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Vollständige Version anzeigen : Börsenprognose ab 17. Nov. 2003


mfabian
15.11.2003, 17:09
In eigener Sache
Wenn immer es meine Zeit erlaubt, folge ich dem täglichen Germanasti Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/forumdisplay.php3?s=&forumid=31) , lese die Artikel, die dort als besonders empfehlenswert erwähnt werden und habe ausserdem noch meine eigenen Favoriten auf dem Internet, die ich regelmässig lese.

Was ich also in meinen Börsenprognosen (ich hoffe, dies wird nicht die letzte sein, es sei denn das Feedback ist eine Katastrophe :mad: ) schreibe ist nichts anderes als eine Zusammenfassung des Wissens und der Ansichten anderer Leute, die ich um meine eigenen Schlussfolgerungen ergänze. Wo immer ich also konkret etwas geklaut habe, werde ich die entsprechende Quelle angeben.

Diese Börsenprognose soll keinenfalls als Trading-Empfehlung verstanden werden. Vielmehr hoffe ich auf Feedback in Form von Ergänzungen und Gegenargumenten und daraus resultierend einer interessanten Diskussion.


Börsen allgemein

Ausgehend von offiziellen Wachstumszahlen von 7.2% in den USA (hedonistisch, pro-forma und mit 4 multipliziert), sehen die Bullen nach wie vor einen sehr starken Trend nach oben, der durch nichts aufzuhalten scheint:

http://chart.bigcharts.com/bc3/intchart/frames/chart.asp?symb=djia&compidx=aaaaa%3A0&ma=4&maval=50&uf=0&lf=32&lf2=0&lf3=0&type=4&size=3&state=8&sid=1643&style=320&time=7&freq=1&comp=NO%5FSYMBOL%5FCHOSEN&nosettings=1&rand=7588&mocktick=1

Tatsächlich hat die MA50 im DJ sehr schön immer wieder gehalten und etwa zwei Wochen später war das nächste Jahreshoch erreicht.

Man kann diese - fast perfekte Sinuskurve - nun natürlich problemlos in die Zukunft projizieren:
* Korrektur auf 9650 per 22. November
* Neues Jahreshoch bei 10050 per Mitte Dezember etc.

Aber der Trend wird nicht unendlich so weiter gehen. In Tat und Wahrheit häufen sich bereits die Warnsignale. Schon rein aus technischer Sicht:

http://www.strobeli.ch/fabian/trading/DJ.png
(Quelle: Matthew Frailey)

Danach könnte der DJ zwar die 10k noch knacken, würde danach aber auf Sicht Dezember/Januar in Richtung 9000 korrigieren. Wir haben hier einen Bärenkeil, der seine Aufläsung nach unten sucht.

Auch der NYSI Index (Index über Advance/Decline der NYSE), der also die Stärke von Bewegungen misst, verheisst nichts gutes:

http://www.strobeli.ch/fabian/trading/NYSI.png
(Quelle: Chip Anderson)

Die Auftriebskraft lässt nach, die EMA's kreuzen sich (das was Chip Anderson als "Whipsaw" bezeichnet). Der Markt hat also bedeutend an Schwung verloren.


Also wie weiter, rauf oder runter?
Eines ist klar: Solange die 9600 beim DJ nicht nachhaltig nach unten durchbrochen sind, dürfen keine bärischen Gefühle aufkommen. Für Bullen ist dies nämlich die Marke, um ihre Longposition aufzustocken. Wiederholt sich die Vergangenheit, dürften die 9600 das Sprungbrett für den Angriff auf die 10'000 sein. Würde irgendwie auch gut ins Weihnachtsgeschäft passen ;)

Ich halte dieses Scenario auf Sicht 1-2 Wochen sogar für wahrscheinlich. Allerdings dürften die 10'000 wohl nicht sehr lange und vor allem nicht nachhaltig durchbrochen werden. Es würde mich interessieren, wieviele Verkaufsaufträge bei 10'000 Punkten existieren. Das dürfte eine dicke Barriere sein!

