mfabian
15.11.2003, 17:09
In eigener Sache
Wenn immer es meine Zeit erlaubt, folge ich dem täglichen Germanasti Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/forumdisplay.php3?s=&forumid=31) , lese die Artikel, die dort als besonders empfehlenswert erwähnt werden und habe ausserdem noch meine eigenen Favoriten auf dem Internet, die ich regelmässig lese.
Was ich also in meinen Börsenprognosen (ich hoffe, dies wird nicht die letzte sein, es sei denn das Feedback ist eine Katastrophe :mad: ) schreibe ist nichts anderes als eine Zusammenfassung des Wissens und der Ansichten anderer Leute, die ich um meine eigenen Schlussfolgerungen ergänze. Wo immer ich also konkret etwas geklaut habe, werde ich die entsprechende Quelle angeben.
Diese Börsenprognose soll keinenfalls als Trading-Empfehlung verstanden werden. Vielmehr hoffe ich auf Feedback in Form von Ergänzungen und Gegenargumenten und daraus resultierend einer interessanten Diskussion.
Börsen allgemein
Ausgehend von offiziellen Wachstumszahlen von 7.2% in den USA (hedonistisch, pro-forma und mit 4 multipliziert), sehen die Bullen nach wie vor einen sehr starken Trend nach oben, der durch nichts aufzuhalten scheint:
http://chart.bigcharts.com/bc3/intchart/frames/chart.asp?symb=djia&compidx=aaaaa%3A0&ma=4&maval=50&uf=0&lf=32&lf2=0&lf3=0&type=4&size=3&state=8&sid=1643&style=320&time=7&freq=1&comp=NO%5FSYMBOL%5FCHOSEN&nosettings=1&rand=7588&mocktick=1
Tatsächlich hat die MA50 im DJ sehr schön immer wieder gehalten und etwa zwei Wochen später war das nächste Jahreshoch erreicht.
Man kann diese - fast perfekte Sinuskurve - nun natürlich problemlos in die Zukunft projizieren:
* Korrektur auf 9650 per 22. November
* Neues Jahreshoch bei 10050 per Mitte Dezember etc.
Aber der Trend wird nicht unendlich so weiter gehen. In Tat und Wahrheit häufen sich bereits die Warnsignale. Schon rein aus technischer Sicht:
http://www.strobeli.ch/fabian/trading/DJ.png
(Quelle: Matthew Frailey)
Danach könnte der DJ zwar die 10k noch knacken, würde danach aber auf Sicht Dezember/Januar in Richtung 9000 korrigieren. Wir haben hier einen Bärenkeil, der seine Aufläsung nach unten sucht.
Auch der NYSI Index (Index über Advance/Decline der NYSE), der also die Stärke von Bewegungen misst, verheisst nichts gutes:
http://www.strobeli.ch/fabian/trading/NYSI.png
(Quelle: Chip Anderson)
Die Auftriebskraft lässt nach, die EMA's kreuzen sich (das was Chip Anderson als "Whipsaw" bezeichnet). Der Markt hat also bedeutend an Schwung verloren.
Also wie weiter, rauf oder runter?
Eines ist klar: Solange die 9600 beim DJ nicht nachhaltig nach unten durchbrochen sind, dürfen keine bärischen Gefühle aufkommen. Für Bullen ist dies nämlich die Marke, um ihre Longposition aufzustocken. Wiederholt sich die Vergangenheit, dürften die 9600 das Sprungbrett für den Angriff auf die 10'000 sein. Würde irgendwie auch gut ins Weihnachtsgeschäft passen ;)
Ich halte dieses Scenario auf Sicht 1-2 Wochen sogar für wahrscheinlich. Allerdings dürften die 10'000 wohl nicht sehr lange und vor allem nicht nachhaltig durchbrochen werden. Es würde mich interessieren, wieviele Verkaufsaufträge bei 10'000 Punkten existieren. Das dürfte eine dicke Barriere sein!
