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Vollständige Version anzeigen : Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod ...


Tabea
30.12.2004, 18:41
Ich möchte euch ein geniales Buch vorstellen.
Rechtschreibung lernen unter Tränen (vor lachen) :hihi

http://shop.spiegel.de/img/cat/SPON/Zwiebelfisch-s.jpg

Die oder das Nutella – diese Frage hat schon viele Gemüter am Frühstückstisch bewegt. Der, die, das – wieso, weshalb, warum? Ob Nutella nun weiblich oder sächlich ist, ist sicherlich keine Frage auf Leben und Tod, aber eine Antwort hätten wir schon gern. Wir? Ja, wir hilflos Verlorenen im Labyrinth der deutschen Sprache. Wir, die wir unsere liebe Not mit der deutschen Sprache haben. Und leichter, verständlicher oder zumindest nachvollziehbarer ist es nach der Rechtschreibreform auch nicht geworden. In seinen hinreißend komischen und immer klugen Kolumnen bringt Bastian Sick Licht ins Dunkel der deutschen Sprachregelungen und sortiert den Sprachmüll. Ist der inflationären Verwendung von Bindestrichen noch Einhalt zu gebieten, angesichts von Spar-Plänen und Quoten-Druck? Versinken wir sprachlich gesehen nicht längst im Hagel der Apostrophe, wenn Känguru’s plötzlich in den Weiten Australien’s leben? Derlei Unsinn scheint nicht mehr aufhaltbar, wenn es nicht dieses Buch gäbe. Darauf zwei Espressis!

Kostet 8,90 Euro

Hier kann es bei Amazon bestellt werden: Klick (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3462034480/stockchannelnetg)


Hier nach und nach einige Kostproben von Bastian Sick, der regelmäßig
die Zwiebelfisch-Kolumnen bei Spiegel-Online schreibt:




Das Imperfekt der Höflichkeit

Mein Freund Henry und ich sitzen im Restaurant und geben gerade unsere Bestellung auf. "Also, Sie wollten den Seeteufel, richtig?", fragt der Kellner an Henry gewandt. "Das ist korrekt", erwidert Henry und fügt hinzu: "und ich will ihn immer noch." Der Kellner blickt leicht irritiert. "Angesichts der Tatsache, dass meine Bestellung gerade mal eine halbe Minute her ist, dürfen Sie gerne davon ausgehen, dass ich den Seeteufel auch jetzt noch will", sagt Henry. Der Kellner scheint zwar nicht ganz zu begreifen, nickt aber höflich und entfernt sich.

"Was sollte das denn nun wieder?", frage ich meinen Freund, der es auch nach Jahren noch schafft, mich mit immer neuen seltsamen Anwandlungen zu verblüffen. Henry beugt sich vor und raunt: "Ist dir noch nie aufgefallen, dass Angestellte im Service ständig die Vergangenheitsform benutzen, ohne dass es dafür einen zwingenden Grund gibt?" - "Das mag zwar sein, aber ich wüsste nicht, was daran verkehrt sein sollte", erwidere ich. Henry deutet zur Tür und sagt: "Das ging schon los, als wir reinkamen. Du warst noch an der Garderobe, ich sage zum Empfangschef: 'Guten Abend, ich habe einen Tisch für zwei Personen reserviert!', und er fragt mich: Wie war Ihr Name?" - "Ich ahne Furchtbares! Du hast doch nicht etwa...?" - "Natürlich habe ich!", sagt Henry mit einem breiten Grinsen, "die Frage war doch unmissverständlich. Also erkläre ich ihm: Früher war mein Name Kurz, aber vor drei Jahren habe ich geheiratet und den Namen meiner Frau angenommen, deshalb ist mein Name heute nicht mehr Kurz, sondern länger, nämlich Caspari." - "Ein Wunder, dass er uns nicht gleich wieder vor die Tür gesetzt hat!", seufze ich. Henry zuckt die Schultern: "Ist doch wahr! Eisparfait auf der Karte und Imparfait in der Frage - das sind Wesensmerkmale der Gastronomie. Sag mir nicht, du hättest dir noch nie darüber Gedanken gemacht? Ich jedenfalls finde es höchst bemerkenswert!"

