Gert
20.11.2000, 22:36
War gerade in meiner Mailbox:
20.11.2000: Nur für Zocker: Turn around-Chance bei Brain International!!
Eine völlig ausgebombte Firma erhält einen neuen starken Grossaktionär. Das gefällt uns und bietet schönes Potential für wagemutige Optimisten, die an die Turn around-Aussagen des Vorstandes glauben.
Die Brain International AG, ein Unternehmen das nach eigenen Angaben der zweitgrößte ERP-Anbieter Deutschlands ist, ging im März 1999 mit einem Ausgabekurs von 42 Euro an den Neuen Markt. Die Nachfrage nach Aktien der Softwarefirma aus Breisach am Rhein war enorm. Im April 1999 wurde dann ein Hoch von 66,50 Euro erreicht. Von nun an ging es bergab.
Gründe für den Absturz
Die Ursachen für die Kurszehntelung sind vielfältig. Zum einen war die Unternehmensbewertung zum Zeitpunkt des Börsenganges (im Nachhinein, da wir alle schlauer geworden sind) zu optimistisch. Ebenfalls die Planzahlen, die nicht erfüllt werden konnten.
Das Unternehmen hatte zu stark auf Expansion gesetzt und hatte Überkapazitäten aufgebaut. So ist der Mitarbeiterstand von 700 Mitarbeitern 1998 auf 1.400 in der Spitze im Jahr 2000 verdoppelt worden. Das Auftragsvolumen ist aber nicht im selben Ausmaß geklettert. Eine Personalreduktion auf aktuell rund 1.100 Angestellte war die Folge.
Auch wird es im laufenden Geschäftsjahr keine Gewinne geben, wie in den Jahren vor dem Börsengang, sondern es wird aktuell mit einem Verlust von 50 Mio. DM gerechnet. Bei 240 Mio. DM Umsatzerwartung schon ein sehr ordentlicher Betrag. Im Jahr 1999 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 254,5 Mio. DM bei einem Verlust von 23,6 Mio. DM.
Im Jahr 2001 soll dies wieder anders aussehen. Die Kostensenkungsprogramme greifen bereits und im 4. Quartal 2000 soll bei 73,5 Mio. Euro Umsatz eine rote Null erzielt werden. "Für nächstes Jahr erwartet das Unternehmen wieder schwarze Zahlen", berichtet die Investor Relations-Managerin Eva Reuter auf Anfrage von FinanzNachrichten.de.
Warum jetzt?
Seit kurzem wird die Aktie von der Redaktion intensiv beobachtet. Gelingt es nämlich dem Management, seine hochgesteckten Ertragsziele für 2001 umzusetzen, dann sollte sich der Turn around auch positiv auf den Aktienkurs auswirken. Dieses Potential sieht auch die im M-DAX notierte Münchener Investmentbank Baader Wertpapierhandelsbank AG, die von Altaktionären der Gesellschaft eine 35,4 %ige Beteiligung erworben hat. Diese wird aus dem genehmigten Kapital der Gesellschaft auch weiter aufgestockt. So sollte dann der Aktienbestand von 2,27 Mio. um 0,6 Mio. auf 2,87 Mio. Aktien aufgestockt werden. Bei dann 7 Mio. ausstehenden Aktien macht dies einen Anteil von 41 %. Die Kapitalerhöhung wird ohne Bezugsrecht erfolgen und Brain International frisches Arbeitskapital zur Verfügung stellen. Zum 30. September 2000 lagen laut Kapitalflussrechnung des Quartalsberichtes die liquiden Mittel bei lediglich 4,165 Mio. DM. Wir schätzen, dass die rührigen Münchener dies zu einem Preis von 4-6 Euro durchführen werden. Dies brächte in die Firmenkasse frische 2,4-3,6 Mio. Euro.
