Matze
18.04.2001, 23:15
Die Deutsche Telekom hat ihre Ankündigung offensichtlich wahr gemacht und um 18 Uhr die Leitungen des Call-by-call- und Internet-by-Call-Anbieters Callino abgeschaltet. Damit halbiert sich die Schar der Internet-by-Call-Anbieter in Deutschland schlagartig um rund die Hälfte. Denn Callino hat ein Netz von Resellern aufgebaut, die gegen Provision Online-Minuten für das offiziell insolvente Münchner Unternehmen verkaufen. Dazu gehören Absolventen.net,
Allsurf25.de, Acn.de, Bautreff.de, Call2surf, Callisa.de, Econonet.de, Expressnet.de, Handywoman, Kicksurf.de, Night Surfer, Telehunter, tzs.de, Retel Online.de, Surf25.de, MDS-Online,
Telequest, T-Link und WEL.
Wer über einen dieser Anbieter ins Netz will, wird bis auf weiteres keine Connection bekommen. Diese Reseller sollen zusammen mehr als 400 Millionen Online-Minuten pro Monat abgesetzt haben - ein empfindlicher Schlag für die Surfer-Szene.
Gegenüber der INTERNET WORLD bestätigte Telekom-Sprecher Stephan Broszio die Abschaltung, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß Callino "monatelang mit beträchtlichen Zahlungen im Rückstand" gewesen sei. Rechnet man die Verbindlichkeiten von Callino und Telekom gegeneinander auf, bleibt immer noch "ein einstelliger Millionenbetrag" übrig, den der Provider dem Rosa Riesen schuldet. Die Telekom, so Broszio weiter, habe sich die Entscheidung zur Abschaltung nicht leicht gemacht, schließlich wolle man nicht leichtfertig " einem Geschäftskunden die geschäftsgrundlage entziehen". Aber man müsse auch an die eigenen Aktionäre denken, und schließlich sei "die Telekom nicht die Hausbank" des Unternehmens.
Callino hatte im März Insolvenzantrag gestellt, was aber nach Aussage von Callino-Pressesprecher Norbert Güldenpfennig nicht mit der drohenden Telekom-Abschaltung zu tun gehabt habe. Vielmehr sei das Unternehmen durch den Rückzug des US-Teilhabers Formus in Schräglage geraten. Hauptgeschäftsfäld sei der Bau und die Vermarktung von drahtlosen WLL-Netzwerken (WLL = Wireless Local Loop) gewesen, und dieses Geschäft sei in Deutschland "nie richtig in Gang gekommen".
Gelüftet ist auch das Geheimnis um den "Dumping-Provider" Callero. Er gehört zu Callando, einem der Reseller Callinos. Ursprünglich sei die Marke Callero für ein Projekt zur regionalen Vermarktung von Internet-Zugängen auf DSL-Basis gedacht gewesen, sagte Callero-Projektleiter Torsten Lewert der INTERNET WORLD. Im Zuge des Konkursantrages von Callino habe die Callero-Muttergesellschaft Callando schnell reagieren wollen, und eine Alternative zur Vermarktung von Online-Zeit schaffen wollen. Aus einem zu Jahresbeginn mit Talkline zu damals marktgängigen Konditionen abgeschlossenen Vertrag schöpft Callero jetzt die Kapazität, um zu günstigen Preisen einen anmeldefreien Zugang anbieten zu können. "Wie lange wir diese Konditionen halten können, kann ich noch nicht sagen", räumte Lewert ein. Auch die etwas dubiosen Begleitumstände der Callero-Firmierung kann Lewert erklären: "Alles mußte sehr schnell gehen. Eigentlich ist Callero noch in Gründung, deshalb ist unsere Web-Seite sehr schlicht ausgefallen, und das Telefon muß noch angeschlossen werden."
Auf die Reseller-Szene sieht Lewert große Probleme zukommen. Die meisten seien von Callino über die drohende Absachltung nicht informiert worden. Sie hätten - da sich die Kunden nicht anmelden müssen - keinerlei Informationen über ihren Kundenstamm und könnten deshalb auch nicht zu einem anderen Anbieter wechseln.
Arbeit kommt auch auf die Hersteller von Least-Cost-Routern zu: Sie müssen ihre Zugangslisten bearbeiten, weil rund die Hälfte aller Zugänge nicht mehr funktioniert. Abzuwarten bleibt, auf welchem Niveau sich der Minutenpreis für anmeldungsfreie Internet-Zugänge jetzt einpendeln wird. Nach Ansicht zahlreicher Experten ist das, was im Moment stattfindet jedenfalls eine "überfällige Marktbereinigung." (fk)
Quelle: Internet World.
