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Vollständige Version anzeigen : Billigflieger im Aufwind. Neu: Strecken und Preise


Gert
29.04.2001, 20:16
Aus der FTD vom 30.4.2001
Ryanair greift Konkurrenten in Deutschland an

Die Billig-Fluggesellschaft Ryanair will ihr Angebot in Deutschland ausweiten. Zwei weitere Flughäfen sollen angeflogen werden.

"Wir denken darüber nach, im kommenden Jahr eine deutsche Basis zu eröffnen. Die Entscheidung fällt am Ende dieses Jahres. Sollten wir keine neue Basis eröffnen, dann werden wir auf jeden Fall zwei weitere deutsche Städte anfliegen", sagte Michael O'Leary, der Vorstandschef der irischen Billigfluglinie, in einem Gespräch mit der Financial Times Deutschland.

Bisher war Ryanair vor allem in England, Schottland und Irland erfolgreich und ist zu einem echten Wettbewerber für Irlands Ex-Monopolisten Aer Lingus aufgestiegen. Nun will die Fluggesellschaft ihr Geschäft auf dem Kontinent verstärken. Dort bietet sie kaum Direktflüge an und ist noch wenig bekannt. Erst am vergangenen Donnerstag hatte Ryanair in Brüssel ihre erste Basis auf dem Kontinent eröffnet. Sie bietet dort ab 24 Mark Flüge in sieben Städte an, darunter nach London, Dublin, Glasgow, Pisa und Venedig.



Sparsames Konzept


Deutschland sei ein sehr interessanter Markt, gerade für Billigfluggesellschaften, sagte O'Leary. "Die Flugpreise zählen dort zu den höchsten in Europa." Zurzeit verhandelt Ryanair "mit acht oder neun Flughäfen in Deutschland". Ryanair fliegt Flughäfen in den Randgebieten von Großstädten an. So spart die Fluggesellschaft Gebühren. Ein weiterer Vorteil ist, dass es auf den kleinen Flughäfen selten zu Staus kommt. Bisher landen die Flieger von Ryanair in Lübeck und Hahn nahe Frankfurt. Mir ihrem Konzept hat Ryanair großen Erfolg. "Wir werden bei Ryanair weiter ein deutliches Wachstum sehen", sagt der Analyst Michael Benedict von Julius Bär.


Ryanair steigert seit 1996 Umsatz und Gewinn jedes Jahr um mindestens 25 Prozent. Im Geschäftsjahr 2000 (31. März) schafften die Iren mit diesem Rezept einen Betriebsgewinn von 84 Mio. Euro - das waren rund 24 Prozent vom Umsatz, der bei 370,1 Mio. Euro lag. Ryanair gehört damit zu den profitabelsten Fluggesellschaften überhaupt. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg die Zahl der Passagiere um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Jahr rechnet die Gesellschaft mit rund 9 Millionen Passagieren.



© 2001 Financial Times Deutschland

KA111
29.04.2001, 23:18
Wie ich heute hörte, kostet bei Ryanair beispielsweise der Flug Lübeck-London und zurück 82 DM. Sagenhaft.:) Wenn Deutsche BinnenFlüge in das Programm aufgenommen werden, wird Die Bahn das kalte Grausen kriegen. Darauf freue ich mich schon heute.:D
Gruß
KA111:D

foxy
30.04.2001, 09:22
das ist wohl richtig, allerdings nicht nur die bahn, hier könnt ihr euch mal über die preise informieren ;)
nicht vergessen nachher wieer den mund zuzumachen :p
foxy
http://www.bookryanair.com/tf/cgi-bin/search.cgi?lang=DE

KA111
30.04.2001, 10:04
Merci, vielmals, für den link, Foxi:)

KA:D

Gert
30.04.2001, 10:55
Wooohhh,
von Frankfurt nach London 33 DM

Wahnsinn!

Gert
05.05.2001, 22:00
Hi,
ist eigentlich schon jemand mit der Gesellschaft geflogen?


Gert

Mr. KnowItAll
17.05.2001, 23:24
x

KA111
05.11.2001, 22:51
Ryanair


Auf der Strecke Frankfurt-London ist Ryanair unschlagbar billig: 58 DM hin und zurück. Teuer ist nur die Aktie.


Die Ryanair-Idee hat sich prächtig bewährt. Man bietet regionale Flüge - und sonst nichts. Ryanair hat seit Jahren die niedrigsten Kosten in Westeuropa. Durch Online-Buchungen wurden sie weiter gekürzt. Im September konnten die Iren ihre Preise drastisch senken. Die Fluggäste dankten es mit einem Umsatzplus von 28 Prozent.


Nur hat das die Börse längst gemerkt. Dem Tief im September folgte ein Steigflug von fast 50 Prozent. Ryanair ist die zweitwertvollste Fluglinie in Europa, direkt hinter der Lufthansa. Auf das 35fache des laufenden Gewinns bringen es die Iren.


Mal angenommen, alles läuft nach Plan. Es folgen keine weiteren Anschläge. Die Zahl der Fluggäste wächst wie angenommen mit vier Prozent pro Jahr bis 2010. Ryanair schafft es, den Marktanteil von zwei auf zehn Prozent zu steigern. Das wäre etwa so viel wie Souhtwest Airlines, das 1978 gegründete US-Vorbild von Ryanair. Gestehen wir eine Nettomarge von noch 15 Prozent zu. Das wäre weniger als zuletzt, aber deutlich mehr als Southwest, die in den vergangenen Jahren gute zehn Prozent eingeflogen hat. Die Lufthansa kam in den besten Zeiten auf 5,4 Prozent.


