Ralph
29.01.2001, 07:05
Experten: Fed soll Wirtschaft vor globaler Rezession retten
Davos (Reuters) - Konzernchefs und Finanzexperten aus aller Welt haben beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos ihre Hoffnungen auf agressive Zinssenkungen der US-Notenbank Fed zum Ausdruck gebracht, um die Welt vor einer globalen Rezession zu bewahren. Zweifel gab es hingegen an einer raschen Konjunkturerholung Japans, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Zinsen sind dort bereits bei Null und die öffentliche Verschuldung zu hoch für weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft.
Stanley Fischer, stellvertretender Direktor des Internationale Währungsfonds (IWF), sagte, das Wachstum der Weltwirtschaft könnte sich im laufenden Jahr auf rund 3,5 Prozent von 4,2 Prozent abschwächen.
Wenige Tage vor dem nächsten Offenmarkttreffen (FOMC) der Fed am 30. und 31. Januar zeigten sich die Firmenchefs, Finanz- und Wirtschaftsexperten aber zuversichtlich, dass diese zu weiteren Znssenkungen bereit ist. Niedrigere Kreditzinsen zusammen mit den von der neuen US-Regierung geplanten Steuersenkungen sollten der US- Konjunktur ab Jahresmitte wieder auf die Beine helfen. "Eine weitere Senkung um einen halben Punkt wäre die beste Politik beim nächsten FOMC-Treffen", sagte der Ökonom und Nobelpreisgewinner von 1999, Robert Mundell.
Auch Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius sieht weiteren Spielarum für US-Zinssenkungen. IWF-Direktor Fischer sagte, die Fed könnte die Zinsen nötigenfalls noch um fünf Punkte senken, ohne dass dies die Inflation schüren würde. "Ich denke aber, dass das nicht nötig sein wird", so Fischer.
Das diesjährige Treffen der Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik in dem Schweizer Wintersportort steht im Schatten einer sich verlangsamenden globalen Konjunktur, nachdem sich das US-Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt hatte.
Das WEF findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Während in Davos das Kongresszentrum von hunderten von Polizisten und Soldaten mit Stacheldrahtrollen gesichert wurde, lieferten sich Globalisierungsgegner am Samstag in mehreren Städten Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. In Zürich kam es zu gewaltätigen Ausschreitungen. Insgesamt nahm die Polizei rund 100 Personen fest.
Die Tagungsteilnehmer forderten auch die Unterstützung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), damit ein starker Anstieg des Rohhölpreises wie im Vorjahr verhindert werden kann. Deutschlands Finanzminister Hans Eichel sagte, wenn sich der Ölpreis auf dem Niveau der vergangenen Wochen stabilisiere, wäre dies ein "großer Gewinn" für die Weltwirtschaft. "Ich bin mir sicher, die OPEC ist sich ihrer Verantwortung bewusst", so Eichel.
Die OPEC reagierte beruhigend. Saudi Arabiens Ölminister Ali al-Naimi sagte, die OPEC werde in ihren Bemühungen fortfahren, den Ölpreis um 25 Dollar zu halten. Die OPEC, die die Förderung in diesem Monat um fünf Prozent verringert hat, um die Preise zu stabilisieren, strebt einen Rohölpreis zwischen 22 und 28 Dollar an.
IWF-Direktor Fischer stimmte mit anderen Experten darin überein, dass momentan keine Rezession wie zuletzt in den frühen 80-er- und 90-er-Jahren drohe. "Wir sind noch weit weg von einer globalen Rezession", sagte er. Die europäischen Fundamentaldaten nante Fischer stark. Wegen der mäßigen Inflation bestehe Raum für Zinssenkungen in Folge einer sich abschwächenden Wirtschaft oder eines Anstiegs des Euro.
Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten Spekulationen über eine Zinssenkung in der Eurozone als Folge von Zinsschritten in den USA gedämpft, die Erwartungen geringerer Preisrisken in Europa aber bekräftigt.
Zu Japan sagte Fischer, die Wirtschaftsproduktion dürfte sich im vierten Quartal 2000 leicht abgeschwächt haben. Der ehemalige US-Finanzminister Laurence Summers sagte, Japan könne kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreichen, solange es nicht seine Geld- und Fiskalpolitk umstelle.
Japans Ministerpräsident Yoshiro Mori zeichnete ein positives Bild für die Wirtschaft seines Landes. Die Gewinne der Unternehmen befänden trotz der niedrigen Ausgaben der privaten Haushalte und steigender Arbeitslosenzahlen auf Wachstumskurs, sagte er. Analysten und ein Teil der Forum-Teilnehmer betrachteten die Äußerungen Moris allerdings als unzureichend, um die Investoren davon zu überzeugen, dass sich die Wirtschaft des Landes bald erholt.
