Ralph
17.12.2000, 21:17
Seit Monaten schreibe ich über die inverse Zinsstruktur in den USA, und den Gefahren für die US-Wirtschaft. Da wir uns ja jetzt in einer ziemlich besinnlichen Zeit befinden, habe ich mir mal die Zeit zum Nachsinnen genommen und einen offenen Brief an Alan Greenspan verfasst !(da ich heute ja schon etwas zum Vertrauen in den Boom geschrieben habe, denke ich, das passt ganz gut) ..... vielleicht habt ihr ja noch ein paar Ergänzungen http://www.stock-channel.net/Board/smilies/smile.gif
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[i]Dear Mr. Greenspan
Lassen Sie mich damit beginnen zu sagen, dass Sie seit fast 14 Jahren einer der besten "Wirtschaftspiloten" sind, vielleicht der beste in der Geschichte. Wir haben gelernt Ihnen zu vertrauen. Sie sagen, dass Sie uns ein "Soft-Landing" bringen werden; wir wissen, dass Sie es versuchen werden.
Es ist Ihrer Aufmerksamkeit sicherlich nicht entgangen, dass es Leute gibt, die zunehmend grosse Besorgnis zeigen, was die "Landeklappen für die US-Wirtschaft" anbelangt. Und ich muss in der Tat auch gestehen, dass uns die Erfahrung zeigt, dass eine weiche Landung in all den Turbulenzen sehr schwierig ist. Lassen Sie uns die Sorgen mit diesen Leuten teilen und ein paar Vorschläge machen, wie wir ihnen wieder den Glauben zurückgeben können.
Zuallererst muss man sagen, dass Ihre eigenen FED-Volkswirtschaftler mehrere sehr profunde Studien geschrieben haben, wonach die Zinsstruktur der zuverlässigste Rezessionsindikator überhaupt ist. Diese inverse Zinsstruktur zeigte sich erstmals im Mai diesen Jahres und hat sich seitdem immer weiter verschlechtert. Sie beträgt im Moment -0.83 und der Trend macht sie noch schlimmer. Wir bewegen uns dramatisch schnell auf einen Bereich zu, wonach Ihre Ökonomen einer Rezession eine fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit einräumen. Wir sind NIE in einer solchen Region gewesen, wo wir nicht innerhalb eines Jahres KEINE Rrezession gehabt hätten.
Einer Ihrer guten Freunde und anerkannter "Guru" Henry Kaufman, einer der optimistischsten Volkswirte auf diesem unseren Planeten, hat gerade gesagt, dass eine 40% Wahrscheinlichkeit innerhalb des nächsten Jahres besteht und 100% innerhalb der nächsten drei Jahre. Da er innerhalb ihres "Flugzeuges" in der "First Class" sitzt und Ihnen damit sehr viel näher ist, als andere, macht es uns sehr nervös, wenn er in dieser Art und Weise spricht.
Im letzten Quartal ist die Wirtschaft nur um 2,4% gewachsen. Während dies natürlich nicht das Ende der Welt ist, so ist es aber trotzdem ein 50% - Rückgang in nur einem Quartal. Die zuletzt veröffentlichten Daten machen nur sehr wenigen Personen Hoffnung, dass es im letzten Quartal des Jahres besser werden wird. Sie haben kürzlich gesagt, dass die Wirtschaft bei 3.5% oder etwas mehr im Prinzip inflationsfrei wachsen könne. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, den Schub etwas zu erhöhen und die Wirtschaft etwas schneller wachsen zu lassen.
Wir wissen, dass Sie ein starkes Augenmerk auf die Stahlproduktion haben. Stahl ist immer noch ein ziemlich starker Bestandteil der US-Wirtschaft. Diese Produktion ist in den letzten Monaten um 12% gefallen, ebenso ist die Kapazitätsauslastung auf 75% (vormals 85%) alleine im letzten Monat zurückgegangen. Dies sind sehr scharfe Rückgänge und höchst beunruhigend. All dies bedeutet, dass wir in Zukunft ein sich noch weiter verlangsamendes Wachstum sehen werden, als wir im letzten Quartal gesehen haben.
Die Anträge auf Arbeitslosenhilfe sind höher als erwartet ausgefallen, die persönlichen Einkommen sind im Oktober gefallen. Dies wiederum verursachte einen starken Rückgang im Verbrauchervertrauen, jetzt wo wir uns mitten in der Weihnachtssaison befinden. Natürlich, wir wissen, dass die Umsätze über Thanksgiving zugelegt haben; dies aber nur, weil die Unternehmen ihre Waren praktisch "verschenken" mussten, um den Verbraucher überhaupt ansprechen zu können. Die bedeutet niedrigere Margen, niedrigere Gewinne. Niedrigere Gewinne bedeuten weniger Jobs.
