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Vollständige Version anzeigen : Etwas für den Sonntag: UMTS und die Mega-Frauenpower


Joerg
06.05.2001, 17:02
Allen einen schönen Sonntag,
einen interessanten Artikel über die Nokia-Vorstandsfrau hat die ftd in Ihrer heutigen Ausgabe gebracht. Gefällt mir wie die eiserne Lady wie Don Quichotte gegen die Weicheier in der UMTS Frage ihren Kampf führt. Durchhalten, lautet die Parole. Interessant auch dieser sechsmonatige Austritt. Diese reisenden Frauen ...
Joerg :hihi

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Aus der FTD vom 7.5.2001
Sari Baldauf: UMTSingelt von Zweiflern
Von Juha Päätalo

Kurz vor dem Sprung in die nächste Mobilfunk-Technologie bekommen viele Branchenexperten weiche Knie. Nicht die Nokia-Managerin. Sie führt den Konzern in ein neues Zeitalter.

Sari Baldauf


Düsseldorf ist ganz schön klein: vielleicht zwanzig Quadratmeter, in der Mitte ein mit belegten Brötchen beladener Tisch und fünf, sechs Stühlen drum herum. Düsseldorf ist einer der vielen Besprechungsräume in dem futuristischen Nokia-Gebäude aus Glas, Holz und Metall. Sie sind alle nach Orten benannt, in denen Nokia seine Geschäftsstellen hat. Ob Neu-Delhi oder Buenos Aires - in der Nokia-Welt sind sie nur ein paar Schritte voneinander entfernt und haben alle einen wunderbaren Blick auf die Ostsee, in der heute die Sonne badet.

Wenn Sari Baldauf in Düsseldorf erscheint, in azurblauem Kleid mit goldfarbenem Reißverschluss am Dekolleté, kehrt Eleganz in die Nokia-Welt ein. Ein kurzes Lächeln, kein Smalltalk. Die Präsidentin von Nokia Networks, der Infrastruktursparte des finnischen Mobilfunk-Konzerns, kommt schnell zur Sache. Geschäft. Sie redet mit Vorliebe über das Geschäft. Es geht um die nächste Handy-Generation. "Ja, mit UMTS werden die Karten neu gemischt. Es ist ein neues Spiel", sagt sie.

Weiche Knie

Zwei Jahre lang haben alle voller Euphorie über diese Zukunftstechnik gesprochen, die wie ein berauschender Bungee-Sprung in die schöne neue Mobilfunk-Welt werden sollte. Nun aber, da der Sprung näher rückt, bekommen viele weiche Knie. An der Börse wurde die Nokia-Aktie heruntergeprügelt wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Plötzlich sehen alle in UMTS nur Risiken. Baldauf hat trotzdem keine andere Wahl. Nokia hat Milliarden in die Entwicklung investiert. Nun muss die Topmanagerin springen. Ohne zu wissen, wie die neue Mobilfunkwelt im Detail aussieht, ob die Konsumenten sie überhaupt wollen und die Anleger daran glauben.


Vor zehn Jahren war sie schon mal in einer ähnlichen Situation. Da bereiste die junge Nokia-Managerin die ganze Welt als Missionarin für die heutige digitale Mobilfunk-Technologie GSM und bereitete den Bossen von Ericsson und Motorola, die lange an die analoge Technik glaubten, manch schlaflose Nacht. GSM eroberte schließlich Europa, dann Asien. Gerade ist Amerika dran. Prozent für Prozent sicherte sich Nokia auch Marktanteile in der Netzinfrastruktur. Unglaublich schnell entwickelte sich der Konzern vom konkursreifen Nischenanbieter zur neuen Handy-Weltmacht.

Drittmächtigste Frau

Gleichzeitig stieg Sari Baldauf bis in den Vorstand von Nokia auf. So weit oben steht keine andere Frau im Telekombusiness. Das US-Magazin "Fortune" kürte sie im Oktober 2000 zur drittmächtigsten Frau außerhalb der USA. "Für mich ist der Erfolg von Nokia das Wichtigste", sagt die 46-Jährige. "Es ist das Team, das die Dinge zum Laufen bringt, nicht der Einzelne. Außerdem gibt es in der Wirtschaft keine eigene Liga für Frauen." Das klingt nach Understatement, hat bei Nokia aber Methode. Nach amerikanischer Traumvorstellung wäre Baldauf längst die Königin im Mobilfunkschloss. Das Nokia-Reich jedoch gleicht keiner Monarchie, sondern eher einer Art spartanischer Volksrepublik.