Aus fundamentaler Sicht gibt es kaum Argumente, die für eine Fortsetzung der Bärenmarktrally sprechen. Hedonistisch verfälschte Daten und extremer Optimismus mögen den Markt psychologisch noch ein Weilchen oben halten aber die knallharten "Facts" sprechen eine andere Sprache:

1. Aktienbewertung
Nach wie vor sind die Börsen (vor allem in den USA) hoffnungslos überbewertet. Beim SP500 lag das KGV Ende Oktober bei 28.5, die Dividendenrendite bei 1.68% (Quelle: Zeal Newsletter). Somit befinden wir uns wieder auf Bubble-Niveau von 1929.


2. Geldmenge
Die Geldmenge M3 nimmt bedenklich stark ab:

« Die Fed ist dabei, ihre Schlacht zu verlieren », stellt der Börsenbrief Elliott Wave Financial Forecast fest und weist daraufhin, dass die M3 Geldmengenzahlen regelrecht zusammengebrochen sind. Obwohl bei der Fed die Notenpressen heisslaufen und sie die Märkte mit Liquidität überschüttet, sind die Commercial und Industrial Loans seit 2000 im freien Fall. Es wird eine Deflation befürchtet mit den entsprechenden schrecklichen Folgen für die Wirtschaft und die Märkte. Seit einigen Monaten werden nur noch zwei Arten von Krediten vom Bankensektor abgerufen: Staatskredite, und die letzten Schätzungen gehen von einem Defizit für das laufende Haushaltsjahr von über 600 Mrd. Dollar aus, sowie Verbraucherkredite, die entweder direkt in den Konsum gehen oder in den Aktienmarkt (margin debt) und in Immobilienmarkt. Letztere befinden sich nach allen fundamentalen Bewertungskriterien im Zustand einer gefährlichen Blase.

Roland Leuschel: Quelle (http://nachrichten.boerse.de/anzeige.php3?id=742bc95a)


Hier eine Grafik aus http://www.zealllc.com/2003/m3spx.htm
http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal110703A.gif

Wir sehen hier, dass die MA50 (50 Tage = 10 Wochen; rote Kurve) im Moment bei -1.3% steht. Ein Negativwert, der in den letzten 10 Jahren nie erreicht wurde.

Erklärungsversuch: Amerika ist übersättigt. Die Konsumenten - von denen wie bekannt - 70% der Wirtschaft abhängt, haben bereits alles. Normalerweise brechen während einer Rezession die Autoverkäufe ein. Logisch, denn wer knapp bei Kasse ist und um seinen Job fürchtet, fährt die alte Karre halt noch ein paar Jahre. Entsprechend hoch ist der Nachholbedarf nach Ende der Rezession und alle alten Autos werden ersetzt, was entsprechend den Konsum und die Wirtschaft beflügelt.
Dank Null%-Leasings wurden aber auch 2001/02 Autos in gleichem Masse verkauft wie in den Jahren zuvor. Ergo besteht kein Nachholbedarf.

Somit werden die Kredite nicht aufgestockt, es erfolgt keine Konsumsteigerung und kein Wirtschaftsboom, die Industrie ist zurückhaltend mit Investitionen, Geld zirkuliert langsamer --> Die Geldmenge M3 ist rückläufig.

Kredite sind in erster Linie dazu gedacht, Investitionen von Firmen zu finanzieren, damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Nun, bei einer Auslastung der Industrie von nur 75% besteht hierzu kein Anlass. Also bleiben die Investitionen aus und die Kredite werden zweckentfremdet eingesetzt:
* Rüstungsausgaben und Haushaltsdefizit des Staates
* Privater Konsum inklusive Immobilien-Refinanzierung

Beides ist dazu angetan, für eine gewisse Zeit (vielleicht ein Jahr) die Wirtschaft auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten aber kein einziges Problem wird damit auf Dauer gelöst.

Geld muss zirkulieren:
A verdient $1000, kauft dafür Waren von B, der das Geld auf die Bank bringt,
C nimmt einen Kredit bei der Bank auf, um Waren bei D zu kaufen etc.

Dieselben $1000, die A anfangs verdient haben, können innert einer Woche 10 mal den Besitzer wechseln und somit eine hohe "Geschwindigkeit" des Geldumlaufes erzielen.
Gelder, die in Rüstung gesteckt werden oder in Schuldenaufbau gehen der Geldmenge M3 verloren. Da kann Alan Greenspan die Druckerpresse laufen lassen, bis Montana keine Bäume mehr hat und die Geldmenge (M1) erhöhen soviel er will. Wenn keiner mit dem Geld etwas sinnvolles anfangen will, ist es für die Katz.


