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Vollständige Version anzeigen : Neuer Markt .... High-Tech in der Todeszone !


Ralph
21.04.2001, 19:25
SPIEGEL ONLINE - 21. April 2001, 15:01
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,129637,00.html

Neuer Markt

Hightech-Firmen in der Todeszone

Die Frankfurter Wachstumsbörse verkommt zum Tummelplatz für Hochstapler und unseriöse Geschäftemacher. Immer mehr Hightech-Firmen trudeln in der Todeszone. Börsenexperten prophezeien: Nur jedes fünfte Unternehmen am Neuen Markt wird überleben.

Es war 17.35 Uhr, als am Mittwoch vergangener Woche die Sonne von "Sunburst" unterging. In einer dürren Pflichtmitteilung gestand das Unternehmen aus Osnabrück, das versucht hatte, mit den Rechten für die Berliner Love Parade Geld zu machen, die "drohende Zahlungsunfähigkeit" ein.

In letzter Minute gerettet: Letsbuyit.com in München

Doch die neuerliche Pleite am Neuen Markt scherte in diesem Augenblick offenbar niemanden. Aus New York nämlich vermeldeten die Nachrichtenagenturen, dass kurz zuvor eine weitaus mächtigere Börsensonne aufgegangen war: Alan Greenspan, der amerikanische Notenbankchef, hatte überraschend die Zinsen gesenkt.

Allein dieser Schritt genügte, um auch die deutschen Kleinanleger wieder in einen wahren Rausch zu stürzen. Binnen weniger Minuten schoss der Nemax, das Kursbarometer des Neuen Markts, beinahe lotrecht nach oben. "Greenspan, wir danken Dir", schrieben verzückte Anleger im Chatroom der Comdirect-Bank.

Heiß begehrt waren ausgerechnet jene Werte, die die Börsianer in den Wochen zuvor, nach teils desaströsen Geschäftszahlen, besonders heftig abgestraft hatten. Heyde, der krisengeschüttelte IT-Dienstleister: plus 92 Prozent. Internolix, das marode Software-Haus: plus 76 Prozent. Brokat, der verlustreiche Finanzsoftware-Anbieter: plus 52 Prozent. Börse verrückt.

Wieder einmal wurde der Wahnsinn sichtbar, der im letzten Jahr an den Finanzmärkten regiert hatte. Wieder einmal offenbarte sich jener Mangel an Vernunft, der die Aktienkurse bis zum Frühjahr 2000 auf schier astronomische Höhen klettern ließ. Ein kleiner Funke genügte - und schon kehrte die Gier zurück.


Niemand interessierte sich mehr für all die schlechten Nachrichten der vergangenen Tage. Die Massenentlassungen in den USA? Die Gewinnwarnungen von Intel oder Cisco? Vergessen, verdrängt. Und auch die graue Realität am Neuen Markt erschien den Spekulanten mit einem Mal wieder rosarot. Adieu, Tristesse!

Tatsächlich vergeht kaum eine Woche, in der nicht eines der deutschen Start-ups in die Todeszone trudelt. Kaum eine Woche, in der nicht gleich mehrere Finanzvorstände einräumen, dass ihre Unternehmen - sorry, sorry - die Planzahlen nicht erreichen werden. Die Börseneuphorie der vergangenen Woche täuscht, die Fundamentaldaten der deutschen Hightech-Börse sehen katastrophal aus.

Eine nicht repräsentative SPIEGEL-Umfrage bei rund 150 Unternehmen des Neuen Markts zeigt das ganze Ausmaß der Misere: Das beim Börsengang kassierte Geld wird von vielen Firmen regelrecht verbrannt, die Umsätze vieler selbst ernannter Marktführer sind minimal.

Erstaunlich ist vor allem das Tempo, mit dem das eingesammelte Kapital wieder verbraucht wird. Verfügte etwa der Chiphändler CE Consumer zu Hoch-Zeiten noch über 153,9 Millionen Mark liquider Mittel, so sind es nach Abschluss des Geschäftsjahrs 2000 nur 39,3 Millionen Mark. Mit dem Geld hat Firmengründer Erich Lejeune vor allem andere Firmen gekauft, deren liquide Mittel wurden in der Bilanz konsolidiert. Immerhin: CE Consumer erwirtschaftet einen bescheidenen Gewinn.

