Vollständige Version anzeigen : USA: Verschuldung, Währung, Lösungen
In Posting http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?postid=501220#post501220 schrieb Anna:
Original geschrieben von anna
Die aktuelle Situation, das Verschuldungsproblem mit allen Implikationen ist doch allg. bekannt. Gibt es noch Lösungen jenseits der Inflationierung der Währungen oder Währungsreform ? Welche Strategien verfolgen die FED & co ?
Ist es eine wahrscheinliche Lösung, dass große Gläubiger auf ihren Zaster verzichten ?
Konkret Argentinien, die haben ca. 170 Mrd US Dollar Schulden. In wessen Bilanzen stehen die und welche Lösung ist wahrscheinlich.
Wer zahlt das und wo steht das in den Bilanzen. Gigantische Abschreibungen
ich hoffe die fragen von mir sind nicht zu doof
Sowohl das Haushaltsdefizit als auch das Aussenhandelsdefizit wird dieses Jahr (2003) die Höhe von etwa $500 Mill. erreichen, was 3.5% des Bruttosozialproduktes entspricht.
Man kann also mit ruhigem Gewissen behaupten: Amerika finanziert seine Importüberschüsse mit Krediten! derzeit müssen pro Tag $1.4 Mill ($2 Mill. pro Arbeitstag) in die USA fliessen, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Doch wie lange ist die Welt noch bereit, den Amerikanern das Luxusleben auf Pump zu finanzieren?
Ewig kann das nicht so weiter gehen und wenn Amerika nichts unternimmt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Gläubiger dieser Welt keine neuen Kredite mehr gewähren bzw. dazu übergehen werden, die Schulden einzufordern und ihre Anlagen (vor allem US-Treasury Bonds, also Staatsanleihen) zu verkaufen.
Derzeit reagiert das FED auf diese Gefahr noch mit Liquiditätsausweitung. Einfach ausgedrückt: Es wird neues Geld gedruckt und mit diesen Blüten werden die von Ausländern verkauften Bonds aufgekauft. Das verschafft Zeit aber verschlimmert die Situation nachhaltig.
Nun, es ist davon auszugehen, dass das FED die Zügel in der Hand behalten will und einlenken wird, bevor die Welt in Panik gerät und alle US-Anlagen auf den Markt schmeisst.
Wir sollten dabei nie vergessen, dass den Schulden Amerikas auf der anderen Seite Gläubiger gegenüberstehen. Staaten, Firmen Pensionskassen und Banken, im Endeffekt aber Kleinanleger, die ihr Erspartes in den USA investiert haben. Im festen Glauben und Vertrauen darauf, dass ihr Erspartes, ihre Altersvorsorge in den USA sicher und gewinnbringend auf lange Zeit investiert bleiben kann. Menschen, die mehr erarbeitet als ausgegeben (= gespart) haben, haben ihr Geld an Leute verliehen, die mehr ausgeben als sie erarbeiten. Ein Missverhältnis!
Doch was kann Amerika tun, um aus der Schuldenkrise herauszukommen?
Wachstum
Es besteht die - wenn auch unbegründete - Hoffnung, dass die Wirtschaft in einen neuen Bullenmarkt übergehen könnte. Durch gesteigerte Unternehmensgewinne würden die Steuererträge ansteigen und damit könnten die Schulden bezahlt werden.
Natürlich nicht von einem Jahr aufs andere aber immerhin bliebe das Vertrauen in Amerika und seinen Dollar erhalten.
Arbeit und Sparsamkeit
Der amerikanische Privathaushalt gibt im Schnitt 8% mehr Geld aus als er zur freien Verfügung hat. Bisher konnte die Differenz durch billige Kredite und Refinanzierung von Eigenheimen hereingeholt werden aber dieser Weg wird mehr und mehr verschlossen.