Dann würde Ryanair am Ende des Jahrzehnt 440 Mio. Euro Gewinn machen. Das entspricht einem KGV von 9,4 - für 2010. Lufthansas KGV für 2000? 6,4! Schon richtig, dass die Kraniche derzeit leiden. Aber immerhin haben sie gezeigt, was sie können. Dagegen ist nicht gesagt, dass Ryanair bis 2010 rasant wachsen und die Marge verteidigen kann. Landerechte und ausgebildetes Flugpersonal werden bald wieder Mangelware sein. Die Konkurrenz durch andere Billigflieger wie Go und EasyJet wird sich verstärken.


FTD

artistin
05.11.2001, 23:07
uppss... da hätte ich besser hier rein geschrieben statt im airline-thread in europa.... :)
vielleicht kann man dort aber den artikel ergänzen... passt so gut...




Ha.... Ryanair heute der absolute Überflieger, bis jetzt 12,3% im Plus nach deutlich höheren Gewinnausweisen als erwartet... :) :)

Und noch ein Billigflieger ist spannend....

http://cdchart.innovative-software.com/informer2/cdcharttcl?symm=EZJ.ISE&hist=4&dbrushwidth=1&charttype=1&gd1=38&gd2=100&benchmark=&infos=3&indtype1=0&indtype2=0&volumen=2

wegen niedrigen Volumens in D der Chart aus der Heimat... (in Pence)

grüsse
artistin :)

Gert
05.11.2001, 23:12
Hi,
vieleicht können wir dann das nächste Treffen in London machen, wenn die so günstig sind!!

Gerti im Aufwind :D

artistin
05.11.2001, 23:21
danke KA... eigentlich dachte ich umgekehrt... dein Artikel nach drüben... :)


Gert, jo, wir treffen uns in FFM und jetten für derzeit 63 mal schnell an die themse... hihi... witzige Vorstellung...
Hotels kosten halt a bisserl mehr als in FFM :D :D


artistin :)

KA111
05.11.2001, 23:24
Hi, Arti, ist ebenfalls geschehen! Du wolltest mich doch nicht gar .....? :D

artistin
05.11.2001, 23:56
ohhh, erst gucken, arti.... :D
sorry, daß ich es nicht gleich gecheckt habe... :)

Gert
07.11.2001, 15:08
SWR3 Börsenman vom 07.11.2001
Sabena pleite - Ryan Air ins Musterdepot
Die belgische Airline Sabena ist pleite. 2 Mrd. Euro Schulden, Verluste im laufenden Geschäft und kein Investor in Sicht. 12.000 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe und überhaupt Belgiens Rolle im internationalen Luftverkehr.

Der Konkurs ist auf den ersten Blick eine Folge der Terroranschläge vom 11. September: Einbruch bei den Passagierzahlen, hohe Kosten, hohe Verluste. Als erste europäische Gesellschaft geht im Oktober in die Knie. Sie kann eine versprochene Kapitalspritze für die Sabena in Höhe von 136 Mio. Euro nicht mehr zahlen. Also wird auch Sabena zahlungsunfähig. So die aktuelle Kettenreaktion. Doch die Terroranschläge haben die Krise der Luftfahrtgesellschaften nicht verursacht, sondern nur verschärft. Sabena zum Beispiel hat seit ihrer Gründung im Jahre 1925 nur in zwei Jahren überhaupt Gewinn gemacht und wurde bis jetzt nur aus Gründen des Nationalprestiges am Leben gehalten. Aber auch große Airlines haben Probleme: Gerade meldet British Airways (WKN: 872391) einen dramatischen Gewinneinbruch, und Lufthansa (WKN: 823212) hat Flugzeuge stillgelegt. Ursache sind die hohen Kosten u.a. für Vielfliegerprogramme, aufwendige Buchungssysteme und Verpflegung an Bord.

Schlanke Konkurrenten machen etablierten Airlines vor, dass es auch anders geht: zum Beispiel die irische RyanAir (WKN: 907191) – ein spartanischer Billigerflieger, der selbst in der gegenwärtigen Terrorkrise ein Gewinnwachstum von 30% meldet. Die BörsenMan-Redaktion nimmt RyanAir deshalb ins Musterdepot auf - als spannende Alternative zu Lufthansa und Co.



Mehr Börse: www.boersenman.de




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Mr. KnowItAll
27.11.2001, 00:29
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KA111
27.11.2001, 09:23
Hoffentlich bekomme ich als alter Kunde Freiflüge:D

Gruß
KA:)

artistin
30.11.2001, 00:31
Schade nur, daß Hahn nicht in der Nähe von MUC ist.....

grüsse
artistin (frequent traveller) :)

Mr. KnowItAll
30.11.2001, 00:35
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artistin
30.11.2001, 00:46
ach ja, der Ort des Eröffnungsspieles... :)

Die Traurigkeit hält sich in Grenzen, GO fliegt zur Zeit für DM 105, ist auch nicht schlecht... wenn der Nebel sich auflöst... :D

grüsse
artistin :)

Mr. KnowItAll
30.11.2001, 00:53
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Mr. KnowItAll
01.12.2001, 00:33
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Mr. KnowItAll
23.12.2001, 16:37
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Gert
04.01.2002, 15:18
Aus der FTD vom 4.1.2002
Aldi des Luftverkehrs
Von Christian Baulig, Lautzenhausen

Der irische Billigflieger Ryanair baut den ehemaligen US-Airforce-Stützpunkt Hahn zum Drehkreuz aus. Nun erwacht der Hunsrück.

