Gert
27.12.2000, 23:26
Das Jahr 2000 mit seinem erwartet-unerwartet schwachen PC-Markt hat auch die Karten für die seit Jahren rivalisierenden, weltweit größten Mikroprozessor-Hersteller, Advanced Micro Devices und Intel neu gemischt.
Für AMD war es kein schlechtes Jahr, konnte das Unternehmen doch seinen Marktanteil von 13% auf 17% steigern. Zu diesem Erfolg mag beigetragen haben, dass AMD beim Rennen um den schnellsten Chip die Nase vorn hatte und mit seinem Athlon-Prozessor vor Intel die 1-GHz Marke überspringen konnte. AMD bekommt seine Produktion immer besser in den Griff, die Zahl der Pannen nimmt ab, der Ausstoß zu. Beim Konkurrenten läuft es eher umgekehrt: Einige peinliche Rückrufaktionen mussten durchgezogen werden, die Produktpolitik war nicht immer gradlinig. Vorhaben wie der Tinma-Prozessor wur! den ad acta gelegt, die Politik hinsichtlich der Rambus-Technologie ist wankelmütig.
AMD konnte in diesem Jahr auch davon profitieren, dass sich die PC-Umsätze mit Privatkunden zumindest in den ersten sechs bis neun Monaten unerwartet stark entwickelt hatten . Hier zahlte sich die AMD-Politik besonders aus, vor allem über den Preis zu verkaufen. Fast alle großen PC-Hersteller setzen heute AMD-Produkte in ihren SoHo-PCs ein (Small Offices and Home).
Intel geht mit seiner „Intel Inside“-Linie den entgegengesetzten Weg und wirft seinen guten Namen in die Waagschale. Das Logo vermittelt Zuverlässigkeit und Sicherheit – etwas anderes kam für die PC-Entscheider in großen Firmen bisher einfach nicht in Frage. Und so dominiert Intel das Geschäftskunden-Segment, das mi! t 60% des Gesamtmarktes von etwas über 140 Mrd. $ weltweit zwar nicht sehr viel größer ist, aber wegen der höheren Margen deutlich lukrativer. Die Produkte von AMD sind bisher in keinem Top Business-PC vertreten.
Soll der beachtliche Erfolg von AMD nachhaltig sein, muss das Unternehmen im Geschäftskunden-Segment Fuß fassen. Damit tritt der Kampf zwischen beiden Rivalen jetzt in eine entscheidende Phase.
Business-Kunden hielten sich in diesem Jahr mit Bestellungen zurück – liegen doch die grossen Beschaffungsaktivitäten in Zusammenhang mit dem unsäglichen y2k-„Problem“ erst kurz zurück. Auch die konjunkturelle Abschwächung tut ein Übriges. Zahlreiche Beobachter rechnen nun damit, dass sich die Nachfrage im nächsten Jahr deutlich belebt.
Genau die schwächeren volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnten aber AMD in die Hände spielen. Geld für Investitionen sitzt längst nicht mehr so locker. Die PC-Entscheider der ! Großabnehmer könnten -den AMD-Erfolg im Privatkunden-Segment vor Augen- Beschaffungs-Alternativen entdecken. Das untergräbt das Sicherheits-Argument von Intel und die ganze, auf Prestige angelegte Kampagne des Chip-Weltmeisters. AMD wiederum ist geübt darin, mit dem Preis als Verkaufsargument zu hantieren. AMD ist in einer starken Situation. Das Unternehmen verfügt über mehr als 1,2 Mrd.$ an Cash, da besteht Spielraum für finanzielle Anreize an die Adresse möglicher Kunden. Angesichts der Rahmenbedingungen steigen die Chancen mit jedem Tag. Zumindest ein Anfangserfolg im Business-Segment scheint da in greifbarer Nähe.
Bisher halten sich die Erfolge von AMD allerdings in Grenzen, bei Compaq, Dell, Hewlett-Packard und IBM Fuß zu fassen. Noch jedes Mal, wenn AMD den Fuß in der Tür hatte, vereitelte Intel die Bemühungen, sei es durch preisliche Zugeständnisse oder durch erweiterte Werbesubventionen im Rahmen des „Intel Inside“-Programms.
