Vollständige Version anzeigen : Diagnose: Internetsucht
Diagnose: Internetsucht - von Susanne Herda
Kein Anlass zur Panik meinen Experten der Universität München. Nichtsdestotrotz: Sieben Testfragen zum Mitmachen.
Über Internetsucht wurde schon viel geforscht, geschrieben und diskutiert. Für die Internet-Sucht-Ambulanz der Universität München steht fest: Gefährdet sind vor allem Menschen mit bereits vorhandenen psychischen Störungen. Seelisch gesunde Personen haben dagegen kaum etwas zu befürchten.
Krankhafter Internet-Gebrauch sei lediglich ein Randphänomen, zitiert die Zeitschrift "Ärztliche Praxis" den Leiter der Sucht-Ambulanz Oliver Seemann.
Kein Anlass zur Panik also. Die Diagnose "Sucht" ist offenbar erst dann gegeben, wenn mindestens fünf der in der Tabelle aufgeführten sechs Fragen bejaht werden.
Fragen zur Internetsucht
1. Verlieren Sie oft die Kontrolle über die Zeit, die Sie online verbringen?
2. Empfinden Sie während offline verbrachter Zeitspannen starkes Verlangen nach dem Internet?
3. Bemerken Sie an sich Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität oder Aggressivität, wenn Ihnen das Surfen nicht möglich ist?
4. Hat Ihr exzessives Surfen bereits zu Problemen mit Partnern, am Arbeitsplatz oder in der Schule geführt?
5. Beobachten Sie an sich Tendenzen, sich aus dem sozialen Leben zurückzuziehen?
6. Sie verbringen unverändert viel Zeit im Internet, obwohl Sie um die negativen Folgen wissen?
gefunden in:
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/computer/internet/netzone/16528&datei=index.php
Na, ich bin nicht "Indernet-Süchtig"! :hihi :D ...glaube ich... :ek
Sascha
artistin
13.07.2001, 16:17
Kerngedanken zur Internetsucht
3 Faktoren, die mit unserer Zeit zu tun haben: Vereinsamung, Narzissmus, Trance.
Wo wir auch hinschauen: Singles, Rückzug, Isoliertheit und aus vielerlei Gründen Meiden von
"echten Kontakten". Oh, wenn wir den Chat nicht hätten ... . Das paart sich gut mit unserem
aktuellen Lebensmotto: Meine "Ich-AG". So, wie zu Freuds Zeiten die Hysterie als Ausdruck
verdrängter Bedürfnisse in einer lustfeindlichen Enge Volksleiden war, versuchen wir heute unser
Gefühl von Wertlosigkeit angesichts einer nicht mehr zu fassenden Globalität zu kompensieren.
Da lassen sich die Charakter-Aktien unserer Persönlichkeitsfirma doch gerade im Chatroom ins
Unermeßliche aufpumpen. Sieht ja keiner, wie´s wirklich steht. Derweil starren wir zeitverloren und
in Trance durch unseren Bildschirm in eine Unendlichkeit, die uns selbst der Pabst mit seinen
Mysterien nicht mehr vorgaukeln kann.
Wenn das nicht zur Sucht werden kann.
Franz Koopmann
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Ich kann ahnen, was er meint....
grüsse
artistin :)
Ja, ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. :hihi Da kann man machen was man will; wenn man seine eigene Natur nicht kennt, gehts schnell "in die Hose". Aber was soll man machen? Alle zwangskollektivieren? Wir leben eben in einer Gesellschaft, in der jeder sein persönliches Recht auf Unglück hat.
Sascha
Mr. KnowItAll
16.07.2001, 22:14
x
artistin
16.07.2001, 22:20
nee KIA, kein Wort...
grüsse
artistin :)
Wie, ich werde hier nicht verstanden? :ek Kennt Ihr etwa nicht die Geschichte von dem Mann, der sich von der Gesellschaft absondert und eine "eigene Sprache" zulegt? Am Schluß verstand ihn keiner mehr und er war völlig isoliert.
