Großbritannien - Rassenunruhen in englischer Stadt
Etwa 500 asiatische Jugendliche haben in der englischen Stadt Oldham bei Manchester Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Dabei wurden 20
Polizisten verletzt.
Die Randalierer warfen nach Angaben der Polizei mit Molotow-Cocktails und Pflastersteinen und feuerten mindestens vier Schüsse ab. Mehrere Autos brannten aus. 17 verdächtige Jugendliche wurden festgenommen.
Polizeichef Eric Hewitt sprach von einer sehr ernsten Situation und von beispielloser Brutalität. Obwohl sich die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen seit Monaten aufgebaut hätten, habe niemand mit einer solchen Eskalation gerechnet. Szenen wie diese haben wir noch nie gesehen, sagte er.
Oldham ist schon seit vergangenem Jahr der Schauplatz von Rassenunruhen. Diesmal kam es nach Polizeiangaben zu den Ausschreitungen, weil englische Fußballfans das Haus einer
asiatischen Familie mit Steinen bewarfen. Daraufhin hätten etwa hundert asiatische Jugendliche einen von Engländern besuchten Pub angegriffen.
15-Jähriger schlug 76-Jährigen zusammen
Asiatische Banden sollen in bestimmte Viertel von Oldham keine Engländer mehr einlassen. Im vergangenen Monat wurde ein 76-jähriger Kriegsveteran zusammengeschlagen, der sich dorthin vorgewagt hatte. Ein 15 Jahre alter asiatischer Junge muss sich deshalb vor Gericht wegen eines rassistisch motivierten Angriffs verantworten.
Seit diesem Vorfall haben britische Rechtsextremisten mehrfach versucht, durch das Viertel zu marschieren. Zuletzt waren am 5. Mai nach Zusammenstößen zwischen englischen und asiatischen Gangs 16 Leute festgenommen worden.
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http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/ausland/weltspiegel/11295&datei=index.php
Was hat das denn nun wieder zu bedeuten? Das ist ja unfaßbar. Jetzt finden schon solche Ausfälle hier "vor der Haustür" statt. Ich dachte eigentlich, nur die Amis mit ihrem (Un)Gerechtigkeits-Wahn seien für sowas anfällig :ne Mir liegt da noch so eine merkwürdige Meinung zum Thema Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit des Wohlstandes in dem Hinterkopf. Das sind dann wohl die Auswirkungen...
Exor
Erneut nächtliche Unruhen im nordenglischen Oldham
Oldham (Reuters) - In der nordenglischen Stadt Oldham bei Manchester haben sich Randalierer die zweite Nacht in Folge Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Unruhestifter bewarfen die Beamten am frühen Montagmorgen mit Brandbomben und Steinen. Polizisten durchbrachen eine brennende Straßenbarrikade und gingen mit Schlagstöcken gegen die Randalierer vor. Augenzeugenberichten zufolge wurden während der nächtlichen Unruhen auch Redaktionsräume einer Lokalzeitung in Brand gesteckt. Zudem wurden zahlreiche Autos beschädigt. Eine Polizeisprecherin sagte, den Unruhen lägen Rivalitäten zwischen Gruppen von Asiaten und Weißen zu Grunde.
Polizei-Hubschrauber mit Suchscheinwerfern tauchten die nächtlichen Schauplätze der Gewalt in grelles Licht. Bei den am Samstagabend ausgebrochenen Unruhen sind bislang insgesamt 30 Menschen verletzt worden. 25 Personen wurden festgenommen. Bis zu 500 asiatische Jugendliche hatten sich in der Nacht zum Sonntag Straßenschlachten mit der Polizei geliefert und die Beamten mit Steinen geworfen. Autos waren von Randalierern angezündet und Brandsätze auf Lokale geschleudert worden. Die Unruhen waren am Samstagabend nach Auseinandersetzungen zwischen asiatischen und weißen Gruppen ausgebrochen. In der Arbeiterstadt Oldham lebt eine große asiatische Minderheit. Nach jüngsten Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen gelten einige Stadtteile für Weiße als nicht mehr sicher. Die meisten Randalierer vom Samstag sind nach Polizeiangaben bangladeschischer Abstammung, aber vorwiegend in England geboren.
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Aufstand der Bad Boys
Kurz vor den Wahlen erlebt das Königreich die schlimmsten Rassenunruhen seit 15 Jahren. Vor allem die Konservativen versuchen, die Ängste vieler Briten vor Europa, vor Zuwanderern und Asylbewerbern auszunutzen. Den erneuten Wahlsieg von Tony Blair können sie damit nicht verhindern. Von Michael Sontheimer
Margaret Thatcher war empört. "Was für eine Frage", herrschte sie einen Reporter an, der wissen wollte, warum sie denn Angst vor dem Euro habe. "Sie sollten das Pfund schützen", zischte die Premierministerin a. D., als sie am Dienstag vor Pfingsten in Northampton zum zweiten Mal in den Wahlkampf eingriff. Hunderte von Verehrern waren hingerissen, als die Eiserne Lady aus ihrem Jaguar stieg, um den Tory-Kandidaten Shailesh Vara bei seinem Kampf um einen Sitz im Unterhaus zu unterstützen.
