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Vollständige Version anzeigen : Nasdaq Chartanalyse


Chris
30.04.2001, 00:56
Selten war die weitere Entwicklung der Nasdaq so umstritten wie in diesen Tagen. Ich möchte heute einmal versuchen, die weitere Entwicklung aus technischer Sicht zu analysieren, wobei ich hoffe, sowohl den Bären als auch den Bullen gerecht zu werden.

Beginnen wollen wir am Anfang, was für die Nasdaq das Jahr 1973 bedeutet, damit man noch ein wenig erkennen kann, entspricht ein Candle dem Zeitraum von 3 Monaten.

http://suntrade.bluebull.com/mm_files/charts/2104-comp1.gif

Läßt man den Crash von 1987 aussen vor, so hat es in der Historie drei 4 stärkere Korrekturen in der Nasdaq gegeben, da die letzte (bzw. aktuelle) noch nicht vorüber ist, betrachten wir zuerst die übrigen 3: 1981/1982, 1983/1984 und 1989/1990. Diese Korrekturen hatte eine Dauer von ca 1.5 Jahren, wobei sich die Bodenbildung über einen Zeitraum von 9 Monaten vollzog. Das Low der Korrektur lag auf dem Hoch von vor 3 oder 4 Jahren. Die Jahre 1989/1990 kann man wegen dem Crash analog betrachten. Die Korrekturen lefen in einer sehr gemäßigten Form ab, 1981/1982 wurde die Korrektur bis zum 50% Retracement vollzogen, ansonsten wurde jeweils am 38.2% Level gestoppt.
Die aktuelle (noch andauernde Korrektur) verhielt sich deutlich anders. Wir haben zwar wie in der Korrektur 1983/1984 vier fallende Quartale, jedoch fand die akt. Korrektur mit einer nie dagewesenen Heftigkeit statt. Sie stoppte nicht wie sonst üblich am 38.2 oder 50% Retracement, sondern durchschlug sogar geschmeidig das 61.8% Level und machte erst an der Aufwärtsprojektion von 1989/90 (423.6 %) halt, von dort setzte dann die technische Gegenbewegung bis über das 61.8% Level ein. Es ist übrigigens mit ein Grund, warum sich Elliot Wave aktuell so großer Beliebheit erfreut. Man konnte diese eklig tiefen Kursziele so genau voraussagen (dies war mit Fibonacci allerdings auch möglich), jedoch sollte man nicht vergessen, das man bei den Bären diese Gaus bereits seit 20 Jahren erfolglos voraussagte (Soll jetzt nichts gegen Elliot Wave Analysen sein, nur eine Bemerkung am Rande).
In dem Chart ist ein Aufwärtstrendkanal eingezeichnet, den man aber immer mit Vorbehalt sehen muß, da es hier vielerlei Manipulationsmöglichkeiten gibt ( Ihr habt recht: Man kann natürlich alles manipulieren ;) ). Der Trendkanal wurde wieder nach oben verlassen.

Fazit
Man könnte aus diesem Chart jetzt relativ leicht die weiteren Kursziele nach unten nennen: 1343, 1100 oder noch tiefer. Man könnte auch sagen, das wir uns selbst bei Kursen um 1200 noch im langfristigen Aufwärtstrend befinden. ich halte dies für übertrieben.
Wenn man sich die vorangegangenen Korrekturen ansieht, so wurde mit dem Low bei ca. 1619 ein Niveau erreicht, was wir bereits im Jahre 1997 hatten (also 3-4 Jahre zurück), die Bodenbildung könnte sich aber noch eine Zeitlang hinziehen, sodas wir uns in einer Seitwärtsbewegung in den langfristigen Trendkanal hineinbewegen.


