Sascha
11.02.2001, 10:57
Raumfahrt - Absturz im Schleichtempo
Eros ist so lang wie Sylt und so alt wie die Sonne: Diese Woche soll eine Nasa-Sonde auf dem Asteroiden landen.
Von einer solchen Welt träumen alle Übergewichtigen. Weit draußen im All, auf dem Asteroiden Eros, ist die Schwerkraft 3000-mal schwächer als auf der Erde. Selbst Ex-Kanzler Helmut Kohl würde dort nur so viel wie ein Maulwurf wiegen.
Die wunderbare Leichtigkeit auf Eros (benannt nach dem griechischen Liebesgott) hat die Phantasie von Weltraumforschern angeregt. Vor fünf Jahren startete die Nasa die Raumsonde "Near", um den über 300 Millionen Kilometer entfernten Himmelskörper zu erforschen; Anfang 2000 schwenkte der Roboter in eine Umlaufbahn ein. Mittlerweile ist der Treibstoff fast aufgebraucht. Nun wollen die Nasa-Ingenieure ihren Weltraummüll auf ungewöhnliche Weise entsorgen: durch eine Bruchlandung im Asteroidenstaub.
"Eigentlich ist die Sonde gar nicht für ein solches Flugmanöver ausgerüstet", sagt der an der "Near"-Mission beteiligte Planetologe Johannes Brückner, der am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie forscht. "Aber wegen der extrem geringen Anziehungskraft von Eros könnte die Sonde den Absturz überstehen." Anfang dieser Woche soll der Flugroboter (so schwer wie ein VW Käfer) seine Umlaufbahn verlassen. Im Schleichtempo wird "Near" auf die Kraterlandschaft herabsinken. Der Aufprall ist nur so heftig wie bei einem Menschen, der nachts aus dem Bett fällt. Dann soll die Sonde ein letztes Lebenszeichen senden - und für immer verstummen.
Der Kamikaze-Flug ist mehr als eine Spielerei von Nasa-Ingenieuren. Während ihres Abstiegs soll die Sonde Nahaufnahmen und Messungen von Eros liefern. Schon die Daten, die "Near" bislang heimwärts funkte, haben die Himmelsforscher in Erstaunen versetzt. "Zum ersten Mal", sagt Brückner, "konnten wir einen solchen Koloss aus nächster Nähe untersuchen."
Durch irdische Teleskope betrachtet erscheinen Asteroiden nur als schwache Lichtpünktchen. Mit bloßem Auge ist Eros zum Beispiel gar nicht zu erkennen. Erst in einer von der "Near"-Sonde aufgenommenen Filmsequenz zeigt der kartoffelförmige Trumm sein wahres Gesicht: Wie ein rotierendes Wurfgeschoss wälzt sich das Gesteins-Monster, das so lang ist wie die Insel Sylt, auf den Zuschauer zu. Brückner: "ein Anblick wie aus einem Katastrophenfilm".
Bislang waren die meisten Planetologen davon ausgegangen, dass kilometergroße Asteroiden gar keine festen Gebilde sind, sondern nur lose zusammengesetzte Schutthaufen. Weil Asteroiden ständig mit anderen Himmelskörpern kollidieren, so sagten es Computersimulationen voraus, seien die größeren Brocken im Laufe der Zeit längst in viele kleine Bruchstücke zertrümmert worden.
Zur Überraschung der Forscher ist Eros jedoch alles andere als ein lockerer Geröllhaufen: Bei den "Near"-Messungen kam heraus, dass seine Dichte kaum Schwankungen aufweist und fast so hoch ist wie die der Erdkruste. "Eros ist ein einziger kompakter Gesteinsbrocken", folgert Brückner. "Allenfalls im Innern liegen vielleicht ein paar Hohlräume verborgen."
Andererseits haben die "Near"-Aufnahmen bestätigt, dass auch Eros im Laufe seines Lebens häufig mit anderen kosmischen Geschossen zusammengestoßen ist. Auf seiner Oberfläche (doppelt so groß wie Berlin) haben die Forscher über 100 000 Einschlagskrater mit einem Durchmesser von mehr als 15 Metern gezählt. Als Überbleibsel des Dauerbombardements liegen überall in der Kraterlandschaft haushohe Trümmer herum. Bislang haben die Wissenschaftler keine Erklärung, weshalb der Riesen-Monolith trotz des Steinschlags weitgehend intakt geblieben ist.
Dass Riesen-Asteroiden stabiler sind als bislang angenommen, könnte sich für die Menschheit dereinst noch als Segen erweisen: Alle paar Millionen Jahre gerät ein solcher Koloss auf Kollisionskurs mit der Erde. "Rast nur ein einzelner fester Körper auf uns zu, könnte man noch versuchen, ihn rechtzeitig von seiner Bahn abzubringen", spekuliert Brückner. "Bei einem lose zusammenhängenden Geröllhaufen, der aus Tausenden Gesteinsbrocken besteht, wäre das völlig sinnlos."
