Sascha
07.06.2001, 12:12
Keine Besserung auf dem Arbeitsmarkt in Sicht
Von Nicole Adolph, Hamburg
Die Aussichten auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind weiterhin düster. Bereinigt um saisonale Einflüsse stieg die Zahl der Arbeitslosen auch im Mai - zum fünften Mal in Folge. Die Bundesanstalt für Arbeit hat ihre Prognose für dieses Jahr zurückgeschraubt.
Im Vergleich zum April stieg die Arbeitslosenzahl um rund 18.000 auf 3,829 Millionen, teilte die Bundesanstalt für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mit. Unbereinigt sank die Zahl der Arbeitslosen um 147.000 auf 3,721 Millionen. Die Arbeitslosenquote betrug damit 9,0 Prozent (April: 9,5 Prozent). Die saisonbereinigte EU-standardisierte Erwerbslosenquote betrug im Mai 7,8 Prozent. In den Vormonaten hatte sie jeweils bei 7,7 Prozent gelegen.
In den alten Bundesländern waren laut Bundesanstalt 2,385 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Dies waren 88.400 weniger als im Vormonat und 73.900 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 7,1 Prozent. In den neuen Ländern wurden 1,335 Millionen Arbeitslose gezählt, was einem Rückgang gegenüber dem Vormonat um 58.700 und einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 6.400 entspricht. Die Arbeitslosenquote lag im Osten bei 17 Prozent.
Bundesanstalt erwartet mehr Arbeitslose als bisher
Nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeit wird sich der Arbeitsmarkt in diesem Jahr schlechter entwickeln als bisher von ihr erwartet. "Wir gehen derzeit im Jahresdurchschnitt von 3,7 Millionen Arbeitslosen aus", sagte Vizepräsident Heinrich Alt am Donnerstag in Nürnberg. Die Bundesanstalt reagiere damit auf die zunehmende Skepsis der Bundesregierung für den Arbeitsmarkt. Die Bundesanstalt hatte bisher gut 3,6 Millionen Menschen ohne Beschäftigung im Jahresdurchschnitt 2001 erwartet, die Bundesregierung hatte ihre Prognose im Mai um 90.000 hinaufgesetzt. Das Ziel von Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Arbeitslosenzahl bis Herbst 2002 auf 3,5 Millionen zu senken, hält Alt "nach für vor für machbar, aber ehrgeizig".
Sonderfaktoren wie die BSE-Krise und der drastische Anstieg der Energiekosten, die sich im ersten Halbjahr 2001 negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt hätten, fielen in der zweiten Jahreshälfte möglicherweise weg und sorgten für einen positiven Effekt, sagte Alt. Vor der Urlaubssaison sei aber nicht mit einer Besserung zu rechnen.
DGB sieht Ziel der Regierung in Gefahr
Nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) gefährdet die Entwicklung am Arbeitsmarkt das Ziel der Regierung, die Zahl der Arbeitslosen im Bundestagswahljahr 2002 unter 3,5 Millionen zu drücken. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer sagte, der Rückgang der Arbeitslosenzahl dürfte im Jahresschnitt um 100.000 geringer ausfallen als geplant. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums erklärte, das 3,5-Millionen-Ziel sei dennoch zu erreichen.
Volkswirte sagten in einer ersten Reaktion auf die jüngsten Arbeitsmarktdaten, die schwächere Konjunktur schlage nun verstärkt auf den Arbeitsmarkt durch. Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin nannte die Zahlen enttäuschend. Ralph Solven von der Commerzbank sagte, er rechne erst 2002 wieder mit fallenden Arbeitslosenzahlen. Die Erwartungen seien mittlerweile "sehr viel negativer" als noch vor einem Monat, sagte auch ein Experte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Nach übereinstimmenden Einschätzungen von Experten könnte sich die Zahl "stramm auf die 3,8 Millionen" hin entwickeln.
Riester bleibt optimistisch
Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) beurteilt die Entwicklung am Arbeitsmarkt trotz Eintrübung als "weiterhin positiv". Die Arbeitslosigkeit sinke seit dem Regierungsantritt kontinuierlich. "Allerdings hat sich der erfreuliche Trend im Mai 2001 abgeschwächt", räumte Riester am Donnerstag ein. Dies sei "in erster Linie" Folge der abgekühlten Weltkonjunktur. Darunter habe besonders die deutsche Exportindustrie zu leiden. Dennoch befinde sich die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand in einem Mai seit 1995.
"Dass die Jobmaschine Deutschland läuft", zeige auch die Entwicklung der Erwerbstätigkeit, meinte der Minister unter Hinweis auf Schätzungen des Statistischen Bundesamtes. Demzufolge zu Folge erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im März 2001 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahrs um 294.000 auf 38,363 Millionen. Als "erfreulich" bewertete Riester die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei Älteren über 50 Jahre, bei Langzeitarbeitslosen sowie bei Ausländern und Schwerbehinderten. Die Arbeitslosigkeit dieser Gruppen ist im Bundesgebiet überdurchschnittlich gesunken. "Hier zeigen die verschiedenen Initiativen der Bundesregierung und der Bundesanstalt für Arbeit Erfolg." Auch vom Lehrstellenmarkt gebe es "positive Signale".
gefunden in:
http://www.ftd.de/pw/de/FTD0DD32ONC.html?nv=hpm
Da sollte die Regierung eigentlich nicht so eine Schönfärberei betreiben, sondern mal offensiv gegen angehen (dieses Aussitzen kennt man ja noch von anderen Politikern). Und nur mit Subventioneriung ist da auch nicht immer was zu machen.
