Sascha
04.06.2001, 20:36
Drohungen an Tschechien: Pfingsttreffen der Sudetendeutschen in Augsburg. jW-Bericht
Deutsche Revanchisten dürften bei aller Empörung über die »Schlußstrichpolitik« der Bundesregierung in Sachen Vertreibung der Sudetendeutschen insgeheim mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen, welche Demütigungen Tschechien während der Verhandlungen um die Aufnahme in die Europäische Union hinnehmen muß.
Am Sonntag machte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zum Abschluß des 52. Sudetendeutschen Tages in Augsburg neue Forderungen an die tschechische Regierung auf. In erster Linie verlangte er von Prag die Aufhebung der nach dem Zweiten Weltkrieg vom tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Benes erlassenen Dekrete, mit denen die Enteignung und Ausweisung der Sudetendeutschen verfügt wurde.
Stoiber wetterte, Tschechien werde »in der Wertegemeinschaft Europas ein Fremdkörper bleiben«, wenn man sich dort nicht von den Dekreten distanziere, die ein »Problem, ja eine Wunde Europas« seien. Mit ihnen würden »Enteignung, Vertreibung, Mord und Totschlag« noch immer für rechtens erklärt. Die Sudetendeutschen hätten zumindest ein Recht auf immaterielle Wiedergutmachung.
Daß es in Wirklichkeit um weit mehr geht als um Entschuldigungen, wurde deutlich, als Stoiber die tschechische Republik ermunterte, die Sudetendeutschen »und ihre Nachkommen« beim EU-Beitritt von Übergangsregelungen für den Erwerb von Grund und Boden auszunehmen. Die Tschechische Republik hatte, nachdem von EU-Seite Übergangsfristen für die »Arbeitnehmer- und Dienstleistungsfreiheit« zur Voraussetzung für den Beitritt gemacht worden waren, ähnliche Fristen für den Erwerb von Grund und Boden durch Alt-EU-Bewohner oder -firmen verlangt. Zuvor hatte Stoiber das Nachbarland bezichtigt, die EU »als Selbstbedienungsladen« zu sehen, der »vor allem immer wieder von Deutschland aufgefüllt wird«.
Johann Böhm (CSU), bayrischer Landtagspräsident und Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, verlangte, das förmliche Abrücken von den Benes-Dekreten solle zur Voraussetzung für einen EU-Beitritt Tschechiens gemacht werden. Während die in der Zeit des Faschismus an den Tschechen begangenen schweren Verbrechen »im Rahmen des Möglichen wiedergutgemacht« worden seien, stehe das den Vertriebenen angetane Unrecht »völlig unaufgearbeitet im Raum«.
Höhepunkt des Treffens, an dem rund 50 000 Menschen teilnahmen, war die Verleihung des »Europäischen Karlspreises« an den österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Samstag. Mit der Verleihung, die der Geehrte gerührt einen »Akt der Solidarität« nannte, wolle man die Verdienste Schüssels um die EU-Osterweiterung und seinen Einsatz für Minderheiten würdigen. In erster Linie war der Preis offenbar ein Dank an Schüssel für sein Engagement für die »Vertriebenen«. Seine Regierung verhandelt seit März auf offizieller Ebene mit Tschechien über eine Aufhebung der Dekrete.
Mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesinnenministerium Cornelie Sonntag-Wolgast nahm erstmals ein Mitglied der rot-grünen Bundesregierung an einem Sudetendeutschen Tag teil. Sie erntete Pfiffe und Buhrufe, als sie betonte, die Bundesregierung halte daran fest, »daß der Beitritt Tschechiens zur EU nicht mit politischen oder rechtlichen Fragen aus der Vergangenheit verknüpft werden darf«. Anschließend betonte die SPD-Politikerin aber unter großem Beifall, »daß Unrecht auch Unrecht genannt werden muß«.
gefunden in:
http://www.jungewelt.de/start.html
Jedes Jahr das gleiche Spiel. Diese rechtsgerichteten und Ewiggestrigen treffen sich unter dem Deckmäntelchen "Sudetendeutsch" und verkünden hart an der Grenze des guten Geschmacks ihre "Heim-ins-Reich"-Parolen. Auch dieses Jahr war es wieder so weit: Als sich der scheinbar tollwutinfizierte Stoiber zu Wort meldete, mußte ich mir mal wieder vor Augen halten, daß Hitler noch in vielen Köpfen weiterlebt...