Was ich sagen wollte ist, daß der Mensch ein Rudeltier ist. Er versucht sich (heute in extremer Art) von den anderen zu distanzieren, zu unterscheiden. Dabei merkt er gar nicht, daß er sich von seinem natürlichen Wesen immer weiter entfernt. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem er feststellen muß, daß er sich und seine Umwelt überhaupt nicht mehr versteht, sich selbst fremd geworden ist.
Na, nun verstanden was ich meine? :hihi
Sascha
artistin
17.07.2001, 18:49
Hallo Sascha,
ich denke, es geht um das Gegenteil von Isolation. Das wird im Internet gesucht, virtuelle Nähe, um der Isolation zu entfliehen.
Und darin liegt auch die Gefahr, daraus kann die Sucht entstehen.
Die beschriebenen Probleme dahinter können selbstverständlich auch in andere Süchte führen (Alkohol, Drogen, Arbeit, Spiel, Extremsport usw.). Wie du sagst, jeder hat sein Recht auf Unglück....
Um Distanzierung von anderen geht es keinesfalls, Entfernung von sich selber ist die Begleiterscheinung.
Das ist meine Meinung dazu.
Oliver Seeman hat nicht ohne Grund diese Sucht-Ambulanz in München installiert. Warum wohl?
Übrigens, es gibt auch eine Ambulanz für Börsen-Süchtige in diesem Institut... :)
grüsse
artistin :)
Hallo artistin!
Es gehört doch noch mehr dazu, als nur per Buchstaben zu kommunizieren. Darum brauchen wir ja auch so viel smilies hier :bäh :hihi :p :cool: ;) Ist das chaten nicht auch eine Form der Überbrückung von schon entstandenen Distanzen mit reduziertem Kommunikationskatalog? Damit möchte ich niemanden auf die Füße treten, sondern nur auf den Artikel eingehen, d.h. die Problematik bei schon "geschädigten" Menschen (haben wir nicht alle einen Schaden? ;) ). Anstatt der natürlichen Umwelt mit dem ganzen emotionalen Verhalten begrenzt man den Kontakt mit anderen auf einer schriftlichen Art. Nach meiner Meinung führt gerade dies zu einer weitergehenden Isolation (ein unterstützender Faktor, kein auslösender).
Der Mensch strebt immer weg von der Isolation (da er eben ein Rudeltier ist). Die Umstände unserer Gesellschaft und das Verhalten der Individuen untereinander drängt aber in eine Isolation hinein (Singleleben, Kleinfamilien, Jobwechsel; das sind für mich alles Faktoren, die auch bei einem "gesunden" Menschen in eine Isolation führen können). Die Zahlen weisen ja auch auf eine solche "Unterstellung" hin. Andere Drogen sollen ja auch nur Probleme, meist soziale Probleme (Alkohol als Kommunikationsdroge), überbrücken. In dieser Hinsicht verstehe ich wohl das "Gegenteil der Isolation", sehe aber mehr "den Weg in die Isolation" (ich glaube, sowas nennt man dann eben "Abwärtsspirale").
Sascha
artistin
19.07.2001, 10:00
Hallo Sascha,
wir nähern uns... :D :D
Richtig ist möglicherweise, daß der Weg AUS der Islolation,
den man virtuell sucht, IN eine Isolation führt, die real erlebt wird.
........
grüsse
artistin :)
artistin
19.07.2001, 14:32
Danke german für deinen fachlichen Input an dieser Stelle :)
Um deine Frage zu beantworten: Ja, alles wird klarer :D
Und wenn ich es richtig interpretiere, ist das Internet nicht der Auslöser für "pathologisches" Verhalten,
sondern nur eines von vielen Werkzeugen dazu. Sofern man überhaupt gefährdet ist.
Ich denke übrigens, daß das Suchen/Finden von Informationen einerseits und Kontakten andererseits nicht so
scharf zu trennen sind. Entsteht doch in unterschiedlicher Ausprägung immer wieder ein fließender Übergang.
