Tabea
23.08.2004, 15:57
Aus "Hier schreibt Harald Schmidt":
„Darf man fragen, wo der Herr die Nacht verbracht hat?“ – „Im Graben.“
Dieser Dialog war bisher nur den Freunden von Becketts Warten auf Godot bekannt. Doch wehe! Nicht fern scheinen die Zeiten, in welchen man sich solcherart auch in der SPD-Zentrale begrüßen wird. Zerlumpt, verarmt, verlassen – sind die Tage unserer stolzen Nationen gezählt? Wem dies zu schwarz gemalt erscheint – bitte: Hartz, die Wespen, die Amis, die Schwimmer! Weitere Beispiele gefällig? Man muss wirklich jeden Deutschen bewundern, der sich in diesen Tagen überhaupt noch aus den Federn erhebt. So er denn noch welche hat (Anne-Will-Diktion). Ganze Regionen betten sich bereits auf Stroh. Ehemalige Zweitwagenbesitzer bedecken ihre ausgemergelten Körper mit mehrfach rechtschreibreformierten Zeitungen. Wird der Gute-Nacht-Kuss in der Gosse die einzige Form von Zärtlichkeit, die sich Neue-Mitte-Wähler bald noch leisten können?
Sicher, Struck is back. Das Comeback („mit Power, ohne Pfeife“) des von einem leichten Schlaganfall genesenen Kabinettstars ist für viele Deutsche ein Grund, die Flinte zumindest vorübergehend noch mal aus dem Korn zu holen.
Wer den sanft gebräunten Rekonvaleszenten auf seiner Sommerreise mit jener fesselnden Mischung aus Jovialität und Sachverstand nicken sah, weiß: Wir können es auch ohne Amis schaffen! Typisch Amis: Jetzt, wo sie unsere Weiber durchhaben, gehen sie! Aus fernen Kindertagen klingt mir noch jenes Volkslied im Ohr: Jede Amihur hot a Armbanduhr, aber onseroiner der hot nix. Wahrscheinlich waren wir für unsere amerikanischen Freunde nie mehr als Vietnamesen mit runden Augen. Geradezu entsetzt darf man sein, wenn der US-Verteidigungsminister Rumsfeld erklärt, er erwarte „keine russischen Panzer in der norddeutschen Tiefebene“. Als treue Verbündete dürfen wir darauf hinweisen: Wir haben damals auch keine amerikanischen Landungsboote in der Normandie erwartet.
„Sind die Tage unserer stolzen Nationen gezählt?“
Im modernen Europa muss man kein ZDF-Olympiareporter sein, um locker den Übergang von der Kanalküste nach Athen zu schaffen. Schließlich lauert am Beckenrand kein schwer bewaffneter Feind, sondern die alterslose Christa Haas. Trägt sie Mitschuld am leicht enttäuschenden Abschneiden unserer Schwimmer, den männlichen und den weiblichen? Wohl kaum, auch wenn ihr sonorer Bariton manchen Athleten vielleicht länger als geplant im Wasser verbleiben ließ. Also was war es dann? Auf folgende Gründe haben die Betreuer bisher urheberrechtlichen Schutz angemeldet: das Wasser, die Beine, der Wind, das Wetter, die Psyche, der Druck, die Medien, der Druck in den Medien, die Erwartung, der Husten, der Schnupfen ... (bitte ergänzen). Verdammt, warum trifft das nur uns? Warum erlauben die Götter, dass sich die Australier eine Medaille nach der anderen umhängen? Habt ihr noch nie einen Film von Mel Gibson gesehen? Oder war das mit Nicole Kidman nicht Lenny Kravitz, sondern wieder Zeus in einer dämlichen Verkleidung?
Nein, wir wollen nicht ungerecht sein. Schließlich ist alles nur eine Frage der Kommunikation. Also nur Mut, Béla Anda! Der schneidige Regierungssprecher, der so aussieht, als würde er gleich für Argentinien im Dressurreiten starten, soll bitte die wichtigsten positiven Nachrichten zügig unters Volk bringen: Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Deutschen, keine Volksstämme auf der Flucht und Malaria in NRW ausgerottet! Und gibt es denn nicht ganz zauberhafte Neuigkeiten aus der Kanzlerfamilie? Doch halt! Die sind nun wirklich privat.