Viele Neue-Markt-Firmen können davon nur träumen. Das Internet-Kunstportal Artnet machte im vergangenen Jahr 7,8 Millionen Mark Umsatz - und weist einen Jahresfehlbetrag von 38,2 Millionen Mark aus. Auch die Zahlen von FortuneCity sind beeindruckend: Bei 24,2 Millionen Mark Erlösen aus Bannerwerbung und E-Commerce-Geschäften schreibt die Internet-Firma 87,8 Millionen Mark Verlust. Wie aus diesen Firmen jemals normale Profitbetriebe werden sollen, ist völlig unklar.

Da das Internet bisher für nahezu niemanden ausreichend Erlöse abwirft - nicht für die Inhalteanbieter, auch nicht für Web-Agenturen, erst recht nicht für die Portale - ist mit einer schnellen Trendumkehr nicht zu rechnen. Ohne neues Anlegergeld können die meisten Firmen ihren Verlustbetrieb wohl nicht mehr lange finanzieren.

Dem Neuen Markt, sagen seriöse Beobachter, droht ein beispielloser Ausleseprozess. "Viel Schrott" hat der Unternehmensberater Roland Berger ausgemacht und prophezeit angesichts der bisherigen Pleiten: "Das wird mit Sicherheit erst der Auftakt sein." Analysten der Investmentbank J. P. Morgan Fleming befürchten gar, dass auf mittlere Sicht rund 80 Prozent aller heutigen Firmen vom Kurszettel verschwunden sind - pleite, verkauft oder zwangsfusioniert mit einem Ex-Rivalen.

Das deutsche Hightech-Wunder war ein Traum, in der Realität steht das bevor, was die Stahlindustrie hinter sich hat: Rationalisierung, Kostensenkung, Entlassungen, Übernahmen und viele, viele Konkurse.

Auch nach dem Greenspan-Coup ist das deutsche Segment für Wachstumswerte immer noch Lichtjahre von seinen Höchstständen entfernt. Auf abenteuerliche 8500 Punkte war der Nemax im März 2000 gestiegen, über 6700 Punkte hat er seither verloren. Selbst Fondsmanager wie Kurt Ochner haben 70 Prozent des verwalteten Kapitals eingebüßt - deswegen wurde er vom Bankhaus Julius Bär inzwischen geschasst.

Keine bedeutende Wachstumsbörse der Welt, auch nicht die Nasdaq in New York, ist in so kurzer Zeit derart heftig abgestürzt. Der Neue Markt habe sich, höhnt das "Handelsblatt", "von der Gelddruck- zur Geldschluckmaschine" entwickelt.


© DER SPIEGEL

Der Hype ist der Depression gewichen. So waren die rund 250 Unternehmen, die im Mai 2000 am Neuen Markt gelistet waren, zusammengenommen über 250 Milliarden Euro wert, jetzt sind es nicht einmal mehr 90 Milliarden - und dies, obwohl 91 neue Firmen auf den Kurszettel drängten.

Schmerzhaft müssen vor allem die Kleinanleger erfahren, dass selbst jene Firmen, die ihnen als "Blue Chips" verkauft wurden, in Wahrheit oft nichts anderes sind als ganz normale Mittelständler. Pixelpark? Tief in den roten Zahlen. Mobilcom? Bis zum Es-geht-nicht-Mehr verschuldet. Intershop? Rückzug aus Amerika.

Denn mittlerweile haben auch in der Neuen Ökonomie die Gesetze der alten Wirtschaft Einzug gehalten. Reichte noch vor wenigen Monaten eine gute "Story", um für die nötige Kursphantasie zu sorgen, rücken jetzt so altmodische Kriterien wie Ertrag und Rendite in den Vordergrund. Was nützt etwa das prächtigste Wachstum, wenn die Verluste noch schneller wachsen? Und was ist von Gründern zu halten, die allenfalls etwas von PR, nichts aber von Kostenrechnung verstehen? Gleichzeitig hat sich bei einigen Firmen ein Geschäftsgebaren eingebürgert, das im besten Fall als dubios, im schlimmsten Fall als kriminell zu bezeichnen ist.