Die Öl- und Energiepreise wirken wie eine starke Steuererhöhung auf die US-Wirtschaft und ist besonders gefährdend für die unteren Schichten der Arbeiter und Angestellten. Während wir wissen, dass dies Inflationsgefahren auslöst, lehrt uns doch die Geschichte, dass die wahrscheinlich temporär ist. Ich möchte noch nicht mal daran denken, was passieren würde, sollten die USA eine harte Landung oder Rezession erfahren. Der Rest der Welt würde in grösste Probleme geraten.
Und hiermit bin ich beim Rest der Welt. Vom jetzigen Standpunkt aus betrachtet sieht es nicht gut aus. Japan's Verbraucher sind alles andere als spendabel. Diese wichtige Nation ist nicht der Taktgeber für die gesamte asiatische Region, wie erwartet und erhofft. Indonesien steht kurz vor einem Bürgerkrieg, Malaysia hat grösste Probleme, Korea macht zunehmend Sorgen. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Es gibt eine grosse Länder, viele davon sind US-Handelspartner, die zunehmend Grund zur Sorge geben.
Wenn es zu einem graduellen und ernsthaften Wachstumrückgang der US-Verbraucherausgaben kommen, dann hätte dies zur Folge, dass auch diese Länder nicht mehr US-Waren in der erforderlichen Menge kaufen würden, was wiederum eine unangenehme Spirale in Kraft setzen würde.
Wir stimmen Ihnen zu, dass die Aktienmarktinvestoren zu einer absolut irrationalen Übertreibung geführt haben. Jedoch wurde dadurch ein Wohlstandseffekt geschaffen, welcher dafür sorgte, dass alles zu schnell gewachsen ist und mehr Inflationsgefahren heraufbeschworen hat. Sie hatten Recht, die Zinsen zu erhöhen und für etwas weniger "Beschleunigung" zu sorgen.
Allerdings hoffe ich, dass wir unsere Lektion gelernt haben. In diesem Jahr wurden hunderte von Milliarden Dollars vernichtet. Alleine seit der Präsidentschaftswahl wurden über 5.000 Milliarden Dollar vernichtet. Es ist verlockend, alles auf Al Gore zu schieben, aber das wäre zu einfach gedacht.
Ich denke, wir müssen uns langsam über einen "negativen Wohlstandseffekt" Gedanken machen. Der Absturz der Aktienmärkte findet langsam seinen Weg in niedrigere Verbraucherausgaben. Schauen Sie sich bitte die Verkaufszahlen für Neuwagen an, die dramatisch eingebrochen sind.
20% weniger Verbraucher planen ein neues Haus zu kaufen. Viele Verbraucher sagen, dass sie weniger für Weihnachten ausgeben wollen und eine alarmierende Anzahl davon ist höchst besorgt, was die Rückzahlung der Kredikartenkredite anbelangt.
Ich könnte so weiter machen, aber Sie wissen worum es geht. Die wahren Probleme stehen uns noch bevor. Falls das Verbrauchervertrauen im November so stark aufgrund des Absturzes des NASDAQ im Oktober war, was steht uns dann im Dezember bevor, wo wir den Absturz im November verkraften müssen. Wenn die Weihnachtsumsätze zurückgehen, weil wir um die Zukunft besorgt sind, was passiert dann mit den Unternehmensgewinnen.
In einer Rezession fallen die Aktienmärkte um durchschinittlich 45%. Wenn die Leute anfangen zu glauben, dass die Aktienkurse noch weiter fallen werden, wegen der Wirtschaft, so könnte dies sehr unangenehm für die Märkte werden. Es könnte sehr unangenehm werden. Es könnte anfangen, wie in Japan zu enden. Wissen Sie, dass dort tatsächlich Deflation herrscht ?
Wie Sie sehen, ein Grossteil des Aktienmarktes ist nie irrational gewesen. Es waren nur wenige Technologie-, Internet- etc. Werte gewesen, die unbegrentes Wachstum versprachen, in einer zunehmend perfekten Welt. Aber dieser Irrglaube wurde zerstört, eine Grosszahl dieser Aktein haben über 80% ihres Wertes verloren. Die Investoren beginnen langsam zzu verstehen, dass auch New Economy-Unternehmen den normalen Zyklen von Old Economy-Firmen unterliegen. Da diese Sichtweise zunehmend im Markt dominiert, bedeutet dies nichts Gutes für Tech-Unternehmen, sollte eine weiche Landung nicht geschafft werden.