Aus fundamentaler Sicht gibt es kaum Argumente, die für eine Fortsetzung der Bärenmarktrally sprechen. Hedonistisch verfälschte Daten und extremer Optimismus mögen den Markt psychologisch noch ein Weilchen oben halten aber die knallharten "Facts" sprechen eine andere Sprache:
1. Aktienbewertung
Nach wie vor sind die Börsen (vor allem in den USA) hoffnungslos überbewertet. Beim SP500 lag das KGV Ende Oktober bei 28.5, die Dividendenrendite bei 1.68% (Quelle: Zeal Newsletter). Somit befinden wir uns wieder auf Bubble-Niveau von 1929.
2. Geldmenge
Die Geldmenge M3 nimmt bedenklich stark ab:
« Die Fed ist dabei, ihre Schlacht zu verlieren », stellt der Börsenbrief Elliott Wave Financial Forecast fest und weist daraufhin, dass die M3 Geldmengenzahlen regelrecht zusammengebrochen sind. Obwohl bei der Fed die Notenpressen heisslaufen und sie die Märkte mit Liquidität überschüttet, sind die Commercial und Industrial Loans seit 2000 im freien Fall. Es wird eine Deflation befürchtet mit den entsprechenden schrecklichen Folgen für die Wirtschaft und die Märkte. Seit einigen Monaten werden nur noch zwei Arten von Krediten vom Bankensektor abgerufen: Staatskredite, und die letzten Schätzungen gehen von einem Defizit für das laufende Haushaltsjahr von über 600 Mrd. Dollar aus, sowie Verbraucherkredite, die entweder direkt in den Konsum gehen oder in den Aktienmarkt (margin debt) und in Immobilienmarkt. Letztere befinden sich nach allen fundamentalen Bewertungskriterien im Zustand einer gefährlichen Blase.
Roland Leuschel: Quelle (http://nachrichten.boerse.de/anzeige.php3?id=742bc95a)
Hier eine Grafik aus http://www.zealllc.com/2003/m3spx.htm
http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal110703A.gif
Wir sehen hier, dass die MA50 (50 Tage = 10 Wochen; rote Kurve) im Moment bei -1.3% steht. Ein Negativwert, der in den letzten 10 Jahren nie erreicht wurde.
Erklärungsversuch: Amerika ist übersättigt. Die Konsumenten - von denen wie bekannt - 70% der Wirtschaft abhängt, haben bereits alles. Normalerweise brechen während einer Rezession die Autoverkäufe ein. Logisch, denn wer knapp bei Kasse ist und um seinen Job fürchtet, fährt die alte Karre halt noch ein paar Jahre. Entsprechend hoch ist der Nachholbedarf nach Ende der Rezession und alle alten Autos werden ersetzt, was entsprechend den Konsum und die Wirtschaft beflügelt.
Dank Null%-Leasings wurden aber auch 2001/02 Autos in gleichem Masse verkauft wie in den Jahren zuvor. Ergo besteht kein Nachholbedarf.
Somit werden die Kredite nicht aufgestockt, es erfolgt keine Konsumsteigerung und kein Wirtschaftsboom, die Industrie ist zurückhaltend mit Investitionen, Geld zirkuliert langsamer --> Die Geldmenge M3 ist rückläufig.
Kredite sind in erster Linie dazu gedacht, Investitionen von Firmen zu finanzieren, damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Nun, bei einer Auslastung der Industrie von nur 75% besteht hierzu kein Anlass. Also bleiben die Investitionen aus und die Kredite werden zweckentfremdet eingesetzt:
* Rüstungsausgaben und Haushaltsdefizit des Staates
* Privater Konsum inklusive Immobilien-Refinanzierung
Beides ist dazu angetan, für eine gewisse Zeit (vielleicht ein Jahr) die Wirtschaft auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten aber kein einziges Problem wird damit auf Dauer gelöst.