Eine Viertelstunde später kommt eine junge weibliche Servierkraft mit den Speisen. "Wer bekam den Fisch?", fragt sie. Henry wirft mir einen triumphierenden Blick zu, wendet sich der Kellnerin zu und sagt mit einem charmanten Lächeln: "Noch hat ihn keiner bekommen, aber ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn ich ihn nun bekommen könnte." - "Henry", sage ich tadelnd, als wir wieder unter uns sind, "du bringst die junge Dame ja völlig durcheinander! Wie kann man nur so erbsenzählerisch sein?" - "Das musst du gerade sagen! Du bist doch der Zwiebelfisch. Wenn hier einer Erbsen zählt, dann du! Außerdem ist es meine Bestimmung, junge Damen durcheinander zu bringen!" Das ist der Henry, wie ihn alle lieben: bescheiden, höflich, zurückhaltend. Ich deute auf meinen Teller und sage: "Für mich gibt's höchstens Brokkoliröschen zu zählen, und das ist schnell erledigt." Henry wirft die Hände in die Luft und imitiert den Kellner: "Also, Sie hatten die Brokkoliröschen?"

Ich bemühe mich, sachlich zu bleiben: "Wenn dich jemand etwas fragt und dabei das Imperfekt verwendet, dann heißt das nicht, dass er sich für deine Vergangenheit interessiert. Meistens verwendet man es, wenn man sich einer Sache vergewissern will: Wie war das doch gleich?" Henry spritzt, den Seeteufel nur um wenige Meter verfehlend, Zitronensaft auf mein Hemd und entgegnet: "Aber manche nehmen das durchaus wörtlich. Neulich habe ich von einer Frau gehört, die im Reisebüro einen Nervenzusammenbruch erlitten haben soll, weil man sie gefragt hat: 'Wie viele Kinder hatten sie?' Die Frau fing an zu heulen und soll unter Tränen gesagt haben: 'Ich hatte drei, aber mein Jüngster ist vor zwei Jahren auf der Bundesstraße überfahren worden.' So was ist doch grauenhaft! Wäre ich dabei gewesen, ich hätte das Reisebüro sofort verklagt!" - "Natürlich, du bist schließlich Anwalt und hast nichts Besseres zu tun. Dann lass mich eben etwas zur Verteidigung des Imperfekts sagen: Zum einen haben wir es hier mit einer Verkürzung zu tun. 'Wie viele Kinder hatten Sie' ist die - legitime - Verkürzung von 'Was sagten Sie noch, wie viele Kinder Sie haben?'. Zum anderen drückt das Imperfekt respektvolle Distanz aus, daher ist es im Service so beliebt. Man will dem Kunden schließlich nicht zu nahe treten. 'Wie war Ihr Name?' klingt - zumindest in manchen Ohren - weniger direkt und somit höflicher als 'Wie ist Ihr Name?' Es ist dasselbe wie mit dem Konjunktiv. 'Ich will ein Glas Prosecco' klingt zu direkt, daher verkleidet man den Wunsch mit dem Konjunktiv, versieht ihn womöglich noch mit einem Diminutivum und sagt: 'Ich hätte gerne ein Gläschen Prosecco!'" Erwartungsgemäß nutzt Henry diese Vorlage zu einem spöttischen Einwurf: "Au ja! Prosecco für alle!" Ich fasse zusammen: "Aus demselben Grund wird in der Frage das Imperfekt verwendet - aus Höflichkeit." Henry verdreht schwärmerisch die Augen: "Das Imperfekt der Höflichkeit! Ein toller Titel! Klingt wie 'Der Scheineffekt der Wirklichkeit' oder 'Der Gipfel der Unsäglichkeit'. Seine Vollendung findet es übrigens im berühmt-berüchtigten Imbissbuden-Deutsch: 'Waren Sie das Schaschlik oder die Currywurst?'

Wir lassen es uns schmecken, und nachdem auch die zweite Flasche Wein geleert ist, gebe ich dem Kellner mit Handzeichen zu verstehen, dass er uns die Rechnung bringen möge. Einen Augenblick später ist er zur Stelle und fragt: "Die Herren wollten zahlen?" Und ehe ich noch Luft holen kann, platzt es aus Henry heraus: "Vor fünf Minuten wollten wir zahlen, und redlich, wie wir sind, wollen wir immer noch zahlen, und zwar so lange, bis wir tatsächlich gezahlt haben!" Der Kellner verzieht keine Miene: "Zusammen oder getrennt?" - "Zusammen!", sage ich. "Du lädst mich ein?", fragt Henry begeistert, "wie komme ich zu der Ehre?" Ich bitte den Kellner um einen Bewirtungsbeleg und sage zu Henry: "Ich setze es von der Steuer ab. Das war ein Arbeitsessen. Daraus mache ich eine Kolumne." - "Na prima", sagt Henry, "das nächste Mal essen wir beim Koreaner. Der fragt nie: 'Was darf's sein?' oder 'Was wünschen Sie?', sondern 'Was soll essen?' Darüber lässt sich prächtig philosophieren!"