Meine Erfahrung zumindest.....
grüsse
artistin :)
Hallo german!
Natürlich muß man die Sucht und ihre Ursachen differenzieren. Es hängt immer von der Persönlichkeit ab, wie stark ein Verlangen zu einem Verhalten bzw. Zustand drängt. Das hier nun gerade die "Internet-Sucht" angesprochen wird, liegt wohl mehr an der Aktualität als an der bestimmten Ausprägung. Ich bin aber doch wohl davon überzeugt, daß wir mit steigendem Wohlstand auch in einer "suchtanfälligeren" Gesellschaft abdriften (wenn man allein die Millionen von Menschen mit Alkoholproblemen sieht); eine Differenzierung nach physischer und psychischer Sucht muß auf jeden Fall gemacht werden. Nach meiner Meinung muß man nicht immer alle Punkte berücksichtigen, um einen groben Überblick zu bekommen. Auch wenn ich einen Menschen nicht genau kenne, kann ich mit dem richtigen Wissen (oder mit dem notwendigen "Feingefühl") doch ein sehr gutes Bild von diesem Menschen erzeugen, obwohl mir vielleicht viele Einzelheiten fehlen. Ich lehne einfach diesen "Idividualisierungswahn", wie ihn unsere Gesellschaft z.Z. aufblühen läßt, ab, da ich der Meinung bin, daß sich die meisten Menschen (alle?) in wenigen Kategorien einordnen lassen. Dies mag vielleicht als "Großkotzigkeit" (sorry für die derbe Sprache) aufgefaßt werden; ich sehe eher die Gefahr, daß man vor Details keinen Blick für den Zusammenhang hat (und der Mensch ist eben auch nur ein Tier).
Jede "Droge", jede "Sucht" ist nur ein Werkzeug. Die meisten sollen soziale Probleme lösen. Gehört nicht auch z.b. Bungee-Springen usw. zu den Werkzeugen (von wegen Adrenalin)? Ob sie jetzt Schäden verursachen oder nicht, ist eigentlich zweitrangig. Die Masse der Suchtkranken bzw. der potentiell gefährdeten zeigt aber auf, daß da etwas im Argen ist.
Sascha
Liebe und Freundschaft im Internet: Nicht viel anders als gewöhnliche "offline"-Beziehungen
Beziehungen im Internet, per E-Mail oder in Chat-Räumen laufen nicht viel anders ab als im richtigen Leben, hat nun eine australische Wissenschaftlerin gezeigt. Das Mann-Frau-Verhalten im Netz spiegle das übliche Beziehungsverhalten "offline" wieder, berichtete Monica Witty von der Universität West-Sydney auf der Jahreskonferenz der Britischen Psychologischen Gesellschaft in Guildford.
Die Wissenschaftlerin belegt, dass Männer sich auch im Internet gern als Platzhirsche aufführen, indem sie etwa ihren sozialen und wirtschaftlichen Status deutlich durchblicken lassen. Auch Frauen fallen online in ihre typische Geschlechter-Rolle. Sie bauen den Gesprächspartner auf, unterstützen ihn, geben Rat. Wie im richtigen Leben sind Frauen auch im Internet mehr um ihre (Daten-)Sicherheit besorgt.
Bisher war man in der Forschung über Internet-Beziehungen oft davon ausgegangen, dass durch die schriftliche Form im Chat und in der E-Mail das reale Verhalten kaum eine Entsprechung im Internet finde. Doch die Menschen im Netz wissen sich zu helfen, wie Witty zeigt. So nutzen sie beispielsweise häufig die so genannten Emoticons wie ;-) und :-) oder auch einfach die Großschreibung, wenn sie einer Äußerung Nachdruck verleihen wollen.
