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Vollständige Version anzeigen : Alan Greenspan wird das Vertrauen an den Finanzmärkten verlieren


Silke
28.01.2001, 13:45
Nachfolgend ein Artikel aus Boerse-Onlin 5/2001 der genau die Meinung widerspiegelt, die mich zur Zeit davon abhält länger Aktien als Stunden oder 1-2 Tage zu halten. In dem Nachwort aus BO, welches Marc Faber geschrieben hat, wird diese Einstellung verdeutlicht:

Alan Greenspan wendet jedes Mal das gleiche Rezept an: Bei Problemen, wie den Krisen in Mexiko 1994 und in Asien 1997, sowie dem Kurssturz an der US-Technologiebörse Nadaq im vergangenen Jahr, senkt der US-Notenbankpräsident einfach die Zinssätze und erhöht die Geldmenge. Er hofft, so Rezessionen zu verhindern und inflationsfreies Wirtschaftswachstum auf ewig zu garantieren. Das Problem an diesem in Amerika tief verwurzelten, naiven Denken ist, dass solche Maßnahmen oft unangenehme Nebenwirkungen haben.

Die Zinsschritte wegen der Mexikokrise verlängerten den Wirtschaftsboom in Asien. In der Folge fielen die Turbulenzen dort nach 1997 verheerend aus. Im Jahr 1998 beseitigte Greeenspan die Schieflage des Hedgefonds LTCM durch eine expanisve, also eine lockere, konjunkturstimulierende Gedlpolitik, was die görßte Finazblase in der Wirtschafsgeschichte verursachte. In Spitzenzeiten wurde die Nasdaq mit einem völlig übertriebenen durschnittlichen KGV von 240 bewertet.

Wenn sich alle Probleme durch niedrigere Zinsen und einer größeren Geldmenge beseitigen ließen, wären bisher Rezessionen und Depressionen leicht zu vermeiden gewesen.
Stattdessen führte eine expansive Geldpolitik, nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland und in den achtziger Jahren in Lateinamerika nicht zu Reichtum, sondern Hyperinflation. Gegenwärtig siecht die Wirtschaft in Japan dahin, obwohl die Zinsen fast auf null gesunken sind und die Politiker laufend Konjunkturpakete schnüren. Der Börsenindesx Nikkei notiert um 65% unter seinem Höchststand 1989,
Der springende Punkt: Wenn die Wirtschaft überhitzt und die Börse wegen hoher Liquidität haussiert, überschätzen die Unternehmen die Nachfrage und investieren zuviel in die Boomsektoren. Überkapazitäten sind die Folge - das Kernproblem nach dem Ende der Sause (--->darauf wies bereits in einem Interview der franz. Finanzminister letzte Woche hin. Er sprach hier von einer künstl. angekurbelten Wirtschaftswachstum - welches der realen Nachfrage nicht entspricht). Das läßt sich gegenwärtig bei PC, Handys und Halbleitern beobachten. Enttäuschend die Gewinne, beginnt eine Talfahrt an der Börse.
Der Markt wirt bereinigt, schwacheFirmen werden verdrängt. Stützt die Notenbank den Markt aber durch ihre Zins- und Geldpolitik, kommt die erforderliche Auslese nicht in Gang. Die niedrigeren Zinsen führen höchsten zu noch größeren Überkapazitäten. Das Leben schwacher Gesellschaften wird verlängert - ein Problem, das wir aus Japan kennen.
Aus diesem Grund fielen die Kurse langfristiger Anleihen nach der Zinssenkung der FED, obwohl Finanzkreise über weitere Zinschritte von 1,5 bis 2 %-Punkten nach unten spekulieren. Die Anleger haben Bedenken, dass die Maßnahmen der Notenbank nicht zu einem Boom an der Nasdaq, sonder n zu Inflation und einem schwachen Dollar führen. Daher werden die langfristigen Zinsen bei künftigen Senkungen wohl steigen und nicht fallen. Wächst die Weltwirtschaft wieter, dürfte die Nachfrage die Rohstoffpreise und als Folge die Inflation sowie die Zinsen in die Höhe treiben.

Alan Greenspan steckt offensichtlich in einem Dilemma: Seine Geldpolititk wird entweder eine Rezession hinauszögern, was die drauf folgende Krise verschärft. Oder sie wird zunächst eine weitere Wachstumsphase einleiten, in der die Gewinne wegen steigender Rohstoffpreise und Zinsen under Druck kommen. Eines ist klar: Das Vertrauen in Alan Greenspan wird fallen, bis der gute mann völlig unbeliebt ist.

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Möchte hier noch ergänzend wieder auf die Energiekrise in Califonien hinweisen - die gesamtwirtschaftl. die USA betrifft.

Steigende Energiekosten schmälern u.a. Unternehmensgewinne da sie nicht einfach an den Verbraucher weitergegeben werden können.


bye
MM

Ralph
29.01.2001, 06:10
Mary,

das Beste, was Amerika passieren kann und auch sollte, ist eine Rezession, den damit würden gravierende Missstände beseitigt, die man mit Zinssenkungen gar nicht in den Griff bekommen bzw. nur noch verschlimmern würde ..... hier ganz vorne zu nennen die Überkapazitäten, die einem durch niedrigere Zinsen und dadurch steigenden Aktienkursen gar nicht vor Augen geführt werden, aber trotzdem real existent sind.