Insgesamt trennt sich also so langsam die Spreu vom Weizen. Nachher bleiben bestimmt nur noch drei Grosse wieder übrig, oder doch vier...
Matze
Allsurf25.de, Acn.de, Bautreff.de, Call2surf, Callisa.de, Econonet.de, Expressnet.de, Handywoman, Kicksurf.de, Night Surfer, Telehunter, tzs.de, Retel Online.de, Surf25.de, MDS-Online,
Telequest, T-Link und WEL.
Wer über einen dieser Anbieter ins Netz will, wird bis auf weiteres keine Connection bekommen. Diese Reseller sollen zusammen mehr als 400 Millionen Online-Minuten pro Monat abgesetzt haben - ein empfindlicher Schlag für die Surfer-Szene.
Gegenüber der INTERNET WORLD bestätigte Telekom-Sprecher Stephan Broszio die Abschaltung, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß Callino "monatelang mit beträchtlichen Zahlungen im Rückstand" gewesen sei. Rechnet man die Verbindlichkeiten von Callino und Telekom gegeneinander auf, bleibt immer noch "ein einstelliger Millionenbetrag" übrig, den der Provider dem Rosa Riesen schuldet. Die Telekom, so Broszio weiter, habe sich die Entscheidung zur Abschaltung nicht leicht gemacht, schließlich wolle man nicht leichtfertig " einem Geschäftskunden die geschäftsgrundlage entziehen". Aber man müsse auch an die eigenen Aktionäre denken, und schließlich sei "die Telekom nicht die Hausbank" des Unternehmens.
Callino hatte im März Insolvenzantrag gestellt, was aber nach Aussage von Callino-Pressesprecher Norbert Güldenpfennig nicht mit der drohenden Telekom-Abschaltung zu tun gehabt habe. Vielmehr sei das Unternehmen durch den Rückzug des US-Teilhabers Formus in Schräglage geraten. Hauptgeschäftsfäld sei der Bau und die Vermarktung von drahtlosen WLL-Netzwerken (WLL = Wireless Local Loop) gewesen, und dieses Geschäft sei in Deutschland "nie richtig in Gang gekommen".
Gelüftet ist auch das Geheimnis um den "Dumping-Provider" Callero. Er gehört zu Callando, einem der Reseller Callinos. Ursprünglich sei die Marke Callero für ein Projekt zur regionalen Vermarktung von Internet-Zugängen auf DSL-Basis gedacht gewesen, sagte Callero-Projektleiter Torsten Lewert der INTERNET WORLD. Im Zuge des Konkursantrages von Callino habe die Callero-Muttergesellschaft Callando schnell reagieren wollen, und eine Alternative zur Vermarktung von Online-Zeit schaffen wollen. Aus einem zu Jahresbeginn mit Talkline zu damals marktgängigen Konditionen abgeschlossenen Vertrag schöpft Callero jetzt die Kapazität, um zu günstigen Preisen einen anmeldefreien Zugang anbieten zu können. "Wie lange wir diese Konditionen halten können, kann ich noch nicht sagen", räumte Lewert ein. Auch die etwas dubiosen Begleitumstände der Callero-Firmierung kann Lewert erklären: "Alles mußte sehr schnell gehen. Eigentlich ist Callero noch in Gründung, deshalb ist unsere Web-Seite sehr schlicht ausgefallen, und das Telefon muß noch angeschlossen werden."
Auf die Reseller-Szene sieht Lewert große Probleme zukommen. Die meisten seien von Callino über die drohende Absachltung nicht informiert worden. Sie hätten - da sich die Kunden nicht anmelden müssen - keinerlei Informationen über ihren Kundenstamm und könnten deshalb auch nicht zu einem anderen Anbieter wechseln.
Arbeit kommt auch auf die Hersteller von Least-Cost-Routern zu: Sie müssen ihre Zugangslisten bearbeiten, weil rund die Hälfte aller Zugänge nicht mehr funktioniert. Abzuwarten bleibt, auf welchem Niveau sich der Minutenpreis für anmeldungsfreie Internet-Zugänge jetzt einpendeln wird. Nach Ansicht zahlreicher Experten ist das, was im Moment stattfindet jedenfalls eine "überfällige Marktbereinigung." (fk)
Quelle: Internet World.
Insgesamt trennt sich also so langsam die Spreu vom Weizen. Nachher bleiben bestimmt nur noch drei Grosse wieder übrig, oder doch vier...
Matze