Hinzu kommt, dass die Menschen wegen der relativen Anonymität im Netz sich gegenseitig sehr bald intime Details aus ihrem Leben anvertrauen. Dadurch entsteht eine Privatheit, die der von realen Beziehungen schon sehr nahe kommt. Einen anderen Stellenwert als im realen Leben hat nach Witty die Bekanntgabe der realen Adresse und der Telefonnummer. Während dies in einem persönlichen Kontakt nichts Besonderes ist, gilt es im Netz als Vertrauensbeweis und als Grundstein für die Entwicklung einer intensiveren Beziehung.
gefunden in:
http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=97817
Als mir diese Schlagzeile ins Auge fiel, dachte ich sofort, daß der Beitrag hier rein muß. :hihi
Sascha
artistin
26.07.2001, 22:01
Super, Sascha..... gutes Feeling..... :D
grüsse
artistin
Die digitale Droge
Von Gabriela Rampl
Die Definition des Begriffes "Internetsucht" ist unter Experten noch immer umstritten. Eine der bisher wenigen Studien für Europa wurde von österreichischen Experten erstellt. Dauer-Surfer sind danach vor allem in Chatrooms und bei Online-Games zu finden.
Der Begriff der "Internetsucht" wurde erstmals 1995 vom New Yorker Psychiater Ivan Goldberg, als "Internet Addiction Disorder" (IAD) eingeführt. Er beschrieb die Abhängigkeit in diesem Zusammenhang als psychisch. Kritiker lehnen den Begriff Internetsucht allerdings als unzutreffend ab, da die süchtig machenden Faktoren des Internet nicht geklärt seien und im Gegensatz zu anderen Süchten die körperliche Abhängigkeit mit ihren schweren bis lebensbedrohlichen Entzugssymptomen fehle.
Bislang gibt es daher unter Wissenschaftlern noch keine verbindliche Definition der Krankheit. Auch für eine Therapie existieren nur einige Anhaltspunkte. Einig sind sich die Wissenschaftler aber über das Bestehen charakteristischer Symptome.
"Unter 'Internetsucht', besser definiert als 'Pathologischer Internet-Gebrauch' wird der exzessive Gebrauch des Mediums verstanden. Von einem Internetsüchtigen spricht man dann, wenn sein Verhalten den wissenschaftlichen Suchtkriterien entspricht", sagt der Wiener Neurologe Hans Zimmerl. Er beschäftigt sich als einer von wenigen Experten mit der Sucht nach dem Netz und hat gemeinsam mit Beate Panosch vom Institut für Biostatistik und Dokumentation der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck eine Online-Umfrage in einem beliebten deutschsprachigen Chatroom durchgeführt.
12,7 Prozent von insgesamt 473 Befragten zeigten laut der Studie ein suchtartiges Verhalten. Aus dieser Gruppe nannten 30,8 Prozent rauschähnliche Erlebnisse bei intensivem Chatten. 40,9 Prozent stuften sich selbst als "süchtig" ein. Knapp zwei Drittel aller Internetsüchtigen finden sich nach Angaben des Experten im Kommunikationsbereich - vor allem in den Chatrooms -, knapp ein Drittel im Bereich der Online-Spiele und nur sieben Prozent im übrigen Web.
In den USA wird die Anzahl der Internetsüchtigen auf rund 200.000 geschätzt. Diese Zahl entstammt einer Studie der amerikanischen Psychologin Kimberly Young. Young firmiert als erste "Cyber-Psychologin" der Welt und vermutet, dass weltweit etwa sieben Prozent der User unter Internetsucht leiden, die sie "Pathological Internet Use" (PIU) nennt.
Bei allen weltweiten Studien bisher liegt der niedrigste Anteil der Internetsüchtigen bei rund drei Prozent. Alleinstehende und Arbeitslose, Personen mit einer unsicherer oder unreif-gehemmter Persönlichkeitsstruktur und andererseits selbstverliebte Individuen mit sadistischen Impulsen gelten laut mehreren internationalen Analysen übereinstimmend als besonders gefährdet. Als Ursachen für den Zwang zum Surfen werden Realitätsflucht und -verdrängung, das Experimentieren mit der eigenen Identität und die Befriedigung von Spieltrieb und Kommunikationsbedürfnis betrachtet.
