Sascha
10.02.2001, 17:01
Bedingt angriffsbereit
Von Ralf Bartoleit, Berlin
9. Feb. 2001 Die Doppelspitze der CDU steht unter
Legitimationsdruck. Nach der Führungsdebatte der vergangenen
Wochen müssen Fraktionschef Friedrich Merz und die
Parteivorsitzende Angela Merkel zeigen, dass sie die Partei für
den Bundestagswahlkampf auf Kurs bringen können.
Die Rückkehr zur Sachpolitik haben sie angemahnt. Die Chance
und das Podium dafür boten diese Woche die Debatten im
Bundestag. Merkel blieb vergleichsweise blass. Merz punktete
zumindest in diesem wenig edlen Wettstreit. Er attackierte am
Freitag die Bundeswehrreform der rot-grünen Regierung. Die
Personaldebatten in der CDU reißen trotzdem nicht ab. Auch der
Name von Wolfgang Schäuble wird nun wieder genannt.
Sogar Tipps auf dem Weg zum Kanzlerkandidaten wollte die
SPD dem Fraktionschef Merz während der Debatte um die
Reform der Streitkräfte geben. Wenn schon nicht im Bundestag,
so doch auf internationalem Parkett müsse man sich in
sicherheitspolitischen Fragen an gewisse Gepflogenheiten
halten, sagte der Verteidigungspolitische Sprecher der
SPD-Fraktion, Peter Zumkley, an Merz gerichtet. Der
CDU-Fraktionschef habe bei der Sicherheitskonferenz in
München vor einer Woche gegen die guten Sitten verstoßen, als
er vor internationalen Experten die Finanzierung der Bundeswehr
in Frage gestellt habe. Nestbeschmutzung sei unter
Sicherheitspolitikern verpönt.
Merz: Bundeswehr hat keine Freunde in der Regierung
Doch Merz machte im Bundestag dort weiter, wo er in München
aufgehört hatte. Anders als am Vortag im Rededuell zwischen
Merkel und Verbraucherministerin Renate Künast (das Künast
klar für sich entschied) machte es ihm Verteidigungsminister
Rudolf Scharping mit einer eher schwerfälligen Rede (zu der
Bundeskanzler Gerhard Schröder seinem Minister dennoch
demonstrativ gratulierte) leichter.
Bei den angekündigten Standortschließungen, die in den
betroffenen Bundesländern umstritten sind, warf der
Fraktionschef der Union Scharping Trickserei und Täuschung vor.
Scharping sei meilenweit entfernt von dem Vertrauen, das
frühere sozialdemokratische Verteidigungsminister in der Truppe
genossen hätten. „Sie haben Versprechungen gebrochen“, warf
Merz Scharping vor. Und: „Ihre Zahlen stimmen nicht.“
Ungeachtet sachlicher Argumente neigt Merz dazu, seine Urteile
über die Bundesregierung dramatisch zuzuspitzen („Die
Bevölkerung hat nicht die Regierung, die sie verdient“) - so auch
dieses Mal: „Die Bundeswehr hat keine Freunde in der
Regierung.“
Agiler und griffiger in seinen Attacken auf die Bundesregierung
als Merkel einen Tag zuvor wirkte Merz. Aber auch er steckte -
wie die Parteivorsitzende - in dem Dilemma, nicht wirklich eine
Alternative zum Konzept der Bundesregierung vorlegen zu
können. Merz´ einfache Antwort auf die komplizierte Situation
der Bundeswehr lautet lediglich: „Mehr Geld.“ An einer
Programmatik, die der rot-grünen Planung Konkurrenz machen
könnte, mangelt es der Union indes immer noch. Dies
demonstriert etwa der Konsens in der Wehrpflicht, die auch Merz
nicht in Frage stellt.
Personaldebatte noch nicht beendet
Das Urteil für oder gegen die Doppelspitze hält sich bei den
Unionsanhängern nach jüngsten Meinungsumfragen die Waage.
Merz und Merkel hatten diese Woche die Chance, nach den
Querelen der vergangenen Wochen wieder Stärke in der von
ihnen so sehnsüchtig eingeforderten Sachpolitik zu
demonstrieren. Die BSE-Krise und die Bundeswehrreform sind
wichtige Themen auf dem Weg zu den Wahlen 2002. Zwar
konnte der entschlossener als Merkel agierende Merz im
Wettstreit Punkte sammeln. Beider Auftreten dürfte jedoch nicht
dazu beigetragen haben, die Personaldebatte in der CDU zu
beenden. Wie sehr vor allem inhaltliche Führung vermisst wird,
zeigt, dass nicht einmal ein Jahr nachdem Wolfgang Schäuble
seine Ämter als Partei- und Fraktionsvorsitzender zur Verfügung
gestellt hat, dessen Name für Spitzenposten in der CDU wieder
genannt wird. Doch Schäuble hat schon mehrfach abgewinkt. Der
Ruf nach einer Leitfigur ähnelt der Verzweiflung der
Sozialdemokraten in den 90-er Jahren. Damals war der Ruf nach
Altbundeskanzler Helmut Schmidt wieder laut geworden.
Was fehlt, sind die Perspektiven
Erst unausweichliche Fakten beschleunigen zuweilen schwelende
Prozesse. Solche Fakten könnten die Landtagswahlen in
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Ende März schaffen.
Das Nachdenken über Schäuble allerdings weist darauf hin, dass
der CDU ungeachtet möglicher Fakten vor allem klare -
personelle wie inhaltliche - Perspektiven fehlen.
gefunden in: http://www.faz.de/
Als nächstes wollen die den Kohl wieder rehabilitieren, oder wie???
