die "seinen" konkurriert. (Am Ende werden dann alle verrecken !!!)
Nachtrag: Wie es um den überall heraufbeschworenen “Aufschwung“ gerade in der Chipindustrie wirklich bestellt ist und wie auch die Mitarbeiter in den USA davon “profitieren“ verdeutlicht dabei ebenso das Beispiel STMicroelectronics, der größte europäische Chipkonzern (französisch-italienisch – schöne Grüße von der Transnationalisierung): Der Konzern meldete für das dritte Quartal 2003 einen Verlust nach Sonderposten von 49,1 Mio. Dollar. Diese “Sonderposten“ sind “Restrukturierungskosten“ – hauptsächlich Entlassungen. Um die Produktion “effizienter“ (also “rentabler“) zu machen, sollen Fabriken in Frankreich, Italien und den USA geschlossen, verkleinert oder modernisiert werden (Grüße von der 300-Millimeter-Wafer-Technik) – wahrlich: ein toller Aufschwung.
Natürlich ist der Einbruch in der Chip- bzw. Ausrüsterindustrie auch eine Folge der dramatischen Absatzeinbrüche der Computer- und Handyhersteller (die jedoch wiederum basieren auf “Marktsättigung“, ABSOLUTER ÜBERPRODUKTION in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION sowie auf dem Platzen der Dotcom-Blase (“Kapitalisierung der Zukunft“)). Der kollabierende Handymarkt hat dabei selbstredend auch auf den US-Handy-Hersteller Motorola gravierende Auswirkungen, wobei es den Konzern, der auch in der Halbleiterbranche aktiv ist, schon sehr früh erwischte. Aus einem Artikel der SZ vom 02. o. 05.07. 2002 geht die desaströse Lage deutlich hervor, was sich dann so liest: „Der US-Handy- und Halbleiterhersteller Motorola will weltweit weitere 7.000 Beschäftigte entlassen und erwartet Sonderbelastungen von 3,5 Milliarden Dollar. Die neuen Massenentlassungen folgen einer ganzen Serie von Stellenstreichungen seit dem Sommer 2000. zuletzt war im Dezember angekündigt worden, dass 2002 etwa 9.400 Stellen gekappt werden sollen. Seit dem Beschäftigungshöhepunkt von 150.000 im August 2000 wird die Belegschaft damit mittlerweile um mehr als ein Drittel gestutzt. Von den jüngsten Entlassungen sind alle Geschäftsbereiche und die Konzernzentrale betroffen. Motorola verspricht sich dadurch jährliche Einsparungen von 700 Mio. Dollar. Die Restrukturierung erfordert Sonderbelastungen von 1,9 Mrd. Dollar. Hinzu kommen Sonderbelastungen von 1,1 Mrd. Dollar für den Wertverlust von Beteiligungen. Der Konzern will außerdem 530 Mio. Dollar Finanzforderungen für einen Kredit an die türkische Mobilfunkfirma Telsim abschreiben.“ – Von gelungener “Restrukturierung“ kann jedoch, wie mensch am 17.07.2003 in der FTD lesen konnte, kaum die Rede sein: „Lucent und Motorola geben Ziele auf – Preiskampf und geringe Investitionen im Mobilfunkgeschäft verhageln die Prognosen der US-Technologiekonzerne“.
Doch nicht nur in den USA streicht Motorola was das Zeug hält (FTD, 17.09.2003): “Motorola entlässt in Flensburg“ – Nach Konzernangaben sollen zwar “nur“ 600 der noch 1800 Mitarbeiter entlassen werden, doch in einer dpa-Mitteilung vom gleichen Tag (15.48 Uhr - mittlerweile geht das im Stundentakt) befürchten die Beschäftigten die komplette Schließung des erst 1998 eröffneten Werkes, obwohl so Betriebsratvorsitzender Dieter Neugebauer Neugebauer „die Beschäftigten - etwa durch längere Schichten - seit Jahren wiederholt Opfer gebracht hätten, um Arbeitsplätze zu erhalten. Diese Hoffnungen sind aber immer wieder enttäuscht worden.“ (Tja, das kommt davon, wenn mensch sich nicht unmittelbar transnational formieren will und somit natürlich gegeneinander ausgespielt wird – jetzt werden die Menschen halt in China gefickt und nicht mehr hier.) Ab 2004 wird auf jeden Fall schon mal die Produktion der herkömmlichen GSM-Handys nach China verlagert, Flensburg solle dann nur noch “Versandzentrum“ für Europa sowie Produktionsstandort für UMTS-Handys bleiben.
Nachtrag “Chips got Chopped“: Am 07.10.2003 titelte die FTD: “Motorola spaltet Chipsparte ab“ – was natürlich nichts anderes heißt als “bye, bye“. Die Chipsparte ist für den Konzern schon lange ein Problem. 2001 und 2002 machte das Geschäft insgesamt 3,4 Mrd. Dollar Verlust (allerdings ist die Sparte schon länger defizitär); und auch im zweiten Quartal 2003 fiel ein Fehlbetrag von 134 Mio. Dollar an. Offensichtlich hat es nichts gebracht, dass Motorola von den ehemals 28 Fabriken dieser Sparte schon 18 dicht machte.
Was jedoch in diesen Artikeln wirklich eindrucksvoll zum Ausdruck kommt, ist die auch schon in Bezug auf Intel beschriebene Tatsache, dass aufgrund der durch die Einführung der 300-Millimeter-Wafer-Technik drastisch erhöhten Produktivität derzeit ein gigantischer Konzentrationsprozess in der Chipherstellung abläuft: „Motorola ist einer der letzten großen US-Elektronikkonzerne, der gleichzeitig Elektronikprodukte und die Halbleiter dafür herstellt. Um im sich immer mehr verschärfenden Wettbewerb überhaupt noch bestehen zu können, sind Chiphersteller allerdings auf mit den modernsten Geräten ausgerüstete Fabriken angewiesen. Motorolas Chipgeschäft Semiconductor Products (SPS) ist in den vergangenen drei Jahren durch den Abschwung in seinen Handy- und Kommunikationsausrüstungssparten stark unter Druck gekommen: Die sinkende Nachfrage der konzerninternen Bereiche führte zu Überkapazitäten in den Chipfabriken, wodurch sich die Betriebskosten erhöhten. Das führte dazu, dass das Unternehmen nicht in eine Fabrik für die Herstellung von 300-Millimeter-Wafer investierte, derzeit der aktuellste Stand in der Halbleitertechnologie.“ Welch gigantische Produktivitätssprünge mit dieser Technik erreicht werden, verdeutlicht die direkt daran anschließende Aussage des mittlerweile in den Ruhestand getretenen SPS-Chefs Fred Shaplak: „Ich könnte keine 300-Millimeter-Fabrik füllen, selbst wenn ich mir den Bau einer solchen Fabrik leisten könnte.“ - somit ist klar, was aus dem Rest der Chipsparte Motorolas werden wird – die Insolvenz/Liquidation ist quasi schon in die Leiterbahnen eingebrannt.
Auch hier sei für diejenigen, die das MEINEN nicht lassen können, einiges ergänzt: Dieser Konzentrationsprozess macht natürlich auch vor “Deutschland“ nicht Halt – in Bayern werden jetzt zwei 200-Millimeter-Wafer-Fabriken dicht gemacht; 600 Angestellte verlieren ihren Job. Die Produktion wird nach Ostdeutschland verlagert, wo eine 300-Millimeter-Wafer-Fabrik entsteht – natürlich nur noch mit einem Drittel der Beschäftigtenzahl. Und diese Steigerung der Produktivität läuft selbstredend in allen Wirtschaftsbereichen ab: So ist z.B. in Japan (siehe auch Projekt `Japan` und Goodyear) vor kurzem die erste vollautomatische Reifenproduktion angelaufen, die auf einem Drittel der Produktionsfläche die doppelte Produktivität erreicht, oder werden auch in der Schieferbearbeitung (bislang noch recht “arbeitsaufwändig“) die ersten Roboter eingesetzt. Aber auch im “Handel“, also der “Warenzirkulation“ werden derzeit auch in “Deutschland“ automatisierte Kassen eingeführt (in “Japan“ und in den “USA“ schon weit verbreitet) oder gibt es schon vollautomatische Videotheken. Zusätzlich verschärft sich dieser Konzentrationsprozess noch durch den erst jetzt voll durchschlagenden Zusammenbruch der Wachstumssimulation alias Börsencrash, der die ohnehin nur noch simulierte Kaufkraft vollends kollabieren lässt.
Und selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um das den marktsozialisierten Monaden eingebrannte zyklische Denken à la “Konjunkturschwäche“, sondern um das definitive Ende der auf der “Verwertung des Werts“ und somit “Geld“ beruhenden Produktionsweise. Die 5,5 Milliarden Menschen, die für die tolle “Tauschwertproduktion“ alias “Ware“ nicht mehr benötigt werden, werden nie wieder in einen neuen “Produktionszyklus“ eingesogen werden (das begriffslose Schumpeter-VWL-Konstrukt der “Langen Wellen“). Ihre “Ware“, die “Basisware Arbeitskraft“ wird auf dem erreichten Produktivitätsniveau “überflüssig“, und da sie somit nichts mehr zu “tauschen“ haben, in letzter Konsequenz auch sie selbst (da sie ja eben kein “Geld“ “verdienen“, können sie auch nichts mehr “kaufen“). Da jedoch in der kapitalistischen Produktionsweise “Massenproduktion“ “Massenkonsumtion“ bedingt, was daran liegt, dass durch die gesteigerte Produktivität in den einzelnen Produkten immer weniger “Wert“ (also “menschliche Arbeitszeit“ (denn nur diese ist “wertschöpfend“ – schließlich hat bislang noch kein Physiker oder Chemiker “Wert“ in den “Dingen“, also auch “Maschinen“, gefunden)), aber eben dementsprechend auch immer weniger “Mehrwert“ (also “überschüssige Arbeitszeit“, die über die zum Erhalt der betrieblichen Produktionsanlagen (Maschinen, Gebäude, Infrastruktur), Produktionsmittel (Rohstoffe, Betriebsmittel) und menschlichen Arbeitskräfte (“Lohn“ – damit die Menschen auch mal was essen können) notwendige Arbeitszeit hinaus als “Geld“ darstellbar ist) enthalten ist, und der Absatz dementsprechend immer mehr erweitert werden muss (der eigentliche Grund der “Globalisierung“), um die “Refinanzierung“ oder gar “Verwertung“ (also aus “Geld“ “mehr Geld“ machen) zu gewährleisten, die dafür notwendige “Kaufkraft“ aber als Kehrseite der Produktivitätssteigerung nicht mehr vorhanden ist, muss dieses System logischerweise zusammenbrechen.
`Kein Anschluss unter dieser Nummer` herrscht, parallel zum Handymarkt, natürlich auch bei den US- Netzwerkausrüstern, wie sich überhaupt der (globale) “Netzwerkmarkt“ ebenfalls seit etwa drei Jahren (merkwürdig, oder nicht???) in der schwersten Rezession seiner noch jungen Geschichte befindet (die de facto schon zu Ende ist). Nach dem (mit aus dem Nichts geschöpften Geld (via “Kapitalisierung der Zukunft“) scheinfinanzierten) Internetboom Ende der 90er Jahre, in dem Unternehmen und Telefonkonzerne (von denen es endlos viele mittlerweile nicht mehr gibt) ihre Netze massiv ausbauten, strichen sie Ihre Investitionen ab Ende 2000 radikal zusammen Ihre Zulieferer, neben Cisco und Lucent , in Europa auch Ericsson, Siemens und Alcatel, entließen insgesamt mehrere Hunderttausend Mitarbeiter (Vielsagend ist in diesem Zusammenhang ein Statement über die Zukunftsaussichten der Telekommunikationsausrüster von Intel-Chef Craig Barrett. Barret beziffert die von den Telekomunternehmen in das 3G-Spektrum investierten Mittel auf 150 Mrd. Dollar und stellt ganz nebenbei trocken fest, dass zehnmal mehr Glasfaserkabel als nötig verlegt wurden (– auch das ein klasse Beispiel für die tolle “Allokation der Ressourcen“ in der glorreichen Marktwirtschaft.).
In den USA traf es Lucent, den führenden Telekommunikationsausrüster (wenn das der “führende“ ist – na, dann mal “Gute Nacht“) besonders arg. Mit dem Ziel, Kosten von jährlich 4 Mrd. Dollar “einzusparen“, ist der Konzern derzeit dabei, seine Mitarbeiterzahl von etwa 123.000 Mitarbeitern im Jahr 2000 auf 35.000 “herunterzuschrauben“ (also um über 70 Prozent !!!), was aber von Analysten nach Veröffentlichung der Quartalszahlen Mitte Juli 2003 (im II. Quartal fiel ein Verlust von 110 Mio. Dollar nach Steuern an) als nicht ausreichend angesehen wird. Umgehend nach Veröffentlichung der Zahlen setzte die Kreditrating-Agentur Standard and Poor`s Lucent auf die Beobachtungsliste, um eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit zu prüfen. Kein Wunder – wie mensch nämlich bereits am 21.02.2003 der FTD entnehmen konnte, meldete Lucent schon im Januar den elften Quartalsverlust in Folge. Insgesamt häufte Lucent in den letzten drei Jahren sage und schreibe 29 Mrd. Dollar Verlust an (FTD, 08.07.2003) (so fiel z.B. allein im II. Quartal 2002 ein Verlust nach Steuern von 545 Mio. Dollar an - vor Steuern waren es sogar unglaubliche 7,9 Mrd. !!!) Und nur durch eine erst im Juni 2003 begebene Wandelanleihe (d.h. durch einen Kredit) von 1,6 Mrd. Dollar konnte ein “negativer Cashflow“ im letzten Quartalsbericht vermieden werden. Wie viel “Vertrauen“ der Konzern noch genießt, lässt sich prima am Aktienkurs ablesen, der seit seinem Höchststand 1999 um 97 Prozent eingebrochen ist (20.02.2003: 1,71 Dollar – Höchststand also 57 Dollar). Ebenso folgte den Zahlen für das zweite Quartal ein Kurseinbruch um 12 Prozent auf 1,68 Dollar. Ende August 2003 wurde dann noch bekannt, dass gegen das Unternehmen wegen Bestechung bei Aufträgen in Saudi-Arabien ermittelt wird.
Nachtrag: Auch in Hinsicht auf Lucent hatte die FTD vom 23.10.2003 mal wieder eine Hurra-Überschrift parat: “Lucent macht nach 13 Verlustquartalen wieder Gewinn“ – da schau an: Laut einer beigefügten Grafik soll dieser 99 Mio. Dollar betragen. Doch dumm nur, dass es auch hier nicht so ganz mit rechten Dingen zugehen kann, denn sobald mensch bei diesem Artikel in den Text hineingeht, zeigt sich auch da ein anderes Bild. Allein schon die Tatsache, dass der Konzern im vierten Quartal des im September abgelaufenen Geschäftsjahres erneut einen Umsatzrückgang von 11 Prozent verzeichnete, spricht da eine deutliche Sprache. Die wundersame “Ergebnisverbesserung“ ist dabei unter anderem auf “radikale Stellenstreichungen“, die “Einführung effizienterer Fertigungsprozesse“ sowie auf eine “zusammengestutzte Produktpalette“ zurückzuführen. Aha, da haben wir`s mal wieder: “effizientere Fertigungsmethoden“ – dumm nur, dass die Konkurrenz ebenso verfährt und somit das ganze Vernichtungsspielchen sich noch potenziert verschärfen wird (wenn die Konkurrenten das nicht machen oder mehr können, gehen halt diese schon mal unter). Und auch Lucent-Chefin Patricia Russo will nicht recht in den FTD-Jubel einstimmen – “Es wäre voreilig, eine Erholung anzukündigen“. Dagegen spuckt der Finanzchef schon wieder große Töne - im Anfang Oktober gestarteten Geschäftsjahr werde der Konzern nachhaltig Profite erwirtschafteten, versprach Frank D`Amelio vorab. Pech nur, dass über 70 Prozent der einzig möglichen “Profitquelle“, nämlich die in der Warenproduktion beschäftigten Menschen, nicht mehr da sind. Offensichtlich zielt Frank mal wieder auf ein wenig “Kapitalisierung der Zukunft“ via Aktienspekulation – was auch höchstwahrscheinlich zu dem schon “erzielten“ “plötzlichen“ “Erfolg“ für das vierte Quartal beigetragen haben dürfte. Aber lass` dir sagen Frank: Daraus wird nichts.
Nicht besser sieht es bei dem Netzausrüster 3Com aus, der unter schwerer “Schwindsucht“ (O-Ton FTD, 27.06.2003) leidet: Betrug der Umsatz 1999 noch 5,2 Mrd. Dollar, so waren es bei Abschluss des Geschäftsjahres 2003 gerade mal noch 0,9 Mrd. Dollar – was einem Umsatzrückgang von ca. 83 Prozent entspricht. Es versteht sich, dass auch 3Com Verluste macht. Nach den Quartalszahlen betrugen diese für das IV. Quartal 2003 38,4 Mio. Dollar (nach einem Verlust von 76 Mio. Dollar im vorhergehenden III. Quartal), im Vergleichzeitraum 2002 waren es 23,8 Mio. Der Umsatz brach um 41 Prozent auf 175 Mio. Dollar ein, verglichen zu 295 Mio. Dollar im IV. Quartal 2002. Düster sind auch die Prognosen: Analysten sehen nur wenig Chancen, dass das Unternehmen, einst zu den Stars der “Ausrüsterszene“ (O-Ton FTD) gehörend, in absehbarer Zeit aus der Verlustzone kommen wird (was natürlich nichts anderes als “Adios mit Ansage“ bedeutet). Darüber hinaus surft selbstverständlich auch 3Com auf der Entlassungswelle – das Unternehmen baut gerade 10 Prozent seiner 3400 Stellen ab.
Nachruf, äh, Nachtrag zu “Adios mit Ansage“: Der obige Abschnitt “3Com“ war gerade zwei Tage fertiggestellt, da titelte die FTD vom 11.09 2003: “3Com versucht Befreiungsschlag aus der Krise“. – und weiter: „Der angeschlagene Netzwerkausrüster 3Com gliedert seine Herstellung komplett an Auftragsfertiger aus und streicht fast ein Drittel der Stellen.“ (1000 Mitarbeiter) ... „ Der Anbieter von Komponenten für Telekommunikationsnetze, der seit Jahren gegen Verluste und Umsatzrückgänge kämpft, übergibt seine Produktion und Distribution an seine Partner Flextronics in Singapur und Jabil Circuit in Florida und schließt sein Werk in Dublin, Irland.“ (Damit wird sich auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Irlands ein wenig verringern – sieh auch AOL Time Warner)
Selbstverständlich bedeutet das nichts anderes, als dass das Unternehmen de facto bankrott ist, weitere “Stellenstreichungen“ also nicht lange auf sich warten lassen werden - aus “Three Come“ wird “All Gone“, zumal sich auch noch der Verlust des ersten Quartals 2003/2004 (FTD, 22.09.2003) von 97,6 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum auf 106 Mio. Dollar vergrößerte, während der Umsatz von 269,2 auf 161,9 Mio. Dollar absackte.