germanasti
30.12.2004, 19:26
hallo schatzi floh hier unter germa`s id ;)

schon gekauft an weihnachten für mich :p

Tabea
30.12.2004, 20:10
Huch, hallo flohschatzi ;)

Dann müsstest du aber wissen, dass es
Germas ID und nicht Germa`s ID heißt. :bäh

Mir ist heute so nach Klugscheißen :hihi:hihi

germanasti
30.12.2004, 20:55
Huch, hallo flohschatzi ;)

Dann müsstest du aber wissen, dass es
Germas ID und nicht Germa`s ID heißt. :bäh

Mir ist heute so nach Klugscheißen :hihi:hihi

Zum Original-Beitrag (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?p=726012#post726012)

klugscheisser :gomad :gomad

Tabea
30.12.2004, 20:58
Aber gerne doch :D

Immer für Sie da :kiss:

germanasti
30.12.2004, 21:11
Aber gerne doch :D

Immer für Sie da :kiss:

Zum Original-Beitrag (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?p=726098#post726098)

floh meint :zz :dd

Tabea
30.12.2004, 21:17
Nich dass er noch laut am Schnarchen anfängt zu tun. :D

germanasti
30.12.2004, 21:30
Nich dass er noch laut am Schnarchen anfängt zu tun. :D

Zum Original-Beitrag (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?p=726113#post726113)

mit dir hab ich eh noch ein hühnchenzu rupfen mein schatz :rolleyes: :gomad

Tabea
30.12.2004, 21:31
Wer spricht denn da jetzt grad zu mir? Germa oder floh? :confused:

Damit ich das Hühnchen besser einordnen kann! :rolleyes:

germanasti
30.12.2004, 21:33
Wer spricht denn da jetzt grad zu mir? Germa oder floh? :confused:

Damit ich das Hühnchen besser einordnen kann! :rolleyes:

Zum Original-Beitrag (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?p=726117#post726117)

Floh:)

die ganze zeit unter dieser id :D

Tabea du bist eine treulose tomate :cry

Tabea
30.12.2004, 21:38
Jaaaaa, ich weiß :mo

Sorry, sorry, heul :mo

germanasti
30.12.2004, 21:41
Jaaaaa, ich weiß :mo

Sorry, sorry, heul :mo

Zum Original-Beitrag (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?p=726120#post726120)
schande über dich :hammer :haue

wär ich dein freund wär ich vereinsamt gestorben :gomad :gomad

wie willst du das gut machen :rolleyes:

Tabea
30.12.2004, 21:44
Frag lieber wann! Also am Montag, wenn du mir noch eine Chance gibst. :rolleyes:

germanasti
30.12.2004, 21:47
Frag lieber wann! Also am Montag, wenn du mir noch eine Chance gibst. :rolleyes:

Zum Original-Beitrag (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?p=726130#post726130)

:kiss: :kiss:

weil du es bist :)

schlaf gut ich geb germa wieder frei ;)

Tabea
30.12.2004, 21:50
Oki :kiss:

Tabea
09.01.2005, 12:53
Italienisch für Anfänger



Da sitzt es, das junge Paar, im gemütlichen "Ristorante Napoli" und studiert die Speisekarte. Kerzenschein, italienische Musik, alles umwerfend romantisch. Der Kellner kommt, um die Bestellung aufzunehmen. Sie macht den Mund auf - da nimmt das Unheil seinen Lauf.



Jeder kennt ihn, den "typischen Italiener" an der Ecke, bei dem man sich so richtig italienisch fühlt. Aus dem Lautsprecher quäkt Al Bano, an der umbrafarbenen Wand hängen Ölbilder von Neapel und Palermo, die Kellner sind klein, robust und flink und heißen Luigi, Sergio oder Alfredo. Die Luft ist geschwängert von Rotwein und Pesto. In einer solchen Atmosphäre regt sich in uns unweigerlich das Bedürfnis, unsere deutsche Identität abzustreifen und die Illusion von "la dolce vita" und "bella Italia" nicht durch falsche Aussprache all der Köstlichkeiten auf der Speisekarte frühzeitig zerplatzen zu lassen.

