Gert
13.01.2001, 20:36
Die Investoren in Halbleiter-Titel sind nervös. Am kommenden Dienstag wird der weltweit größte Chip-Anbieter Intel Zahlen melden. Vorsichtshalber verkauft man die Aktie schon einmal. Der Wert verliert am letzten Handelstag der zweiten Woche im neuen Jahr fast 3,2% auf 32,31$.
Chip-Orakel Jonathan Joseph, Analyst bei Salomon Smith Barney, und mit ihm zahlreiche andere Beobachter glauben nicht, dass die Zahlen aus dem Erwartungsrahmen herausfallen. Den gleichen Eindruck erweckt Peter Obermaier, Pressesprecher bei Intel, im whttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/redface.gif-Interview auf die Frage nach unangenehmen Überraschungen: „Für die Ergebnisse zum 4. Quartal bzw. bei den Jahresergebnissen ist die Frist für eine solche Warnung schon verstrichen und wir sind nicht aktiv geworden.“
Der Analystenkonsens für das vierte Quartal beläuft sich auf 37, bzw. 38 Cent Gewinn je Aktie. Der Quartalsumsatz wird bei 8,73 Mrd.$ gesehen. Für das Gesamtjahr wird bei einem Zuwachs von 11% gegenüber dem Vorjahr mit knapp 30 Mrd.$ gerechnet. Nach einer Studie von Dataquest führt Intel das weltweite Feld der Chip-Anbieter mit großem Abstand weiter an. Die nächsten Wettbewerber sind aber wachstumsstärker: „Die Schritte unserer Verfolger sind wieder lauter zu hören,“ so Obermaier zu whttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/redface.gif.
Die Vergangenheit scheint abgehakt. Analyst Joseph ! hält es aber wie viele seiner Kollegen allerdings für möglich, dass aufgrund von vorgezogenen Aufträgen das erste Quartal schwächer ausfallen könnte als erwartet. Er setzt sein Kursziel auf 45$ fest und urteilt weiter mit „ouperform“. Von den 30 Analysten, die das Unternehmen beobachten, bewerten 4 die Aktie mit „strong buy“, 18 urteilen mit „buy“, 7 empfehlen „hold“ und einer rät sogar zum „strong sell“. Sie sehen im Mittel ein Zwölf-Monats-Kursziel von knapp 60$. Das KGV auf Basis der Gewinnschätzungen der letzten vier Quartale in Höhe von 1,64$ je Aktie kommt auf 20, für die künftigen vier wird es bei 22 gesehen.
Zwei Faktoren belasten die Intel-Aktie. So glaubt nach dem fulminanten Anstieg des weltweiten Halbleiterumsatzes um über 35% im letzten Jahr kein Beobachter an die Fortsetzung des Trends. Für das erste Quartal rechnen die Experten von Dataquest zunächst mit einem Rückgang der Umsätze um weitere 6% gegenüber dem Vorquartal – etwas über dem Normalmass, das bedingt durch saisonalen Abbau von Lagerbeständen bei minus 3 bis 4% liegt. Dennoch trauen die meisten Beobachter dem Chipmarkt auch für das Gesamtjahr 2001 über dem langfristigen Mittel von 17% liegende Steigerungsraten zu. Wenn die Abschwächung der US-Konjunktur nicht in eine Rezession mündet. „Dann wären alle Wetten auf Chip-Unternehmen hinfällig,“ so SG Cowen-Halbleiter-Analyst Drew Peck. „Abgesehen von dieser Möglichkeit sieht die Nachfragesituation ziemlich gut aus, die Überbestände sind weitgehend abgebaut“ Die Anbieter seien gut positioniert. Bis auf diejenigen im PC-Segment, fügt er an.
Und das ist der zweite, ungleich schwerere Klotz am Bein der Intel-Aktie. Das Marktforschungsunternehmen PC Data berichtet über auf Jahresbasis erstmalig abnehmende PC-Verkäufe ! in den indirekten Vertriebskanälen . Im Dezember wurden hier sogar 24% weniger als im Dezember 1999 abgesetzt. „Als wenn im Dezember jemand das Licht ausgeknipst hätte,“ sagt CEO Carly Fiorina von Hewlett-Packard dazu.
Erzrivale Advanced Micro Devices hat im letzten Jahr im Consumer-Marktsegment deutliche Marktanteile gewonnen und will nun in die Intel-Domäne der hochmargigen Business-PCs vorstossen. Ein Anfangserfolg kann auch gleich vermeldet werden . Auf die Frage im whttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/redface.gif-Interview, „Macht Ihnen das nicht Sorgen?“, antwortet Presse-Sprecher Obermaier: „Nein, denn gerade im Bereich der IT-Investitionen ist nicht der Preis, sondern die Investitionssicherheit entscheidend.“ Vorsichtshalber wird aber doch schon mal an der Preisschraube gedreht .