Während der weltgrößte Netzausrüster Cisco-System (der für seine unzuverlässigen Geräte sowie arrogantes Auftreten berüchtigt ist – was ihm bisher den Zugang in den US-Telefonmarkt versperrte (der aber natürlich ebenfalls de facto bankrott ist)) nur durch Aufkäufe und einen drastischen Sparkurs sein Jahresergebnis für 2003 (Abschlussmonat: Juli) steigern konnte (sehr dubios: nahezu eine Verdoppelung des Vorsteuergewinns auf 3,6 Mrd. Dollar (Nettosteigerung von 772 Mio. Dollar auf 982 Mio. Dollar - und das alles bei auf ca. 19 Mrd. Dollar stagnierendem Umsatz), setzte der US-Telekomausrüster Ciena schon zu Ende des ersten Quartals im Januar 2003 seine Verlustserie fort. Nach Unternehmensangaben betrug der Nettoverlust zum 31.01 2003 101,7 Mio. Dollar (im Vorjahreszeitraum wurde ein Fehlbetrag von 70,6 Mio. Dollar ausgewiesen), der Umsatz sank im Vorjahresvergleich von 162,2 auf 70,5 Mio. Dollar. Wirklich beeindruckend: der Verlust übersteigt den Umsatz um 30 Mio. Dollar – es ist absehbar, dass aus Ciena schon bald “Rien-a“ wird. Denn 2003 siecht Ciena immer noch dahin (FTD, 22.08.2003): Für das abgelaufene dritte Quartal fiel bei einem Umsatz von 68,5 Mio. Dollar ein Verlust von 88,9 Mio Dollar an (III. Quartal 2002: 160 Mio. Dollar Miese).
Alarmstufe Rot ist auch bei den anderen großen nordamerikanischen Telekomausrüstern Nortel Networks, Corning und JDS Uniphase angesagt (SZ, 25/26.01.2003 – zwar ist Nortel ein kanadisches Unternehmen, doch diese tollen Zahlen kann mensch sich einfach nicht entgehen lassen), die 2002 drastische Verluste erlitten. Bei Nortel brach der Jahresumsatz auf 10,6 Mrd. US-Dollar ein (Vorjahr:17,5 Mrd.). Es fiel ein Verlust von 3,6 Mrd. US-Dollar an (2001: 27,3 Mrd.). Klammert man “Sonderbelastungen“ (Personalabbau, “Abschreibungen“ auf Beteiligungen, “Wertberichtigungen“) aus, so gab es selbst aus dem laufenden Geschäft einen Verlust von 1,27 Mrd. Dollar (2001: 4,51 Mrd.).
Weitere Minusrekorde musste auch Corning, weltgrößter Glasfaser- und –kabel-Hersteller, vermelden. Corning halbierte seinen Jahresumsatz von 6 Mrd. Dollar in 2001 auf 3,2 Mrd. im Jahr 2002. Der Jahresverlust betrug 1,3 Mrd. Dollar (2001: 5,5 Mrd.). Doch auch 2003 regiert weiterhin der Rotstift: Bei Nortel fielen im zweiten Quartal bei weiter sinkendem Umsatz 14 Mio. Dollar Verlust an, bei JDS Uniphase (beliefert Nortel und Lucent mit Leitungen) 28 Prozent Umsatzeinbruch und 61 Mio. Dollar Verlust. Und die Aussichten bleiben weiter trübe.
Ein abschließendes, passendes Beispiel (wohl aber eher “Bye, Bye-Spiel“) dafür ist die US-Firma Timetra. Das Unternehmen, das so genannte Router (die den Datenverkehr in Computernetzwerken an jener Stelle regeln, wo das Fernstreckennetz mit Einzelabnehmern wie Büros oder Privatwohnungen verbunden wird) herstellt, und sich bisher (mensch glaubt es kaum) in Privatbesitz befand, wurde Mitte Mai 2003 von dem französischen Elektronikkonzern Alcatel (der natürlich auch Milliardenverluste macht) aufgekauft; angeblich um einen höheren Marktanteil bei Internetprotokoll-Dienstleistungen zu erreichen. In Wirklichkeit dürfte für Timetra damit die Zeit abgelaufen sein, denn auch Alcatel produziert Router, d.h. es kommt ganz banal zu “Kapazitätsanpassungen“.
Dennoch begreifen die “Experten“ noch immer nicht, was tatsächlich vor sich geht: „Branchenbeobachter hoffen seit mehreren Quartalen, dass der 2001 begonnene Abwärtstrend irgendwann nachlassen werde – bisher vergebens.“ – Kein Zweifel: Dieses “Hoffen“ bleibt in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION ein “Warten auf Godot“ (siehe auch: `Der Mythos der Produktivität` ;`Schwarzbuch Kapitalismus` - `Die Geschichte der Dritten Industriellen Revolution` sowie `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 7).
Freier Fall ebenfalls bei den Computerbauern, bzw. den Herstellern von Perepherie-Equipment – natürlich begleitet von einer massiven Fusions- und Kündigungswelle. In dieser Branche war es vor allem der mit 14,2 Mrd. Dollar verschuldete, weltgrößte Kopierer-Konzern Xerox, der 2002 durch das Auffliegen seiner “kreativen Buchführung“ nur um Haaresbreite dem Zusammenbruch entging - strukturell hat sich natürlich zu damals nichts verändert. So schreibt die FTD vom 29.07.2003: “Xerox meldet rückläufiges Ergebnis“. Zur allgemeinen Lage heißt es da: „Xerox, das lange von Verlusten geplagt war, musste im vergangenen Jahr einen massiven Bilanzskandal verkraften. Langfristige Leasingraten waren sofort voll und ganz als Einnahmen verbucht worden, was die Umsätze buchhalterisch erhöhte. Der Konzern zahlte 10 Mio. Dollar Strafe und korrigierte seine Einnahmen rückwirkend für fünf Jahre um 6,4 Mrd. Dollar nach unten.“ Um dem noch immer drohenden Bankrott zu entgehen, betreibt Xerox “gnadenlose Kosteneinsparungen“ (O-Ton FTD). Dennoch ist es wohl eher in erster Linie Umschuldungsprogrammen und der Aufnahme neuer Schulden zu verdanken, dass Xerox sich noch nicht im Kapitel 11-Club befindet.
Betrug (siehe auch IBM) war bei Xerox offenbar nicht nur gegenüber Anlegern gängiges “Geschäftsmodell“, sondern betraf ebenso 25.000 Ex-Mitarbeiter, für die das Unternehmen die Zinsen für die Pensionszahlungen falsch berechnet hatte. Wie die FTD am 04.08.2003 berichtete, wurde Xerox deshalb von einem US-Gericht zu einer Strafe von 300 Mio. Dollar an rund 25.000 ehemalige Beschäftigte “verdonnert“ (O-Ton FTD). Das Gericht bestätigte damit ein Urteil eines anderen Gerichtes aus 2001, gegen das das Unternehmen Berufung eingelegt hatte. Jetzt muss Xerox zahlen, was sicherlich die immer noch prekäre Lage verbessern wird, zumal Xerox auch noch von einer Ende August 2003 bekannt gegebenen Kooperation von Konica Minolta Holdings mit Hewlett-Packard (HP) im Bereich der Hochleistungskopierer Ungemach droht.
Nachtrag: Auch in Bezug auf Xerox wird die ganze Lächerlichkeit des wieder anschwellenden hohlen Überschriften-Hurras ersichtlich (FTD, 24.10.2003): “Xerox erwirtschaftet Gewinn“ –steht da doch tatsächlich. Doch wenn mensch den darunter stehenden Text liest und sich an die simple Rechnung à la Levi Strauss erinnert, wird klar, dass sämtliche Wirtschaftsakteure ein Fall für die Klapsmühle sind. So heißt es dann da: „Xerox, größter amerikanischer Kopiergerätehersteller (anscheinend ist der Konzern schon nicht mehr der “weltgrößte“), hat im dritten Quartal einen Gewinnzuwachs von 18 Prozent auf 117 Mio. Dollar erwirtschaftet. Hauptursächlich für den Anstieg waren Einsparungen. So hat das Unternehmen 17.000 Jobs abgebaut und Teile der Produktion ausgelagert. Vorstandschefin Anne Mulcahy gelang es jedoch nicht, den seit 14 Quartalen anhaltenden Umsatzrückgang zu stoppen. Es wurden 3,73 Mrd. Dollar umgesetzt, zwei Prozent weniger als im Vorjahresquartal.“ – Genau wie bei Levi`s steht bei Xerox also einem Schuldenberg von 14,2 Mrd. Dollar ein auf das Jahr hochgerechneter “Gewinn“ von 480 Mio. Dollar (bei angenommenen 120 Mio. Dollar pro Quartal) gegenüber, und somit rund 30 Jahre an verpfändeten “Gewinnen“. Und wie auch in allen anderen Bereichen können diese “Gewinnsteigerungen“ nur noch über Massenentlassungen und “Auslagerungen der Produktion“ “erzielt“ werden. Überhaupt beruhen diese seit Mitte 2003 wieder homöopathisch vermeldeten “Erfolge“ höchst wahrscheinlich ohnehin nur auf der finalen sekundären “Miniblase“ an den Aktienmärkten, d.h. die “Finanzabteilungen“ der jeweiligen Unternehmen konnten über Spekulationsgewinne die eigenen Bilanzen “schwarz zocken“, was sich aus der simplen Tatsache schrumpfender Umsätze ersehen lässt, die deutlich zeigen, wie es um das “reale Geschäft“ de facto wirklich steht (siehe auch `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 8).
Unter massivem Druck steht auch der zweitgrößte US-Druckerhersteller Lexmark, der wie die gesamte Branche unter Umsatzeinbrüchen und “Margenverfall“ bzw. “Gewinnrückgängen“ leidet (FTD, 22.07.2003). Wie die meisten Druckerhersteller verdient Lexmark kein Geld mit dem Verkauf der Geräte, sondern mit Ersatzteilen wie Toner für Laserdrucker und Druckerpatronen. Von den 1,1 Mrd. Dollar Gesamtumsatz für das zweite Quartal 2003 entfielen 56 Prozent auf Tintenpatronen und Zubehör, Drucker tragen inzwischen nur noch mit 400 Mio. Dollar zum Umsatz bei. Hauptgrund ist nach Ansicht von Analysten, dass Lexmark seine Drucker immer billiger verkaufen muss. Auch macht sich die strenge Kostenkontrolle vieler Firmen bemerkbar, die weniger Ersatzpatronen für Drucker ordern (natürlich liegt es auch daran, dass es viele Firmen einfach nicht mehr gibt). Wie groß der Druck mittlerweile ist, geht aus einem seit einigen Monaten laufenden Liefervertrag Lexmarks mit dem Computerbauer Dell hervor: Dell bietet seit kurzem Lexmark-Drucker unter seinem eigenen Markennamen an (das ist sowieso gängige Praxis, siehe Solectron), die Lexmark mit Verlust an Dell verkaufen muss, einzig verknüpft mit der Hoffnung auf das Ersatzteilgeschäft. Auch für Lexmark wird die Zukunft wohl schon gewesen sein.
Dass die “Krise“ (die de facto natürlich der finale Kollaps ist) trotz Fusionitis und Entlassungsorgien (Opferwahn) partout nicht weichen will, muss auch Hewlett-Packard (HP) feststellen (FTD, 22.05.2003). Ein Jahr nach der Fusion mit Compaq, die schon “fusionsbedingt“ die Streichung von 17.900 Stellen beinhaltete (von denen bis Mai 2003 schon 16.600 abgebaut waren) und bereits im Berichtsquartal auf Grund ausbleibender Aufträge 2.300 Mitarbeiter zusätzlich entlassen worden waren, verkündete HP, bedingt durch den anhaltenden Branchenabschwung, für das zweite Halbjahr 2003 einen weiteren Personalabbau von 3.500 Stellen. (Was von der in Bezug auf Xerox schon angesprochenen Kooperation mit Konica Minolta in dieser Hinsicht zu erwarten ist, lässt sich entsprechendem Artikel der FTD vom 28.08.2003 entnehmen, aus dem hervorgeht, dass damit für beide Unternehmen Entwicklungskosten gedrückt werden und besonders HP durch “Auslagerung“ der Produktion “profitiere“.) Zwar meldete der Konzern für das zweite Quartal eine weitere “Gewinnsteigerung“, doch auch bei HP basierte die “Ergebnisverbesserung“ (trotz stagnierenden oder gar rückläufigen Umsätzen (Umsatz II. Quartal: 18 Mrd. Dollar – ein Prozent weniger als der kombinierte Umsatz von HP und Compaq im entsprechenden Vorjahresquartal)) dabei auf rigorosen “Sparprogrammen“: „Ein Jahr nach der Fusion hat HP-Chefin Carly Fiorina ihr ehrgeiziges Kostensenkungsziel von 2,5 Mrd. Dollar um1 Mrd. Dollar übertroffen und damit die Profitabilität verbessert. Angesichts der Sparsamkeit (aber auch das ebenso “Nicht-mehr-vorhanden-Sein“) der Unternehmen ist erhoffter Umsatzzuwachs bisher jedoch ausgeblieben.“
Natürlich stammt der Großteil des Gewinns (76 Prozent) – wie könnte es bei HP auch anders sein – weiterhin aus der Druckersparte (wobei auch dort Umsatzrückgänge zu verzeichnen waren), während andere Geschäftsbereiche, z.B. der angeschlagene Enterprise-Bereich (I. Quartal: 83 Mio. Dollar Verlust, II. Quartal: 7Mio. Dollar), Verluste bzw. nur kleine und auch schon wieder rückläufige Gewinne verbuchen, wie z.B. die PC-Sparte, die nach jahrelangen Verlusten im ersten Quartal 2003 (33 Mio. Dollar Gewinn) in die Gewinnzone zurückkehrte, jedoch im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang um ein Drittel auf 21 Mio. Dollar verzeichnete (im dritten Quartal waren es dann wieder Verluste, siehe Abschnitt “Dell“). Auch der Gewinn des Gesamtkonzerns nach Steuern verringerte sich von 721 Mio. Dollar im ersten Quartal auf 659 Mio. Dollar im zweiten, also um ca. 10 Prozent. Noch schlechter war das Verhältnis beim Vorsteuergewinn. Dort fiel das Ergebnis von 879 Mio. Dollar auf 643 Mio. Dollar, d.h. um über 25 Prozent.
Diese schrumpfenden Gewinne bzw. Mega-Verluste hängen natürlich, wie bei allen bisher beschriebenen Unternehmen, mit der kollabierenden und in weiten Teilen nur noch simulierten Kaufkraft zusammen, was den Konkurrenzkampf um die letzten verbliebenen “Mehrwert“- bzw. “Simulationsquanta“ immer weiter forciert. Diese bittere Wahrheit hat auch den US-Computerbauer Gateway ereilt. In der FTD vom 07.01.2003 heißt es: “Computerbauer Gateway verschärft Sanierungskurs“ – Der nach Dell und HP drittgrößte PC-Anbieter im US-Markt geriet Ende 2000 noch stärker als die Konkurrenz in den Abwärtssog der Branche. Der Konzern schloss sein internationales Geschäft, mehrere US-Fabriken und Läden, entließ Mitarbeiter und versuchte mit Preissenkungen den Absatz anzukurbeln – offenbar vergeblich. Wie dem Artikel zu entnehmen ist, beabsichtige der Computerbauer deshalb die Schließung von weiteren 120 seiner 274 verbliebenen Läden. Auch 2003 befindet sich Gateway weiter auf dem absteigenden Ast und erhöhte seine Verluste im II. Quartal 2003 im Vergleich zum Vorjahr von 58,5 auf 69,8 Mio. Dollar. Der Umsatz brach um 20 Prozent auf 779 Mio. Dollar ein. Die ganze Trostlosigkeit der Lage sowie die hilflose Verzweifelung der Konzernleitung zeigt sich an so genannten “Strategiewechseln“ wie dem Verkauf von Dienstleistungen und Digitalkameras – bye, bye Gateway.
Wie mörderisch die Vernichtungskonkurrenz Amok läuft, macht ein Artikel der FTD vom 22.08.2003 deutlich: “Dell heizt Preiskampf bei Computern an –Mit Nachlässen von bis zu 22 Prozent startet US-Konzern Angriff auf schwache Rivalen“ Und weiter: „Der weltgrößte Computerkonzern Dell zwingt die Hardware-Branche mit aggressiven Preiskürzungen in eine Entscheidungsschlacht um Marktanteile. Das US-Unternehmen senkt die Preise für Hochleistungsrechner, die in Firmennetzwerken eingesetzt werden, um bis zu 22 Prozent. Die Preise für PC fallen um maximal 6 Prozent (da kann man eh nicht mehr viel senken). – „ Das ist eine Kriegserklärung an die Branche“, sagt Stefania Lorenz, Analystin bei der Marktforschungsfirma IDC.“ Das kann mensch wohl sagen. „Dell-Chef Michael Dell greift vor allem den Erzrivalen HP an. HP-Chefin Carly Fiorina hatte erst am Dienstag zugeben müssen, dass die Computersparte ihres Konzerns nach zwei profitablen Quartalen wieder Verluste eingefahren hatte. Schuld am Rückschlag waren laut Fiorina unter anderem stark gesenkte Preise (ja, warum werden diese denn immer weiter gesenkt, obwohl der Zweck der ganzen Veranstaltung doch eigentlich die Plusmacherei ist ???). HP hatte auf diese Weise versucht Marktanteile zu gewinnen (siehe auch: `Die Himmelfahrt des Geldes`, Kapitel 7). Jetzt schlägt Dell zurück und zieht nur einen Tag, nachdem Fiorina die Rabattschlacht beklagt, die Preisschraube noch kräftiger an – eine Ohrfeige für den Rivalen. ... Für kleinere Wettbewerber, die schon mit dem Rücken an der Wand stehen (sozusagen die “proper penalty position“), könnten (nicht “könnten“, sondern “werden“) die Preissenkungen des Marktführers sogar existenzbedrohend sein.“ - In Stillem Gedenken an Gateway & Co.
Doch die “Gewinner“ dieses Massakers werden dann wie Großvater Henry feststellen, dass Computer nicht nur keine Autos, sondern auch keine Computer kaufen.
Wenig Erfreuliches hat auch der weltgrößte Technologie- und IT-Konzern IBM zu melden. Das Unternehmen, das mit Software, Computern und Dienstleistungen in allen Segmenten des Marktes mitmischt und das mit 80 Mrd. Dollar Jahresumsatz (allerdings auch mit 23,8 Mrd. Dollar Schulden belastet) als das wichtigste Branchenbarometer der IT-Industrie gilt, konnte Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal 2003 nur durch große Übernahmen ausbauen (Kapitel 7). Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 21,6 Mrd. Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 56 Mio. Dollar Gewinn erzielte IBM im zweiten Quartal 2003 1,7 Mrd. Dollar - doch waren es im Vergleichsquartal des letzten Jahres vor allem hohe Sonderkosten von 1,4 Mrd. Dollar für Sanierung und (wie gehabt) Jobkürzungen, die den Gewinn schmälerten. Der Vorsteuergewinn stieg von 0,6 auf 2,5 Mrd. Dollar, wovon 1,2 Mrd. (also ca. 50 Prozent) auf die Dienstleistungssparte Global Services entfiel. Der Umsatz in diesem Bereich stieg um 23 Prozent auf 10,6 Mrd. Dollar, was jedoch auf die Übernahme der Beratungsabteilung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers zurückzuführen ist, die IBM im August 2002 für 3,5 Mrd. Dollar aufgekauft hatte.
