Sascha
26.04.2001, 08:33
Todesstrafe - Der Mann, der dreimal überlebte
Er sollte gehängt, erschossen und mit der Giftspritze hingerichtet werden. Jedes Mal wurde die Exekution verschoben. Nun, nach 21 Jahren, wird Donald Paradis freigelassen: Er ist unschuldig.
Coeur D'Alene - Eigentlich müsste Donald Paradis längst tot sein. 1982 sollte er gehängt werden. 1986 sollte ihn ein Erschießungskommando exekutieren. 1995 war seine Hinrichtung erneut vorgesehen, diesmal mit der Giftspritze. Im April 2001 verließ er das Bezirksgericht von Kootenai im US-Staat Idaho als freier Mann.
Staatsanwalt hielt Informationen zurück
Der 52-jährige Paradis verbrachte 21 Jahre seines Lebens im Gefängnis, 14 davon in der Todeszelle. Der ihm zur Last gelegte Mord wurde 1998 vom eigentlichen Täter gestanden. Aber zur Freilassung führte nicht dieses Geständnis, sondern ein Fehlverhalten des Staatsanwaltes, der Informationen zurückgehalten hatte.
Paradis war kein Unschuldslamm. Er gehörte der Motorradgang Gypsy Jokers an und gab zu, die Leiche der 19-jährigen Kimberly Anne Palmer versteckt zu haben. Aber nicht er habe die junge Frau ermordet, sondern andere Mitglieder der Rockergruppe. "Ich habe niemanden umgebracht", sagt er. "Ich habe vertuscht."
Vor seiner ersten Verhandlung erhielt Paradis einen unerfahrenen Verteidiger zugewiesen. Belastet wurde er durch die Aussage eines Gutachters, dessen Einschätzung später widerlegt wurde. Frei kam Paradis erst nach zahlreichen Berufungsverfahren, dem Geständnis des Täters und dem engagierten Einsatz seiner Anwälte William Mauk und Edwin Matthews, die 15 Jahre für seine Freiheit kämpften.
Keine Rechtfertigung des Rechtssystems
"Dieses Ende sollte nicht als Rechtfertigung des Rechtssystems angesehen werden", betont Mauk. "Es ist ein schlechtes Zeichen für die Justiz, dass Donald Paradis 21 Jahre im Gefängnis verbracht hat."
Davon ist der damalige Bezirksstaatsanwalt Marc Haws, der 1981 die Todesstrafe gegen Paradis durchsetzte, nicht überzeugt. "Die Geschworenen haben den Fall geprüft und Paradis schuldig gesprochen", sagt Haws, mittlerweile Bundesstaatsanwalt in Idaho. Sein damaliges Fehlverhalten gab den Ausschlag für die Freilassung von Paradis. Während der Ermittlungen enthielt er der Verteidigung entlastende Aussagen vor.
Ein Schlüsselfaktor in dem Fall war die Frage, wo Palmer ermordet wurde. Ihre Leiche wurde in Post Falls in Idaho, nahe der Grenze zum Nachbarsstaat Washington gefunden. Gutachter William Brady befand, sie sei in Idaho umgebracht worden, und ermöglichte damit die Strafverfolgung in diesem Staat.
Paradis sagte dagegen aus, Palmer sei in ihrer Wohnung in Spokane in Washington getötet und anschließend über die Grenze gebracht worden. Er selbst war bei dem Verbrechen nicht anwesend, half jedoch beim Transport der Leiche. Die Notizen von Staatsanwalt Haws enthielten Aussagen des Gutachters Brady, wonach dieser sich bezüglich des Tatorts entgegen seiner Gerichtsaussage nicht sicher war. Die Notizen wurden der Verteidigung nicht mitgeteilt und tauchten erst Mitte der neunziger Jahre auf. Zudem gestand 1998 ein anderes Mitglied der Gypsy Angels, Palmer in Spokane ermordet zu haben.
"Ich wusste, ich würde aus dem Gefängnis kommen"
Ein Bundesberufungsgericht entschied im März, die Notizen hätten zu einem anderen Urteil führen können. Daher müsse Paradis entweder einen neuen Prozess bekommen oder freigelassen werden. Bezirksrichter Gary Haman, der Paradis 1981 zum Tod verurteilt hatte, kehrte extra aus dem Ruhestand zurück, um die Verhandlung zu leiten. "Dies ist das letzte Kapitel eines langen Romans", sagte er. "Ich hielt es für angemessen, das zu beenden, woran ich anfangs Teil hatte."
In dem Prozess wurde Paradis lediglich Beihilfe zum Mord vorgeworfen. "Schuldig, Euer Ehren", bekannte der Angeklagte. "Das versuche ich schon seit 21 Jahren zu sagen." Paradis macht nun Pläne für sein künftiges Leben in Freiheit. Er will nach Boise zurückkehren und mit seiner Frau, die er in der Haft geheiratet hat, und deren zwei Kindern zusammenziehen. "Ich wusste, ich würde aus dem Gefängnis kommen", sagt er. "Aber ich dachte nicht, dass es so lange dauern würde."
gefunden in:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,130243,00.html
Unfaßbar, die Amis und ihre gesetzliche Tötung. Die haben doch wirklich einen an der Waffel...
