PDA

Vollständige Version anzeigen : Rentenmärkte und Euro


Eliska
19.05.2001, 09:21
Die Europäische Zentralbank wartet nun wöchentlich mit Überraschungen
auf:

Letzte Woche die nicht erwartete Leitzinssenkung und die Informa-
tion, daß die Geldmenge M3 verzerrt war, im neuen Monatsbericht Mai
verweist die EZB jetzt ausdrücklich darauf, daß der Zinssenkungs-
beschluß "als eine Anpassung des Zinsniveaus an einen etwas geringeren
Inflationsdruck auf mittlere Sicht zu verstehen" ist.

Nachdem drei
Sonderentwicklungen - die Folgen der Maul- und Klauenseuche, die indi-
rekten Effekte der Ölverteuerung und die vorangegangene Euroschwäche -
die Preisentwicklung ebenfalls verzerrrt hätten und diese Wirkungen
"im Jahresverlauf allmählich abklingen", öffnet die EZB durch diese
Darstellungen den Finanzmärkten die Tür zu Spekulationen über weitere
Zinssenkungen.

Unter diesen Rahmenbedingungen und Aussagen wird die
EZB mit ihrem Tun und Lassen in den nächsten Monaten von den Märkten
gemessen werden. In den nächsten Monaten wird sich die Zinsstruktur-
kurve am Euro-Rentenmarkt weiter verschieben. Wir gehen davon aus, daß
die Geldmarktzinsen im Bereich bis zu einem Jahr kontinuierlich
zurückgehen werden. Wir rechnen mit einem Rückgang von momentan
4,4 % auf 4,0 %.

Je nach Aktion der EZB wird der längere Laufzeitenbereich
sehr sensibel auf die Geldpolitik reagieren. Wird die künftige EZB-Politik als wenig kalkulierbar eingestuft, dann dürfte die Risikoprämie höher ausfallen und somit die Renditen beispielsweise im zehnjährigen Laufzeitenbereich von aktuell 5,1 % auf bis zu 5,5 % steigen.

Die Kapitalmarktrendite um 5 % in Deutschland wird nicht mehr signifi-
kant unterboten werden. Die Rentenkurse sind nach dem "Schwarzen
Freitag" der Vorwoche auf Konsolidierungskurs eingeschwenkt. Wir
empfehlen Festgelder oder Laufzeiten von bis zu zwei Jahren. Ein
Einstig in längere Laufzeiten drängt sich noch nicht auf.

Der Euro zeigte sich noch "EZB-geschädigt". Der nächste Support
verläuft um 0,87 USD. Die Widerstände sehen wir bei 0,89 sowie 0,93
und 0,96 USD.

Die US-Notenbank überraschte die Märkte - im Gegensatz zur EZB - durch
die Senkung des Tagesgeldsatzes (Fed Funds Rate) um 50 Basispunkte auf
4,0 % nicht. Die Reaktion des Bondmarktes war erwartungsgemäß positiv.
Denn die eigentlich negativ vom Rentenmarkt gesehenen Zinssenkungen
der Fed, die ein mögliches Aufflackern der Inflation befürchten
lassen, wurden die Woche davor bereits mit sinkenden Rentenkursen
gepreist. Am Aktienmarkt hatte die Zinssenkung einen durchschlagend
positiven Erfolg. Hier macht sich nun der DOW auf den Weg zu neuen Hö-
hen. Die Konjunkturdaten und -perspektiven lassen ein bis zwei weitere
Zinssenkungen im Ausmaß von 25 bis 50 Basispunkte für die nächsten
drei Treffen des Offenmarktausschusses (FOMC) am 26./27. Juni, 21.
August bzw. 2. Oktober erwarten.

Solange die Fed eine solch expansive Zinspolitik betreibt, solange bleiben die Rentenkurse unter Druck.
Bis auf weiteres heißt dies also, daß die Zinsen ab dem zweijährigen Lauf-
zeitenbereich weiter steigen werden. Bei den 30jährigen Treasury-Bonds
erwarten wir eine Renditeanstieg von jetzt 5,75 % auf ein Niveau zwi-
schen 6,00 % und 6,25 %. Dort dürfte in etwa die Spitze erreicht sein.

www.consors.de