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Ralph
Davos (Reuters) - Konzernchefs und Finanzexperten aus aller Welt haben beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos ihre Hoffnungen auf agressive Zinssenkungen der US-Notenbank Fed zum Ausdruck gebracht, um die Welt vor einer globalen Rezession zu bewahren. Zweifel gab es hingegen an einer raschen Konjunkturerholung Japans, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Zinsen sind dort bereits bei Null und die öffentliche Verschuldung zu hoch für weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft.
Stanley Fischer, stellvertretender Direktor des Internationale Währungsfonds (IWF), sagte, das Wachstum der Weltwirtschaft könnte sich im laufenden Jahr auf rund 3,5 Prozent von 4,2 Prozent abschwächen.
Wenige Tage vor dem nächsten Offenmarkttreffen (FOMC) der Fed am 30. und 31. Januar zeigten sich die Firmenchefs, Finanz- und Wirtschaftsexperten aber zuversichtlich, dass diese zu weiteren Znssenkungen bereit ist. Niedrigere Kreditzinsen zusammen mit den von der neuen US-Regierung geplanten Steuersenkungen sollten der US- Konjunktur ab Jahresmitte wieder auf die Beine helfen. "Eine weitere Senkung um einen halben Punkt wäre die beste Politik beim nächsten FOMC-Treffen", sagte der Ökonom und Nobelpreisgewinner von 1999, Robert Mundell.
Auch Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius sieht weiteren Spielarum für US-Zinssenkungen. IWF-Direktor Fischer sagte, die Fed könnte die Zinsen nötigenfalls noch um fünf Punkte senken, ohne dass dies die Inflation schüren würde. "Ich denke aber, dass das nicht nötig sein wird", so Fischer.
Das diesjährige Treffen der Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik in dem Schweizer Wintersportort steht im Schatten einer sich verlangsamenden globalen Konjunktur, nachdem sich das US-Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt hatte.
Das WEF findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Während in Davos das Kongresszentrum von hunderten von Polizisten und Soldaten mit Stacheldrahtrollen gesichert wurde, lieferten sich Globalisierungsgegner am Samstag in mehreren Städten Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. In Zürich kam es zu gewaltätigen Ausschreitungen. Insgesamt nahm die Polizei rund 100 Personen fest.
Die Tagungsteilnehmer forderten auch die Unterstützung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), damit ein starker Anstieg des Rohhölpreises wie im Vorjahr verhindert werden kann. Deutschlands Finanzminister Hans Eichel sagte, wenn sich der Ölpreis auf dem Niveau der vergangenen Wochen stabilisiere, wäre dies ein "großer Gewinn" für die Weltwirtschaft. "Ich bin mir sicher, die OPEC ist sich ihrer Verantwortung bewusst", so Eichel.
Die OPEC reagierte beruhigend. Saudi Arabiens Ölminister Ali al-Naimi sagte, die OPEC werde in ihren Bemühungen fortfahren, den Ölpreis um 25 Dollar zu halten. Die OPEC, die die Förderung in diesem Monat um fünf Prozent verringert hat, um die Preise zu stabilisieren, strebt einen Rohölpreis zwischen 22 und 28 Dollar an.
IWF-Direktor Fischer stimmte mit anderen Experten darin überein, dass momentan keine Rezession wie zuletzt in den frühen 80-er- und 90-er-Jahren drohe. "Wir sind noch weit weg von einer globalen Rezession", sagte er. Die europäischen Fundamentaldaten nante Fischer stark. Wegen der mäßigen Inflation bestehe Raum für Zinssenkungen in Folge einer sich abschwächenden Wirtschaft oder eines Anstiegs des Euro.
Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten Spekulationen über eine Zinssenkung in der Eurozone als Folge von Zinsschritten in den USA gedämpft, die Erwartungen geringerer Preisrisken in Europa aber bekräftigt.
Zu Japan sagte Fischer, die Wirtschaftsproduktion dürfte sich im vierten Quartal 2000 leicht abgeschwächt haben. Der ehemalige US-Finanzminister Laurence Summers sagte, Japan könne kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreichen, solange es nicht seine Geld- und Fiskalpolitk umstelle.
Japans Ministerpräsident Yoshiro Mori zeichnete ein positives Bild für die Wirtschaft seines Landes. Die Gewinne der Unternehmen befänden trotz der niedrigen Ausgaben der privaten Haushalte und steigender Arbeitslosenzahlen auf Wachstumskurs, sagte er. Analysten und ein Teil der Forum-Teilnehmer betrachteten die Äußerungen Moris allerdings als unzureichend, um die Investoren davon zu überzeugen, dass sich die Wirtschaft des Landes bald erholt.
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