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Vollständige Version anzeigen : Israel: ein seit Jahrzehnten schwelender Krieg ...


Joerg
02.06.2001, 17:43
Ob dieser Konflikt sich jemals beruhigt? Ein heißer Herd, der eine ganze Weltpolitik ins Wanken bringen kann.
Schon als Sharon die Macht in Israel übernahm standen die Zeichen auf verschärften Konflikt. Jetzt ist er endgültig wieder ausgebrochen.
Wie bekommt man diesen Haß jemals in den Griff?

Joerg

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ftd.de, Sa, 2.6.2001, 11:22, aktualisiert: Sa, 2.6.2001, 14:50
Nach Blutbad: Israel geht auf Konfrontationskurs

Mit Abscheu und Empörung haben Politiker in zahlreichen Ländern den Anschlag verurteilt, bei dem ein Selbstmordattentäter in Tel Aviv 17 Menschen mit sich in den Tod riss. Israel kündigte an, seine Politik der Zurückhaltung aufzugeben.

US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichneten das Attentat als verabscheuungswürdig und feige. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat sagte zum ersten Mal seit Wochen der Gewalt zu, alles zu tun, um einen bedingungslosen Waffenstillstand zu erreichen. Das israelische Kabinett machte nach einer siebenstündigen Krisensitzung den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat für den Terroranschlag verantwortlich. Arafat sei außerdem für andere Anschläge der jüngsten Zeit verantwortlich. Vor rund zwei Wochen hatte Ministerpräsident Ariel Scharon angekündigt, die israelischen Truppen würden nur noch schießen, wenn ihr Leben bedroht sei.

In harten Worten forderte Bush Arafat auf, sich von dem terroristischen Anschlag zu distanzieren. Russland nannte die Tat unmenschlich und kriminell. Schröder sagte, die Palästinenser-Führung müsse alles tun, um solche Anschläge in Zukunft zu verhindern. Nach einem Gespräch mit Außenminister Joschka Fischer sagte Arafat in Ramallah, er verurteile die tragische Tat gegen Zivilisten. Die Palästinenser-Regierung sei bereits bemüht und werde sich weiterhin bemühen, die Gewalt zu stoppen. Sie werde "alles Notwendige unternehmen, um eine sofortige, bedingungslose, reale und wirkungsvolle Waffenruhe zu erreichen", fügte er hinzu.

Arafat fordert Zurückhaltung

Zuvor hatte einer seiner Sprecher mitgeteilt, Arafat rufe alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Diese Äußerung wiederholte Arafat nicht. Ein palästinensischer Regierungsvertreter sagte, dies sei das erste Mal seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes, dass Arafat von sich aus Zurückhaltung gefordert habe. Seit Ende September sind mehr als 570 Menschen in dem Aufstand der Palästinenser ums Leben gekommen. Radikale Gegner des Friedensprozesses unter den Palästinensern haben wiederholt Anschläge verübt und mit weiteren gedroht. Für den Anschlag vor einem Nachtclub am Strand von Tel Aviv sei die Gruppe Islamischer Dschihad verantwortlich, berichtete der israelische Rundfunk.


Israels Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser wies der Palästinenser-Regierung die Verantwortung für den Anschlag zu, weil sie die von Israel angebotene Waffenruhe als Propaganda- Trick zurückgewiesen habe. Mitte Mai hatte Scharon die Palästinenser zu einem Gewaltverzicht aufgefordert und angekündigt, Israel werde von sich aus keine Angriffe mehr starten.


Schröder appelliert an Scharon

Schröder appellierte in einem Schreiben an Scharon, sich nicht von seinem Bemühen um eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts abbringen zu lassen. Den Attentätern dürfe es nicht gelingen, die gesamte Region in eine noch größere Katastrophe zu stürzen. Auch der britische Premierminister Tony Blair warnte, der Nahe Osten stehe unmittelbar vor dem Abgrund. Ebenso drangen der Uno-Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, und der außenpolitische Koordinator der Europäischen Union, Javier Solana, darauf, dass der Teufelskreis der Gewalt endlich durchbrochen werde. Frankreichs Präsident Jacques Chirac forderte die Konfliktparteien auf, wieder miteinander zu reden.