Dass Baronin Thatcher sich für einen der insgesamt 15 Briten asiatischer Abstammung unter den 654 konservativen Kandidaten engagierte und lautstark forderte, ihre Partei müsse weitaus mehr Mitglieder ethnischer Minderheiten aufstellen, war kein Zufall. Denn junge Asiaten, die sich von Weißen provoziert fühlten, hatten zuvor den Aufstand geprobt.
Drei Nächte lang hatten verfeindete Jugendbanden in Oldham bei Manchester Hunderte von Polizisten in Atem gehalten. Mit Kricketschlägern, Ziegelsteinen und Molotow-Cocktails bewaffnet, griffen Asiaten Pubs an, die sie für Treffpunkte von weißen Rassisten hielten, und versuchten, die Redaktionsräume der Lokalzeitung "Oldham Evening Chronicle" in Brand zu setzen.
Die Bilder von randalierenden Jugendlichen, eingeschlagenen Scheiben und brennenden Autos schockierten die Briten. Gewaltsame Rassenunruhen haben die gewöhnlich zivilen Engländer, die Straßenschlachten als französische Spezialität verachten, seit Anfang der achtziger Jahren nicht mehr erlebt.
Damals waren es Schwarze, die in den heruntergekommenen Ghettos von London oder Liverpool ihre Wut an der Polizei ausließen. Jetzt sind es junge Briten asiatischer Abstammung, die mit Steinen und Brandbomben gegen Weiße und die Polizei vorgehen - die Kinder eben jener Einwanderer, die sich bislang durch Fleiß, Erfolg und Integrationswillen hervorgetan hatten.
Und im Steinehagel der Randalierer gewann der bis dahin müde Wahlkampf noch unvorhergesehene Dramatik: Die Feuer von Oldham beleuchteten einmal mehr das heimliche Hauptthema des Wahlkampfs - den Streit um britische Identität. Denn abermals wurde klar, dass die Konservativen darauf hoffen, den uneinholbar scheinenden Vorsprung von Tony Blair dadurch zu verringern, indem sie ihn als eine Art Verräter am eigenen Volk darstellen: jemanden, der die Briten den Bürokraten von Brüssel ausliefert, der britische Souveränität aufgeben will, der seinen Landsleuten eine multikulturelle Gesellschaft aufzwingen will, die dem Inselvolk fremd sei.
Die Einwanderer aus dem ehemaligen Empire und der in den letzten Jahren angeschwollene Strom von Asylbewerbern verwandelten die Briten in eine "Bastard-Rasse", hatte der konservative Abgeordnete John Townend geklagt, wofür er sich allerdings entschuldigen musste.
Solch paranoide Ressentiments versuchte Oppositionschef William Hague für seinen Wahlkampf auszubeuten. Unter flatternden Union Jacks rief er täglich zur Rettung des Pfundes auf; wenn er nicht den vaterlandslosen Gesellen Blair ablöse, verkomme Britannien bald zu einem "fremden Land". Bei einer Kundgebung in Dover, wo besonders viele Asylbewerber ankommen, schlug Hague den Bau von Internierungslagern für Flüchtlinge vor.
Simon Hughes, ein führender Abgeordneter der Liberaldemokraten, beschuldigte deshalb den Vorsitzenden der Konservativen, er habe mit seiner Kampagne gegen "Scheinasylanten" den "Blick für rassische Differenzen" gefördert und das Klima verantwortungslos aufgeheizt. Sogar Parteifreunde werfen Hague vor, er habe die Tories in eine "Lobbygruppe gegen Ausländer" verwandelt.
Doch der Rückfall in die Zeiten der großen Rassenkrawalle, in denen Konservative wie Enoch Powell "Ströme von Blut" vorhersahen, lässt sich weniger durch eine angebliche Überfremdung erklären als vielmehr durch die Versäumnisse der Regierung Blair. Denn hinter der polierten Fassade des modernen, multikulturellen "New Britain" gibt es noch immer Notstandsgebiete, in denen sich die Lebensbedingungen in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich verschlechtert haben. In vergessenen und heruntergekommenen Stadtvierteln im ganzen Land vergären Armut und Rassenhass zu einer hochexplosiven Mischung.
Oldham im Nordosten von Manchester mit seinen 219 000 Einwohnern ist einer dieser tristen Orte im Vereinigten Königreich, der den klassischen Abstieg von einer blühenden Industriestadt zu einem sozialen Notstandsgebiet erleben musste. Ende des 19. Jahrhunderts produzierten hier Arbeiter in Hunderten von Spinnereien mehr als zehn Prozent der weltweit hergestellten Baumwollstoffe.
Vor 30 Jahren siedelten sich Asiaten, vorwiegend aus Pakistan und Bangladesch, an, die mit Nachtschichten in den Baumwollspinnereien ein Auskommen fanden. Schwerer als die erste Generation der Einwanderer tun sich nach der Schließung der Fabriken die Kinder und Enkel. In den ohnehin miserablen Schulen schneiden sie am schlechtesten ab - und haben deshalb kaum die Chance, einen Job zu finden.