Wir bewegungen uns nun ein wenig in die nähere Vergangenheit, das der Chart gerade 1990 (Beginn der Rezession) anfängt, ist dabei reiner Zufall. ;) Ein Candle entspricht einem Monat.

http://suntrade.bluebull.com/mm_files/charts/2105-comp2.gif

Die "Rezessionsphase" ist der Ausgangspunkt für den nächsten Trendkanal (wiederum willkürlich), den wir im März 2001 nach unten verlassen haben. Die Aufwärtsbewegung wurde durch die grünen Retracements dargestellt (wir kämpfen also aktuell mit dem 61.8% Level) und die blauen Linien entsprechen einer Aufwärtsprojektion der Korrekturbewegung von 1990.
In dem Chart habe ich güne Pfeile (Mai steigende Kurse) und rote Pfeile (Mai fallende Kurse) eingezeichnet, die letzten Jahre gingen 7:4 für steigend aus.
Der MACD ist mal als kleiner Schocker hier eingebaut, man konnte wohl an kaum einem anderen Indikator die Blase so schön ausmachen. Unterstellt man, das der MACD sich wie ein Pendel bewegt, so dürften den Bären noch viele frohe Tage beschert sein. Die Stochastik ist im stark überverkauften (auch wesentlich stärker als 1990), aber sie hat sich ja auch im überkauften jahrelang halten können ;)
Das kleine Gap im Chart (zwischen 751 und 790) dürfte dann das absolute Bärenziel sein. ;)

Fazit
Persönlich halte ich den in diesem Chart eingezeichneten Aufwärtstendkanal für passender, da ich denke, das die technische Entwicklung heute in Wachstumsbereichen völlig andere Perspektiven und Chancen für gute Unternehmen bietet. Die Korrektur 1990 wurde mit einem ähnlich schwachen Boden beendet, insofern wäre es auch möglich, das wir in den Aufwärtskanal wieder eindringen, wobei wir hier dringend Kurse oberhalb von 2250 benötigen. Das Break des 61.8% Retracements könnte Luft geben bis zum 50% Retracement.
Bedenkt man aber die ungewisse wirtschaftliche Situation, so sollte man auch die andere Seite berücksichtigen, am besten orientiert man sich hier an den gestrichelten blauen Linien als mögliche Kursziele.

Ich denke aber (auch aufgrund der jetzt wieder veröffentlichen Zahlen in den USA), das wir die Low gesehen haben und gehe bei den nächsten Analysen davon aus, das die Lows da waren und wir versuchen nun mögliche Punkte für eine Bodenbildung zu finden und einfache Handels-Strategien hierfür zu finden.
Als erstes betrachten wir die Korrekturbewegung seit dem Top bei 5132.52, ein Candle entspricht einer Woche.

http://suntrade.bluebull.com/mm_files/charts/2106-comp3.gif

Auch in diesem Chart zwei Fibonacci Retracements (blau Abwärtsbewgung vom Top zum Low, violett die technische Zwischenkorrektur mit Double Top bei ca 4300), man sollte die Retracements als Support/Resistance mit in die Überlegungen mit einbeziehen.

In dem Chart habe ich mal wieder einen meiner beliebten (willkürlichen) Raff-Channels eingezeichnet, man sieht, das wir uns in einem sehr intakten Abwärtstrend befinden und wir aktuell mit der Regressionsgeraden (mittlere Linie) kämpfen. Was wir eigentlich für eine gesunde Aufwärtsbegung brauchen, ist ein "gesunde" Bodenbildung, dies muss aber nicht unbedingt ein Double Bottom sein, sondern kann auch z.B. eine inverse Schulter-Kopf-Schulter Umkehrformation sein.
Folgende Möglichkeiten sollen betrachtet werden:
a) Wir scheitern am Break der mittleren Geraden, fallen unter 2000 und bilden im Bereich von 1900-2000 eine kleine SHS Formation aus
b) Wir scheitern am Break der mittleren Geraden, fallen unter 1900 und bilden einen doppelten Boden oberhalb von 1600 aus.
Man kann auch eine etwas längere Seitwärtsbewegung annehmen, wodurch wir über die mittlere Gerade driften und dann Version a) oder b) nehmen. Diese Möglichkeiten enthalten auch den Fall des möglichen Double Tops bei 2200.