Fischer, der sich zum Zeitpunkt des Anschlags selbst in Tel Aviv aufhielt, machte am Samstag vor seinem Gespräch mit Arafat am Tatort Halt und gedachte der Opfer mit gesenktem Kopf. Um den Weg zum Frieden frei zu machen, müsse der Terror sofort gestoppt werden, sagte er.

Mehr als 90 Verletzte

Die Detonation hatte sich am Eingang eines Clubs am Strand ereignet, vor dem viele Jugendliche auf Einlass gewartet hatten. Tel Avivs Polizeichef Jossi Setbon sagte, ein Mann mit Sprengstoff an seinem Körper habe sich in der Menge in die Luft gesprengt. Der Sprengsatz war der Polizei zufolge mit Kugeln und Nägeln bestückt Mehr als 90 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Die Polizei fand im Umkreis von 20 Metern Leichenstücke. Der Anschlag war der folgenschwerste seit vier Jahren.

Scharon sagt Europareise ab

Scharon hat seine für die kommende Woche geplante Europareise abgesagt, wie das israelische Fernsehen berichtete. Berater des Ministerpräsidenten wollten dies zunächst nicht bestätigen. Scharon wollte am Montag Deutschland besuchen und dann weiter nach Frankreich und Belgien reisen.

Gert
03.06.2001, 21:50
ftd.de, So, 3.6.2001, 11:41, aktualisiert: So, 3.6.2001, 18:02
Israel startet Militäroffensive gegen Palästinenser

Nach dem Terroranschlag in Tel Aviv hat die israelische Regierung am Sonntag die Armee angewiesen, ihre offensiven Aktionen gegen Mitglieder radikaler Palästinensergruppen wieder aufzunehmen. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) versucht vor Ort zu vermitteln.

Das israelische Kabinett hatte zuvor beschlossen, Vergeltungsmaßnahmen für den Anschlag, der auch international große Empörung ausgelöste, zunächst aufzuschieben. Bundesaußenminister Joschka Fischer verlängerte kurzfristig seinen Besuch in Israel, um seine Vermittlungsgespräche mit beiden Seiten fortzusetzen.

Der israelische Rundfunk meldete, Aktionen gegen Mitglieder der radikalen palästinensischen Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad ("Heiliger Krieg") hätten "bereits begonnen". Auch Operationen gegen Einrichtungen der palästinensischen Autonomiebehörde seien vorgesehen, "sobald dies effektiv" sei, hieß es. Dabei werde man "nicht nur gegen leere Gebäude vorgehen".



Einseitige Waffenruhe aufgehoben


Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte vor knapp zwei Wochen eine "einseitige Waffenruhe" erklärt und die Armee angewiesen, auf offensive Aktionen in den Palästinensergebieten zu verzichten. Begleitet von intensiven internationalen Vermittlungsbemühungen beschloss die Regierung Scharon am Sonntag, noch abzuwarten, ob die Palästinenser die am Vortag von Jassir Arafat verkündete Waffenruhe umsetzen. Der französische Außenminister Hubert Vedrine und der US-Außenminister Colin Powell begrüßten am Sonntag den bisherigen Verzicht Israels auf Vergeltungsangriffe.


Die verschiedenen palästinensischen Fraktionen, darunter auch Hamas und Dschihad, erklärten nach einem Treffen in Gaza, man wolle den Aufstand gegen Israel fortsetzen, "bis die Ziele des palästinensischen Volkes, Rückkehr und Unabhängigkeit, erreicht sind". Der Chef des palästinensischen Sicherheitsdienstes, Abdel Rasek el Madschaida, hatte am Samstagabend erklärt, man habe Kontakt mit den verschiedenen militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen aufgenommen, um die Waffenruhe umzusetzen.



