Gert
25.04.2001, 19:27
ftd.de, Mi, 25.4.2001, 14:28
Ratingagentur: Kreditwürdigkeit von Unternehmen lässt rapide nach
Die Kreditwürdigkeit der von der Ratingagentur Moody's bewerteten Firmen hat sich im ersten Quartal 2001 erneut bei mehr Unternehmen verschlechtert als verbessert. Eine Besserung sei in diesem Jahr noch nicht in Sicht.
Damit halte dieser Trend inzwischen das dritte Quartal in Folge an und werde sich einer Moody's-Studie zufolge im Jahresverlauf wohl weiter fortsetzen, teilte Moody's Investors Services am Mittwoch in London mit. Eine Besserung sei nach 2002 zu erwarten. "Moody's hat im ersten Quartal 31 westeuropäische Firmen heruntergestuft. Im Gegenzug wurden lediglich 19 Unternehmen hochgestuft", sagte Moody's-Volkswirt Kerryn Fowlie. Fast die Hälfte der Unternehmen, deren Fähigkeit zur Tilgung ihrer Verbindlichkeiten schlechter bewertet wurde, sind in Großbritannien ansässig.
Im sich weiter verschlechternden Industriesektor seien 25 Firmen zurückgestuft ("downgrade") und neun höher bewertet ("upgrade") worden, sagte Fowlie. Im Kontrast dazu präsentiere sich der Finanzsektor, in dem 13 Upgrades nur fünf Downgrades gegenüberstünden. Das Wertpapiervolumen der im ersten Quartal in Westeuropa heruntergestuften Unternehmen summiere sich auf 115,2 Mrd. $, mehr als das Doppelte der höher bewerteten Unternehmen mit einem Wertpapiervolumen von 54,7 Mrd. $. Allein das Downgrade des Autobauers DaimlerChrysler habe 70 Mrd. $ an Verbindlichkeiten betroffen. Moody's hatte sein Rating für DaimlerChrysler Anfang März auf A3 von A2 gesenkt.
Keine Besserung in Sicht
Kurzfristig zeichne sich eine weitere Verschlechterung der Bonität westeuropäischer Unternehmen ab, hieß es. Moody's zufolge werden demnächst 51 Unternehmen auf eine Herabstufung ihrer Zahlungsfähigkeit überprüft und lediglich 25 auf eine höhere Bewertung. Die flaue Konjunktur und die schwierigen Kapitalmarktbedingungen haben Moody's zufolge die weiter rückläufige Kreditwürdigkeit der westeuropäischen Unternehmen im ersten Quartal entscheidend beeinflusst. Die derzeitige Marktstimmung erschwere die Kapitalbeschaffung und damit auch die Tilgung bestehender Schulden. Die hohen Verbindlichkeiten, die Unternehmen im letzten Jahr eingegangen sind, hätten die Situation noch verschlimmert.
Moody's-Volkswirt Fowlie zufolge zeichnet sich ein ausgleichender Prozess ab, der sich langfristig positiv auswirken werde. Ein Indiz dafür sei, dass weniger Akquisitionen über Verbindlichkeiten finanziert würden. Das verringere den Liquiditätsdruck auf die Handelsbilanzen im Industriesektor. Unternehmen würden im Zuge der konjunkturellen Abkühlung ihre Geschäftstätigkeit oft kritisch überprüfen und die Effektivität deutlich erhöhen. Dementsprechend könnte die ab 2002 erwartete wirtschaftliche Erholung eine Periode höherer Stabilität hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit europäischer Unternehmen einläuten.
Fowlie führte weiter an, es sei zu erwarten, dass die konjunkturelle Abkühlung in Europa wesentlich bescheidener ausfallen werde als in den USA. Entsprechend seien weniger drastische Maßnahmen zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der Profitabilität eines Unternehmens erforderlich. Eine weitere Verbesserung der Liquidität von Unternehmen und eine damit einhergehende Erleichterung bei der Tilgung von Verbindlichkeiten erwachse aus den jüngsten und noch zu erwartenden Zinssenkungen der weltweiten Notenbanken.