Fazit: Aktienmarkt
Überbewertung der Börsen, nachlassende Kauflust der Konsumenten, Investitionsfaulheit der Unternehmen und Schuldenberge an allen Ecken und Enden lassen mittel- bis langfristig nichts Gutes erwarten.

Kurzfristig ist die Stimmung zwar noch optimistisch, aber auch bei der Psychologie sind bereits erste Wolken am Himmel erkennbar.

So haben vorletzten Freitag weder die ausgezeichneten Arbeitsmarktdaten noch gute Unternehmensgewinne dem Dow in den grünen Bereich geholfen. Wir haben uns bereits derart daran gewöhnt, dass optimistische Erwartungen noch übertroffen werden, dass wir auf positive Nachrichten nicht mehr reagieren.
Noch vor einem halben Jahr war das anders: Die Befreiung von Jessica Lynch hat den DJ gute 150 Punkte nach oben katapultiert. Und hätte man damals Saddams Hund gefunden, wäre der ebenfalls gut genug gewesen, um die amerikanischen Börsen um ein paar Milliarden Dollar aufzuwerten.

Die Euphorie neigt sich dem Ende. Ich werde in den nächsten Tagen die Börsenkommentare sehr gut verfolgen. Dabei interessiert mich weniger, was geschrieben wird, sondern wie es geschrieben wird. Werden schlechte Nachrichten endlich veröffentlicht oder weiterhin todgeschwiegen?

Bis jetzt konnten schlechte Nachrichten die Börsen noch nicht zu einer Korrektur nach unten bewegen. Doch das wird sich ändern. Wenn eine schlechte Nachricht mal für DJ minus 50-100 Punkte sorgt, dürfte das der richtige Einstiegspunkt für Short-Positionen sein.



Währungen

Wenn wir über Währungen sprechen, müssen wir den Dollar betrachten, denn als Leitwährung ist er am wichtigsten. Die anhaltende Dollarschwäche ist bereits seit über einem Jahr in aller Munde und wird in Syracus' USD-Crashindex Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=9420) ausführlich diskutiert und dokumentiert.

http://quotes.ino.com/chart/history.gif?s=NYBOT_DXY0&t=f&w=15&a=50&v=d6

Der Dollar durfte sich von seinem September/Oktober-Crash Anfang November ein bisschen erholen und führt seinen Crash nun langfristig fort.

Die fundamentalen Gründe für den Dollar-Bären liegen auf dem Tisch und können wie gesagt im USD-Crashindex Thread (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=9420) nachgelesen werden.

Ich möchte deshalb nur auf eine Diskussion eingehen, die wir im Borsalino-Forum in den letzten Wochen geführt haben. Es geht um die Frage: Ist ein schwacher Dollar gut oder schlecht für den Dow Jones?

Meiner Meinung nach gilt die Aussage:
starker Dow = starker Dollar
Begründung: Wenn es der US-Wirtschaft gut geht, zieht das mehr ausländische Investoren nach Amerika. Deshalb wird der Dollar stärker nachgefragt.

Gegenargument zu starker Dow = schwacher Dollar: Wenn der Dollar sinkt, werden US-Aktien für ausländische Investoren billiger.

Hierzu folgende Grafik von Adam Hamilton, Zeal (http://www.zealllc.com/2003/usdbear2.htm)

http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal111403A.gif

Wir sehen hier sehr schön, wie parallel sich SP500 und Dollar bis März 2003 verhalten haben. Seither bilden sie eine Schere.

Warum? Die Antwort habe ich in oben erwähntem Artikel von ZealLLC gefunden (http://www.zealllc.com/2003/usdbear2.htm). Hier die kurze Zusammenfassung:

Die Logik, wie sie auch in der Vergangenheit bestätigt wird, lautet: Starker Dow zieht ausl. Investoren an.
Nun haben wir eine Situation, in der der DJ steigt, ohne dass Ausländer in die USA gelockt werden. Als Grund vermutet Hamilton, dass die Ausländer das amerikanische Spiel durchschaut haben, Wirtschaftsdaten und Statistiken zu - sagen wir mal - "verschönern".