Zimmerl und Panosch haben auf Basis ihrer Ergebnisse folgende Liste diagnostischer Kriterien für pathologischen Internet-Gebrauch erstellt:
Häufiges unüberwindliches Verlangen, sich ins Internet einzuloggen
Kontrollverluste (längeres "Online-Sein" als beabsichtigt) verbunden mit diesbezüglichen Schuldgefühlen
Sozial störende Auffälligkeit im engsten Kreis der Bezugspersonen (Freunde, Partner, Familie)
Nachlassen der Arbeitsfähigkeit
Verheimlichung/Bagatellisierung der Gebrauchsgewohnheiten
Psychische Irritabilität bei Verhinderung am Internet-Gebrauch (kann sich in Form von Nervosität, Reizbarkeit und Depression auswirken)
Mehrfach fehlgeschlagene Versuche der Einschränkung
Wenn mindestens vier oder mehr dieser Kriterien über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten zutreffen, sehen die Experten den krankhaften Netz-Gebrauch als chronisch an.
Neben hohen Telefon- bzw. Online-Kosten, Realitätsverlust, dem Scheitern menschlicher Beziehungen, sozialer Isolation, Arbeitslosigkeit und Verarmung könnten Surf-Abhängige ihrer Meinung nach unter einer ganzen Reihe von körperlichen Schäden leiden. Wer ständig vor dem Bildschirm sitze, riskiere Verspannungen, bis hin zu Wirbelsäulen- und Genickschäden, Beeinträchtigungen des Sehapparates sowie Dauerstress in Form von Kopfschmerzen, Schlafstörungen bis hin zu Nervenschädigungen, Kreislauf- und Gewichtsproblemen.
gefunden in:
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,147070,00.html
:D:D:D:D
@artistin: Gutes Feeling ist ja nicht so das Pralle. Das schadet meinem Image als Platzhirsch. :D:D :hihi
Sascha
Danke schön, german!
Habs natürlich noch nicht durchgelesen, da es ja sehr umfangreich ist. Aber mal bei einem Bierchen :hihi sich den Text zu Gemüte führen werde ich auf jeden Fall (wohl auch ohne Bier ;) ).
Sascha
Das Netz macht doch nicht depressiv
"Das Internet macht depressiv und einsam" - so lautete die Grundthese des Psychologen Robert Kraut in einer Studie vor drei Jahren. Nun zieht der Wissenschaftler seine umstrittenen Ergebnisse von damals weitgehend zurück.
Seattle - Robert Kraut musste sich in den vergangenen Jahren immer wieder heftige Kritik gefallen lassen. 1998 hatte der damalige Sozialpsychologie-Professor an der hoch angesehenen Carnegie Mellon University in Pittsburgh in einer Studie berichtet, das Internet sorge dafür, dass "stärkere soziale Beziehungen durch schwächere ersetzt werden". Depression und Einsamkeit seien die Folge.
Doch Krauts Methode war umstritten. Immerhin kam der Professor zu seinem spektakulären Ergebnis, nachdem er eine relativ kleine Gruppe von Menschen untersucht hatte: 93 Familien aus der Gegend von Pittsburgh, die für die Studie mit Computern und Internetzugängen ausgerüstet wurden.
Die Ergebnisse seien statistisch irrelevant, argumentierten Kritiker. Vor allem das Fehlen einer so genannten Kontrollgruppe wurde bemängelt. Das sind Personen, die im gleichen Zeitraum und am gleichen Ort ohne Internetanschluss leben. Außerdem waren die Studienteilnehmer nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, sondern gezielt in High Schools und Nachbarschaftsgruppen rekrutiert worden.
