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Sascha
26.06.2001, 12:45
VW und IG Metall geraten aneinander

Das Pilotprojekt "5000 mal 5000" bei VW ist gescheitert und IG-Metall-Chef Zwickel sauer: Der Autokonzern habe "den Hals nicht voll genug bekommen".

(sueddeutsche.de/dpa) - Nach den gescheiterten Verhandlungen zum neuen Arbeitsmodell 5000 mal 5000 bei VW kritisierte IG Metall-Chef Klaus Zwickel die Führung des Wolfsburger Autokonzerns massiv.

Der Vorstand habe den Hals nicht voll bekommen können, auf Signale nicht reagiert und die IG Metall mit ungeheuerlichen Forderungen überfordert, sagte Zwickel am Montagabend in Hannover.

Zuvor war die sechste Gesprächsrunde nach rund zehnstündiger Dauer wegen nach wie vor unüberbrückbarer Differenzen bei Arbeitszeit und Bezahlung und ohne Chance auf eine spätere Einigung abgebrochen worden.
Die bis zu 5000 neuen VW-Arbeitsplätze wird es daher nicht geben.

VW habe durch effektivere und qualitativ bessere Arbeit innerhalb des Modells 20 bis 25 Prozent einsparen können, aber noch tiefer in die Tasche der Arbeitnehmer greifen wollen, meinte Zwickel, der bei VW auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Torpedo

Selbst am Ende der Gespräche hätten beide Seiten noch mehrere tausend DM pro Jahr und Arbeitsplatz getrennt. VW habe das Modell als Torpedo nutzen wollen, um den Haustarif schrittweise außer Kraft zu setzen, sagte Zwickel.

Sein Verhandlungsleiter Hartmut Meine erklärte, VW habe sich bei der Arbeitszeit nicht bewegt, sondern nur nebulös verpackte neue Formulierungen zu 42,5 Stunden Wochenarbeitszeit abgeliefert.
Außerdem hätte die Bezahlung unterhalb des Flächentarifvertrags gelegen.
Diesen Abschluss habe die Gewerkschaft nicht verantworten können.

VW-Verhandlungsführer Josef Senn sagte, die IG Metall habe vor allem das System des Programmentgelts von 5000 DM (2556 Euro) plus Ergebnisbeteiligung nicht akzeptiert. VW habe am Montag eine Wert schöpfende Arbeitszeit von 35 Stunden in der Woche angeboten plus 7,5 Stunden für Qualifizierungszwecke.

Das Grundentgelt hätte 4500 DM plus 500 DM Vergütung für die Qualifizierungszeiten betragen. Hinzu wäre ein Leistungsbonus bei Erreichen der Gewinnschwelle und ein weiterer bei Erreichen der Renditeziele gezahlt worden.

Lange wöchentliche Arbeitszeit

VW hatte sich erst in der vergangenen Woche von der ursprünglichen Forderung von bis zu 48 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit verabschiedet.

Bei dem Pilotprojekt sollten nach Plänen von VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz zunächst 3500 Mitarbeiter am Standort Wolfsburg eingestellt werden und einen neuen Minivan auf der Basis des VW-Golf produzieren. Die ersten sollten schon nach der Sommerpause beschäftigt werden bei einem Produktionsbeginn Ende nächsten Jahres.
1500 neue Kräfte sollten später in Hannover beschäftigt werden.

gefunden in:
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/wirtschaft/aktuell/14570&datei=index.php

Schade, daß das nicht geklappt hat. Wenn dem so ist, daß VW selbst beim IG-M-Vorschlag immer noch 20 bis 25 % eingespart hätte...

Sascha

Sascha
29.06.2001, 21:23
VW beginnt ohne Vertrag mit Umsetzung von Tarifmodell

Wolfsburg (Reuters) - Firmenleitung und Betriebsrat der Volkswagen AG wollen zunächst ohne Beteiligung der IG Metall mit der Umsetzung des Beschäftigungsmodells "5000 mal 5000" beginnen. Personalvorstand Peter Hartz und Betriebsratschef Klaus Volkert sagte am Freitag in Wolfsburg, bereits in den nächsten Wochen mit der Auswahl von ersten Bewerbern zu beginnen, die zunächst im Rahmen geltender Regelungen befristet eingestellt werden sollen. Während einer Übergangszeit bis Ende August solle dann versucht werden, die IG Metall wieder an den Tisch zu holen, um eine tarifliche Lösung zu finden. Damit schien ein Alleingang des Betriebsrats ohne Gewerkschaftsbeteiligung vom Tisch. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel wertete dies als ersten Schritt, um eine Lösung zu finden.