Seit fünf Monaten sitzen die Infomatec-Gründer Gerhard Harlos und Alexander Häfele in U-Haft, weil sich bei der Augsburger Staatsanwaltschaft der Verdacht der Kursmanipulation und des Insiderhandels erhärtet hat.

Wie sehr die Sitten verfallen sind, wissen vor allem jene Kanzleien zu berichten, die sich auf das komplizierte Börsenrecht spezialisiert haben. "Am Neuen Markt", urteilt Rechtsanwalt Dietmar Kälberer, "werden die Anleger teilweise richtig betrogen."

Über 2000 düpierte Aktionäre haben sich seit Jahresbeginn in Kälberers Kanzlei in Kirchentellinsfurt, einem Nest bei Tübingen, gemeldet. Gegen rund 20 Firmen prüft die Sozietät inzwischen rechtliche Schritte. "In einigen Unternehmen", lautet Kälberers ernüchternde Erkenntnis, "herrschen Wildwestmethoden."

Da werden Bilanzen geschönt und Aufträge erfunden, da wird in manchen Adhoc-Mitteilungen viel heiße Luft verblasen - und merkwürdigerweise, so wundern sich Anlegerschützer, kommt die Wahrheit oft erst dann ans Licht, wenn die Gründer längst Kasse gemacht haben.

Beispiel Sunburst: Noch im Februar verkündete Firmengründer Hero Alting, sein Unternehmen werde selbstverständlich die gesetzten Gewinn- und Umsatzziele einhalten. Das hielt Alting allerdings nicht davon ab, sich aus der Firma zurückzuziehen.


© DER SPIEGEL

Sieben Wochen später stellt sich heraus, dass die Planzahlen Makulatur sind. Eine Gruppe von Aktionären hat bei der Staatsanwaltschaft in Osnabrück Strafanzeige eingereicht. Sie werfen den Verantwortlichen Insiderhandel und Betrug vor.

Beispiel CAA: Mitte März verkauften zwei Vorstände des Filderstädter Software-Anbieters, der sich auf Computer im Auto spezialisiert hat, insgesamt 15 000 Aktien - damaliger Kurs: 28 Euro. Im April folgte dann die Gewinnwarnung, die Aktie rauschte auf 3 Euro herunter.

Dabei hatten die Macher des Neuen Markts, als sie das Wachstumssegment vor vier Jahren aus der Taufe hoben, eigentlich ein ehrenwertes Anliegen: Sie wollten einen Gründerboom entfachen, ganz so wie in den USA.

Denn vor allem die Unternehmen aus Technologiebranchen klagten darüber, dass sie nur schwer an Kapital kamen, um ihre Geschäftsideen umzusetzen. Der traditionelle Bankenkredit blieb ihnen verschlossen, weil sie keine Sicherheiten vorweisen konnten: keine Maschinen, keine Immobilien, nur die Köpfe der Mitarbeiter.

Die neue Börse erhob den Anspruch, diesen Widerspruch aufzulösen, sie sollte, ähnlich wie ihr großes Vorbild, die Nasdaq in New York, "eine Plattform für Wachstumsunternehmen schaffen", wie es Reto Francioni beschreibt.

Francioni, damals Vorstand der Börse, gilt als der eigentliche Vater des Neuen Markts. Rund 20 Unternehmen wollte er im ersten Jahr etablieren, in den Jahren danach jeweils weitere 30. Doch inzwischen sind 341 Unternehmen notiert.

Es waren die Signale aus Amerika, die dem Neuen Markt plötzlich solche Anziehungskraft verliehen. Dort erfasste das ganze Land eine beispiellose Aufbruchstimmung. Rund um das Internet entstanden zahllose neue Unternehmen, die an der Nasdaq Steigerungsraten hinlegten, wie sie bis dahin undenkbar erschienen. AOL legte in der Spitze um 78 000 Prozent zu. Firmen wie EBay oder Yahoo verkauften, was an den Aktienmärkten am höchsten gehandelt wird: die Hoffnung auf eine goldene Zukunft.

Schnell sprang diese überbordende Begeisterung auf Deutschland über. Studenten brachen ihre Ausbildung ab, um bloß nicht diese historische Gelegenheit zu verpassen. Wagniskapitalfirmen investierten bereitwillig in Gründerteams, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen darin bestand, an den Neuen Markt zu gehen.