Rückgang von Schusswechseln


Scharon und Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser äußerten sich während einer Kabinettssitzung in Jerusalem skeptisch über die Ernsthaftigkeit der von Arafat erklärten Waffenruhe. Gleichzeitig bestätigte Ben-Elieser jedoch, die israelische Armee habe innerhalb der vergangenen 24 Stunden einen erheblichen Rückgang von Schusswechseln in den Palästinensergebieten verzeichnet.


Bundesaußenminister Fischer traf am Nachmittag mit Scharon zusammen. Fischer, der offenbar eine stärkere Rolle im Nahost- Konflikt übernehmen will, verlängerte nach zahlreichen persönlichen Gesprächen in Tel Aviv, Jerusalem und Ramallah und vielen Telefonaten seinen Aufenthalt in Israel. Er reiste nach dem Gespräch mit Scharon erneut zu einem Treffen mit Arafat. Fischer will erst am Montagabend nach Ägypten weiterreisen. Der Außenminister sagte, es sei sehr weise, dass Israel auch nach dem Anschlag der Diplomatie eine Chance gegeben habe.



Angst vor Vergeltungsschlägen


Mitarbeiter internationaler Organisationen begannen nach Medienberichten damit, ihre Vertretungen in den palästinensisch kontrollierten Gebieten zu verlassen und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Aus Furcht vor möglichen Vergeltungsschlägen Israels räumte die palästinensische Autonomiebehörde im Gazastreifen und Westjordanland öffentliche Gebäude.


Am Sonntagmorgen starb in einem Tel Aviver Krankenhaus eine weitere Jugendliche, die am Freitagabend bei dem Selbstmordanschlag auf eine Tel Aviver Discothek schwer verletzt worden war. Mit dem Tod der 15-Jährigen stieg die Zahl der Toten einschließlich des Attentäters auf 20. 48 der insgesamt 120 Verletzten lagen noch im Krankenhaus, drei von ihnen schwebten weiterhin in Lebensgefahr.


Israels Armee- und Polizeikräfte verstärkten unterdessen aus Furcht vor weiteren Anschlägen ihre Präsenz entlang der so genannten Grünen Grenze zwischen dem Westjordanland und Israel sowie in den Bevölkerungszentren. In den Palästinensergebieten kam es am Sonntag nur zu vereinzelten Zwischenfällen.



© AP

Perry27
03.06.2001, 22:38
Hoffentlich lebt Arafat noch ne Weile. Wenn der mal tot ist geht die "Post" vermutlich total ab.

Perry

Ralph
03.06.2001, 23:08
Perry,

da muss Arafat aber aufpassen, dass er nicht mal in einem seiner Hauptquartiere sitzt, wenn die Israelies mal wieder ein paar Bomben abwerfen ..... wäre nicht das erste Mal !

Ralph

Gert
03.06.2001, 23:31
Irgentwie hat jeder von den Parteien Dreck am Stecken,
da kommt nie Ruhe rein.

Gert

Sascha
04.06.2001, 09:26
Scharon: Arafat muss Bedingungen erfüllen

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat zwei Tage nach dem Selbstmordanschlag von Tel Aviv Palästinenser-Präsident Jassir Arafat erneut aufgefordert, zum Beweis einer Feuerpause drei Bedingungen zu erfüllen. Er müsse erstens sofort den Aufstand anhalten, zweitens Terror und Gewalt beenden und drittens freigelassene Gewalttäter und die, die heute hinter ihnen stehen, wieder inhaftieren, sagte Scharon am Abend. Der Ministerpräsident besuchte in einem Krankenhaus Verletzte des Selbstmordanschlags vom Freitagabend, bei dem 20 Menschen starben. Zehn Tote wurden am Sonntag beigesetzt.

