Eric
21.12.2000, 14:24
Nasdaq - von der Hausse in die Katastrophe
Genau 178,93 weitere Punkte ist der Nasdaq-Index am Mittwoch abgestürzt. Damit hat das Börsenbarometers 42,7 Prozent seit Jahresbeginn verloren. Von den Höchstständen im März hat sich der Index sogar mehr als halbiert. Wie lange dauert der freie Fall noch an, fragen sich Anleger und Analysten.
Am Mittwoch war es zum einen das Wort "Rezession", ausgesprochen von Alan Greenspan, das zur schlechten Stimmung beitrug. Zudem gab es neue Gewinnwarnungen, beispielsweise von Foundry Networks. Und dann stuften die Analysten von Merrill Lynch noch Cisco, IBM und Hewlett Packard ab. Die Unternehmen würden wegen des problematischen wirtschaftlichen Umfeldes weniger Geld für Informations-Technologie ausgeben, begründeten die Experten des Bankhauses.
Resultat: Cisco stürzte 12 Prozent ab, IBM 4,5 und Hewlett Packard 2,8 Prozent. Mit einer Jahresperformance zwischen Minus 40 und Minus 60 Prozent sind diese drei High-Tech Blue Chips sogar noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Bei den Internetwerten dagegen notiert kaum eine Aktie nicht mindestens Dreiviertel unter den Höchstkursen. Prominente Beispiele sind Yahoo ( Höchstkurs 250 Dollar / gestriger Schlusskurs 28 Dollar), Amazon (102 / 16,6), CMGI (163,5 / 5,5) und Commerce One (165,5 / 22,5).
Unter den Top-Verlierern befindet sich auch Infospace (138,5 / 6,25), die zu allem Übel jetzt noch von einem eigenen Manager verklagt werden. John E. Richards wirft dem Aufsichtsratsvorsitzenden Naveen Jain vor, falsche Versprechungen gemacht zu haben. Jain habe Managern wiederholt Aktienoptionen in Aussicht gestellt, dann aber nicht ausgegeben. Sechs Angestellte seien betroffen, zwei Fälle habe Infospace gegen Zahlung von 15 Millionen Dollar geschlichtet.
Zwei weitere Ex-Börsenstars - Conexant (132,5 / 20,4) und Real Networks (96 / 10) - warnten gestern nach Börsenschluss vor einem schwächer als erwarteten Quartalsergebnis. Die Bestrafung folgte umgehend, beide Titel brachen nachbörslich ein.
Wann ist die Katastrophe endlich ausgestanden? "Die Gewinnmeldungen fallen enttäuschend aus. Bevor keine Stabilisierung bei den Ergebnissen der Unternehmen eintritt, werden die Käufer nicht an den Markt zurück kehren", glaubt Bill Schneider von UBS Warburg. "Es ist gut möglich, dass wir noch die 2.100 Punkte im Nasdaq sehen", prophezeit Louis Park von Raymond James. "Wir brauchen noch einen richtigen Ausverkauf mit hohem Volumen. Anschließend könnte die Bodenbildung - die unter Umständen mehrere Monate dauert - kommen."
"Die negativen Meldungen reißen einfach nicht ab. Ich kann keinen Grund für eine Erholung sehen", so Iyako Tsuboya von Daiwa Securities America. Die Unternehmen nutzen das vierte Quartal, um sämtliche schlechten Nachrichten zu verkünden, Restrukturierungen bekannt zu geben und Abschreibungen zu tätigen, glaubt Tracy Eichler von Paine Webber. Wenn schon Bad News, dann aber alle auf einmal, so das Motto.
Auf kurze Sicht ist die Lage deshalb hoffnungslos, sagen die meisten Experten. Das gestrige 21-Monatstief im Nasdaq war offenbar noch nicht das letzte Wort. Bereits jetzt ist sicher: Das Jahr 2000 wird als das mit Abstand Schlechteste in die Geschichte der amerikanischen Technologiebörse eingehen. Selbst mittelfristig ist von Rallye momentan keine Rede mehr. Langwierige Bodenbildung lautet stattdessen die Parole.