Denn nach dem IPO, dem "Initial Public Offering", wie der Börsengang heißt, verfügten die flotten Newcomer über ein scheinbar magisches Instrument - Aktien. Mit dieser virtuellen Währung konnten die Möchtegern-Millionarios Berater, Werbeagenturen und Rechtsanwälte bezahlen, mit Aktien ließen sich Mitarbeiter ködern, vor allem aber: Mit Aktien konnten sie im großen Stil Konkurrenten aufkaufen.

Und so starteten etliche Firmen eine geradezu abenteuerliche Einkaufstour: Mit jeder Übernahme schraubten sie ihre Geschäftsprognosen nach oben, der Börsenwert stieg weiter, die nächste Übernahme wurde so möglich. Eine schier wundersame Kapitalvermehrung kam in Gang.

Allein der Bad Nauheimer IT-Dienstleister Heyde raffte in zwei Jahren fast 20 Firmen zusammen, erst in Deutschland, dann in Polen, Brasilien, Uruguay und den USA - finanziert vor allem durch Aktien. Aber ausgerechnet bei der "Integration Company" (Eigenwerbung) klappte es nicht mit der Zusammenführung.

Irgendwann verlor Vorstandschef Dieter Heyde den Überblick. Und so musste die Firma einräumen, dass statt des geplanten Gewinns - ursprünglich ging Heyde für das Jahr 2000 von 43 Millionen Mark aus - ein Verlust in gleicher Größenordnung droht. Schamvoll räumte der Firmengründer seinen Posten, aber auch 160 Mitarbeiter müssen gehen.

Bei anderen Start-ups scheint ein ähnliches Desaster nur noch eine Frage der Zeit zu sein. 65 Prozent aller Übernahmedeals, fand die Beratungsgesellschaft Apcon Business Consulting in einer Studie heraus, wurden nämlich ohne externen Sachverstand durchgezogen: "Es wurde viel gekauft, aber offensichtlich wenig darüber nachgedacht, was und warum."

So lieferten sich etwa die IT-Dienstleister wie Pixelpark oder Kabel New Media eine wahre Schlacht um Größe und Macht. Allein Kabel kaufte seit dem Börsengang ein Dutzend Unternehmen, die Zahl der Mitarbeiter stieg in einem Jahr von 487 auf 1066. Jeder wollte als Erster in die Liga der internationalen Beratungsriesen wie Boston Consulting oder McKinsey aufsteigen.

Geschafft hat das keiner. Pixelpark muss das Büro in den USA schließen und konzentriert jetzt sein Geschäft, so der Gründer Paulus Neef, auf "Kerneuropa" - was wohl wörtlich zu nehmen ist: In der Schweiz erwirtschaftet das Unternehmen, das einst einen globalen Anspruch verfolgte, ein Viertel des Gruppenumsatzes.

Nach und nach entpuppte sich die Vision von globaler Marktführerschaft als Illusion, die Firmen müssen einräumen, dass sie ein zu großes Rad drehen wollten. Vor einem Jahr zum Beispiel wurden US-Unternehmen wie CMGI bewundert, die ein Netzwerk von Internet-Beteiligungen um sich scharen. Die Firmen glaubten, so am Geschäft maximal zu profitieren, ihr Risiko aber durch die Vielzahl an Beteiligungen zu minimieren. In Deutschland verfolgte Ralph Dommermuth mit United Internet eine ähnliche Strategie. In nur drei Monaten explodierte der Börsenkurs von 7 auf 50 Euro, heute liegt die Aktie wieder bei rund 3 Euro. "Wir haben die Luken dichtgemacht", sagt Dommermuth.

Im Sog der Internet- und Biotech-Revolution drängten zudem etliche Firmen an den Neuen Markt, die an einer Wachstumsbörse eigentlich gar nichts zu suchen haben: Klamottenhändler und Altenheimbesitzer etwa. Den Weg ebnete ein willfähriges Geflecht aus Beratern und Banken, Emissionshäusern und PR-Agenturen.