Sie bestellt einen Insalata mista und die überbackenen Spinat-Gnocchi, wobei sie die dicken Mehllarven "Gnotschi" ausspricht. Da sagt er zu ihr: "Schatz, es heißt nicht Gnotschi, sondern Njokki!" - "Woher willst du das wissen?", gibt sie leicht pikiert zurück. "Weil das h das c erhärtet, so wie in Pinocchio. Der heißt ja schließlich nicht Pinotschio", sagt er. Sie schaut zum Kellner auf und lächelt irritiert: "Also gut, dann nehme ich doch lieber die Spaghetti alla rabiata" - "Schatz, es heißt all'arrabbiata", flüstert er und tätschelt ihre Hand. "Das hab ich doch gesagt!", erwidert sie gereizt und zieht ihre Hand zurück. "Aber du hast es falsch betont", sagt er. "Weißt du was?", sagt sie, "dann bestell du doch das Essen!" - "Wie du willst, mein Schatz! Möchtest du nun die Gnocchi oder die Spaghetti?" - "Ist mir ganz egal." - "Gut. Dann nehmen wir zwei Insalate miste und zweimal die Njokki." - "Sehr recht", sagt der Kellner in fließendem Deutsch und notiert die Order. "Und welchen Wein wollen Sie trinken?" - Der Gast blickt seine Begleiterin an und fragt: "Schatz, welchen Wein möchtest du?" Ihr Blick fliegt über die Karte auf der Suche nach irgendetwas, das ihr bekannt vorkommt. "Tschianti", sagt sie schließlich, woraufhin er sich zu verbessern beeilt: "Du meinst Kianti!"

Während des Essens ist die Stimmung so lala; aus lauter Angst, etwas Falsches zu sagen, lenkt sie das Gespräch freiwillig auf Themen wie Tennis, Fernsehen und sogar Politik. Beim Nachtisch kommt es dann zur Katastrophe. Als der Kellner fragt, ob sie noch einen Kaffee wünschen, sagt sie zu ihrem Liebsten: "Ach ja, einen Espresso können wir noch trinken, nicht wahr?" Er nickt, woraufhin sie zum Kellner sagt: "Also zwei Espresso, bitte." Da sagt er zu ihr: "Schatz, es heißt Espressi! Ein Espresso, zwei Espressi." Sie zieht einen Schmollmund, der Kellner notiert: "Zwei caffè, kommt sofort!" - "Nein, warten Sie, nicht Kaffee, wir wollen zwei Espressi", stellt er klar. "Sì, sì", sagt der Kellner, "due caffè! In Italia ist caffè immer ein espresso!" Und mit einem verschmitzten Lächeln fügt er hinzu: "Das, was man in Deutschland unter Kaffee versteht, würde kein Italiener jemals anrühren!"

Den Triumph in ihrem Blick kann er nicht verwinden, und auf dem Nachhauseweg sprechen die beiden kein Wort miteinander.



So kann es kommen, wenn man in typisch deutscher Manier mal wieder besonders vorbildlich sein und alles genau richtig machen will. Dabei sind wir Deutschen so ziemlich das einzige Volk auf der Welt, das sich um korrekte Aussprache fremdländischer Wörter bemüht und vermeintlich falsche, das heißt zu deutsch klingende Aussprache bei anderen kritisiert. Über einen derartigen Eifer können beispielsweise die Franzosen nur verständnislos den Kopf schütteln. Zwar entlehnen auch sie zunehmend häufig Wörter aus dem Englischen, aber einem Nicht-Franzosen fällt dies kaum auf, denn die Franzosen sorgen mit ihrer Aussprache dafür, dass jedes noch so fremde Wort wie ein original französisches klingt.

Schon so manche Hausfrau hat ihren Freundinnen voller Stolz ihre neue "Expresso-Maschine" vorgeführt und ist dafür belächelt worden. Tatsächlich hat sie nichts anderes getan, als ein Fremdwort einzudeutschen. Die leichte Veränderung des Zischlautes hinter dem "E" ist nicht gravierender als bei der Umwandlung der "cigarette" zur "Zigarette".



Dabei ist es eher peinlich, ein italienisches Wort in einer Weise auszusprechen, die man für italienisch hält, ohne es beweisen zu können. Latte macchiato, der umgekehrte Milchkaffee, wird nicht etwa "latte matschiato" oder "latte matschato" ausgesprochen, sondern "latte mackiato". Das Wort "macchiato" ist übrigens mit dem deutschen Wort "Makel" verwandt und bedeutet "befleckt". Ein "caffè macchiato" ist ein (mit Milch) "befleckter" (das heißt gestreckter) Espresso, umgekehrt ist ein "latte macchiato" ein mit Kaffee versetztes Milchgetränk.

