KA111
12.06.2001, 15:57
Welteke: Euro-Kurs muss sehr genau beobachtet werden
Zuletzt aktualisiert: 12 Jun 2001 13:00 GMT+00:00 (Reuters)
Zürich (Reuters) - Die EZB muss die Kursentwicklung des Euro nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke mit Blick auf mögliche Inflationsgefahren sehr genau beobachten. Bei einer Veranstaltung in Zürich bekräftigte Welteke am Dienstag zudem, die Europäische Zentralbank (EZB) habe ein großes Interesse an einem starken Euro. Wegen der jüngsten Euro-Schwäche spekulieren die Devisenmärkte seit Wochen über mögliche Euro- Stützungskäufe der EZB. Die Kursverluste der Währung liegen Welteke zufolge nicht nur an den Kapitalabflüssen aus der Euro-Zone, sondern auch an der Unsicherheit über die weitere politische Entwicklung in einigen Mitgliedsstaaten. Den aktuellen geldpolitischen Kurs der Notenbank bezeichnete das EZB-Ratsmitglied als angemessen, um mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten. Die Inflation in der Euro-Zone werde von vorübergehenden Sonderfaktoren nach oben gezogen.
"Während die Konjunkturaussichten dem Preisauftrieb entgegenwirken, muss die Entwicklung des Euro- Wechselkurses im Hinblick auf mögliche Gefahren für die Preisstabilität sehr genau beobachtet werden", sagte Welteke vor der Handelskammer Deutschland-Schweiz. Der Außenwert des Euro sei ein sehr wichtiger Indikator im Rahmen der zweiten Säule der geldpolitischen Strategie der EZB. "Derzeit ist er zudem eine psychologische Hürde für die öffentliche Akzeptanz der Währung." Daher habe die Notenbank ein großes Interesse an einer starken Gemeinschaftswährung. "Ein starker Euro macht unsere Aufgabe einfacher, stabile Preise zu gewährleisten."
Auf die Frage, warum der Euro in der jüngsten Vergangenheit trotz der derzeitig im Vergleich zu den USA günstigeren Wachstumsaussichten der Euro-Zone an Wert verloren habe, antwortete Welteke am Rande der Veranstaltung, Kapitalabflüsse seien nur ein Teil der Erklärung. "Es gibt viele Fragen über die weitere politische Entwicklung in Italien und Österreich sowie über das Referendum in Irland in der vergangenen Woche", sagte Welteke weiter. Am Freitag hatten die Iren in einer Volksabstimmung den EU-Vertrag von Nizza abgelehnt, der die Grundlage für die Osterweiterung legen soll. In Italien und Österreich ist jeweils eine rechtsgerichtete Partei an der Regierung beteiligt, was innerhalb der Europäischen Union (EU) teilweise heftige Kritik ausgelöst hatte.
Die Gemeinschaftswährung hat in den vergangenen sechs Wochen zum Dollar rund sechs US-Cents an Wert verloren und war am Montag auf ein Halbjahrestief von 0,8413 Dollar gefallen. Am frühen Dienstagnachmittag notierte die Währung mit Kursen um 0,8470 Dollar. Die jüngste Kursschwäche des Euro hatte an den Märkten Spekulationen ausgelöst, die EZB werde wie bereits mehrmals Ende 2000 zu Gunsten der Währung intervenieren.
Wegen der nach Weltekes Einschätzung derzeit günstigen Inflationsaussichten in der Euro-Zone sei die gegenwärtige Zinspolitik der EZB angemessen. Die Notenbank hatte am 10. Mai überraschend die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent im Schlüsselzins gesenkt und seitdem die Zinsen unverändert gelassen. Die von der EZB im Rahmen der zweiten Säule ihrer geldpolitischen Strategie - einer breiten Beurteilung der Preisentwicklung - berücksichtigten Indikatoren weisen Welteke zufolge auf nachlassenden Inflationsdruck hin. Die aktuelle Preisentwicklung sei zwar "unbefriedigend", beruhe aber auf temporären Effekten des gestiegenen Ölpreises und der Nahrungsmittelkrisen. "Ausschlaggebend dafür waren Sonderfaktoren, deren Wirkungen in den nächsten Monaten abklingen dürften."
Die Inflation in der Euro-Zone war im April auf 2,9 Prozent von 2,6 Prozent im März gestiegen. Bis zur Marke von 2,0 Prozent ist nach EZB-Definition mittelfristig Preisstabilität gewährleistet.
Welteke sagte weiter, dass nach dem Sieg der Labour-Partei bei der Parlamentswahl in Großbritannien in der vergangenen Woche die Chancen für einen Beitritt des Landes zur Euro-Zone deutlich gestiegen seien. Der vorher notwendige Beitritt zum Wechselkursmechanismus der Euro-Zone könne für den neuen und alten Premierminister Tony Blair jedoch politisch schwer durchsetzbar sein. Blairs Labour-Partei hatte bei den Wahlen eine deutliche absolute Mehrheit errungen. Blair hat bereits eine Volksabstimmung über den Euro-Beitritt angekündigt.