Vom Startplatz oben auf dem Hügel sind es bei gutem Wetter nur ein paar Flugsekunden nach Löffelscheid und Götzerath, nach Büchelbeuren und Rödelhausen. Aber heute geht gar nichts. Dichte Nebelschwaden ziehen über den Hunsrück. Und das nervt den Mann im roten Flieger-Overall. "Okay, dann lernt ihr eben für die theoretische Prüfung", bellt er in sein Handy, klappt es zusammen und steckt es in eine der vielen Taschen seines Anzugs.

Uwe Weber ist der Chef von Hahn Helicopter und wird heute wieder einmal kein Geld mit Schulungsflügen verdienen. "Der Hahn", wie die Einheimischen den Start- und Landeplatz nennen, liegt auf einer Wetterscheide. "Nicht gerade ideal für einen Flughafen", sagt der Pilot. Trotzdem ist er mit dem Standort zufrieden: "Der Name Hahn zieht wieder."


Spätestens seit die Manager der Fraport AG der Provinzpiste den Kunstnamen "Frankfurt-Hahn" verpasst haben. Die Flughafenbetreiber wollen aus der ehemaligen US-Airbase ein Aldi des deutschen Luftverkehrs machen: "Frankfurt Rhein-Main" für die Bequemen, Markenbewussten, bei denen es auf einen Euro mehr nicht ankommt. "Frankfurt-Hahn" - 90 Kilometer weiter westlich - für Rucksack-Touristen und Geschäftsflieger, denen der Controller die Spesen gekappt hat.



Verrückter Ire im Hunsrück


Das Konzept scheint aufzugehen. Anfang 1999 entdeckte ein verrückter Ire den Landeplatz für seine Billiglinie Ryanair. Inzwischen lässt Michael O’Leary seine Jets nach London-Stansted, Glasgow-Prestwick und Shannon starten. Nun baut der Airline-Chef den Hahn zu einem internationalen Drehkreuz aus: Sieben zusätzliche Ziele will er von Februar an anfliegen, Maschinen und Besatzungen auf dem Hahn stationieren. Anderthalb Millionen Menschen könne er dieses Jahr durch das Terminal schleusen, sagt O’Leary - viermal so viele wie 2001.


Wer mit dem Billigflieger für 25 Euro in die weite Welt fliegen will, darf kein Chichi erwarten: Der Beton der Zufahrt vom Tor in Lautzenhausen zum Terminal ist brüchig, die Fensterscheiben der beigen Militärbaracken am Wegesrand sind geborsten. "Was wir nicht brauchen, reißen wir ab", lautet die Fraport-Devise. Die alte "Base Exchange" - der Soldaten-Supermarkt - liegt bereits als geschredderter Trümmerhaufen zum Abtransport bereit. Hinter Stacheldraht duckt sich zur Linken ein Erdbunker in den Hunsrücker Gebirgspodsol. Daneben ein metallener Tatzelwurm aus leeren Gepäckkarren.


Ein paar Biegungen weiter steht der Reisende schließlich vor einer hellgrauen Metallbox mit der blauen Aufschrift "Abflug - Departures".


Es ist halb neun morgens. In dem Zweckbau ist noch wenig los. Die uniformierte Blondine an Schalter sieben wartet gelangweilt auf die Passagiere für den 10.10-Uhr-Flug nach London. Die restlichen acht Abfertigungsstellen sind genauso unbesetzt wie die Counter der Reisebüros und Autoverleiher. Eine Cafeteria, ein Zeitungsladen, ein Kiosk, ein Geldautomat der örtlichen Volksbank - das war’s.


In ein paar Wochen wird mehr los sein, verspricht Jörg Schumacher. Der 42-Jährige mit dem dichten blonden Haarschopf ist der Geschäftsführer des Flughafens. Vor vier Jahren hat er sein Quartier in einem ehemaligen Soldaten-Wohnheim bezogen, durch das zuvor eine Malerkolonne getrieben worden ist. "Wir sind in der Gegend der Hoffnungsträger", sagt Schumacher.


Fast ein Jahrzehnt lang stand die karge Hügellandschaft mit den schmalen Landstraßen und den grauen Schieferhäusern für wirtschaftlichen Niedergang und Landflucht. 1991 rückte die die US Airforce ab, die 40 Jahre lang bescheidenen Wohlstand in die Dörfer gebracht hatte. Nicht nur nach Hahn, dem 150-Seelen-Nest am nördlichen Ende der Piste, nach dem die Amerikaner ihren Flugplatzes benannten, weil sie den korrekten Ortsnamen Laut-zenhau-sen nur mit Mühe aussprechen konnten. Sondern auch nach Kirchberg, Simmern oder Zell.


Binnen zwei Jahren überließen 14.000 kaufkräftige Dollar-Besitzer den Hunsrück seinem Schicksal. 850 Zivilangestellte verloren ihren Job "auf der Base", Tausende den Glauben, dass es mit der Region je wieder bergauf geht.


Mittlerweile heben auf dem Hahn täglich Zivilmaschinen ab. Neben den irischen Ryanair-Jets vor allem Chartermaschinen in die Türkei, nach Zypern, Ägypten und Schweden. Auch das Frachtgeschäft kommt nach einigen Rückschlägen in Fahrt. Vergangenes Jahr wurden 170.000 Tonnen Güter umgeladen - rund um die Uhr. Heute arbeiten auf dem Hahn doppelt so viele Leute wie zu Zeiten der Amerikaner.