In der Tat gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem Verlauf des Dollars und den realen Zinsen in den USA (Reale Zinsen = Rendite der 1yr Bonds minus Teuerung).

Liegen die realen Zinsen unter Null, bedeutet dies nichts anderes, als dass die Inflation die Renditen auffrisst. Eine gute Zeit für Häuslebauer und Schuldner aber schlecht für Sparer.

http://www.zealllc.com/graphs2003/Zeal111403B.gif

Derzeit liegt der Reale Zins bei etwa -1.1%.

Was tut nun ein Sparer, der sein Vermögen zumindest stabil halten möchte? Richtig: Er investiert in Gold. Gold garantiert ihm zumindest eine Werterhaltung seines Vermögens. Da in Zeiten negativer realer Zinsen aber alle Kapitalisten ähnlich reagieren, entsteht ein Kaufdruck auf Gold und der Goldpreis schiesst in die Höhe.


Schlussfolgerungen

Kurzfristig können die Börsen noch steigen. DJ 10'000 liegen noch drin, obschon die Kraft des Anstieges stark nachgelassen hat und die Psychologie langsam dreht.
Gold dürfte kurzfristig ebenfalls noch steigen. Eine grössere Korrektur wird zwar langsam fällig aber damit rechne ich erst im Januar.

Mittel- und langfristig stehen die Zeichen auf Sturm. Sowohl für die Börsen als auch für den Dollar. Letzterer mag sich zwar vom heftigen Crash der letzten Wochen etwas erholen oder eine Weile seitwärts tendieren aber fundamental gibt es nichts, was für einen starken Dollar spricht. Dasselbe gilt auch für die Börsen, nur hat es sich dort noch nicht herumgesprochen.

Stellt sich noch die Frage nach der Grössenordnung eines Börsenabschwungs.

* Als Minimalziel kann man die 10% Korrektur auf 9000 annehmen, wie sie oben im Chart von Matthew Frailey (Bärenkeil) eingezeichnet ist.
* Andere - wie unser Germanasti - rechnen mit einer langen Seitwärtsbewegung, gestützt durch Massnahmen des FED.
* Ich persönlich glaube eher, dass sich da was ganz bitterböses zusammenbraut. In den USA hängen mehrere Blasen wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft:
- Immobilien,
- Derivate,
- Schulden,
- Unterdeckung Pensionskassen
- Überbewertung Aktien
die alle platzen können.

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass eine dieser Blasen alleine platzen wird. Wenn schon, dann wird die erste Blase alle anderen ebenfalls zum Platzen bringen. Teufelkreis, Kettenreaktion - wie immer man das nennen mag.

Strategie

Derzeit Long in Gold. Ich plane den Ausstieg oberhalb $400-410

Short-Positionen in Indizes habe ich derzeit noch keine, halte aber Cash bereit. Ich warte auf ein Drehen der Psychologie und den nachhaltigen Durchbruch der GD50 nach unten.
Taktisch werde ich jeweils kurzfristig short gehen, wenn mal wieder ein Jahreshoch erreicht wurde.


Schönes Wochenende ;)

Marcus

Gast_B
15.11.2003, 17:54
Wow mfabian, ich bin total begeistert :eek:

lupo
15.11.2003, 18:03
sehr schön ins ganze gebracht marcus, danke :D :rolleyes: :)

Kosto8
15.11.2003, 19:45
:supi

paule2
15.11.2003, 19:49
Gegenargument zu starker Dow = schwacher Dollar: Wenn der Dollar sinkt, werden US-Aktien für ausländische Investoren billiger.


Quatsch!

Die Gewinne der Firmen sinken im gleichen Maße!

Da ausländische Investoren in großem Maße in den USA investiert sind, ging ein großer Teil der Erholung am nichtamerikanischen Anleger vorbei. Seit 2001 fiel der amerikanische Markt in Euro und Yen deutlich stärker als in Dollar.

Sollte der Dollar weiter nachgeben, dann kann das durchaus bewirken, daß ausländische Anleger die Reißleine ziehen. Dies wird passieren, wenn bei der nächsten Schwächephase die europäischen und asiatischen Indizes währungsbereinigt besser als der US-Markt laufen werden.