Auch die Softwaresparte erhöhte den Umsatz um 6,2 Prozent auf 3,5 Mrd. Dollar und erwirtschaftete einen Vorsteuergewinn von 850 Mio. Dollar. Hier wirkte sich vor allem die Übernahme der Softwarefirma Rational für 2,1 Mrd. Dollar im Dezember 2002 positiv aus. Beide Bereiche zusammen erzielten also 80 Prozent des Vorsteuergewinns – Grüße von Kapitel 3 und 8.
(Natürlich sind weder “Wartung“ oder “Verwaltung“ noch “Systemsteuerung“ “wertschöpfend“, da “Wartung“ bzw. “Verwaltung“ im BWL-Jargon eben unter “Kosten“ läuft (auch wenn mensch diese “outsourced“ (“auslagert“) bleiben “Kosten“ nun mal “Kosten“) und auch nicht die “Systemsteuerung“ direkt “Mehrwert“ schafft, sondern nur die Person, die die Maschinerie in der Produktion bedient. Zwar kann dadurch der “Relative Mehrwert“ erhöht werden – doch natürlich immer nur unter der Vorraussetzung, dass dieser auch am “Markt“ “realisiert“ werden kann; dass das Ganze “rentabel“ ist. Merke: Maschinen kaufen keine Programme – geschweige denn bezahlen sie ihre Wartung !!!)
Das “Sorgenkind“ (O-Ton FTD) von IBM bleibt indes die so genannte Technologiesparte, in der der Umsatz um 34 Prozent (340 Mio. Dollar) auf 659 Mio. Dollar einbrach sowie ein Vorsteuerverlust von 111 Mio. Dollar auflief (beachtlich: bei einem Weltkonzern wie IBM erreicht das Umsatzvolumen mit “handfesten Waren“ gerade einmal drei Prozent des Gesamtumsatzes, nur dass IBM, im Gegensatz zu Ford, weniger als nichts damit “verdient“).
Womit IBM (und zahlreiche andere US-Unternehmen) aber besonders viel zu verdienen scheint, ist mit Betrug (FTD, 04.08.2003): “IBM verletzt Gesetz der USA gegen Altersdiskriminierung“ – prangt es da in fetten Lettern. „Der Computerkonzern IBM benachteiligt mit der Umstellung seines Betriebspensionsplanes ältere Mitarbeiter und verletzt damit ein US-Gesetz gegen Altersdiskriminierung. Zu diesem Schluss kam ein Bundesgericht in Illinois, das über eine Sammelklage von rund 130.000 Mitarbeitern und Ruheständlern des Konzerns zu entscheiden hatte. ... IBM hatte seine Pensionspläne 1995 und 1999 umgestellt. Gerichtsdokumenten zufolge hat das Unternehmen vorhergesagt, dadurch Milliarden von Dollar an Pensionskosten einzusparen.“ - sozusagen “Abzocke mit Ansage“. Sollte das Urteil, gegen das IBM selbstredend Berufung eingelegt hat, von einem Berufungsgericht bestätigt werden, so könnte das auch Folgen für Hunderte andere US-Unternehmen haben, die ihre Pensionspläne seit den 80er Jahren ebenfalls “umgestellt“ haben.
Für Beliebtheit in den eigenen Reihen sorgte die Konzernleitung schließlich auch noch Ende Juli 2003, als von Gewerkschaftsseite bekannt wurde, dass das Unternehmen die Verlagerung Tausender Jobs, vor allem im Bereich Software und Chipentwicklung, nach Indien und China beabsichtige. Bislang beschäftigt der Konzern dort 5.000 bzw. 3400 Mitarbeiter. (das kommt davon, wenn mensch sich nicht unmittelbar global formieren will, sondern weiterhin an seiner untergehenden Familien–Cliquen-Firma-Volk-Nationen-Konkurrenz-Klitsche hängt) „Auch “Wettbewerber“ (auf der Jagd nach der “Schimöhre“) wie Oracle und Microsoft (zur Softwaresparte weiter unten) expandieren in Niedriglohnländern, um “Kosten“ zu drücken. Die US-Regierung hat bereits eine Kommission eingesetzt, um die Folgen der Abwanderung auf US-Unternehmen zu untersuchen.“
Wurmstichig zeigt sich ebenso der Computer-Konzern Apple, dessen Gewinn im zu Mitte Juli 2003 abgelaufenen III. Quartal um 40 Prozent auf 19 Mio. Dollar einbrach, nachdem die FTD bereits am 17.01.2003 von zwei Verlustquartalen in Folge berichtet hatte. Auch bei Apple ist der Computerabsatz rückläufig und versucht deshalb im Bereich Musik mit so genannten iPods (MP3-Player) sowie mit einem Online-Plattenladen dagegenzuhalten – aber natürlich kaufen auch Waschmaschinen keine MP3-Musikstücke.
Moll ist in diesem Zusammenhang ebenfalls in der Sparte für Kleinst-/Taschencomputer (PDA) angesagt, was sich an der Übernahme des Unternehmens Handspring durch den Konkurrenten Palm Anfang Juni 2003 zeigt. Besonders kurios ist dabei die Tatsache, dass damit die Gründer von Palm, die das Unternehmen erst 1998 verlassen hatten, um Handspring zu gründen, wieder zurückkehren. Selbstverständlich vermeldeten sowohl Handspring als auch Palm seit mehreren Quartalen Umsatzeinbrüche und steigende Verluste. Palm entließ deshalb zu Ende Februar 2003 250 Mitarbeiter, ein Fünftel der Belegschaft, wogegen Handspring bereits 2002 versucht hatte mit Entlassungen wieder der “Gewinnzone“ näher zu kommen – jedoch ohne Erfolg. So fiel im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2003/2004 (zum 31.08.2003) erneut ein Fehlbetrag von 16,9 Mio. Dollar an, nachdem es im Vorjahreszeitraum sogar 258,7 Mio. Dollar waren (FTD, 22.09.2003). Und in Bezug auf Handspring berichtete die FTD im Januar 2003 (genaues Datum liegt nicht vor): „Handspring hat im abgelaufenen Quartal einen Umsatzrückgang um 32 Prozent auf 47,8 Mio. Dollar vermeldet. Der Verlust sank von 20 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum auf 12 Mio. Dollar.“ - (doch wahrscheinlich nur aufgrund der schon angeführten “Einsparungen“ beim Personal sowie drastischen Kürzungen im Bereich der Investitionen (Marketing, Büromaterial, Maschinen – siehe auch Werbeholding IPG bzw. Lexmark und HP)). Allein im ersten Quartal 2003 brach die Absatzzahl beider Unternehmen zusammengenommen um 21 Prozent auf 2,45 Mio. Geräte ein. Trotz der Fusion scheint es dennoch nicht gut um das Unternehmen zu stehen, denn schon Ende August 2003 musste Palm, zwecks Geldbeschaffung, neue Aktien emittieren (der ganze gigantische Aktienspuk zeigt, dass, auf den allergrößten Teil der Wirtschaft bezogen, von “Eigenkapital“ nicht mehr die Rede sein kann (siehe auch `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 2 – wer das mal wieder als “Defätismus“ bezeichnet, sollte sich das Statement des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt, vor Augen halten (WAZ, 21.02.2003), wonach bereits 38 Prozent des deutschen Mittelstandes ohne jegliches Eigenkapital arbeiten (die Zahl der Unternehmen, die mehr als 30 Prozent Eigenkapital aufweisen, dürfte nur noch im homöopathischen Prozentbereich liegen)).
Nicht mehr so recht scheinen will die Sonne auch für den US-Computerkonzern und Serverspezialisten Sun, dessen Jahresumsatz 2002, wie die FTD am 10.02.03 berichtete, um 32 Prozent auf 12,5 Mrd. Dollar einbrach. Es versteht sich schon fast von selbst, dass ebenso ein satter Verlust von 255 Mio. Dollar anfiel (laut FTD vom 19.09.2003 brach der Jahresumsatz von 18,3 Mrd. im Geschäftsjahr 2001 auf 11,4 Mrd. Dollar im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2003 ein). Sein Ziel, trotz Stellenabbau und massiven Kostensenkungen wieder “profitabel“ zu werden, hat Firmenchef Scott McNealy – ganz offensichtlich – bisher nicht erreicht.
Der weltweite deflationäre Flächenbrand und die sich dadurch verschärfende Vernichtungskonkurrenz zwingt natürlich auch Sun zu gravierenden Preisabschlägen (im Gegensatz zum gängigen VWL-Konstrukt stellt “Deflation“ (aber auch “Inflation“) in Wirklichkeit eine Entwertung des Geldes dar, und nicht einfach “Preissenkungen“ bzw. –“erhöhungen“ auf Grundlage von “Angebot“ und “Nachfrage“ – siehe auch: `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 9). So kündigte Sun zu Anfang Februar 2003 Preisnachlässe von bis zu 35 Prozent auf bestehende Geräte im mittleren und höchsten Leistungsbereich an, was darauf schließen lässt, dass bei Sun wohl eher “Sunset“ ansteht, denn Mitte September 2003 verkündete Sunset, äh, Sun dann auch noch allein für das laufende Quartal einen Abbau von 1080 Stellen.
Nachtrag zu “Into the Dark“ – FTD, 20.10.2003: “Sinkende Erlöse entwickeln sich für Sun zum chronischen Problem – Analysten sehen Zukunft skeptisch“. Wohl wahr, denn im abgelaufenen Quartal stieg der Verlust auf 286 Mio. Dollar und war damit anderthalb mal so hoch wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Und passend dazu hält Mark Altherr von der Bank CSFB schon mal die Grabrede: „In diesen (Quartals-) Zahlen gibt es nichts, was meine Meinung über die traurige Zukunft des Unternehmens revidieren könnte.“
Die seit ungefähr drei Jahren anhaltende Sonnenfinsternis will auch für die Auftragsfertiger für Elektronik kein Ende nehmen, wobei es für den US-Konzern Solectron besonders düster aussieht. Der weltweit zweitgrößte Auftragsfertiger ist von der “Krise“ so schwer betroffen, dass das Unternehmen seit 2001 40.000 Stellen strich und im März 2003 ankündigte weitere 12.000 Mitarbeiter zu “feuern“ (O-Ton FTD, 23.06.2003 – Es lebe das “amerikanische Modell“!!!). Dennoch musste Solectron für das Mitte Juni 2003 abgelaufene dritte Quartal einen Bruttoverlust von 3,1 Mrd. Dollar vermelden, hauptsächlich bedingt durch “Abschreibungen“ auf Unternehmenszukäufe aus den “Boomjahren“. Allerdings fiel auch aus dem laufenden Geschäft (also ohne diese “Sonderposten“- die de facto natürlich bislang verheimlichte Verluste sind, d.h. Betrug) ein Quartalsverlust in Höhe von 79 Mio. Dollar an. Prompt kündigte Solectron-Chef Micheal Cannon eine “verschärfte Sanierung“ an. Dazu werde Solectron Unternehmensteile verkaufen (selbstredend geht das nur mit Verlusten, die dann irgendwann mal wieder als “Sonderposten“ erscheinen), Fabriken in den USA und Europa schließen (also noch mehr Entlassungen) und die Produktion weiter nach Asien “auslagern“.
(Ein echte Harakiri-Nummer diese “Auslagerungsorgie“: Alle produzieren nur noch in Asien („...weil die Löhne hier so hoch sind“ – die Antwort auf solche Asozialität kann weltweit nur noch lauten: „Nieder mit dem Lohnsystem !!!“), wollen von dort aus exportieren und wundern bzw. beschweren sich dann, dass niemand “ihre“ tollen, sogar “billigen“ “Waren“ mehr “kauft“ (“Käuferstreik“ – hat schon was von Verfolgungswahn). Es erübrigt sich fast, zu bemerken, dass die Menschen an den “billigen Standorten“, jedoch auch nichts kaufen können, da sie so gut wie nichts verdienen. Wie war das noch gleich: Fabriken kaufen keine Teflon-Pfannen.)
Ganz nebenbei verdeutlicht der Artikel die totale Farcè des “Markenfetischismus`“ (“Vanity Fair“) “marktsozialisierter“ Menschen - denn wie liest es sich da so schön: „Auftragsfertiger bauen unter anderem Rechner, Laptops, Handys und IT-Bauteile für bekannte Firmen wie etwa IBM, Hewlett-Packard(HP), Cisco, Apple und Dell. Die großen Markenhersteller kleben nur noch ihre Logos auf die fertigen Geräte.“
Wie perfide, aber vornehmlich absurd, dieses Täuschen läuft, und was den “Beschäftigten“ von Dell, Apple, Hewlett-Packard & Co. noch bevorsteht, lässt sich einem kleinen Artikel der FTD vom 26.08.2003 entnehmen. Dort wird von einer 60%-igen “Gewinnsteigerung“ sowie einer “Beinahe-Verdoppelung“ des Umsatzes des weltgrößten Notebook-Herstellers Quanta (Taiwan) im laufenden Jahr berichtet. Als Grund für diese “positive Entwicklung“ wird dann ganz trocken ein Anstieg der Aufträge der führenden US-Computerhersteller Dell und HP genannt, die die Herstellung zunehmend “outsourcen“, um “Kosten“ zu sparen. (Dieses “Geschäftsmodell“ ist ebenfalls weit verbreitet; so lässt z.B. die deutsche Tochter von United Parcel Service (UPS) “unrentable“ Pakete weiterhin von der Deutsche Post AG ausliefern, und streicht so den Differenzbetrag ein - oder produziert Onken (Quark & Co.) mit anderem Etikett für Aldi.)
Ergänzend sei noch erwähnt, dass sich natürlich, (kurzfristig) abgesehen von dem “Erfolgsunternehmen“ Quanta, die gesamte Branche im “Roten Bereich“ befindet. Auch der weltgrößte Auftragsfertiger Flextronics (Singapur) weißt maximal noch marginale “Gewinne“ aus, und der drittgrößte, Sanmina-SCI musste Ende Juli 2003 sogar zum achten Mal in Folge einen Quartalsverlust melden, mit zunehmenden Verlustsummen.
Nachtrag: Die Verlustserie will auch gegen Ende 2003, und trotz aller medial-politischen Beschwörungsrituale nicht abreißen (FTD, 24.10.2003): “Auftragsfertiger mit Verlust“ – „Die Auftragsfertiger Celestica und Flextronics haben im dritten Quartal Verluste eingefahren. Celestica machte bei einem um 17 Prozent gesunkenen Umsatz von 1,64 Mrd. Dollar einen Verlust von 64,8 Mio. Dollar. Der größere Konkurrent Flextronics meldete demgegenüber einen um knapp 5 Prozent auf 3,5 Mrd. Dollar gestiegenen Umsatz. Der Verlust betrug rund 100 Mio. Dollar.“ – Hurra !!!
“Ausgelagert“ wird zunehmend auch die CD-/DVD-Produktion; verschärft durch den Verkauf der CD/DVD-Sparte des US-Multi-Media-Konzerns AOL Time Warner (ATW) (zwecks Abbau der 29 Mrd. Dollar Schuldenlast) an die kanadische Cinram-Gruppe. Damit mausert sich die Cinram zum weltweit zweitgrößten Produzenten hinter Sony. ATW war bislang mit 561 Mio. produzierten Scheiben die Nummer drei im Markt.
Dieser Deal dürfte sich als Wegweiser für andere Medienkonzerne in der Musik- und Filmbranche entpuppen, die wie Universal Music, EMI und BMG ihre CD-Alben bzw. wie Sony und Universal Pictures ihre DVD-Filme derzeit noch selber pressen. Denn schon seit geraumer Zeit befindet sich die Branche in einer “Konzentrationsphase“, die noch nicht abgeschlossen ist (siehe auch Projekt `Globaalaballa`).
Apropos Lohnkosten: Diejenigen Konkurrenzapostel, die meinen, dass nur die Löhne gesenkt werden müssten, damit „alles wieder gut wird“, seien auf einen Artikel der FAZ vom 03.09.2003 verwiesen, worin festgestellt wird, dass die Lohnkosten in z.B. China bei nur zwei bis drei Prozent der amerikanischen liegen (und die liegen schon durchschnittlich um 20 Prozent unter den “deutschen“). Was das jedoch für verheerende Folgen für die staatliche Refinanzierungsfähigkeit, d.h. die gesamtgesellschaftliche Infrastruktur sowie die gesamtgesellschaftliche “Kaufkraft“ hat, lässt sich in dem Projekt `China` nachlesen und wird auch noch weiter unten in Bezug auf den staatlichen Zerfall der USA beschrieben.
Mit Ausnahme der Fluggesellschaften und der jeweiligen Dienstleistungs- bzw. Finanzsparten, handelte es sich bei den bisher erwähnten Unternehmen um große Teile des so genannten “verarbeitenden Gewerbes“ (das, wie mensch seit Marx weiß, die einzige “Wertschöpfungs“- und somit “Mehrwert“/“Profitquelle“ ist). Damit mensch einen Überblick bekommt, was die Entlassungsorgien, bedingt durch das jähe Ende des simulierten Wachstums, allein seit 2001 an so genannten “Arbeitsplätzen“ in diesem Sektor der US-Wirtschaft vernichtet haben, empfiehlt sich ein Artikel der FTD vom 22.08.2003: „In der Industrie kam es binnen weniger Monate zu einem spektakulären Abbau von gut drei Millionen Jobs – so wenig Leute wie jetzt (Juli 2003: 14,612 Mio.) waren in diesem Sektor zuletzt vor knapp 45 Jahren beschäftigt: im Oktober 1958 (14,503 Mio.).“ – das bedeutet also, dass der industrielle Sektor in einer Zeitspanne von nur zweieinhalb Jahren um 17 Prozent einbrach. Dabei dann noch von “schleichender Deindustrialisierung“ zu sprechen, wie es der französische Politikwissenschaftler und Autor des Bestsellers `Weltmacht USA – Ein Nachruf` Emmanuel Todd in einem Interview mit dem `Spiegel` noch im März 2003 tat, stellt wohl - gelinde gesagt - eine vollkommene Verkennung der Tatsachen dar.