Geld muss zirkulieren:
A verdient $1000, kauft dafür Waren von B, der das Geld auf die Bank bringt,
C nimmt einen Kredit bei der Bank auf, um Waren bei D zu kaufen etc.
Dieselben $1000, die A anfangs verdient haben, können innert einer Woche 10 mal den Besitzer wechseln und somit eine hohe "Geschwindigkeit" des Geldumlaufes erzielen.
Gelder, die in Rüstung gesteckt werden oder in Schuldenaufbau gehen der Geldmenge M3 verloren. Da kann Alan Greenspan die Druckerpresse laufen lassen, bis Montana keine Bäume mehr hat und die Geldmenge (M1) erhöhen soviel er will. Wenn keiner mit dem Geld etwas sinnvolles anfangen will, ist es für die Katz.
Fazit: Aktienmarkt
Überbewertung der Börsen, nachlassende Kauflust der Konsumenten, Investitionsfaulheit der Unternehmen und Schuldenberge an allen Ecken und Enden lassen mittel- bis langfristig nichts Gutes erwarten.
Kurzfristig ist die Stimmung zwar noch optimistisch, aber auch bei der Psychologie sind bereits erste Wolken am Himmel erkennbar.
So haben vorletzten Freitag weder die ausgezeichneten Arbeitsmarktdaten noch gute Unternehmensgewinne dem Dow in den grünen Bereich geholfen. Wir haben uns bereits derart daran gewöhnt, dass optimistische Erwartungen noch übertroffen werden, dass wir auf positive Nachrichten nicht mehr reagieren.
Noch vor einem halben Jahr war das anders: Die Befreiung von Jessica Lynch hat den DJ gute 150 Punkte nach oben katapultiert. Und hätte man damals Saddams Hund gefunden, wäre der ebenfalls gut genug gewesen, um die amerikanischen Börsen um ein paar Milliarden Dollar aufzuwerten.
Die Euphorie neigt sich dem Ende. Ich werde in den nächsten Tagen die Börsenkommentare sehr gut verfolgen. Dabei interessiert mich weniger, was geschrieben wird, sondern wie es geschrieben wird. Werden schlechte Nachrichten endlich veröffentlicht oder weiterhin todgeschwiegen?
Bis jetzt konnten schlechte Nachrichten die Börsen noch nicht zu einer Korrektur nach unten bewegen. Doch das wird sich ändern. Wenn eine schlechte Nachricht mal für DJ minus 50-100 Punkte sorgt, dürfte das der richtige Einstiegspunkt für Short-Positionen sein.
Währungen
Wenn wir über Währungen sprechen, müssen wir den Dollar betrachten, denn als Leitwährung ist er am wichtigsten. Die anhaltende Dollarschwäche ist bereits seit über einem Jahr in aller Munde und wird in Syracus' USD-Crashindex Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=9420) ausführlich diskutiert und dokumentiert.
http://quotes.ino.com/chart/history.gif?s=NYBOT_DXY0&t=f&w=15&a=50&v=d6
Der Dollar durfte sich von seinem September/Oktober-Crash Anfang November ein bisschen erholen und führt seinen Crash nun langfristig fort.
Die fundamentalen Gründe für den Dollar-Bären liegen auf dem Tisch und können wie gesagt im USD-Crashindex Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=9420) nachgelesen werden.
Ich möchte deshalb nur auf eine Diskussion eingehen, die wir im Borsalino-Forum in den letzten Wochen geführt haben. Es geht um die Frage: Ist ein schwacher Dollar gut oder schlecht für den Dow Jones?
Meiner Meinung nach gilt die Aussage:
starker Dow = starker Dollar
Begründung: Wenn es der US-Wirtschaft gut geht, zieht das mehr ausländische Investoren nach Amerika. Deshalb wird der Dollar stärker nachgefragt.
Gegenargument zu starker Dow = schwacher Dollar: Wenn der Dollar sinkt, werden US-Aktien für ausländische Investoren billiger.