Die Tarifgespräche über das neue Produktionsmodell waren Anfang der Woche gescheitert, weil sich IG Metall und VW nicht auf Arbeitszeit und Bezahlung der Beschäftigten einigen konnten. Volkswagen will im Zuge einer völlig neuen Arbeitsorganisation 5000 neue Arbeitsplätze mit einem einheitlichen Bruttolohn von 5000 Mark schaffen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen hatten sich Betriebsrat und Unternehmensleitung darum bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Dies war von der Gewerkschaft so verstanden worden, als wolle der Betriebsrat auf eigene Faust eine Einigung mit VW anstreben.

Volkert und Hartz machten klar, dass sie die Übergangszeit dazu nutzen wollen, um die Gespräche über eine tarifliche Regelung mit der IG Metall wieder aufzunehmen. "Wir werden hier nichts machen, was geltenden Tarifverträgen widerspricht", betonte der Betriebsratschef zugleich. "Es läuft nichts ohne Betriebsrat und damit ohne die IG Metall, deren Mitglieder wir ja alle sind", sagte Volkert.

Hartz bekräftigte, dass Volkswagen in Wolfsburg 3500 vornehmlich Arbeitslose aus der Region für den Bau des neuen Autos einstellen wolle. Dazu werde das Unternehmen in den kommenden Wochen zunächst aus bis zu 40.000 erwarteten Bewerbern geeignete Kandidaten auswählen und ab Mitte nächsten Jahres mit deren Qualifizierung beginnen. Für deren Vergütung sollten bestehende Verträge genutzt werden, die eine Spanne bis maximal rund 4000 Mark monatlich für so genannte Trainees zuließen. Die Produktion solle ab Oktober mit einer Mannschaft aus Spezialisten angefahren und stufenweise von den bis dahin angelernten Beschäftigten übernommen werden, sagte Hartz. Sollte das Projekt realisiert werden, will VW später im Werk Hannover weitere 1500 Beschäftigte zum Bau eines Kleinbusses einstellen.

Zugleich machte Hartz deutlich, dass genügend alternative Standorte möglich seien, sollte keine Einigung zu Stande kommen. Als möglichen Alternativstandort nannte Hartz das VW-Werk in Bratislava in der Slowakei. VW sieht sich unter Zeitdruck, weil die Produktion des auf Golf-Basis geplanten Minivan in Wolfsburg ab Oktober 2002 anlaufen soll.

Zwickel sah dennoch einen ersten Schritt zu einer möglichen Lösung, stellte aber erneut Bedingungen. "Der VW- Vorstand hat offenbar begriffen, dass seine bisherigen Vorstellungen zu Lohnsenkungen und Arbeitszeitverlängerungen abenteuerlich und so nicht umsetzbar sind", erklärte der IG-Metall-Chef in Frankfurt. Die IG Metall werde aber keine Lösung mittragen, durch die ein Unterbietungswettbewerb in der Branche ausgelöst werden könnte.

Die Gewerkschaft setzt offenbar darauf, dass sich VW auch nach der Übergangszeit nicht aus getätigten Investitionen verabschieden wird und die dann eingestellten Beschäftigten wieder entlässt. Ein Gewerkschaftssprecher sagte zudem, seiner Einschätzung nach habe sich Volkswagen von seinen bisherigen Arbeitszeitvorstellungen für das Projekt verabschiedet, die zuletzt eine wöchentliche Arbeitszeit einschließlich Qualifizierung von 42,5 Stunden vorsahen. In diese Richtung deute zumindest die Aussage von Hartz, wonach die neuen Mitarbeiter nach den Vorgaben der existierenden so genannten VW-Woche beschäftigt werden sollen, die eine wöchentliche Arbeitszeit von bis zu 38,5 Stunden zulässt.

gefunden in:
http://www.reuters.de/news_article.jhtml?type=topnews&StoryID=94631

Immer wieder interessant, was da so passiert. Ich schaue mir das auf jeden Fall weiter an. Wenn man sich die wirtschaftliche Lage von VW anschaut, wundert man sich doch immer wieder über diesen Spagat, den sie wohl auch erfolgreich schaffen.

Sascha