Dennoch hat Flughafenchef Schumacher keinen Job, in dem er sich marmorne Denkmäler setzen kann. "Es ist nicht leicht, ein Low-cost-Airport zu sein", stöhnt er und dreht seine Gauloise legère zwischen den Fingern, ohne sie anzuzünden. Jede Ausgabe muss knapp kalkuliert sein. Während anderswo Fluglinien für Anflug, Landung und die Abfertigung extra löhnen, zahlt Ryanair in Hahn nur dann, wenn Leute in den Maschinen sitzen. Trotzdem schreibt Schumacher im Linien- und Charterfluggeschäft schwarze Zahlen: "Mit jedem Passagier bleibt ein Schnäppchen hängen", sagt er.


Darauf hoffen viele im Rhein-Hunsrück-Kreis. Zum Beispiel Ute Schüler, die Inhaberin des Gasthofs "Schinderhannes" in Sohren. Zigarettenqualm und Hunsrücker Platt wabern durch den Schankraum mit den Eichendielen und den Butzenscheiben. Am Tresen reißen ein paar Einheimische Witzchen, während die Wirtin in weißer Bluse und Edelweiß-bestickter Weste für die lustige Runde frisches Kirn-Pils zapft. Am Ecktisch fachsimpeln zwei Engländer über Wartungsintervalle von Triebwerken.


Das Hotel ist nur drei Kilometer vom Flughafen entfernt. Ein Lichtblick für die resolute Chefin, jahrelang liefen die Geschäfte schlecht. Als die Amis noch auf dem Hahn flogen, war das erste Haus am Platze oft auf Monate ausgebucht. Die Soldaten und ihre Familien quartierten sich für mehrere Wochen ein, bis sie eine Wohnung gefunden hatten. "Damals ging’s uns gut", sagt Schüler.



Russische Piloten statt US-Soldaten


Immer öfter übernachten heute Flugzeugtechniker in den rustikalen Gastzimmern - oder die Besatzungen der russischen Antonow-Frachter. "Neulich", sagt Schüler, "hatten wir sogar ein paar Wanderer aus Schottland."


Auch die Lokalpolitik klammert sich an den Flughafen. Die wirtschaftliche Lage ist ernst. Nach dem Abzug der Amerikaner ist der zweitwichtigste Arbeitgeber, die Möbelindustrie, zusammengebrochen: Die Firma Steffen in Mastershausen hat seit 1995 ihre Belegschaft um fast 1200 Mitarbeiter reduziert. Felke hat seine Fabrik in Sohren aufgegeben und 400 Leute entlassen. Ende der 90er Jahre waren zwölf Prozent der Leute in der Gegend arbeitslos. Dank des Flughafens ist die Quote bis heute auf sieben Prozent gesunken.


"Das ist die beste Lösung, die es für den Militärflugplatz gibt", jubelt Carsten Koppke. Seit 22 Jahren ist der parteilose Politiker Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchberg, die für den Hahn zuständig ist. Vom ersten Stock des renovierten Fachwerk-Rathauses hat er den kopfsteingepflasterten Marktplatz des Ortes fest im Blick.


Drinnen gleicht die Amtsstube einem Mayor’s Office im Mittleren Westen. In der Ecke steht eine mannsgroße US-Flagge. Die Wände zieren Fotos von schnittigen Kampfjets und wilden Cowboy-Partys. "Von den Amerikanern haben wir nur profitiert", sagt Koppke. Die Russlanddeutschen, die nach dem Abzug in die leer stehenden Wohnungen einzogen, verursachten hingegen vor allem Kosten. Die Ausgaben für Sozialhilfe, Schulen und Kindergärten sind explodiert, klagt der 58-Jährige.


Der Aufschwung auf dem Hahn ist die erste gute Nachricht seit langem. Bund und das Land Rheinland-Pfalz spendieren fast 300 Mio. DM für den Ausbau von Straßen und Gleisen zum Flugplatz. Das könnte auch neue Firmen in die Gewerbegebiete locken.


"Die Leute hoffen sich froh", spottet Jürgen Rösner, einer der wenigen Flughafengegner. Starts und Landungen zu jeder Tages- und Nachtzeit sind dem Regisseur ein Horror. Der Freiberufler - runde Brille, kurze Haare, schwarzes Hemd, schwarze Hose - sitzt in einem Kleinicher Landgasthof und trinkt Tee. Leise Musik säuselt durch die stilgerecht eingerichteten Räume.


Vor 20 Jahren ist er in den Hunsrück gezogen und hat sein Bauernhaus mit Lehm und Stroh verputzt. Damals donnerten die F-16-Bomber noch im Tiefflug über die Dörfer: "Aber nur tagsüber und nie am Wochenende", sagt Rösner. Er spricht für ein Häuflein Aufrechter: Manager, Architekten, Gastronomen, die sich in einer Bürgerinitiative organisiert haben. Doch die Fluglärmgegner, gibt Rösner zu, kämpfen auf verlorenem Posten: "Wir kriegen die Öffentlichkeit nicht hinterm Ofen vor."



Die Gegner der Gegner


Werner Kuhn hat es da leichter. Der 56-Jährige ist Vorsitzender der Bürger für den Zivilflughafen Hahn und bewohnt ein schmuckes Einfamilienhaus in Sohrschied, fünf Kilometer vom Hahn entfernt. 330 Mitglieder zählt der Verein. Kuhns Meinung über die Flughafengegner ist so festgefügt wie die Eichenholz-Schrankwand und die Ledergarnitur in seinem Wohnzimmer: "Das sind doch alles Zuzügler oder Leut’ im öffentlichen Dienst."


Der Mann mit dem grauen Kinnbart und der getönten Brille arbeitet im Außendienst für die Bausparkasse Wüstenrot. "Das war hier mal ’n gutes Gebiet", sagt er. Wer ein paar Mark zusammenkratzen konnte, zog ein Haus hoch und vermietete es an Amerikaner. "Jetzt ist nix mehr da." Kuhn selbst hat drei Mietwohnungen, von denen eine noch immer leer steht.