AMD kämpft gegen drei Gegner: Erstens w! ird sich Intel nicht so schnell geschlagen geben und alle Register bis hin zu aggressiven Preisnachlässen ziehen. Zweitens fürchten die großen Hersteller von Geschäfts-PCs selbst, mit dem Einsatz der „Billig-Produkte“ von AMD eine Lawine los zu treten, unter der dann auch ihre eigenen Extra-Profite begraben werden könnten. Und schließlich kämpft AMD gegen sich selbst.
Die hausgemachten Hindernisse von AMD liegen in folgendem: Das Unternehmen verfügt noch längst nicht über die breite Palette wie der Rivale. So wird es Server-Chips von AMD erst in der zweiten Jahreshälfte 2001 geben. Bisher recht häufige Änderungen bei den Support-Chips, die übrigens nicht bei AMD gefertigt werden, sowie bei den Bauformen der Prozessoren lassen noch nicht die Beständigkeit erkennen, die der Business-Markt zwingend fordert. Ein weiteres Problem könnte das Volumen sein. AMD fertigt in diesem Jahr etwa 25 Millionen Prozessoren, die fast ausschließlich in den SoHo-Bereich gehen! . Dem stehen 63 Millionen Business-PCs gegenüber. Dem Volumen-Argument begegnet das Unternehmen mit der Erweiterung der eigenen Produktionskapazitäten, so dass es bald einen 30%-igen Marktanteil weltweit bedienen kann.
Zahlreiche Auguren weisen darauf hin, dass künftig zahlreiche Funktionen eines Heim-PCs von anderen Geräten übernommen werden. So könnten Internet Appliances dem PC den Rang ablaufen, wenn es um den Internet-Zugang geht. Dieser Trend führt wahrscheinlich zu einem dauerhaften Preisdruck auf dem PC-Markt, insbesondere dem Consumer-Segment. Dies könnte AMD weitere Marktanteile zuspielen. Davon abgesehen ist AMD stark bei einem Schlüsselprodukt aller neuen tragbaren Kommunikationsgeräte, den Flash-Speichern. Hier hält das Unternehmen –im Rahmen eines Jointventures mit Fujitsu- gegenwärtig 30% Marktanteil. Intel kommt hier auf (ungeteilte) 25%.
Auf dem Schlachtfeld weiter steigender Verarbeitungsleistung schließlich könnte AM! D die praktikablere Lösung zu bieten haben. Neben weiter steigenden Taktfrequenzen, die tendenziell an der Peripherie ausgebremst werden, wird die Erweiterung der Datenbreite von 32 auf 64 Bit angedacht. Intel bietet einen Ansatz an, in dessen Konsequenz sämtliche Software für eine solche Plattform überarbeitet werden muss, um lauffähig zu sein. AMD hat demgegenüber eine Möglichkeit entwickelt, bestehende Software zunächst einmal unverändert betreiben zu können. Lediglich die Teile, die von der höheren Verarbeitung durch breitere Datenpfade wirklich profitieren, müssten in einem zweiten Schritt angepasst werden. Wenn der PC-Markt sich differenziert und in steigendem Maße anspruchsvolle Aufgaben fokussiert, könnte AMD bei der Definition neuer Prozessor-Architekturen zum ersten Mal in dieser parasitär-symbiotischen Beziehung aus dem Intel-Schatten treten.
AMD hat im zurückliegenden Jahr gezeigt, dass es seinen Weg konsequent gehen und gewisse Erfolge gegen ei! nen übermächtig scheinenden Gegner verbuchen kann. Das Unternehmen muss noch Hausaufgaben machen, aber die Rahmenbedingungen waren noch nie so gut, weitere Anteile auf Mikroprozessormarkt zu erringen. Ein Segment des Chip-Marktes übrigens, dessen Volumen für dieses Jahr auf 25, im Jahre 2002 auf 40 Mrd. $ taxiert wird.
Der Philadelphia Semiconductor Index steigt am Mittwoch um 4,4% auf 604 Punkte. In diesem Umfeld kann die AMD-Aktie 2,6% auf 14-1/2 $ zulegen. Die INTC-Aktie verliert knapp 1% auf 32-9/16 $. Beide Papiere notieren in der Nähe ihrer 52-Wochentiefs.