Hierzu folgende Grafik von Adam Hamilton, Zeal (http://www.zealllc.com/2003/usdbear2.htm)
http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal111403A.gif
Wir sehen hier sehr schön, wie parallel sich SP500 und Dollar bis März 2003 verhalten haben. Seither bilden sie eine Schere.
Warum? Die Antwort habe ich in oben erwähntem Artikel von ZealLLC gefunden (http://www.zealllc.com/2003/usdbear2.htm). Hier die kurze Zusammenfassung:
Die Logik, wie sie auch in der Vergangenheit bestätigt wird, lautet: Starker Dow zieht ausl. Investoren an.
Nun haben wir eine Situation, in der der DJ steigt, ohne dass Ausländer in die USA gelockt werden. Als Grund vermutet Hamilton, dass die Ausländer das amerikanische Spiel durchschaut haben, Wirtschaftsdaten und Statistiken zu - sagen wir mal - "verschönern".
In der Tat gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem Verlauf des Dollars und den realen Zinsen in den USA (Reale Zinsen = Rendite der 1yr Bonds minus Teuerung).
Liegen die realen Zinsen unter Null, bedeutet dies nichts anderes, als dass die Inflation die Renditen auffrisst. Eine gute Zeit für Häuslebauer und Schuldner aber schlecht für Sparer.
http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal111403B.gif
Derzeit liegt der Reale Zins bei etwa -1.1%.
Was tut nun ein Sparer, der sein Vermögen zumindest stabil halten möchte? Richtig: Er investiert in Gold. Gold garantiert ihm zumindest eine Werterhaltung seines Vermögens. Da in Zeiten negativer realer Zinsen aber alle Kapitalisten ähnlich reagieren, entsteht ein Kaufdruck auf Gold und der Goldpreis schiesst in die Höhe.
Schlussfolgerungen
Kurzfristig können die Börsen noch steigen. DJ 10'000 liegen noch drin, obschon die Kraft des Anstieges stark nachgelassen hat und die Psychologie langsam dreht.
Gold dürfte kurzfristig ebenfalls noch steigen. Eine grössere Korrektur wird zwar langsam fällig aber damit rechne ich erst im Januar.
Mittel- und langfristig stehen die Zeichen auf Sturm. Sowohl für die Börsen als auch für den Dollar. Letzterer mag sich zwar vom heftigen Crash der letzten Wochen etwas erholen oder eine Weile seitwärts tendieren aber fundamental gibt es nichts, was für einen starken Dollar spricht. Dasselbe gilt auch für die Börsen, nur hat es sich dort noch nicht herumgesprochen.
Stellt sich noch die Frage nach der Grössenordnung eines Börsenabschwungs.
* Als Minimalziel kann man die 10% Korrektur auf 9000 annehmen, wie sie oben im Chart von Matthew Frailey (Bärenkeil) eingezeichnet ist.
* Andere - wie unser Germanasti - rechnen mit einer langen Seitwärtsbewegung, gestützt durch Massnahmen des FED.
* Ich persönlich glaube eher, dass sich da was ganz bitterböses zusammenbraut. In den USA hängen mehrere Blasen wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft:
- Immobilien,
- Derivate,
- Schulden,
- Unterdeckung Pensionskassen
- Überbewertung Aktien
die alle platzen können.
Ich halte es für unwahrscheinlich, dass eine dieser Blasen alleine platzen wird. Wenn schon, dann wird die erste Blase alle anderen ebenfalls zum Platzen bringen. Teufelkreis, Kettenreaktion - wie immer man das nennen mag.
Strategie
Derzeit Long in Gold. Ich plane den Ausstieg oberhalb $400-410
Short-Positionen in Indizes habe ich derzeit noch keine, halte aber Cash bereit. Ich warte auf ein Drehen der Psychologie und den nachhaltigen Durchbruch der GD50 nach unten.
Taktisch werde ich jeweils kurzfristig short gehen, wenn mal wieder ein Jahreshoch erreicht wurde.