Sascha
Von Nicole Adolph, Hamburg
Die Aussichten auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind weiterhin düster. Bereinigt um saisonale Einflüsse stieg die Zahl der Arbeitslosen auch im Mai - zum fünften Mal in Folge. Die Bundesanstalt für Arbeit hat ihre Prognose für dieses Jahr zurückgeschraubt.
Im Vergleich zum April stieg die Arbeitslosenzahl um rund 18.000 auf 3,829 Millionen, teilte die Bundesanstalt für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mit. Unbereinigt sank die Zahl der Arbeitslosen um 147.000 auf 3,721 Millionen. Die Arbeitslosenquote betrug damit 9,0 Prozent (April: 9,5 Prozent). Die saisonbereinigte EU-standardisierte Erwerbslosenquote betrug im Mai 7,8 Prozent. In den Vormonaten hatte sie jeweils bei 7,7 Prozent gelegen.
In den alten Bundesländern waren laut Bundesanstalt 2,385 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Dies waren 88.400 weniger als im Vormonat und 73.900 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 7,1 Prozent. In den neuen Ländern wurden 1,335 Millionen Arbeitslose gezählt, was einem Rückgang gegenüber dem Vormonat um 58.700 und einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 6.400 entspricht. Die Arbeitslosenquote lag im Osten bei 17 Prozent.
Bundesanstalt erwartet mehr Arbeitslose als bisher
Nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeit wird sich der Arbeitsmarkt in diesem Jahr schlechter entwickeln als bisher von ihr erwartet. "Wir gehen derzeit im Jahresdurchschnitt von 3,7 Millionen Arbeitslosen aus", sagte Vizepräsident Heinrich Alt am Donnerstag in Nürnberg. Die Bundesanstalt reagiere damit auf die zunehmende Skepsis der Bundesregierung für den Arbeitsmarkt. Die Bundesanstalt hatte bisher gut 3,6 Millionen Menschen ohne Beschäftigung im Jahresdurchschnitt 2001 erwartet, die Bundesregierung hatte ihre Prognose im Mai um 90.000 hinaufgesetzt. Das Ziel von Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Arbeitslosenzahl bis Herbst 2002 auf 3,5 Millionen zu senken, hält Alt "nach für vor für machbar, aber ehrgeizig".
Sonderfaktoren wie die BSE-Krise und der drastische Anstieg der Energiekosten, die sich im ersten Halbjahr 2001 negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt hätten, fielen in der zweiten Jahreshälfte möglicherweise weg und sorgten für einen positiven Effekt, sagte Alt. Vor der Urlaubssaison sei aber nicht mit einer Besserung zu rechnen.
DGB sieht Ziel der Regierung in Gefahr
Nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) gefährdet die Entwicklung am Arbeitsmarkt das Ziel der Regierung, die Zahl der Arbeitslosen im Bundestagswahljahr 2002 unter 3,5 Millionen zu drücken. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer sagte, der Rückgang der Arbeitslosenzahl dürfte im Jahresschnitt um 100.000 geringer ausfallen als geplant. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums erklärte, das 3,5-Millionen-Ziel sei dennoch zu erreichen.
Volkswirte sagten in einer ersten Reaktion auf die jüngsten Arbeitsmarktdaten, die schwächere Konjunktur schlage nun verstärkt auf den Arbeitsmarkt durch. Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin nannte die Zahlen enttäuschend. Ralph Solven von der Commerzbank sagte, er rechne erst 2002 wieder mit fallenden Arbeitslosenzahlen. Die Erwartungen seien mittlerweile "sehr viel negativer" als noch vor einem Monat, sagte auch ein Experte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Nach übereinstimmenden Einschätzungen von Experten könnte sich die Zahl "stramm auf die 3,8 Millionen" hin entwickeln.
Riester bleibt optimistisch
Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) beurteilt die Entwicklung am Arbeitsmarkt trotz Eintrübung als "weiterhin positiv". Die Arbeitslosigkeit sinke seit dem Regierungsantritt kontinuierlich. "Allerdings hat sich der erfreuliche Trend im Mai 2001 abgeschwächt", räumte Riester am Donnerstag ein. Dies sei "in erster Linie" Folge der abgekühlten Weltkonjunktur. Darunter habe besonders die deutsche Exportindustrie zu leiden. Dennoch befinde sich die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand in einem Mai seit 1995.
"Dass die Jobmaschine Deutschland läuft", zeige auch die Entwicklung der Erwerbstätigkeit, meinte der Minister unter Hinweis auf Schätzungen des Statistischen Bundesamtes. Demzufolge zu Folge erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im März 2001 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahrs um 294.000 auf 38,363 Millionen. Als "erfreulich" bewertete Riester die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei Älteren über 50 Jahre, bei Langzeitarbeitslosen sowie bei Ausländern und Schwerbehinderten. Die Arbeitslosigkeit dieser Gruppen ist im Bundesgebiet überdurchschnittlich gesunken. "Hier zeigen die verschiedenen Initiativen der Bundesregierung und der Bundesanstalt für Arbeit Erfolg." Auch vom Lehrstellenmarkt gebe es "positive Signale".
gefunden in:
http://www.ftd.de/pw/de/FTD0DD32ONC.html?nv=hpm
Da sollte die Regierung eigentlich nicht so eine Schönfärberei betreiben, sondern mal offensiv gegen angehen (dieses Aussitzen kennt man ja noch von anderen Politikern). Und nur mit Subventioneriung ist da auch nicht immer was zu machen.
Sascha