In Dollar steht der DAX inzwischen bei fast 4.500 Punkten, in Euro der DOW bei 8.300.

Mitte 2001 stand der DAX in Dollar bei ca. 5.300 Punkten, währen der DOW in Euro bei über 13.000 Punkten stand.

Das ist auch mal eine interessante Art, die Märkte zu betrachten.


;)


Ansonsten ein guter Beitrag, wenn mir auch ein wenig zu viel auf Charttechnik aufgebaut.

mfabian
15.11.2003, 21:23
N'abend allerseits ;)

Zunächst mal möchte ich mich für die überraschend positiven Reaktionen bedanken.

Überraschend deshalb, weil ich in Tat und Wahrheit nichts geschrieben habe, was nicht in der einen oder anderen Form hier auf SCN (und sei's auch nur als Link) bereits gepostet wurde.

Meine "Leistung" - wenn man das so nennen will, - besteht also höchstens darin, den ganzen Datenwust zu sichten und in einfacher deutscher Sprache zu posten.

Es war übrigens Optim3, der mich dazu ermutigt hat.

Und die Erkenntnis, dass trotz schlechter Fundamentaldaten die Börsen Psychologie-gesteuert dennoch nach oben laufen können stammt von Kosto8.

Wenn wir schon bei den Danksagungen sind, bedürfen auch Germanasti - von dem ich schon viel lernen durfte - sowohl mein alter Mentor Syracus der Erwähnung.

Also bedankt Euch auch bei diesen vier, denn ohne die gäb's dieses Posting wohl nicht.

So, genug der Dankesreden, kommen wir zurück zur Börse:


Original geschrieben von paule2
Quatsch! (RE: schwacher Dollar = starker Dow)

Die Gewinne der Firmen sinken im gleichen Maße!

Da ausländische Investoren in großem Maße in den USA investiert sind, ging ein großer Teil der Erholung am nichtamerikanischen Anleger vorbei. Seit 2001 fiel der amerikanische Markt in Euro und Yen deutlich stärker als in Dollar.


Yep, ganz meine Meinung. Aber ich sehe meine Aufgabe auch darin, allfällige Gegenargument auf den Tisch zu legen. In der Hoffnung natürlich, dass dies die Diskussion anheizt.

Da sich dieses (also das obenstehende #1 Posting) teilweise auf eine Diskussion des Borsalino-Forums bezieht, die ich jetzt auf SCN umgebeamt habe, halte ich es für angemessen, die alten Postings von Borsalino hier nochmals auszugsweise zu zitieren:

Anmerkung: Wie hier auf SCN Veterinari ist Borsalino-User Lancelot Engländer und sein Deutsch deshalb grammatikalisch nicht 100%ig perfekt. Nichts desto Trotz lasse ich den Wortlaut unkorrigiert.


Thema:
Wirtschaftswunder in Amerika durch Zahlenfälschun (4 von 10), 75 mal gelesen

Von:
Lancelot

Datum:
Dienstag, 11. November 2003 14:03:37


Marcus, kannst du mir erklären bitte, wo in deiner Marktanalyse gibt es die Wechselkurswirkung. Mit anderen Wörten, willst du wirklich sagen, dass der DOW zu hoch gestiegen ist, auch wenn gleichzeitig der Dollar 20% gefallen ist? Bei einem schwachen Währung müsste man auch an der Börse höhere Preisen haben, nicht wahr?

Gruss, Lancelot





Thema:
Wirtschaftswunder in Amerika durch Zahlenfälschun (5 von 10), 72 mal gelesen

Von:
MarcusFabian

Datum:
Dienstag, 11. November 2003 14:53:22


Am 11.11.2003 14:03:37, hat Lancelot geschrieben:
>Bei einer schwachen Währung müsste man auch an der Börse höhere Preise haben, nicht wahr?>

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Eine starke Wirtschaft bedeutet starke Währung und zugleich auch eine starke Börse. Tatsächlich haben sich über die letzten 10 Jahre DJ und Dollar parallel bewegt.

Dass dies seit etwa einem halben Jahr nicht mehr der Fall ist, also Dollar/DJ nicht mehr parallel sondern entgegengesetzt laufen, liegt an der Inflation. Die Geldmenge wird erhöht (Dollars werden gedruckt) wodurch der Wert des Dollars sinkt. Gleichzeitig wurde aber ein Teil dieses neu gedruckten Geldes dazu verwendet, Aktien zu kaufen und somit den DJ in die Höhe zu treiben.

