Christian
30.01.2001, 13:38
Rekordgewinn bei Nokia
Trotz der stürmischen Stimmung am Mobilfunkmarkt kann der finnische Telekommunikationskonzern wieder einmal mit Rekorden aufwarten: Der Gewinn stieg um knapp 50 Prozent und übertraf die Erwartungen der Analysten.
Helsinki - Der finnische Telekommunikationskonzern Nokia hat mit dem weltweiten Erfolg seiner Handys erneut einen Rekordgewinn eingefahren. Wie am Dienstag in Helsinki mitgeteilt wurde, steigerte das Unternehmen die Gewinne im letzten Jahr um 48 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 54 Prozent auf 30,4 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 9,284 Milliarden Euro nach 8,928 Milliarden Euro im Vorjahr. Nokia setzte im abgelaufenen Jahr 128 Millionen Mobiltelefone ab und lag mit einem Marktanteil von 31,6 Prozent klar vor dem US-Konzern Motorola, Ericsson in Schweden und dem deutschen Konkurrenten Siemens.
Erwartungen übertroffen
Mit einem Gewinn von 18 auf 25 Cents je Aktie hat der finnische Mobiltelefon-Konzern die Analystenschätzungen übertroffen. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hatten Analysten im Schnitt mit einem etwas geringeren Ergebnis je Aktie von 24 Cents gerechnet.
Vor Steuern habe der Konzern ein Ergebnis von 1,77 (Vorjahresquartal: 1,273) Milliarden Euro erwirtschaftet. Branchenexperten hatten im Schnitt (Median) ein ebenfalls geringeres Ergebnis von 1,702 Milliarden Euro vorausgesagt. Für das erste Quartal 2001 erwartet Nokia nun nach eigenen Angaben einen Umsatzanstieg von etwa 25 bis 30 Prozent und einen Gewinn je Aktie auf Vorjahresniveau.
Gleichzeitig reduzierte Nokia-Chef Jorma Ollila seine Prognose für die Handy-Verkäufe der gesamten Branche von 550 Millionen auf 520 bis 530 Millionen Stück. Nach Ansicht von Jussi Hyoety, Analyst von FIM Securities in Helsinki, wird dies allerdings von den Investoren positiv aufgenommen, da bereits ein Gesamtverkauf von 500 Millionen oder weniger Einheiten eingepreist sei. Nokia werde in der Lage sein, den Marktanteil trotz der Konjunkturschwäche in den USA auszubauen.
Handelsbanken sehen das Kursziel des Titels bei einem aktuellen Kurs von 42,86 Euro bei 55,00 Euro.
Chart (Intraday)
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Chart (6 Monate)
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Nokia hustet - Finnland wankt
Nokia hat Finnland vom Land des Finn Crisp zum Land des Hightech gemacht. Der Preis dieses nordischen Wirtschaftswunders ist die totale Abhängigkeit.
Als das Wort "Handy" im Deutschen noch keine Bedeutung hatte, war Finn Crisp, der Knäckebrot-Favorit von Menschen auf Diät, das einzige finnische Produkt, mit dem der normale Verbraucher hier zu Lande bewusst in Kontakt kam. Sonst fiel einem zu Finnland ein Klischee-Dreieck aus Sauna, höchster Selbstmordrate und schnapsdurchtränkten Kaurismäki-Filmen ein.
Dann kam der Siegeszug des Mobilfunks. Wenn heute alle Welt Liebesgrüße per SMS verschickt oder Geschäftsleute über die Freisprechanlage Termine verschieben, dann stehen die Chancen sehr gut, dass sie dabei ein finnisches Produkt in der Hand und ans Ohr halten. Finnland wird von der CallYa-Generation mit Nokia (und vielleicht noch Mika) gleichgesetzt, das Bild vom "Land der tausend Seen" ist vom "Land der Millionen Handys" abgelöst worden.
Das ist - ökonomisch gesehen - auch ziemlich zutreffend. Denn Nokia dominiert heute die Wirtschaft seines Heimatlandes wie keine andere Firma in den Industriestaaten sonst. Zuletzt machte Nokia etwa drei Viertel der Marktkapitalisierung der Börse von Helsinki aus und hat ein entsprechendes Gewicht im finnischen Aktienindex. Über ein Fünftel der finnischen Exporte und mehr als fünf Prozent des Sozialprodukts erwirtschaftet allein Nokia mit seiner Mobilfunktechnologie.