Diese beiden Möglichkeiten sind die vom technischen her am "liebsten" gesehen, wobei mir Methode a) mehrzusagt. Für Methode b) würde sprechen, das wir (die liebe Wellentheorie) im MACD noch kein adäquates Low zu dem High gesehen haben. Aus Sicht der Indikatoren hat es noch keine bullishe Divergenz gegeben, wie man sie bei einer Double Bottom Confirmation Strategie gerne sieht.

Da die Zukunft nicht voraussehbar ist, sollte man natürlich auch weitere Möglichkeit nicht ausser acht lassen.
c) Wir bilden eine große SHS Formation aus (rechte Schulter hellgrün). Diese Möglichkeit würde bedeuten, das wir an dem Break der oberen roten Trendlinie scheiten aber oberhalb von 2250 die rechte Schulter bilden.
d) Der Fall für die Superbullen. Wir brechen aus der oberen roten Trendlinie aus und bilden dann ausserhalb des Abwärtstrends zwischen 2250 und 2500 die rechte Schulter (dunkelgrün) aus.

Beide Möglichkeiten verlangen zwingend, das wir die beiden Retracements (blau: 23.6 mit Ziel 38.2 und violett mit 161.8 und Ziel 100)breaken, also definitiv oberhalb von 2250 kommen.


Um die betrachteten Möglichkeiten etwas näher zu untersuchen, schauen wir uns den Chart auf Tagesbasis an, um uns dann einfache Strategien zu überlegen.

http://suntrade.bluebull.com/mm_files/charts/2107-comp4.gif

Die letzte Aufwärtsbewegung (1619 - 2200) ist recht extrem gewesen, die normale technische Korrektur aber nicht stark genug ausgefallen ist. Wenn man sich das violette Retracement betrachtet, stellt man fest, das wir am 23.6% Level liegen, eine "normale" Korektur "müsste" aber bis wenigstens zum 38.2 oder 50% Level gehen. Zusätzlich lauert noch ein offenes Gap. Nach dem Gap down konnte die EMA 50 auf Schlusskursbasis nicht mehr gebreakt werden. Der nicht lineare Ehlers Filter ist bullish, jedoch liegt der Kurs nur noch knapp oberhalb.
Die beiden Stochastik Oszillatoren sollen verdeutlichen, das man bei unterschiedlichen Zeiteinstellungen recht gegensätzliche Aussagen erhalten kann:
Oben: Eher überverkauft, erste Kaufsignale (Einstellung: 5,3,3)
Unten: Eher überverkauft (Einstellung: 14,3,5)
Projection (letzte Aufwärtsbewegung) 161.8 bei 2555

Wir betrachten folgende Key- oder Pivotpunkte:
Gap zwischen 1923 und 1995
EMA 20: 1,990.32
2000 Punkte als psychologische Marke
EMA 50: 2,078.03; 0.11% unterhalb
Gap down: Beginn bei 2118.77
100% Retracement (hellblau) bei 2251