Die Divergenz zwischen DJ und Dollar, die wir im Moment haben, ist eigentlich falch. Entweder muss der Dollar steigen oder der DJ fallen, damit wieder alles im Lot ist. Wir können nun natürlich würfeln, welches Ereignis zuerst eintreten wird.

Ich meine, der DJ wird fallen, denn ein Anstieg des Dollars ist wegen der Gelddruckerei und der Schuldenlage in den USA nicht begründbar.

Marcus




Thema:
Wirtschaftswunder in Amerika durch Zahlenfälschun (6 von 10), 64 mal gelesen

Von:
Lancelot

Datum:
Dienstag, 11. November 2003 15:53:54


Marcus schreibt:

"Die Geldmenge wird erhöht (Dollars werden gedruckt) wodurch der Wert des Dollars sinkt. Gleichzeitig wurde aber ein Teil dieses neu gedruckten Geldes dazu verwendet, Aktien zu kaufen und somit den DJ in die Höhe zu treiben.
Die Divergenz zwischen DJ und Dollar, die wir im Moment haben, ist eigentlich falch. Entweder muss der Dollar steigen oder der DJ fallen, damit wieder alles im Lot ist."

Dass der Dollar steigt können wir vergessen. Deine Logik, wobei mit einem Dollarflut und mindestens einer Aussicht auf Wirtschaftswachstum, einfach tendenziell die Börse fallen muss, verstehe ich nicht.

Ich sage nicht, dass der DJ nicht fallen wird. Ich will nur das Mechanismus verstehen. Ich meine, wenn der DJ nicht gestiegen wäre, wären die amerikanische Aktien jetzt sehr billig. Der heutiger Stand von 9750 weniger 20% Geldabwertung gleich 7800. Angenommen, der realer Wert der Firmen nicht geändert hat.

Gruss, Lancelot




Thema:
Wirtschaftswunder in Amerika durch Zahlenfälschun (7 von 10), 59 mal gelesen

Von:
MarcusFabian

Datum:
Dienstag, 11. November 2003 17:56:25


Am 11.11.2003 15:53:54, hat Lancelot geschrieben:
>Deine Logik, wobei mit einem Dollarflut und mindestens einer Aussicht auf Wirtschaftswachstum, einfach tendenziell die Börse fallen muss, verstehe ich nicht.<

Frage: Was passiert, wenn der Dollar schwächer wird?

Antwort: Ausländische Investoren ziehen sich aus Dollar-Investments zurück bzw. sind nur noch dann bereit, in den USA zu investieren, wenn die Zinsen so hoch sind, dass der Währungsverlust ausgeglichen wird.

Nun gut, dieses Jahr ist der DJ um 45% gestiegen, sodass ein Währungsverlust durch die Wertsteigerung wettgemacht wurde. Aber das kann sich schnell ändern, wenn der DJ stagniert und der Dollar weiter fällt.


>Ich meine, wenn der DJ nicht gestiegen wäre, wären die amerikanische Aktien jetzt sehr billig. Der heutiger Stand von 9750 weniger 20%
Geldabwertung gleich 7800.<

Mit dieser Aussage bin ich aus mehreren Gründen nicht einverstanden:

1. Nicht nur der Dollar hat an Wert verloren, auch Euro, Yen, CHF etc.

2. Dividenden werden ebenfalls im schwächeren Dollar ausgezahlt. Wenn der Dollar also abwertet, wird die Aktie in CHF billiger aber in gleichem Umfang nimmt auch die Dividende in CHF ab.

3. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist der Dollar erst unterhalb von 5550 Punkten billig.

Aber grundsätzlich ist Deine Idee interessant. Wie sieht der DJ-Verlauf in Euro oder CHF aus?

Dazu später mehr.

Zunächst müssen wir folgendes Festhalten:
a) Die Börse ist ein Spiegel der Wirtschaft (theoretisch und langfristig zumindest).
b) Die Währung ist ein Spiegel der Wirtschaft.