All dies von einer Firma, deren Geschichte fast jedes Klischee bedient. Von den Anfängen in der traditionellen Papierindustrie über die Gummistiefelproduktion bis zum Selbstmord des letzten Chefs vor dem Handyboom. Finnischer und weniger zukunftsträchtig ging es kaum. Vor knapp zehn Jahren setzte Nokia dann alles auf die Mobilfunkkarte und gewann: Im vergangenen Jahr kam weltweit jedes dritte neue Mobiltelefon aus der Produktion von Nokia.
Nokia hat Finnland in die Weltspitze der Hightech-Nationen gebracht, aber auch in eine einzigartige Abhängigkeit. In keiner anderen Industrienation könnte eine Diskussion darüber entstehen, ob man den Aktienindex überhaupt noch berechnen soll, da dessen Verlauf ohnehin eine einzige Aktie bestimmt. In kaum einem anderen Land dürften die Geschäftsaussichten eines Konzerns wichtiger für die Wachstumsprognosen der Volkswirte sein als die Steuerpolitik oder Zinsentwicklung. Wenn Nokia sich auch nur räuspert, geschweige denn hustet, ist eine Bronchitis für die finnische Wirtschaft im Anflug. Und obwohl Nokia nicht zu politischen Drohgebärden neigt, ist klar, dass finnische Politiker Nokia kaum einen Wunsch abschlagen oder eine Unterstützung verweigern könnten.
Für das Paar Nokia und Finnland gibt es zwei Wege. Entweder werden sie zusammen reich und bekommen viele Kinder in Form kleiner Start-ups im Umfeld des Telekomgiganten. Einige von denen werden später vielleicht reich genug, um den Vater Nokia zu ersetzen und die Mutter Finnland zu ernähren. Oder die Ehe bleibt kinderlos, die Karriere von Nokia bekommt irgendwann einen Knick, und Finnland ist gezwungen, einen lahmenden Giganten durchzufüttern. Aber wenn sogar der Sänger der Leningrad Cowboys Gitarre und ellenlange Haartolle abgelegt hat, um mit einem Unternehmen namens WAPit in die Schar der mobilfunkenden Sprösslinge einzusteigen - dann scheinen zumindest die Finnen wirklich an eine fruchtbare Hightech-Ehe zu glauben.
Quelle: Spiegel Online (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,115045,00.html)
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Trotz der stürmischen Stimmung am Mobilfunkmarkt kann der finnische Telekommunikationskonzern wieder einmal mit Rekorden aufwarten: Der Gewinn stieg um knapp 50 Prozent und übertraf die Erwartungen der Analysten.
Helsinki - Der finnische Telekommunikationskonzern Nokia hat mit dem weltweiten Erfolg seiner Handys erneut einen Rekordgewinn eingefahren. Wie am Dienstag in Helsinki mitgeteilt wurde, steigerte das Unternehmen die Gewinne im letzten Jahr um 48 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 54 Prozent auf 30,4 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 9,284 Milliarden Euro nach 8,928 Milliarden Euro im Vorjahr. Nokia setzte im abgelaufenen Jahr 128 Millionen Mobiltelefone ab und lag mit einem Marktanteil von 31,6 Prozent klar vor dem US-Konzern Motorola, Ericsson in Schweden und dem deutschen Konkurrenten Siemens.
Erwartungen übertroffen
Mit einem Gewinn von 18 auf 25 Cents je Aktie hat der finnische Mobiltelefon-Konzern die Analystenschätzungen übertroffen. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hatten Analysten im Schnitt mit einem etwas geringeren Ergebnis je Aktie von 24 Cents gerechnet.
Vor Steuern habe der Konzern ein Ergebnis von 1,77 (Vorjahresquartal: 1,273) Milliarden Euro erwirtschaftet. Branchenexperten hatten im Schnitt (Median) ein ebenfalls geringeres Ergebnis von 1,702 Milliarden Euro vorausgesagt. Für das erste Quartal 2001 erwartet Nokia nun nach eigenen Angaben einen Umsatzanstieg von etwa 25 bis 30 Prozent und einen Gewinn je Aktie auf Vorjahresniveau.
Gleichzeitig reduzierte Nokia-Chef Jorma Ollila seine Prognose für die Handy-Verkäufe der gesamten Branche von 550 Millionen auf 520 bis 530 Millionen Stück. Nach Ansicht von Jussi Hyoety, Analyst von FIM Securities in Helsinki, wird dies allerdings von den Investoren positiv aufgenommen, da bereits ein Gesamtverkauf von 500 Millionen oder weniger Einheiten eingepreist sei. Nokia werde in der Lage sein, den Marktanteil trotz der Konjunkturschwäche in den USA auszubauen.