Wir befinden uns aktuell 0.11% unterhalb der EMA 50, ein kleines Gap Up könnte diesen Widerstand beseitigen, somit hätte man nun das erste spekulative Kaufsignal (sollte dann auch als Stop nutzen). Der nächste Widerstand liegt im Bereich 2120 bis 2135, da hier einige short gegangen sein dürften. Long Einstiege erst nach diesen Marken wieder sinnvoll, alternativ kann man auch short gehen. Die richtigen Widerstände kommen dann von 2200 bis 2300, long Einstiege auf diesem Niveau sind recht gefährlich.
Bei fallenden Kursen: Die 2000 dient als psychologische Marke, in diesem Bereich kann man spekulativ long Positionen mit engem Stop aufbauen, die nächsten Supports sind die EMA 20 (aktuell bie 1990.32), danach sollte man von einem schliessen des Gaps ausgehen, spekulativer Aufbau von long Position dann im Bereich 1923. Kurse unterhalb dieser Marke könnten dann auch zum schliessen des nächsten Gaps bei 1852 (zugleich 161.8% Retracement) führen. An dieser Marke könnte man wieder spekulativ long Positionen aufbauen.
Kurz: Ein Break der markanten Punkte (nach oben oder auch unten) kann zu einer Realisierung eines der Szenarien führen, ein signifikanter Break dieser Marken kann immer zu heftigen Kursbewegungen führen (um 9 Uhr Bär und um 10 Uhr Bulle oder umgekehrt).


Gesamtfazit
Wir haben weder von fundamentaler noch von technischer Seite ruhiges Fahrwasser. Den langfristigen Charts sollte man Kursziele (nach unten) entnehmen, falls sich die wirtschaftliche Situation nicht aufhellen sollte oder wir z.B. in eine Rezession schlittern. Es gibt (je nach Sichtweise) in meinen Charts zwei unterschiedliche (langfristige) Aufwärtstrend, den seit 1978 und den etwas steileren seit 1990, vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo dazwischen. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung kann es also eine sehr schmerzhafte (jahrelange) Seitwärtsbewegung (evtl. sogar Abwärtsbewegug) geben oder die Rückkehr in den steileren Aufwärtstrend ab 1990.
In den beiden kurzfristigeren Charts sieht man, das wir noch keine schöne Bodenbildung vollzogen haben. Ich habe ein paar Möglichkeiten durchgespielt, es gibt noch unendlich viele andere, ich denke aber, das man im Grundtenor damit leben kann. Ich habe auf bullishe und bearishe Keile und andere Formationen verzichtet, weil man sich in meinen Augen in diesen nervösen Zeiten besser an Chartmarken oder möglichen Kurzielen durch Projektionen/Retracements (Fibonacci, Elliot Wave) orientieren sollte.
Ein Einstieg mit Buy and Hold ist im Moment noch nicht zu empfehlen, man sollte auch keine der von mir angesprochenen Möglichkeiten preferieren, da die Märkte zu nervös auf News reagieren. Man sollte sich die Chartmarken oder Bereiche ansehen, und long Positionen erst nach einem Break eines Widerstands aufbauen (niemals vorher), idealerweise kann man auch noch einen Retest abwarten. Nach dem Break eines Supports sollte man besser immer vom Test des nächsten Supports ausgehen.

Aus meiner Sicht sollte man langsam beginnen, die Anlage-Strategie an die aktuelle Situation anzupassen. Als wir bei 1800 waren, sollte man nicht einsteigen, weil es ja noch so weit runter gehen kann. In den Medien hörte man dann, erst ab 2000 Punkte einsteigen, doch als man diese Marke dann nahm, war der Kursantieg auf einmal zu extrem gewesen und man sollte erst eine Konsolidierung abwarten. Das läßt sich beliebig fortführen. Es macht keinen Sinn, zu weit in die Zukunft zu denken und es nicht absehbar, ob es in den nächsten Jahren wieder einen solchen Bullenmarkt wie in der Vergangenheit geben wird. Wer kaufen will, sollte sich dem Markt anpassen. Es gilt, wichtige Punkte (Pivotpunkte, Keysupports, Widerstände) zu entdecken und je nach dem Kursverhalten an diesen Punkten seine Entscheidung zu treffen. Man kann nicht auf die 1700 in der Nasdaq warten, weil wir sie eventuell nie wieder sehen, genauso wenig Sinn macht es, erst bei einem Break von z.B. 2250 in den Markt einzutreten.
Genauso wie wir uns als Anleger uns auf die geänderten Bedingungen anpassen müssen, so müssen dies übrigens auch die Tradingsysteme machen (oder wir für sie).


