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Vollständige Version anzeigen : Bald Licht aus im Silicon Valley???


Droppel
14.01.2001, 11:50
Rettet ein Kompromiss in Kalifornien die Stromversorgung?

Sacramento, Kalifornien, 12. Januar (Bloomberg) - Im sonnigen Kalifornien werden die Lampen auf Sparflamme gedreht, denn dort spitzt sich die Energiekrise immer weiter zu. Jetzt hoffen Juristen auf eine baldige Einigung mit den beiden größten Stromversorgungsunternehmen. Nur mit einem staatlich abgesicherten Darlehen könne die drohende Zahlungsunfähigkeit von PG&E Corp. und Edison International noch verhindert werden, betonen Branchen- und Regierungsvertreter. Hoffnungen auf eine durch den Staat abgesicherte Anleiheemission hatte Gouverneur Gray Davis am Mittwoch dieser Woche zunichte gemacht. Diese hätte den 11,5 Milliarden Dollar schweren Schuldenberg der beiden Unternehmen abgebaut.

Die Zeit drängt, denn in Kalifornien wird der Strom knapp. Nach den schweren Stürmen an der Westküste wurden einige Kraftwerke vom Netz genommen. Damit liegen die staatlichen Stromreserven nur noch bei 1,5 Prozent der Nachfrage. Die Voraussetzung für "Stage Three Emergency" - ein Notstand, bei dem Stromausfälle nicht auszuschließen sind. Diese beginnen gegen 17 Uhr kalifornischer Zeit und können bis zu mehrere Stunden andauern. In Kalifornien ist die Stromversorgung schon lange ein kritisches Thema. Fallen nur einige wenige Kraftwerke wegen Reparatur aus, wird der Strom knapp. Rund 65 Prozent der staatlichen Kraftwerke sind über 30 Jahre alt, das macht sie besonders störanfällig.

Die größten kalifornischen Hightech-Unternehmen haben ihren Stromverbrauch bereits gesenkt. So verzichtet Hewlett-Packard Co. derzeit in den Etagen, wo die Büros ausreichend mit Tageslicht versorgt sind, auf künstliche Beleuchtung,. Und Intel Corp. ist in Santa Clara und Folsom auf eine Art "Schlafzimmerbeleuchtung" umgestiegen. Damit werden 50 bis 60 Prozent an Strom gespart, das entspricht 5 Prozent des Gesamtjahresbedarfs, erklärt Intel- Sprecher Chuck Mulloy.

Für PG&E und Edison wird die Lage indes immer brenzliger. Nachdem kurzfristige Lösungsmöglichkeiten wie staatlich abgesicherte Anleihen, Bürgschaften oder Preiserhöhungen nun offensichtlich wegfallen, "hat sich das Insolvenzrisiko für beide Stromversorger deutlich erhöht", erklärt Paul Patterson, Analyst bei Credit Suisse First Boston in New York. Die beiden Stromversorger hatten Strom teuer eingekauft und günstiger verkauft. Die kalifornischen Deregulierungsvorschriften machen es den Versorgern unmöglich, steigende Kosten an den Verbraucher weiterzugeben. Daher der imposante Schuldenberg.

Vor diesem Hintergrund verzichtet PG&E auf die Zahlung der Dividende für das vierte Quartal, berichtete das Unternehmen am Mittwoch dieser Woche. Zudem sollen 325 Stellen mit sofortiger Wirkung gestrichen werden, was rund 180 Millionen Dollar einsparen dürfte. Weitere 675 Arbeitsplätze könnten dem Rotstift zum Opfer fallen, sollten dem Stromversorger tatsächlich alle Mittel ausgehen. Auch Edison verzichtete im letzten Monat auf die Zahlung der Dividende. Zudem sollen insgesamt 1.850 Stellen gestrichen werden.

Auf die Erklärung des Gouverneurs reagierten Ratingagenturen mit Bestürzung. Denn damit könnten den beiden größten kalifornischen Stromversorgern innerhalb der nächsten Wochen die Barreserven ausgehen. Trübe Aussichten, die an der Börse prompt bestraft wurden. So fiel der Aktienkurs von PG&E am Donnerstag dieser Woche um 1,25 Dollar auf 12,31 Dollar. Edison verzeichneten ein Minus von 75 Cent auf 10,50 Dollar. Der Handel mit Unternehmensanleihen der beiden Versorger wurde ausgesetzt, nachdem die Zahlungsunfähigkeit immer näher rückt. Standard & Poor's hat die Bonität der langfristigen Anleihen auf eine Stufe oberhalb des Junk-Niveaus herabgesetzt.

Am Dienstag dieser Woche einigten sich die Stromerzeuger auf eine Gnadenfrist für die beiden Versorger, so Davis. Zudem erwägt der Bundesstaat die Möglichkeit, über eine staatliche Behörde Strom für die Versorgungsgesellschaften zu erwerben, um deren Betrieb für einige Monate sicherzustellen, berichtet Steven Maviglio, Sprecher des Gouverneurs. "Es ist im Interesse des Verbrauchers, dass die Strom- und Gasversorgung gewährleistet ist. Das hat auch der Staat begriffen", so Robert Glynn, Vorstandsvorsitzender von PG&E. "Das heißt, dass der Staat intervenieren wird. Er kann es einfach nicht zulassen, dass die Versorgung unterbrochen wird."

Auf lange Sicht arbeitet die Regulierungsbehörde an einer flexibleren Gestaltung der Strompreise. Durften Versorger mit Produzenten bislang keine langfristigen Verträge abschließen, wurde diese Regelung inzwischen aufgehoben. Damit sind Stromversorger nicht länger dazu gezwungen, Kilowattstunden im Notfall zu Höchstpreisen einzukaufen, diese jedoch zum regulären Preis an den Verbraucher abzutreten. "Es ist ein denkbar ungünstiger Moment für derartige Preisverhandlungen", gibt Harvey Rosenfield, Präsident vom Verband der Steuerzahler und Endverbraucher, zu bedenken. "Was heute verhältnismäßig günstig erscheint, könnte morgen schon überteuert sein."
©2001 Bloomberg