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Vollständige Version anzeigen : Wird Greenspan den Japanern helfen (müssen) !


Ralph
10.03.2001, 11:12
Die neuesten Warnungen von INTEL, Yahoo! & Co. waren es, die sich diese Woche in den Schlagzeilen wiederfanden. Aber die Probleme sind nicht nur in den USA zu finden.

Die vielleicht wichtigste Story wurde eigentlich in Japan geschrieben ..... nur die meisten haben dies ignoriert !

Am Mittwoch musste Japan's Finanzminister bekanntgeben, dass sich die Finanzsituation des Landes kurz vor dem Zusammenbruch befinden. Er versuchte zwar später das ganze etwas zu relativieren, aber der Schaden war schon angerichtet (auch diese inkompetenten Äusserungen -ob richtig oder falsch- sind bezeichnend für diese Land, das in den letzten 10 Jahren nichts gelernt hat .... schaut mal den Doofen-Thread im Japan-Forum an.
Zuerst das verwirrende Statement von Miyazawa, gepaart mit Gerüchten, dass Premier Mori bald zurücktreten würde, verstärkte nur noch die Befürchtungen das Japan vollkommen ohne "Steuermann" und im vollkommenen Chaos ist.

Man darf nicht vergessen, dass trotz der zehn Jahre Depression (ja, ich nenne es so), ds Land immer noch eine der grössten Volkswirtschaften in der Welt ist, und einer der grössten Handelspartner der USA.

Und da kann man schon mal die Frage stellen "Wird die FED die Zinsen senken (müssen), obwohl die eigenen Rahmendaten vielleicht nicht so schlimm sind, wie viele es befürchtet haben, nur um der klammen Japan-Wirtschaft zu helfen ? .... den Japanern geht schlicht das Geld aus ! ...... Das weckt Erinnerungen bei mir an 1998 .... damals waren es auch Probleme ausserhalb der USA, die die Amerikaner zum Handeln veranlasst haben.

Land der fallenden Zinsen ?

Erstmal "Nein" ! .... denn, internationale Variablen sind es sehr selten, die die Handlungen der FED-Politik beeinflussen. Der Unterschied von damals zu heute ist es nämlich, dass die damalige "Asien-Grippe" (Betonung liegt auf Asien, nicht auf Japan) eine ganze Abnehmerregion für amerikanische Produkte bedrohte ..... das wäre im Einzelfalle Japan nicht so schlimm. Zumal die anderen asiatischen Abnehmerländer sich sehr verbessert haben, was die strukturellen Reformen seit der Asienkrise anbelangt.

Auch wenn die Aktienkurse alles andere nahelegen, als "Friede, Freude, Eierkuchen", so zeigten doch einige Deals diese Woche, dass die US-Finanzmärkte alles andere sind, als bereits mit Fensterläden verschlossene Institutionen. Einige Beispiele:

1) France Telecom hat den grössten Corporate Bond-Deal durchgeführt

2) Freddie Mac hat einen $10 Mrd. bond-Deal aufgelegt, der grösste je an einem Tag durchgeführte dieser Art.

3) Der Bundesstaat Kalifornien setzt die Vorbereitungen für einen $10 Mrd. Municipal-Bond fort ... der grösste seiner Art in der Geschichte Kaliforniens

4) IPO Loudcloud schaffte es am Freitag an den Markt zu gehen, plus 1.6%

Deshalb sollte die FED wenig Anreiz haben, aufgrund externer Faktoren die Zinsen zu senken.

Und doch gibt es einige Anzeichen, die auf ETWAS hindeuten könnten.

Die Rally, die die Bondmärkte vor dem gestrigen Setback hingelegt haben, zusammen mit dem Anstieg von Gold, verleiht evtl. das Prädikat "Da könnte eine systembedingte Problematik herrschen", genau wie 1998. Japan hat sein 10 Jahren keinen Beitrag mehr zum globalen Wachstum geleistet. Eine leichte Kontraktion dort, würde die FED sicherlich nicht beunruhigen. Es "scheint" keine systembedingte Probleme zu geben, aber es wird halt heftig darüber an den Handelstischen diskutiert !

Das "Japan-Element" könnte dafür sorgen, dass die FED doch eher 50 BP am 20.03.01 senkt, als die momentan erwarteten 25 BP. Dies glauben auch Leute, die dem Einfluss Japan's auf die FED-Politik sehr skeptisch gegenüberstehen, denn

Die FED ist die Notenbank der Welt !

Daraus lässt sich folgern, dass die FED, zusammen mit den anderen Notenbank der Welt eine koordinierte Aktion des "leichteren Geldes" für die strauchelnde Japan-Wirtschaft durchführen wird. Auf diese Weise könnte könnte der Yen am Anstieg gehindert werden, auf Kosten des Dollars .... etwas was die export-getriebene Wirtschaft dort auf jeden Fall vermeiden muss.

Hinzukommt die Tatsache, dass auch die europäischen Indices kurz vorm Zusammenklappen stehen könnten, da sich die Wachstumsaussichten langsam aber sicher auch verschlechtern. ..... Treibsatz für koordinierte Aktionen.
Und hinter den Kulissen sieht man schon, was bei der FED abgeht, denn das Geldmengenwachstum ist jetzt bei über 20% im 13-Wochendurchschnitt.

Stark ansteigende Geldmenge, gepaart mit den gestrigen Arbeitsmarktzahlen, gepaart mit dem erstmaligen Rückgang der Lagerbestände im Grosshandelsbereich seit 1998 -plus andere Indikatoren, die zeigen, dass die Wirtschaft doch nicht so schlecht ist- gepaart mit zusätzlich notwendig werdendem Stimulus von der Geld- und Fiskalpolitik könnte der Inflation schon ein bisschen auf die Sprünge helfen ...... sorry für diesen Schachtelsatz ;) ...... ein bisschen Inflation ist nicht schlecht -aber nur ein bisschen- denn damit wird der drohenden Deflation Einhalt geboten, die uns sonst mit Haut und Haaren frisst.

Unternehmen, die sich heute Geld leihen, werden es morgen ausgeben. Private werden zusätzlich Geld haben, weil man Hypotheken-Darlehen umfinanziert. Man sollte an das Erholungs-Szenario der US-Wirtschaft glauben. Aber Inflationssorgen werden vermutlich zurückkommen, wenn die Ökonomie wieder Fuss gefasst hat. Aber ds ist nicht das tatsächliche Problem. Es muss etwas Inflation herrschen, um nicht deflatorische Probleme zu bekommen .... der Trend zeigt dahin.

Es bleibt spannend, aber koordiniert wird bereits auf höchster Stufe !

Ralph