Ob es den Amis nun passt oder nicht: Sie müssen lernen, zu sparen. Sie müssen lernen mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld auszukommen und - nicht nur das - sie müssen lernen, weniger Geld auszugeben als sie verdienen, wollen sie ihre Schulden zurückbezahlen und nicht ihre Kinder und Kindeskinder damit belasten.
Das wird schwer sein und dürfte den Amerikanern sicher nicht in der Kram passen. Eine Regierung, die ein derart massives Sparprogramm vorschlägt (d.h. die Zinsen entsprechend erhöht, um Kredite unfinanzierbar und Geld knapp zu halten), würde wohl umgehend abgewählt. Da Bush die nächsten Wahlen gewinnen will, kann er sich drakonische Massnahmen, die seine Wähler am Geldbeutel treffen, sicher nicht leisten.
Abwertung des Dollars
Würde der Dollar um 40% abgewertet, wäre das Aussenhandelsdefizit bei Null und die Schulden könnten rasch abgebaut werden.
Eine entsprechende Währungsreform hätte zur Folge, dass sich die US-Schulden über Nacht um 40% verringern. Andererseits würde ein EU-Bürger, der €100'000 in Amerika investiert hat über Nacht €40'000 verlieren!
Die meisten Länder halten einen Grossteil ihres Staatsschatzes in US$. Nicht zuletzt deshalb, weil der Dollar die einzige Währung ist, mit der man Erdöl kaufen kann. Ein Staatsschatz ist Sparkapital eines Volkes. Auch viele Pensionskassen haben einen Grossteil ihrer Spargelder in US-Bonds angelegt. Sie alle würden über Nacht 40% Verlust einfahren.
Schlussendlich würde eine derartige Abwertung den Amerikanern nützen und allen anderen Völkern grossen Schaden bringen und eine globale Finanzkrise auszulösen.
Es gehörte also eine gehörige Portion Unverfrohrenheit und Egoismus dazu, die Welt zum eigenen politischen und finanziellen Vorteil, in eine Krise zu stürzen und Milliarden Menschen ihres Sparkapitals zu berauben.
Nur! Wer ausser der jetzigen Bush-Administration wäre dazu fähig?
Mit einem derart drastischen Schritt würde sich Amerika aber auch selbst ein Grab schaufeln:
1.) Das Vertrauen in Amerika und den Dollar wäre dahin. Man würde sich der Gefahren bewusst, die eine Papierwährung hat, die von einem einzigen Land kontrolliert wird. Als Konsequenz würde wohl der Euro die neue Weltleitwährung werden (nicht der Willkür eines einzelnen Landes unterworfen) oder man würde sich wieder auf nicht-vermehrbare Währungen wie Gold besinnen, das der Menschheit 5000 Jahre lang stabile wirtschaftliche Verhältnisse garantiert hat.
2.) Während die Völker der Welt bereits seit jeher gewohnt sind, Geld zu sparen und weniger auszugeben als sie verdienen, müssten die Amerikaner von einem Tag auf den anderen dieser Fähigkeit erst noch erwerben. Von einem Tag auf den anderen, weil ihnen niemand mehr Kredit geben würde.
3.) Da Erdöl derzeit exklusiv in Dollar fakturiert wird, geniessen die Amerikaner das Privileg, kostenlos zu Erdöl zu kommen. Schliesslich müssen sie die Dollars nur drucken und sie nicht durch Arbeit erwerben. Würde die Erdöl-Fakturierung auf Euro umgestellt wäre Amerika gezwungen, einen Aussenhandelsüberschuss in Euro zu erzielen, der dann für das schwarze Gold verwendet werden könnte.
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Fazit: Ein Wirtschaftsaufschwung von so hoher Nachhaltigkeit, dass mit dem Überschuss die Schulden in absehbarer Zeit (10 Jahre) abgetragen werden können, ist meiner Ansicht nach ziemlich unwahrscheinlich. Die US-Wirtschaft hängt zu 70% von den Konsumenten ab und jene sind bereits derart überschuldet, dass eine weitere Steigerung des Konsums wohl nicht einmal theoretisch denkbar ist.