Nun hat Kraut eine Nachfolgestudie vorgelegt. Auch sie behebt das statistische Manko nicht, da nur die Teilnehmer der ersten Studie erneut befragt wurden. Trotzdem nimmt der Wissenschaftler seine früheren Thesen weitgehend zurück. Von Depression und Vereinsamung ist diesmal nicht mehr die Rede. Vor allem extrovertierte Menschen mit vielen bereits existierenden sozialen Bindungen biete das Netz vielmehr die Chance, ihre Beziehungen auch online zu pflegen, schreibt Kraut nun.
Allerdings bleibt der Forscher bei seiner Kritik, dass die über das Internet eingegangenen Bindungen schwächer seien als Freundschaften im nichtvirtuellen Raum. Außerdem könne das Netz auch negative Auswirkungen haben. So hätten Studienteilnehmer berichtet, dass sie sich bei stärkerer Internetnutzung weniger um Belange ihres Wohnortes gekümmert hätten.
gefunden in:
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,149066,00.html
Scheint ja momentan ganz "hip" zu sein, darüber etwas zu schreiben. :hihi
Mr. KnowItAll
18.10.2001, 09:49
x
Mr. KnowItAll
18.10.2001, 10:02
x
Hätte german jetzt nicht die vielsagende, vorstehende Antwort verfasst, wäre mir doch glatt ein hochinteressantes Thema durch die Lappen gegangen.:)
Also,
auch wenn der thread schon älter ist:
@ sascha:)
klasse, was Du in #8 und #12 geschrieben hast,
@ german:)
the same to you wegen #13!
Bleibt mir nur zu ergänzen:
Unsere Gesellschaft hat ihren Zenit gesehen, der liegt sogar schon ein paar Jährchen zurück. Vielleicht gelingt ein Neuanfang, der das Interesse des Individuums nicht mehr so explizit über das des Gemeinwohls stellt, erst wieder durch kollektiv zu verarbeitende Traumata, so traurig das auch wäre.:(
#10 ist wegen Schulmeisterei die klare Nummer 2,
#13 gewinnt aufgrund der spontanen Herzlichkeit!;) :dd
MEINE Favoriten :D
...versuchen wir heute unser Gefühl von Wertlosigkeit angesichts einer nicht mehr zu fassenden Globalität zu kompensieren.
Da lassen sich die Charakter-Aktien unserer Persönlichkeitsfirma doch gerade im Chatroom ins Unermeßliche aufpumpen. Sieht ja keiner, wie´s wirklich steht. Derweil starren wir zeitverloren und in Trance durch unseren Bildschirm in eine Unendlichkeit... ;)
Das Verhältnis von inhaltlichen Interessen und dem Wunsch nach Kontakten kann variieren: der eine sucht nur die Inhalte, jemand anderes will nur Kontakte. Diese Motive sind in keinster Weise verwerflich, da wir soziale Wesen sind.
In diesen Situationen werden sich für die Menschen, die Schwierigkeiten mit sich und anderen haben, bestimmte Probleme in deutlich spürbarer Weise stellen. Dabei scheint es mir egal zu sein, ob es im realen oder virtuellen Leben geschieht.:cool:
...mangelnder "innerer Reichtum", stattdessen Langeweile und Suchen nach "Kicks"
effektives kurzfristiges Fluchtmittel, wenn man sich Lebensaufgaben/-anforderungen nicht gewachsen sieht:rolleyes:
Nach der von Schmidt zitierten Studie der Berliner Humboldt-Universität verbringen Internetabhängige durchschnittlich 34 Stunden pro Woche im
Internet. :eek:
Die Wissenschaftlerin belegt, dass Männer sich auch im Internet gern als Platzhirsche aufführen, indem sie etwa ihren sozialen und wirtschaftlichen Status deutlich durchblicken lassen. :D :D
and the winner is:
Vielleicht liegt es auch in der Natur des Menschen, sich mit vereinfachenden Aussagen eher anfreunden zu können (A führt zu B, punktum) als sich das Ganze komplexer vorzustellen (A führt zu B, wenn vorher D-E-F gegeben ist, fehlt F, passiert C, kommt I hinzu, führt dies zu K, was A verstärkt).