Telefonat mit Nico Baader
Auch wenn man sich schon jahrelang kennt, Baaderbank-Vorstand Nico Baader ist ein Profi und lässt gegenüber Journalisten keine unveröffentlichten Details über die Transaktion heraus. So bleibt auch für uns die Frage nach dem Preis, den die Investmentbanker an die Ex-Aktionäre Schitag, Ernst & Young, IBM und Thomas Holzer für ihre Aktienpakete gezahlt haben, vorläufig im dunkeln. Sehr vertrauenseinflössend ist aber der Umstand, dass sich die geschickten Rechner, die auch in der größten Börseneuphorie immer am Boden der Realität geblieben sind, beteiligt haben. Gemessen an der Börsenkapitalisierung von rund 40 Mio. Euro nach Abschluss der Kapitalerhöhung ist das Unternehmen im Vergleich zu vielen anderen Firmen des Neuen Marktes günstig bewertet.
Fazit
Wenn man sich eine Intershop mit ebenfalls rund tausend Mitarbeitern, einem ähnlich hohen Umsatz und Verlusten ansieht, dann ist der Bewertungsunterschied schon unglaublich. Die eine Firma kostet rund 40 Mio. Euro, die andere rund 4.000 Mio. Euro. Unserer Ansicht ist die bisher oftmals ungeschickte Investor Relations-Politik von Brain International maßgeblich an dem Kursdebakel beteiligt. Mit der Baader Wertpapierhandelsbank als starkem Hauptaktionär, der seine Beteiligung zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Kurs verwerten will, erscheinen mittel- bis längerfristig Kursgewinne wahrscheinlicher als je zuvor.
So könnte sich ein Einstieg bei Kursen von unter 6 Euro auf Sicht von 6-12 Monaten durchaus lohnen. Bei Eintreten des erhofften Turn arounds und einem generell wieder freundlicheren Börsenumfeld könnten wagemutige Zocker dann mit Kursen um 15 Euro belohnt werden.
Von Markus Meister, FinanzNachrichten.de-Redaktion.
Markus Meister schreibt als freier Journalist für mehrere Print- und Online-Medien und ist Redakteur von FinanzNachrichten.de. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels besitzt er keine Aktien von Brain International oder Baader. Dieser Bericht stellt keinesfalls eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Die veröffentlichten Informationen geben lediglich einen Einblick in die Meinung eines Wirtschaftsjournalisten. Für weitere Fragen steht der Redakteur via Mail (markus.meister@finanznachrichten.de) zur Verfügung.
20.11.2000: Nur für Zocker: Turn around-Chance bei Brain International!!
Eine völlig ausgebombte Firma erhält einen neuen starken Grossaktionär. Das gefällt uns und bietet schönes Potential für wagemutige Optimisten, die an die Turn around-Aussagen des Vorstandes glauben.
Die Brain International AG, ein Unternehmen das nach eigenen Angaben der zweitgrößte ERP-Anbieter Deutschlands ist, ging im März 1999 mit einem Ausgabekurs von 42 Euro an den Neuen Markt. Die Nachfrage nach Aktien der Softwarefirma aus Breisach am Rhein war enorm. Im April 1999 wurde dann ein Hoch von 66,50 Euro erreicht. Von nun an ging es bergab.
Gründe für den Absturz
Die Ursachen für die Kurszehntelung sind vielfältig. Zum einen war die Unternehmensbewertung zum Zeitpunkt des Börsenganges (im Nachhinein, da wir alle schlauer geworden sind) zu optimistisch. Ebenfalls die Planzahlen, die nicht erfüllt werden konnten.
Das Unternehmen hatte zu stark auf Expansion gesetzt und hatte Überkapazitäten aufgebaut. So ist der Mitarbeiterstand von 700 Mitarbeitern 1998 auf 1.400 in der Spitze im Jahr 2000 verdoppelt worden. Das Auftragsvolumen ist aber nicht im selben Ausmaß geklettert. Eine Personalreduktion auf aktuell rund 1.100 Angestellte war die Folge.
Auch wird es im laufenden Geschäftsjahr keine Gewinne geben, wie in den Jahren vor dem Börsengang, sondern es wird aktuell mit einem Verlust von 50 Mio. DM gerechnet. Bei 240 Mio. DM Umsatzerwartung schon ein sehr ordentlicher Betrag. Im Jahr 1999 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 254,5 Mio. DM bei einem Verlust von 23,6 Mio. DM.