Eine offizielle Abwertung des Dollars scheint mir deshalb der plausibelste Weg zu sein, wie sich die USA aus der Schuldenfalle schummeln werden. Anlass zu so einer Abwertung könnten die neuen "Pink-Dollars" sein, die sich bereits in Produktion befinden.
Um das Vertrauen der Welt in den Dollar nicht zu verspielen und weiterhin Leitwährung der Welt zu bleiben, ist es plausibel, den Dollar parallel zur Abwertung wiederum (wie vor 1971) an Gold zu binden. Dadurch würde zwar der Dollar stabilisiert, gleichzeitig aber würde sich das FED der Möglichkeiten berauben, die es derzeit schamlos und ungehindert ausnutzt. Nämlich, Papiergeld zu drucken und damit Schulden zu bezahlen.
Im Gegensatz zu Argentinien bestehen die US-Schulden in US-Dollar also in der Landeswährung. Für Argentinien macht es keinen Sinn, den Peso abzuwerten, denn die $170 Mill bleiben bestehen. Für Amerika jedoch, das seine Schulden grundsätzlich in der eigenen Währung hat, ist es durchaus verlockend, sich durch Geld-Inflation aus der Schuld zu kaufen. Dabei müssen wir auch immer das Jahr 2010 im Auge behalten. 1980 wurden 30-jährige US-Staatsanleihen vergeben mit 14% Zins. Die werden 2010 mit Zins und Zinseszins fällig. Ob Amerika diese Schuld jemals bezahlen kann?
Gemäss Kontradieff-Zyklen folgt nach dem Herbst der Winter. Die Übermässigen Schulden müssen abgebaut werden. Da das auf normalem Wege (Wertschöpfung zur Zinszahlung und Schuldentilgung) kaum mehr möglich sein wird, werden sehr viele Gläubiger sehr sehr viel Geld in den Wind schreiben können. Wohl jenen, die die Zusammenhänge rechtzeitig erkennen, sich aus Amerika verabschieden und Ihre Investments in Gold zwischenlagern.
Marcus
Und was heißt das im Klartext für uns Europäer? In Immobilien und Gold investieren?
Original geschrieben von Pump
Und was heißt das im Klartext für uns Europäer? In Immobilien und Gold investieren?
Gold ja, Immobilien bedingt.
Angenommen, Amerika wertet den Dollar ab, dann werden - zumindest am Anfang - Europäer, Japaner und Chinesen versuchen, ebenfalls ihre Währungen abzuwerten um sie gegenüber dem Dollar stabil zu halten.
Damit wird ganz allgemein Papiergeld billig oder aus Sicht des Geldes ausgedrückt: Alles wird teuer.
In diesem Falle wohl dem, der Rohstoffe besitzt. Gold gehört ebenso dazu wie Silber oder auch Kupfer, Eisen, Nickel, Platin etc.
Mit Immobilien ist das so eine Sache:
Einerseits lauten die Schulden in Papierwährung. Da Papiergeld an Wert verliert, nehmen die realen Schulden ab. Anders ausgedrückt: Wenn wir annehmen, Du besitzt ein Haus für €500k und ein Brot kostet 1€, dann musst Du 500k Brote verdienen, um Dein Haus abzuzahlen. Bei einer Abwertung des Euro um 50%, würde sich der Preis eines Brotes auf €2 erhöhen und Du müsstest nur noch 250k Brote verdienen, um Dein Haus abzubezahlen.
Aus dieser Sicht ist es von Vorteil, Immobilien zu besitzen.
Andererseits jedoch würde eine Dollar-Abwertung hier in Europa eine Finanzkrise auslösen. Viele Menschen, die ihr Sparkapital in Dollar-Assets angelegt hatten, würden sehr viel Geld verlieren, teilweise in finanzielle Bedrängnis geraten und könnten so gezwungen sein, Ihre Häuser zu verkaufen.