© 2001 Reuters Limited
Ratingagentur: Kreditwürdigkeit von Unternehmen lässt rapide nach
Die Kreditwürdigkeit der von der Ratingagentur Moody's bewerteten Firmen hat sich im ersten Quartal 2001 erneut bei mehr Unternehmen verschlechtert als verbessert. Eine Besserung sei in diesem Jahr noch nicht in Sicht.
Damit halte dieser Trend inzwischen das dritte Quartal in Folge an und werde sich einer Moody's-Studie zufolge im Jahresverlauf wohl weiter fortsetzen, teilte Moody's Investors Services am Mittwoch in London mit. Eine Besserung sei nach 2002 zu erwarten. "Moody's hat im ersten Quartal 31 westeuropäische Firmen heruntergestuft. Im Gegenzug wurden lediglich 19 Unternehmen hochgestuft", sagte Moody's-Volkswirt Kerryn Fowlie. Fast die Hälfte der Unternehmen, deren Fähigkeit zur Tilgung ihrer Verbindlichkeiten schlechter bewertet wurde, sind in Großbritannien ansässig.
Im sich weiter verschlechternden Industriesektor seien 25 Firmen zurückgestuft ("downgrade") und neun höher bewertet ("upgrade") worden, sagte Fowlie. Im Kontrast dazu präsentiere sich der Finanzsektor, in dem 13 Upgrades nur fünf Downgrades gegenüberstünden. Das Wertpapiervolumen der im ersten Quartal in Westeuropa heruntergestuften Unternehmen summiere sich auf 115,2 Mrd. $, mehr als das Doppelte der höher bewerteten Unternehmen mit einem Wertpapiervolumen von 54,7 Mrd. $. Allein das Downgrade des Autobauers DaimlerChrysler habe 70 Mrd. $ an Verbindlichkeiten betroffen. Moody's hatte sein Rating für DaimlerChrysler Anfang März auf A3 von A2 gesenkt.
Keine Besserung in Sicht
Kurzfristig zeichne sich eine weitere Verschlechterung der Bonität westeuropäischer Unternehmen ab, hieß es. Moody's zufolge werden demnächst 51 Unternehmen auf eine Herabstufung ihrer Zahlungsfähigkeit überprüft und lediglich 25 auf eine höhere Bewertung. Die flaue Konjunktur und die schwierigen Kapitalmarktbedingungen haben Moody's zufolge die weiter rückläufige Kreditwürdigkeit der westeuropäischen Unternehmen im ersten Quartal entscheidend beeinflusst. Die derzeitige Marktstimmung erschwere die Kapitalbeschaffung und damit auch die Tilgung bestehender Schulden. Die hohen Verbindlichkeiten, die Unternehmen im letzten Jahr eingegangen sind, hätten die Situation noch verschlimmert.
Moody's-Volkswirt Fowlie zufolge zeichnet sich ein ausgleichender Prozess ab, der sich langfristig positiv auswirken werde. Ein Indiz dafür sei, dass weniger Akquisitionen über Verbindlichkeiten finanziert würden. Das verringere den Liquiditätsdruck auf die Handelsbilanzen im Industriesektor. Unternehmen würden im Zuge der konjunkturellen Abkühlung ihre Geschäftstätigkeit oft kritisch überprüfen und die Effektivität deutlich erhöhen. Dementsprechend könnte die ab 2002 erwartete wirtschaftliche Erholung eine Periode höherer Stabilität hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit europäischer Unternehmen einläuten.
Fowlie führte weiter an, es sei zu erwarten, dass die konjunkturelle Abkühlung in Europa wesentlich bescheidener ausfallen werde als in den USA. Entsprechend seien weniger drastische Maßnahmen zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der Profitabilität eines Unternehmens erforderlich. Eine weitere Verbesserung der Liquidität von Unternehmen und eine damit einhergehende Erleichterung bei der Tilgung von Verbindlichkeiten erwachse aus den jüngsten und noch zu erwartenden Zinssenkungen der weltweiten Notenbanken.
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