Quelle: WO
Gerthttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/wink.gif
Ps. Ich hoff, das AMD sich mal durchsetzthttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif
Für AMD war es kein schlechtes Jahr, konnte das Unternehmen doch seinen Marktanteil von 13% auf 17% steigern. Zu diesem Erfolg mag beigetragen haben, dass AMD beim Rennen um den schnellsten Chip die Nase vorn hatte und mit seinem Athlon-Prozessor vor Intel die 1-GHz Marke überspringen konnte. AMD bekommt seine Produktion immer besser in den Griff, die Zahl der Pannen nimmt ab, der Ausstoß zu. Beim Konkurrenten läuft es eher umgekehrt: Einige peinliche Rückrufaktionen mussten durchgezogen werden, die Produktpolitik war nicht immer gradlinig. Vorhaben wie der Tinma-Prozessor wur! den ad acta gelegt, die Politik hinsichtlich der Rambus-Technologie ist wankelmütig.
AMD konnte in diesem Jahr auch davon profitieren, dass sich die PC-Umsätze mit Privatkunden zumindest in den ersten sechs bis neun Monaten unerwartet stark entwickelt hatten . Hier zahlte sich die AMD-Politik besonders aus, vor allem über den Preis zu verkaufen. Fast alle großen PC-Hersteller setzen heute AMD-Produkte in ihren SoHo-PCs ein (Small Offices and Home).
Intel geht mit seiner „Intel Inside“-Linie den entgegengesetzten Weg und wirft seinen guten Namen in die Waagschale. Das Logo vermittelt Zuverlässigkeit und Sicherheit – etwas anderes kam für die PC-Entscheider in großen Firmen bisher einfach nicht in Frage. Und so dominiert Intel das Geschäftskunden-Segment, das mi! t 60% des Gesamtmarktes von etwas über 140 Mrd. $ weltweit zwar nicht sehr viel größer ist, aber wegen der höheren Margen deutlich lukrativer. Die Produkte von AMD sind bisher in keinem Top Business-PC vertreten.
Soll der beachtliche Erfolg von AMD nachhaltig sein, muss das Unternehmen im Geschäftskunden-Segment Fuß fassen. Damit tritt der Kampf zwischen beiden Rivalen jetzt in eine entscheidende Phase.
Business-Kunden hielten sich in diesem Jahr mit Bestellungen zurück – liegen doch die grossen Beschaffungsaktivitäten in Zusammenhang mit dem unsäglichen y2k-„Problem“ erst kurz zurück. Auch die konjunkturelle Abschwächung tut ein Übriges. Zahlreiche Beobachter rechnen nun damit, dass sich die Nachfrage im nächsten Jahr deutlich belebt.
Genau die schwächeren volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnten aber AMD in die Hände spielen. Geld für Investitionen sitzt längst nicht mehr so locker. Die PC-Entscheider der ! Großabnehmer könnten -den AMD-Erfolg im Privatkunden-Segment vor Augen- Beschaffungs-Alternativen entdecken. Das untergräbt das Sicherheits-Argument von Intel und die ganze, auf Prestige angelegte Kampagne des Chip-Weltmeisters. AMD wiederum ist geübt darin, mit dem Preis als Verkaufsargument zu hantieren. AMD ist in einer starken Situation. Das Unternehmen verfügt über mehr als 1,2 Mrd.$ an Cash, da besteht Spielraum für finanzielle Anreize an die Adresse möglicher Kunden. Angesichts der Rahmenbedingungen steigen die Chancen mit jedem Tag. Zumindest ein Anfangserfolg im Business-Segment scheint da in greifbarer Nähe.
Bisher halten sich die Erfolge von AMD allerdings in Grenzen, bei Compaq, Dell, Hewlett-Packard und IBM Fuß zu fassen. Noch jedes Mal, wenn AMD den Fuß in der Tür hatte, vereitelte Intel die Bemühungen, sei es durch preisliche Zugeständnisse oder durch erweiterte Werbesubventionen im Rahmen des „Intel Inside“-Programms.