So organisierte allein Dietrich Walther, Chef der Mettmanner Gold-Zack AG, in vier Jahren 28 Börsengänge. Nur ein Viertel dieser Firmen notiert heute über dem Ausgabekurs. Besonders trübe sieht es beim Seniorenheim-Unternehmen Refugium aus Königswinter aus: Das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen, die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die 1999 geschassten Alt-Vorstände wegen Bilanzfälschung, und nun droht auch der jüngste Sanierungsplan zu scheitern.

So stoppte der für das Handelsregister in Königswinter zuständige Richter vor wenigen Tagen eine dringend benötigte Kapitalerhöhung über 180 Millionen Mark, weil zwei Aktionäre wegen "erheblicher formeller und materieller Einwände" beim Bonner Landgericht klagen. Der Registerrichter will jetzt erst das Urteil dieser Instanz abwarten - doch das kann Monate dauern. Inzwischen räumt Walther selbstkritisch ein, dass "wir ein paar Unternehmen heute wohl nicht mehr an die Börse bringen würden."

Für die meisten Kleinanleger, die ihr Vermögen verloren haben, kommen solche Einsichten zu spät. Viele Neuaktionäre hatten nämlich nicht nur den flotten Botschaften der Gründer vertraut, sondern auch den vollmundigen Sprüchen, mit denen die Deutsche Börse einst für ihr Wachstumssegment warb. "Der Neue Markt", versicherte Börsenchef Werner Seifert immer wieder, "ist der am schärfsten regulierte Markt in Europa."

Tatsächlich wurden etliche Regeln erst nachgeschoben, als es schon zu spät war. Bis Ende Februar durften die Vorstände und Aufsichtsräte der Neue-Markt-Firmen etwa nach Belieben eigene Aktienpakete verkaufen, ohne die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Nun sollen die Verkäufe immerhin gemeldet werden - wenn auch erst drei Tage im Nachhinein. In den USA dagegen müssen die betroffenen Manager solche Transaktionen schon vorab publizieren.

Recht freigiebig verfährt die Deutsche Börse offenbar auch bei einer weiteren Regel: So müssen die Firmen spätestens nach drei Monaten ihren Bericht für das letzte Quartal einreichen. Doch zum jüngsten Stichtag kamen gleich 29 Unternehmen dieser Pflicht nicht nach.

Börsenexperten wie der Frankfurter Bankrechtler Theodor Baums halten das Regelwerk des Neuen Markts deshalb weiterhin für stark verbesserungswürdig. "Was nützen die wunderbarsten Regeln, wenn keine echten Sanktionen drohen?", fragt Baums. Er rät: Die Börse sollte die Unternehmen, die gegen das Regelwerk verstoßen, mit saftigen Vertragsstrafen belegen oder "beherzter rausschmeißen" - ähnlich, wie dies die Nasdaq macht.

Gleichzeitig will Baums sich in der Regierungskommission zum Unternehmensrecht, die er derzeit im Auftrag des Kanzlers leitet, für eine weitere Regel stark machen, wie sie sich in ähnlicher Form bereits in den USA bewährt hat: Dort können düpierte Aktionäre mit einer Sammelklage gegen zwielichtige Unternehmen und Vorstände vorgehen; in Deutschland muss jeder einzeln klagen. "Wir müssen verhindern", fordert Baums, "dass es an der Börse drunter und drüber geht. Nur wenn die Regeln stimmen, gewinnt der Neue Markt wieder das Vertrauen der Anleger."

Den heutigen Akteuren ist das offenbar völlig schnuppe. Sie haben sich einen lockeren Umgang mit dem Anlegergeld angewöhnt, nur zu gern gönnen sie sich einen Schuss Größenwahn. "Große Summen inspirieren mich", tönte Sunburst-Chef Benjamin Gawlik, 28. Noch wenige Wochen vor dem jetzt beantragten Insolvenzverfahren, der Aktienkurs befand sich bereits im freien Fall, hatte er für die Anleger nur Hohn und Spott übrig: "Letztendlich ist es alles nur ein großes Spiel."
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Guter Artikel, auch wenn er nichts wirklich Neues enthält.

Ralph

artistin
21.04.2001, 19:58
Hallo Ralph,

besonders beeindruckend fand ich diese Woche den beschriebenen "Rausch" der Kleinanleger am Neuen Markt.
Für mich unfassbar. Und.... ich kenne welche persönlich, die das mitspielen. Nur wegen des Kitzels.