Handelsbanken sehen das Kursziel des Titels bei einem aktuellen Kurs von 42,86 Euro bei 55,00 Euro.
Chart (Intraday)
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Nokia hustet - Finnland wankt
Nokia hat Finnland vom Land des Finn Crisp zum Land des Hightech gemacht. Der Preis dieses nordischen Wirtschaftswunders ist die totale Abhängigkeit.
Als das Wort "Handy" im Deutschen noch keine Bedeutung hatte, war Finn Crisp, der Knäckebrot-Favorit von Menschen auf Diät, das einzige finnische Produkt, mit dem der normale Verbraucher hier zu Lande bewusst in Kontakt kam. Sonst fiel einem zu Finnland ein Klischee-Dreieck aus Sauna, höchster Selbstmordrate und schnapsdurchtränkten Kaurismäki-Filmen ein.
Dann kam der Siegeszug des Mobilfunks. Wenn heute alle Welt Liebesgrüße per SMS verschickt oder Geschäftsleute über die Freisprechanlage Termine verschieben, dann stehen die Chancen sehr gut, dass sie dabei ein finnisches Produkt in der Hand und ans Ohr halten. Finnland wird von der CallYa-Generation mit Nokia (und vielleicht noch Mika) gleichgesetzt, das Bild vom "Land der tausend Seen" ist vom "Land der Millionen Handys" abgelöst worden.
Das ist - ökonomisch gesehen - auch ziemlich zutreffend. Denn Nokia dominiert heute die Wirtschaft seines Heimatlandes wie keine andere Firma in den Industriestaaten sonst. Zuletzt machte Nokia etwa drei Viertel der Marktkapitalisierung der Börse von Helsinki aus und hat ein entsprechendes Gewicht im finnischen Aktienindex. Über ein Fünftel der finnischen Exporte und mehr als fünf Prozent des Sozialprodukts erwirtschaftet allein Nokia mit seiner Mobilfunktechnologie.
All dies von einer Firma, deren Geschichte fast jedes Klischee bedient. Von den Anfängen in der traditionellen Papierindustrie über die Gummistiefelproduktion bis zum Selbstmord des letzten Chefs vor dem Handyboom. Finnischer und weniger zukunftsträchtig ging es kaum. Vor knapp zehn Jahren setzte Nokia dann alles auf die Mobilfunkkarte und gewann: Im vergangenen Jahr kam weltweit jedes dritte neue Mobiltelefon aus der Produktion von Nokia.
Nokia hat Finnland in die Weltspitze der Hightech-Nationen gebracht, aber auch in eine einzigartige Abhängigkeit. In keiner anderen Industrienation könnte eine Diskussion darüber entstehen, ob man den Aktienindex überhaupt noch berechnen soll, da dessen Verlauf ohnehin eine einzige Aktie bestimmt. In kaum einem anderen Land dürften die Geschäftsaussichten eines Konzerns wichtiger für die Wachstumsprognosen der Volkswirte sein als die Steuerpolitik oder Zinsentwicklung. Wenn Nokia sich auch nur räuspert, geschweige denn hustet, ist eine Bronchitis für die finnische Wirtschaft im Anflug. Und obwohl Nokia nicht zu politischen Drohgebärden neigt, ist klar, dass finnische Politiker Nokia kaum einen Wunsch abschlagen oder eine Unterstützung verweigern könnten.
Für das Paar Nokia und Finnland gibt es zwei Wege. Entweder werden sie zusammen reich und bekommen viele Kinder in Form kleiner Start-ups im Umfeld des Telekomgiganten. Einige von denen werden später vielleicht reich genug, um den Vater Nokia zu ersetzen und die Mutter Finnland zu ernähren. Oder die Ehe bleibt kinderlos, die Karriere von Nokia bekommt irgendwann einen Knick, und Finnland ist gezwungen, einen lahmenden Giganten durchzufüttern. Aber wenn sogar der Sänger der Leningrad Cowboys Gitarre und ellenlange Haartolle abgelegt hat, um mit einem Unternehmen namens WAPit in die Schar der mobilfunkenden Sprösslinge einzusteigen - dann scheinen zumindest die Finnen wirklich an eine fruchtbare Hightech-Ehe zu glauben.
Quelle: Spiegel Online (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,115045,00.html)
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