Vollständige Version anzeigen : Inflation, Deflation und Geldmenge. BIP wachstum
Japans Geldmenge explodiert nicht minder als die der USA.
Das Geldmengenwachstum allgemein ist weltweit ordentlich und häufig über dem BIP Wachstum.
In den USA Allerdings haben wir de facto eine hohe Inflation.
Ist es die Geldumlaufgeschwindigkeit, dass es aufgrund o.g. Faktoren nicht unbedingt zu einer Inflation kommen muss ?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Geldumlaufgeschwindigkeit und Geldhortung ?
Warum also hat Japan keine Inflation ?
Oder kommt sie noch ?
Mercator
23.11.2003, 17:58
Gute Frage!! Keine Antwort. :(
Die Kommentare, die häufig zum Thema Geldmenge zu hören sind, solltest Du nicht auf die Goldwaage legen. Die Geldmengenthematik ist derart kompliziert, dass eine schlüssige Erklärung welcher Effekt zu welchem Ergebnis führt, nobelpreiswürdig wäre.
Der stark vereinfachte Zusammenhang ist, dass bei stark steigender Geldmenge, das Überangebot von Geld auf den Warenmärkten zu steigenden Preisen führt. Was passiert aber, wenn das Geld gar nicht auf den Warenmärkten ankommt, sondern auf den Finanzmärkten hängen bleibt, z.B. in Form überbewerteter Aktien- und Anleihenmärkte? Dann ist die Inflation niedrig, obwohl die Geldmenge stark steigt.
Wann eine höhere Geldmenge inflationssteigernd wirkt und wann nicht, kann keiner schlüssig erklären.
Japan ist in dieser Beziehung ein Paradebeispiel. Die Japaner betreiben seit Jahren eine Kamikaze-Geldpolitik. Die Geldmenge steigt rasant und trotzdem verharrt die Wirtschaft in Deflation.
Sicher ist aber, dass eine Geldmenge, die über längere Zeit stärker steigt als die das nominelle Bruttosozialprodukt ein Ungleichgewicht darstellt, dass irgendwann zu einem mehr oder minder schmerhaften Anpassungsprozess führen muss.
Wann steigenden Geldmenge zu Inflation führt, ist sicher schwer vorherzusagen.
Leicht erklären lässt sich jedoch der Fall Japan. Da dort bereits eine Deflation vorhanden ist, lässt sich diese nicht mehr nur durch neues Geld bekämpfen, egal ob es zu niedrigen Leitzinssätzen ausgegeben wird oder vom Hubschrauber abgeworfen wird.
Die Leute sind gewohnt, dass die Preise fallen, d.h. sie werden immer dazu tendieren, nicht-dringliche Investitionen auf später zu verschieben. Wenn sie dann irgendwo zusätzliches Geld erhalten, lagern sie es einfach unterm Kopfkissen oder unter der Bank. Eine so festgefahrene Defaltion könnte man nur durch einen negativen Zins (Geldsteuer) bekämpfen. Von einer importierten Inflation durch steigen Rohstoffpreise sei hier mal abgesehen.
Inflation lässt sich durch steigende Zinsen bekämpften, weil die Leute ihr Geld wieder sparen, wenn man ihnen nur genug Zinsen anbietet.
Das Gegenstück bei der Deflation wäre eben ein negativer Zins, der die Leute zwingt, dass Geld auszugeben.
Dies ist denke ich eine recht schlüssige Erklärung warum es in Japan trotz steigender Geldmenge nicht zu Inflation kommt.
Ob es in den USA eher Deflation oder Inflation geben wird, kann ich auch nicht sagen.
In Deutschland erleben wir meiner Meinung nach gerade folgendes:
langlebige Gebrauchsgüter (Autos, Küchenausstattung etc.): Deflation
Steuern, Gebühren, Abgaben: Inflation
Nahrungsmittel: Inflation
Energiepreise, Rohstoffe: Inflation
charly-pappa
11.03.2004, 17:19
Hier sind wir... an einem wirtschaftspsychologischen fast unlösbaren Problem.
Wie oben richtig erkannt, wird alleine schon die Erwartung einer defl. bzw. infl. diese automatisch hervorrufen.
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