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02.02.2001, 20:04

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02.02.2001, 20:04
ombe GSM-R (WKN: 575 314)
Die Aktie Funkwerk dürfte Ihnen sicherlich bereits bekannt sein. Den Wert hatten wir zuletzt in unser NMI-Onlinedepot aufgenommen. Ein solides Fundament, eine stabile Marktstellung sowie ein unerschlossener Millardenmarkt zeichnen Funkwerk aus. Vorstandsvorsitzender Dr. Ing. Hans Grundner stand uns in der Redaktion Rede und Antwort:
NMI-Online: Herr Dr. Grundner, beschreiben Sie uns bitte kurz die Tätigkeitsfelder der Funkwerk AG.
Dr. Grundner: Funkwerk ist in den beiden Geschäftsfeldern Professioneller Mobilfunk und Kommerzieller Mobilfunk aktiv. Im Professionellen Mobilfunk liefern wir Lösungen zur Kontrolle, Steuerung und Automatisierung von betrieblicher Abläufen, wobei wir uns auf Verkehrsbetriebe - insbesondere Bahnen - spezialisiert haben. Im Kommerziellen Mobilfunk liefern wir moderne Telekommunikationseinrichtungen für Fahrzeuge, sowohl für den Nachrüstmarkt als auch zur Erstausrüstung an die Automobilindustrie.
NMI Online: Welches Marktvolumen sowie Marktwachstum kann - auch durch Studien - für die Bereiche kommerzieller sowie professioneller Mobilfunk belegt werden?
Dr. Grundner: Das Marktwachstum im professionellen Bereich wird bestimmt durch den weltweiten Technologiewechsel bei den Bahnen und anderen Verkehrsbetrieben. Die alte Signaltechnik wird durch moderne, funkbasierte Telematikanwendungen abgelöst. Treibender Faktor ist dabei der euro-päische Standard GSM-R. Der von Funkwerk bedienbare europäische Markt hierzu wird in den folgenden fünf Jahren von 300 Millionen auf über 1 Milliarde DM pro Jahr wachsen. Im Kommerziellen Mobilfunk wird in den nächsten zwei Jahren ein völlig neues Zuliefersegment in der Automobilindustrie entstehen, wenn Telekommunikationseinrichtungen
serienmäßig in Fahrzeuge eingebaut werden. Das von Funkwerk bedienbare Marktvolumen im kommerziellen
Mobilfunk wird in den nächsten fünf Jahren von 500 Millionen auf 1,5 Milliarden DM pro Jahr in Europa wachsen.
NMI Online: Wie ist die Marktstellung in Deutschland und im Ausland?
Dr. Grundner: Unsere Marktstellung in Deutschland ist sowohl im Professionellen als auch im Kommerziellen Mobilfunk ganz ausgezeichnet. Wir wurden von der Deutschen Bahn und von Nortel Networks als alleiniger Lieferant von GSM-R Terminals ausgewählt. Weiter haben wir bei den Be-triebszentralen für Bahnen eine Alleinstellung erreicht. Auch im kommerziellen Bereich besteht eine Alleinstellung als ausgewählter Lieferant für Mobilfunk-Compenser bei allen namhaften Automobilherstellern in Deutschland. Besonders möchte ich betonen, dass die Eintrittsbarrieren zu unseren Marktsegmenten enorm hoch sind und wir langfristige Lieferverträge mit hohen Auftragsbeständen besitzen. Die Marktstellung im Ausland muss noch verstärkt werden, was eine unserer Zielsetzungen für das Jahr 2001 ist.
NMI Online: Wer zählt im Bereich Kommerzieller Mobilfunk zu Ihren Kunden und wer zu Ihren Konkurrenten?
Dr. Grundner: Zu den wichtigsten Kunden gehören DaimlerChrysler, BMW, AUDI und die großen Distributoren, die den Nachrüstmarkt abdecken. Unsere Konkurrenz gliedert sich in Handyhersteller, Zubehörspezialisten und Erstausrüster. Funkwerk hat vor wenigen Monaten eine universelle Einrichtung mit Freisprechanlage auf den Markt gebracht, die für alle gängigen Handytypen gleichermaßen geeignet ist. Damit wurde die Freisprechanlage zum eigenständigen Produkt und erstmals für den serienmäßigen Einbau geeignet.
NMI Online: Stichwort GSM-R. 32 Länder haben sich für den gemeinsamen Bahnfunkstandard GSM-R entschieden. Was steckt hinter der Bezeichnung GSM-R und wo liegen die Vor- und Nachteile?