Interessant ist dabei auch noch, dass der industrielle Sektor, bezogen auf die offizielle US-Erwerbsquote von 74,9 Prozent (laut FTD – `Kompass`, Eckdaten der Wirtschaft in den USA, Japan, Euro-Zone und Deutschland (Rubrik: `Politik & Wirtschaft), ist diese sowieso nur bedingt international vergleichbar – zur “Fake Factory“ weiter unten) ohnehin gerade mal noch ca. 7 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt (bezogen auf die offizielle Gesamtbevölkerung von 288,6 Mio. Einwohnern sind das 216,1 Mio. - allein das verdeutlicht die Absurdität der “Erwerbsquote“, denn nach offiziellen Angaben beläuft sich die Beschäftigtenzahl auf ca. 140 Mio. Menschen, was dann einen Anteil der in der Industrie Beschäftigten von auch gerade mal nur 10 Prozent ausmachen würde – siehe auch Projekt `Großbritannien`). Auch in dieser Hinsicht kann wohl kaum von “schleichend“ die Rede sein.
Doch wie schon aus der desaströsen Lage der Fluggesellschaften hervorging, hat nicht nur das “verarbeitende Gewerbe“ einen katastrophalen Absturz erlebt, sondern auch im “Dienstleistungs“- und “Finanzsektor“ (wozu natürlich auch die Fluggesellschaften zählen – von wegen “Industrie“) sowie im “Handel“ reiht sich ein GAU an den nächsten.
In den ehemaligen Hyperblasen-Branchen der “New Economy“ (die mittlerweile ganz schön alt aussieht) sind es vornehmlich IT-Dienstleister, Softwarefirmen, Mobilfunkgesellschaften sowie Internet-/Kabel-Betreiber, die in den Abgrund gerissen wurden.
Bisheriger Spitzenreiter ist dabei zweifelsohne Worldcom. Der Telekom-Konzern (seit Ende Mai 2003 unter MCI firmierend) wurde Mitte 2002 zahlungsunfähig, nachdem er im (natürlich: bisher) größten Bilanzskandal der US-Wirtschaftsgeschichte eingeräumt hatte, seinen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 11 Mrd. Dollar zu hoch ausgewiesen (FTD, 09.07.2003, 20.05.2003), also seine Anleger mit gigantischen Bilanzmanipulationen betrogen zu haben (ganz nebenbei vernichtete der Zusammenbruch rund 200 Mrd. Dollar Börsenwert (FTD, 08.08.2003)). Der seitdem unter Kapitel 11 laufende Konzern kommt jedoch auch weiterhin nicht aus den Schlagzeilen – im Gegenteil: Die ohnehin schon prekäre Lage spitz sich offenbar noch weiter zu. Nach einem Bericht der “New York Times“ (die sich jedoch auch in Schieflage befindet) von Ende Juli 2003 ermitteln US-Staatsanwälte erneut gegen das Unternehmen mit derzeit noch 55.000 Angestellten. MCI (ehemals Worldcom) soll lokalen Telekommunikationsdienstleistern Jahre lang Zugangsgebühren vorenthalten haben. Dieser weitere Betrug belaufe sich möglicherweise auf einige Hundert Millionen Dollar. Zusätzlich dazu muss MCI im Rahmen des Insolvenzverfahrens auch noch Rekordstrafen von 750 Mio. bzw. 1,5 Mrd. Dollar zahlen. Und auch die Aussichten sind düster, wie aus den Anfang Juli 2003 deutlich gesenkten Umsatz- und Gewinnprognosen für die nächsten drei Jahre hervorgeht: MCI erwartet nun für die kommenden drei Jahre rückläufige Umsätze und veranschlagte auch den Vorsteuergewinn gleich mal mit 1,8 Mrd. Dollar niedriger als “gedacht“ (O-Ton).
Dass bis Anfang September 2003 noch nicht abgeschlossene Insolvenzverfahren sieht neben einer Strafe von 750 Mio. Dollar, die in einen “Pool“ für geschädigte Anleger gezahlt werden soll (zu zahlen an die amerikanische Börsenaufsicht SEC) sowie einer weiteren gerichtlichen Strafe von voraussichtlich 1,5 Mrd. Dollar (Verhandlung derzeit noch nicht abgeschlossen), die fast vollständige Entschuldung des Telekomkonzerns vor - doch genau das fürchten die beiden ebenfalls taumelnden größten Konkurrenten AT & T und Verizon, da MCI im Gegensatz zu diesen Unternehmen dann die bisherigen Schulden von 41 Mrd. Dollar auf 5 Mrd. Dollar drücken würde (selbstverständlich kann MCI auch diese 5 Mrd. Dollar nie wieder “abarbeiten“ - geschweige denn wird es dem Unternehmen wohl kaum noch gelingen, Investoren zu finden). Es steht also außer Frage, dass diese politisch-juristische “Lösung“ angesichts der noch immer schwierigen Lage der großen amerikanischen Telefonkonzerne (bedingt durch rückläufige Preise aufgrund schwacher Nachfrage, die Konkurrenz durch Mobiltelefone und E-Mail sowie zu erwartende weitere Umsatzeinbußen infolge einer so genannten “Do Not Call“-Liste, mit der US-Verbraucher Anrufe von Telefonverkäufern untersagen lassen können, - 17 Millionen Amerikaner ließen ihre Nummern bisher sperren, was die Ferngesprächskonzerne fünf Prozent Umsatz kosten könnte) weitere Insolvenzen nach sich ziehen wird. Es versteht sich nicht minder, dass die “Gläubiger“ (unter den düpierten Anlegern befindet sich u. a. auch ein “Pensionsfond“ des Staates New York – zu dieser Form der tollen “privaten Alterssicherung“ auch noch weiter unten) gegen diesen “Entschuldungsplan“, der quasi Totalverlust (ca. 90 Prozent) bedeuten würde, Sturm laufen. Doch nicht nur, weil sie “Ihr geliebtes Geld verlieren“, sondern weil sie oftmals auch selber “Schuldner“ sind, und somit selbst in den Bankrott getrieben werden (egal ob der kleine Rentner, der dann ohne Rente da steht, um damit Eigenheim, Auto etc. abzustottern oder die große Bank, die dann ein Geldspeicher ohne Geld wird, womit unzählige “Sparer“.(die kleinbürgerlichen Geldidioten, die auch glauben, dass das Geld sich aus sich selbst vermehrt), gefeuerte Bankangestellte (mitunter sogar die gesamte Bank) und Firmen, denen die Bank ihre Kredite kündigt, auf der Strecke bleiben).
Ein weiterer Mega-Minus-Maniac dieser Branche ist schon erwähnte AT & T. Ende Januar 2003 meldete der Konzern für 2002 einen Jahresverlust von 13,1 Mrd. Dollar (nachdem auch schon im IV. Quartal 2001 1,39 Mrd. Dollar Verlust angefallen waren), was der Konzern mit “Abschreibungen auf nicht mehr weitergeführte Geschäftsbereiche“ sowie “neue Bilanzierungsregeln“ “begründete“. Zuvor schon hatte das Unternehmen eine weitere Kündigungswelle angekündigt, in Zuge derer bis Mitte 2003 3500 Stellen (fünf Prozent der Gesamtbelegschaft), davon die Hälfte im Managementbereich, zusätzlich wegfallen sollten, nachdem bereits 10.000 Stellen in den beiden vorangegangenen Jahren gestrichen worden waren. Damit wurden mittlerweile ca. 18 Prozent der ursprünglich 80.000 Stellen abgebaut..
Allerdings werden diese Kürzungen garantiert nicht die letzten bleiben, denn wie die Konzernleitung selber schon feststellte, mache zum einen die “Automatisierung“ (schöne Grüße von der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION) viele Jobs überflüssig, zum anderen verringere eine “Neuorganisation“ die Zahl der Führungsebenen.
In die Fußstapfen von Worldcom versucht anscheinend auch die US-Telefongesellschaft Qwest Communications International zu treten. Aus einem auf das zurückliegende Quartal bezogenen und (wie bei vielen anderen auch) mit Hurra-Überschrift versehenen Artikel der FTD vom 30.05.2003 (“Telefonanbieter Qwest schreibt schwarze Zahlen“) geht hervor, dass der viertgrößte Anbieter von Ortsgesprächen, der dazu noch auf 22,3 Mrd. Dollar Schulden sitzt, allein im entsprechenden Vorjahresquartal einen Verlust von 23,9 Mrd. Dollar verzeichnete. Und auch der zu Anfang vermeldete “Quartalsgewinn“ von 150 Mio. Dollar wird nur einige Zeilen später als reiner Buchungstrick entlarvt: „Qwest profitierte im vergangenen Quartal stark von Änderungen bei den Buchhaltungsregeln, die bestimmte Stillegungskosten betreffen. Dadurch fiel der Gewinn um 206 Mio. Dollar höher aus. Ohne diese buchhalterischen Änderungen hätte sich immer noch ein Fehlbetrag von 56 Mio. Dollar ergeben. Das gestern vorgestellte Ergebnis ist allerdings noch nicht endgültig, da erst noch die Bilanzen der vorangegangenen Quartale überprüft und korrigiert werden müssen.“ – Dabei helfen derzeit auch tatkräftig das US-Justizministerium und die amerikanische Börsenaufsicht SEC, die ihre Ermittlungen wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation sogar noch ausgeweitet haben; bestimmt auch bedingt durch die Tatsache, dass das Unternehmen schon von sich aus allein für die Jahre 2000 und 2001 eine “Bilanzkorrektur“ von 2,2 Mrd. Dollar angekündigt hatte (“minus“, versteht sich). Und da es dem Unternehmen ja scheinbar so gut geht, wurde direkt noch ein Kredit von 1Mrd. Dollar aufgenommen - na, wenn das mal kein finaler Fehler des Investors war.
Über den größten US-Telekomkonzern im Ortsnetz, Verizon, war indes nicht allzu viel in Erfahrung zu bringen. So vermeldete das Unternehmen durch seine Mobilfunktochter zum Ende des II. Quartals Ende Juli 2003 zwar endlich wieder einmal einen Gewinn (die Höhe wurde im betreffenden Artikel der FTD vom 30.07.2003 nicht genannt), doch gleichzeitig warnte der Konzern vor künftigen “Ertragsbelastungen“ durch schrumpfende Pensionsrücklagen für die Mitarbeiter. (Das muss mensch sich mal vorstellen: Ganz offensichtlich verbucht auch Verizon (wie viele andere Unternehmen auch) die Pensionsrückstellungen als “Haben“, obwohl es doch de facto Schulden sind. Doch jetzt bricht, bedingt durch den Kollaps der Wachstumssimulation (alias “Börsencrash“) mehr und mehr zusammen, was Jahre und Jahrzehnte gängige “Geschäftspraxis“ war: Laufende Pensionszahlungen wurden durch Spekulationserträge “finanziert“ (wobei die Rentner vermutlich mit Bröseln abgespeist und der große Rest als “Gewinn“ präsentiert wurde), d.h. diese eigentlichen Schulden wurden nicht aus den laufenden Erträgen der Unternehmen gezahlt, sondern dadurch, dass die “Finanzabteilung“ dieses Geld an andere Unternehmen in Form von Aktien und Krediten verlieh. Das konnte nur solange gut gehen, insofern das Schneeballsystem der Verwertung des Werts bzw. dessen Simulation noch expandierte. Nach dessen Zusammenbruch werden bald auch die Verizon-Mitarbeiter ihr blaues Wunder erleben (wie es bei erwähntem Stahlkonzern und noch weiter unten angeführten Versicherungen und Pensionsfonds geschehen ist - siehe auch Spiegel 10/2003 sowie Projekt `Großbritannien`).
Ganz schön lahm zeigt sich gleichfalls der drittgrößte US-Anbieter für Ferngespräche Sprint (FTD, 12.06.2003). In besagtem Artikel ist von “Aufwendungen“ in Höhe von 475 Mio. Dollar für das zu dieser Zeit laufende Quartal die Rede. Diese entstanden durch die Einstellung der Webhostingsparte sowie durch die Streichung von 500 Stellen. Von den zehn bestehenden Datenzentren dieser Sparte in den USA würden acht geschlossen. Und im darauffolgenden Quartal gab Sprint dann richtig Gas (FTD, 24.10.2003): “Sprint rutscht in rote Zahlen“ – „Sprint, Amerikas drittgrößte Telefongesellschaft, hat im vergangenen Quartal nach Abschreibungen einen Verlust von 498 Mio. Dollar gemacht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 519 Mio. Dollar erwirtschaftet.“ – Auch hier heißt es: Wer`s glaubt, wird selig: Zum einen dürfte der Telefonkonzern längst überfällige “Abschreibungen“ bislang nur aufgeschoben haben, zum anderen wird auch Sprint, ähnlich wie die anderen, Milliardenschulden aufgetürmt haben – womit diese “Gewinne“ nichts als potemkinsche Dörfer sind.
Schnittstellenprobleme gibt`s derzeit auch bei den US-IT-Dienstleistern EDS und CSC: Am 19.05.2003 meldete die FTD, dass die US-Börsenaufsicht SEC die Untersuchungen gegen EDS, Nummer zwei im Segment Computer Services Consulting hinter IBM, nun auch auf einen Großauftrag der US-Marine ausgedehnt habe, nachdem bereits zuvor fehlgeschlagene Termingeschäfte des Konzerns mit Aktien (tja, auch bei EDS reichen die realen Einnahmen offensichtlich nicht mehr, um noch “Gewinne“ ausweisen zu können – siehe Kapitel 8) untersucht worden waren, die im dritten Quartal des vergangenen Jahres zu einer “massiven Verschlechterung der Geschäftszahlen“ geführt hatten (Es ließ sich bislang leider nicht in Erfahrung bringen, was das in konkreten Zahlen heißt). Die erweiterte Untersuchung bezieht sich auf den Verlust von 334 Mio. Dollar, den EBS mit dem Marineauftrag zur Erneuerung interner Computernetze der Armeeeinheiten macht. Und auch im weiteren Verlauf des Jahres ist der Minus-Trend ungebrochen: Ende Juli 2003 meldete das Unternehmen einen im Vergleich zum Vorjahr um 57 Prozent auf 138 Mio. Dollar abgestürzten Halbjahresgewinn (Vorjahr: 316 Mio.)
Aber wie bei EDS, IBM und anderen Konkurrenten lassen auch bei Computer Sciences Corporation (CSC) die Aufträge von Unternehmen zu wünschen übrig. Dass der südkalifornische Outscourcing-Spezialist Mitte August 2003 dennoch einen starken Umsatz- und “Gewinnanstieg“ vermelden konnte lag an der Übernahme es ehemaligen Konkurrenten Dyncorp (spezialisiert auf Dienstleistungen für die US-Verteidigungs- und Justizministerien und zahlreiche andere Behörden) im Dezember 2002 und dem damit um 87 Prozent (!!!) gestiegenen Geschäft mit US-Bundesbehörden, wozu auch das neue Ministerium für Heimatsicherheit gehört. - Das Melken des Superministeriums “Department of Homeland Security“, das mit seinen 22 Einzelbehörden zu den größten IT-Abnehmern gehört, ist jedoch selbstredend auch nicht “wertschöpfend“, sondern muss aus vorher erzielten “Steuern“ “finanziert“ werden - also eine “keynesianische Luftnummer“.
Harte Zeiten ebenso für die Software-Branche: Auch für die einstigen Megastars des IT-Theaters, die bislang noch relativ glimpflich davonkamen, ist 2003 das Jahr der Wahrheit. So heißt es in der FTD vom 03.06 2003: „Die Übernahme von J.D. Edwards durch Peoplesoft dürfte die seit langem erwartete Konsolidierungswelle im Markt für Unternehmenssoftware einleiten. „Dieses Jahr wird ein Jahr der Übernahmen im Markt für Unternehmenssoftware“, sagt Bruce Richardson, Analyst beim Beratungsunternehmen AMR Research.
Die Anbieter leiden unter dem Hype der vergangenen Jahre. Vor allem im Jahr 2000 haben viele Unternehmen Lizenzen gekauft, auf denen sie dann sitzen geblieben sind. Seitdem konsolidiert der Markt (Quatsch – er kollabiert). Analysten schätzen, dass es rund 600 Anbieter von betriebswirtschaftlichen Programmen gibt. Dies sind meist kleine Unternehmen, die sich auf ein Segment spezialisiert haben. Vor allem von diesen kleinen Untenehmen dürften in den kommenden Monaten viele aus dem Markt verschwinden.
Auch die großen Hersteller weisen seit einigen Quartalen schwache Ergebnisse aus. Zuletzt hatten alle großen Unternehmenssoftwarehersteller im ersten Quartal 2003 schwache Zahlen vorgelegt. So gingen die Lizenzumsätze von Oracle (USA), SAP (Deutschland), Peoplesoft (USA) und Siebel (USA) teilweise dramatisch zurück (kein Wunder bei der größten globalen Pleitewelle aller Zeiten). Siebel zum Beispiel verkaufte, verglichen mit dem Vorjahresquartal, nur noch rund die Hälfte der Software; Peoplesoft musste einen Rückgang von 39 Prozent hinnehmen. Softwarelizenzumsatz ist für die Hersteller von Unternehmenssoftware eine besonders wichtige Größe, weil die Verkäufe von Programmen später Service- und Wartungsumsatz nach sich ziehen.
Kleinere Anbieter dürfte es noch härter treffen. „Wir gehen davon aus, dass es 2003 und 2004 eine Konsolidierungswelle geben wird (also “Massensterben“), da insbesondere kleinere Anbieter zurzeit eine negative Marge und negativen Cashflow aufweisen und daher vom Markt verschwinden werden“ sagt Knut Woller, Analyst bei der HypoVereinsbank. Je länger die Krise im Unternehmenssoftwaresektor dauere, desto mehr kleine Unternehmen würden aus diesem Segment gedrängt. Bereits im vergangenen Jahr hat es einige Unternehmen getroffen.“ – Ein wirklich eindrucksvoller Artikel, der zeigt, dass Fernseher oder Klodeckel auch keine Programme kaufen.
Die Fusion der US-Softwarefirmen Peoplesoft und J.D. Edwards kann als Fanal gelten, welch mörderische Hetzjagd in der nahen Zukunft ansteht. Denn kaum war der Zusammenschluss über die Bühne gegangen, kündigte Peoplesoft Anfang September 2003 an, bis zu 1000 der 13.000 Stellen zu streichen – vorrausgesetzt die “Renditeprognosen“ werden erfüllt. Sollten die Gewinnerwartungen nicht eintreffen stehen sogar noch mehr Arbeitsplätze zur “Disposition“ (Das ist überhaupt nur noch die einzige Methode, abgesehen von Bilanzfälschung, um noch (kurzfristig) “Gewinne“ ausweisen zu können: massenhaft Menschen entlassen und die so genannten “Einsparungen“ bei den Personalkosten dann als “Gewinn“ ausweisen. Da das aber eben auch alle machen, schließt sich damit der Kreis – da werden so und soviel Tausend gefeuert und können sich dann das und das nicht mehr kaufen. Dadurch bricht bei Unternehmen XY die Nachfrage ein und feuert dann ebenfalls – und falls das Unternehmen sogar bankrottiert, gibt`s halt auch keine “Lizenzgebühren“ für Verwaltungsprogramme mehr.). - Und selbstverständlich wird auch Peoplesoft massiv Arbeitsplätze nach Indien verlagern, weil „die Angestellten dort nur ein Fünftel dessen kosten, was sie in Amerika oder Europa kosten“.