Von fast noch größerer Bedeutung als die möglichst authentische Aussprache ist für den Hobby-Italiener die korrekte Bildung der Mehrzahl. Grundsätzlich gilt: Italienische Wörter auf -o erhalten im Plural die Endung -i. Aus einem Cappuccino werden also zwei Cappuccini, aus einem Espresso zwei Espressi. Es ist im Deutschen aber ebenso erlaubt, "Cappuccinos" und "Espressos" zu sagen. Was spräche dagegen - die italienische Grammatik etwa? Seit wann gilt die in Deutschland?

Dass der Wunsch nach korrekter Pluralbildung bisweilen ins Lächerliche kippen kann, beweist das Beispiel der Pizza: Die bunt belegten Teigfladen werden im Italienischen in der Mehrzahl "pizze" genannt, was in den Ohren der meisten Deutschen jedoch ungewohnt klingt. Daher sollte man Abstand nehmen von der Idee, Verkäuferinnen in einem Supermarkt mit dem Wort "Tiefkühlpizze" zu konfrontieren. Hier hat die deutsche Sprache die Mehrzahl nach ihren eigenen Regeln gebildet: Man kann Pizzas sagen oder Pizzen, beides ist richtig.



Viele italienische Spezialitäten befinden sich bereits im Plural, wenn sie bei uns in Deutschland eintreffen. Die oben erwähnten Mehlklößchen zum Beispiel heißen in der Einzahl Gnocco (gesprochen Njokko). Da selten ein Klößchen allein serviert wird, kennen wir sie nur als Gnocchi. Die Annahme, durch Anhängen eines Plural-s ließen sich aus Gnocchi viele, viele "Gnocchis" gewinnen, ist daher nicht korrekt.

Genauso wenig wie einem "Spaghettis" an den Fingern kleben können. Die Einzahl der langen schlanken Nudel lautet spaghetto, demnach ist "Spaghetti" bereits die gemehrte Zahl. Wem das zu spitzfindig ist, der kann auch einfach Nudeln sagen. Mit Deutsch ist man im Zweifelsfall auch beim Italiener richtig beraten.

Unlängst berichtete mir ein befreundeter Jurist von seinem Besuch in einem Restaurant namens "Don Pepito", das er an jenem Abend zum ersten Mal betrat. Und wohl auch zum letzten Mal, denn es stimmte einiges nicht mit diesem "original italienischen Ristorante". Auf der Karte gab es Crevetten mit "Advocato", was ihn als Anwalt gleich misstrauisch stimmte. Die Tortellini gab es wahlweise vegetarisch und "con cane", was allerdings nicht "mit Fleisch" (con carne), sondern "mit Hund" bedeutet. Der Milchkaffee schließlich wurde als "Cappucchino" angeboten - und müsste nach italienischen Regeln "Kapukino" ausgesprochen werden. Wie sich herausstellte, war die Bedienung ein fröhlicher Mix aus Türken und Kroaten, die Bilder an der Wand zeigten Balkan-Idylle, und die Musik aus dem Lautsprecher war nicht Al Bano, sondern albanisch. Allein das Lächeln, mit dem "Don Pepito" die Rechnung präsentierte, hatte etwas "unverwechselbar Sizilianisches". "Wie ein waschechter Mafiosi", schloss der Freund seinen Bericht und verbesserte sich sogleich: "Wie ein Mafioso."

Von Bastian Sick

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,288806,00.html (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,288806,00.html)

schloss
10.01.2005, 17:18
Ein Witz mit Bart...

Ein Satz mit Genitiv und Dativ??

:greenspan Geh nie tief ins Wasser, denn es ist da tief!

(Betonung beachten;))

Tabea
16.01.2005, 18:23
Huch schloss, hatte dich hier noch gar nicht gesehen :D

Jo, der hat nen Bart :greenspan

Neue Kolumne von Bastian Sick:

Mäßigen Sie sich!

Viele Menschen könnten ihre Telefonkosten halbieren, wenn sie sich angewöhnten, auf überflüssige Wortanhängsel zu verzichten. Doch das fällt offenbar genauso schwer wie der Verzicht auf Süßes und Kartoffelchips.

Gemessen am Unglück anderer geht es uns Deutschen eigentlich recht gut, und trotzdem ist eines der am häufigsten gehörten Wörter in unserer Alltagssprache "mäßig". Erst kürzlich wurde ich wieder Zeuge eines vor Mäßigkeiten strotzenden Dialogs: "Und wie klappt es bei dir so, beruflich und privat?" - "Jobmäßig läuft alles normal, urlaubsmäßig haben wir zwar noch keine Pläne, aber beziehungsmäßig sind wir im Moment total happy, das lässt sich nicht anders sagen!"