Deutsche Revanchisten dürften bei aller Empörung über die »Schlußstrichpolitik« der Bundesregierung in Sachen Vertreibung der Sudetendeutschen insgeheim mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen, welche Demütigungen Tschechien während der Verhandlungen um die Aufnahme in die Europäische Union hinnehmen muß.
Am Sonntag machte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zum Abschluß des 52. Sudetendeutschen Tages in Augsburg neue Forderungen an die tschechische Regierung auf. In erster Linie verlangte er von Prag die Aufhebung der nach dem Zweiten Weltkrieg vom tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Benes erlassenen Dekrete, mit denen die Enteignung und Ausweisung der Sudetendeutschen verfügt wurde.
Stoiber wetterte, Tschechien werde »in der Wertegemeinschaft Europas ein Fremdkörper bleiben«, wenn man sich dort nicht von den Dekreten distanziere, die ein »Problem, ja eine Wunde Europas« seien. Mit ihnen würden »Enteignung, Vertreibung, Mord und Totschlag« noch immer für rechtens erklärt. Die Sudetendeutschen hätten zumindest ein Recht auf immaterielle Wiedergutmachung.
Daß es in Wirklichkeit um weit mehr geht als um Entschuldigungen, wurde deutlich, als Stoiber die tschechische Republik ermunterte, die Sudetendeutschen »und ihre Nachkommen« beim EU-Beitritt von Übergangsregelungen für den Erwerb von Grund und Boden auszunehmen. Die Tschechische Republik hatte, nachdem von EU-Seite Übergangsfristen für die »Arbeitnehmer- und Dienstleistungsfreiheit« zur Voraussetzung für den Beitritt gemacht worden waren, ähnliche Fristen für den Erwerb von Grund und Boden durch Alt-EU-Bewohner oder -firmen verlangt. Zuvor hatte Stoiber das Nachbarland bezichtigt, die EU »als Selbstbedienungsladen« zu sehen, der »vor allem immer wieder von Deutschland aufgefüllt wird«.
Johann Böhm (CSU), bayrischer Landtagspräsident und Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, verlangte, das förmliche Abrücken von den Benes-Dekreten solle zur Voraussetzung für einen EU-Beitritt Tschechiens gemacht werden. Während die in der Zeit des Faschismus an den Tschechen begangenen schweren Verbrechen »im Rahmen des Möglichen wiedergutgemacht« worden seien, stehe das den Vertriebenen angetane Unrecht »völlig unaufgearbeitet im Raum«.
Höhepunkt des Treffens, an dem rund 50 000 Menschen teilnahmen, war die Verleihung des »Europäischen Karlspreises« an den österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Samstag. Mit der Verleihung, die der Geehrte gerührt einen »Akt der Solidarität« nannte, wolle man die Verdienste Schüssels um die EU-Osterweiterung und seinen Einsatz für Minderheiten würdigen. In erster Linie war der Preis offenbar ein Dank an Schüssel für sein Engagement für die »Vertriebenen«. Seine Regierung verhandelt seit März auf offizieller Ebene mit Tschechien über eine Aufhebung der Dekrete.
Mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesinnenministerium Cornelie Sonntag-Wolgast nahm erstmals ein Mitglied der rot-grünen Bundesregierung an einem Sudetendeutschen Tag teil. Sie erntete Pfiffe und Buhrufe, als sie betonte, die Bundesregierung halte daran fest, »daß der Beitritt Tschechiens zur EU nicht mit politischen oder rechtlichen Fragen aus der Vergangenheit verknüpft werden darf«. Anschließend betonte die SPD-Politikerin aber unter großem Beifall, »daß Unrecht auch Unrecht genannt werden muß«.
gefunden in:
http://www.jungewelt.de/start.html
Jedes Jahr das gleiche Spiel. Diese rechtsgerichteten und Ewiggestrigen treffen sich unter dem Deckmäntelchen "Sudetendeutsch" und verkünden hart an der Grenze des guten Geschmacks ihre "Heim-ins-Reich"-Parolen. Auch dieses Jahr war es wieder so weit: Als sich der scheinbar tollwutinfizierte Stoiber zu Wort meldete, mußte ich mir mal wieder vor Augen halten, daß Hitler noch in vielen Köpfen weiterlebt...