Daraus ergibt sich, dass Börse und Währung parallel zur Wirtschaft und somit parallel zu einander laufen sollten. Dies natürlich unter der Voraussetzung, dass sich die Geldmenge parallel zum BIP entwickelt (was - wie wir wissen - seit 1995 nicht mehr der Fall ist).

Am stablisten sind Währungen, die noch eine starke Goldbindung haben bzw. deren Staatsbanken über entsprechend hohe Goldreserven verfügen.

Die stabliste aller Währungen ist Gold.

So, und jetzt zurück zu Deiner Idee: Wie sieht der DJ-Verlauf aus, wenn man ihn nicht in Dollar, Euro oder CHF bewertet sondern in Gold?

Siehe: http://stockcharts.com/def/servlet/SC.web?c=$INDU:$GOLD,uu[l,a]waclyyay[p][vc60][i]&pref=G
(sorry, stockcharts lassen sich nicht grafisch einbinden).

Hier sehen wir ein Hoch Ende Juli, wo man etwa 27oz Gold aufwenden musste, um den DJ "zu kaufen". Seither läuft der DJ seitwärts. Die Höchststände, die wir also seither erlebt haben, haben nichts mit der Stärke des DJ zu tun sondern sind auf die Abwertung des in Dollar gerechneten DJ zurückzuführen.

Hier also ein Paradoxon: Einerseits müssten sich DJ und Dollar parallel zueinander und zur Wirtschaft bewegen. Andererseits führt eine Dollarabwertung zu einem nominellen Anstieg des in DJ gemessenen Dollar.

Der Grund liegt eben darin, dass der Dollar nicht Schwäche zeigt, weil es der US-Wirtschaft schlechter geht sondern weil er wie wild gedruckt wird.

Ich kann das an einem Extrembeispiel verdeutlichen:
Angenommen, der DJ steht bei $10000 oder 25oz Gold à $400
Nun wird der Dollar über Nacht um 50% abgewertet.
Der DJ kostet nun immer noch 25 oz Gold allerdings zu einem Goldpreis von $800/oz.
Nominell steht der Dollar nun bei $20'000 !!!

Natürlich nicht für lange, denn bei einer Währungsabwertung diesen Ausmassen würden sich Ausländer panikartig aus dem US-Markt verabschieden.

Marcus



Thema:
Wirtschaftswunder in Amerika durch Zahlenfälschun (8 von 10), 54 mal gelesen

Von:
Lancelot

Datum:
Mittwoch, 12. November 2003 09:19:07


Danke Marcus für deine (wieder) ausführliche Antwort. Ich verstehe jetzt deine Argumentation teilweise ein wenig besser. Über das mit dem Zins und Gold bin ich aber nicht so sicher, dass es relevant ist.

Ich meine immerhin, wenn die Amerikaner mehr Geld zu verfügen haben und sie meinen, dass der DJ steigen wird, investieren sie im DJ einfach. Der FED hat's ermöglicht.

Es ist wahrscheinlich so, dass ausländische Investoren jetzt nicht viel im DJ investieren, weil sie meinen, dass der Dollar fallen wird bzw. die Kürse übertrieben sind. Dass heisst aber nicht, dass sie ihre Aktien verkaufen. Ich bin so einer - ich halte meine amerikanische Aktien aber ich kaufe keine mehr. Die einheimische dürfen aber ohne mich die Kürse auftreiben. Sie sehen die Abwertung vom Dollar eben nicht. Mit dem Goldpreis machen sie auch keinen Vergleich. So kompliziert sind sie nicht.

Gruss, Lancelot




Thema:
Wirtschaftswunder in Amerika durch Zahlenfälschun (9 von 10), 44 mal gelesen

Von:
MarcusFabian

Datum:
Mittwoch, 12. November 2003 12:09:45


Hi Lancelot,

Das Problem ist derzeit, dass Anleger nicht mehr auf den Wert von Aktien achten (also KGV, Dividendenrendite) sondern lediglich auf Steigerung des Aktienpreises achten (greater fool theory).

Hierzu folgendes Zitat:

"Once stock prices reach the point at which it is hard to value them by any logical methodology, stocks will be bought as they were in the late 1920s – not for investment, but to be unloaded at a still higher price. The ensuing break could be disastrous because panic psychology cannot be summarily altered or reversed by easy-money policies."