Keiner der Topmanager darf sich den Erfolg einer Sparte als eigenen Verdienst zuschreiben. Das unterstreicht das Rotationsprinzip. Sogar die heutigen Vorstände, vom obersten Chef Jorma Ollila mal abgesehen, haben immer wieder die Aufgabe gewechselt, damit der Alltag sie nicht einlullt. Bevor Baldauf 1998 Präsidentin von Nokia Networks wurde, leitete sie zwei Jahre lang die Geschäfte im asiatisch-pazifischen Raum. Heute noch kümmert sie sich nebenbei um das China-Geschäft. Im Vorstand gehört sie zum harten Kern jener fünf Manager, die das Nokia-Schiff täglich um die Klippen des immer stürmischer werdenden Mobilfunk-Marktes steuern.

Der Vorstand ist das Politbüro des Unternehmens, das alle Entscheidungen gemeinsam trifft. Es hat sich allmählich zu einer Festung der Macht entwickelt. Die fünf Schlüsselfiguren des Vorstands - Baldauf genauso wie Vorstandschef Ollila, Finanzvorstand Kallasvuo, Mobile-Phones-Präsident Alahuhta, Nokia-Ventures-Chef Ala-Pietilä - fingen nicht nur alle in den 80er Jahren bei Nokia an. Sie waren zu dieser Zeit auch alle unter 30. Heute sind sie um die 50 - und werden voraussichtlich noch lange im Geschäft bleiben. Nach außen entsteht oft der Eindruck, dass diese Truppe wie eine verschwörerische Sekte zusammenhält. Keiner von ihnen mag die Öffentlichkeit, und die Klatsch-Blätter erst recht nicht. Als ob Mediengeilheit die achte Todsünde wäre und die kleinsten Auswüchse dieser Art in wöchentlichen Sitzungen ausgepeitscht würden.

Versucht man, Mitarbeiter zu fragen, wie Sari Baldauf wirklich ist, schweigen alle. Selbst anonym wollen sie nichts sagen - aus Angst vor einem Karriereknick? Jedenfalls erscheinen die Nokia-Vorstände wie die fleischgewordene Selbstverneinung. Die Neugier der Finnen werden sie dennoch nicht los. Sie gelten als mystische Figuren, die fast im Alleingang die finnische Wirtschaft vor der tiefen Rezession der frühen 90er Jahre retteten und einem ganzen Land neues Selbstvertrauen gaben.

Fleischgewordene Selbstverneinung

Am geheimnisvollsten ist Sari Baldauf. Nur so viel ist über sie bekannt: Sari Maritta Baldauf wurde am 10. August 1955 in Kotka an der Südküste Finnlands geboren. Ihr Mädchenname war Niiranen. Sie hat irgendwann einen Mann namens Baldauf geheiratet, den keiner mehr kennt. Heute ist sie geschieden. Eine Internet-Suchmaschine wirft magere 282 Treffer aus, wenn man den Namen Sari Baldauf eintippt. Zu der wohl mächtigsten Frau der Weltwirtschaft, der Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina, gibt es 15.000 Einträge, zu Madonna über eine Million. Trotzdem verrät das Web Interessantes über Baldauf: Auf einer Frauenseite in Nicaragua steht sie als ermunterndes Beispiel dafür, dass auch Frauen in hohen Positionen etwas leisten können. Auf einer Seite von aggressiven US-Feministinnen werden ihr Taktiken gegen die Männerdominanz angedichtet, von denen auch andere Frauen was lernen könnten. Von wem auch immer diese Informationen stammen mögen - gewiss nicht von Sari Baldauf.


Zuletzt hat die Presse wiederholt spekuliert, ob sie zum angeschlagenen finnischen Mobilfunkanbieter Sonera wechseln wird. "Diese Gerüchte haben absolut keine Grundlage", entgegnet Baldauf. Aber wird der Alltag nach all den Jahren nicht doch zu eintönig, zumal es bei Nokia praktisch keinen Aufstiegsposten mehr gibt, der greifbar nahe scheint? "In dieser Industrie gibt es keinen richtigen Alltag", sagt sie. "Der Mobilfunkmarkt ändert sich so schnell, dass es gefährlich wäre, wenn man sich daran gewöhnen würde."


Zumindest einmal, nachdem sie GSM zum weltweiten Standard verholfen hatte, sah es so aus, als wäre ihr alles zu viel geworden. 1996 nahm sie eine Auszeit von sechs Monaten, fuhr Ski in den Alpen, reiste durch die USA, verbrachte viel Zeit in ihrem Sommerhäuschen und las. Später sagte sie mal: "Es hat mir gut getan, nur Sari zu sein und nicht Sari von Nokia." Alle dachten damals, dass ihre Karriere vorbei ist. "Es war eine sehr wichtige Zeit, um neue Perspektiven zu gewinnen", sagt die Kurzaussteigerin heute.