Außenminister Fischer bemühte sich, zwischen den beiden Konfliktparteien zu vermitteln. (mehr)

Die israleische Regierung hielt sich bisher an ihren Beschluss, keine Vergeltungsschläge gegen die Palästinenser anzuordnen. Der israelische Rundfunk meldete allerdings am späten Nachmittag, Aktionen gegen Mitglieder der radikalen palästinensischen Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad ("Heiliger Krieg") hätten "bereits begonnen". Die radikal islamische Organisation Hamas hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Scharon: Arafats Autonomie-Regierung verantwortlich

Es gab jedoch keine Berichte über einzelne Aktionen oder schwere Angriffe der israelischen Armme in den Autonomiegebieten. Allerdings kündigte die israelische Regierung an, dass auch Operationen gegen Einrichtungen der palästinensischen Autonomiebehörde vorgesehen seien, "sobald dies effektiv" sei. Dabei werde man "nicht nur gegen leere Gebäude vorgehen".

Scharon sagte vor Journalisten, er halte Arafats Autonomie-Regierung für das Blutbad vom Freitagabend für verantwortlich. Er sagte nicht, was Israel unternehmen werde, wenn die von Arafat erklärte Feuerpause nicht zustande komme. Einer seiner Mitarbeiter sprach von einer Frist, die Arafat gesetzt worden sei. "Einige Tage seien eine vernünftige Zeit", um die Feuerpause umzusetzen.

Palästinenserorganisationen wollen "Aufstand" fortsetzen

13 palästinensische Fraktionen, darunter auch Arafats Fatah, erklärten nach einem Treffen in Gaza, man wolle den Aufstand gegen Israel fortsetzen, "bis die Ziele des palästinensischen Volkes, Rückkehr und Unabhängigkeit, erreicht sind". Der Chef des palästinensischen Sicherheitsdienstes, Abdel Rasek el Madschaida, hatte am Samstagabend erklärt, man habe Kontakt mit den verschiedenen militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen aufgenommen, um die Waffenruhe umzusetzen.

Offenbar weniger Schusswechsel

Scharon und Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser äußerten sich während einer Kabinettssitzung in Jerusalem skeptisch über die Ernsthaftigkeit der von Arafat erklärten Waffenruhe. Gleichzeitig bestätigte Ben-Elieser jedoch, die israelische Armee habe innerhalb der vergangenen 24 Stunden einen erheblichen Rückgang von Schusswechseln in den Palästinensergebieten verzeichnet.

Medien: Abzug von Mitarbeitern internationaler Organisationen

Mitarbeiter internationaler Organisationen begannen nach Medienberichten damit, ihre Vertretungen in den palästinensisch kontrollierten Gebieten zu verlassen und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Aus Furcht vor möglichen Vergeltungsschlägen Israels räumte die palästinensische Autonomiebehörde im Gazastreifen und Westjordanland öffentliche Gebäude.

Jetzt 20 Tote einschließlich Attentäter

Am Morgen war in einem Tel Aviver Krankenhaus eine weitere Jugendliche gestorben, die am Freitagabend bei dem Selbstmordanschlag auf eine Tel Aviver Discothek schwer verletzt worden war. Mit dem Tod der 15-Jährigen stieg die Zahl der Toten einschließlich des Attentäters auf 20. 48 der insgesamt 120 Verletzten lagen noch im Krankenhaus, drei von ihnen schwebten weiterhin in Lebensgefahr.

Mehr Patrouillen

Israels Armee- und Polizeikräfte verstärkten unterdessen aus Furcht vor weiteren Anschlägen ihre Präsenz entlang der so genannten Grünen Grenze zwischen dem Westjordanland und Israel sowie in den Bevölkerungszentren. In den Palästinensergebieten kam es nur zu vereinzelten Zwischenfällen.

Die palästinensische Sicherheitskräfte teilten mit, die Regierung habe konkrete Schritte zur Umsetzung der Feuerpause angeordnet. Allen Palästinenser-Fraktionen sei gesagt worden, dass Schießereien oder Anschläge in Israel nicht geduldet würden. Wie aus Palästinenser-Kreisen verlautete, ordneten die Sicherheitschefs nach einem Treffen bereits in der Nacht Patrouillen an, um die Konfliktherde zu überwachen.

gefunden in:
http://www.tagesschau.de/archiv/2001/06/03/aktuell/meldungen/nahost.html?list=TS-XA-20010603-179361,19

Das ist zur Zeit eine ganz heikle Situation. Ich hoffe nur, daß Arafat seine Leute unter Kontrolle bekommt. Ansonsten werden sich bestimmt noch die umliegenden Araber einmischen. Dann wäre es richtig dunkel.

