Ralph
28.01.2001, 10:38
IWF rät Europa zur Zinssenkung
Der stellvertretende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Stanley Fischer, hat sich am Samstag auf dem Wirtschaftsforum in Davos für eine Zinssenkung in der Euro-Zone ausgesprochen. Die befürchteten Ausschreitungen beim Wirtschaftsforum sind ausgeblieben.
Trotz der Wachstumsverlangsamung in Europa in den vergangenen beiden Quartalen seien die Aussichten für ein Anziehen der Konjunktur in diesem Jahr gut, sagte Fischer. Die nachlassende Nachfrage aus den USA und der starke Euro würden sich aber bemerkbar machen. "Es gibt Raum für Zinssenkungen", sagte er.
Der IWF werde seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft möglicherweise von 4,2 Prozent auf rund 3,5 Prozent revidieren, vor allem auf Grund der Konjunkturabkühlung in den USA. "Von einer globalen Rezession sind wir aber weit entfernt", sagte Fischer. In den USA sei im zweiten Halbjahr mit einem Anziehen der Wachstumsrate zu rechnen, für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 2,5 Prozent.
Eichel sieht Konjunkturabkühlung gelassen
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sieht die Konjunkturabkühlung in den USA ohne große Sorge. "Wir sollten die Tatsachen nicht dramatisieren." Die Aussichten für eine weiche Landung seien gut, sagte er im Gegensatz zu mehreren Wirtschaftsprofessoren, die in Davos von immer mehr Anzeichen für eine harte Landung sprachen.
Die Abkühlung in den USA werde auch die Euro-Länder treffen, sagte Eichel. Dennoch seien die Aussichten für die Euro-Zone gut. Mit einem erwarteten Wachstum von rund drei Prozent sei Europa durchaus in der Lage, die Weltwirtschaft mitzuziehen. Die Strukturreformen in der Euro-Zone seien längst nicht abgeschlossen. Europa sei aber auf dem richtigen Weg.
Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer sagte im Hinblick auf die US-Konjunktur: "Ich bin dankbar, dass nach langem Zögern die Wahrheit endlich an den Tag kommt." Die USA hätten zwei Quartale erlebt, die einer Rezession nahe kommen. Ob es im zweiten Halbjahr aufwärts geht, hänge davon ab, ob die geplanten Steuersenkungen zügig genug umgesetzt würden.
Vorwürfe der asiatischen Regierungschefs
Asiatische Staats- und Regierungschefs machten auf dem Forum die Globalisierung für die Finanzkrise in ihren Ländern Ende der 90er Jahre verantwortlich. Ohne jede Regulierung führe die Globalisierung sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene zu einer Verbreiterung der Kluft zwischen Arm und Reich, sagte der ehemalige philippinische Präsident Fidel Ramos. Der japanische Ministerpräsident Yoshiro Mori erklärte, die wirtschaftliche Erholung seines Landes sei nahezu abgeschlossen.
Überwiegend friedliche Demonstrationen
Ungeachtet eines Demonstrationsverbots protestierten zwar mehrere hundert Menschen in dem Schweizer Skiort gegen das Forum. Zu den befürchteten Sachbeschädigungen kam es jedoch nicht. Am Marsch zum Kongresszentrum wurden die Demonstranten von der Polizei mit Wasserwerfern gehindert, die Kundgebung löste sich langsam auf.
Im nahe gelegenen Landquart kam es allerdings zu heftigeren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Beamten setzten Tränengas und Gummigeschosse gegen rund 600 teils vermummte Forumsgegner ein. Auch mit Sitzblockaden auf zwei Autobahnen protestierten die Globalisierungsgegner gegen das Weltwirtschaftsforum. Davos war weiträumig abgeriegelt, der Zugverkehr blieb für zehn Stunden eingestellt.
© dpa
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Ralph
Der stellvertretende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Stanley Fischer, hat sich am Samstag auf dem Wirtschaftsforum in Davos für eine Zinssenkung in der Euro-Zone ausgesprochen. Die befürchteten Ausschreitungen beim Wirtschaftsforum sind ausgeblieben.
Trotz der Wachstumsverlangsamung in Europa in den vergangenen beiden Quartalen seien die Aussichten für ein Anziehen der Konjunktur in diesem Jahr gut, sagte Fischer. Die nachlassende Nachfrage aus den USA und der starke Euro würden sich aber bemerkbar machen. "Es gibt Raum für Zinssenkungen", sagte er.
Der IWF werde seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft möglicherweise von 4,2 Prozent auf rund 3,5 Prozent revidieren, vor allem auf Grund der Konjunkturabkühlung in den USA. "Von einer globalen Rezession sind wir aber weit entfernt", sagte Fischer. In den USA sei im zweiten Halbjahr mit einem Anziehen der Wachstumsrate zu rechnen, für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 2,5 Prozent.
Eichel sieht Konjunkturabkühlung gelassen
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sieht die Konjunkturabkühlung in den USA ohne große Sorge. "Wir sollten die Tatsachen nicht dramatisieren." Die Aussichten für eine weiche Landung seien gut, sagte er im Gegensatz zu mehreren Wirtschaftsprofessoren, die in Davos von immer mehr Anzeichen für eine harte Landung sprachen.
Die Abkühlung in den USA werde auch die Euro-Länder treffen, sagte Eichel. Dennoch seien die Aussichten für die Euro-Zone gut. Mit einem erwarteten Wachstum von rund drei Prozent sei Europa durchaus in der Lage, die Weltwirtschaft mitzuziehen. Die Strukturreformen in der Euro-Zone seien längst nicht abgeschlossen. Europa sei aber auf dem richtigen Weg.
Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer sagte im Hinblick auf die US-Konjunktur: "Ich bin dankbar, dass nach langem Zögern die Wahrheit endlich an den Tag kommt." Die USA hätten zwei Quartale erlebt, die einer Rezession nahe kommen. Ob es im zweiten Halbjahr aufwärts geht, hänge davon ab, ob die geplanten Steuersenkungen zügig genug umgesetzt würden.
Vorwürfe der asiatischen Regierungschefs
Asiatische Staats- und Regierungschefs machten auf dem Forum die Globalisierung für die Finanzkrise in ihren Ländern Ende der 90er Jahre verantwortlich. Ohne jede Regulierung führe die Globalisierung sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene zu einer Verbreiterung der Kluft zwischen Arm und Reich, sagte der ehemalige philippinische Präsident Fidel Ramos. Der japanische Ministerpräsident Yoshiro Mori erklärte, die wirtschaftliche Erholung seines Landes sei nahezu abgeschlossen.
Überwiegend friedliche Demonstrationen
Ungeachtet eines Demonstrationsverbots protestierten zwar mehrere hundert Menschen in dem Schweizer Skiort gegen das Forum. Zu den befürchteten Sachbeschädigungen kam es jedoch nicht. Am Marsch zum Kongresszentrum wurden die Demonstranten von der Polizei mit Wasserwerfern gehindert, die Kundgebung löste sich langsam auf.
Im nahe gelegenen Landquart kam es allerdings zu heftigeren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Beamten setzten Tränengas und Gummigeschosse gegen rund 600 teils vermummte Forumsgegner ein. Auch mit Sitzblockaden auf zwei Autobahnen protestierten die Globalisierungsgegner gegen das Weltwirtschaftsforum. Davos war weiträumig abgeriegelt, der Zugverkehr blieb für zehn Stunden eingestellt.
© dpa
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