Durch diesen Zusammenschluss geraten auch die beiden US-Unternehmenssoftware-Hersteller Siebel und Oracle unter Druck.
Für den Spezialsoftwareanbieter Siebel, lange Zeit härtester SAP-Konkurrent im Bereich der Kundenverwaltungssoftware, sieht es dabei gar nicht gut aus. Nach einem SZ-Artikel von 01/03 machte Siebel im IV. Quartal 2002 einen Verlust von 38 Mio. Dollar bei einem zum Vorjahresquartal um 20 Prozent von 487,8 auf 394,7 Mio. Dollar zurückgegangenen Umsatz. Und laut FTD vom 03.06.2003 musste das Unternehmen auch in den vergangenen Quartalen starke Umsatzrückgänge hinnehmen. Nach Ansicht von Analysten ist das Unternehmen zu einseitig ausgerichtet und steht deshalb unter Druck, ebenfalls ein anderes Unternehmen zu kaufen. Anscheinend fehlt Siebel jedoch dazu das Geld (such das “Eigenkapital“), stattdessen vereinbarte das Unternehmen schon Ende Januar 2003 eine Kooperation mit IBM. Siebel will damit sein Softwarepaket für die Verwaltung von Kundendaten auch für die IBM-Internetplattform Websphere anbieten. Siebel und IBM investieren je 150 Mio. Dollar in die Entwicklung des neuen gemeinsamen Produkts. Doch auch bei Siebel hat sich dadurch nichts geändert. Nach einem Ende Juli 2003 für das II. Quartal bekannt gegebenen Gewinn- und Umsatzeinbruch, kündigte das Unternehmen den Abbau von 490 der 5400 Stellen an, das sind 9 Prozent der Gesamtbelegschaft. Verglichen zum Vorjahresquartal sackte der Umsatz um 18 Prozent von 406 auf 333,3 Mio. Dollar ab. Der Gewinn sank um 67 Prozent von ca. 30 auf 9,8 Mio. Dollar. Vor allem bei Betrachtung des für Softwarefirmen als Maß des Kerngeschäfts dienenden Softwarelizenzumsatzes zeigt sich die gefährliche Entwicklung bei Siebel: Der Softwarelizenzumsatz brach im Vergleich zum Vorjahresquartal um 35 Prozent auf 110 Mio. Dollar ein !!!
Nachtrag zu “Der Aufschwung ist da“ – nur nicht für Siebel & Co.: Mittlerweile macht sich ja auch im Softwarebereich wieder hohles Hurra-Gejohle breit, was natürlich nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. So titelt die SZ vom 17.10. 2003: “SAP übertrifft alle Erwartungen“ – eine geheuchelte Euphorie wie sie lächerlicher nicht sein könnte. Denn wie mensch dem Artikel entnehmen kann, ist auch bei SAP der Gesamtumsatz rückläufig, und der gemeldete “Gewinnsprung“ von 23 Prozent in einem insgesamt schrumpfenden Markt nur durch enorme Verluste und Bankrotte der Konkurrenz bedingt. Darüber hinaus beruht ein Teil dieses “Gewinnsprungs“ auf reiner “Reichrechnerei“, wie aus einem (Neben-) Artikel der FTD vom 16.10.2003 hervorgeht: “SAP auf Pump“, worin festgestellt wird, dass sowohl SAP, Peoplesoft als auch Microsoft sich vermehrt auf den so genannten “Mittelstand“ konzentrieren wollen. Da der aber de facto ebenfalls bankrott ist, vertreiben die Software-Unternehmen ihre Software mittels “Lieferantenkrediten“, also “auf Pump“ (was sich kleinere Unternehmen natürlich nicht leisten können). Und genau dieses nicht vorhandene “Geld“ wird dann als “Umsatz“ und “Gewinn“ verbucht. Echt toll.
Allerdings verdeutlicht der Artikel auch, dass diese “Gewinne“ nicht mehr aus einem insgesamt “wachsenden Markt“ stammen, sondern nur noch auf dem “Plattmachen“ der Konkurrenz (also die global schon weit verbreitete Plünderungsökonomie, nur in einem frühen Stadium): „Das (diese “Mittelstandsoffensive“) geht zu Lasten kleinerer Anbieter“, sagt Michael Kleinemeier, Zentraleuropa-Chef von Microsoft. Nicht weniger kommt das auch beim Hurra-Artikel der SZ zum Vorschein (mit dem wohl an tumbe nationalistische “Wir sind wieder Wer-Gefühle“ appelliert werden soll – schöne Grüße von Pawlow), denn wenn mensch ein wenig genauer hinsieht, enthält der Artikel noch eine kleine Zwischenüberschrift: “Siebel in roten Zahlen“ – heißt es da nämlich auf einmal (im wahrsten Sinne des Wortes) kleinlaut: „Unerfreulicher als bei SAP fielen die jüngsten Quartalszahlen für den amerikanischen Konkurrenten Siebel aus. Das Unternehmen schreibt nach wie vor rote Zahlen. Im dritten Quartal ist ein Nettoverlust von 59,3 Mio. Dollar entstanden, teilte Siebel am Mittwochabend (natürlich erst) nach US-Börsenschluss mit. Im Vorjahresquartal hatte der Fehlbetrag 92,1 Mio. Dollar betragen.
Desgleichen stehen auch die Zeichen für den weltgrößten Datenbank-Konzern Oracle alles andere als gut: Für das Mitte September 2003 abgelaufene erste Geschäftsquartal 2003/2004 verzeichnete das Unternehmen einen im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 515 Mio. Dollar zurückgegangenen Umsatz mit neuen Softwarelizenzen. Der Rückgang im Neugeschäft traf sowohl das Kerngeschäft Datenbankprogramme, das für rund 80 Prozent des Neugeschäfts steht, als auch die Sparte Unternehmenssoftware. Im Bereich der Unternehmenssoftware musste Oracle außerdem einen Einbruch des Umsatzes mit Dienstleistungen um fast 20 Prozent hinnehmen. Währungsbereinigt wäre auch der Gesamtumsatz statt eines Zuwachses um zwei Prozent auf 2,07 Mrd. Dollar real um über zwei Prozent rückläufig gewesen. Und nicht weniger “reichgerechnet“ erweist sich der um 28 Prozent auf 440 Mio. Dollar gestiegene Gewinn, der nur aufgrund weiterer massiver Kosteneinsparungen zustande kam. Doch auch für das laufende Quartal “prophezeite“ Finanzchef Jeff Henley einen weiteren Rückgang des Neugeschäfts.
Somit wird verständlich, warum Oracle weiterhin und sogar verschärft die “Feindliche Übernahme“ von Peoplesoft betreibt. Oracles Chefstratege Charles Phillips zieht dabei alle Register: Er lancierte auf der Kundenkonferenz “Oracle World“ Mitte September 2003 in San Francisco, dass „in “vertraulichen Gesprächen“ mit mehreren institutionellen Investoren und Peoplesoft-Kunden diese ihre Zustimmung gegeben hätten.“ (was auch höchstwahrscheinlich den Tatsachen entspricht) Für den Fall, dass Peoplesoft Oracles Angriff abwehren sollte kündigte Phillips einen “aggressiven Verdrängungswettbewerb“ an – dem aber auch Oracle zum Opfer fallen könnte, da nämlich wiederum Microsoft und IBM Oracle zunehmend zusetzen - tja, so ist das halt, wenn die Märkte zusammenbrechen.
Defizitär bleibt auch weiterhin der US-Softwarekonzern Computer Associates (CA). Für das Ende September abgeschlossene Quartal verbuchte CA einen im Vergleich zum Vorjahr von 52 auf 87 Mio. Dollar gestiegenen Verlust, was trotz nachbörslicher Veröffentlichung den Aktienkurs um 14 Prozent einbrechen ließ - immer “nachbörslich“ nach dem Motto: Vielleicht hat`s ja niemand mitbekommen (FTD, 24.10.2003).
Verluste und Entlassungen stehen ebenso bei den Herstellern technischer Software auf dem Programm. So kündigte die Softwaretochter von Palm, Palm-Source, nach jahrelangen Verlusten schon im Februar 2003 den Abbau von 18 Prozent der 330 Stellen an. Und auch BMC, Hersteller für Server-Programme meldete Ende Juli 2003 von 6861 Stellen 890 streichen zu wollen (13 Prozent), nachdem im ersten Quartal 2003 ein Nettoverlust von 6,1 Mio. Dollar angefallen war.
Und natürlich darf auch bei den Software-Herstellern das Salz in der Suppe nicht fehlen: Bilanzfälschung inklusive Kapitel (na ??? – ja, richtig) “11“. - Am 08.08.2003 berichtete die FTD über den wieder aus der Insolvenz hervorgegangenen US-Software-Hersteller Peregrine, der im September 2002 in die Insolvenz nach Kapitel 11 geflüchtet war, nachdem das Unternehmen den Umsatz mit Software um etwa 500 Mio. Dollar zu hoch ausgewiesen hatte. Dieses “Hervorgehen“ “reduzierte“ den Schuldenberg von 537 Mio. auf 70 Mio. Dollar – was für die Anleger mal eben 87 Prozent Verlust bedeutete – ein echter “Bye-Bye-Buck-Bug“.
(Ein weiterer (zwar kanadischer) defizitärer Software-Hersteller ist Corel (FTD, 30.06.2003), der für das in diesem Artikel nicht näher bezeichnete Quartal einen Verlust von 5,6 Mio. Dollar verzeichnen musste, nachdem auch im Vorjahreszeitraum bereits ein Minus von 6,3 Mio. Dollar angefallen war. Postwendend kündigte das Unternehmen 66 Entlassungen an, was rund neun Prozent der Gesamtbelegschaft entspricht. Damit will Corel pro Jahr 4,2 Mio. Dollar “einsparen“ – was nichts anderes heißt, als dass diese Summe der gesamtgesellschaftlichen Kaufkraft abgeht. – Nachtrag: Ende September 2003 fand sich unter den Tausenden zufällig folgender FTD-Artikel vom 22.08.2003 mit der Überschrift: “Investor Vector kauft Corel“ – Darin wird von sieben Verlustquartalen in Folge berichtet, die schließlich in der Übernahme durch die Finanzgesellschaft Vector Capital mündeten – worüber die Aktionäre von Corel wohl hocherfreut gewesen sein dürften („Endlich...- Schwein gehabt !!!“).
Und nicht nur die Spezialisten werden nach und nach durch die (sich aufgrund der austrocknenden Märkte) verschärfende Konkurrenz liquidiert – auch der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft (MS) gerät zunehmend unter Druck (FTD, 30.05.2003). Sowohl zu Anfang 2003 als auch gegen Ende Mai 2003 sah sich der Konzern deshalb gezwungen, die Preise für Teile seiner Bürosoftware Office um 15 bis 30 Prozent zu senken (z.B. erhalten Händler einzelne Programme wie die Textverarbeitung Word und das Tabellenkalkulationsprogramm Excel rund 30 Prozent billiger als bisher). Auch die für Spätsommer 2003 erwartete neue Version soll sich an den gesenkten Preisen orientieren. Office ist Mircrosofts “Goldesel“ (O-Ton FTD) und macht 30 Prozent vom Umsatz sowie 50 Prozent des operativen Gewinns aus. Damit subventioniert MS unprofitable Sparten wie den Spielebereich und die Unternehmensprogramme.
Die Preissenkungen richten sich gegen in jüngster Zeit erfolgreiche Konkurrenten, die preisgünstigere Programmpakete anbieten. Darüber hinaus stellen diese jedoch vermutlich eine Reaktion auf billigere Konkurrenzprodukte des Computerherstellers Sun und des Softwareherstellers Corel dar. Deren Programme kosten nur einen Bruchteil dessen, was Microsoft verlangt. PC-Hersteller wie Dell und Hewlett-Packard installieren daher diese Alternativprogramme auf ihren Privatkunden-PC. Zwar will MS mit einer abgespeckten billigen Variante kontern, um so die Computerhersteller wieder zu binden – doch rechnen Analysten damit, dass die bisherigen Preissenkungen nicht ausreichen werden, gegen noch immer erheblich preiswertere Konkurrenzprodukte ankämpfen zu können.
Ganz offensichtlich ist auch für Microsoft “Esel reck dich, Esel streck dich“ beendet: künftig sparen nämlich auch Firmenkunden Kosten. Die Großkundentarife erweitert Microsoft um zusätzliche Leistungen. Firmenkunden erhalten unter anderem Training und Hilfestellung “kostenlos“ (was natürlich nicht stimmt, da auch diese Arbeiten “bezahlt“ werden müssen – nur jetzt halt von Microsoft – und somit den “Profit“ zusätzlich schmälern).
Dass die Goldenen Zeiten wohl vorbei sind (aber auch, was in der Softwarebranche demnächst für ein Wind wehen wird), zeigen darüber hinaus sowohl Unternehmenskäufe in Bereichen, die Microsoft bisher anderen Anbietern überlassen hatte, als auch der Einbruch in Geschäftsfelder die bislang nur ein “Nischendasein“ bei Microsoft fristeten.
Mitte Juni 2003 meldete der Konzern, in Zukunft seine eigene Anti-Viren-Software auf den Markt zu bringen. Zu diesem Zweck übernahm Microsoft die Technologie und die Rechte an der Software des rumänischen Unternehmens GeCad. – Dies ist ein eindeutiger Angriff in einem Segment, dass der Konzern bisher speziellen Anbietern wie Symantec oder Network Associates überlassen hatte.
Nicht weniger folgenreich für die Branche wird sich eine neue, Anfang Juli 2003 eingeleitete “Unternehmensstrategie“ auswirken. Wie einem Artikel der FTD vom 11.07.2003 zu entnehmen ist, hat Microsoft damit begonnen, seine Lohn- und Finanzbuchhaltungsprogramme gezielt an Tochterunternehmen und Untereinheiten großer Konzerne zu verkaufen, unter anderem bei Ford und General Motors. Selbst der für diese “Strategie“ zuständige Manager bei Microsoft Orlando Ayala räumte ein: „Das wird einen Frontalaufprall mit Oracle geben.“ – da kann mensch nur hoffen, dass die beiden keinen Ford fahren und somit schon zuvor unter die eigenen Räder geraten.
Öl ins Feuer gießt der Konzern auch beim Patentstreit um das bislang kostenlose Betriebssystem Linux, (das dem Konzern zunehmend Konkurrenz macht), indem MS im Mai 2003 in einem Lizenzabkommen mit dem Unix-Rechteinhaber SCO die Basistechnik (Unix) des Betriebssystemherstellers lizenzierte. - (Auch wenn z.B. IBM mittlerweile mit einer Gegenklage auf die im März 2003 von SCO eingereichte Klage reagiert hat, ist das Kapitel damit noch lange nicht abgeschlossen – zumal sich SCO IBM zum Kauf angeboten hat. Damit könnte dann der nächste juristische Gegner der ach so freien Linux-Gemeinde dann nicht mehr die SCO-Klitsche, sondern der Weltkonzern IBM sein. Dass die Konzernleitung von IBM vielleicht auf die Idee kommen könnte, liegt allein schon darin begründet, dass der Konzern selber massiv in Linux investiert hat und somit auch spielend leicht eigene Systementwicklungen patentieren lassen könnte. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass IBM damit einen wirklich entscheidenden Vorsprung gegenüber Microsoft in Sachen “stabile Betriebssysteme“ gewinnen würde, da MS ja selber nur Lizenznehmer ist.)
Mit Besorgnis ist dagegen das Ende des Software-Streits zwischen Microsoft und AOL Time Warner um den Internet-Browser Netscape vernommen worden (womit Microsoft de facto das Schlüssel-Monopol fürs Internet besitzt). Darüber hinaus werden die beiden Konzerne zukünftig in Sachen digitaler Technologie und Onlinemedien zusammenarbeiten. Offensichtlich zielt dieser Pakt darauf ab, jegliche Konkurrenz auszuschalten. Für Microsoft stellt diese Vereinbarung, laut Microsoft-Gründer Bill Gates, ein Zeichen dar, „dass sich Microsoft zukünftig auf das Management digitaler Rechte konzentriert.“ – Das verheißt nichts Gutes.
Doch auch bei Microsoft gibt es zu guter Letzt noch einen Schlag ins Kontor zu vermelden (FTD, 30.05.2003): Der Konzern verkaufte seinen 22-prozentigen Anteil am britischen Kabelbetreiber Telewest Communications für 5 Millionen Dollar (siehe auch Projekt `Großbritannien`). Vor knapp drei Jahren hatte Microsoft den Anteil für 2,6 Mrd. Dollar gekauft – also ein Verlust von 99,99 Prozent.
Milliarden-Kabelbrand ist natürlich auch bei den US-Kabelbetreibern gang und gäbe, wobei der mit Milliardenschulden belastete fünftgrößte US-Kabelbetreiber Adelphia, der 2002 bankrottierte und seitdem unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11 steht, im Vergleich zu Microsofts neuem Verbündeten, AOL Time Warner (ATW), noch als kerngesund gelten kann.
Dessen tiefrote Kabelsparte Time Warner Cable, zweitgrößter US-Kabelbetreiber, trug zu einem guten Teil mit zum größten Jahresverlust der US-Geschichte bei (- vermutlich sogar der globalen Geschichte).
2002 verbuchte AOL Time Warner (ATW) nämlich einen “Jahresnettoverlust“ (wie groß mag denn dann der “Bruttoverlust“ gewesen sein???) von knapp 100 Milliarden Dollar (!!!!!) (“Wertberichtigungen“, “Abschreibungen“), was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Irlands entspricht. Nach Angaben des Konzerns, der zusätzlich noch unter einer Schuldenlast von 29 Mrd. Dollar ächzt (Ende 2002), gehen allein drei Viertel des Verlustes von 45,5 Milliarden Dollar im letzten Quartal 2002/2003 auf das Konto der Internet-Tochter AOL Online (auch beim Gesamtverlust entfielen dabei fast die Hälfte auf so genannte “Wertberichtigungen“ für AOL Online und den Kabelfernsehbereich).
Um den ebenfalls gigantischen Schuldenberg von 29 Mrd. Dollar abzubauen, verkaufte ATW seinen Anteil von 8,4 Prozent am Satellitenbetreiber Hughes Electronics sowie seine Produktionsstätten für CDs, DVDs und Druckmaterial für insgesamt 1,8 Mrd. Dollar. Wie der Konzern jedoch so sein Ziel verwirklichen will, die Schulden bis Ende 2003 auf 20 Mrd. Dollar abzubauen, bleibt doch sehr schleierhaft, zumal gerade AOL allein schon bis Anfang Juni 2003 mehr als eine Million Abonnenten verloren hatte. Und nicht genug damit, ermitteln bei AOL sowohl die US-Börsenaufsicht SEC als auch die Staatsanwaltschaft: AOL soll in den Jahren 2000 und 2001 knapp 600 Mio. Dollar an Einnahmen verschiedenster Art unzulässig als Werbeumsatz verbucht haben. Zusätzlich zu den offiziellen Ermittlungen laufen noch mehr als 40 Aktionärsklagen gegen den Konzern, und April 2003 reichte die Universität Kalifornien Klage wegen Anlagebetrugs ein (das große Jammern derjenigen, die total begriffslos dem „sich aus sich selbst vermehrenden Geld“ gefrönt hatten). Es geht um 1,7 Mrd. Dollar, um die AOL seinen Gewinn innerhalb von drei Jahren zu hoch ausgewiesen haben soll.