Exor
Er sollte gehängt, erschossen und mit der Giftspritze hingerichtet werden. Jedes Mal wurde die Exekution verschoben. Nun, nach 21 Jahren, wird Donald Paradis freigelassen: Er ist unschuldig.
Coeur D'Alene - Eigentlich müsste Donald Paradis längst tot sein. 1982 sollte er gehängt werden. 1986 sollte ihn ein Erschießungskommando exekutieren. 1995 war seine Hinrichtung erneut vorgesehen, diesmal mit der Giftspritze. Im April 2001 verließ er das Bezirksgericht von Kootenai im US-Staat Idaho als freier Mann.
Staatsanwalt hielt Informationen zurück
Der 52-jährige Paradis verbrachte 21 Jahre seines Lebens im Gefängnis, 14 davon in der Todeszelle. Der ihm zur Last gelegte Mord wurde 1998 vom eigentlichen Täter gestanden. Aber zur Freilassung führte nicht dieses Geständnis, sondern ein Fehlverhalten des Staatsanwaltes, der Informationen zurückgehalten hatte.
Paradis war kein Unschuldslamm. Er gehörte der Motorradgang Gypsy Jokers an und gab zu, die Leiche der 19-jährigen Kimberly Anne Palmer versteckt zu haben. Aber nicht er habe die junge Frau ermordet, sondern andere Mitglieder der Rockergruppe. "Ich habe niemanden umgebracht", sagt er. "Ich habe vertuscht."
Vor seiner ersten Verhandlung erhielt Paradis einen unerfahrenen Verteidiger zugewiesen. Belastet wurde er durch die Aussage eines Gutachters, dessen Einschätzung später widerlegt wurde. Frei kam Paradis erst nach zahlreichen Berufungsverfahren, dem Geständnis des Täters und dem engagierten Einsatz seiner Anwälte William Mauk und Edwin Matthews, die 15 Jahre für seine Freiheit kämpften.
Keine Rechtfertigung des Rechtssystems
"Dieses Ende sollte nicht als Rechtfertigung des Rechtssystems angesehen werden", betont Mauk. "Es ist ein schlechtes Zeichen für die Justiz, dass Donald Paradis 21 Jahre im Gefängnis verbracht hat."
Davon ist der damalige Bezirksstaatsanwalt Marc Haws, der 1981 die Todesstrafe gegen Paradis durchsetzte, nicht überzeugt. "Die Geschworenen haben den Fall geprüft und Paradis schuldig gesprochen", sagt Haws, mittlerweile Bundesstaatsanwalt in Idaho. Sein damaliges Fehlverhalten gab den Ausschlag für die Freilassung von Paradis. Während der Ermittlungen enthielt er der Verteidigung entlastende Aussagen vor.
Ein Schlüsselfaktor in dem Fall war die Frage, wo Palmer ermordet wurde. Ihre Leiche wurde in Post Falls in Idaho, nahe der Grenze zum Nachbarsstaat Washington gefunden. Gutachter William Brady befand, sie sei in Idaho umgebracht worden, und ermöglichte damit die Strafverfolgung in diesem Staat.
Paradis sagte dagegen aus, Palmer sei in ihrer Wohnung in Spokane in Washington getötet und anschließend über die Grenze gebracht worden. Er selbst war bei dem Verbrechen nicht anwesend, half jedoch beim Transport der Leiche. Die Notizen von Staatsanwalt Haws enthielten Aussagen des Gutachters Brady, wonach dieser sich bezüglich des Tatorts entgegen seiner Gerichtsaussage nicht sicher war. Die Notizen wurden der Verteidigung nicht mitgeteilt und tauchten erst Mitte der neunziger Jahre auf. Zudem gestand 1998 ein anderes Mitglied der Gypsy Angels, Palmer in Spokane ermordet zu haben.
"Ich wusste, ich würde aus dem Gefängnis kommen"
Ein Bundesberufungsgericht entschied im März, die Notizen hätten zu einem anderen Urteil führen können. Daher müsse Paradis entweder einen neuen Prozess bekommen oder freigelassen werden. Bezirksrichter Gary Haman, der Paradis 1981 zum Tod verurteilt hatte, kehrte extra aus dem Ruhestand zurück, um die Verhandlung zu leiten. "Dies ist das letzte Kapitel eines langen Romans", sagte er. "Ich hielt es für angemessen, das zu beenden, woran ich anfangs Teil hatte."
In dem Prozess wurde Paradis lediglich Beihilfe zum Mord vorgeworfen. "Schuldig, Euer Ehren", bekannte der Angeklagte. "Das versuche ich schon seit 21 Jahren zu sagen." Paradis macht nun Pläne für sein künftiges Leben in Freiheit. Er will nach Boise zurückkehren und mit seiner Frau, die er in der Haft geheiratet hat, und deren zwei Kindern zusammenziehen. "Ich wusste, ich würde aus dem Gefängnis kommen", sagt er. "Aber ich dachte nicht, dass es so lange dauern würde."
gefunden in:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,130243,00.html
Unfaßbar, die Amis und ihre gesetzliche Tötung. Die haben doch wirklich einen an der Waffel...
Exor