Draußen im All gibt es zuhauf solche umherirrenden Geschosse, die im Stande wären, eine globale Katastrophe auszulösen. Laut einer neuen Studie zirkulieren im Sonnensystem rund 900 kilometergroße Asteroiden, die der Erde gefährlich nahe kommen könnten. Noch nicht einmal von jedem zweiten kennen die Himmelsforscher bislang die exakte Bahn.
Eros selbst aber, so ergibt sich aus detaillierten Bahnmessungen, wird der Menschheit wohl nicht so bald zu Leibe rücken: Zumindest in den nächsten 100 000 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes unter fünf Prozent.
Erstaunt hat die Astronomen, wie uralt Eros ist. Bei der Spektralanalyse seiner Oberfläche kam heraus, dass die Verteilung schwerer Elemente exakt der im Urnebel entspricht, aus dem vor viereinhalb Milliarden Jahren auch Sonne und Planeten hervorgegangen sind. "In diesem Asteroiden", schwärmt Brückner, "wurde Materie aus der Geburtsstunde des Sonnensystems konserviert."
Vergleicht man den ferkelrosa schimmernden Asteroidenstaub mit schon bekannter Urmaterie, lässt sich abschätzen, dass auf Eros gigantische Mengen an Edelmetallen vorkommen müssen - mehr als in allen irdischen Gold- und Silberminen zusammengenommen. Ein Abbau dieser Bodenschätze wäre indes viel zu aufwendig: Die Eros-Metalle sind völlig gleichförmig im Boden verteilt. Anders als auf der Erde haben sich Erze nirgendwo angereichert.
Schon eher wäre der Asteroid ein Paradies für Extremsportler. Golfer auf Eros könnten ihre Bälle kilometerweit schlagen. Kletterer würden, wenn sie abstürzen, gemächlich zu Boden schweben. Jogger könnten sich einen Spaß daraus machen, von Felshügel zu Felshügel zu hüpfen.
Aber Vorsicht: Wer zu übermütig in die Höhe springt, hebt vom Eros-Boden ab - und segelt für immer in die Tiefen des Weltraums davon.
OLAF STAMPF
gefunden in: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,116950,00.html
Natürlich handelt es sich hierbei um eine sinnlose Geldverschwendung, die mich an die "Brot-und-Spiele"-Politik der Römer oder an die "immerwährende-Kriegs"-Politik im Buch "1984" erinnert. Faszinieren tut's mich trotzdem.... http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif
Exor
Eros ist so lang wie Sylt und so alt wie die Sonne: Diese Woche soll eine Nasa-Sonde auf dem Asteroiden landen.
Von einer solchen Welt träumen alle Übergewichtigen. Weit draußen im All, auf dem Asteroiden Eros, ist die Schwerkraft 3000-mal schwächer als auf der Erde. Selbst Ex-Kanzler Helmut Kohl würde dort nur so viel wie ein Maulwurf wiegen.
Die wunderbare Leichtigkeit auf Eros (benannt nach dem griechischen Liebesgott) hat die Phantasie von Weltraumforschern angeregt. Vor fünf Jahren startete die Nasa die Raumsonde "Near", um den über 300 Millionen Kilometer entfernten Himmelskörper zu erforschen; Anfang 2000 schwenkte der Roboter in eine Umlaufbahn ein. Mittlerweile ist der Treibstoff fast aufgebraucht. Nun wollen die Nasa-Ingenieure ihren Weltraummüll auf ungewöhnliche Weise entsorgen: durch eine Bruchlandung im Asteroidenstaub.
"Eigentlich ist die Sonde gar nicht für ein solches Flugmanöver ausgerüstet", sagt der an der "Near"-Mission beteiligte Planetologe Johannes Brückner, der am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie forscht. "Aber wegen der extrem geringen Anziehungskraft von Eros könnte die Sonde den Absturz überstehen." Anfang dieser Woche soll der Flugroboter (so schwer wie ein VW Käfer) seine Umlaufbahn verlassen. Im Schleichtempo wird "Near" auf die Kraterlandschaft herabsinken. Der Aufprall ist nur so heftig wie bei einem Menschen, der nachts aus dem Bett fällt. Dann soll die Sonde ein letztes Lebenszeichen senden - und für immer verstummen.
Der Kamikaze-Flug ist mehr als eine Spielerei von Nasa-Ingenieuren. Während ihres Abstiegs soll die Sonde Nahaufnahmen und Messungen von Eros liefern. Schon die Daten, die "Near" bislang heimwärts funkte, haben die Himmelsforscher in Erstaunen versetzt. "Zum ersten Mal", sagt Brückner, "konnten wir einen solchen Koloss aus nächster Nähe untersuchen."