Zum Abschluss noch den Jahreschart, hier sieht man, das man unter Voraussetzung eines Aufwärtstrends im Jahre 2010 Kurse zwischen 3000 und 9000 prognostozieren kann. ;)

http://suntrade.bluebull.com/mm_files/charts/2108-comp5.gif

Darum passt Euer Anlageverhaltem dem Markt an, denn nur dann werdet Ihr Erfolg haben.

Persönliches Schlusswort

Dieser Teil ist weder objektiv noch sollte man seine Entscheidungen aufgrund der nachfolgenden Einstellung treffen. Es spiegelt nur meine persönliche Meinung heute abend wieder, vielleicht würde oder müßte sich meine Einstellung bereits am Dienstag grundlegend ändern.

Time will tell :)

Nein, Spaß beiseite. Fangen wir mal mit den Aussichten für Montag an und betrachten hierzu noch etwas kürzere Einstellungen.

http://suntrade.bluebull.com/mm_files/charts/2109-comp6.gif

Sowohl im 30 als auch im 60 Minuten Chart sind wir aus einer Bull Flag nach oben ausgebrochen, wir liegen nur minimal unterhalb der EMA 50 (0.11%) und sollte in China/Japan kein Fahrrad umfallen oder die europäischen Börsen eine Schwächeanfall erleiden könnten mit einem kleinen Gap up schon recht massive Widerstände überbrückt werden. Ein weiterer positiver Aspekt ist der Open Interest, der auf eine positive Eröffnung schliessen lässt.
Der Handelstag am Freitag war aufgrund der letzte Stunde sehr bullish, da Investoren das Risiko eingegangen sind, Positionen über das Wochenende offen zu halten. Auch kann man die gesamte letzte Woche als sehr positiv bezeichnen, da wir nicht massiv verloren haben (Ich erinnere an die Retracements nach dem heftigen Anstieg vom Low), wir haben den Support bei 2000 nicht einmal ernsthaft getestet. Wir haben eine (fast zu) schwache Konsolidierung gesehen.
Den 30 und 60 Minuten Charts kann man zudem weitere wichtige Marken entnehmen, vor allen Dingen den starken Support im Bereich 2050 und den sehr starken Widerstand von 2085 bis 2100.
Somit könnte man am Montag spekulativ Long Position eingehen, die man aber unbedingt (!!) als Tradingpositionen betrachten sollte. Sollte ein Break der Marke von 2100 gelingen lag man richtig und es könnte in Richtung zum nächsten stärkeren Widerstand bei 2175, kommt es zu einem Verkauf in eine mögliche schäckere Eröffnung (sell the open) kann man z.B. bei 2050 spekulativ long gehen . Die Charts sind bewußt von quotes.lycos.com, da man hier die Entwicklung der Indizes in Realtime kostenlos miterleben kann und so eine weitere Orientierungsmöglichkeit hat. Auch ist es nicht verkehrt, die Eröffnung abzuwarten und in eine Schwächeperiode hineinzukaufen (Buy the dip), diese Strategie war z.B. am Freitag noch halbwegs profitabel, während ein Kauf in positive Eröffnung wohl eher mit Tränen endete.