Selbstverständlich hat diese “Erfolgsgeschichte“ auch Auswirkungen auf die “Kreditwürdigkeit“, was sich allein schon am Aktienkurs ablesen lässt, der um über 75 Prozent eingebrochen ist (schließlich stellen auch “Aktien“ einen “Kredit“ dar, deren “Zins“ “Dividende“ genannt wird - “Zins“ ist wiederum nichts anderes als ein Teil des im BWL-Jargon “Profit“ genannten “Mehrwertes“). Analysten sehen die “Kreditwürdigkeit“ sogar generell in Frage gestellt, was aus AOL Online mit einem “Mausklick“ AOL Offline machen würde.
Überhaupt befinden sich viele Bereiche der US-“Medienindustrie“ (O-Ton FTD – ein weiteres begriffsloses Konstrukt, wie schon “Luftfahrtindustrie“ oder “Finanzindustrie“) wie z.B. Zeitungen / Zeitschriften, Buchverlage oder die Werbebranche in einer prekären Schieflage.
Angesichts der derzeit ebenfalls auch auf die US-Buchverlage voll durchschlagenden finalen “Konjunkturkrise“ (ja, ja von wegen “Konjunktur“ – such, such die neue “Lange Welle“ (á la Schumpeter & Co.) in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION), verkündete der Verlagsarm des US-Medienkonzerns Viacom, Simon & Schuster, Ende Juli 2003 (FTD, 23.07.2003) den Abbau von 75 Stellen, 5 Prozent der Gesamtbelegschaft. Da nach eigenen Aussagen des Konzerns die Aussichten weiter düster bleiben und die Verkaufszahlen (vermutlich “Verkauf“ á la US-Autohersteller) selbst bei einer erhofften “Erholung“ voraussichtlich nicht mehr das vorherige Niveau erreichen würden, werden zweifelsohne weitere Stellenstreichungen folgen.
Als ein weiterer Minus-Gigant erweist sich der US-Medienkonzern Liberty Media, der für das zweite Quartal (FTD, 15.08.2003) erneut einen Fehlbetrag von 464 Mio. bekannt gab, nachdem im Vorjahreszeitraum sogar 3,1 Mrd. Dollar als Minus zu verzeichnen waren.
Doch nicht nur eloquente Prosa oder anmutige Lyrik scheint sich nur noch schleppend zu verkaufen (kann es vielleicht daran liegen, dass der ehemalige Boeing-Mitarbeiter statt Charles Dickens jetzt die Kippen von der Strasse liest ???), auch “nackte Tatsachen“ sind offensichtlich nicht mehr gefragt. So ist denn auch “Pleite im Penthouse“ angesagt – der Herausgeber der Geifergazette, General Media, flüchtete sich Mitte August 2003 - wie üblich – unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11 (übrigens eine schöne Metapher für all diejenigen, die meinen, dass es ja nur wieder “die anderen da unten“ erwischt). “Miese“ statt “Miezen“ heißt es auch beim anderen Rubbel-Report für Hochglanz-Hohlköpfe “Playboy“. Playboy Enterprises verzeichnete im zweiten Quartal 2003 (Quartalsende 7/2003) einen Verlust von rund einer Million Dollar. Im Vergleichsquartal des Vorjahres fiel ebenfalls ein Verlust von 3,1 Mio. Dollar an.
Nicht besser steht es um die “seriösen“ US-Zeitungen wie das Wall Street Journal oder die New York Times, denen der Einbruch des Anzeigengeschäfts schwer zu schaffen macht. Kein Wunder, wenn mensch bedenkt, dass die US-Zeitungen 80 Prozent des Umsatzes damit erzielen; nur gerade mal 20 Prozent entfallen auf Kioskverkäufe und Abonnements.
(Womit sich mal wieder bewahrheitet, dass, systemisch gesehen, “Kosten“ nun mal “Kosten“ bleiben und auch nicht durch formalrechtliche bzw. strukturelle “Auslagerung“ in “selbstständige Betriebe“ plötzlich zu “Gewinnen“ werden können, d.h. “Anzeigen“ bzw. “Werbung“ “kosten“ Geld – sie “schöpfen“ keins. Selbst die in Bezug auf “Banken, Versicherungen und andere Finanzunternehmen“ (die allesamt natürlich auch nicht “wertschöpfend“ sind) begriffslose FTD ahnt das zumindest: „Hauptursache (für den Einbruch bei den Werbe- bzw. Stellenanzeigen) ist vor allem die anhaltende Sparpolitik von Banken, Versicherungen und anderen Finanzunternehmen bei ihren Werbebudgets.“ - siehe auch `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 3).
Das zeigt sich auch am Beispiel der weltweit zweitgrößten US-Werbeagenturholding Interpublic Group of Companies (IPG). Anfang März 2003 „überraschte der Konzern die Investoren mit neuen Hiobsbotschaften“ (O-Ton FTD, 10.03.2003). Der “Gewinn“ war im vierten Quartal um 78,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 20,3 Mio. Dollar (Vorjahr: ca. 97 Mio. Dollar) gesunken. Nach “Angaben“ der Konzernleitung war der Einbruch vor allem auf “falsche Umsatzbuchungen“ von 1997 bis 2002 sowie auf “Wertabschreibungen“ bei der defizitären Sportmarketingtochter Octagon Motor Sports in Höhe von insgesamt 165,7 Mio. Dollar zurückzuführen – also auf bislang vertuschten Betrug. Die in New York ansässige IPG, zu der etwa die Werbeagenturen McCann-Erickson, FCB und eine Beteiligung an der Hamburger Springer & Jacoby gehören, hatte bereits 2002 mehrfach Angaben über “falsch verbuchte Einnahmen“ bei ihrer größten Tochter McCann “korrigiert“. Zuletzt war hierbei von 181,3 Mio. Dollar die Rede. Diese “Unregelmäßigkeiten“ ließen das “Vertrauensbarometer“, den Aktienkurs, 2002 um 74 Prozent abstürzen und führten im Juni 2003 dazu, dass ein US-Bezirksgericht eine Klage wegen “irreführender Rechnungslegung“ zuließ, nachdem zuvor schon die US-Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung eingeleitet hatte. Auch dass der mit 2,6 Mrd. Dollar verschuldete Konzern nach Bekanntgabe des Quartalsergebnisses im März von der Rating-Agentur Standard & Poor`s postwendend von BBB- auf BB+ (die “Kreditwürdigkeit“ befindet sich also schon jenseits von “Junk“ (“Ramsch“)) herabgestuft wurde, kann angesichts dieser Bilanzmanipulationen und der darüber hinaus von Beobachtern in der nächsten Zeit noch erwarteten weiteren “bösen Überraschungen“ (O-Ton FTD) ebenfalls nicht mehr verwundern. Ohne Zweifel wäre der Verlust (denn der ausgewiesene “Gewinn“ ist eh eine “Luftnummer“) noch drastischer ausgefallen, wenn nicht allein schon 2002 von den 54.000 Jobs 3200 (6 Prozent) gestrichen worden wären, und es versteht sich, dass mit Bekanntgabe der Quartalszahlen ebenso die Ankündigung weiterer Stellenstreichungen verbunden war. Diese beliefen sich allein im ersten Halbjahr 2003 auf 1450 Arbeitsplätze, und nachdem im zweiten Quartal 2003 ein Verlust von 13,5 Mio. Dollar angefallen war, wurde weitere Stellenkürzungen angekündigt (FTD, 14.08.2003).
Dennoch dürfte ein großer Teil des Verlusts (natürlich sind auch die Betrügereien oftmals den nicht mehr ausreichenden Einnahmen geschuldet) auf dramatisch eingebrochene Werbeeinnahmen zurückzuführen sein, die allein 2002 den Umsatz um 8,7 Prozent auf 6,2 Mrd. Dollar schrumpfen ließen, also um ca. 600 Mio. Dollar. Und für den Verlauf des Jahres 2003 wird mit einem weiteren Rückgang von 4 Prozent gerechnet – für einen Werbekonzern ist das keine gute Werbung.
Drehschluss auch in Hollywood: An den amerikanischen Kinokassen brummt es nicht mehr wie im vergangenen Jahr. Zu Mitte 2003 lagen die Umsätze bereits um rund drei Prozent hinter denen des Vorjahres, an einigen Wochenenden lagen sie sogar um 17 Prozent unter jenen vergleichbaren des Vorjahres (FTD, 15.07.2003). Angesichts steigender Produktions- und Marketingkosten sehen die großen Filmstudios wie Universal Studios, Sony Pictures, Disney Pictures oder Metro-Goldwyn-Mayer Studios mit Besorgnis auf die schwächeren Besucherzahlen (logisch: Radkappen gucken keinen “Terminator 3“). Und auch den “Blockbustern“ geht mittlerweile ziemlich schnell die Puste aus: Die Einnahmen von “Terminator“ waren nach einem sehr guten Start in Amerika in der zweiten Woche um 55 Prozent eingebrochen – und solche Abstürze um 50 bis 70 Prozent sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Damit die Ausgaben wieder eingespielt werden, müssen selbst bekannte Mehrteiler intensiv beworben werden. Gespart wird dann bei weniger bekannten Schauspielern. Zudem wird öfter im Ausland gedreht. Dort sind Studiokosten sowie Gehälter für das Personal “nicht so hoch“ wie in Amerika, wo einflussreiche Gewerkschaften mitbestimmen (quasi “Lumpen-Terminator“).
Darüber hinaus spüren die großen amerikanischen Filmstudios die Schwäche des europäischen TV-Marktes: Für Serien und Filme zahlen die Sender bis zu einem Drittel weniger als noch vor drei Jahren auf dem Höhepunkt des Börsen- und Medienbooms (kein Wunder: deren (simulierte) Einnahmen sind nämlich auch dramatisch eingebrochen). Nicht weniger deutlich macht sich der immer mehr versiegende Strom von Geldern aus so genannten “Filmfonds“ (diese genossen bislang “Steuervorteile“ – FTD, 28.05.2003) bemerkbar (vor allem deutsche Investoren haben zu den Hochzeiten des Börsenbooms Milliardenbeträge für amerikanische Filmproduktionen überwiesen (FTD, 28.05.2003) – soweit zu dem Gejammer der Kulturalismus-Idioten, die von “stetiger Amerikanisierung“ faseln, obwohl doch viel eher von einer “Europäisierung“ oder gar “Germanisierung“ Hollywoods die Rede sein müsste).
Ausgebrüllt hat anscheinend vor allem Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), ohnehin nur ein Drittel so groß wie andere Hollywood-Studios. Zum Quartalsende Ende Juli 2003 stürzte das Unternehmen noch tiefer in die roten Zahlen. Trotz eines im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent auf 487 Dollar gestiegenen Umsatzes, fiel ein um 10 Prozent von 121 auf 133,5 Mio. Dollar gewachsener Verlust an.
Auch bei Disney rollen Dagoberts Rubel nicht mehr so recht, was einen ohnehin unmöglichen Abbau der 13 Milliarden Dollar Schulden noch unmöglicher macht. Dass zeigt sich auch am Tochterunternehmen Euro Disney (FTD, 04.08.2003): “Akute Geldnot erschüttert Euro Disney“...“Die Schieflage des französischen Freizeitparkbetreibers Euro Disney hat Zweifel an der Überlebenskraft des Unternehmens geweckt...Gespräche mit der US-Muttergesellschaft Walt Disney Company (Disney muss bereits seit April auf die Lizenzgebühren “verzichten“) und Kreditinstituten seien im Gange. Scheitern die Verhandlungen ist eine Liquiditätskrise unausweichlich. Dann dürften Banken Kredite von 1,7 Mrd. Euro einfordern.“ – Doch dieses Geld können die Banken getrost schon mal “abschreiben“, denn: “Die Entwicklung ist katastrophal“, sagte Virginie Blin, Analystin beim Pariser Wertpapierhaus Fideuram Wargny (überall auf der Welt werden aber auch diese “Wertpapierhäuser“ schon bald “Klopapierhäuser“ sein). Die Ursache für die “Krise“ liegt dabei angeblich in den erst im März 2002 eröffneten Walt Disney Studios, mit Attraktionen rund um den Film – doch wie mensch nur einige Zeilen weiter lesen kann: “Dieser zweite Park ist gebaut worden, um die Bareinnahmen zu erhöhen und damit die Schulden für den ersten Park zu zahlen.“ Kurios, doch so lief der globale Laden die letzten zwanzig Jahre zu 99,99 Prozent: Schulden werden mit noch mehr Schulden bezahlt (siehe auch `Die Himmelfahrt des Geldes; Kapitel 2,3,4). Dass das aufgrund des “Verzinsungszwangs“ dann logischerweise unweigerlich in die “Zahlungsunfähigkeit“ führt, kann mensch an der globalen Pleitewelle sehr schön sehen (bedingt natürlich hauptsächlich dadurch, dass es “geldschöpfende Arbeitszeitmengen“ in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION nur noch in homöopathischen Dosen gibt sowie durch die in den letzten 25 Jahren historisch beispiellos abgestürzten Reallöhne). Doch durch den Kollaps der Wachstumssimulation hat es sich schon bald auch für Disney “aus-getrickst“.
Dieses Herabdrücken der Löhne trägt gesamtgesellschaftlich genauso unweigerlich mit zum allseitig bejammerten “Käuferstreik“ bei, der wiederum ebenso direkte Auswirkungen auf den so genannten “Handel“ (also die “Warenzirkulation“) hat (zum “Beitrag“ zur “Kaufkraftvernichtung“ und des damit zusammenhängenden Zusammenbruchs des “Konsums“ durch das bereits kollabierte “Beleihen“ von “Aktien“ sowie durch die derzeit kollabierende “Immobilienblase“ (fiktive Wertsteigerungen durch “Anfachen“ von “Nachfrage“ aufgrund künstlich niedrig gehaltener Hypothekenzinsen (jedoch selbstredend auch aufgrund von “Anlagedruck“) bzw. das Verwenden von “freigewordenen Geldern“ aus zu niedrigeren Zinssätzen “umgeschuldeten“ Hypothekenkrediten für den Konsum), - aber natürlich auch durch die zusammengebrochenen bzw. schwer in Mitleidenschaft gezogenen Versicherungen und Pensionsfonds (bye, bye “Lebensversicherung“ bzw. “Privatrente“) sowie durch massenhafte Massenentlassungen – weiter unten).
Wie weit der Zusammenbruch der Kaufkraft schon fortgeschritten ist, wird dabei nicht nur aus massenhaft leerstehenden Läden ehemaliger kleiner Einzelhändler ersichtlich, sondern anhand der Tatsache, dass mittlerweile selbst die “Discounter“ und auch der “Großhandel“ unter zunehmendem Druck geraten bzw. bankrottieren.
In den USA ist dieser Prozess schon weit fortgeschritten, wie aus einem bei GMX im Internet bereits am 08.11.2002 erschienenen Artikel (Rubrik :`Finanzen`) hervorgeht. In diesem wird von einer “Gewinnwarnung“ des US-Discounters Costco Wholesale Corp. berichtet, was wie immer “Besorgnis erregt“. Weiter heißt es da, dass „dies deshalb so wichtig ist, weil die Konsumenten in den letzten 18 Monaten immer kostenbewusster einkauften und ihr Geschäft zu den Discountern trugen. Wenn nun das Geschäft bei den Discountern beginnt einzubrechen (...) müsse man sich auf eine Entlassungswelle im Einzelhandel sowie Geschäftsschließungen einstellen.“ Wie vollkommen begriffslos der Verfasser/die Verfasserin des Artikels argumentiert wird aus dem sich direkt anschließenden Kurzschluss ersichtlich, dass „dies wiederum nichts Gutes für das “Unterbewusstsein der Konsumenten“ bedeute“, wenn diese „in ihrer Shopping-Mail an geschlossenen Geschäften “vorbeischlenderten“ “ und so „über kurz oder lang ihre eigene “finanzielle Sicherheit/Situation“ “bewusst“ “hinterfragen“ würden“ (das “Psychologisieren“ der “Krise“ hat natürlich herzlich wenig mit dem REALPROZESS zu tun).
Noch orientierungsloser erweist er oder sie sich dann im unmittelbar folgenden weiteren Kurzschluss, wo er/sie aus dieser “Kaufzurückhaltung“ doch tatsächlich eine “Sparquote“ ableitet, die genau das Gegenteil von dem sei, was die US-Wirtschaft gegenwärtig bräuchte, obwohl genau diese “Sparquote“ in den USA schon längst eine “negative“ ist (dazu auch noch weiter unten). Und genau das stellt er/sie wiederum in den gleich darauf folgenden Sätzen quasi auch so fest: „Wer noch Hoffnung für den amerikanischen Retailsektor hat, hält sich an den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Konsumentenkredite fest. Nicht nur stiegen diese im September um 10 Mrd. Dollar (erwartet waren Plus 5,5 Mrd. Dollar) an. Der Vormonat wurde von Plus 4,2 Mrd. Dollar auf 5,6 Mrd. Dollar angehoben. Der Amerikaner konsumiert also weiter kräftig? Nicht unbedingt. Was wenn von den 1,733 Billionen Dollar Konsumentenkrediten, weniger und langsamer zurückgezahlt werden, weil die Cashflowsituation der Haushalte sich verschlechtert hat? Die Zinsen liegen, trotz Zinssenkungen, weiter zwischen 16-18 Prozent. Noch auffälliger ist, dass die Konsumentenkredite anstiegen, die Rate des persönlichen Konsums im September jedoch überraschend stark um 0,4 Prozent (erwartet waren Minus 0,2 Prozent) fiel. Das passt nicht zusammen.“ - Tja, das passt nur dann nicht zusammen, wenn mensch nicht zusammen denken will, was zusammen gehört. Deshalb fallen ihm oder ihr noch nicht einmal die eigenen himmelschreienden Widersprüche auf. Einerseits ist die Rede davon, dass „die Konsumenten schon seit 18 Monaten immer “kostenbewusster“ einkaufen“, der “Cashflow“ der Haushalte sich “verschlechtert“ hat, die Konsumentenkredite mittlerweile die astronomische Summe von 1,733 Billionen Dollar erreicht haben (das ist mehr als die offizielle Staatsverschuldung der BRD) sowie, dass diese Kredite weiterhin rapide ansteigen, um andererseits doch tatsächlich von einer “psychologischen Sperre“ und “Sparquote“ zu faseln.
Und auch dass die Kredite zunehmen, der Konsum jedoch weiter einbricht, passt sehr wohl zusammen: Es ist die banale Tatsache, dass mit diesen Krediten andere fällige bzw. überfällige Kredite abgelöst werden (zu dem Kuriosum, dass die Kreditmasse sich noch ausdehnt, weiter unten in Bezug auf die Banken).