Exor

Sascha
04.06.2001, 20:39
Joseph Fischer als Vermittler im Nahost-Konflikt

Mit den Vermittlungsbemühungen von Joseph Fischer im israelisch-palästinensischen Konflikt ist der letzte weiße Fleck in der politischen Landkarte der deutschen Außenpolitik verschwunden. Die Palästinenser hoffen schon lange auf ein europäisches Gegengewicht zum Israel-zentrierten Engagement der USA. »Als Europäer«, sagte Fischer, »haben wir ein Interesse am Frieden im Nahen Osten. Europa sollte eine stärkere und positivere Rolle einnehmen.«

Die Bundesrepublik unterstützt Israel seit langem finanziell und militärisch und ist auch einer der größten Geldgeber der Palästinensischen Autonomiebehörde. Zum ehrlichen Makler hat sich Fischer mit seiner Pendeldiplomatie vom Wochenende aber nicht gemacht. Mit der Betonung der Verantwortlichkeit von Palästinenserpräsident Yassir Arafat für die derzeitige Eskalation begeht er denselben Fehler wie seine US- amerikanischen Kollegen.

Die seit 34 Jahren währende Besetzung der palästinensischen Gebiete ist das Problem, nicht der bewaffnete und unbewaffnete Widerstand dagegen. Die jüdischen Siedlungen, ihre Infrastruktur und das hohe Militäraufkommen beschränken das soziale und wirtschaftliche Leben der Palästinenser in hohem Maße. Aus ihrer Perspektive nützt ein Waffenstillstand nur den Israelis, die aus ihrer überlegenen Position heraus mit der Besatzungspolitik fortfahren werden. Der bisherige Verlauf des Friedensprozesses stützt diese Sichtweise.

Wer Arafat die Alleinverantwortung für die Intifada zuschiebt, verkennt die politische Lage in den besetzten Gebieten. Anschläge gegen jüdische Siedler werden meist in den Zonen verübt, die unter der Kontrolle der israelischen Armee liegen. Arafats Polizei hat dort keine Machtbefugnis. Und mit der Verhaftung von Tausenden Oppositionellen zöge Arafat nur weiteren Unmut der Bevölkerung auf sich, die die Autonomieverwaltung als »Erfüllungsgehilfen der israelischen Sicherheitsinteressen« sieht. Selbst Marwan Barguti, hoher Funktionär von Arafats eigener Fatah-Organisation und mutmaßlicher Anführer der palästinensischen Milizen, spricht sich für Verhandlungen bei gleichzeitigem bewaffneten Widerstand aus, »solange auch nur ein jüdischer Siedler und ein israelischer Soldat auf besetztem Gebiet verbleiben«.

Blutige Bombenanschläge wie der in Tel Aviv in der Nacht zu Sonnabend sind nicht zu verhindern. Selbst die strengsten Diktaturen der Weltgeschichte waren zur Unterbindung von derartigen Einzelaktionen nicht in der Lage. Nur internationaler Druck auf die israelische Regierung kann Landnahme, Kollektivbestrafung und weitere Verelendung der Palästinenser stoppen. Die Menschenrechtsverletzungen seitens Israels sind bekannt. Sie auf die diplomatische Tagesordnung zu setzen widerspricht aber den wirtschaftlichen und politischen Interessen auch der deutschen Regierung. Nach Fischers Auftreten am Wochenende zu urteilen, geht es allein darum, die Region zu befrieden, und nicht darum, die Unterdrückung von Millionen Palästinensern zu beseitigen.

Lukas Zimmermann, Ramallah

gefunden in:
http://www.jungewelt.de/start.html