Ich sprach kurz vorher von Tradingpositionen und das nicht ohne Grund. Wir feiern (bildlich gesprochen) eine Party im Haus der Bären und die Freude der Bullen wird immer lauter (zu laut?), alle hoffen, das es die Abschlussparty für die Bären ist, doch ganz so einfach wird das nicht sein. Die ersten Bullen verlassen die Party (Gewinnmitnahmen) und warten jetzt erst einmal auf günstigere Einstiegskurse. Was wir also brauchen (um neue Bullen zu bekommen), sind Appetitanreger. Hierzu haben wir noch ca 2 Wochen Zeit: Die Earningssaison ist noch am laufen und es besteht die Hoffnung, das am 15 Mai die Zinsen noch einmal gesenkt werden. Insofern ist es also durchaus legitim, das man noch zwei Wochen an der Party als Gast (Trading) teilnimmt. Obwohl sie auch jederzeit ein abruptes Ende finden kann: Stopkurse (!!).
Sollte es am 15. Mai nicht weiteren Bölkstoff in Form von 50 Basispunkten geben, werden einige aus Frust direkt aussteigen, andere nach dem Motto "Buy the rumour, Sell the news" folgen. Von Unternehmensseite ist danach mit wenig positiven News zu rechnen und insofern werden viele weitere die Party verlassen (noch mehr Gewinnmitnahmen)

Wenn man die Earningssaison passieren läßt, so konnten zwar die meisten Unternehmen die stark revidierten Zahlen treffen, aber die weiteren Ausblicke waren in der Regel doch sehr besorgniserregend. Weitere Senkungen der Ertragsprognosen, Entlassungen oder die Unfähigkeit einer genauen Prognose lassen eher darauf schliessen, das wir (frühestens) im 4. Quartal hier deutliche Erleichterung verspüren werden. Das GDP von 2% wurde als sehr euphorisch aufgefasst, es ist aber davon auszugehen, das wir hier noch weiter im Laufe des Jahres abfallen (auch auf evtl. Revisionen achten), das Verbrauchervertrauen ist weiter am fallen und die Arbeitslosenzahlen werden bis zur Mitte des Jahres wohl noch deutlich ansteigen. Ich möchte diese fundamentale Seite nicht ausführlicher abhandeln, hier könnte man ansonsten Romane verfassen. Man sollte aber diesen Aspekt in eine mittelfristige Anlagestrategie mit einfliessen lassen.
Man sollte aber auch berücksichtigen, das die Börse die wirtschaftliche Entwicklung zeitversetzt abbildet (ca 6-9 Monate im voraus). !!!

Werfen wir jetzt noch einen Blick auf die kurstechnischen Entwicklungen der Aktien, hierzu mal ein schönes Beispiel aus dem Storage Bereich:

http://suntrade.bluebull.com/mm_files/charts/2110-emlx.gif

Der Kurs von knapp 12$ war ziemlich überzogen in meinen Augen, allerdings ist der jetzige Kursanstieg (unter Berücksichtigung der fundamentalen Daten von EMLX) etwas überzogen. Die wenigsten Investoren würden in diesen steilen Aufwärtstrend noch hineinkaufen, sondern man würde in einer Konsolidierungsphase einsteigen ( Einstieg bei S(upport)Bereichen, man achte hier auch auf die von mir erwähnten möglichen Formen der Bodenbildung in der Nasdaq). Ein Trader oder trendfolgende Tradingsysteme (die weniger auf die Bewertung achten)haben aber kein Problem, die Aktie long zu kaufen. Also: Trading !!!

Allgemeiner könnte man sagen, das sehr viele Aktien ein Niveau erreicht haben, wo (eigentlich) kein Investor mehr unbedingt einsteigen muß (Es gibt natürlich Ausnahmen).
Viele Aktien sind (aus fundamentaler Sicht) sogar auf einem Niveau angekommen, wo selbst das Wort Überbewertung noch schmeicheln würde (z.B. HGSI und Konsorten). Hiermit soll jetzt nicht die Biotechnologie im allgemeinen verdammt werden, nur gibt es gerade in diesem Bereich einige größere Bewertungsdiskrepanzen und sogar eine Genzyme (nettes Splittplay ;) ) ist auf diesem Niveau alles andere als preiswert.