Ein Paradebeispiel für den (auch natürlich wieder global ablaufenden) Zusammenbruch der Zirkulation ist der schon Anfang 2001 in die Insolvenz gestürzte (wie immer nach Kapitel 11) US-Discounter Kmart (SZ, 27.01.2003). In diesem Artikel wird berichtet, dass der Konzern, der bereits 2001 283 Geschäfte geschlossen und 22.000 Mitarbeiter entlassen hatte, weitere 326 Läden schließen und nochmals 37.000 Stellen streichen werde. Vor dieser neuerlichen Entlassungswelle hatte der riesige Discounter noch 220.000 Mitarbeiter und werde nach der Schließungsaktion noch etwa 1500 Geschäfte haben. Bei beiden “Streichungsorgien“ gehen insgesamt 59.000 der zuvor 242.000 Stellen verloren, also ca. 25 Prozent.
Doch das wird nicht reichen, wie mensch aus einem kleinen Artikel der FTD vom 17.06.2003 ableiten kann: “Kmart bleibt im Minus“ – “Der US-Discounter Kmart hat im ersten Quartal, das am 30. April endete, erneut einen Verlust von 862 Mio. Dollar verbucht. Bereits im Vorjahreszeitraum hatte die Kmart Holding, die erst kürzlich aus einem Insolvenzverfahren herausgekommen war (bei dem die bisherigen Aktionäre leer ausgingen – bye, bye “Rente“, “Bank“, “Versicherung“ (siehe SZ, 27.01.2003)) einen Verlust von 1,4 Mrd. Dollar ausgewiesen. Der Umsatz schrumpfte gegenüber dem Vorjahresvergleich um 13,9 Prozent auf 6,2 Mrd. Dollar. Der Einzelhändler hatte Hunderte Geschäfte geschlossen.“ So wird es schließlich auch bei Kmart heißen: “Der Letzte macht das Licht aus“ – (zu der Tatsache, dass demnächst schon niemand überhaupt nur das Licht einschalten kann, weiter unten).
Auch hier sei für diejenigen, die mal wieder MEINEN, dass es schon nicht so schlimm kommen wird – und erst recht nicht “hier“ – sowohl an den schon 2002 bankrottierten Krimskrams-Discounter Urban erinnert als auch auf den verschärften Konkurrenzkampf der Discounter-Ketten Lidl und Aldi hingewiesen, wobei auch Aldi mittlerweile nur noch marginale Umsatzzuwächse meldet (siehe auch Projekt `Deutschland`). Eine noch deutlichere Sprache spricht eine Mitteilung der Nachrichtenagentur AFP vom 08. September 2003:
“Leere Geldbeutel treiben Verbraucher zu Discountern“ – „Knappe Haushaltskassen treiben immer mehr Verbraucher zum Einkauf bei Discountern. 43 Prozent der Deutschen leben inzwischen in Haushalten mit einem finanziellen Spielraum von weniger als 100 Euro im Monat, wie die in Hamburg vorgestellte Verbraucher-Analyse 2003 der Verlage Bauer und Axel Springer ergab. Vor zwei Jahren waren es noch 37 Prozent gewesen.
Gleichzeitig sank der Bevölkerungsanteil mit einem monatlichen Finanzspielraum von mehr als 300 Euro auf knapp 17 Prozent. Laut der Studie dürfte dieser Trend Folgen für Markenhersteller haben: Denn wer mit jedem Euro rechne, kaufe weit seltener im klassischen Lebensmitteleinzelhandel ein und greife eher zu Billigprodukten.
Auch generell ergab die Untersuchung eine sinkende Markentreue der Deutschen: So gaben nur noch 41 Prozent aller Befragten an, beim Einkauf mehr auf die Marke als auf die Preise zu schauen. Vor zehn Jahren waren es noch 54 Prozent gewesen. Für die Studie wurden zwischen September 2001 und März 2003 insgesamt mehr als 31.000 Personen befragt.“ – (deshalb läuft vermutlich derzeit die schwachsinnige Plakatkampagne “Die Marke – etwas anderes kommt bei mir nicht in die Tüte“)
Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die Bankrottwelle die Discounter erreicht.
Wie brutal sich die finale Vernichtungskonkurrenz im Handel in den USA zuspitzt, bekommt auch die amerikanische Spielwarenkette Toys`r`us zu spüren (FTD, 20.05.2003), die zu Mitte April 2003 einen höheren Quartalsverlust als im Vergleichsquartal des Vorjahres auswies. Der Fehlbetrag stieg dabei von 4 auf 7 Mio. Dollar. Und auch im nachfolgenden Geschäftsquartal fiel erneut ein Verlust von 11 Mio. Dollar an, nachdem auch das Vergleichquartal 2002 mit ein Minus von 17 Mio. Dollar abschloss (FTD, 19.08.2003) – und das alles trotz Stellenstreichung.
Discounter wie Wal-Mart – inzwischen der größte Spielwarenhändler der USA – setzen Toys`r`us mit Billigangeboten zu (aber selbst bei Wal-Mart steht nicht alles zum besten). Zudem war das Weihnachtsgeschäft für Toys`r`us sehr enttäuschend verlaufen (so ist das nun mal: Autoreifen kaufen keine Teddys). Seither baute der Konzern rund 900 Arbeitsplätze ab.
Dass das Unternehmen in einer doch ernstzunehmenden Situation steckt, zeigen sowohl aufgrund schwacher Nachfrage gestiegene Lagerbestände (was das wiederum für die Hersteller bedeutet, bedarf wohl keiner großen Rechenkunst) als auch neue “Geschäftsstrategien“: „Um die Abhängigkeit vom Weihnachtsgeschäft zu mindern, experimentiert die Spielwarenkette seit letztem Jahr mit einer neuen Art von Läden, in der das Angebot ausgeweitert werden soll. Die gestressten Eltern, so die Idee, sollen den Spielzeugkauf mit dem Einkauf von Lebensmitteln oder einem neuen Haarschnitt kombinieren können.“ – Dazu bleibt nur noch zu sagen: “Das Spiel ist aus“.
Nicht weniger macht sich die immer mehr zuspitzende Krise im US-Buchhandel bemerkbar. Nach Angaben des US-Verlegerverbandes AAP sank der Umsatz mit so genannten Hardcover-Büchern in den ersten drei Monaten des Jahres um 20 Prozent; große Buchhandelsketten wie Barnes & Noble oder Borders kämpfen seit Monaten mit schrumpfenden Umsätzen, was selbst beim größten US-Buchhändler Barnes & Noble im ersten Quartal zu einem Verlust von 2 Mio. Dollar führte. Und wie auch in vielen anderen Branchen, kann die ebenfalls im Buchhandel tobende Rabattschlacht nicht viel daran ändern (Grüße von der Deflation); allein die unabhängigen kleinen Buchhändler, die die Konzerne und Handelsketten nicht unterbieten können, stehen unmittelbar vor dem Aus, da ja auch noch die zunehmende Konkurrenz über den Versandhandel per Internet den Druck massiv erhöht.
Die ganze Begriffslosigkeit der lokalbornierten “Globalisierungsgegner“ (Autarkiewahn auf dem erreichten globalen arbeitsteiligen Vergesellschaftungsniveau – das, was das “(blinde) kommunistische Moment“ des “Kapitalismus“ war, nämlich die “Enteignung“ bzw. die “Vergesellschaftung“ (was übrigens auch schon Marx als das “zivilisatorische Moment“ erkannte), wollen diese asozialen Irren nicht transformieren, sondern propagieren mit vollkommen-verkommen verkürzter Kapitalkritik (“Schaffendes Kapital“ versus “Raffendes Kapital“ - also reinster Nazi-Jargon) die Rückkehr zur rohesten Naturform der Familie und Scholle (irgendwie gab`s das doch schon mal: “Blut und Boden“), natürlich unter Beibehaltung der “Mehrwertproduktion“ – OH; NO !!!!!!) offenbart sich auch im Kampf gegen das “übermächtige“ McDonald`s (Wenn eine Formation alias Konzern den Urwald auf gegebenem Produktivitätsniveau rodet, ist das “böse“ – wenn jedoch Millionen zur Formation unwillige Einzelne das “aus Not“ für ihre “Familien“ tun, ist das “gut“. Nun stellt in Überformung natürlich auch ein Konzern noch eine “Familie“ dar (nicht umsonst wird dieser Ausdruck auch häufig von Mitarbeitern eines solchen auch so verwendet), nur dass die einzelnen Segmente dieser überformten “Familie“, nämlich die Mitarbeiter und ihre “Familien“, nicht mehr einem rein naturhaften “Überlebenstrieb“ bzw. “Blutsfetisch“ folgen, sondern eben dessen ebenfalls überformter Gestalt, und zwar als “Verwertung des Werts“. In dieser Form ist denn auch die Reflexion des gesamten bisherigen Vergesellschaftungsprozesses enthalten (was selbstredend auch die Notwendigkeit der Formation und des Kommandos beinhaltet – jedoch nicht in seiner personalen bzw. subjektlosen Form, sondern als rein funktionales Prinzip) und führt somit alles privative Rumwurschteln (die tolle “Selbstorganisation“) ad absurdum. Die Globalisierungsgegner sind somit nichts anderes als auf personale Herrschaft (quasi “Zerfalls-Feudalisten“) fixierte, asoziale, reaktionäre Feinde der Menschheit – da waren selbst die Nazis weiter (siehe auch: www.phase-4.blogspot.com )).
Fast wie abgeschrieben meldet denn auch die FTD vom 08.09.2003: „In der “McDonald`s Family“ (Hausjargon) in den USA hängt der Haussegen schief.“ Grund für diese Streitigkeiten zwischen der Konzernzentrale und dem amerikanischen National Leadership Council, der 2300 McDonald`s-Restaurantbetreiber vertritt, ist die Finanzierung kostspieliger “Renovierungsarbeiten“ für die meist maroden US-Restaurants. Gemäß den US-Statuten müssen die selbstständigen Subunternehmer nämlich den Löwenanteil der 800.000 bis 1 Mio. Dollar zahlen, die die Erneuerung eines dieser maroden Ladenlokale verschlingen kann (bei solchen Summen noch von “Renovierung“ zu reden kann mensch schon fast “dreist“ nennen - de facto sind diese Schuppen abbruchreif). Das können diese aber nicht aufbringen und wollen nun die Zentrale wesentlich stärker zur Kasse bitten. Und nicht nur in dieser Hinsicht läuft es alles andere als gut: Auch die konzerneigenen Restaurants haben sich in ein Verlustgeschäft verwandelt wie die SZ am 24.01.2003 berichtete: “McDonald`s verbucht erstmals Verlust“ – und zwar in Höhe von 343,8 Mio. Dollar. Dieser Verlust basierte, laut Konzernangaben, zu einem großen Teil auf Filialschließungen - vermutlich waren diese genau so marode wie die der Franchise-Nehmer.
Was aus den ohnehin nur elendig bezahlten “Familienmitgliedern“ wird, findet natürlich keinerlei Erwähnung – halt eine typische Familie.
Durch den Kollaps der Verwertung des Werts werden aber nicht nur die Hütten in Mitleidenschaft gezogen – auch die Paläste des Selbstdarstellungswahns alias “Luxus“ werden sukzessive eingestampft (selbstverständlich haben die Hersteller des Vanity-Fair-Sektors schon lange ebenfalls Konzernformat angenommen). Das bekommt auch die Nobelherbergen-Branche mehr als deutlich zu spüren: Betroffen davon ist dabei auch die US-Hotelkette Hilton, die wie die FTD am 29.07.2003 berichtete für das vorangegangene Quartal ein Gewinneinbruch von fast 30 Prozent zu verzeichnen hatte. Dass die Hotelkette schon über den Rand des Abgrunds hinaus ist, bringt ein Auszug aus besagtem Artikel zum Ausdruck: „Das Problem des Konzerns: Mit 4,11 Mrd. Dollar Schulden und nur 59 Mio. Dollar in der Kasse ist der finanzielle Spielraum (“Spielraum“ wie ein Huhn in der Legebatterie) nicht gerade üppig, zumal die börsennotierte Kette erst kürzlich eine Anleihe von 575 Mio. Dollar aufgenommen hat. Das Motto lautet daher durchhalten, bis die Konjunktur anzieht. Ein schwieriges Unterfangen: Im vergangenen Quartal schmolz der Nettoertrag bei 983 Mio. Dollar Umsatz um 29 Prozent auf nur noch 54. Mio. Dollar.“ – Zusammengefasst bedeutet dies (in Erinnerung an Levi`s), dass der Konzern, selbst wenn mensch den alten Quartalsgewinn (der dann bei 76 Mio. Dollar läge) aufs Jahr hochrechnet und somit auf gut 300 Mio. Dollar Jahresgewinn kommt, die Gewinnsumme von 13 Jahren als Schulden aufgetürmt hat (so kann mensch, wie schon erwähnt, bei allen bislang beschriebenen Unternehmen verfahren – zur staatlichen Ebene diesbezüglich weiter unten).
Im selben Artikel wird dann auch noch lapidar festgestellt, dass „die “Traditionskette“ sich damit “trösten“ kann, unter dem Strich (der schon bald der Schlussstrich sein wird) noch besser dazustehen als die meisten Konkurrenten, etwa “Erzrivale“ Marriot.“ Und auch die Aussichten sind statt luxuriös bitterärmlich: „Wir rechnen damit, dass die Hotelbuchungen in den USA (aber selbstverständlich auch wieder global) auch dieses Jahr zurückgehen“, sagt Bjorn Hanson, Abteilungsleiter der Hotel- und Reiseforschung bei Pricewaterhouse Coopers. „Das wäre dann schon das dritte Jahr in Folge. So etwas hat es in 40 Jahren nicht gegeben.“ – Keine Frage: Die Hiltons, Marriots, Sheratons, Steigenbergers (die Steigenberger-Kette wurde schon verkauft – offensichtlich “unrentabel“) dieser Welt werden sich schon bald die Finger nach Josef und Maria lecken.
Posted by: Olaf / 9:14 AM
CHINA
`China` heißt das neue imaginierte “Wirtschaftswunder“ in Asien; nachdem von den vorher bejubelten “Tigerstaaten“ mehr oder weniger nur noch die Kadaver existieren. Von überall her tönt es: “Es lebe das 8%-El Dorado!“ Doch der neue Stern erweist sich im rechten Licht gesehen als eine weitere sozialökonomische Supernova, bei deren Analyse altlinke, klassenkämpferische Parolen in puren Anachronismus münden. In China werden zwar zweifelsohne Menschen brutal ausgebeutet (wie ja überhaupt “Kapitalismus“ auf Ausbeutung beruht); aber wie es Robert Kurz in `Die Himmelfahrt des Geldes` (in: `Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft; Ausg. 16/17; Horlemann-Verlag; 1995; www.krisis.org ) treffend pointierte, sagt das noch lange nichts über die reale Akkumulationsfähigkeit des Kapitals aus (was ja als Bedingung realer Akkumulation auch ein stets größeres Einsaugen von wert- und somit auch mehrwertschöpfenden Arbeitsquanta auf gegebenem Produktivitätsniveau beinhalten muss). Es reicht also kein altlinkes Moralisieren – vor allem nicht das perfide-miefige: “Guter“ Kapitalismus (“Gute“ Ausbeutung) versus “Böser“ Kapitalismus (“Böse“ Ausbeutung), um zu begreifen, was tatsächlich in China vor sich geht.
In China sieht es nämlich vielmehr so aus, dass ein Großteil der Menschen eben nicht mehr ausgebeutet, sondern vom System schlichtweg als “überflüssig“ ausgespieen wird (wie es ja eben auch global geschieht: 5,5 Milliarden “Überflüssige“ bzw. “Unrentable“ – Menschen, die in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION für die “Warenproduktion“ (Tauschwert-Fetisch) “nicht mehr benötigt werden“). Kurioserweise sehen selbst linksliberale, konservative (Süddeutsche (SZ), Rheinische Post (RP)) und sogar neoliberale Blätter wie Financial Times (FT), Financial Times Deutschland (FTD), Handelsblatt (HB), u.a. das - bzw. die reale Lage in China - viel klarer als große Teile der (deutschen) (vermeintlich radikalen) Linken.
Hier also einige interessante Fakten jenseits der Parolen:
Wenn wie allseits posaunt das “Wachstum“ Chinas 2002 bei 8% lag, so sagt das an sich noch gar nichts aus: Entscheidend ist die Analyse, wie diese ominösen “8%“ zustande kommen – und vor allem: ob da überhaupt Substanz gegeben ist.
De facto haben besagte “8%“ nämlich gar nichts mit irgendeiner “Realakkumulation“ zu tun, sondern bestehen größtenteils aus “Deficit Spending“ auf allen Ebenen oder ansonsten auf “Kapitalexport“ (und in dessen Folge auf einer so genannten “Exportoffensive“). In einem Artikel der SZ (01/03) kann mensch dann lesen, dass diese “8%“ zum einen auf “privaten Ausgaben“ (also “Konsum“) beruhen, „...wobei vor allem die Ausgaben für Wohnungen und Autos um 18% gestiegen seien.“ Das hört sich toll an – in China bricht der Wohlstand aus. Da zeigt sich doch, dass die Menschen “gut verdienen“, und endlich shoppen (sense of life) gehen können (vor allem bei “Lohnkosten“, die gerade mal bei 2 bis 3 Prozent der amerikanischen liegen – und die wiederum liegen durchschnittlich um 20 Prozent unter den deutschen).
Doch Schreck – ein Artikel im Handelsblatt vom 19.11.2002 trägt eine doch etwas ernüchternde und merkwürdigerweise ganz schön fette Überschrift: “Immobilienkrise droht Chinas Banken zu sprengen“. Lapidar wird in diesem Artikel festgestellt, dass seit Ende 1999 die Zahl der Hypothekenkredite an private Kunden um 388% gestiegen ist. Im gleichen Artikel wird aber jedoch ebenso vermeldet, dass, laut Schätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bestand an faulen Krediten 410 Mrd. Dollar beträgt; Honkonger Quellen zufolge sogar 500 Mrd. Dollar. Und damit mensch sich ein Bild machen kann, was das im Verhältnis zur Gesamtkreditmasse bedeutet, empfiehlt sich ein Artikel der FTD (Rubrik: Agenda) vom 18.07.2003: „Die Rating-Agentur Standard & Poor`s schätzt, dass rund die Hälfte der Kredite in den Büchern der chinesischen Banken faul sind – ein Volumen von rund 500 Mrd. Dollar. „Das ist eine gewaltige Bedrohung des Finanzsektors“, sagt Chen Xingdong, Chinachef von BNP Paribas Penegrine.“ – Da hat er wohl recht. Und somit kann mensch sagen, dass sowohl das “Traute Heim“ als auch die “Freude am Fahren“ reine Fiktion darstellen.
