Wer wird der neue US-Präsident??
Bitte nicht Eure Wünsche abgeben :D ... sondern tippen, wer wohl gewinnen wird.
Am 2. November finden bekanntlich in den USA die Präsidentschaftswahlen statt. Doch wie funktioniert das genau?
Die meisten Menschen glauben, dass die US-Bürger direkt den Präsidenten wählen. Doch das ist falsch! Vielmehr wählen sie sogenannte Wahlmänner, die dann wiederum den Präsidenten wählen. Natürlich geben die Wahlmänner im Vorfeld bekannt, welchem Kandidaten sie ihre Stimme geben werden (und halten sich mit sehr wenigen Ausnahmen auch daran) und so bestimmen die Bürger indirekt eben doch den Präsidenten.
Dieses Wahlprozedere, das in der modernen Zeit etwas eigentümlich und kompliziert anmutet geht auf das Jahr 1787 zurück als der Telegraph noch nicht erfunden war, ebensowenig wie die Eisenbahn.
Insgesamt gibt es 538 Wahlmänner. Jeder Staat hat 2 Wahlmänner (fix) plus eine weitere Anzahl Wahlmänner, abhängig von seiner Bevölkerungszahl. Dadurch, dass jeder Staat unabhängig von seiner Bevölkerungszahl 2 Wahlmänner zusätzlich bekommt, werden kleine Staaten bevorzugt, grosse benachteiligt. So repräsentiert Californien als bevölkerungsreichster Staat 12% der US-Bevölkerung, hat mit 55 Wahlmännern aber "nur" einen Anteil von rund 10% während das dünnbesiedelte Wyoming nur 0.18% der US-Bevölkerung stellt, mit 3 Wahlmännern aber auf ein Gewicht von 0.56% kommt.
Das erstaunliche, um nicht zu sagen "unfassbare" kommt aber noch:
Nach dem Motto "the winner takes it all", werden der siegreichen Partei pro Staat sämtliche Wahlmänner-Stimmen zugerechnet.
Klingt kompliziert, deshalb ein Beispiel:
Florida hat 25 Wahlmänner. Nehmen wir nun an, die Reps kriegen 13 Wahlmänner, die Demokraten 12 Wahlmänner. Dann sind die Reps in Florida die Sieger und ihnen werden sämtliche 25 Wahlmänner gutgeschrieben !!!
Es ist also absolut unerheblich, ob die Republikaner in Florida 13, 17, 18 oder 24 Wahlmänner für sich gewinnen können, in jedem Fall kriegen sie alle 25 Stimmen. So ist es zu erklären, dass Florida mit (offiziell) nur 546 Stimmen zugunsten der Republikaner die Wahl zugunsten von GWB entschieden hat: 546 Stimmen waren das Zünglein an der Waage, dass die Reps den 13. Wahlmann in Florida kriegten, damit 25 für den ganzen Staat und somit die Mehrheit für die ganzen USA. Hätte damals Florida seine Wahlmänner-Stimmen proportional weitergegeben (also 13 Reps, 12 Dems) wäre Gore Präsident geworden.
Es ist also nicht verwunderlich, dass dieses Wahlprozedere unter starker Kritik steht:
1. Die Weitergabe der Wahlmänner-Stimmen proportional würde die Meinung der US-Bevölkerung besser reflektieren.
2. Im Zeitalter der Kommunikation sind Wahlmänner ohnehin überflüssig. Warum nicht den Präsidenten direkt wählen?
Meines Wissens gilt dieses "the winner takes it all" für alle Staaten mit Ausnahme von Nebraska und Maine. Colorado möchte ebenfalls seine Wahlmänner proportional einbringen, hat dies auch so beschlossen aber dies wurde vom obersten Gerichtshof noch nicht anerkannt. Sollte Colorado also das Zünglein an der Waage sein, dürfte ein juristischen Nachspiel vorprogrammiert sein.
Marcus
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