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Sascha
03.07.2001, 14:36
Web-Dienstleister müssen Partner werben
Von Martin Virtel und Gabriele Wunnenberg, Hamburg

Der Internet-Dienstleistungsbranche geht die Luft aus. Die am Montag eingeleitete Insolvenz des Hamburger Kabel New Media ist das bislang deutlichste Eingeständnis einer Branche, die den Markt und die eigenen Fähigkeiten völlig überschätzt hat.

Die zweitgrößte Firma der Branche, GFT Technologies, hat eine seit Monaten in Aussicht gestellte Übernahme nur mit dem Einstieg eines weiteren Großinvestors geschafft. Die Deutsche Bank (DB) kündigte am Montag an, einen 25-Prozent-Anteil an GFT zu übernehmen. Im Gegenzug wird GFT, einer der umsatzstärksten deutschen Internetdienstleister, die DB-Tochter Emagine integrieren. Pixelpark überlebte nur dank einer Kapitalspritze von Bertelsmann und der Entlassung von 300 Mitarbeitern.

Hintergrund der Entwicklung sind zwei Faktoren: Die Nachfrage nach Internetprojekten steigt langsamer als erwartet. Zugleich sind die Projekte komplexer geworden - und fallen nun zu einem großen Teil in den Machtbereich der etablierten IT-Dienstleister wie etwa Cap Gemini Ernst & Young (CGEY) oder Accenture. Angesichts dieser Entwicklung hatte Pixelpark-Chef Paulus Neef in der vergangenen Woche im Gespräch mit der FTD angekündigt, sein Unternehmen werde die etablierten Dienstleister nicht mehr als Konkurrenten betrachten, sondern stattdessen versuchen, mit ihnen zusammenzuarbeiten

Branchenweite Krise

"Der Entschluss zur Zusammenarbeit kommt zu einem Zeitpunkt, wo viele große Beratungsunternehmen bereits Eigeninitiative gezeigt und kreatives Personal eingestellt haben", sagt Andreas Schlosser, Managing Director bei CGEY. Bis Ende des Jahres soll sich die Zahl der Mitarbeiter bei CGEY im Multimediabereich allein in Deutschland von derzeit 25 auf 50 bis 70 erhöhen. Außerhalb Deutschlands entkommt CGEY der branchenweiten Krise allerdings genauso wenig wie die Internetagenturen. Vor einer Woche hatte das Unternehmen seine Umsatzprognose für 2001 nach unten korrigiert und angekündigt, 2700 Stellen zu streichen - besonders in den USA .

Dass klassische Multimediaagenturen wie Pixelpark und Kabel New Media Probleme haben, kommt für Schlosser nicht überraschend. "Die Ansprüche der Kunden ändern sich. Sie wollen nicht nur schönes Webdesign, sondern ein komplett ausgearbeitetes Businessmodell." Alles aus einer Hand - das könnten Agenturen allein gar nicht bieten.

Anders als CGEY bauen Deloitte Consulting und Accenture (ehemals Anderson Consulting) keine eigene Kreativsparte auf. "Kreatives Webdesign passt nicht unbedingt mit Projektmanagement zusammen", lautet die Devise von Peter Gloor, E-Business-Chef für Europa bei Deloitte Consulting. Der Schweizer Partner Crealogic erarbeitet bei gemeinsamen Projekten vor allem das grafische Layout und die Programmierung der Website. Die Projektorganisation übernimmt Deloitte-Consulting.

Neue Strategie

Der Vorteil bei dieser Strategie liegt für Unda Karlshaus, Managerin des Accenture Business Launch Centers, auf der Hand: "Wir müssen keine eigenen Kapazitäten und Spezialwissen aufbauen, das andere bereits haben." Die amerikanische Partneragentur AKQA hat derzeit 550 Mitarbeiter, 160 davon arbeiten in London. Gemeinsame Kunden sind unter anderem Texas Instruments, Boston Scientific, der britische Einzelhändler Sainsbury’s sowie das amerikanische Telekommunikationsunternehmen Worldcom. "Andere Agenturen nutzen wir in der Regel nur, wenn der Kunde es fordert", so Karlshaus.

Deutsche-Telekom-Tochter T-Systems und CSC Ploenzke arbeiten dagegen mit vielen Multimediaagenturen zusammen. "Das gesamte Back-Office, wie Gestaltung der Geschäftsprozesse oder Customer-Relationship-Management entwickelt CSC Ploenzke", sagt Sprecher Frank Schabel. Im Multimediabereich ist die Zusammenarbeit mit Firmen wie Kabel New Media die Regel. Ähnlich bei T-Systems: "Wir haben Partnerschaften mit 150 Agenturen zusammen", sagt Sprecher Stefan König. Hinzu kommen 250 eigene Kreative.

gefunden in:
http://www.ftd.de/tm/it/FTDMBG96XMC.html?nv=hpm

Wenn die Goldgrube zum Klärbecken wird, wünscht sich der eine oder andere in die "Old Ecomomy" ... Na, so drastisch ist es wohl nicht, aber es haben einfach zu viele ein Stück von dem Kuchen ein Stück haben wollen. Mal sehen, wer sich retten kann und wer nicht. Aber das wissen wir wohl erst in fünf Jahren (natürlich im Nachhinein ;) ).

Sascha