Auf bis zu 50 Prozent wird die Arbeitslosigkeit unter jungen Asiaten in Oldham geschätzt, und so hängen sie herum, rauchen Marihuana oder betäuben sich mit Crack und Heroin. Sie schließen sich zu Gangs zusammen und führen etwa als "Bad Boys" Krieg gegen weiße Banden.
Jungen einer asiatischen Gang waren es auch, die Ende April den Weltkriegsveteranen Walter Chamberlein, 76, so bösartig zusammenschlugen, dass er mit zertrümmertem Nasenbein und gebrochenem Wangenknochen liegen blieb. Unmittelbar darauf verkündete Nick Griffin, Ex-Cambridge-Student und Vorsitzender der rechtsradikalen British National Party, dass er in Oldham kandidieren werde. Rechte Agitatoren verteilten Flugblätter gegen "ethnische Säuberung im Muslim-Stil" und verlangten "Rechte für Weiße".
In dieser angespannten Situation bedurfte es nur eines Funkens, der das Pulverfass am Wochenende vor Pfingsten zur Explosion brachte. Vor einem Imbiss gerieten ein asiatischer und ein weißer Teenager handgreiflich aneinander. Die Mutter des Weißen orderte daraufhin per Funktelefon Verstärkung. Kurz darauf tauchten knapp ein Dutzend Freunde auf und warfen die Scheiben asiatischer Läden und Wohnungen ein.
Schließlich gingen mehr als 500 Asiaten mit Molotow-Cocktails und Steinen auf die Polizei los. Erst im Morgengrauen kehrte dank eines heftigen Regenschauers wieder Ruhe ein. Ironie am Rande: Der Pub, den die Randalierer zweimal mit Ziegelsteinen und Brandbomben attackierten, heißt "Live and let live", leben und leben lassen.
Doch genau das wird in Elendsbezirken wie Oldham immer schwerer. Verbliebene Weiße - nicht minder arm als ihre asiatischen Nachbarn - fühlen sich, als lebten sie in einer angegriffenen Festung. Mütter klagen, dass sie ihre Kinder nicht mehr in den städtischen Parks spielen lassen könnten, weil asiatische Briten alle anderen bedrohten. Richtig ist, dass der Anteil von Weißen in Oldham wie in vielen anderen Städten ständig abnimmt. Richtig ist auch, dass die Zahl der Asylbewerber, die ihren Weg auf die Insel machen, fast die Deutschlands erreichte und Großbritannien inzwischen zu den begehrtesten Einwandererländern Europas zählt.
Das allerdings ist eher Blairs politischen Erfolgen zu verdanken. Zwar ist auch er bemüht, nicht den Eindruck zu erwecken, er gehe mit Einwanderern allzu sanft um. Sein Innenminister Jack Straw darf nur noch Lebensmittelgutscheine und kein Bargeld an Asylbewerber verteilen.
Doch die Regionen, in denen Blairs neues Großbritannien mehr ist als nur ein schicker Slogan, strahlen Anziehungskraft bis nach Kurdistan aus. So lässt sich in London innerhalb weniger Stunden ein Job finden, und der überhöhte Kurs des Pfundes macht illegale Arbeit in Großbritannien für Wirtschaftsflüchtlinge profitabler als in den Ländern der Euro-Zone.
In London wie in anderen wohlhabenden Regionen verfängt deshalb auch die Verzweiflungsstrategie des Oppositionsführers nicht. Die Mehrheit der Briten schätzt den Regierungschef zwar nicht mehr so sehr wie kurz nach seinem Amtsantritt, aber sie will ihn wiederwählen. Nach wie vor können die Konservativen nur mit knapp 30 Prozent der Wählerstimmen rechnen. Blair und die Labour Party dürfen dagegen auf mindestens die Hälfte des Votums hoffen.
Doch während es der Mehrheit der Briten materiell besser geht als je zuvor, bringt der Labour-Boom der Unterschicht in einer noch weitgehend intakten Klassengesellschaft so gut wie nichts. Oldham sei "ein Ort der Armut, Verwahrlosung und Verzweiflung für zu viele seiner Einwohner", klagt etwa Manzoor Moghal, ein aus Uganda eingewanderter Muslim und Aktivist der Labour Party.
Damit verweist Moghal auf das schwerste Versäumnis seiner Partei. Obwohl Blair im Wahlkampf unermüdlich Chancengleichheit verspricht, ist die tiefe Kluft zwischen Armen und Reichen unter seiner Regierung noch schneller gewachsen als unter seinen konservativen Vorgängern.
In Blairs schönem neuem Britannien kann sich Oldham jederzeit wiederholen.
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http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,137722,00.html
Na, mit dieser Anklickzahl bin ich aber seeeeeehr unzufrieden! Oder habt Ihr das alle schon im Fernsehen mitbekommen?
Sascha
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