Quelle (http://focus.msn.de/D/DF/DFU/DFU04/dfu04.htm)
„Darf man fragen, wo der Herr die Nacht verbracht hat?“ – „Im Graben.“
Dieser Dialog war bisher nur den Freunden von Becketts Warten auf Godot bekannt. Doch wehe! Nicht fern scheinen die Zeiten, in welchen man sich solcherart auch in der SPD-Zentrale begrüßen wird. Zerlumpt, verarmt, verlassen – sind die Tage unserer stolzen Nationen gezählt? Wem dies zu schwarz gemalt erscheint – bitte: Hartz, die Wespen, die Amis, die Schwimmer! Weitere Beispiele gefällig? Man muss wirklich jeden Deutschen bewundern, der sich in diesen Tagen überhaupt noch aus den Federn erhebt. So er denn noch welche hat (Anne-Will-Diktion). Ganze Regionen betten sich bereits auf Stroh. Ehemalige Zweitwagenbesitzer bedecken ihre ausgemergelten Körper mit mehrfach rechtschreibreformierten Zeitungen. Wird der Gute-Nacht-Kuss in der Gosse die einzige Form von Zärtlichkeit, die sich Neue-Mitte-Wähler bald noch leisten können?
Sicher, Struck is back. Das Comeback („mit Power, ohne Pfeife“) des von einem leichten Schlaganfall genesenen Kabinettstars ist für viele Deutsche ein Grund, die Flinte zumindest vorübergehend noch mal aus dem Korn zu holen.
Wer den sanft gebräunten Rekonvaleszenten auf seiner Sommerreise mit jener fesselnden Mischung aus Jovialität und Sachverstand nicken sah, weiß: Wir können es auch ohne Amis schaffen! Typisch Amis: Jetzt, wo sie unsere Weiber durchhaben, gehen sie! Aus fernen Kindertagen klingt mir noch jenes Volkslied im Ohr: Jede Amihur hot a Armbanduhr, aber onseroiner der hot nix. Wahrscheinlich waren wir für unsere amerikanischen Freunde nie mehr als Vietnamesen mit runden Augen. Geradezu entsetzt darf man sein, wenn der US-Verteidigungsminister Rumsfeld erklärt, er erwarte „keine russischen Panzer in der norddeutschen Tiefebene“. Als treue Verbündete dürfen wir darauf hinweisen: Wir haben damals auch keine amerikanischen Landungsboote in der Normandie erwartet.
„Sind die Tage unserer stolzen Nationen gezählt?“
Im modernen Europa muss man kein ZDF-Olympiareporter sein, um locker den Übergang von der Kanalküste nach Athen zu schaffen. Schließlich lauert am Beckenrand kein schwer bewaffneter Feind, sondern die alterslose Christa Haas. Trägt sie Mitschuld am leicht enttäuschenden Abschneiden unserer Schwimmer, den männlichen und den weiblichen? Wohl kaum, auch wenn ihr sonorer Bariton manchen Athleten vielleicht länger als geplant im Wasser verbleiben ließ. Also was war es dann? Auf folgende Gründe haben die Betreuer bisher urheberrechtlichen Schutz angemeldet: das Wasser, die Beine, der Wind, das Wetter, die Psyche, der Druck, die Medien, der Druck in den Medien, die Erwartung, der Husten, der Schnupfen ... (bitte ergänzen). Verdammt, warum trifft das nur uns? Warum erlauben die Götter, dass sich die Australier eine Medaille nach der anderen umhängen? Habt ihr noch nie einen Film von Mel Gibson gesehen? Oder war das mit Nicole Kidman nicht Lenny Kravitz, sondern wieder Zeus in einer dämlichen Verkleidung?
Nein, wir wollen nicht ungerecht sein. Schließlich ist alles nur eine Frage der Kommunikation. Also nur Mut, Béla Anda! Der schneidige Regierungssprecher, der so aussieht, als würde er gleich für Argentinien im Dressurreiten starten, soll bitte die wichtigsten positiven Nachrichten zügig unters Volk bringen: Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Deutschen, keine Volksstämme auf der Flucht und Malaria in NRW ausgerottet! Und gibt es denn nicht ganz zauberhafte Neuigkeiten aus der Kanzlerfamilie? Doch halt! Die sind nun wirklich privat.
Quelle (http://focus.msn.de/D/DF/DFU/DFU04/dfu04.htm)