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Christian
30.03.2001, 08:13
Nachdem nun schon seit mehr als einem Jahr Probleme und Unregelmäßigkeiten bei Strato auftraten, kann nur jedem von diesem ISP abgeraten werden..... :eek: :( :ne




Strato - Deutschlands größter Offline-Provider?

Seit nunmehr drei Tagen sind bis zu 600.000 Strato-Kunden offline, darunter allein 40.000 Shops. Ein weiterer Imageschaden für die Strato AG, den sich das Unternehmen kaum erklären kann: Bis hin zur "Fremdeinwirkung" wollen die Berliner "nichts ausschließen".



Wieder einmal im Kreuzfeuer der Kritik: Die Strato AG
Die Volksseele kocht, und das seit Tagen. Spätestens seit Dienstag sind - nach Strato-Angaben - rund 1,7 Millionen Domains offline: Wer sich derzeit auf Strato verlässt, ist verlassen.
Neu ist das nicht. Der Berliner Groß- und Billig-Provider kämpft immer mal wieder mit erheblichen technischen Schwierigkeiten. In diesem Fall, sagt Strato, lag es am Strom: In einer " Stellungnahme zur Downtime am 28.03.2001" schrieb die Strato-Pressestelle:

"Am Dienstag, den 27. März 2001 kam es gegen 14:30 Uhr zu einer Netzüberspannung, die zu einem abrupten Shutdown der Speichereinheit geführt hat, so dass ein Zugriff auf die bei der STRATO AG gehosteten Internetpräsenzen nicht möglich war. ... Seit Mittwoch, den 28. März 2001, 05:02 Uhr werden die Präsenzen sukzessive und in Gruppen wieder konnektiert."
Das sind gute Nachrichten, gerade aus Sicht der Kunden. Schließlich befinden sich unter den 600.000 Kunden, die Strato nach eigenen Angaben "hostet", zahlreiche Shopbetreiber. Mit der Frage, wer für Verdienstausfälle aufkommt, wird sich Strato in den nächsten Wochen auseinander setzen müssen, und nicht zum ersten Mal. Pressesprecher Sören Heinze: "Damit muss man immer rechnen. Wir hatten im letzten Jahr rund 50 berechtigte Schadensersatzforderungen, die wir natürlich auch alle bezahlt haben."

Dass die Kunden zur Zeit kochen, kann Heinze nachfühlen. In Foren, über das Telefon und in wütenden Protestbriefen lassen sie derzeit ihren Frust ab. Heinze: "Es gibt Kunden, die berechtigterweise sauer auf uns sind. Aber gerade in den Anti-Strato-Pressuregroups und in den Foren gibt es auch viele, die einfach ihren Geltungsdrang ausleben". Wenn sie nicht sogar "direkten Konkurrenten nahe stehen".

Tatsächlich?

Der Frust der Kunden ist vollauf verständlich. Strato erlebte in den letzten zwei Jahren so viele Vollausfälle, dass das Unternehmen Anfang dieses Jahres seine gesamte Hardware-Architektur umstellte. Um so perplexer zeigt sich Heinze über den neuerlichen Ausfall: "Das hier hat nichts mit früheren Vorfällen zu tun. Das ist eine Sache, die genau genommen gar nicht eintreten darf!"

Womit er die neue Architektur meint: Erst in der letzten Woche hatte Strato in einem Brief an die Kunden stolz gemeldet, das Unternehmen sei inzwischen für "das Hosting von über 5.000.000 Domains gerüstet". Und weiter: "Ihre Strato-Domains werden auf einer der modernsten und ausfallsichersten Architekturen verwaltet".


One Design fits all: Bis zu 1,7 Millionen Strato-Domains werden zur Zeit nur in einem Standard-Layout angeboten

Am Dienstag, sagt Heinze, habe sich in dieser modernen und ausfallsicheren Architektur ein Akku im Storage-System aktiviert, was zu einer Überspannung geführt habe: der Vollkollaps. "Um die Datenkonsistenz" zu gewährleisten, habe das Unternehmen alle Festplatten gescannt und einen vollständigen Reboot des Systems vorgenommen.

Am Mittwoch meldete Strato Vollzug: "Es ist davon auszugehen, dass die Erreichbarkeit aller Präsenzen heute Nachmittag vollständig wiederhergestellt ist". Bereits um 13.30 Uhr am Mittwoch waren angeblich "50 Prozent der Präsenzen wieder online".

Oder auch nicht.

Am Donnerstag gegen 10.27 Uhr waren es jedenfalls satte 85 Prozent - eine Minute später ging der Wert wieder auf Null. Erneut musste Strato die Systeme herunterfahren. "Heute Nachmittag", am Donnerstag, "sollte alles wieder funktionieren", sagt Heinze.

Dass der Kollaps möglicherweise auf einen Hackerangriff zurückzuführen sei, wie Heise.de meldete, kann er nicht bestätigen. "Fremdeinwirkung will ich aber nicht ausschließen", und dann könnte es in den nächsten Tagen durchaus zu einer "Anzeige gegen unbekannt" kommen. Immerhin sei der am Dienstag aufgetretene Fehler im System "technisch eigentlich gar nicht möglich".

Ob er damit andeuten wolle, dass sich jemand am System zu schaffen gemacht habe? "Im Augenblick will ich überhaupt nichts ausschließen, weil ich einfach nicht genügend Informationen habe."

In einer Hinsicht zumindest ist er sicher: So gut er auch den Frust der Kunden verstehe, Strato treffe mit Sicherheit keine Schuld: "Das alles ist möglicherweise auch eine Frage von Gewährleistungen". Mit Schadensersatzforderungen rechne Strato nun. "Den Kunden", sagt Heinze, "interessiert es nicht, wer hier die Schuld trägt. Er will, dass seine Web-Präsenz läuft, und er will womöglich Schadensersatz für Ausfälle."

"Solche Forderungen", verspricht Heinze, "werden wir dann gegebenenfalls an den- oder diejenigen weiterreichen, die für diesen Schaden einzustehen haben". Strato, da ist er sicher, wird das nicht sein.

Außer vielleicht in Form abwandernder Kunden, deren Frust auch er "sehr gut verstehen" kann?

Strato stellt mit Bedacht die "Schuldfrage" in den Mittelpunkt seiner Krisen-PR: Das deutet darauf hin, dass der Berliner Provider den Ausfall in diesem Fall möglicherweise wirklich nicht zu verantworten hat. Dumm daran ist nur, dass so etwas irgendwann niemanden mehr interessiert. Ein Unternehmen, dass sich wiederholt als "Offline-Provider" profiliert, erleidet einen Imageschaden, der sich in Kundenschwund niederschlagen könnte. Denn für die ist entscheidend, um es mit den Worten eines ehemaligen Kanzlers zu sagen, "was hinten rauskommt".



Quelle: Spiegel Online