Gert
01.03.2001, 12:10
Aus der FTD vom 1.3.2001
www.ftd.de/sap (http://www.ftd.de/sap)
SAP-Stammaktie explodiert
Von Wolfram Trost, Frankfurt, und Stefan Biskamp, Hamburg
Die Kurse der Stammaktien des Softwarekonzerns SAP sind am Mittwoch um mehr als
26 Prozent auf 167,50 Euro in die Höhe geschossen.
Zuvor hatte SAP bekannt gegeben, dass die Vorzugsaktien im Verhältnis eins zu eins in
Stammaktien umgetauscht werden sollen. Damit näherten sie sich dem Niveau der
Vorzugsaktien an, die um 0,6 Prozent auf 171 Euro nachgaben.
Durch die Umstellung wird sich auch der Anteil der Alteigentümer am Unternehmen
verkleinern. Die drei verbliebenen Gründer Hasso Plattner, Dieter Hopp und Klaus Tschira
besitzen dann nur noch 39 Prozent des stimmberechtigten Kapitals. Zuvor waren es 63
Prozent gewesen.
Spekulationen über Umtauschpläne bei SAP kursierten bereits seit der Ankündigung der
Deutschen Börse, ab Juni 2002 nur noch den Streubesitz einer Aktiengattung in die
Berechnung der Indexgewichtung einzubeziehen. Ab Juni kommenden Jahres wird das
Gewicht bei einigen Unternehmen sinken, denn dann werden nicht mehr wie bisher die
Stamm- und Vorzugsaktien zusammen bei der Indexgewichtung eine Rolle spielen, sondern
nur noch eine Aktiengattung.
Bei der Gewichtung der europäischen Börsenindizes der Stoxx-Familie wird bereits jetzt nur
der Streubesitz einer Aktiengattung einbezogen. Mit der Zusammenlegung von Stamm- und
Vorzugsaktien erhofft sich SAP nun eine Aufnahme in die schwergewichtigen
Europe-Stoxx-50- und EuroStoxx-50-Indizes. Dadurch würde die SAP-Aktie für Fonds noch
interessanter.
Um in die Blue-Chip-Indizes zu kommen, muss der Walldorfer Softwarekonzern den
französischen Telekomausrüster Alcatel verdrängen. "Das ist bei einer nur gut halb so hohen
Marktkapitalisierung äußerst unwahrscheinlich", sagt der Index-Experte Stephan Appelhans
von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Aktienkurs von SAP müsse sich entweder deutlich
besser entwickeln als der von Alcatel, der SAP schaffe es durch eine Übernahme, Alcatel bei
der Marktkapitalisierung zu überrunden.
Für das Ausland attraktiver werden
Die Umtauschaktion dürfte daher nur ein Grund gewesen sein. Darüber hinaus will das
Management sein Unternehmen vor allem attraktiver machen. Gerade im Ausland verstehen
die Investoren den Unterschied zwischen Stamm- und Vorzugsaktien nicht. Zudem seien die
Vorzüge wegen des fehlenden Stimmrechts für die Shareholder-Value-orientierten
angelsächsischen Anleger uninteressant. Offenbar sperrten sich die SAP-Gründer bisher
wegen der Aufgabe eines Teils ihrer Stimmrechte vor einem Umtausch der Vorzugs- in
Stammaktien.
"Es ist gelungen, die Altaktionäre davon zu überzeugen, dass die verbleibende Mehrheit
noch ein so massiver Schutz ist, dass sich qualitativ nichts ändert", sagte SAP-Sprecher
Herbert Heitmann der FTD. Der neue Finanzvorstand Werner Brandt - seit Dezember im Amt -
habe den Altaktionären versichert, dass es für einen Investor, der eine feindliche
Übernahme versucht, schmerzhaft werden könne. Plattner, Hopp und Tschira hätten mit
knapp 40 Prozent der Stimmrechte auch weiterhin mehr als die Sperrminorität von 25
Prozent.
Bei Entscheidungen, die auf einer Hauptversammlung die Präsenz der Aktionäre erforderten,
würde sich das Verhältnis weiter zu Gunsten der Altaktionäre verschieben. Der Grund dafür
sei, dass in aller Regel auf Hauptversammlungen nicht alle Kleinanleger vertreten seien.
Es ist kein Zufall, dass die Entscheidung wenige Wochen nach Amtsantritt des neuen
Finanzchefs Werner Brandt fiel. Dem Vernehmen nach konnten sich Plattner und Hopp
schnell über die Änderung verständigen. Die Stimme von Brandt habe nach Aussage von
Heitmann dazu beigetragen. Zudem habe sich nach Auskunft eines Insiders SAP-Chef
Plattner - selbst im Besitz von Stammaktien - des öfteren gefragt, warum die Stammaktien
schwächer bewertet sind. Begründungen wie die höhere Dividende für Vorzugsaktien oder
der größere Streubesitz der Vorzüge hätten Plattner nie überzeugt.
Den Umtauschplan bewerten Analysten und Händler positiv. Eine Ablehnung der Aktionäre
wird nicht erwartet. Um den Plan umzusetzen, müssen zwei Drittel der Stammaktionäre und
drei Viertel der Vorzugsaktionäre auf der Hauptversammlung im Mai zustimmen.
Die Entscheidung von SAP führte auch bei weiteren potenziellen Umtauschkandidaten zu
Bewegung. So verringerte sich auch der Abstand bei den Stamm- und Vorzugsaktien von
Volkswagen.