AMD kämpft gegen drei Gegner: Erstens w! ird sich Intel nicht so schnell geschlagen geben und alle Register bis hin zu aggressiven Preisnachlässen ziehen. Zweitens fürchten die großen Hersteller von Geschäfts-PCs selbst, mit dem Einsatz der „Billig-Produkte“ von AMD eine Lawine los zu treten, unter der dann auch ihre eigenen Extra-Profite begraben werden könnten. Und schließlich kämpft AMD gegen sich selbst.
Die hausgemachten Hindernisse von AMD liegen in folgendem: Das Unternehmen verfügt noch längst nicht über die breite Palette wie der Rivale. So wird es Server-Chips von AMD erst in der zweiten Jahreshälfte 2001 geben. Bisher recht häufige Änderungen bei den Support-Chips, die übrigens nicht bei AMD gefertigt werden, sowie bei den Bauformen der Prozessoren lassen noch nicht die Beständigkeit erkennen, die der Business-Markt zwingend fordert. Ein weiteres Problem könnte das Volumen sein. AMD fertigt in diesem Jahr etwa 25 Millionen Prozessoren, die fast ausschließlich in den SoHo-Bereich gehen! . Dem stehen 63 Millionen Business-PCs gegenüber. Dem Volumen-Argument begegnet das Unternehmen mit der Erweiterung der eigenen Produktionskapazitäten, so dass es bald einen 30%-igen Marktanteil weltweit bedienen kann.
Zahlreiche Auguren weisen darauf hin, dass künftig zahlreiche Funktionen eines Heim-PCs von anderen Geräten übernommen werden. So könnten Internet Appliances dem PC den Rang ablaufen, wenn es um den Internet-Zugang geht. Dieser Trend führt wahrscheinlich zu einem dauerhaften Preisdruck auf dem PC-Markt, insbesondere dem Consumer-Segment. Dies könnte AMD weitere Marktanteile zuspielen. Davon abgesehen ist AMD stark bei einem Schlüsselprodukt aller neuen tragbaren Kommunikationsgeräte, den Flash-Speichern. Hier hält das Unternehmen –im Rahmen eines Jointventures mit Fujitsu- gegenwärtig 30% Marktanteil. Intel kommt hier auf (ungeteilte) 25%.
Auf dem Schlachtfeld weiter steigender Verarbeitungsleistung schließlich könnte AM! D die praktikablere Lösung zu bieten haben. Neben weiter steigenden Taktfrequenzen, die tendenziell an der Peripherie ausgebremst werden, wird die Erweiterung der Datenbreite von 32 auf 64 Bit angedacht. Intel bietet einen Ansatz an, in dessen Konsequenz sämtliche Software für eine solche Plattform überarbeitet werden muss, um lauffähig zu sein. AMD hat demgegenüber eine Möglichkeit entwickelt, bestehende Software zunächst einmal unverändert betreiben zu können. Lediglich die Teile, die von der höheren Verarbeitung durch breitere Datenpfade wirklich profitieren, müssten in einem zweiten Schritt angepasst werden. Wenn der PC-Markt sich differenziert und in steigendem Maße anspruchsvolle Aufgaben fokussiert, könnte AMD bei der Definition neuer Prozessor-Architekturen zum ersten Mal in dieser parasitär-symbiotischen Beziehung aus dem Intel-Schatten treten.
AMD hat im zurückliegenden Jahr gezeigt, dass es seinen Weg konsequent gehen und gewisse Erfolge gegen ei! nen übermächtig scheinenden Gegner verbuchen kann. Das Unternehmen muss noch Hausaufgaben machen, aber die Rahmenbedingungen waren noch nie so gut, weitere Anteile auf Mikroprozessormarkt zu erringen. Ein Segment des Chip-Marktes übrigens, dessen Volumen für dieses Jahr auf 25, im Jahre 2002 auf 40 Mrd. $ taxiert wird.
Der Philadelphia Semiconductor Index steigt am Mittwoch um 4,4% auf 604 Punkte. In diesem Umfeld kann die AMD-Aktie 2,6% auf 14-1/2 $ zulegen. Die INTC-Aktie verliert knapp 1% auf 32-9/16 $. Beide Papiere notieren in der Nähe ihrer 52-Wochentiefs.
Quelle: WO
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