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Vollständige Version anzeigen : Weg mit den Alpen! Freie Sicht zum Mittelmeer.


Förster
14.07.2006, 19:13
Quelle (http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,426789,00.html)

EIGER

Spektakel am bröckelnden Berg

Der gewaltige Felsabbruch an der Eiger-Ostflanke sorgt im Berner Oberland für Aufsehen: Während die Einheimischen "Bergsturzbillets" verkaufen, rätseln Geologen: Wann stürzt der Rest des Felspakets in die Tiefe?


Grindelwald - 20 Franken kostet das Bergsturzbillet, mit dem Touristen im Berner Oberland die neue Attraktion am Eiger besichtigen können: den Felssturz an der Ostflanke des Berges. Für das Ticket wird Besuchern nicht nur eine Rückfahrt mit der Pfingstegg-Gondel und eine Fahrt auf der Sommerrodelbahn geboten. Auch ein "Bergsturzwasser" auf der Berghütte Bäregg ist inbegriffen, berichtet das Schweizer Fernsehen.

http://www.spiegel.de/img/0,1020,665966,00.jpg (http://www.spiegel.de/fotostrecke/0,5538,PB64-SUQ9MTUwMjUmbnI9NA_3_3,00.html)..http://www.spiegel.de/img/0,1020,665963,00.jpg (http://www.spiegel.de/fotostrecke/0,5538,PB64-SUQ9MTUwMjUmbnI9NQ_3_3,00.html)

Hatte sich der Blick von der gegenüberliegenden Seite auf das absturzgefährdete Felspaket in den vergangenen Tagen zum Anziehungspunkt für Wanderer entwickelt, so ist die Ostflanke nach dem Absturz von schätzungsweise 500.000 Kubikmetern Gestein am gestrigen Donnerstagabend nun endgültig eine Touristenattraktion der anderen Art.

Der Bürgermeister von Grindelwald, Dres Studer, sieht es mit gemischten Gefühlen: Zwar profitiere der Tourismus von den ständigen Medienberichten, gleichzeitig würden die Gäste durch aufgebauschte Schreckensmeldungen aber auch verunsichert. "Gemessen am Eiger ist das nichts! Schauen sie sich doch mal diesen mächtigen Berg an", sagte Studer der "Basler Zeitung". Grindelwald sei nicht in Gefahr, hatten die Sicherheitskräfte nach dem Absturz betont.

"Es kann ein großes Spektakel geben"

Für die losen Gesteinsmassen selbst gibt es noch keine Entwarnung. Die betroffene Ostflanke des Eigers sei weiter in Bewegung, teilte der Rettungschef von Grindelwald mit. Der zuständige Leiter des Schweizer Alpenvereins, Kurt Amacher, erwartet, dass sich in den kommenden Tagen noch einmal die doppelte bis dreifache Menge an Gestein lösen wird. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das vom Abschmelzen der Gletscher in den Berg eindringende Wasser dazu führt, dass dieser brüchig wird.

http://www.spiegel.de/img/0,1020,663999,00.jpg (http://www.spiegel.de/fotostrecke/0,5538,PB64-SUQ9MTUwMjUmbnI9MQ_3_3,00.html)

"Es ist jetzt alles möglich, es kann ein großes Spektakel oder auch nur ein kleines geben", sagte Geologe Hans Rudolf Keusen im Interview mit SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,426766,00.html). Einzig das Szenario einer bedrohlichen Flutwelle scheint abgewendet zu sein, weil die Gesteinsmassen nicht auf einmal abgebrochen sind.

Im schlimmsten Fall, so hatten Experten befürchtet (http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,426293,00.html), hätte die Felswand den Gletscher von der Seite her rammen und regelrecht aushebeln können. Ein gewaltiger Pfropfen aus Eis, Wasser und Gestein wäre die Folge gewesen. Das Schmelzwasser des Gletschers hätte sich an diesem Pfropfen stauen können. Was dann hätte passieren können, haben die Grindelwalder im Rekordsommer 2003 gesehen: Damals dünnte die Zunge des Oberen Grindelwaldgletschers aus und stürzte ein - Baumstämme und Trümmer aller Art wurden bis in den Brienzer See getragen.

"Nur ein Eigerfürzchen"

Wann der nächste Absturz erfolgt, können die Geologen vor Ort nicht voraussagen. Bürgermeister Studer hofft, dass es bald geschieht. Der "Basler Zeitung" sagte er, bisher sei der Felssturz "ein Eigerfürzchen". "Das Naturschauspiel ist zwar auch für uns Bergler beeindruckend, doch langsam haben wir vom lästigen Felsstaub und vom Rummel genug. Vor allem unsere Sicherheitsleute, die schon seit Tagen eingespannt sind: Wege kontrollieren, Warntafeln aufstellen und Leute informieren."

Nach wie vor werden regelmäßig alle Wanderwege abgegangen und das Gebiet per Helikopter beobachtet. Der fast 4000 Meter hohe Eiger dominiert zusammen mit den Bergen Mönch und Jungfrau die Landschaft des Berner Oberlandes. Berühmt ist der Berg unter anderem für seine Nordwand, die wegen ihrer Steilheit und wegen der sehr schnell wechselnden Wetterlage als extrem schwierig zu besteigen gilt. Zahlreiche Menschen fanden beim Versuch, sie zu erklimmen, den Tod.

stx/AFP/AP/dpa

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