Auch wenn er die Mehrheit der Hunsrücker hinter sich weiß, will er weitermachen. An der Startbahn lässt Fraport für eine Verlängerung baggern. Das könnte den Widerstand stärken. "Da ist’s gut, dass es uns gibt."



© 2002 Financial Times Deutschland

Mr. KnowItAll
09.01.2002, 22:52
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Mr. KnowItAll
09.01.2002, 22:53
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Gert
10.01.2002, 16:54
Der Streit zwischen dem Billig-Flieger Ryanair und der Deutschen Lufthansa spitzt sich weiter zu. Nachdem Michael O’Leary, Chef der irischen Airline, der deutschen Fluggesellschaft mehrmals „schmutzige Tricks“ im Kampf um Marktanteile vorgeworfen hat, droht ihm nun ein Ordnungsgeld. Am 22. Januar wird sich die Wettbewerbskammer des Landgerichts Köln mit der Sache beschäftigen. Sollte die Kammer Ryanair für schuldig befinden, droht eine Strafe von 255.000 Euro.

Der Streit zwischen beiden Airlines findet seinen Ursprung in der Ankündigung O’Learys, den Flughafen Hahn (60 Kilometer von Frankfurt entfernt) als drittes europäisches Drehkreuz seines Unternehmens auszubauen. Künftig sollen täglich 30 Flüge von dort aus in zehn europäische Städte starten. Als Starttermin nannte O’Leary den 14. Februar. 1,5 Millionen neue Passagiere soll die Investition in den Standort im Hunsrück in den ersten zwölf Monaten bringen. Dafür sollen rund 200 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.



Den Lufthansa-Verantwortlichen stieß das natürlich übel auf. Schließlich kam die Investitions-Offensive gerade zu einer Zeit, als man in der Konzern-Zentrale in Frankfurt von einem operativen Verlust sprach und darüber nachdachte, Tausende von Arbeitsplätzen zu streichen. Dass die Retourkutsche der Lufthansa nicht lange auf sich warten lässt, war schon damals klar. Ein Angriffspunkt gegen den „Aldi der Lüfte“ war auch schnell gefunden. Schließlich warb O’Leary – ganz seiner Art entsprechend – dass Ryanair künftig auch in Frankfurt stark präsent sein wird. „Hahn ist aber nicht Frankfurt“, stellte die Lufthansa klar. Der Kranich zog also vor das Landgericht und bekam Recht. Ryanair darf dem Urteil zufolge nun nicht mehr mit den Zielflughäfen Frankfurt und Hamburg werben. Die Iren müssen, erklärten die Richter, nun vielmehr deutlich machen, dass tatsächlich Hahn und Lübeck angeflogen werden.

„Wenn das so wäre, dürfte die Lufthansa Heathrow nicht als London und Newark nicht als New York bezeichnen“, konterte O’Leary und kündigte gleichzeitig an, gegen das Urteil vorzugehen. Der Lufthansa schwor er einen erbitterten Preiskampf und warf ihr im gleichen Atemzug die „schmutzigen Tricks“ vor, die ihn jetzt teuer zu stehen kommen könnten. Denn kurz nach der ersten Äußerung dieser Art erwirkte die Lufthansa eine einstweilige Verfügung, die es O’Leary untersagte, der Kranich-Linie übel nachzureden. O’Leary zeigte sich indes – wieder einmal – unbelehrbar. Das „Enfant Terrible“ der Luftfahrt-Branche konnte es nicht lassen und will den Feldzug gegen die Großen der Branche unbeirrt fortführen.

Und zumindest damit war der Ire bislang sehr erfolgreich. Seine Strategie ist dabei eigentlich recht einfach und - zum Ärger der Branchen-Größen - auch noch effektiv. Ryanair schlägt niemals seine Zelte auf großen Flughäfen auf, sondern weicht auf kleinere Airports im Umland aus. Das spart Kosten, weil die Gebühren an den kleineren Flughäfen weitaus geringer sind. Neben dem Gebührenfaktor kommt den Billig-Fluglinien zudem die geringe Verkehrsdichte zu Gute. Von der Landung bis zum erneuten Start vergehen nur 25 Minuten, statt der üblichen Stunde. Das erlaubt Extraflüge auf vielen Strecken.

Auf der anderen Seite spart Ryanair durch nicht vorhandenen Service. So wartet man auf einem Ryanair-Flug vergeblich auf den obligatorischen Tomatensaft oder die druckfrische Tageszeitung. Nur gegen Aufpreis gibt es Saft und sonstige Erfrischungsgetränke. Kaffee gibt es überhaupt nicht, ebenso wenig Erdnüsse.

Geflogen wird zudem ausschließlich in den engen Maschinen des Typs Boeing 737, die auf wenig Raum 130 bis 189 Passagiere befördern können. Die Rechnung ist dabei einfach: Ein Standard-Flugzeugtyp erleichtert die Wartung und entlastet dadurc! h die Kasse. Gespart wird zudem bei den Ticketverkäufen. Während sich die etablierten Fluglinien über hohe Provisionen der Verkaufsagenturen ärgern, verkaufen die Iren 90 Prozent ihrer Tickets im Internet und per Telefon.

