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Christian
03.11.2000, 17:35
Droht der "Förtsch-Crash"?

Ein Horrorszenario entwirft das Wirtschaftsmagazin Focus Money in seiner aktuellen Ausgabe. In Zusammenhang mit den Vorwürfen des Insiderhandels gegen den Herausgeber des Börsenblatts "Der Aktionär" und Fondsberater Bernd Förtsch wird die Befürchtung geäußert, Anleger könnten ihre Gelder aus den entsprechenden Fonds (immerhin rund drei Mrd DEM) abziehen, sollte Förtsch den Anschuldigungen nicht entschieden entgegentreten.

Würde dies in großem Umfang geschehen, könnten die Fonds gezwungen sein, ihre Positionen zu reduzieren. Droht also ein "Förtsch-Crash" am Neuen Markt? Immerhin sind die Fonds des fränkischen Börsengurus zum Teil in kleinere, marktenge Titel investiert, bei denen schon mittelgroße Orders genügen, um die Kurse kräftig unter Druck zu bringen.

Dankenswerter Weise hat "Focus Money" jedoch die wichtigsten Werte der beiden größten Förtsch-Fonds, dem DAC-Fonds UI und den DAC-Kontrast-Universal, aufgelistet. Betrachtet man sich die Positionen im Einzelnen, dann entpuppen sich die "Focus"-Befürchtungen schnell als heiße Luft. Den DAC-Fonds-UI kann man gleich abhaken. Grund: Hier sind nur US-Biotechs enthalten, die in Anbetracht ihrer hohen Marktkapitalisierung und der großen Handelsvolumina kaum auf ein paar Verkäufe aus "good old Germany" reagieren werden. Auch bei dem zweiten Fonds ist die Biotechnologie aus Übersee nicht gerade schwach vertreten.

Freilich stellt hier mit D. Logistics ein Neuer-Markt-Titel die größte Position dar. Doch Anlass zum Trübsalblasen oder gar zum Ausstieg aus dem Logistic-High-Flyer gibt es keinen. Denn D.Logistics ist auch in anderen Neuer-Markt-Fonds stark vertreten. Sollte der Titel wirklich unter Druck kommen, dürften diese mit Stützungskäufen eingreifen. Der Anleger profitiert hier von einem Grundzug der Anlagepolitik von Förtsch. Betrachtet man sich nämlich seine Biotechnologiefavoriten, dann fällt auf, dass diese auch in anderen, langjährig erfolgreichen Biotechfonds gut gewichtet sind - kein Wunder, dürfte Ex-Buchhalter Förtsch auf dem selbst für Mediziner schwierigen Gebiet der Biotechnologie doch eher ein Laie sein. Auch Förtschs übrige NM-Favoriten wie ComRoad oder Medigene erfreuen sich der Beliebtheit der Profis, so dass sich bei ihnen das Restrisiko ebenfalls in Grenzen halten dürfte. Anleger sollte sich daher nicht kirre machen lassen und mit Gelassenheit den Fortgang des Falls Förtsch verfolgen.


So long

Chris

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