Schönes Wochenende ;)
Marcus
Wenn immer es meine Zeit erlaubt, folge ich dem täglichen Germanasti Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/forumdisplay.php3?s=&forumid=31) , lese die Artikel, die dort als besonders empfehlenswert erwähnt werden und habe ausserdem noch meine eigenen Favoriten auf dem Internet, die ich regelmässig lese.
Was ich also in meinen Börsenprognosen (ich hoffe, dies wird nicht die letzte sein, es sei denn das Feedback ist eine Katastrophe :mad: ) schreibe ist nichts anderes als eine Zusammenfassung des Wissens und der Ansichten anderer Leute, die ich um meine eigenen Schlussfolgerungen ergänze. Wo immer ich also konkret etwas geklaut habe, werde ich die entsprechende Quelle angeben.
Diese Börsenprognose soll keinenfalls als Trading-Empfehlung verstanden werden. Vielmehr hoffe ich auf Feedback in Form von Ergänzungen und Gegenargumenten und daraus resultierend einer interessanten Diskussion.
Börsen allgemein
Ausgehend von offiziellen Wachstumszahlen von 7.2% in den USA (hedonistisch, pro-forma und mit 4 multipliziert), sehen die Bullen nach wie vor einen sehr starken Trend nach oben, der durch nichts aufzuhalten scheint:
http://chart.bigcharts.com/bc3/intchart/frames/chart.asp?symb=djia&compidx=aaaaa%3A0&ma=4&maval=50&uf=0&lf=32&lf2=0&lf3=0&type=4&size=3&state=8&sid=1643&style=320&time=7&freq=1&comp=NO%5FSYMBOL%5FCHOSEN&nosettings=1&rand=7588&mocktick=1
Tatsächlich hat die MA50 im DJ sehr schön immer wieder gehalten und etwa zwei Wochen später war das nächste Jahreshoch erreicht.
Man kann diese - fast perfekte Sinuskurve - nun natürlich problemlos in die Zukunft projizieren:
* Korrektur auf 9650 per 22. November
* Neues Jahreshoch bei 10050 per Mitte Dezember etc.
Aber der Trend wird nicht unendlich so weiter gehen. In Tat und Wahrheit häufen sich bereits die Warnsignale. Schon rein aus technischer Sicht:
http://www.strobeli.ch/fabian/trading/DJ.png
(Quelle: Matthew Frailey)
Danach könnte der DJ zwar die 10k noch knacken, würde danach aber auf Sicht Dezember/Januar in Richtung 9000 korrigieren. Wir haben hier einen Bärenkeil, der seine Aufläsung nach unten sucht.
Auch der NYSI Index (Index über Advance/Decline der NYSE), der also die Stärke von Bewegungen misst, verheisst nichts gutes:
http://www.strobeli.ch/fabian/trading/NYSI.png
(Quelle: Chip Anderson)
Die Auftriebskraft lässt nach, die EMA's kreuzen sich (das was Chip Anderson als "Whipsaw" bezeichnet). Der Markt hat also bedeutend an Schwung verloren.
Also wie weiter, rauf oder runter?
Eines ist klar: Solange die 9600 beim DJ nicht nachhaltig nach unten durchbrochen sind, dürfen keine bärischen Gefühle aufkommen. Für Bullen ist dies nämlich die Marke, um ihre Longposition aufzustocken. Wiederholt sich die Vergangenheit, dürften die 9600 das Sprungbrett für den Angriff auf die 10'000 sein. Würde irgendwie auch gut ins Weihnachtsgeschäft passen ;)
Ich halte dieses Scenario auf Sicht 1-2 Wochen sogar für wahrscheinlich. Allerdings dürften die 10'000 wohl nicht sehr lange und vor allem nicht nachhaltig durchbrochen werden. Es würde mich interessieren, wieviele Verkaufsaufträge bei 10'000 Punkten existieren. Das dürfte eine dicke Barriere sein!