In den wenigen Momenten, wenn sie etwas persönlicher wird, kommt eine gewisse Traurigkeit in ihre Augen. Für eine kurze Zeit wirkt die Geschäftsfrau Baldauf dann wie ein kleines Mädchen, das im Kaufhaus seine Eltern verloren hat. Schüchtern und ängstlich sieht sie dann aus. Aber warum? Während Vorstand Ollila bisweilen über seine zwei Söhne und den Stellenwert der Familie schwärmt, schweigt Baldauf komplett zu ihrem Privatleben. Vielleicht, weil es das gar nicht gibt. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass ihre richtig große Liebe Nokia gehört. Wenn sie davon erzählt, wie sie eine Woche mit ihren zwei Neffen Ski fahren war und der eine dann mit seinem Laptop im Internet surfen wollte, möchte sie eigentlich nur sagen, dass sie persönlich fast nie Zeit zum Surfen hat. Gleichzeitig erfährt man aber auch, wie weit sie davon entfernt ist, was für ihre männlichen Kollegen als Familienväter Alltag ist. Statt eigener Kinder hat Baldauf einen Sitz im Vorstand der Jugendorganisation International Youth Foundation. "Junge Menschen liegen mir am Herzen, weil die Zukunft von ihrem Wohlbefinden abhängt", sagt sie. "Ich bin froh, dass ich hier helfen kann."

Wettbewerb nie unterschätzt

Nur ein kurzes Abschweifen. Da ist sie wieder, die starke Geschäftsfrau. Die Chefin des Mobilfunkriesen, die sich zum Ziel gesetzt hat, 35 Prozent vom Weltmarkt für UMTS-Netze zu erobern. Die keine Angst vor Zukunft hat und schon gar nicht vor Konkurrenz. "Wir wollen nicht arrogant sein, wenn neue Konkurrenten in den Ring steigen. Wir haben den Wettbewerb nie unterschätzt", sagt sie selbstbewusst. "In vielerlei Hinsicht hält er uns auch in Bewegung." Und wie. Vorbei sind die ruhigen Zeiten Ende der 80er Jahre, als sie in dem Nokia-Anwesen "Batvik" noch allzu oft allein in der kleinen roten Frauensauna hocken musste und die lauten Diskussionen der männlichen Kollegen auf der anderen Seite der Wand nur hören konnte. Nun, da es der Zeitmangel den Nokia-Managern kaum noch erlaubt, in die Sauna zu gehen, kann sie die einsamen Momente sogar genießen. "Da bin ich froh über meine kleine rote Sauna. Dort finde ich die Gelegenheit, auszuruhen und nachzudenken." Das ist einer dieser seltenen Momente, in denen die Privatperson Baldauf noch existiert.

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NOKIA


Geschichte Nokia wurde 1865 als Zellstofffabrik gegründet. Für Finnen war der Name Nokia deshalb lange mit Klopapier und Gummistiefeln verbunden. Der Konzern wurde nach der Fast-Pleite Anfang der 90er Jahre vom heutigen Vorstand Ollila komplett umgebaut.


Zahlen Im Jahr 2000 erzielte Nokia einen Umsatz von über 30 Mrd. Euro, der Gewinn vor Steuern lag bei 5,9 Mrd. Euro. Nokia ist der mit Abstand profitabelste Mobilfunk-Hersteller der Welt und an der Börse rund 170 Mrd. Euro wert.


Nokia Networks Rund 23.000 von 60.000 Nokia-Mitarbeitern weltweit sind in der Infrastruktursparte beschäftigt. Diese erzielte 2000 rund 7,8 Mrd. Euro Umsatz und 1,36 Mrd. Euro Gewinn.


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SARI BALDAUF


Ausbildung Die Finnin schloss 1979 ihr BWL-Studium an der Handelshochschule in Helsinki ab. Danach arbeitete sie zwei Jahre für das finnische Exportinstitut und weitere zwei Jahre für das US-Telekommunikationsunternehmen Falcon Communications in Abu Dhabi.
Karriere 1983 stieg sie bei Nokia als Planning Manager ein. Nach einer Zwischenstation in New York leitete sie Anfang der 90er Jahre die Abteilung Cellular Networks. Von 1996 bis 1998 war sie Chefin für Nokias Asien-Geschäft, bis sie am 1. Juli 1998 Präsidentin von Nokia Networks wurde.
Persönliches Die 46-Jährige fährt gern Ski, mit Vorliebe in den Alpen. Sie ist geschieden und lebt allein. Mehr gibt sie über ihr Privatleben nicht preis.