Es gibt aber noch andere Dinge, die zur Besorgnis anregen. Die Kreditlinien für Unternehmen werden immer enger geschnürt, Banken verschärfen ihre Ausleihungsbedingungen. Dies bedeutet, dass es weniger Mittel für Kapitalinvestments und Geschäftsexpansion geben wird, was wiederum weniger Expansion, l
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[i]Dear Mr. Greenspan
Lassen Sie mich damit beginnen zu sagen, dass Sie seit fast 14 Jahren einer der besten "Wirtschaftspiloten" sind, vielleicht der beste in der Geschichte. Wir haben gelernt Ihnen zu vertrauen. Sie sagen, dass Sie uns ein "Soft-Landing" bringen werden; wir wissen, dass Sie es versuchen werden.
Es ist Ihrer Aufmerksamkeit sicherlich nicht entgangen, dass es Leute gibt, die zunehmend grosse Besorgnis zeigen, was die "Landeklappen für die US-Wirtschaft" anbelangt. Und ich muss in der Tat auch gestehen, dass uns die Erfahrung zeigt, dass eine weiche Landung in all den Turbulenzen sehr schwierig ist. Lassen Sie uns die Sorgen mit diesen Leuten teilen und ein paar Vorschläge machen, wie wir ihnen wieder den Glauben zurückgeben können.
Zuallererst muss man sagen, dass Ihre eigenen FED-Volkswirtschaftler mehrere sehr profunde Studien geschrieben haben, wonach die Zinsstruktur der zuverlässigste Rezessionsindikator überhaupt ist. Diese inverse Zinsstruktur zeigte sich erstmals im Mai diesen Jahres und hat sich seitdem immer weiter verschlechtert. Sie beträgt im Moment -0.83 und der Trend macht sie noch schlimmer. Wir bewegen uns dramatisch schnell auf einen Bereich zu, wonach Ihre Ökonomen einer Rezession eine fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit einräumen. Wir sind NIE in einer solchen Region gewesen, wo wir nicht innerhalb eines Jahres KEINE Rrezession gehabt hätten.
Einer Ihrer guten Freunde und anerkannter "Guru" Henry Kaufman, einer der optimistischsten Volkswirte auf diesem unseren Planeten, hat gerade gesagt, dass eine 40% Wahrscheinlichkeit innerhalb des nächsten Jahres besteht und 100% innerhalb der nächsten drei Jahre. Da er innerhalb ihres "Flugzeuges" in der "First Class" sitzt und Ihnen damit sehr viel näher ist, als andere, macht es uns sehr nervös, wenn er in dieser Art und Weise spricht.
Im letzten Quartal ist die Wirtschaft nur um 2,4% gewachsen. Während dies natürlich nicht das Ende der Welt ist, so ist es aber trotzdem ein 50% - Rückgang in nur einem Quartal. Die zuletzt veröffentlichten Daten machen nur sehr wenigen Personen Hoffnung, dass es im letzten Quartal des Jahres besser werden wird. Sie haben kürzlich gesagt, dass die Wirtschaft bei 3.5% oder etwas mehr im Prinzip inflationsfrei wachsen könne. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, den Schub etwas zu erhöhen und die Wirtschaft etwas schneller wachsen zu lassen.
Wir wissen, dass Sie ein starkes Augenmerk auf die Stahlproduktion haben. Stahl ist immer noch ein ziemlich starker Bestandteil der US-Wirtschaft. Diese Produktion ist in den letzten Monaten um 12% gefallen, ebenso ist die Kapazitätsauslastung auf 75% (vormals 85%) alleine im letzten Monat zurückgegangen. Dies sind sehr scharfe Rückgänge und höchst beunruhigend. All dies bedeutet, dass wir in Zukunft ein sich noch weiter verlangsamendes Wachstum sehen werden, als wir im letzten Quartal gesehen haben.
Die Anträge auf Arbeitslosenhilfe sind höher als erwartet ausgefallen, die persönlichen Einkommen sind im Oktober gefallen. Dies wiederum verursachte einen starken Rückgang im Verbrauchervertrauen, jetzt wo wir uns mitten in der Weihnachtssaison befinden. Natürlich, wir wissen, dass die Umsätze über Thanksgiving zugelegt haben; dies aber nur, weil die Unternehmen ihre Waren praktisch "verschenken" mussten, um den Verbraucher überhaupt ansprechen zu können. Die bedeutet niedrigere Margen, niedrigere Gewinne. Niedrigere Gewinne bedeuten weniger Jobs.