Schluss:
Ich denke, das wir die Lows gesehen haben. Nur denke ich, das wir noch keinen Boden gefunden haben, damit Investoren einsteigen (siehe z.B. Emulex, die Kurssteigerungen waren zu extrem). Wo eine Bodenbildung stattfindet, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Also Anfang Mai evtl. noch im Zuge der Earningsseason und einer mögl. Zinssenkungsralley steigend und danach in Richtung Süden. Je nach wirtschaftlichen Aussichten (den Vorlauf der Börse nicht vergessen) und dem Punktestand der Indizes gehe ich dann von einer Bodenbildung im Bereich zwischen 1800 und 2250 aus.
Man sollte den Markt beobachten und bei der Auswahl der Aktien das Segment nicht ausser acht lassen. Eine Corning ist fundamental fair bewertet, der Glasfaserbereich hat aber Probleme, ebenso der Netzwerkbereich. Es gibt Analysten die noch von einer mind. einjährigen Bodenbildung ausgehen. (Man sollte hier z.B. auf die Entwicklung der Lagerbestände achten). Es gab Aktien, die sehr positiv überascht haben (z.B. Peoplesoft, Quest Software, Verisign), in diesem Fall Aktien aus dem Softwarebereich. Der Storage Bereich und auch der Biotechbereich erfreuen sich hoher Beliebtheit und darum könnte man sich auch aus diesen Segmenten profitable Aktien aussuchen und nach einer Konsolidierung oder Bodenbildung einsteigen. Das Internet (siehe Verisign) ist noch nicht tot, auch hier gibt es Valueplays.
Als Investor sollte man jetzt beginnen und sich eine Watchlist mit profitabeln Unternehmen aus Segmenten mit Perspektive erstellen und in diese Aktien bei Schwäche investieren. Man sollte Wert auf Profitabilität legen, aber nicht nur auf KGV oder PE achten. Und nicht vergessen: Auch wenn der Index fällt, müssen nicht alle Aktien fallen.

Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Euren Anlageentscheidungen. Trade the trend. :)

;) Solution ;)

Trüffelschwein
30.04.2001, 02:34
Hallo Chris,

wow, ich bin hin und weg. Danke!!!

Ich glaube übrigens an die "große" SKS (Szenario d), aber vielleicht ist es klug, mich als Kontraindikator zu betrachten ;). Ich erwarte im Biotech-Bereich einen interessanten Newsflow, der die Kurse treiben könnte. Schaun mer mal!

Ciao, Trüffelschwein

Silke
30.04.2001, 06:16
moin Chris,

das soll nicht objektiv genug sein???? ;) In meinen Augen ist Deine Analyse phänomenal Objektiv ;) ! Großartig und vielen Dank. :D

MM

Gert
30.04.2001, 06:26
Hi Chris,

kann mich nur den Vorrednern anschliesen, super Einschätzung von dir!


Gert;)

TotalStock
30.04.2001, 08:17
Hi Chris und ich surf das ganze Wochenende im Internet rum um dann bei Stock-channel von Dir so eine tolle Arbeit zu finden... geat... weiter so...

foxy
30.04.2001, 09:14
hi chris,
wirklich super, bin mal gespannt, wie lange du diese meinung vertretest ;)
nochmals danke für die mühe
foxy

hoppel
30.04.2001, 14:27
Hallo Chris,

die Analyse muss man unbedingt ausdrucken. Einfach Super! Vielen Dank fuer Deine super Arbeit!

Steffen

LISA
30.04.2001, 19:46
Hallo Chris,

Kompliment! Absolut professionell! Und wir alle wissen,
wieviel Zeit, Arbeit und Passion dahinter steckt!
Ich glaube, wir würden uns ausnahmslos alle freuen,
Deine Analysen öfters hier zu sehen :) Ganz besonders
auch für die Trader unter uns, die zur Zeit wegen der
ungewöhnlichen Marktlage (fundamentals pfui, Aktien-
kurse hui) Schwierigkeiten haben, geeignete Ein- und
Ausstiegspunkte optimal zu nutzen...

Vielen Dank.

Lisa, weiterhin tradend ;)