Bei der weiteren Aufschlüsselung der tollen “8%“ stellt die FTD vom 20.01.2003 trocken fest: „...Wie zuvor die Begeisterung über Japan und Asiens Tigerstaaten könnte (nicht “könnte“, sondern “wird“) auch die China-Euphorie bald ein jähes Ende finden und einer realistischen Bewertung der Chancen und Risiken (von wegen: “Chancen und Risiken“ – stattdessen: Sozialökonomischer Super-GAU) Platz machen. Denn für das Wirtschaftswachstum von etwa acht Prozent 2002 waren neben dem boomenden Export vor allem staatliche Konjunkturprogramme verantwortlich, die das Etatdefizit in ungeahnte Höhen steigen ließen (Anmerkung: laut FTD-Artikel vom 06.03.2003 belief sich das Defizit auf annähernd 33 Mrd. Euro – ( in diesem Artikel wird anschließend offiziell schon mal ein neuer “Rekord“ für 2003 in Höhe von 35,5 Mrd. Euro sowie ein nochmals um 9,6% gesteigertes Militärbudget verkündet (s.u.))).
Und weil diese Passage so schön plastisch die reale Lage Chinas wiedergibt, geht`s ungekürzt und ungeschnitten weiter: „Zudem steht China vor drei Herkulesaufgaben. Das marode Staatsbankensystem (s.o.) muss saniert werden, und der Aufbau eines sozialen Sicherungssystems ist nötig, um die Reform (schönes Wort für Bankrott) der Staatsunternehmen und die Risiken der außenwirtschaftlichen Öffnung (alias “Konkurrenzmassaker“ - siehe auch: `Die Himmelfahrt des Geldes`; Kapitel 5; `Globalisierung und Phantom-Industrien`) abzufedern. Schließlich sind enorme staatliche Mittel gefragt, um das immense Entwicklungsgefälle zwischen dem reichen (vielmehr wohl “reichgerechneten“ (s.u.)) Osten und dem armen Westen (alias “Giga-Slum“) des Landes auszugleichen. Zusammengenommen könnten diese Lasten (das ist keine “Last“ mehr, sondern eine reale “Mission: Impossible“) die Staatsschuld, die heute nach offiziellen Angaben unter 60% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beträgt, schnell auf 130% oder mehr erhöhen.“ – Als Ergänzung: laut des schon oben erwähnten Artikel der SZ, „...werde das BIP 2002 1,22 Billionen Euro betragen“.
Ein BIP von 1,22 Billionen Euro – das hört sich doch ebenfalls echt toll an (vor allem, wenn mensch das auf die oben erwähnte anstehende Verschuldungsquote berechnet –o, je). Doch bei einer Bevölkerung von ca. 1,2 Milliarden Menschen macht das gerade mal eintausend Euro pro Kopf im Jahr - das BIP Nordrhein-Westfalens (ca. 17 Millionen Einwohner) betrug 2002, obwohl um 0,3% geschrumpft, immer noch 459 Milliarden Euro (das macht ca. 33 400 Euro pro Einwohner, bezogen auf die real Erwerbstätigen dann sogar 55.000 Euro) (SZ, 06.02.2003), d.h. das BIP Chinas ist gerade mal gut doppelt so groß wie das von NRW. Erst recht nur noch blankes Kopfschütteln in Hinsicht auf die Hurra-Apostel bleibt, wenn mensch sich die Eckdaten der Wirtschaft in den USA, Japan, der Eurozone und Deutschland ansieht:
So betrug das BIP der USA 2002 11047,5 Mrd. Euro (288 Millionen Einwohner (EW)), das Japans 4241,5 Mrd. Euro (127,4 Millionen EW), in der gesamten Eurozone 7050 Mrd. Euro (307,8 Millionen EW) und in der BRD 2108,2 Mrd. Euro (82,5 Millionen EW) (Entnommen aus FTD `Kompass`, Rubrik: Politik und Wirtschaft – Quellen: Bundesbank, Eurostat, OECD, IWF, WTO). Zusammengenommen (USA, Japan und Eurozone – was auch heißt, dass Länder wie Schweden und die Schweiz noch gar nicht enthalten sind) erwirtschafteten also 723,2 Millionen Menschen ein BIP von 22339 Mrd. Euro, also 60% der Einwohnerzahl im Verhältnis zur chinesischen Gesamtbevölkerung erwirtschafteten 1800% des chinesischen BIP; pro Kopf macht das grob 30 000 Dollar, und somit das 30-fache oder 3000% der chinesischen Wirtschaftsleistung pro Kopf.– Mal ganz nebenbei: Selbst wenn “China“ ein “REALES“ jährliches “Wachstum“ von 10% aufwiese (was in der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION – und nach dem Zusammenbruch der Akkumulationssimulation, selbst SIMULIERT – unmöglich ist), bräuchte das “Ost-El Dorado“ 30 Jahre um in Bezug auf das BIP gleichzuziehen – und das innerhalb eines Systems, das auf der ewigen Anhäufung von Zeit beruht, gleichzeitig jedoch die Zeit sukzessive überflüssig macht. Noch Fragen???
Bevor der reale Horrorfilm anläuft noch einmal zurück zu den virtuellen “8%“. Nicht zu vergessen sind da nämlich zum einen auch noch die exorbitant gesteigerten Rüstungsausgaben, die 2002 um 18% angehoben wurden und ca. 19 Mrd. Euro betrugen und die, wie oben schon mal kurz erwähnt, 2003 nochmals um 9,6% auf 20,5 Mrd. steigen sollen, zum anderen die angeführte “Exportoffensive“, die jedoch wiederum hauptsächlich auf Kapitalexport aus Kostengründen bzw. El-Dorado-Phantasien beruht. Dabei zeigt gerade die “Exportoffensive“ klar und deutlich, dass dieses “Wachstum“ nichts als ein Strohfeuer ist; wenn überhaupt. China ist nämlich nur ein weiterer Zusammenbruchskandidat im pazifischen Defizitkreislauf (eindeutig auch in `Die Himmelfahrt des Geldes` beschrieben (Kapitel 8; `Die globalen Defizitstrukturen und der kurze Sommer des Kasinokapitalismus`)), was sich im desaströsen Außenhandelsdefizit der USA klar wiederspiegelt. Dieses betrug 2002 468 Mrd. Dollar, wobei fast ein Viertel dieses Defizits im Handel mit China anfiel, nämlich satte 103 Mrd. Dollar (FTD, 10.07.2003, `Experten verteidigen Chinas Wechselkurs`). Da die chinesische Währung jedoch strikt an den Dollar gebunden ist, muss die chinesische Regierung schon seit Monaten immer wieder massiv intervenieren, um eine Aufwertung der eigenen Währung zu verhindern, die den Export abwürgen würde (siehe gleicher Artikel).
Dass das trotzdem geschehen wird, also bye, bye Export, liegt auch an dem sich abzeichnenden Zusammenbruch der globalen Immobilienblase, die in den letzten Jahren (trotz Börsencrashs) den ungebremsten Konsum in den USA, Großbritannien und Australien getragen hat (– siehe Projekt `Freddie Mac`) sowie an dem eben erst jetzt voll durchschlagenden Zusammenbruch der Akkumulationssimulation (alias “Börsencrash“) Allerdings wird auch die hauseigene Immobilienblase dem chinesischen “Wirtschaftswunder“ ein “Blaues Wunder“ bescheren: (HB 19.11.2002 – ein wirkliches Schmankerl, dieser Artikel) „... „Schnell steigende Preise und wachsende Leerstandsraten, haben die Risiken in diesem Sektor erhöht“, heißt es im geldpolitischen Bericht der Notenbank für das 3. Quartal. Die Leerstände sind nach offiziellen Zahlen auf über 14%, in Peking sogar auf 26% Prozent gestiegen, schreibt die lokale “China Business News“. ... Für die Banken besteht eine signifikante Gefahr, sagen Experten. „Das Engagement der Banken bei den Bauentwicklern ist ein beachtliches Risiko“, schrieb im August Morgan Stanley in Hongkong in einer Analyse mit dem Titel “Platzt die Immobilienblase?“
Chinas Banken sehen die Entwicklung mit Sorge. Sie haben in den letzten Monaten – um Marktanteile zu gewinnen – oft die Vorgabe der Notenbank ignoriert, höchstens 80% des Immobilienwertes zu beleihen. Doch eine Korrektur der Immobilienpreise um nur 25%, sagt der Volkswirt Yang Jianwen bei der Akademie der Sozialwissenschaften in Shanghai, würde die faulen Kredite der Banken um drei Prozentpunkte erhöhen. Das wäre ein Anstieg der offiziell eingestandenen faulen Kredite um 15%. Kein Wunder, dass Morgan Stanley eindringlich warnt, „Chinas Banken müssen ihre Kredit-Konditionen so schnell wie möglich verschärfen.“ “ – (was natürlich auch nicht geht, da ansonsten der private Vodookonsum kollabiert) Auch zu diesem Teil des fabulierten “Wachstums“ bedarf es keines weiteren Kommentars, zumal auch noch ein weiteres Zitat aus diesem Artikel sowohl nochmals das “Wachstum“ wie auch die schon erwähnten “Unternehmensreformen“ ins rechte Licht rückt: „In den Augen der Zentralregierung liest der Boomsektor (also die Bau-Bubble) Zehntausende gestrandeter Arbeiter aus maroden Staatsfirmen auf (tolle “Reform“) und trägt 30% zum BIP-Wachstum des Landes bei.“
Auch die 2002 auf ein Rekordniveau gestiegenen ausländischen Direktinvestitionen (die in der Regel nichts anderes als Produktionsverlagerungen aus “Kostengründen“ beinhalten – und somit Arbeitsplatz- und dementsprechend “Kaufkraftvernichtung“ andernorts) sind nur ein weiterer Teil des potemkinschen Wachstums: Zwar verzeichnete China 2002 ausländische Direktinvestitionen von über 50 Mrd. Dollar, und somit mehr als alle anderen asiatischen Länder zusammen (Welt, 27.02.2003), doch wurde dieser Zufluss konterkariert von um so höheren Kapitalabflüssen. „In den Jahren 1998, 1999 und 2000 betrug die Kapitalflucht aus China nach Angaben der Rating-Agentur Fitch zwischen 50 und 60 Mrd. Dollar und lag damit über den ausländischen Direktinvestitionen.“ (FTD, 12.06.2003). Dennoch haben diese Direktinvestitionen beträchtlichen Einfluss auf das “Wachstum“: „...Charles Wolf von der US-Denkfabrik Rand schätzt, dass Direktinvestitionen im Wert von 10 Mrd. Dollar das BIP um 0,9 bis 1,6% erhöhen. Sollten sich die jährlichen Zuflüsse um 20 Mrd. Dollar reduzieren, würde dies die Wachstumsrate vermutlich halbieren.“ (FTD, 20.01.2003) Und so wird es auch wohl kommen: „Unterdessen bedroht die schlechte Wirtschaftslage in Chinas wichtigsten Exportmärkten auch das zweite Standbein der Konjunktur (das erste, wie aus gleichem Artikel ja schon dargestellt, sind die staatlichen Konjunkturprogramme, „die der Staat in diesem Jahr (2003) beibehalten will, doch wobei selbst Regierungsvertreter von einer schwierigen fiskalischen Situation sprechen. Schneller als erwartet steigen die Ausgaben; die Einnahmen bleiben hinter den Erwartungen zurück.“). Optimisten (die hegel`schen “Meiner“) setzen zwar darauf, dass die Konsumenten in den USA, Japan und Europa wegen der schlechten Lage vermehrt preisgünstige Produkte kaufen, die eben häufig in China hergestellt werden (aber auch für die brauch mensch erst mal “Geld“). Ebenso gut vorstellbar ist jedoch, dass die zuletzt überraschend hohe Nachfrage nach chinesischen Produkten bald endet und die Schwäche der Weltwirtschaft auf die Exporte durchschlägt.“
„Es sollte niemanden wundern, wenn auch China bei seiner Aufholjagd Rückschläge einstecken muss. - (ein Paradebeispiel einer zum Scheitern verurteilten “Nachholenden Modernisierung“, siehe auch: Robert Kurz; `Der Kollaps der Modernisierung`; Reclam-Leipzig; 1993; (Taschenbuchausgabe)) Gefährlich ist jedoch, dass das erste Opfer einer Wachstumsschwäche vermutlich die China-Begeisterung in den Chefetagen des Westens wäre – was wiederum eine Krise noch verschärfen würde Denn zwischen dem Kapital aus dem Ausland und dem chinesischen Wachstum besteht ein enger Zusammenhang.“ - (siehe Zitat Charles Wolf) Und weil’s so schön ist vermeldete die OECD am 19.06.2003 passend dazu, dass die Direktinvestitionen im Ausland dramatisch eingebrochen sind. 2003 sei ein weiteres Minus von 25 - 30% zu befürchten, und schon jetzt liegen die Engagements nur bei einem Drittel des Niveaus von 2000 (FTD, 20.06.2003). Tatsächlich macht sich, ebenfalls passend , auch in den genannten “Chefetagen“ “Unmut“ breit: VW-Vorstandsmitglied Folker Weißgerber in der SZ vom 29.01.2003: „... „Dennoch ist China nicht mehr das “low-cost-Land“, wie häufig angenommen wird. Im konzerninternen Kostenranking rangiert China zwar im unteren Drittel, kommt der Mitte jedoch schon nahe. Am besten stehen derzeit Polen und die Slowakei da“. Langfristig will VW innerhalb Chinas nach günstigeren Standorten suchen.“ Schöne Aussichten.
Soweit zu den “8%“. Viel verheerender und gefährlicher jedoch stellt sich der soziale Sprengstoff dieses Amoklaufs dar, also das, was “Rationalisierung“ bzw. “Weltmarktöffnung“ anrichten. So titelte die Rheinische Post am 24.02.2003: “Chinesische Zeitbombe – Im Reich der Mitte kollabiert die Staatswirtschaft“ – um dann gleich fortzufahren: „Im postkommunistischen China wächst das soziale Gefälle rasend schnell. Die hohe Arbeitslosigkeit verschärft die Ungleichheit.“ Und weiter: „Selbst offizielle Beschäftigungsstatistiken gehen von einer Arbeitslosigkeit von bis zu 60 Millionen Menschen aus, nicht einmal eingerechnet jene 150 Millionen Arbeitskräfte auf dem Land, die beschäftigungslos beschäftigt sind.“ – und bezüglich des sich rasant verschärfenden sozialen Gefälles heißt es dann dort: „Im Ausland dauerte es hundert Jahre, bis es zu Einkommensunterschieden kam, wie China sie in zwanzig Jahren erzeugt hat“, klagt der Pekinger Sozial-Forscher Lu Xueyi. In den Städten schicken immer mehr zu Geld gekommene (also “reichgerechnete“) Chinesen ihre Kinder in ausländische Privatschulen oder Universitäten, und auf dem Land reicht oft nicht das Geld für die baufälligen Schulen. Von 3000 Grundschulen war nach einer Untersuchung der chinesischen Rechtszeitung jede sechste einsturzgefährdet. In Chongquing am Jangtse sollen 20 000 Kulis leben, und an den Anlegestellen der Touristenschiffe tummeln sich die Bettler.“ In einem Artikel der SZ vom 06.02.2003 werden diese entwurzelten und entrechteten Menschen dann dummdreist “Wanderarbeiter“ genannt (ansonsten ist der Artikel `Der lange Marsch der armen Gesellen` voll und ganz lesenswert), obwohl sie in Wirklichkeit BINNENFLÜCHTLINGE sind (von denen es mittlerweile 200 Mio. gibt), die sich unter elendsten Bedingungen, ohne soziale Sicherung verdingen müssen – Mao würde wissen, was zu tun ist.
Noch drastischer beschrieb Chinas geschiedener Ministerpräsident Zhu Rongji die Lage: „Armut und Verzweiflung der 800 Millionen Chinesen aus ländlichen Gebieten könnten die Zukunft des Landes gefährden“, zitiert die FTD vom 06.03. 2003 den Heuchler. Denn ein paar Zeilen weiter kann mensch dem Artikel entnehmen, dass Asi Zhu in den fünf Jahren seiner Amtszeit genau dieses Elend mit forciert hat: Er handelte den Beitritt Chinas zur WTO aus, leitete “Reformen“ ein, im Zuge derer Staatsbetriebe 27 Millionen Arbeiter entließen (nach einer AFP- Meldung vom 01.09.2003 sind allein seit 1995 7.798 staatliche Firmen bankrottiert, weitere 2.000 stehen mehr oder weniger unmittelbar vor dem Aus) und etliche chinesische Unternehmen in New York und Hongkong an die Börse gingen (natürlich entweder um Kapital für Rationalisierungsmaßnahmen zu beschaffen, also noch mehr werktätige Menschen “überflüssig“ zu machen, oder von vornherein als Seilschaftsabzocke initiiert).
Doch auch diesen korrupten Alphamännchen / Alphaweibchen droht zunehmend gesundheitsgefährdendes Ungemach in Form immer zahlreicher werdender Proteste (die in der Provinz mitunter schon Aufstandscharakter annehmen). In einem Artikel in der SZ (ließ sich leider unter den inzwischen mehr als 3000 gesammelten Artikeln seit Juli 2002 nicht auf Anhieb wiederfinden – genaues Datum wird also noch nachgereicht) von Anfang 2003 wird die Zahl der Proteste/Aufstände mit über zehntausend “Teilnehmern“ auf mehr als 100 beziffert; die Zahl der Proteste/Aufstände mit unter zehntausend seien kaum noch zu zählen. Und die FTD vom 23.06.2003 bestätigt diese Angaben: „In allen Landesteilen sind groß angelegte Unmutsbekundungen nichts neues. Tausende sind es jedes Jahr, mit zum Teil Tausenden von Teilnehmern.“ - Merkwürdig: Im selben Artikel wird von einem Massenprotest von 4000 Textilarbeitern im ostchinesischen Ningbo berichtet, die höhere Löhne und Erhalt ihrer Arbeitsplätze forderten – wie war das doch noch gleich mit dem “reichen“ Osten??? Und auch um den Nordosten steht es nicht zum besten – FTD, 08.08.2003: „Nach dem unterentwickelten Westen will die chinesische Regierung nun auch die Schwerindustrie im Nordosten des Landes wirtschaftspolitisch unterstützen. ... Früher war die Region der Stolz des kommunistischen China. Seit Beginn der Reformen (ja,ja – die guten alten “Reformen“) ist sie zum Sorgenkind der Nation geworden. Vor allem Massenentlassungen von Arbeitern unrentabler Staatsbetriebe (genau: rentabel oder tot lautet das Credo) haben in jüngster Zeit für viel sozialen Sprengstoff gesorgt.“ – Irgendwie könnte mensch meinen, dass Super(nova)china nur noch aus Süden besteht. Doch selbst da ist der Verfall deutlich zu sehen; trotz Glitzerfassaden.
Alles in allem dürften im Vergleich zum chinesischen Türmchenbau selbst Luftschlösser mehr reale Bausubstanz besitzen, und die Gefahr ist mehr als groß, dass dieses sozialökonomische Pulverfass in nicht allzu ferner Zukunft zur sozialökonomischen Wasserstoffbombe mutiert.
P.S. Dieser Artikel ist nur ein Teil einer breitangelegten Projektreihe – siehe auch Projekt `USA`.
http://kollaps-kurier-phase-4.blogspot.com/
syr :rolleyes:
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