Ralph
17.12.2000, 18:47
Wie man sieht, macht das R-Wort in letzter Zeit ziemlich oft die Runde in der Öffentlichkeit (vor einem halben Jahr oder so, wollte kein Mensch davon etwas wissen). Wie sich die Zeiten doch verkehren. Aber es steht in der Tat nicht so berauschend um die US-Wirtschaft.
Mit dem neuen Präsidenten dürfte wohl wenig zu gewinnen sein, denn
Arroganz + Ignoranz = Wirtschaftliche Probleme
Arroganz dürfte der neue Präsident genug haben, die Ignoranz wird automatisch kommen ! Hinzukommt der gespaltene Senat, der trotz einer republikanischen Übermacht im Kongress, das eine oder andere mal Zünglein an der Waage spielen dürfte. Summa Summarum dürfte von den Amis in den nächsten vier Jahren wenig Impulse für die eigene Ökonomie zu erwarten sein, ganz zu schweigen für die Weltwirtschaft.
Es könnte sein, dass die Amerikaner Opfer ihrer eigenen seit Jahren bewiesenen Stärke werden ..... nämlich des bedingungslosen Vertrauen in den Boom
Was die Wirtschaft in den letzten Jahren getrieben hat, was der Glaube in den ökonomischen Boom selbst. Die Leute haben sich verhalten, als könnte das ganze immer so weiter gehen, und genauso haben sie auch ihr Geld ausgegeben (wenn dies nicht gereicht hat, dann hat es ja genug gegeben, die noch mehr auf Kredit verliehen haben).
Eine Umfrage letzte Woche ergab, dass 48% der Amerikaner (29% in der Vorwoche) davon ausgehen, dass es mit der Wirtschaft noch schlimmer wird. Nur 26% der Amis glauben, dass der markt im nächsten Jahr fallen wird, 54% stufen die Wahrscheinlichkeit einer Rezesion als sehr hoch ein.
Wenn das Vertrauen in den Boom nachlässt, dann könnte es schneller abwärtsgehen, als sich viele Volkswirtschaftler wünschen ....... das überbordende Vertrauen der Amis in die eigene Ökonomie DARF NICHT nachlassen !!!!!
Die letzten Daten für die Wirtschaft deuten auf ein Marschieren in südliche Richtung hin http://www.stock-channel.net/Board/smilies/frown.gif
Die Daten alleine betrachtet sind eigentlich noch nicht alarmierend, denn die FED hat dies eigentlich seit Monaten beabsichtigt. Die Frage ist nur "Hat sie dabei überreagiert ?"
Hinzukommen die Probleme für die neue Regierung:
1) Selbst ein Soft-Landing würde ziemlich holprig ausfallen, verglichen mit dem weichen Anstieg in den letzten Jahren. Die Schätzungen gehen von etwas weniger als 3% in 2001 aus. Aber das könnte sich ziemlich schwach "anfühlen". Die Gewinne sind bestenfalls "flat" (auf Jahresbasis). Hinzukommt die wachsende Arbeitslosigkeit (dies ist primär auch nicht mit Zinssenkungen zu beheben).
Das zweite Problem ist mir im Moment ein viel gravierendes !
2) Nämlich die Tatsache, dass jede Standardstatistik m.E. die Hauptgefahr völlig ignoriert: ein Zusammenbruch des Verbrauchervertrauens !
Schätzungen gehen davon aus, dass der amerikansiche Verbraucher in den nächsten jahren derart konsumieren wird, wie es sein Einkommenswachstum zulässt (nicht schneller und mehr wie in den letzten jahren) oder langsamer (dies wäre dann der Fall, wenn die Leute mehr sparen würden).
Wenn man einen Anstieg der Sparrate vorhersagen würde, dann wäre eine Rezession m.E. unausweichlich.