Aus fundamentaler Sicht gibt es kaum Argumente, die für eine Fortsetzung der Bärenmarktrally sprechen. Hedonistisch verfälschte Daten und extremer Optimismus mögen den Markt psychologisch noch ein Weilchen oben halten aber die knallharten "Facts" sprechen eine andere Sprache:
1. Aktienbewertung
Nach wie vor sind die Börsen (vor allem in den USA) hoffnungslos überbewertet. Beim SP500 lag das KGV Ende Oktober bei 28.5, die Dividendenrendite bei 1.68% (Quelle: Zeal Newsletter). Somit befinden wir uns wieder auf Bubble-Niveau von 1929.
2. Geldmenge
Die Geldmenge M3 nimmt bedenklich stark ab:
« Die Fed ist dabei, ihre Schlacht zu verlieren », stellt der Börsenbrief Elliott Wave Financial Forecast fest und weist daraufhin, dass die M3 Geldmengenzahlen regelrecht zusammengebrochen sind. Obwohl bei der Fed die Notenpressen heisslaufen und sie die Märkte mit Liquidität überschüttet, sind die Commercial und Industrial Loans seit 2000 im freien Fall. Es wird eine Deflation befürchtet mit den entsprechenden schrecklichen Folgen für die Wirtschaft und die Märkte. Seit einigen Monaten werden nur noch zwei Arten von Krediten vom Bankensektor abgerufen: Staatskredite, und die letzten Schätzungen gehen von einem Defizit für das laufende Haushaltsjahr von über 600 Mrd. Dollar aus, sowie Verbraucherkredite, die entweder direkt in den Konsum gehen oder in den Aktienmarkt (margin debt) und in Immobilienmarkt. Letztere befinden sich nach allen fundamentalen Bewertungskriterien im Zustand einer gefährlichen Blase.
Roland Leuschel: Quelle (http://nachrichten.boerse.de/anzeige.php3?id=742bc95a)
Hier eine Grafik aus http://www.zealllc.com/2003/m3spx.htm
http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal110703A.gif
Wir sehen hier, dass die MA50 (50 Tage = 10 Wochen; rote Kurve) im Moment bei -1.3% steht. Ein Negativwert, der in den letzten 10 Jahren nie erreicht wurde.
Erklärungsversuch: Amerika ist übersättigt. Die Konsumenten - von denen wie bekannt - 70% der Wirtschaft abhängt, haben bereits alles. Normalerweise brechen während einer Rezession die Autoverkäufe ein. Logisch, denn wer knapp bei Kasse ist und um seinen Job fürchtet, fährt die alte Karre halt noch ein paar Jahre. Entsprechend hoch ist der Nachholbedarf nach Ende der Rezession und alle alten Autos werden ersetzt, was entsprechend den Konsum und die Wirtschaft beflügelt.
Dank Null%-Leasings wurden aber auch 2001/02 Autos in gleichem Masse verkauft wie in den Jahren zuvor. Ergo besteht kein Nachholbedarf.
Somit werden die Kredite nicht aufgestockt, es erfolgt keine Konsumsteigerung und kein Wirtschaftsboom, die Industrie ist zurückhaltend mit Investitionen, Geld zirkuliert langsamer --> Die Geldmenge M3 ist rückläufig.
Kredite sind in erster Linie dazu gedacht, Investitionen von Firmen zu finanzieren, damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Nun, bei einer Auslastung der Industrie von nur 75% besteht hierzu kein Anlass. Also bleiben die Investitionen aus und die Kredite werden zweckentfremdet eingesetzt:
* Rüstungsausgaben und Haushaltsdefizit des Staates
* Privater Konsum inklusive Immobilien-Refinanzierung
Beides ist dazu angetan, für eine gewisse Zeit (vielleicht ein Jahr) die Wirtschaft auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten aber kein einziges Problem wird damit auf Dauer gelöst.