--Alan Greenspan, 1959


Es wird sehr bald der Zeitpunkt kommen, wo der DJ sinken wird und ausländische Investoren nicht nur am Aktienwert verlieren sondern zugleich noch Währungsverluste einstecken werden. Das dürfte dann der Beginn einer Flucht aus US-Aktien sein.

Allerdings dürfte das kaum eine Panik auslösen, denn die Ausländer sind in erster Linie am Bond-Markt investiert, nicht am Aktienmarkt.

Hier noch ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag zur Frage, wie die USA ihre Schulden loswerden können:

All Congress has to do is do two ridiculous things. The first
one is to order the Treasury to print up $10 trillion in cash
and simply buy up all the Treasury debt. It's a simple as
that. At the end of the day, we will have no sovereign debt.
Zero! Zip! And we will have about $3 trillion left over after
doing it! And we can use the money to fully fund Social
Security! And Medicare! And Medicaid! And full prescription-
drug benefits for everybody!

And for the private debt in this country, simply let everybody
declare a special bankruptcy, which I suggest they call
Jubilee Bankruptcy, and pass a new tax law that says you can
claim a juicy Tax Credit for every dime that went bad because
the guy you loaned it to went bankrupt in the big Jubilee! And
then Congress can just print more money to send everybody
their tax refund checks! Suddenly, no more consumer debt! We
have wiped all of the slates clean, and are ready to start
again!

I mean, if you are going to have a fiat currency, then how
come we aren't enjoying the fruits of it? If not, then what is
the point of even HAVING a fiat currency if you are not busy
having fun with it, by destroying it by printing up too much
of it? As Richard Benson of Bensons' Economic Trends says, "A
few months' growth can be purchased if the authorities are
willing to pay any price."

The Mogambo Guru
Quelle: http://www.dailyreckoning.com/


Das Beispiel ist übertrieben, aber im Prinzip geschieht genau dies zur Zeit. Einfach auf Raten und fast unbemerkt um eine Panik zu verhindern.

Marcus





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@Paule2: Das mit "Chartlastig" sehe ich auch so. Ich selbst bin kein Freund der Charttechnik (mehr). Allerdings stecke ich da in einem Dilemma:

Als Informatiker bin ich recht gut in der Lage, mir die mathematischen Formeln, die hinter den Chart-Indikatoren stecken, plastisch vorzustellen. Dabei ist einfach zu erkennen, dass Charttechnik eigentlich Quatsch ist.

Auf der anderen Seite jedoch ist es so, dass Millionen von Tradern weltweit dasselbe Chart-Bild vor der Nase haben. Mit denselben Support- und Resistance-Linien und entsprechend ihre Buy/Sell-Orders in der Nähe dieser Pivots eingeben. Insofern wird Charttechnik zur "selbsterfüllenden Prophezeihung", weil dann tatsächlich bei diesen Pivots die Orders ausgelöst werden und eine Trendwende einläuten.

Also, was soll man tun?

Ich habe für mich das Problem wie folgt gelöst: Ich trade nur noch dann, wenn fundamentale Überlegungen mit charttechnischen in dieselbe Richtung zeigen:

Es mag vielleicht profitabel sein, bei DJ=9600 im DJ long zu gehen. Aber da ich aus fundamentalen Erkenntnissen weiss, dass der DJ einen inneren Wert von 5550 hat, hätte ich ein schlechtes Gefühl dabei, im DJ long zu gehen. Also verzichte ich.

Wenn aber der DJ bei 10000 ein neues Hoch massakriert und Slow Stoch ganz oben ist, dann fühle ich mich wohl dabei, short zu gehen., denn ich weiss, dass sowohl die fundamentals als auch die Charttechnik in dieselbe Richtung zeigen.

Deshalb beachte ich weiterhin die Charttechnik, auch wenn sie - für sich genommen - keine Trading-Entscheide ermöglicht.

Marcus

Schwarzseher
16.11.2003, 18:54
Vielleicht sollte man deine These doch auch in betracht ziehen!Obwohl ich trotz meinen Nicknamen nicht so ein Pessimist bin wie du. ;)

Gruss Schwarzseher


PS.Wünsche dir Glück mit deinem Schweizer-Forum :)

Gast_B
20.11.2003, 22:42
hoch damit :)