Im Jahr 2001 soll dies wieder anders aussehen. Die Kostensenkungsprogramme greifen bereits und im 4. Quartal 2000 soll bei 73,5 Mio. Euro Umsatz eine rote Null erzielt werden. "Für nächstes Jahr erwartet das Unternehmen wieder schwarze Zahlen", berichtet die Investor Relations-Managerin Eva Reuter auf Anfrage von FinanzNachrichten.de.
Warum jetzt?
Seit kurzem wird die Aktie von der Redaktion intensiv beobachtet. Gelingt es nämlich dem Management, seine hochgesteckten Ertragsziele für 2001 umzusetzen, dann sollte sich der Turn around auch positiv auf den Aktienkurs auswirken. Dieses Potential sieht auch die im M-DAX notierte Münchener Investmentbank Baader Wertpapierhandelsbank AG, die von Altaktionären der Gesellschaft eine 35,4 %ige Beteiligung erworben hat. Diese wird aus dem genehmigten Kapital der Gesellschaft auch weiter aufgestockt. So sollte dann der Aktienbestand von 2,27 Mio. um 0,6 Mio. auf 2,87 Mio. Aktien aufgestockt werden. Bei dann 7 Mio. ausstehenden Aktien macht dies einen Anteil von 41 %. Die Kapitalerhöhung wird ohne Bezugsrecht erfolgen und Brain International frisches Arbeitskapital zur Verfügung stellen. Zum 30. September 2000 lagen laut Kapitalflussrechnung des Quartalsberichtes die liquiden Mittel bei lediglich 4,165 Mio. DM. Wir schätzen, dass die rührigen Münchener dies zu einem Preis von 4-6 Euro durchführen werden. Dies brächte in die Firmenkasse frische 2,4-3,6 Mio. Euro.
Telefonat mit Nico Baader
Auch wenn man sich schon jahrelang kennt, Baaderbank-Vorstand Nico Baader ist ein Profi und lässt gegenüber Journalisten keine unveröffentlichten Details über die Transaktion heraus. So bleibt auch für uns die Frage nach dem Preis, den die Investmentbanker an die Ex-Aktionäre Schitag, Ernst & Young, IBM und Thomas Holzer für ihre Aktienpakete gezahlt haben, vorläufig im dunkeln. Sehr vertrauenseinflössend ist aber der Umstand, dass sich die geschickten Rechner, die auch in der größten Börseneuphorie immer am Boden der Realität geblieben sind, beteiligt haben. Gemessen an der Börsenkapitalisierung von rund 40 Mio. Euro nach Abschluss der Kapitalerhöhung ist das Unternehmen im Vergleich zu vielen anderen Firmen des Neuen Marktes günstig bewertet.
Fazit
Wenn man sich eine Intershop mit ebenfalls rund tausend Mitarbeitern, einem ähnlich hohen Umsatz und Verlusten ansieht, dann ist der Bewertungsunterschied schon unglaublich. Die eine Firma kostet rund 40 Mio. Euro, die andere rund 4.000 Mio. Euro. Unserer Ansicht ist die bisher oftmals ungeschickte Investor Relations-Politik von Brain International maßgeblich an dem Kursdebakel beteiligt. Mit der Baader Wertpapierhandelsbank als starkem Hauptaktionär, der seine Beteiligung zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Kurs verwerten will, erscheinen mittel- bis längerfristig Kursgewinne wahrscheinlicher als je zuvor.
So könnte sich ein Einstieg bei Kursen von unter 6 Euro auf Sicht von 6-12 Monaten durchaus lohnen. Bei Eintreten des erhofften Turn arounds und einem generell wieder freundlicheren Börsenumfeld könnten wagemutige Zocker dann mit Kursen um 15 Euro belohnt werden.
Von Markus Meister, FinanzNachrichten.de-Redaktion.
Markus Meister schreibt als freier Journalist für mehrere Print- und Online-Medien und ist Redakteur von FinanzNachrichten.de. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels besitzt er keine Aktien von Brain International oder Baader. Dieser Bericht stellt keinesfalls eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Die veröffentlichten Informationen geben lediglich einen Einblick in die Meinung eines Wirtschaftsjournalisten. Für weitere Fragen steht der Redakteur via Mail (markus.meister@finanznachrichten.de) zur Verfügung.