Geld muss zirkulieren:
A verdient $1000, kauft dafür Waren von B, der das Geld auf die Bank bringt,
C nimmt einen Kredit bei der Bank auf, um Waren bei D zu kaufen etc.
Dieselben $1000, die A anfangs verdient haben, können innert einer Woche 10 mal den Besitzer wechseln und somit eine hohe "Geschwindigkeit" des Geldumlaufes erzielen.
Gelder, die in Rüstung gesteckt werden oder in Schuldenaufbau gehen der Geldmenge M3 verloren. Da kann Alan Greenspan die Druckerpresse laufen lassen, bis Montana keine Bäume mehr hat und die Geldmenge (M1) erhöhen soviel er will. Wenn keiner mit dem Geld etwas sinnvolles anfangen will, ist es für die Katz.
Fazit: Aktienmarkt
Überbewertung der Börsen, nachlassende Kauflust der Konsumenten, Investitionsfaulheit der Unternehmen und Schuldenberge an allen Ecken und Enden lassen mittel- bis langfristig nichts Gutes erwarten.
Kurzfristig ist die Stimmung zwar noch optimistisch, aber auch bei der Psychologie sind bereits erste Wolken am Himmel erkennbar.
So haben vorletzten Freitag weder die ausgezeichneten Arbeitsmarktdaten noch gute Unternehmensgewinne dem Dow in den grünen Bereich geholfen. Wir haben uns bereits derart daran gewöhnt, dass optimistische Erwartungen noch übertroffen werden, dass wir auf positive Nachrichten nicht mehr reagieren.
Noch vor einem halben Jahr war das anders: Die Befreiung von Jessica Lynch hat den DJ gute 150 Punkte nach oben katapultiert. Und hätte man damals Saddams Hund gefunden, wäre der ebenfalls gut genug gewesen, um die amerikanischen Börsen um ein paar Milliarden Dollar aufzuwerten.
Die Euphorie neigt sich dem Ende. Ich werde in den nächsten Tagen die Börsenkommentare sehr gut verfolgen. Dabei interessiert mich weniger, was geschrieben wird, sondern wie es geschrieben wird. Werden schlechte Nachrichten endlich veröffentlicht oder weiterhin todgeschwiegen?
Bis jetzt konnten schlechte Nachrichten die Börsen noch nicht zu einer Korrektur nach unten bewegen. Doch das wird sich ändern. Wenn eine schlechte Nachricht mal für DJ minus 50-100 Punkte sorgt, dürfte das der richtige Einstiegspunkt für Short-Positionen sein.
Währungen
Wenn wir über Währungen sprechen, müssen wir den Dollar betrachten, denn als Leitwährung ist er am wichtigsten. Die anhaltende Dollarschwäche ist bereits seit über einem Jahr in aller Munde und wird in Syracus' USD-Crashindex Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=9420) ausführlich diskutiert und dokumentiert.
http://quotes.ino.com/chart/history.gif?s=NYBOT_DXY0&t=f&w=15&a=50&v=d6
Der Dollar durfte sich von seinem September/Oktober-Crash Anfang November ein bisschen erholen und führt seinen Crash nun langfristig fort.
Die fundamentalen Gründe für den Dollar-Bären liegen auf dem Tisch und können wie gesagt im USD-Crashindex Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=9420) nachgelesen werden.
Ich möchte deshalb nur auf eine Diskussion eingehen, die wir im Borsalino-Forum in den letzten Wochen geführt haben. Es geht um die Frage: Ist ein schwacher Dollar gut oder schlecht für den Dow Jones?
Meiner Meinung nach gilt die Aussage:
starker Dow = starker Dollar
Begründung: Wenn es der US-Wirtschaft gut geht, zieht das mehr ausländische Investoren nach Amerika. Deshalb wird der Dollar stärker nachgefragt.
Gegenargument zu starker Dow = schwacher Dollar: Wenn der Dollar sinkt, werden US-Aktien für ausländische Investoren billiger.