Doch, wollte ich spontan widersprechen, das lässt sich anders sagen! In gemäßigterer Form nämlich, ohne all die überflussmäßigen Wortanhängsel. Stilistisch ist so ein Redebeitrag nämlich eine Zumutung; notenmäßig bekäme er bestimmt kein "gut", nicht einmal ein "befriedigend", sondern bestenfalls ein "mäßig".

Tatsachenmäßig lässt sich feststellen, dass die Deutschen auf das Suffix "-mäßig" nicht mehr verzichten können. Selbst der Duden räumt ein, dass das Wort "mäßig" heute "eine überaus große Rolle als Suffix" spielt.

Herkunftsmäßig geht "mäßig" auf "Maß" zurück, und bei den Begriffspaaren gleichmäßig/Gleichmaß, ebenmäßig/Ebenmaß und mittelmäßig/Mittelmaß lässt sich die unmittelbare Verwandtschaft nicht leugnen. Doch was sind Jobmaß, Urlaubsmaß und Beziehungsmaß? Von Maßhaltung kann angesichts der inflationsmäßigen Verbreitung der Endung keine Rede sein.

Die Zeiten sind vorbei, da man dieses Phänomen noch als Jugendjargon oder WG-Küchengeschwätz abtun konnte. Inzwischen hat "mäßig" sämtliche Bereiche unserer Gesellschaft erfasst. Es treibt sich im Sport herum ("Das heimische Team muss sich angriffsmäßig schon etwas einfallen lassen, um das Bollwerk zu knacken"), es wabert durch die Wirtschaft ("Die Zuwachsraten lagen auch im vergangenen Jahr im guten zweistelligen Bereich: umsatzmäßig wie auch renditemäßig") und ist selbstverständlich auch in der Politik anzutreffen, wo man sich ausdrucksmäßig bekanntlich stets um äußerste Präzision bemüht.

Wenn die Mitglieder eines Kabinetts oder eine Kommission sich in einer bestimmten Frage nicht einigen können oder schlichtweg keine Meinung haben, dann heißt es neuerdings, man habe sich noch nicht "beschlussmäßig positioniert". In der Sache also kein Ergebnis, aber wischiwaschimäßig ein Volltreffer. Das ist Schaumschlägerei auf mäßig hohem Niveau. "Mäßig" hilft dabei, die Grammatik zu überlisten. Störende Gedanken über den richtigen Gebrauch von Präpositionen und Artikeln entfallen wie auch das Nachdenken über die korrekte Deklination. Statt "Mit den Plätzen hatten wir großes Glück" sagt man: "Platzmäßig hatten wir großes Glück". Mäßig ist schnell und bequem. Die Abstumpfung hat gesiegt.

Nicht einmal das Militär ist gegen die sprachliche Unterwanderung geschützt: So war von einem General zu lesen, der sich redlich Mühe gab, die Sorge zu zerstreuen, "dass sicherheitsmäßig ganz Afghanistan aus der Balance geraten könnte".

"Wichtig ist jetzt erst einmal, überhaupt die Bereitschaft hinzubekommen, sich auf unsere Bedingungen diskussionsmäßig einzulassen", beschwor derweil eine Grünen-Politikerin - vermutlich vergebens - die diskussionsresistente Industrie.

Psychologen wissen: "Eine kopfmäßige Überzeugung führt noch lange nicht zu einer Bewusstseinsänderung oder Änderung der Wertmaßstäbe", und mancher heutige Oberklassenwagenbesitzer erinnert sich lächelnd, dass er sich in den Siebzigern "automäßig für einen knallbunten R4 entschieden" habe. Ach ja, die goldenen Siebziger! Würde Hans Rosenthal noch leben und bei "Dalli Dalli" in die Luft springen ("Das war Spitze!"), so müsste er heute wohl ausrufen: "Das war spitzenmäßig!"

Vor etlichen Jahren gab es den Versuch, auch das Adjektiv "technisch" als Suffix zu etablieren. Da liefen die Dinge "beziehungstechnisch" mal besser, mal schlechter, man hatte "arbeitstechnisch" die Nase vorn und war "informationstechnisch" auf dem Laufenden, lange bevor der Begriff "Informationstechnologie" in unserer Sprache auftauchte. Aber dieses Anhängsel war vielleicht zu kompliziert, zu technisch, jedenfalls setzte es sich nicht auf Dauer durch. Den Erfolg des schlichteren "mäßig" hat es nie erreicht.