So abstinent ich in diesem Segment seit Monaten bin, langsam fang ich wieder an zu recherchieren und versuche herauszufiltern, ob es nicht doch noch seriöse und aussichtsreiche Investments geben könnte.
Ich stell mal hier eine kleine Liste von Werten rein, die ich für watchlist-fähig halte. Unvollständig, das Ganze, aber vielleicht kann der eine oder andere das ergänzen...... Es geht nicht um schnelle Tradingchancen sondern eher um interessante Mittel- bis Langfristinvestments. Interessante Sektoren wie Logistik, Medien, Biotech sind mir wegen der Push- und Hypegefahren zu unberechenbar, obwohl sich auch da möglicherweise gute Werte befinden.

aixtron
computerlinks
grenke leasing
lambda physik
mühlbauer
pandatel
pfeiffer vacuum
süss
technotrans
teleplan
telesens

was meint ihr??


grüsse
artistin :)

Gerd
21.04.2001, 20:28
Hallo Artistin,

erstmal viele Gruesse von San Diego.

Hab am Freitag Amatech gekauft. Denke das ist eine gute Firma. Charttechnisch schaut es nach einer Bodenbildung aus. Aber Du kennst ja mein Glueck mit dem Timing. Vielleicht solltest Du verkaufen, wenn Du welche hast.

Ansonststen denke ich weniger an die Boerse.


Gruss

Gerd

artistin
21.04.2001, 21:11
Mensch Gerd, du Verrückter!!! :D :D

genieß die Sonne dort, ich beneide dich. Glaub mir, die Stadt hier war heute morgen eingeschneit.... :D Naja, ein kleines bißchen übertrieben, aber alles war weiß und kalt.....
Warst du schon in diesem schönen Filmhotel am Strand, wie heißt es nochmal.... Colonade oder so ähnlich..... bezaubernder Ort..... ;)

Amatech ist sicher ein gutes Unternehmen. Du weißt ja, daß ein sehr guter Freund von mir dort arbeitet. Fundamental gibts da nix zu meckern und dieser Kursrutsch durch die Insidergeschichte wurde durch die Banken ausgelöst, nicht durch Firmenangehörige.

Aber: Der Markt hat so fertig mit diesen Storys, daß ich nicht abschätzen könnte, wann da wieder Vertrauen zurückkehrt. Deutschlands "Anleger" lieben einfach mehr diese Werte zwischen 0,50 und 1 Euro, das ist so schön billig..... :D :D

Dir noch viel Spaß in CA

grüsse
artistin :)

Trüffelschwein
22.04.2001, 01:27
Hallo artistin,

wenn Du die Perlen des Neuen Marktes suchst, dann schau mal hier rein:

http://www.nemfax.de/
(u.a. ein tolles Foto von Fuerteventura als Aufmacher)

Ich glaube aber, daß die meisten Werte viel zu illiquide sind. Wenn mal wieder ein Fondsmanager gewechselt wird, dann können selbst die besten Werte absacken.

Ich werde künftig nur noch Werte mit mindestens 1 Mio USD durchschnittlichem Tagesumsatz kaufen - was wenig genug ist.

Wenn Du Kaufgelüste hegst, dann schau Dir mal WEBX an. Der Aktie könnte das gleiche Schicksal drohen wie PLCM ;) ;) . Jedenfalls wird das Montag mein erster Datek-Trade.

Ciao, Trüffleschwein

artistin
23.04.2001, 18:27
Hallo Trüffelschwein

nein, Kaufgelüste habe ich keine :D. Es ist nur so, daß ich dann, wenn alle den Patienten für tot erklären wollen,
gerne nochmal genau hinschaue, ob es nicht doch noch lebendiges zu finden gibt. So geht es mir auch mit Japan/Asien.

Deshalb verfolge ich die o.g. Werte mal eine Weile. Und wenns nur "just for fun" ist.

WebX schau ich mir an. Und drück dir die Daumen. :)

grüsse
artistin

Trüffelschwein
24.04.2001, 00:18
Danke, hat (bis jetzt) geholfen! :) :) Ich liege mit meiner Tagesperformance weit über der Zielmarke, was natürlich noch nichts bedeutet.