Dr. Grundner: Die Abkürzung GSM-R setzt sich aus GSM und Railway zusammen und zeigt auf, dass GSM-R auf der erfolgreichen Technologie GSM des öffentlichen Mobilfunks aufbaut, aber um wichtige zusätzliche Funktionen und Merkmale erweitert wurde. Die Erweiterungen sind darauf spezialisiert, betriebliche Abläufe der Bahnen zu steuern und zu automatisieren. Der Standard GSM-R kann grundsätzlich immer dann angewandt
werden, wenn ein Regiebetrieb automatisiert werden soll, das heißt, er ist auch anwendbar für Flughäfen, Schifffahrt u.s.w. Mit GSM-R wird der Bahnbetrieb revolutioniert, indem die alte Signaltechnik durch intelligente, funkbasierte Steuerungen ersetzt wird.
Damit werden Rationalisierungseffekte erreicht, bei gleichzeitiger Erhöhung der Sicherheit. Ich kenne keinen Nachteil von GSM-R, außer dass die europäischen Bahnen den Standard nur langsam implementieren.
NMI Online: Von welchem Marktvolumen kann man bei GSM-R ausgehen?
Dr. Grundner: Nach meinen Einschätzungen hat GSM-R in Europa ein Marktvolumen von 10 Milliarden DM in den nächsten zehn Jahren. Die ersten Länder, die den Standard einführen, sind Deutschland, die Schweiz und Schweden. In einer zweiten Welle werden Frankreich, Italien und die Beneluxländer nachziehen. Die Harmonisierung des Bahnverkehrs in Europa ist unvermeidlich.
NMI Online: Als ersten Referenzkunden haben Sie die Deutsche Bahn gewinnen können. Wie kam es dazu und
gegen welche Konkurrenten haben Sie sich durchsetzen müssen?
Dr. Grundner: Wir arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit der Deutschen Bahn zusammen und konnten eine sehr gute Reputation aufbauen. Im analogen Zugfunk sind wir in Deutschland Marktführer geworden. Der Auswahlprozess zur Ausschreibung GSM-R vollzog sich über zwei Jahre; wir konnten uns gegen eine namhafte, internationale Konkurrenz wie Motorola und Siemens durchsetzen.
NMI Online: Es geht hierbei um ein Auftragsvolumen von 350 Millionen DM bis 2008. Was genau beinhaltet dieser Auftrag und welche Leistungen sind in den 350 Millionen DM enthalten?
Dr. Grundner: Dieser Auftrag betrifft die GSM-R Terminals, die sowohl als Mobilgeräte wie auch als stationäre Terminals geliefert werden. Nicht mitgerechnet im Auftragsvolumen sind der Service und zusätzliche Software für spezifische Softwareanwendungen. Hier erwarten wir ein weiteres hohes Auftragspotenzial. Die Mobilgeräte werden in das Cockpit der Triebfahrzeuge eingebaut, während die stationären Geräte die Stellwerke bedienen werden. Die Auslieferung erfolgt entsprechend Rollout und Umrüstung der einzelnen Strecken der Deutschen Bahn.
NMI Online: Sie arbeiten hier mit Nortel Networks und auch Siemens zusammen. Sind diese Unternehmen nicht potenzielle Konkurrenten bei Vertragsverhandlungen mit weiteren Bahnbetreibern?
Dr. Grundner: Um unsere Position zu stärken, kooperieren wir mit den Firmen Sagem und Nortel Networks nicht nur beim GSM-R- Projekt der Deutschen Bahn, sondern auch im Vertrieb und Marketing weltweit. Mit diesen Partnern haben wir eine feste Arbeitsteilung vereinbart. Unsere starke Marktposition in Deutschland als Vorreiter in GSM-R und diese Partnerschaften bieten auch bei anderen Bahngesellschaften die besten Voraussetzungen zum Erfolg. Bereits heute kommen die ausländischen Bahnen gerne zu uns, um sich über GSM-R kundig zu machen und den Fortschritt zu studieren. Diese werden sich wegen unserer technologischen Führerschaft und unserer Flexibilität für uns entscheiden.
NMI Online: Haben Sie bereits mit weiteren Bahngesellschaften Gespräche aufgenommen?
Dr. Grundner: Wir sind in intensiven Gesprächen mit den Bahnen der Schweiz, Belgien, Griechenland, Italien und Irland. Aufgrund unserer Kooperation mit der französischen Firma Sagem sind wir in Westeuropa präsent und gut vertreten. Hervorragende Kontakte existieren auch zu den osteuropäischen Ländern, die traditionell die deutsche Bahntechnik anwenden. Für uns ist hier besonders interessant, dass die EU für Infrastrukturmaßnahmen in Osteuropa hohe Budgets eingeplant hat.
NMI Online: Mit welchen Umsatz und Ergebnissteigerungen rechnen Sie in den kommenden Jahren?
Dr. Grundner: In den nächsten drei Jahren rechnen wir durchschnittlich mit einem Umsatzwachstum von rund 28 Prozent und mit einem Ertragswachstum (EBIT) von 45 Prozent. Hier sind Akquisitionen nicht berücksichtigt, die aber mit Sicherheit stattfinden werden. Das bedeutet, die genannten Steigerungsraten werden wahrscheinlich übertroffen werden.
NMI Onlin