Schon werden andere, bis vor kurzem noch völlig unstrittige Wörter in Mitleidenschaft gezogen: Der "ordnungsgemäße Zustand" wird immer häufiger zum "ordnungsmäßigen Zustand", und eine "blitzartige Reaktion" gibt es auch schon als "blitzmäßige Reaktion".

"Wir stehen finanzmäßig mit dem Rücken zur Wand", stöhnt der Vorstandsvorsitzende einer Krankenkasse erbarmungsmäßig. Wer hat ihm bloß gesagt, dass "finanziell" nicht mehr geht, bloß weil bei seiner Kasse finanziell nichts mehr geht? Wie ein wirbelloses Tier quetscht sich der "mäßig"-Zusatz noch durch die engste Ritze und nistet sich in Lücken ein, die eigentlich gar keine sind. So wird aus einer "nicht erwerbstätigen Person" plötzlich eine "nicht erwerbsmäßig tätige Person", eine Bilderbuchlaufbahn leiert zu einer "bilderbuchmäßigen Laufbahn" aus, und "verkehrsgünstige Anbindungen" werden unnötigerweise als "verkehrsmäßig günstige Anbindungen" angepriesen.

Da kann einem magenmäßig schlecht werden, und zwar saumäßig, und man möchte den Überträgern der Suffixeritis den dringenden Rat erteilen: "Mäßigen Sie sich!"

Quelle (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,336379,00.html)

Tabea
22.01.2005, 12:28
Und noch eine, gleiche Quelle wie oben! :)

Er steht davor, davor, davor - und nicht dahinter

Wann immer ein Minister in Bedrängnis gerät, liest man garantiert irgendwo den Satz: "Der Kanzler stellte sich hinter seinen Minister." Ein mutiger Schritt, soll man denken. Doch wäre es nicht mutiger gewesen, wenn der Kanzler sich vor den Minister gestellt hätte? Der Verdacht liegt nahe, dass die Positionen verwechselt wurden.

Als vor einigen Wochen Korruptionsvorwürfe gegen das Verkehrsministerium erhoben wurden, war in einer Radiomeldung zu hören, Bundeskanzler Gerhard Schröder habe sich "hinter seinen Verkehrsminister gestellt." Der Minister war bestimmt sehr dankbar, dass der Kanzler ihn nicht "im Regen stehen lassen" (http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,274479,00.html) wollte - doch war die Stellungnahme des Kanzlers wirklich hilfreich? Dort, wo sie erfolgte, also hinter dem Minister, in seinem Rücken?

Schon Rudolf Scharping hat erfahren müssen, was es bedeutet, wenn man mit dem Rücken zum Kanzler steht: "Die Bundesregierung wies die Rücktrittsforderung als unbegründet zurück. Bundeskanzler Gerhard Schröder stellte sich hinter seinen Minister und sagte, in Scharpings Äußerungen sei etwas 'hineingeheimnisst' worden, was nicht 'hineinzugeheimnissen' sei", stand 2001 im "Hamburger Abendblatt" zu lesen. Inzwischen ist Rudolf Scharping längst als Verteidigungsminister abgelöst worden. Der Schutz von hinten hat ihm nicht viel genützt.

Im Zuge der Karstadt-Krise war in der Presse Folgendes zu lesen: "Auch Vorstandschef Christoph Achenbach soll angeblich zur Disposition stehen. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff wies die Gerüchte umgehend zurück und stellte sich demonstrativ hinter Achenbach." Damit keine Missverständnisse aufkommen: Weder Gerhard Schröder noch Thomas Middelhoff haben sich in den beschriebenen Fällen ungebührlich verhalten. Es wurde nur falsch darüber berichtet.

Stellen wir uns das doch mal bildlich vor: Bad Segeberg, 2005. Eine Farmerfamilie gerät in einen bösen Indianerhinterhalt. Winnetou und Old Shatterhand kommen den Farmern zu Hilfe und stellen sich demonstrativ hinter sie. Die Indianer lassen sich davon aber nicht beeindrucken und greifen mit lautem Geheul an. Die Farmerfamilie wird von Kugeln durchsiebt, und auf der Flucht ruft Old Shatterhand seinem Blutsbruder zu: "Das wäre um ein Haar ins Auge gegangen! Ein Glück, dass wir uns nicht vor die Leute gestellt haben!" Ist das etwa der Stoff, aus dem Heldenlegenden gemacht werden? Natürlich nicht. Wenn man eine Person, die angegriffen wird, schützen will, so stellt man sich vor sie. Worin bestünde sonst der Schutz?

