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Vollständige Version anzeigen : War es das schon .... oder gibt es noch Fragezeichen ?


Ralph
14.10.2000, 16:12
Wer die gestrige fast panikartige Aufwärtsbewegung der NASDAQ erlebt hat, der stellt sich jetzt unweigerlich die Frage, ob es das schon war, was wir in den letzten Wochen an Abwärtsbewegung gesehen haben. Viele Investoren sind durch solche Tage leider allzu schnell geneigt, die vergangenen Wochen ad acta zu legen.

Aber ich will mal versuchen, ein wenig Licht in die Sache zu bringen.

Ist es JETZT an der Zeit sich in die immer noch existierende Abwärtsbewegung einzukaufen ?

Das schon fast unerschütterliche Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit des Aktienmarktes hat sich in den vergangenen zehn Jahren an Wall Street zu einer Art Mantra entwickelt. Aber Ausgang des letzten Jahrhunderts waren zumindest zwei Ereignisse -Asien-Krise und der Fast-Kollaps des LTCM Hedgefunds- existent, die diese Sichtweise für ein paar Monate beschädigte.
Heute weiss jeder, dass man gewaltige Gewinne gehabt ht, wenn man den Mut hatte, während dieser höchst unangenehmen Phasen am Markt zuzupacken.

Das bedeutet, dass jetzt die Zeit ist, die Scheckbücher zu öffnen, richtig ? Schliesslich ist der DJ30 am Donnerstag um 3.6% gesunken, nur um kurz vor der "magischen" 10.000er Marke am Freitag den Weg wieder nach oben anzutreten. Dasselbe traurige Lied betrübt die Investoren an der Nasdaq, wo der Technologie-Index mit seinen Frühjahrstiefsständen "flirtet".

So, worauf warten Sie ? Hier ist die grosse Chance, "billig" an die künftigen High-Flyer zu kommen. Schliesslich findet der Markt doch wieder zu alter Stärke zurück, wenn sich der Rauch mal verzieht. Der Nasdaq alleine ist 2.000 Punkte von seinem Höchsstand entfernt ..... also der Kauf hier sollte sich doch auf jeden Fall auszahlen !

Oder doch nicht ?

Das erste Mal seit langer Zeit, gibt es eine ganze Palette "bearisher" Faktoren, die dem Markt und der "Goldilocks-Economy" kräftig zusetzen. Faktoren, die selbst ausserhalb der Reichweite von Fed-Chef Alan Greenspan liegen.
Ich sage sicherlich voraus, dass der markt nicht wieder nach oben strebt. Ich wäre verrückt, so etwas zu behaupten, aber Tatsache ist, dass sich die Welt seit 1998 in erheblichem Masse geändert hat.

Und diese Faktoren sind es wert, näher beleuchtet zu werden !

Fangen wir mit dem Nahen Osten an !Was am Donnerstag klar wurde, als der Nahe Osten vor dem Ausbrechen stärkster kriegerischer Handlungen war, und der Ölpreis um 10% nach oben schoss, war die Sache, dass sehr viele Marktteilnehmer auf gewaltigen Short-Positionen im Öl sitzen, die an diesem Tag eingedeckt werden mussten.
Dies reflektiert aber auch die Tatsache, dass es einen gewaltigen Optimismus gibt, dass der Ölpreis letztlich zu fallen HAT ! .... so sorry :(

Eine Serie von Produktionsanhebungen der OPEC und das Antasten der "strategischen" Ölreserven (was höchst unstrategisch war) waren nur ein Tropfen auf den heissen Stein und letztlich erfolglos in der Beeinflussung des Ölpreises, unter die 35 Dollar-Marke zu sinken. Der Anstieg in die 40er Regionen lässt Erinnerungen wach werden, als 1973 und 1978 (da waren die letzten beiden Ölkrisen) lange Schlangen an den Zapfsäulen zu verzeichnen waren. Auf dieses folgten zwei schmerzhafte Rezessionen .... :( :(

Auf jeden Fall, im Gegensatz zu den verprügelten Indices in 1997 und 1998, können die Aktienmärkte heute nicht mehr auf die bullische Kombination aus Null-Inflation und einem Ölpreis um die 11 Dollar setzen. "Reale Inflation" muss sich noch zeigen, aber wie lange noch kann die Produktivität schneller wachsen als der Anstieg des Ölpreises.
Einige Fed-Auguren spekuklieren bereits, dass die Fed wohl keine Wahl hätte, als die Zinsen weiter zu erhöhen, um dem Preisdruck im Öl Herr zu werden. Dies dürfte dann aber der letzte Sargnagel für die amerikanische Konjunktur sein.

Der grösste Teil der negativen Meinung wird getrieben durch sehr reale Sorgen bezüglich des Schadens den die amerikanische Wirtschaft durch die hohen Energiepreise nehmen wird. Die US-Wirtschaft hätte 1990 die damalige Rezession (übrigens die letzte) vermeiden können, wenn nicht der Golfkrieg dazwischen gekommen wäre.
Sicher, man kann argumentieren, dass die Amerikaner heute wirtschaftlich in einer besseren Verfassung sind, als 1990 - aber sie sind in einer schlimmeren Verfassung, was die Energieseite anbelangt.