Vor allem das ärgert die Großen. Allerdings ist es angesichts der völlig unterschiedlichen Komfort-Leistungen wohl nicht nötig, einen Kleinkrieg gegen den unbequemen Wettbewerber anzuzetteln. Die potenten Geschäftskunden – die Vielflieger – wird der „Aldi der Lüfte“ der Lufthansa nicht streitig machen können. So dürfte ein möglicher Erfolg des Kranichs eventuell negative Folgen haben. Denn der einzige, der von dieser Airline-Posse wirklich profitiert, ist O’Leary mit seiner kleinen, armen Fluggesellschaft, die sich das Wohl des Kunden auf die Fahnen geschrieben hat und den Geldbeutel des kleinen Mannes entlasten will. Denn: Auch die Bekleidungskette C&A hat mit ihrer jüngsten Rabattaktion zur Euro-Einführung zwar den Unmut des Gesetzgebers und der Konkurrenz auf sich gezogen. Die Kunden hat’s hingegen sehr gefreut. Und von denen lebt die Wirtschaft nun einmal.

Autor: Robert Sopella (© wallstreet:online AG) 16:24 10.01.2002

artistin
27.01.2002, 17:06
ftd.de, Fr, 25.1.2002, 13:19


Merrill sieht Auftrag von Ryanair an Boeing positiv


Die Investmentbank Merrill Lynch hat den Auftrag über 100 Boeing-Maschinen der Ryanair als Zeichen für die Marktführerschaft der Iren unter den europäischen Billigfluggesellschaften gewertet. Die Anlageempfehlung "Buy" und die Gewinnprognosen blieben aber zurzeit unverändert, schreiben die Analysten am Freitag.

Das Geschäft spiegele die Wachstumsstärke des Billigairline-Marktes wider. Ryanair hatte beim US-Flugzeugbauer Boeing 100 Maschinen vom Typ 737-800 bestellt und sich eine Kaufoption für weitere 50 vorbehalten. Dies sei der größte Auftrag einer einzigen Fluggesellschaft, schreiben die Experten.


Der Katalogpreis für die Order belaufe sich auf 9,1 Mrd. $ oder 61 Mio. $ pro Maschine. Ryanair dürfte aber angesichts der derzeitigen Schwäche in der Flugzeugbau-Branche und des Auftragsumfangs einen deutlichen Preisnachlass erhalten haben. Die Iren haben nach Meinung der Analysten einen Discount von 65 Prozent auf 20 bis 25 Mio. $ pro Flugzeug herausgehandelt.


Die Maschinen ermöglichten ein Kapazitätswachstum von mindestens 25 Prozent pro Jahr bis 2009. Die Auslieferung beginne im ersten Quartal.


Mit ihrer Anlageempfehlung erwarten die Merrill-Analysten, dass die Aktie einen Gesamtertrag - also Kursgewinn und Dividende - von mindestens 10 Prozent abwirft.

artistin
27.01.2002, 20:25
Noch eine Einschätzung von telebörse online

Aktiencheck

RYANAIR
Stand: 24.01.2002

Mit 100 neuen Flugzeugen will Rynair vor allem den deutschen Markt erobern. Wegen der Billigpreise sind die Chancen gut.

Indem Ryanair heute bei Boeing 100 neue Flugzeuge für 9,1 Mrd. Dollar bestellte, die bis 2010 ausgeliefert werden sollen, machte Firmenboß Michael O’Leary deutlich, dass seine Ankündigung von Mitte Dezember 2001 keine Luftblase war.

Europas größte Niedrigpreisfluglinie will sich in den nächsten Jahren auf die Eroberung des deutschen Marktes konzentrieren. Ab 2003 wollen die Iren den Marktführer Lufthansa mit innerdeutschen Flügen mächtig unter Druck setzen, denn die Flugscheine sollen 80% billiger sein.

Die Lufthansa reagierte nervös. In Köln setzte der Kranich erst einmal das Verbot durch, dass Rynair eigene Flugangebote mit dem Abflugort Hahn im Hunsrück nicht mit Angeboten der Lufthansa vom Frankfurter Rhein-Main-Flughafen vergleichen dürfe. Doch dagegen hat Ryanair Berufung angekündigt.

Solche Niederlagen vor Gericht werden die Iren kaum stoppen. Während die etablierten Fluglinien unter den Sparzwängen und der Konjunkturschwäche ächzen, startet der Billigflieger erst richtig durch. Allein im Geschäftsjahr 2001 (Ende März) nutzten 7,4 Mio. Fluggäste die 52 Niedrigspreisverbindungen. Ergebnis: In der Kasse des Unternehmen liegen derzeit 700 Mio. Euro Cash. Kein Wunder, denn schon ab einer Auslastung von 50% fliegen die Maschinen profitabel.

Dennoch verläuft der Eroberungsfeldzug nicht reibungslos. Versuche von O’Leary, in Leipzig, Dresden, Erfurt oder Berlin-Schönefeld zu landen, sind bisher an den unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Doch das muss ja nicht so bleiben. Schließlich gibt es in Deutschland noch zahlreiche Alternativen.

Seit unserer letzten Kauf-Empfehlung vom 13.11. 2001 hat der Kurs von 5,25 auf 6,60 Euro zugelegt. In der heutigen Entscheidung sehen wir einen weiteren Grund, in die Aktie einzusteigen. Das Potenzial ist offensichtlich noch nicht ausgeschöpft.


Horst Buchwald; 24.1.2002

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grüsse
arti :)

Mr. KnowItAll
31.01.2002, 19:29
x

Gert
31.01.2002, 19:46
Na,

auch net schlecht, bis Friedrichshafen brauche ich von Stuttgart ca. 1,5 Std.