© 2001 Financial Times Deutschland
www.ftd.de/sap (http://www.ftd.de/sap)
SAP-Stammaktie explodiert
Von Wolfram Trost, Frankfurt, und Stefan Biskamp, Hamburg
Die Kurse der Stammaktien des Softwarekonzerns SAP sind am Mittwoch um mehr als
26 Prozent auf 167,50 Euro in die Höhe geschossen.
Zuvor hatte SAP bekannt gegeben, dass die Vorzugsaktien im Verhältnis eins zu eins in
Stammaktien umgetauscht werden sollen. Damit näherten sie sich dem Niveau der
Vorzugsaktien an, die um 0,6 Prozent auf 171 Euro nachgaben.
Durch die Umstellung wird sich auch der Anteil der Alteigentümer am Unternehmen
verkleinern. Die drei verbliebenen Gründer Hasso Plattner, Dieter Hopp und Klaus Tschira
besitzen dann nur noch 39 Prozent des stimmberechtigten Kapitals. Zuvor waren es 63
Prozent gewesen.
Spekulationen über Umtauschpläne bei SAP kursierten bereits seit der Ankündigung der
Deutschen Börse, ab Juni 2002 nur noch den Streubesitz einer Aktiengattung in die
Berechnung der Indexgewichtung einzubeziehen. Ab Juni kommenden Jahres wird das
Gewicht bei einigen Unternehmen sinken, denn dann werden nicht mehr wie bisher die
Stamm- und Vorzugsaktien zusammen bei der Indexgewichtung eine Rolle spielen, sondern
nur noch eine Aktiengattung.
Bei der Gewichtung der europäischen Börsenindizes der Stoxx-Familie wird bereits jetzt nur
der Streubesitz einer Aktiengattung einbezogen. Mit der Zusammenlegung von Stamm- und
Vorzugsaktien erhofft sich SAP nun eine Aufnahme in die schwergewichtigen
Europe-Stoxx-50- und EuroStoxx-50-Indizes. Dadurch würde die SAP-Aktie für Fonds noch
interessanter.
Um in die Blue-Chip-Indizes zu kommen, muss der Walldorfer Softwarekonzern den
französischen Telekomausrüster Alcatel verdrängen. "Das ist bei einer nur gut halb so hohen
Marktkapitalisierung äußerst unwahrscheinlich", sagt der Index-Experte Stephan Appelhans
von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Aktienkurs von SAP müsse sich entweder deutlich
besser entwickeln als der von Alcatel, der SAP schaffe es durch eine Übernahme, Alcatel bei
der Marktkapitalisierung zu überrunden.
Für das Ausland attraktiver werden
Die Umtauschaktion dürfte daher nur ein Grund gewesen sein. Darüber hinaus will das
Management sein Unternehmen vor allem attraktiver machen. Gerade im Ausland verstehen
die Investoren den Unterschied zwischen Stamm- und Vorzugsaktien nicht. Zudem seien die
Vorzüge wegen des fehlenden Stimmrechts für die Shareholder-Value-orientierten
angelsächsischen Anleger uninteressant. Offenbar sperrten sich die SAP-Gründer bisher
wegen der Aufgabe eines Teils ihrer Stimmrechte vor einem Umtausch der Vorzugs- in
Stammaktien.
"Es ist gelungen, die Altaktionäre davon zu überzeugen, dass die verbleibende Mehrheit
noch ein so massiver Schutz ist, dass sich qualitativ nichts ändert", sagte SAP-Sprecher
Herbert Heitmann der FTD. Der neue Finanzvorstand Werner Brandt - seit Dezember im Amt -
habe den Altaktionären versichert, dass es für einen Investor, der eine feindliche
Übernahme versucht, schmerzhaft werden könne. Plattner, Hopp und Tschira hätten mit
knapp 40 Prozent der Stimmrechte auch weiterhin mehr als die Sperrminorität von 25
Prozent.
Bei Entscheidungen, die auf einer Hauptversammlung die Präsenz der Aktionäre erforderten,
würde sich das Verhältnis weiter zu Gunsten der Altaktionäre verschieben. Der Grund dafür
sei, dass in aller Regel auf Hauptversammlungen nicht alle Kleinanleger vertreten seien.
Es ist kein Zufall, dass die Entscheidung wenige Wochen nach Amtsantritt des neuen
Finanzchefs Werner Brandt fiel. Dem Vernehmen nach konnten sich Plattner und Hopp
schnell über die Änderung verständigen. Die Stimme von Brandt habe nach Aussage von
Heitmann dazu beigetragen. Zudem habe sich nach Auskunft eines Insiders SAP-Chef
Plattner - selbst im Besitz von Stammaktien - des öfteren gefragt, warum die Stammaktien
schwächer bewertet sind. Begründungen wie die höhere Dividende für Vorzugsaktien oder
der größere Streubesitz der Vorzüge hätten Plattner nie überzeugt.
Den Umtauschplan bewerten Analysten und Händler positiv. Eine Ablehnung der Aktionäre
wird nicht erwartet. Um den Plan umzusetzen, müssen zwei Drittel der Stammaktionäre und
drei Viertel der Vorzugsaktionäre auf der Hauptversammlung im Mai zustimmen.
Die Entscheidung von SAP führte auch bei weiteren potenziellen Umtauschkandidaten zu
Bewegung. So verringerte sich auch der Abstand bei den Stamm- und Vorzugsaktien von
Volkswagen.
© 2001 Financial Times Deutschland