Soviel zu den offensichtlichen Fakten. Jetzt mal zu denen, die zugegebenermassen -noch- etwas im Nebel liegen.

Zu den grössten Verlierern am Donnerstag zählte der Finanzsektor, der die ganze Woche über, von Ängsten hinsichtlich "fauler Kredite" geplagt war. So langsam scheint man an den Märkten die sich ausweitenden Spreads zwischen den Treasuries und den Junk Bonds zu notieren. Als am Donnerstag das Gerücht die Runde machte, wonach Deutsche Bank einen Verlust von über 1Mrd. Dollar zu verkraften habe, gab es kein Halten mehr. Der Rest der Finanzunternehmen sind an diesem Tag ebenfalls schwer erschüttert werden, da man dort ähnliche Verluste befürchtet.
Morgan Stanley entschied sich am Mittwoch den Weg nach vorne anzutreten, und versuchte die Gerüchte zu zerstreuen, indem sie meldeten, dass sie nur 90 Mio Dollar Verlust buchen müssten. Bedauerlicherweise meldete aber das "Shared National Credit Program" (Federal Reserve Board), wonach sich die Verluste bei amerikanischen Finanzinstitutionen aus diesen Segmenten in diesem Jahr mehr als verdreifacht haben. Der erreichte Level ist bereits jetzt grösser, als die absoluten Level in der letzten Rezession.

Die Kreditfrage sollte sicherlich nicht übertrieben betrachtet werden, aber soviel ist richtig: Ein "Credit Crunch" im Kapitalmarkt für Schulden ist unterwegs, denn Firmen, die hofften, dass sie für die Emmittierung von Junk-Bonds "gutes" Geld bekämen, sehen sich mit einer dramatisch gesteigenen Refinanzierungsrate konfrontiert. Diese Art Bonds werfen zur Zeit 13.1% im Vergleich zu risikofreien 30 jahre-Treasuries (5.80%) ab. Der historische Renditedurchschnitt bei Junk Bonds liegt bei ca. 200 Punkten im Vergleich zu den Treasuries, also 11.5%.

Was dies für die kapitalintensive Telekommunikationsindustrie bedeutet bleibt jedem selbst überlassen. Aber es kann nicht gut sein, wenn der Sektor, den man als das Rückgrat der "New Economy" ansieht, sich soclhen Problemen gegenüber sieht.
Wen man sich mal überlegt, dass AT&T immer noch den Schuldendienst für ihren Kabeldienst leistet (immerhin 60 Mrd. Dollar). Oder die Emission der 10-Jahres-Anleihe von Asia Global Crossing , die -ürsprünglich geplant mit 12.50%- nur mit einem Coupon von 13.75% an den Mann gebracht werden konnte. Und Asia Global Crossing ist keine Hinterhof-Klitsche !
Was passiert mit all den Start-Up-Unternehmen, die ihr Equipment von Firmen wie Cisco oder Nortel Networks kaufen ? Ganz zu schweigen von Cisco und NT selbst.

Hinzu kommt die teilweise begründete Angst um die Gewinne der Unternehmen, die man auch zu den Säulen der "New Economy" zählt, Intel, WorldCom, Motorola etc. etc. Die kürzlichen Reaktionen auf Einflüsse, wie schwächelnder Euro, die Dot.com-Problematik und damit verbunden Investitionen in IT, und natürlich der hohe Ölpreis, der ein dickes Stück Kapitalkraft aus den Taschen der Verbraucher schneiden wird.

All diese Dinge zusammengefasst, muss man sagen, dass es eine grosse Wahrscheinlichkeit gibt, dass evtl. weiterhin ein hungriger Bär an der Tür klopft. Also nicht wegen einem -wenn auch sehr starkem- Anstieg den Kopf verlieren.

Ralph

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Büffel
16.10.2000, 11:45
hi,
ich denke eigentlich schon,das wir ein paar sonnige tage in kürze sehen,vorausgesetzt frieden im NO und
weiter gute QZ.

sollte dies so eintreffen,denke ich das wir die 3200
nochmal testen und dann erstmal nach oben laufen.
in diese phase könnte man sich dann überlegen zu verkaufen.
aber wer weiss,vielleicht ist das dann der beginn einer
etwas längeren aufwärtsbewegung bis in den dez hinein.

ich sehe nicht alles sooo negativ.

schaun mer erstmal was die politik macht,den der ölpreis muss fallen,aber dazu ist frieden im NO notwendig.

büffel

Ralph
16.10.2000, 11:49
Wahre Worte, mein Freund,

aber wenn wir die 3.200 nochmal erfolgreich testen, dann würde auch ich meinen "Bear-Suit" teilweise ausziehen, denn es sit vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die Amis Zinssenkungen spielen .... und dann ist die Phantasie wieder da.

Kurzfristig erstmal wieder selektieren, ..... aber das haben wir ja drauf, gelle ;)

Ralph

Büffel
16.10.2000, 13:24
mensch ralph,du und wieder bullisch. :D

na,wollen wir mal den tag nicht vor dem abend loben.
wichtig ist und bleibt SELEKTION!!! :D

und wichtig ist auch das der büffel wieder unter
seine postings schreibt-
"viel spass beim $$$$zählen" ;)

büffel