Hierzu folgende Grafik von Adam Hamilton, Zeal (http://www.zealllc.com/2003/usdbear2.htm)
http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal111403A.gif
Wir sehen hier sehr schön, wie parallel sich SP500 und Dollar bis März 2003 verhalten haben. Seither bilden sie eine Schere.
Warum? Die Antwort habe ich in oben erwähntem Artikel von ZealLLC gefunden (http://www.zealllc.com/2003/usdbear2.htm). Hier die kurze Zusammenfassung:
Die Logik, wie sie auch in der Vergangenheit bestätigt wird, lautet: Starker Dow zieht ausl. Investoren an.
Nun haben wir eine Situation, in der der DJ steigt, ohne dass Ausländer in die USA gelockt werden. Als Grund vermutet Hamilton, dass die Ausländer das amerikanische Spiel durchschaut haben, Wirtschaftsdaten und Statistiken zu - sagen wir mal - "verschönern".
In der Tat gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem Verlauf des Dollars und den realen Zinsen in den USA (Reale Zinsen = Rendite der 1yr Bonds minus Teuerung).
Liegen die realen Zinsen unter Null, bedeutet dies nichts anderes, als dass die Inflation die Renditen auffrisst. Eine gute Zeit für Häuslebauer und Schuldner aber schlecht für Sparer.
http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal111403B.gif
Derzeit liegt der Reale Zins bei etwa -1.1%.
Was tut nun ein Sparer, der sein Vermögen zumindest stabil halten möchte? Richtig: Er investiert in Gold. Gold garantiert ihm zumindest eine Werterhaltung seines Vermögens. Da in Zeiten negativer realer Zinsen aber alle Kapitalisten ähnlich reagieren, entsteht ein Kaufdruck auf Gold und der Goldpreis schiesst in die Höhe.
Schlussfolgerungen
Kurzfristig können die Börsen noch steigen. DJ 10'000 liegen noch drin, obschon die Kraft des Anstieges stark nachgelassen hat und die Psychologie langsam dreht.
Gold dürfte kurzfristig ebenfalls noch steigen. Eine grössere Korrektur wird zwar langsam fällig aber damit rechne ich erst im Januar.
Mittel- und langfristig stehen die Zeichen auf Sturm. Sowohl für die Börsen als auch für den Dollar. Letzterer mag sich zwar vom heftigen Crash der letzten Wochen etwas erholen oder eine Weile seitwärts tendieren aber fundamental gibt es nichts, was für einen starken Dollar spricht. Dasselbe gilt auch für die Börsen, nur hat es sich dort noch nicht herumgesprochen.
Stellt sich noch die Frage nach der Grössenordnung eines Börsenabschwungs.
* Als Minimalziel kann man die 10% Korrektur auf 9000 annehmen, wie sie oben im Chart von Matthew Frailey (Bärenkeil) eingezeichnet ist.
* Andere - wie unser Germanasti - rechnen mit einer langen Seitwärtsbewegung, gestützt durch Massnahmen des FED.
* Ich persönlich glaube eher, dass sich da was ganz bitterböses zusammenbraut. In den USA hängen mehrere Blasen wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft:
- Immobilien,
- Derivate,
- Schulden,
- Unterdeckung Pensionskassen
- Überbewertung Aktien
die alle platzen können.
Ich halte es für unwahrscheinlich, dass eine dieser Blasen alleine platzen wird. Wenn schon, dann wird die erste Blase alle anderen ebenfalls zum Platzen bringen. Teufelkreis, Kettenreaktion - wie immer man das nennen mag.
Strategie
Derzeit Long in Gold. Ich plane den Ausstieg oberhalb $400-410
Short-Positionen in Indizes habe ich derzeit noch keine, halte aber Cash bereit. Ich warte auf ein Drehen der Psychologie und den nachhaltigen Durchbruch der GD50 nach unten.
Taktisch werde ich jeweils kurzfristig short gehen, wenn mal wieder ein Jahreshoch erreicht wurde.
Schönes Wochenende ;)
Marcus