Gert

Eliska
23.02.2002, 09:27
Die Platzhirsche im Fluggeschäft haben Konkurrenz bekommen / Preise sinken / Lufthansa beschimpft das Bundeskartellamt

Flora Wisdorff

Der Streit zwischen dem Bundeskartellamt und der Lufthansa nimmt kein Ende. "Wenn wir gezwungen werden, 134 statt 105 Euro zu verlangen, ist der Verbraucher das Opfer", polterte Lufthansa-Vorstand Jürgen Weber am Freitag. Der Grund: Am vergangenen Dienstag hatte ihm das Kartellamt verboten, zu ähnlichen Tiefpreisen wie Konkurrent Germania zu fliegen. Die Bundesregierung solle sich über die Rolle der Wettbewerbshüter Gedanken machen, forderte Weber. Das Kartellamt solle den Wettbewerb schützen "und ihn nicht verhindern". Den Präsidenten der Behörde, Ulf Böge, ficht das nicht an: Webers Kritik bewege sich "unterhalb der Gürtellinie".

Seit die Germania im November auf der Strecke Frankfurt-Berlin für 99 Euro pro Strecke fliegt, hat auch die Lufthansa ihre Preise heruntergeschraubt: Sie fliegt derzeit für 105 Euro one way. Zu billig, um die Kosten für Miles & More, Verpflegung und die höhere Flugfrequenz als bei Germania zu decken, findet Hans-Jürgen Ruppelt, zuständiger Abteilungsleiter vom Bundeskartellamt. Das Verhalten der Lufthansa sei daher wettbewerbsverdrängend, die Preise müssten um 35 Euro erhöht werden, urteilte das Amt in dieser Woche. Sonst werde die Germania schnell vom Markt verschwinden. Und dann werde die Lufthansa die Preise umgehend wieder nach oben schrauben. "Wenn die Lufthansa Germania von der Strecke verdrängt, schreckt das auch andere ab", sagt Ruppelt. Die Gesellschaft sieht das anders: "Wir werden unsere Passagiere nicht kampflos abgeben", sagt Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. Die Airline habe lediglich ihre Preise angepasst.

Der Streit zwischen Kartellamt und Lufthansa ist symptomatisch für die neue Wettbewerbssituation der großen Fluggesellschaften. Seit der EU-Liberalisierung des Marktes in den 90er Jahren haben sie nicht mehr das Monopol, die Passagiere durch die Luft zu befördern. Ryanair, Buzz, Easyjet, Germania und Go heißen die Konkurrrenten, die die Großen seit ein paar Jahren verärgern: weil sie viel billiger fliegen, bringen sie sie in Bedrängnis.

Wie dieser Streit auch ausgeht, eines ist klar: Die Billigflieger sind im Kommen - und zwar auch in Deutschland. Ryanair hat seine Passagierzahlen im Januar dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat um 50 Prozent gesteigert. Mitte Februar eröffnete der erfolgreichste Billigflieger auf dem deutschen Markt in Hahn im Hunsrück neben Lübeck und Friedrichshafen am Bodensee seine dritte deutsche Basis. Dem Unternehmen geht es gut: Jüngst bestellte die irische Billigflieger-Gesellschaft 100 Boeing-Maschinen für 6,5 Milliarden Euro, während die Großen wie Lufthansa oder British Airways auf Sparkurs sind. Die belgische Sabena ist bankrott, British Airways hat schon vor dem 11. September Jobs abgebaut, und die Lufthansa verzeichnete im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Rückgang von 13 Prozent bei den Passagierzahlen.

Das Erfolgsrezept der Billigflieger ist ihr niedriger Preis. Der ist deshalb so niedrig, weil alles etwas anders läuft. Es gibt keine Tickets oder Platzreservierungen, die Buchungen sind nur per Telefon oder Internet möglich. Essen und Getränke gibt es gegen Bezahlung und Vielfliegermeilen gar nicht. Nachteil: Die angesteuerten Flughäfen verlangen zwar weniger Gebühren, liegen dafür aber abseits der großen Städte. Zwar behauptet Ryanair, die Flugzeuge würden von "Frankfurt-Hahn" aus starten - in Wirklichkeit aber liegt Hahn im Hunsrück und ist 130 Kilometer von Frankfurt entfernt.

Vor allem die Strecke nach London ist in Deutschland von den preiswerten Fliegern besetzt. Ryanair fliegt von seinen drei Basen aus dort hin, Buzz von Berlin-Schönefeld, Frankfurt und Düsseldorf. Innerdeutsch macht momentan nur die Germania der Lufthansa als Billigflieger Konkurrenz. Andere kleine Fluggesellschaften wie zum Beispiel Augsburg Airlines lässt die Lufthansa geschickt in ihrem Auftrag fliegen - die kleinen Gesellschaften profitieren von den Lufthansa-Buchungen und werden als Konkurrenten nicht zu gefährlich.

Nach Recherchen des Bundeskartellamts hat die Lufthansa in Deutschland einen Marktanteil von 80 bis 85 Prozent. "Wenn sie davon etwas abgeben würde, könnte sie das verkraften", sagt Ruppelt. Er schätzt den potenziellen Markanteil der Billigflieger in Deutschland auf bis zu 25 Prozent.

Allerdings werden sich die billigeren Flieger Experten zufolge wohl eher auf den europäischen Strecken und weniger auf den innerdeutschen Verbindungen behaupten. "Auf dem deutschen Markt ist das schwieriger als in Großbritannien", sagt Uwe Weinreich, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank in München. Der Platzhirsch Lufthansa sei ein Hindernis, genauso wie die guten ICE-Verbindungen und die föderale Struktur in Deutschland. Anders als in England gebe es keine einzige große Stadt, die zentraler Anziehungspunkt sei.