Ich werde noch ein paar Tage drin bleiben, weil ich denen noch einige Prozent zutraue. Sie zeigen Stärke in einem schwachen Umfeld, und der Chart sieht m.E. einfach super aus.

Wie ich schon mal gepostet hatte, hilft diese Firma, Reisekosten einzusparen - wenn das jetzt nicht angesagt ist...

Ciao, Trüffelschwein

WallstreetTiger
14.06.2001, 17:28
Wer kann für Telesens hier eine charttechnische Analyse reinstellen?

Ralph
14.06.2001, 17:42
Hallo Wallstreet-tiger

eine grosse charttechnische Analyse ist bei Telesens eigentlich nciht möglich, es sei denn man analysiert die letzten drei Monate :(

http://gfx.finanztreff.de/kurse/cc_portal.gfx?TYP=0&B=400&H=320&D1=38&D2=200&HERKUNFT=1&out=png&STRING=TLZ&BOERSE=9&TAGE=20001017

Der Chart und der Wert scheinen so ziemlich tot zu sein (intakter Abwärtstrend auf dem Weg zum Pennystock !?!) .... das Unternehmen selbst kenne ich fundamental nicht, aber der Chart sagt, dass Telesens nur etwas für Zocker ist. Telesens ist ein Wert, der schnell mal um 50% fallen oder auch 100% steigen könnte .... keiner würd's merken !

Für mich ist das ein "Finger weg" !

Ralph

WallstreetTiger
14.06.2001, 17:58
ralf,schaust Du Dir den hier mal an?http://www.investtech.com/xetra/fig/tlz1.gif

Ralph
14.06.2001, 18:40
WallstreetTiger,

http://www.investtech.com/xetra/fig/tlz1.gif

das ist eben dieser kurzfristige Chart auf loga-Basis. Aber auch da gibt es nicht mehr zu sagen, als im linearen Chart .... der Abwärtstrend ist intakt (ohne Anzeichen auf eine Trendwende), da der Kurs auf der unteren Begrenzung steht, ist eine technsiche Reaktion möglich.... wie weit die geht ? ... ich würde sagen max. bis 7.35, dem Ausbruchlevel ..... was minimum drin ist, kann keiner sagen .... evtl. plumpst sie auch aus dem Abwärtstrend nach unten raus !

Mit wäre dies alles zuviel Ungewissheit ! ...... sowohl nach oben als auch nach unten lässt sich nichts vernünftiges entscheiden .... da aber der Trend vollkommen nach unten zeigt, würde ich diesen auch "spielen" .... das dürfte mangels "Gerätschaften am Markt" aber schwierig werden.

Ralph, nichts positives bei Telesens feststellend !

WallstreetTiger
14.06.2001, 19:31
Ralph,ich danke Dir für Deine Einschätzung.In dem Chart zeigt sich natürlich das verlorengegangene Vertrauen der Anleger.Normalerweise sollte man auch nicht in ein solch fallendes Messer greifen.Die untere Abwärtstrendlinie empfinde ich aber zumindest für ein kurzfristiges Engagement als relative Absicherung.Von der fundamentalen Seite erwarte ich eine Abschwächung des in meinen Augen hochgepushten Schreckensszenario.Ich bin investiert,leichte Buchverluste,mit den heutigen Tiefstkursen war der Kurs nah an meiner Schmerzgrenze,allerdings schießt er zurzeit wieder hoch,für heute nochmal Glück gehabt.

Ralph
14.06.2001, 19:40
WTiger

ich wünsch' Dir viel Glück mit dieser Aktie ..... du kannst es gebrauchen !

Ralph

WallstreetTiger
16.06.2001, 17:37
bisher ist das glück auf meiner seite.gestern gab es ein schönes intraday reversal.die bullische divergenz,z.b. im rsi sollte in den nächsten tagen bestätigt werden.der wert wird sich erholen,denke ich.

WallstreetTiger
16.06.2001, 18:50
Die TelesensKSCL AG hat heutigen Angaben zufolge ein umfassendes Kostensenkungsprogramm beschlossen. Die verschiedenen Entwicklungsabteilungen werden demnach zentralisiert und zu Kompetenzcentern zusammengeführt, ohne die Entwicklungspläne negativ zu beeinflussen. Als Hintergrund für die Maßnahme sieht das Unernehmen das durch verschiedene Akquisitionen bedingte starke Wachstum im vergangenen Jahr und die nachfolgende negative Entwicklung des Telekommunikationsmarktes.