Solange das Vertrauen Bestand hat, wird aus Prosperität eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. ..... Leute geben Geld aus, weil sie an etwas glauben, und weil sie an etwas glauben, hält der Drang zur Prosperität an ! ..... plain and simple !
Wer jetzt fragt, ob das Vertrauen gerechtfertigt ist, stellt den Boom in Frage .... unweigerlich. Stammt dieser von neuen Technologien, die ein höheres Produktivitätswachstum schaffen und dadruch die Gewinne und Löhne in die Höhe treiben ? .... wenn dem so ist, dann hat dieses Vertrauen seine Wurzeln in der Realität.
die Leute geben jetzt mehr Geld aus, weil sie später reicher sind. Nichts anderes ist es mit steigenden Aktienkursen !
Aber was ist, wenn der Boom nur eine klassische Episode spekulativer Exzesse (überbewertete Aktien, verhängsnisvolle Investments in dubiose Start-Ups, Konsum über die eigenen Mittel hinaus etc.) gewesen ist ?
Die Produktivitätszuwächse werden sich dann sehr schnell verflüchtigen, waren sie doch nur die Folge von hoher Nachfrage, anstelle hoher neuer Technologien.
Wenn die Antwort offensichtlich wäre, dann würden Fragen dieser Art nicht notwendig sein. Niemand schein dies besser zu verstehen als Greenspan (der sich seiner Fehler vermutlich bewusst ist). Seine Aussagen zuletzt waren immer derart, dass sie darauf abzielten, die negativen Fakten (höhere Zinsen, schwache Aktien, teures Öl und Gas) nicht zu sehr auf das Vertrauen drücken zu lassen.
Allerdings ist das ein sehr gewagtes Manöver ..... einerseits die Wirtschaft einzuschränken und sie andererseits nach oben zu reden.
Der neue Präsident kann nur hoffen, dass Greenspan ein glückliches Händchen beweist, denn für einen Bill Clinton waren die wirtschaftlichen Verhältnisse wie ein Traum, angenehm und sehr gut geeignet um sich darzustellen. Für Bush könnte sich das ganze zum Alptraum entwickeln.
So das war es für erste .... der Jet-Lag nagt a bisserl.
Stay tuned
Ralph
Mit dem neuen Präsidenten dürfte wohl wenig zu gewinnen sein, denn
Arroganz + Ignoranz = Wirtschaftliche Probleme
Arroganz dürfte der neue Präsident genug haben, die Ignoranz wird automatisch kommen ! Hinzukommt der gespaltene Senat, der trotz einer republikanischen Übermacht im Kongress, das eine oder andere mal Zünglein an der Waage spielen dürfte. Summa Summarum dürfte von den Amis in den nächsten vier Jahren wenig Impulse für die eigene Ökonomie zu erwarten sein, ganz zu schweigen für die Weltwirtschaft.
Es könnte sein, dass die Amerikaner Opfer ihrer eigenen seit Jahren bewiesenen Stärke werden ..... nämlich des bedingungslosen Vertrauen in den Boom
Was die Wirtschaft in den letzten Jahren getrieben hat, was der Glaube in den ökonomischen Boom selbst. Die Leute haben sich verhalten, als könnte das ganze immer so weiter gehen, und genauso haben sie auch ihr Geld ausgegeben (wenn dies nicht gereicht hat, dann hat es ja genug gegeben, die noch mehr auf Kredit verliehen haben).
Eine Umfrage letzte Woche ergab, dass 48% der Amerikaner (29% in der Vorwoche) davon ausgehen, dass es mit der Wirtschaft noch schlimmer wird. Nur 26% der Amis glauben, dass der markt im nächsten Jahr fallen wird, 54% stufen die Wahrscheinlichkeit einer Rezesion als sehr hoch ein.
Wenn das Vertrauen in den Boom nachlässt, dann könnte es schneller abwärtsgehen, als sich viele Volkswirtschaftler wünschen ....... das überbordende Vertrauen der Amis in die eigene Ökonomie DARF NICHT nachlassen !!!!!