:)
spannendes Thema :)
Gefunden auf www.onlinesucht.de
Internet am Arbeitsplatz ...
Wie erkennt der Arbeitgeber, ob ein/e MitarbeiterIn onlinesüchtig ist und ...
was kann er dagegen tun?
Dieser wichtigen Frage wollen wir hier genauer nachgehen.
104 Milliarden DM sollen der deutschen Wirtschaft jährlich durch die private Internet-Nutzung am Arbeitsplatz verloren gehen. Dieses Ergebnis fördert eine Studie im Auftrag des Düsseldorfer Softwarehauses Sterling Commerce zu Tage. Mehr als 60 Prozent aller Arbeitnehmer mit Netzzugang nutzen selbigen mindestens einmal täglich für Privatangelegenheiten. Um den Aktienkurs der Firma zu checken, an der er beteiligt ist, um Bestellungen zu erledigen, für die nach der Arbeit keine Zeit mehr sind - oder um die neueste Version des Moorhuhn-Spiels herunterzuladen. Allein dafür, so die Studie, würden Kosten von 135 Millionen DM zu Buche schlagen. Pro Mitarbeiter kämen so durchschnittlich 17 Tage Arbeitsausfall zusammen. (Quelle: Privates Surfen kostet Milliarden)
Dass das Internet ein Suchtpotenzial birgt, glauben fast 90 Prozent der Angestellten. 41 Prozent geben an, mehr als drei Stunden pro Woche an ihrem Arbeitsplatz zum Privatvergnügen im Internet zu surfen. (Quelle: Studie von Websense)
Private Intenetnutzung am Arbeitsplatz ist EINE Sache, noch eine andere aber ist, wenn ein Arbeitnehmer auf Kosten des Arbeitgebers während der Arbeitszeit seiner Onlinesucht fröhnt.
Signale für den AG, dass "etwas nicht stimmt":
* Der Bildschirm ist immer "leer" (Desktop/Bildschirmoberfläche oder häufig gleiche Seite), wenn der AG den Raum betritt bzw. der AN klickt schnell noch hastig mit der Mouse ...
Onlinesüchtige vermeiden tunlichst, beim Chatten während der Arbeitszeit "erwischt" zu werden und entwickeln ein grosses Talent, das Dialogfenster mit dem Chatbekannten bzw. den Chatroom unten in der Menueleiste verschwinden zu lassen.
* Die Leistungen/ das Engagement und die Loyalität des AN lassen merklich nach/ Fehler schleichen sich in seiner Arbeit immer häufiger ein (Oberflächlichkeit)
* Der AN beginnt plötzlich entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten, pünktlichst Feierabend zu machen
* Der AN wirkt oft müde und übernächtigt
* Entgegen früherer Verhaltensweisen ist der AN immer häufiger krank geschrieben, die Ausfallzeiten nehmen zu
* Der früher so engagierte MA zeigt ausgesprochene "Unlust" gegenüber seiner Arbeit
* Der AG beobachtet, dass private Gespräche (in den Frühstückspausen etc.) sich seitens des AN immer wieder fast ausschliesslich rund ums Internet drehen
* Der betroffene AN nimmt immer seltener an Betriebsfeiern und Zusammenkünften der MA teil
* Der betroffene AN kündigt schliesslich aus heiterem Himmel oder erscheint gar nicht mehr zur Arbeit
Was kann ein Arbeitgeber gegen Onlinesucht tun?
Im Vorfeld:
Präventionsmassnahmen
Im Interesse ALLER Mitarbeiter sollten vorab Präventionsmassnahmen getroffen werden: Regelmäßige Mitarbeiterversammlungen und Vorträge mit Fallbeispielen durch erfahrene MedienberaterInnen bzw. Therapeuten, die mit dem Thema zu tun haben. Wichtig ist, dass die AN einen Ansprechpartner im Unternehmen haben, dem sie für dieses Problem die notwendige Kompetenz zuschreiben.