Durch irdische Teleskope betrachtet erscheinen Asteroiden nur als schwache Lichtpünktchen. Mit bloßem Auge ist Eros zum Beispiel gar nicht zu erkennen. Erst in einer von der "Near"-Sonde aufgenommenen Filmsequenz zeigt der kartoffelförmige Trumm sein wahres Gesicht: Wie ein rotierendes Wurfgeschoss wälzt sich das Gesteins-Monster, das so lang ist wie die Insel Sylt, auf den Zuschauer zu. Brückner: "ein Anblick wie aus einem Katastrophenfilm".
Bislang waren die meisten Planetologen davon ausgegangen, dass kilometergroße Asteroiden gar keine festen Gebilde sind, sondern nur lose zusammengesetzte Schutthaufen. Weil Asteroiden ständig mit anderen Himmelskörpern kollidieren, so sagten es Computersimulationen voraus, seien die größeren Brocken im Laufe der Zeit längst in viele kleine Bruchstücke zertrümmert worden.
Zur Überraschung der Forscher ist Eros jedoch alles andere als ein lockerer Geröllhaufen: Bei den "Near"-Messungen kam heraus, dass seine Dichte kaum Schwankungen aufweist und fast so hoch ist wie die der Erdkruste. "Eros ist ein einziger kompakter Gesteinsbrocken", folgert Brückner. "Allenfalls im Innern liegen vielleicht ein paar Hohlräume verborgen."
Andererseits haben die "Near"-Aufnahmen bestätigt, dass auch Eros im Laufe seines Lebens häufig mit anderen kosmischen Geschossen zusammengestoßen ist. Auf seiner Oberfläche (doppelt so groß wie Berlin) haben die Forscher über 100 000 Einschlagskrater mit einem Durchmesser von mehr als 15 Metern gezählt. Als Überbleibsel des Dauerbombardements liegen überall in der Kraterlandschaft haushohe Trümmer herum. Bislang haben die Wissenschaftler keine Erklärung, weshalb der Riesen-Monolith trotz des Steinschlags weitgehend intakt geblieben ist.
Dass Riesen-Asteroiden stabiler sind als bislang angenommen, könnte sich für die Menschheit dereinst noch als Segen erweisen: Alle paar Millionen Jahre gerät ein solcher Koloss auf Kollisionskurs mit der Erde. "Rast nur ein einzelner fester Körper auf uns zu, könnte man noch versuchen, ihn rechtzeitig von seiner Bahn abzubringen", spekuliert Brückner. "Bei einem lose zusammenhängenden Geröllhaufen, der aus Tausenden Gesteinsbrocken besteht, wäre das völlig sinnlos."
Draußen im All gibt es zuhauf solche umherirrenden Geschosse, die im Stande wären, eine globale Katastrophe auszulösen. Laut einer neuen Studie zirkulieren im Sonnensystem rund 900 kilometergroße Asteroiden, die der Erde gefährlich nahe kommen könnten. Noch nicht einmal von jedem zweiten kennen die Himmelsforscher bislang die exakte Bahn.
Eros selbst aber, so ergibt sich aus detaillierten Bahnmessungen, wird der Menschheit wohl nicht so bald zu Leibe rücken: Zumindest in den nächsten 100 000 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes unter fünf Prozent.
Erstaunt hat die Astronomen, wie uralt Eros ist. Bei der Spektralanalyse seiner Oberfläche kam heraus, dass die Verteilung schwerer Elemente exakt der im Urnebel entspricht, aus dem vor viereinhalb Milliarden Jahren auch Sonne und Planeten hervorgegangen sind. "In diesem Asteroiden", schwärmt Brückner, "wurde Materie aus der Geburtsstunde des Sonnensystems konserviert."
Vergleicht man den ferkelrosa schimmernden Asteroidenstaub mit schon bekannter Urmaterie, lässt sich abschätzen, dass auf Eros gigantische Mengen an Edelmetallen vorkommen müssen - mehr als in allen irdischen Gold- und Silberminen zusammengenommen. Ein Abbau dieser Bodenschätze wäre indes viel zu aufwendig: Die Eros-Metalle sind völlig gleichförmig im Boden verteilt. Anders als auf der Erde haben sich Erze nirgendwo angereichert.
Schon eher wäre der Asteroid ein Paradies für Extremsportler. Golfer auf Eros könnten ihre Bälle kilometerweit schlagen. Kletterer würden, wenn sie abstürzen, gemächlich zu Boden schweben. Jogger könnten sich einen Spaß daraus machen, von Felshügel zu Felshügel zu hüpfen.
Aber Vorsicht: Wer zu übermütig in die Höhe springt, hebt vom Eros-Boden ab - und segelt für immer in die Tiefen des Weltraums davon.
OLAF STAMPF
gefunden in: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,116950,00.html
Natürlich handelt es sich hierbei um eine sinnlose Geldverschwendung, die mich an die "Brot-und-Spiele"-Politik der Römer oder an die "immerwährende-Kriegs"-Politik im Buch "1984" erinnert. Faszinieren tut's mich trotzdem.... http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif
Exor