Tritt dieser Fall ein, würden Häuser entsprechend verbilligt. Du hättest Dein Haus also statt für 500k Brote für 300k Brote gekriegt ;)
Das alles natürlich unter der Voraussetzung, dass "Brote" eine stabile Währung darstellen.
Ersetzen wir nun "Brot" durch "Gold" so dürfte es am einträglichsten sein, vor der Krise billiges Gold zu bunkern (der innere Wert des Goldes liegt bei $527/oz, alles darunter ist billig) um auf dem Höhepunkt der Krise das Gold gegen Immobilien zu tauschen.
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Hinzu kommt auch, dass der Vergleich Brot=Gold hinkt; Abgesehen von der Haltbarkeit:
Bei einer Halbierung des Euro-Wertes steigt - wie oben angeführt - der Preis eines Brotes von €1 auf €2. Dies gilt grundsätzlich für alle Rohstoffe, Waren und Güter.
Beim Gold kommt aber aller Wahrscheinlichkeit noch ein weiterer Schub dazu nämlich der psychologische Effekt: Bei einer Abwertung von Papiergeld werden sich die Menschen wieder auf die Stabilität und jahrtausend alte Zuverlässigkeit des Goldes (und Silber) als Zahlungsmittel erinnern. Der Goldpreis dürfte also nicht nur von angenommen vor der Krise €400 auf €800 steigen, sondern weit darüber hinaus auf vielleicht €1000, €1500 oder €2000.
Schlussendlich kann man aber kaum abschätzen, welche Ausweirkungen eine Dollar-Abwertung (40% sind nach Meinung von Experten realistisch) auf Europa haben wird:
* Wieviel (in Prozent) unseres Sparkapitals wird zu diesem Zeitpunkt im Dollar-Raum liegen?
* Wie werden EZB, BoJ etc. auf die Dollarabwertung reagieren? Werden sie ihre Währung auch abwerten? teilweise? gar nicht?
Je mehr es uns gelingt, uns privat wie als Volk vom Dollar abzukoppeln umso schwächer wird uns eine allfällige Krise treffen.
Die erste Priorität für einen Anleger sollte deshalb meiner Meinung nach sein: Auflösung aller Assets in den USA!
Gold kommt dann in zweiter Linie (und zwar physikalisches) und Immobilien in Dritter Linie.
Marcus
Danke erstmal für deine ausführliche Antwort ^^
*nachdenk*
Also wenn man jetzt zB. auf Kredit ein Haus/Wohnung kauft, ist man dann gut gegen Eventualitäten abgesichert? Bei einer Euroabwertung würde man weniger zahlen müssen.
Kann man Gold auf der Bank bunkern lassen, wenn man welches erwirbt?
Original geschrieben von Pump
wenn man jetzt zB. auf Kredit ein Haus/Wohnung kauft, ist man dann gut gegen Eventualitäten abgesichert? Bei einer Euroabwertung würde man weniger zahlen müssen.
Abgesichert bist Du mit Immobilien immer und die Inflation verringert Deine Schulden. Allerdings nur, wenn Deine Finanzen auf soliden Füssen stehen. Wenn Du beispielsweise für ein Exportabhängiges Unternehmen arbeitest und Gefahr läufst im Falle einer Krise den Arbeitsplatz zu verlieren und die Immobilie aufgeben zu müssen ... :cry
Am vernünftigsten wäre wohl, die Hypothek in Dollar aufzunehmen! Der wird auf alle Fälle mehr leiden als der Euro.
Kann man Gold auf der Bank bunkern lassen, wenn man welches erwirbt?
Selbstverständlich. Zum Beispiel in einem Schliessfach. Allerdings wäre eine Bank nicht unbedingt der Ort, an dem ich mein Gold bunkern würde.
Was, wenn die Bank pleite geht?
Marcus
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