© 21.12.2000 www.stock-world.de (http://www.stock-world.de)
Genau 178,93 weitere Punkte ist der Nasdaq-Index am Mittwoch abgestürzt. Damit hat das Börsenbarometers 42,7 Prozent seit Jahresbeginn verloren. Von den Höchstständen im März hat sich der Index sogar mehr als halbiert. Wie lange dauert der freie Fall noch an, fragen sich Anleger und Analysten.
Am Mittwoch war es zum einen das Wort "Rezession", ausgesprochen von Alan Greenspan, das zur schlechten Stimmung beitrug. Zudem gab es neue Gewinnwarnungen, beispielsweise von Foundry Networks. Und dann stuften die Analysten von Merrill Lynch noch Cisco, IBM und Hewlett Packard ab. Die Unternehmen würden wegen des problematischen wirtschaftlichen Umfeldes weniger Geld für Informations-Technologie ausgeben, begründeten die Experten des Bankhauses.
Resultat: Cisco stürzte 12 Prozent ab, IBM 4,5 und Hewlett Packard 2,8 Prozent. Mit einer Jahresperformance zwischen Minus 40 und Minus 60 Prozent sind diese drei High-Tech Blue Chips sogar noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Bei den Internetwerten dagegen notiert kaum eine Aktie nicht mindestens Dreiviertel unter den Höchstkursen. Prominente Beispiele sind Yahoo ( Höchstkurs 250 Dollar / gestriger Schlusskurs 28 Dollar), Amazon (102 / 16,6), CMGI (163,5 / 5,5) und Commerce One (165,5 / 22,5).
Unter den Top-Verlierern befindet sich auch Infospace (138,5 / 6,25), die zu allem Übel jetzt noch von einem eigenen Manager verklagt werden. John E. Richards wirft dem Aufsichtsratsvorsitzenden Naveen Jain vor, falsche Versprechungen gemacht zu haben. Jain habe Managern wiederholt Aktienoptionen in Aussicht gestellt, dann aber nicht ausgegeben. Sechs Angestellte seien betroffen, zwei Fälle habe Infospace gegen Zahlung von 15 Millionen Dollar geschlichtet.
Zwei weitere Ex-Börsenstars - Conexant (132,5 / 20,4) und Real Networks (96 / 10) - warnten gestern nach Börsenschluss vor einem schwächer als erwarteten Quartalsergebnis. Die Bestrafung folgte umgehend, beide Titel brachen nachbörslich ein.
Wann ist die Katastrophe endlich ausgestanden? "Die Gewinnmeldungen fallen enttäuschend aus. Bevor keine Stabilisierung bei den Ergebnissen der Unternehmen eintritt, werden die Käufer nicht an den Markt zurück kehren", glaubt Bill Schneider von UBS Warburg. "Es ist gut möglich, dass wir noch die 2.100 Punkte im Nasdaq sehen", prophezeit Louis Park von Raymond James. "Wir brauchen noch einen richtigen Ausverkauf mit hohem Volumen. Anschließend könnte die Bodenbildung - die unter Umständen mehrere Monate dauert - kommen."
"Die negativen Meldungen reißen einfach nicht ab. Ich kann keinen Grund für eine Erholung sehen", so Iyako Tsuboya von Daiwa Securities America. Die Unternehmen nutzen das vierte Quartal, um sämtliche schlechten Nachrichten zu verkünden, Restrukturierungen bekannt zu geben und Abschreibungen zu tätigen, glaubt Tracy Eichler von Paine Webber. Wenn schon Bad News, dann aber alle auf einmal, so das Motto.
Auf kurze Sicht ist die Lage deshalb hoffnungslos, sagen die meisten Experten. Das gestrige 21-Monatstief im Nasdaq war offenbar noch nicht das letzte Wort. Bereits jetzt ist sicher: Das Jahr 2000 wird als das mit Abstand Schlechteste in die Geschichte der amerikanischen Technologiebörse eingehen. Selbst mittelfristig ist von Rallye momentan keine Rede mehr. Langwierige Bodenbildung lautet stattdessen die Parole.
© 21.12.2000 www.stock-world.de (http://www.stock-world.de)