Kurzfristig kann für den PC-Markt keine Entwarnung gegeben werden. Konjunkturelle Bedenken und eine gewisse Marktsättigung dämpfen die Investitionstätigkeit. Die Preissensibilität der Einkä! ufer in Großbetrieben steigt. Roger Kay, von der Marktforschungsgesellschaft IDC, meint sowieso, das Beharren der Geschäftswelt auf „Intel Inside“ hätte mittlerweile irrationale Züge. Für Intel könnte sich ein Festhalten am Hochpreis-Marketing nun vielleicht zum Bumerang entwickeln.
Wenn Intel am Dienstag Zahlen meldet, wird das Augenmerk denn auch weniger auf die Gewinne der nächsten ein, zwei Quartale, vielleicht sogar des ganzen Jahres 2001 gerichtet sein. Wichtiger sind die Botschaften des Managements, was man zu tun gedenke, um den eigenen Marktanteil im Kerngeschäft zu halten und auszubauen.
Noch wichtiger: Die Anleger wollen wissen, wie sich Intel abseits vom PC-Markt entwickelt. Hierzu wurden drei neue Geschäftsbereiche geschaffen, die Server-Technologien, Netzwerk und Kommunikation, sowie Services um das Web-Hosting umfassen. Mit Interesse hat der Markt in den letzten Tagen auch Aktivitäten in Richtung MP3-Player und andere Co! nsumer-Geräte aufgenommen . Beachtet wurde auch, dass Intel zusammen mit Philips, Compaq, Sony und anderen in die Chip-Schmiede Cambridge Silicon Radio investiert hat, die eine Ein-Chip Lösung für Bluetooth entwickelt hat. „Blauzahn“ gilt als Hoffnungsträger der drahtlosen Nahbereichs-Kommunikation. Und man wird hören wollen, wie es mit der DSP-Kooperation mit Analog Devices weiter geht .
Dass alle diese Massnahmen Geld kosten, ist klar. Sie werden als Investition in die Zukunft angesehen und abgeschrieben.
Kann Intel erfolgreich vom Lieferanten entscheidender PC-Technologien zum Lieferanten der Bausteine für die Internet-Wirtschaft mutieren und wieder zu Wachstumsraten von 20% und mehr zurückkehren? Von der Antwort auf diese Frage hängt die Bewertung der Intel-Aktie ab. Und das beeinflusst den gesamten Chip-Markt.
Der Philadelphia Semiconductor spiegelt die nervöse Hoffnung wider. Nachdem das Barometer am Donnerstag die Hürde bei 670 nehmen und den Tag bei fast 689 beschließen konnte, fällt der Index am Freitag mit einem Verlust von 2,6% auf genau auf diese Linie zurück. Positiv immerhin: Seit dem 21. Dezember hat der Markt solide 135 Punkte zulegen können
Quelle: WO
Chip-Orakel Jonathan Joseph, Analyst bei Salomon Smith Barney, und mit ihm zahlreiche andere Beobachter glauben nicht, dass die Zahlen aus dem Erwartungsrahmen herausfallen. Den gleichen Eindruck erweckt Peter Obermaier, Pressesprecher bei Intel, im whttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/redface.gif-Interview auf die Frage nach unangenehmen Überraschungen: „Für die Ergebnisse zum 4. Quartal bzw. bei den Jahresergebnissen ist die Frist für eine solche Warnung schon verstrichen und wir sind nicht aktiv geworden.“
Der Analystenkonsens für das vierte Quartal beläuft sich auf 37, bzw. 38 Cent Gewinn je Aktie. Der Quartalsumsatz wird bei 8,73 Mrd.$ gesehen. Für das Gesamtjahr wird bei einem Zuwachs von 11% gegenüber dem Vorjahr mit knapp 30 Mrd.$ gerechnet. Nach einer Studie von Dataquest führt Intel das weltweite Feld der Chip-Anbieter mit großem Abstand weiter an. Die nächsten Wettbewerber sind aber wachstumsstärker: „Die Schritte unserer Verfolger sind wieder lauter zu hören,“ so Obermaier zu whttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/redface.gif.
Die Vergangenheit scheint abgehakt. Analyst Joseph ! hält es aber wie viele seiner Kollegen allerdings für möglich, dass aufgrund von vorgezogenen Aufträgen das erste Quartal schwächer ausfallen könnte als erwartet. Er setzt sein Kursziel auf 45$ fest und urteilt weiter mit „ouperform“. Von den 30 Analysten, die das Unternehmen beobachten, bewerten 4 die Aktie mit „strong buy“, 18 urteilen mit „buy“, 7 empfehlen „hold“ und einer rät sogar zum „strong sell“. Sie sehen im Mittel ein Zwölf-Monats-Kursziel von knapp 60$. Das KGV auf Basis der Gewinnschätzungen der letzten vier Quartale in Höhe von 1,64$ je Aktie kommt auf 20, für die künftigen vier wird es bei 22 gesehen.