Exor
Von Ralf Bartoleit, Berlin
9. Feb. 2001 Die Doppelspitze der CDU steht unter
Legitimationsdruck. Nach der Führungsdebatte der vergangenen
Wochen müssen Fraktionschef Friedrich Merz und die
Parteivorsitzende Angela Merkel zeigen, dass sie die Partei für
den Bundestagswahlkampf auf Kurs bringen können.
Die Rückkehr zur Sachpolitik haben sie angemahnt. Die Chance
und das Podium dafür boten diese Woche die Debatten im
Bundestag. Merkel blieb vergleichsweise blass. Merz punktete
zumindest in diesem wenig edlen Wettstreit. Er attackierte am
Freitag die Bundeswehrreform der rot-grünen Regierung. Die
Personaldebatten in der CDU reißen trotzdem nicht ab. Auch der
Name von Wolfgang Schäuble wird nun wieder genannt.
Sogar Tipps auf dem Weg zum Kanzlerkandidaten wollte die
SPD dem Fraktionschef Merz während der Debatte um die
Reform der Streitkräfte geben. Wenn schon nicht im Bundestag,
so doch auf internationalem Parkett müsse man sich in
sicherheitspolitischen Fragen an gewisse Gepflogenheiten
halten, sagte der Verteidigungspolitische Sprecher der
SPD-Fraktion, Peter Zumkley, an Merz gerichtet. Der
CDU-Fraktionschef habe bei der Sicherheitskonferenz in
München vor einer Woche gegen die guten Sitten verstoßen, als
er vor internationalen Experten die Finanzierung der Bundeswehr
in Frage gestellt habe. Nestbeschmutzung sei unter
Sicherheitspolitikern verpönt.
Merz: Bundeswehr hat keine Freunde in der Regierung
Doch Merz machte im Bundestag dort weiter, wo er in München
aufgehört hatte. Anders als am Vortag im Rededuell zwischen
Merkel und Verbraucherministerin Renate Künast (das Künast
klar für sich entschied) machte es ihm Verteidigungsminister
Rudolf Scharping mit einer eher schwerfälligen Rede (zu der
Bundeskanzler Gerhard Schröder seinem Minister dennoch
demonstrativ gratulierte) leichter.
Bei den angekündigten Standortschließungen, die in den
betroffenen Bundesländern umstritten sind, warf der
Fraktionschef der Union Scharping Trickserei und Täuschung vor.
Scharping sei meilenweit entfernt von dem Vertrauen, das
frühere sozialdemokratische Verteidigungsminister in der Truppe
genossen hätten. „Sie haben Versprechungen gebrochen“, warf
Merz Scharping vor. Und: „Ihre Zahlen stimmen nicht.“
Ungeachtet sachlicher Argumente neigt Merz dazu, seine Urteile
über die Bundesregierung dramatisch zuzuspitzen („Die
Bevölkerung hat nicht die Regierung, die sie verdient“) - so auch
dieses Mal: „Die Bundeswehr hat keine Freunde in der
Regierung.“
Agiler und griffiger in seinen Attacken auf die Bundesregierung
als Merkel einen Tag zuvor wirkte Merz. Aber auch er steckte -
wie die Parteivorsitzende - in dem Dilemma, nicht wirklich eine
Alternative zum Konzept der Bundesregierung vorlegen zu
können. Merz´ einfache Antwort auf die komplizierte Situation
der Bundeswehr lautet lediglich: „Mehr Geld.“ An einer
Programmatik, die der rot-grünen Planung Konkurrenz machen
könnte, mangelt es der Union indes immer noch. Dies
demonstriert etwa der Konsens in der Wehrpflicht, die auch Merz
nicht in Frage stellt.
Personaldebatte noch nicht beendet
Das Urteil für oder gegen die Doppelspitze hält sich bei den
Unionsanhängern nach jüngsten Meinungsumfragen die Waage.
Merz und Merkel hatten diese Woche die Chance, nach den
Querelen der vergangenen Wochen wieder Stärke in der von
ihnen so sehnsüchtig eingeforderten Sachpolitik zu
demonstrieren. Die BSE-Krise und die Bundeswehrreform sind
wichtige Themen auf dem Weg zu den Wahlen 2002. Zwar
konnte der entschlossener als Merkel agierende Merz im
Wettstreit Punkte sammeln. Beider Auftreten dürfte jedoch nicht
dazu beigetragen haben, die Personaldebatte in der CDU zu
beenden. Wie sehr vor allem inhaltliche Führung vermisst wird,
zeigt, dass nicht einmal ein Jahr nachdem Wolfgang Schäuble
seine Ämter als Partei- und Fraktionsvorsitzender zur Verfügung
gestellt hat, dessen Name für Spitzenposten in der CDU wieder
genannt wird. Doch Schäuble hat schon mehrfach abgewinkt. Der
Ruf nach einer Leitfigur ähnelt der Verzweiflung der
Sozialdemokraten in den 90-er Jahren. Damals war der Ruf nach
Altbundeskanzler Helmut Schmidt wieder laut geworden.
Was fehlt, sind die Perspektiven
Erst unausweichliche Fakten beschleunigen zuweilen schwelende
Prozesse. Solche Fakten könnten die Landtagswahlen in
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Ende März schaffen.
Das Nachdenken über Schäuble allerdings weist darauf hin, dass
der CDU ungeachtet möglicher Fakten vor allem klare -
personelle wie inhaltliche - Perspektiven fehlen.
gefunden in: http://www.faz.de/
Als nächstes wollen die den Kohl wieder rehabilitieren, oder wie???
Exor