Die Öl- und Energiepreise wirken wie eine starke Steuererhöhung auf die US-Wirtschaft und ist besonders gefährdend für die unteren Schichten der Arbeiter und Angestellten. Während wir wissen, dass dies Inflationsgefahren auslöst, lehrt uns doch die Geschichte, dass die wahrscheinlich temporär ist. Ich möchte noch nicht mal daran denken, was passieren würde, sollten die USA eine harte Landung oder Rezession erfahren. Der Rest der Welt würde in grösste Probleme geraten.
Und hiermit bin ich beim Rest der Welt. Vom jetzigen Standpunkt aus betrachtet sieht es nicht gut aus. Japan's Verbraucher sind alles andere als spendabel. Diese wichtige Nation ist nicht der Taktgeber für die gesamte asiatische Region, wie erwartet und erhofft. Indonesien steht kurz vor einem Bürgerkrieg, Malaysia hat grösste Probleme, Korea macht zunehmend Sorgen. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Es gibt eine grosse Länder, viele davon sind US-Handelspartner, die zunehmend Grund zur Sorge geben.
Wenn es zu einem graduellen und ernsthaften Wachstumrückgang der US-Verbraucherausgaben kommen, dann hätte dies zur Folge, dass auch diese Länder nicht mehr US-Waren in der erforderlichen Menge kaufen würden, was wiederum eine unangenehme Spirale in Kraft setzen würde.
Wir stimmen Ihnen zu, dass die Aktienmarktinvestoren zu einer absolut irrationalen Übertreibung geführt haben. Jedoch wurde dadurch ein Wohlstandseffekt geschaffen, welcher dafür sorgte, dass alles zu schnell gewachsen ist und mehr Inflationsgefahren heraufbeschworen hat. Sie hatten Recht, die Zinsen zu erhöhen und für etwas weniger "Beschleunigung" zu sorgen.
Allerdings hoffe ich, dass wir unsere Lektion gelernt haben. In diesem Jahr wurden hunderte von Milliarden Dollars vernichtet. Alleine seit der Präsidentschaftswahl wurden über 5.000 Milliarden Dollar vernichtet. Es ist verlockend, alles auf Al Gore zu schieben, aber das wäre zu einfach gedacht.
Ich denke, wir müssen uns langsam über einen "negativen Wohlstandseffekt" Gedanken machen. Der Absturz der Aktienmärkte findet langsam seinen Weg in niedrigere Verbraucherausgaben. Schauen Sie sich bitte die Verkaufszahlen für Neuwagen an, die dramatisch eingebrochen sind.
20% weniger Verbraucher planen ein neues Haus zu kaufen. Viele Verbraucher sagen, dass sie weniger für Weihnachten ausgeben wollen und eine alarmierende Anzahl davon ist höchst besorgt, was die Rückzahlung der Kredikartenkredite anbelangt.
Ich könnte so weiter machen, aber Sie wissen worum es geht. Die wahren Probleme stehen uns noch bevor. Falls das Verbrauchervertrauen im November so stark aufgrund des Absturzes des NASDAQ im Oktober war, was steht uns dann im Dezember bevor, wo wir den Absturz im November verkraften müssen. Wenn die Weihnachtsumsätze zurückgehen, weil wir um die Zukunft besorgt sind, was passiert dann mit den Unternehmensgewinnen.
In einer Rezession fallen die Aktienmärkte um durchschinittlich 45%. Wenn die Leute anfangen zu glauben, dass die Aktienkurse noch weiter fallen werden, wegen der Wirtschaft, so könnte dies sehr unangenehm für die Märkte werden. Es könnte sehr unangenehm werden. Es könnte anfangen, wie in Japan zu enden. Wissen Sie, dass dort tatsächlich Deflation herrscht ?
Wie Sie sehen, ein Grossteil des Aktienmarktes ist nie irrational gewesen. Es waren nur wenige Technologie-, Internet- etc. Werte gewesen, die unbegrentes Wachstum versprachen, in einer zunehmend perfekten Welt. Aber dieser Irrglaube wurde zerstört, eine Grosszahl dieser Aktein haben über 80% ihres Wertes verloren. Die Investoren beginnen langsam zzu verstehen, dass auch New Economy-Unternehmen den normalen Zyklen von Old Economy-Firmen unterliegen. Da diese Sichtweise zunehmend im Markt dominiert, bedeutet dies nichts Gutes für Tech-Unternehmen, sollte eine weiche Landung nicht geschafft werden.
Es gibt aber noch andere Dinge, die zur Besorgnis anregen. Die Kreditlinien für Unternehmen werden immer enger geschnürt, Banken verschärfen ihre Ausleihungsbedingungen. Dies bedeutet, dass es weniger Mittel für Kapitalinvestments und Geschäftsexpansion geben wird, was wiederum weniger Expansion, l