Ryanair kündigt dennoch an, ab 2003 auch auf innerdeutschen Strecken operieren zu wollen. Zudem will die Gesellschaft im nächsten Jahr drei weitere deutsche Flughäfen ansteuern. Bis 2010 soll ein Viertel der bis dahin erwarteten 40 Millionen Ryanair-Passagiere deutsch sein. Buzz, Ryanair und Konsorten könnten der Lufthansa zwar einige Kunden abjagen, - grundsätzlich richten sich die Billigflieger aber an eine andere Klientel, sagt Weinreich. "Welcher Geschäftsreisende will schon ohne Vielfliegermeilen und eine Stunde von Frankfurt aus entfernt fliegen, damit er um 22 Uhr abends ankommt und in London-Stansted keinen Bus mehr kriegt?" Mögliche Kunden dieser Airlines seien Leute, die bis jetzt noch gar nicht fliegen, glaubt Weinreich. So sieht das auch Buzz-Marketingdirektor Matthew Walls: "Wir wollen vor allem die Leute dazu bringen, regelmäßig in ihrer Freizeit zu fliegen, die das bisher gar nicht in Betracht gezogen haben."

Vielleicht hat sich das Thema, zumindest innerdeutsch, bald erledigt. In etwa fünf Jahren, wenn das ICE-Netz ausgebaut sei, werde der Wettbewerb vor allem zwischen Flug und Zug stattfinden, glaubt Hans-Jürgen Ruppelt vom Bundeskartellamt.



Weitere Informationen:www.buzzaway.com, Tel: 01803/10 20 40, www.ryanair.com, Tel: 0190/47 20 72, www.lufthansa.de, Tel: 01803/80 38 03

Tagesspiegel

Gert
19.03.2002, 17:51
ftd.de, Di, 19.3.2002, 12:18, aktualisiert: Di, 19.3.2002, 16:24
Ryanair: Schluss mit ´Frankfurt´
Von Annette Entreß, Hamburg

Die irische Fluglinie Ryanair darf nicht mehr mit dem Namen "Frankfurt-Hahn" werben. Dies ist eine erneute Schlappe für die Billigkonkurrenz der Lufthansa.

Das Kölner Landgericht bestätigte die Einstweilige Verfügung des Oberlandesgerichts Köln. Danach darf Ryanair in seiner Werbung den Flughafen nicht mehr als "Frankfurt-Hahn" bezeichnen. Bei einem Verstoß droht der Fluggesellschaft eine Strafe von rund 250.000 Euro. Dieses Urteil war erwartet worden. In einer Gerichtsverhandlung Anfang März hatten die Richter angedeutet, dass sie der Argumentation der Lufthansa folgen würden. Die deutsche Fluglinie hatte die Benennung wegen der erheblichen Entfernung zwischen Hahn und Frankfurt als irreführend bezeichnet.


Offizieller Name


Ryanair hatte nach Angaben des Gerichts argumentiert, dass "Frankfurt-Hahn" der offizielle, nationale und international anerkannte Name sei. Das sei zwar richtig, schrieben die Richter in ihrer Urteilsbegründung. Trotzdem dürfe das Unternehmen den Flughafen in seinen Anzeigen nicht so nennen. Das Gelände liege nicht am Rand der Stadt Frankfurt, wie die Bennennung suggeriere, sondern mehr als 120 Kilometer entfernt. Eine Autofahrt zwischen Frankfurt am Main und Hahn dauere etwa eine Stunde und dreißig Minuten. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei schlecht - in drei bis vier Stunden gelange man nur bis zu einem Ort, der rund 15 Kilometer von Hahn entfernt sei.


Vor gut einem Jahr hatten die Betreibergesellschaft des Flughafens und das Land Rheinland-Pfalz entschieden, sowohl das Unternehmen als auch den Airport in "Frankfurt-Hahn" umzubenennen. Offensichtliches Ziel sei gewesen, den Flughafen im internationalen Flugverkehr besser bewerben zu können, schrieben die Richter.



Lufthansa weiter wachsam


Die Lufthansa begrüßte das Urteil. Der Richterspruch sei im Sinne des Verbraucherschutzes, sagte Unternehmenssprecher Thomas Jachnow. Die Lufthansa werde die Werbung der Ryanair auch weiter genau beobachten und gegen Verstöße Zwangsmaßnahmen beantragen.


Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sah das Urteil anders. "Wenn der Flughafen so heißt, kann man ihn auch so nennen", sagte Juristin Beate Wagner. Allerdings müsse in der Werbung klar darauf hingewiesen werden, dass der Flughafen von Frankfurt sehr weit entfernt sei. Schließlich koste der Transfer von Frankfurt nach Hahn Zeit und Geld. Diese Möglichkeit ließen auch die Richter in ihrer Urteilsbegründung offen. Der Irreführung könne auch dadurch begegnet werden, dass man die gebotene Aufklärung in der Werbung leiste.



Nach früheren Informationen ist zu erwarten, dass die Iren in Berufung gehen. "Unsere Taschen sind genauso tief wie die der Lufthansa", hatte eine Ryanair-Sprecherin Anfang März gesagt. Das Kölner Oberlandesgericht (OLG) hatte Ryanair die Bezeichnung im Januar untersagt, wogegen Ryanair Widerspruch eingelegt hatte. Der Rechtsstreit wurde an das Landgericht zurückverwiesen. (Az.: 33 O 391/01).



© 2002 Financial Times Deutschland

Eliska
11.01.2003, 20:10
Die Billigflieger von A-Z - Strecken und Preise

http://reisen.t-online.de/reis/reis/ratg/fs/bill/CP/fs-billigflieger.html