Allerdings sehe ich die Situtation in Japan als eine gravierend andere an, als die in USA, die sich nicht unmittelbar miteinander vergleichen lassen.

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Hier ein Interview aus der heutigen Euro am Sonntag:

Interview mit Paul McCulley von Pimco (kurz zusammengefaßt):

PIMCO-weltweit mächtigste Fondsgesellschaft auf dem Anleihenmarkt. Der Zinspolitik von Al G. erteilt sie kräftige Schelte. Paul McC. hat sich über das Überraschungsgeschenk von G. im Januar gefreut, Überraschung war aber der Zeitpunkt, Pimco hat schon am 28.11. bei CNB erklärt, daß die Fed um mindestens 100 BP senken muß. Misstände in der Wirtschaft sind eine Folge der strengen Geldpolitik.

Was er am Mittwoch erwartet:

Wird senken, wieviel ist offen, daß er es tut, beschlossene Sache, Leitzins wird im Sommer bei 5 % sein, bis dahin bleiben G. noch 100 BP. Uncle Al ist dabei, das auszubügeln, was er vergangenes Jahr lieber nicht getan hätte, die Zinsschraube so fest und so spät anzuziehen.

G.Hat dem Aprilcrash die Zinsen um 50 BP doppelt so stark wie bei den vorangegangenen fünf Zinsschritten angehoben, das war Salz in einer offenen Wunde. Die Senkung am 3.1. sollte das korrigieren.

Manche glauben nicht, daß G. das Problem so schnell wird lösen können.

Mc.C. glaubt nicht, daß sich Amerika in einer vergleichbaren Situation wie Japan vor zwei Jahren befindet. Fundamentalen Daten intakt, aber man darf Probleme nicht ignorieren, diese können mit der richtigen Zinspolitik gelöst werden. Zur Verfügung stehen 600 BP. Mit der richtigen Dosierung kann man den Patienten Amerika wieder fit machen.

McC. meint, die US-Wirtschaft wird nie wieder mit fünfprozentigen Raten wachsen, das war einmalig.
Wenn 100 BP nicht ausreichen, dann müssen es eben 200 sein. Fed muß zurück an den Spieltisch.

Schlimmste Zeit für Wirtschaftswachstum wird das erste Halbjahr sein, hohe Lagerbestände, die nur langsam abgebaut werden können.

Euro wird steigen, 1,10 Dollar für einen Euro.

Wachstumsraten in USA bis Mitte des Jahres 1 %, dann zwei bis drei Prozent. Das wird so bleiben die nächsten Jahre.
Spekulationsblase an der Nasdaq ist geplatzt, 4000, oder 5000 Punkte waren nicht dauerhaft zu halten, auch mit 3000 Punkte noch immer anspruchsvoll bewertet. Es wird sehr lange dauern, bis 5000er-Marke wieder erreicht wird.
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Ich frage mich aber wirklich, wenn Greenspan um 200 BP runter muss -was sehr gut möglich ist- wie es dann um die Inflation bestellt ist, denn die ist zwar im Griff (kann man das überhaupt so sagen ?), aber längst nicht mehr so niedrig, wie in der letzten Rezession. Bei solch deutlichen Zinssenkungen, wie sie erwartet werden, könnten wir dann über Inflationsraten von 4%+ reden müssen ... dies wäre deutlich zu viel und würde Zinserhöhungen nach sich ziehen (müssen).

Soweit sind wir noch nicht, aber diesen Ausgang sollte man im Hinterkopf haben .... erst Inflation, dann Deflation

Ralph

<font size=1>[Dieser Beitrag wurde von Ralph am 29.01.2001 editiert.]</font>

Ralph
29.01.2001, 06:53
Langfristig betrachtet befinden wir uns weiter in einem Bärmarkt. Wir werden eine Rezession in den USA sehen und es besteht die Gefahr, dass die FED diese mit ihrer aktuellen Zinspolitik sogar verlängert.

Es ist eindeutig, dass wir nach einer seit 1990 nicht mehr von einem Rezessionsquartal unterbrochenen Aufschwungphase vor einer ganz natürlichen Rezession stehen, so dass es strategisch sinnvoller gewesen wäre, ein oder zwei „natürliche“ Rezessionsquartale abzuwarten und danach mit einer entschlossenen Zinssenkungspolitik die Wende einzuleiten, als sich aktuell der sehr großen Gefahr auszusetzen die eigene Munition (Zinssenkungen) zu vergeuden, indem man versucht damit eine unvermeidbare Rezession abzuwenden.

Entsprechend dieser Rezessionserwartung werden die Gewinne der US-Unternehmen unter Druck bleiben und eine fortgesetzte Anpassung der KGVs an „alte Zeiten“ vorgenommen werden, in der soliden Wachstumswerten KGVs um 40 zugebilligt wurden. Erst wenn diese Bewertungsniveaus in der Marktbreite (!) erreicht sind kann eine längerfristige Marktwende erfolgen.

Aber was heisst "längerfristig" ..... dazu ist man nicht mehr bereit .... die Gewinne MÜSSEN "kurzfristig" erzielt werden.

Laufen kann der Markt bis 3.200 oder 3.400, was er vermutlich auch tun wird .... danach schauen wir weiter.

Ralph

<font size=1>[Dieser Beitrag wurde von Ralph am 29.01.2001 editiert.]</font>