Gruß
KA111:)
Zuletzt aktualisiert: 12 Jun 2001 13:00 GMT+00:00 (Reuters)
Zürich (Reuters) - Die EZB muss die Kursentwicklung des Euro nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke mit Blick auf mögliche Inflationsgefahren sehr genau beobachten. Bei einer Veranstaltung in Zürich bekräftigte Welteke am Dienstag zudem, die Europäische Zentralbank (EZB) habe ein großes Interesse an einem starken Euro. Wegen der jüngsten Euro-Schwäche spekulieren die Devisenmärkte seit Wochen über mögliche Euro- Stützungskäufe der EZB. Die Kursverluste der Währung liegen Welteke zufolge nicht nur an den Kapitalabflüssen aus der Euro-Zone, sondern auch an der Unsicherheit über die weitere politische Entwicklung in einigen Mitgliedsstaaten. Den aktuellen geldpolitischen Kurs der Notenbank bezeichnete das EZB-Ratsmitglied als angemessen, um mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten. Die Inflation in der Euro-Zone werde von vorübergehenden Sonderfaktoren nach oben gezogen.
"Während die Konjunkturaussichten dem Preisauftrieb entgegenwirken, muss die Entwicklung des Euro- Wechselkurses im Hinblick auf mögliche Gefahren für die Preisstabilität sehr genau beobachtet werden", sagte Welteke vor der Handelskammer Deutschland-Schweiz. Der Außenwert des Euro sei ein sehr wichtiger Indikator im Rahmen der zweiten Säule der geldpolitischen Strategie der EZB. "Derzeit ist er zudem eine psychologische Hürde für die öffentliche Akzeptanz der Währung." Daher habe die Notenbank ein großes Interesse an einer starken Gemeinschaftswährung. "Ein starker Euro macht unsere Aufgabe einfacher, stabile Preise zu gewährleisten."
Auf die Frage, warum der Euro in der jüngsten Vergangenheit trotz der derzeitig im Vergleich zu den USA günstigeren Wachstumsaussichten der Euro-Zone an Wert verloren habe, antwortete Welteke am Rande der Veranstaltung, Kapitalabflüsse seien nur ein Teil der Erklärung. "Es gibt viele Fragen über die weitere politische Entwicklung in Italien und Österreich sowie über das Referendum in Irland in der vergangenen Woche", sagte Welteke weiter. Am Freitag hatten die Iren in einer Volksabstimmung den EU-Vertrag von Nizza abgelehnt, der die Grundlage für die Osterweiterung legen soll. In Italien und Österreich ist jeweils eine rechtsgerichtete Partei an der Regierung beteiligt, was innerhalb der Europäischen Union (EU) teilweise heftige Kritik ausgelöst hatte.
Die Gemeinschaftswährung hat in den vergangenen sechs Wochen zum Dollar rund sechs US-Cents an Wert verloren und war am Montag auf ein Halbjahrestief von 0,8413 Dollar gefallen. Am frühen Dienstagnachmittag notierte die Währung mit Kursen um 0,8470 Dollar. Die jüngste Kursschwäche des Euro hatte an den Märkten Spekulationen ausgelöst, die EZB werde wie bereits mehrmals Ende 2000 zu Gunsten der Währung intervenieren.
Wegen der nach Weltekes Einschätzung derzeit günstigen Inflationsaussichten in der Euro-Zone sei die gegenwärtige Zinspolitik der EZB angemessen. Die Notenbank hatte am 10. Mai überraschend die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent im Schlüsselzins gesenkt und seitdem die Zinsen unverändert gelassen. Die von der EZB im Rahmen der zweiten Säule ihrer geldpolitischen Strategie - einer breiten Beurteilung der Preisentwicklung - berücksichtigten Indikatoren weisen Welteke zufolge auf nachlassenden Inflationsdruck hin. Die aktuelle Preisentwicklung sei zwar "unbefriedigend", beruhe aber auf temporären Effekten des gestiegenen Ölpreises und der Nahrungsmittelkrisen. "Ausschlaggebend dafür waren Sonderfaktoren, deren Wirkungen in den nächsten Monaten abklingen dürften."
Die Inflation in der Euro-Zone war im April auf 2,9 Prozent von 2,6 Prozent im März gestiegen. Bis zur Marke von 2,0 Prozent ist nach EZB-Definition mittelfristig Preisstabilität gewährleistet.
Welteke sagte weiter, dass nach dem Sieg der Labour-Partei bei der Parlamentswahl in Großbritannien in der vergangenen Woche die Chancen für einen Beitritt des Landes zur Euro-Zone deutlich gestiegen seien. Der vorher notwendige Beitritt zum Wechselkursmechanismus der Euro-Zone könne für den neuen und alten Premierminister Tony Blair jedoch politisch schwer durchsetzbar sein. Blairs Labour-Partei hatte bei den Wahlen eine deutliche absolute Mehrheit errungen. Blair hat bereits eine Volksabstimmung über den Euro-Beitritt angekündigt.
Gruß
KA111:)