Die letzten Daten für die Wirtschaft deuten auf ein Marschieren in südliche Richtung hin http://www.stock-channel.net/Board/smilies/frown.gif
Die Daten alleine betrachtet sind eigentlich noch nicht alarmierend, denn die FED hat dies eigentlich seit Monaten beabsichtigt. Die Frage ist nur "Hat sie dabei überreagiert ?"
Hinzukommen die Probleme für die neue Regierung:
1) Selbst ein Soft-Landing würde ziemlich holprig ausfallen, verglichen mit dem weichen Anstieg in den letzten Jahren. Die Schätzungen gehen von etwas weniger als 3% in 2001 aus. Aber das könnte sich ziemlich schwach "anfühlen". Die Gewinne sind bestenfalls "flat" (auf Jahresbasis). Hinzukommt die wachsende Arbeitslosigkeit (dies ist primär auch nicht mit Zinssenkungen zu beheben).
Das zweite Problem ist mir im Moment ein viel gravierendes !
2) Nämlich die Tatsache, dass jede Standardstatistik m.E. die Hauptgefahr völlig ignoriert: ein Zusammenbruch des Verbrauchervertrauens !
Schätzungen gehen davon aus, dass der amerikansiche Verbraucher in den nächsten jahren derart konsumieren wird, wie es sein Einkommenswachstum zulässt (nicht schneller und mehr wie in den letzten jahren) oder langsamer (dies wäre dann der Fall, wenn die Leute mehr sparen würden).
Wenn man einen Anstieg der Sparrate vorhersagen würde, dann wäre eine Rezession m.E. unausweichlich.
Solange das Vertrauen Bestand hat, wird aus Prosperität eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. ..... Leute geben Geld aus, weil sie an etwas glauben, und weil sie an etwas glauben, hält der Drang zur Prosperität an ! ..... plain and simple !
Wer jetzt fragt, ob das Vertrauen gerechtfertigt ist, stellt den Boom in Frage .... unweigerlich. Stammt dieser von neuen Technologien, die ein höheres Produktivitätswachstum schaffen und dadruch die Gewinne und Löhne in die Höhe treiben ? .... wenn dem so ist, dann hat dieses Vertrauen seine Wurzeln in der Realität.
die Leute geben jetzt mehr Geld aus, weil sie später reicher sind. Nichts anderes ist es mit steigenden Aktienkursen !
Aber was ist, wenn der Boom nur eine klassische Episode spekulativer Exzesse (überbewertete Aktien, verhängsnisvolle Investments in dubiose Start-Ups, Konsum über die eigenen Mittel hinaus etc.) gewesen ist ?
Die Produktivitätszuwächse werden sich dann sehr schnell verflüchtigen, waren sie doch nur die Folge von hoher Nachfrage, anstelle hoher neuer Technologien.
Wenn die Antwort offensichtlich wäre, dann würden Fragen dieser Art nicht notwendig sein. Niemand schein dies besser zu verstehen als Greenspan (der sich seiner Fehler vermutlich bewusst ist). Seine Aussagen zuletzt waren immer derart, dass sie darauf abzielten, die negativen Fakten (höhere Zinsen, schwache Aktien, teures Öl und Gas) nicht zu sehr auf das Vertrauen drücken zu lassen.
Allerdings ist das ein sehr gewagtes Manöver ..... einerseits die Wirtschaft einzuschränken und sie andererseits nach oben zu reden.
Der neue Präsident kann nur hoffen, dass Greenspan ein glückliches Händchen beweist, denn für einen Bill Clinton waren die wirtschaftlichen Verhältnisse wie ein Traum, angenehm und sehr gut geeignet um sich darzustellen. Für Bush könnte sich das ganze zum Alptraum entwickeln.
So das war es für erste .... der Jet-Lag nagt a bisserl.
Stay tuned
Ralph