Zwei Faktoren belasten die Intel-Aktie. So glaubt nach dem fulminanten Anstieg des weltweiten Halbleiterumsatzes um über 35% im letzten Jahr kein Beobachter an die Fortsetzung des Trends. Für das erste Quartal rechnen die Experten von Dataquest zunächst mit einem Rückgang der Umsätze um weitere 6% gegenüber dem Vorquartal – etwas über dem Normalmass, das bedingt durch saisonalen Abbau von Lagerbeständen bei minus 3 bis 4% liegt. Dennoch trauen die meisten Beobachter dem Chipmarkt auch für das Gesamtjahr 2001 über dem langfristigen Mittel von 17% liegende Steigerungsraten zu. Wenn die Abschwächung der US-Konjunktur nicht in eine Rezession mündet. „Dann wären alle Wetten auf Chip-Unternehmen hinfällig,“ so SG Cowen-Halbleiter-Analyst Drew Peck. „Abgesehen von dieser Möglichkeit sieht die Nachfragesituation ziemlich gut aus, die Überbestände sind weitgehend abgebaut“ Die Anbieter seien gut positioniert. Bis auf diejenigen im PC-Segment, fügt er an.
Und das ist der zweite, ungleich schwerere Klotz am Bein der Intel-Aktie. Das Marktforschungsunternehmen PC Data berichtet über auf Jahresbasis erstmalig abnehmende PC-Verkäufe ! in den indirekten Vertriebskanälen . Im Dezember wurden hier sogar 24% weniger als im Dezember 1999 abgesetzt. „Als wenn im Dezember jemand das Licht ausgeknipst hätte,“ sagt CEO Carly Fiorina von Hewlett-Packard dazu.
Erzrivale Advanced Micro Devices hat im letzten Jahr im Consumer-Marktsegment deutliche Marktanteile gewonnen und will nun in die Intel-Domäne der hochmargigen Business-PCs vorstossen. Ein Anfangserfolg kann auch gleich vermeldet werden . Auf die Frage im whttp://www.stock-channel.net/Board/smilies/redface.gif-Interview, „Macht Ihnen das nicht Sorgen?“, antwortet Presse-Sprecher Obermaier: „Nein, denn gerade im Bereich der IT-Investitionen ist nicht der Preis, sondern die Investitionssicherheit entscheidend.“ Vorsichtshalber wird aber doch schon mal an der Preisschraube gedreht .
Kurzfristig kann für den PC-Markt keine Entwarnung gegeben werden. Konjunkturelle Bedenken und eine gewisse Marktsättigung dämpfen die Investitionstätigkeit. Die Preissensibilität der Einkä! ufer in Großbetrieben steigt. Roger Kay, von der Marktforschungsgesellschaft IDC, meint sowieso, das Beharren der Geschäftswelt auf „Intel Inside“ hätte mittlerweile irrationale Züge. Für Intel könnte sich ein Festhalten am Hochpreis-Marketing nun vielleicht zum Bumerang entwickeln.
Wenn Intel am Dienstag Zahlen meldet, wird das Augenmerk denn auch weniger auf die Gewinne der nächsten ein, zwei Quartale, vielleicht sogar des ganzen Jahres 2001 gerichtet sein. Wichtiger sind die Botschaften des Managements, was man zu tun gedenke, um den eigenen Marktanteil im Kerngeschäft zu halten und auszubauen.
Noch wichtiger: Die Anleger wollen wissen, wie sich Intel abseits vom PC-Markt entwickelt. Hierzu wurden drei neue Geschäftsbereiche geschaffen, die Server-Technologien, Netzwerk und Kommunikation, sowie Services um das Web-Hosting umfassen. Mit Interesse hat der Markt in den letzten Tagen auch Aktivitäten in Richtung MP3-Player und andere Co! nsumer-Geräte aufgenommen . Beachtet wurde auch, dass Intel zusammen mit Philips, Compaq, Sony und anderen in die Chip-Schmiede Cambridge Silicon Radio investiert hat, die eine Ein-Chip Lösung für Bluetooth entwickelt hat. „Blauzahn“ gilt als Hoffnungsträger der drahtlosen Nahbereichs-Kommunikation. Und man wird hören wollen, wie es mit der DSP-Kooperation mit Analog Devices weiter geht .
Dass alle diese Massnahmen Geld kosten, ist klar. Sie werden als Investition in die Zukunft angesehen und abgeschrieben.
Kann Intel erfolgreich vom Lieferanten entscheidender PC-Technologien zum Lieferanten der Bausteine für die Internet-Wirtschaft mutieren und wieder zu Wachstumsraten von 20% und mehr zurückkehren? Von der Antwort auf diese Frage hängt die Bewertung der Intel-Aktie ab. Und das beeinflusst den gesamten Chip-Markt.
Der Philadelphia Semiconductor spiegelt die nervöse Hoffnung wider. Nachdem das Barometer am Donnerstag die Hürde bei 670 nehmen und den Tag bei fast 689 beschließen konnte, fällt der Index am Freitag mit einem Verlust von 2,6% auf genau auf diese Linie zurück. Positiv immerhin: Seit dem 21. Dezember hat der Markt solide 135 Punkte zulegen können
Quelle: WO