PDA

Vollständige Version anzeigen : Schlechte Noten für Raps im Tank


Sascha
08.02.2001, 18:16
Schlechte Noten für Raps im Tank

Tests mit so genannten Umwelttaxis in Schweden zeigen,
dass die normale Motortechnik mit Rapsöl schlecht
klarkommt. Studien lassen vermuten, dass es auch mit der
Ökobilanz des vermeintlich umweltfreundlichen Treibstoffs
nicht weit her ist

aus Stockholm REINHARD WOLFF

Dass Rapsöl kein idealer Treibstoff ist, weiß Taxifahrer Benjamin
Noorizadeh spätestens seit diesem Winter: "Das ist ein Elend!
Wenn es kalt ist, kleistert Rapsöl sich regelrecht im Motor fest."
Nicht nur in seinem Taxi, sondern auch in den anderen 25 so
genannten Umwelttaxis in Stockholm, die probeweise mit
Rapsmetylester (RME) fuhren, ist der Biotreibstoff mittlerweile
wieder gegen normalen Diesel ausgetauscht worden.

Schon im Frühjahr sollen alle Fahrzeuge durch gasgetriebene
ersetzt werden - und das nicht nur wegen der technischen
Probleme. Die Stadtverwaltung hat Taxis mit Rapsantrieb ein
wichtiges Privileg gestrichen: Die bevorzugten Plätze für
Umwelttaxis werden in Zukunft nur noch für solche mit Gas- und
Elektroantrieb freigehalten.

Rund tausend rapsölgetriebene PKWs waren in den letzten
Jahren in Schweden registriert worden. Jetzt ist ihre Zahl
erstmals wieder rückläufig. Åsa Håkansson, die an der
technischen Chalmers-Hochschule von Göteborg gerade eine
Studie über die Verbrennung von Rapsöl und Rapsmetylester
veröffentlicht hat, sieht darin keinen Rückschlag. Im Gegenteil:
Nach ihrer Untersuchung ist der Umweltgewinn dieser
Antriebsform mehr als zweifelhaft. Bei der Verbrennung von
Rapsöl und RME wird zwar deutlich weniger an Ruß- und
anderen schädlichen Partikeln freigesetzt als aus den
Auspuffrohren von Dieselfahrzeugen, doch dafür liegt der Gehalt
an leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen zehn Mal höher. "Zum
Teil sind es die gleichen Kohlenwasserstoffverbindungen wie in
Dieselabgasen", so Håkonsson. Ein Teil davon sei Krebs
erregend, ein Teil giftig.

Fazit: Raps könne in der Zukunft möglicherweise bei in der
Landwirtschaft eingesetzten Motoren eine "gewisse Rolle"
spielen, habe aber nicht das ursprünglich erhoffte Potenzial,
andere Treibstoffe umfassend zu ersetzen. Obwohl er zu den
erneuerbaren Energiequellen gehöre, belaste er die Umweltbilanz
deutlich: Man brauche zu viel Energie, um den Raps zu
produzieren und zu transportieren. Außerdem werde dabei zu
viel Stickstoff freigesetzt. Mats-Ola Larsson, Leiter des Projekts
"Umweltauto" der Stadt Göteborg, geht davon aus, dass auch
seine Kommune ihre knapp 500 Rapsautos nach und nach auf
andere alternative Treibstoffe umstellt. Biogas und Elektroautos
seien wesentlich energieeffektiver als RME-Fahrzeuge. Larsson:
"Solange das Angebot an Biogas begrenzt ist, werden wir sogar
Naturgas bevorzugen, das zwar keine erneuerbare Energiequelle,
aber doch relativ rein ist."

Diese Einschätzung bestätigt eine andere Studie, die das Institut
für chemische Umweltwissenschaft an der Chalmers-Hochschule
in Göteburg veröffentlicht hat. Dessen Umweltrangliste der
Fahrzeugtreibmittel basiert auf der Untersuchung von
Klimabeeinflussung, Umgang mit Ressourcen, Umwelteffekten
und Auswirkungen auf die Gesundheit. Auf einer Skala der
Negativwirkungen von 0 bis 30 (Benzin ohne Katalysator) erhält
der Elektromotor 7 Punkte, Wasserstoff 11, Biogas 13,Ethanol
16, Methanol und Naturgas rangieren gleichauf bei 17 Punkten,
Elektrohybrid kommt auf 19, Rapsöl auf 24 Punkte - kaum
weniger als Benzin mit Katalysator, das bei 27 liegt, und Diesel
mit 29 Punkten.

taz Nr. 6367 vom 8.2.2001, Seite 8, 109 Zeilen TAZ-Bericht REINHARD WOLFF

gefunden in: http://www.taz.de/tpl/2001/02/08.nf/text.Tname,a0082.list,TAZ_wu.idx,0

Alles hat seine zwei Seiten. Drum sollte man auch eine solche Lösung abwägen.
Es zeigt aber schon mal, daß man sich langsam in der Realität einfindet http://www.stock-channel.net/Board/smilies/wink.gif

Exor