Wie detailliert bekannt gegeben wurde, wird sich die Zahl der Mitarbeiter des Konzerns um ca. 360 auf etwa 1100 reduzieren, die Auswirkungen des Kostensenkungspaketes werden voraussichtlich ab dem 3. Quartal greifen.

Der Vorstand erwartet durch diese Schritte für das Geschäftsjahr 2001 ein ausgeglichenes EBITDA. Man rechnet mit einem Umsatz von 120-125 Mio. Euro für 2001, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 185-190 Prozent entspricht.---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------feinfühlig geht sie hierbei aber nicht vor,die ersten konsequenzen folgen sofort-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------SBK entlässt alle Mitarbeiter
KASSEL - Von heut' auf morgen ist Schluss: Die Kölner Firma Telesens hat am Freitag allen Mitarbeitern ihrer Kasseler Tochtergesellschaft SBK Software gekündigt. Der Betrieb wird eingestellt.

Die SBK Software + Systeme GmbH (Kassel) stellt zum 15. Juli ihren Betrieb ein. Allen Mitarbeitern wurde am Freitag gekündigt. Dies teilte Martin Jahrling, Vorstandsmitglied der SBK-Muttergesellschaft Telesens KSCL AG (Köln), am Freitag in einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung den zum größten Teil überraschten Beschäftigten mit.

Die Mitarbeiter - zuletzt waren rund 160 Frauen und Männer inklusive der Auszubildenden bei SBK beschäftigt - erhielten Kündigungsschreiben, in denen SBK-Geschäftsführer Thomas Stragand kurz und knapp mitteilte: "Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass die SBK Software + Systeme GmbH ihre Betriebstätigkeit zum 15.07.2001 einstellt. Hiermit kündigen wir Ihr Anstellungsverhältnis ordentlich betriebsbedingt fristgerecht / hilfsweise außerordentlich betriebsbedingt zum 15.07.2001, hilfsweise zum nächstmöglichen Termin." Stragand selbst war in der Versammlung nicht anwesend. --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------die obere nachricht ist von gestern und die untere nachricht ist von heute und unter www.hna.de nachzulesen

Ralph
20.06.2001, 12:26
Und jetzt versucht man mit Aktienrückkäufen die eigene Unfähigkeit zu kaschieren und so etwas wie "Shareholder-Interesse" zu zeigen ...... dass Aktienrückkäufe die absolut falsche Art und Weise ist, wissen aber die wengisten ... die Verschuldung steigt bzw. der Kapitalverbrauch steigt weiter, wobei sich operativ nichts tut ! .... Augenwischerei !!!

Diese Vorstände solltem mal bei amerikansichen Unternehmen nachfrgen, was Aktienrückkäufe in den 90ern für Konsequenzen gesorgt haben !!!

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UNTERSCHLEISSHEIM (dpa-AFX) - Die ComROAD AG will eigene Aktien erwerben. Wie der Anbieter von Telematik-Netzwerken am Mittwoch in Unterschleißheim mitteilte, sollen die Aktien für Beteiligungen an anderen Telematik-Technologie-Unternehmen genutzt werden. In welcher Größenordnung der Aktienrückkauf geschehen solle, konnte ein Sprecher von ComROAD noch nicht angeben.

BERLIN (dpa-AFX) - Die Hauptversammlung der I-D Media AG hat den Vorstand des am Neuen Markt notierten Unternehmens ermächtigt, bis zum 13. Dezember 2002 bis zu 10% des derzeitigen Grundkapitals an eigenen Aktien zurückzukaufen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Für den Antrag hätten rechnerisch 97,02% der Anteilseigner gestimmt.

Der am Neuen Markt notierte Laser-Hersteller Asclepion will eigene Aktien zurückkaufen. Den Angaben zufolge handelt es sich dabei um bis zu 620.000 Stück, was ca. 10% des Grundkapitals entsprechen würde. Die Aktien sollen als Akquisitionswährung genutzt werden. (finance-online)
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Falsche Zeichen, die da gesetzt werden !!!

Ralph

PS: WallstreetTiger, hoffentlich hast du Telesens gekickt !