Die "WAZ" schrieb in einem Bericht über das Auf und Ab in der Bezirksliga: "Trainer Thomas Strauch stellte sich hinter sein Team." Da fragt man sich doch: Woher wusste die "WAZ" das? Sie konnte den Trainer doch unmöglich selbst gesehen haben! Wenn er sich wirklich hinter sein Team gestellt hatte, dann war er doch von mindestens elf Männern verdeckt!

Natürlich gibt es die Redewendung "sich (demonstrativ) hinter jemanden stellen". Sie ist immer dann richtig am Platz, wenn es gilt, jemanden moralisch zu unterstützen. Man kann auch "jemandem Rückendeckung geben", "jemandem den Rücken freihalten" und "jemandem den Rücken/das Rückgrat stärken". Ferner kann man jemandem "zur Seite springen", ihm "zur Seite stehen", und man kann auch "voll und ganz hinter jemandem stehen", doch all diese Wendungen haben weniger mit Schutz zu tun als mit Unterstützung. Wenn Franz Müntefering sich demonstrativ hinter Gerhard Schröder stellt, dann tut er es als SPD-Mitglied, das seinem Kanzler den Rücken stärken will. Wenn Müntefering sich vor Gerhard Schröder stellt, dann tut er es als Parteichef, der ein Mitglied seiner Fraktion schützen muss. Grundsätzlich wird erwartet, dass ein Parteichef sich vor seine Fraktionsmitglieder stellt, wenn diese unter Beschuss geraten, genauso wie ein Vorgesetzter sich vor seine in Bedrängnis geratenen Angestellten zu stellen hat. Es ist ein uraltes Prinzip der Natur: Auch ein Vogel stellt sich immer schützend vor seine Brut, wenn ein Räuber sich dem Nest nähert. Stellte er sich hinter die Brut, fühlte sich der Fuchs geradezu zum Essen gebeten. Noch deutlicher als bei der SPD wird der Stellungsvergleich am Beispiel der Union: Wie oft musste Angela Merkel sich demonstrativ vor ihren (inzwischen zurückgetretenen) Fraktionschef Friedrich Merz stellen, wenn der wieder irgendetwas ausgefressen hatte. Hätte sie sich hinter ihn gestellt, könnte von "demonstrativ" keine Rede sein, denn dann wäre von ihr nicht viel zu sehen gewesen.

Wer sich vor jemanden stellt, der ist bereit, die Gefahr auf sich zu nehmen, den Angriff abzuwehren, die feindlichen Kugeln mit der eigenen (natürlich kugelsicheren) Weste abzufangen. Schröder konnte sich ganz gelassen vor seinen Minister stellen, er ging dabei kein Risiko ein; denn erfahrungsgemäß prallen Korruptionsvorwürfe an Bundeskanzlern ab. Es gab also keinen Grund, ihn nachträglich hinter den Minister zu stellen.

Eine weitere verwandte Redewendung lautet "für jemanden in die Bresche springen". Doch sie bedeutet eher, dass jemand ersetzt wird, als dass ihm geholfen wird. Bresche wurde früher das Loch in der Befestigung genannt, das die Belagerer gebrochen hatten. Für jeden Soldaten, der bei der Verteidigung dieses Loches fiel, musste sofort ein anderer nachrücken, für ihn "in die Bresche springen". So gibt es in der CDU sicherlich viele, die für Angela Merkel gern in die Bresche springen würden, aber nur wenige, die sich tatsächlich schützend vor sie stellen würden.

Als der bayerische Ministerpräsident Stoiber bei einer Kundgebung in Berlin mit Eiern beworfen wurde, da hat sich der Berliner Spitzenkandidat der CDU, Frank Steffel, sowohl schützend als auch demonstrativ hinter ihn gestellt. Geschützt hat Steffel sich selbst, instinktiv war er hinter Stoiber in Deckung gegangen, um nicht selbst von den Eiern getroffen zu werden. Und demonstriert hat er damit, dass es ihm an Courage fehlt, wie man sie von einem Mann erwartet, der nach Höherem strebt. Deshalb verlief seine politische Karriere danach alsbald im Sande.

Die Wahl des Stellplatzes will wohlüberlegt sein. "Er steht im Tor"-Sängerin Wencke Myhre wusste, wo ihr Platz war: dahinter. Und zwar Frühling, Sommer, Herbst und Winter. "Ich schütze meinen Minister"-Kanzler Gerhard Schröder weiß, wo sein Platz ist: davor. Und wer darüber berichtet, der gebe Acht, dass er die Positionen nicht verwechsele.