Mitarbeiterbefragungen
Es könnten Mitarbeiterbefragungen (in schriftlicher Form) durchgeführt werden, u.a. mit der Frage, ob eine/r der KollegInnen auffällig erscheint (in Gemeinschaftsbüros fällt ein Onlinesüchtiger seinen Kollegen schnell auf). Ein Fragebogen an alle (mit zu erarbeitenden Lösungsvorschlägen der MA selbst), der ausgewertet wird und dem eine breit angelegte Mitarbeiterbesprechung folgt. In vielen Firmen wird das so gehandhabt, anonym, nur die jeweilige Abteilung muss angegeben werden. So hat man eine Chance, zumindest gefährdete oder betroffene MA enger einzukreisen und die späteren Gruppen- bzw. Einzelgespräche besser vorzubereiten.
Gespräche mit dem Betroffenen
Wenn der konkrete Verdacht besteht, dass ein MA betroffen sein könnte, sollten offene Gespräche mit ihm folgen. Dem Betroffenen sollte Hilfe angeboten werden, die gemeinsam erarbeitet wird. Es ist klar, dass er diese Hilfe nicht will, denn ein Onlinesüchtiger wird selten die Onlinesucht gegenüber dem AG eingestehen. Der AG wird aber schnell merken, ob sein Verdacht begründet ist, wenn er dem AN beispielsweise (wenn auch nur als Kontrollmassnahme) eine 3-6 monatige Projektphase ohne Internettätigkeit anbietet und dieser den Vorschlag mit fadenscheinigen Argumenten vehement ablehnt. Evtl. ist in diesem Mitarbeitergespräch eine Fachkraft hinzuziehen (MedienberaterIn).
7-Stufen-Plan
Aus bewährter Suchtprävention am Arbeitsplatz ist dieser 7-Stufen-Plan bekannt. D.h. mit dem Betroffenen finden insgesamt 7 Schritte und Gespräche statt, wobei dem AN bestimmte Sanktionen drohen, wenn er gewisse Veränderungen in seiner Verhaltensweise nicht aufzeigt. Sollte das Ziel nicht erreicht werden, droht dem AN im 7. Gespräch letztlich durchaus die Kündigung durch den AG, was ihm aber zu Beginn dieses Programms klar ist.
Internet-Arbeitsplatz
Falls Sie vermuten, dass ein AN Probleme mit der übertriebenen (und privaten) Internetnutzung hat, überlegen Sie, ob Sie dessen Arbeitsplatz nicht umwandeln und einen "allgemeinen" Internetzugang an ausgesuchten Rechnern einrichten können.
Kontrollfunktionen (freiwillig)
Der AG könnte dem AN eine Protokollführung auferlegen, wieviel Zeit er pro Tag im Internet verbringt. Es könnte als eine Art "Studie" getarnt werden, wie wichtig Internet inzwischen für das Unternehmen geworden ist. Nicht vergessen: auf dem Frage- bzw. Protokollbogen sollte auch ein Platz für private Internetnutzung vermerkt sein.
Kontrollfunktion (ohne Wissen des AN)
IT-Mitarbeiter des Unternehmens können glasklar aufzeigen, welche Seiten der AN aufgerufen hat, wie viele E-Mails er an wen geschrieben hat etc. (siehe hierzu u.a. einige aufgeführte Links)
Onlinedienste
Die Notwendigkeit der Installation von Onlinediensten und Chatprogrammen sollte überprüft werden. Jeder AN verfügt über den Internet-Explorer oder den Netscape Communicator, mit dem er ins Internet gelangen kann. Ob es daher zwingend notwendig ist, dass zusätzliche Onlinedienste auf den Bürorechnern installiert sind, ist m.E. eine Überlegung wert.
Firewalls
Erfahrene IT-Mitarbeiter arbeiten mit Firewalls und können z.B. das Einloggen in Chatrooms damit weitgehend unterbinden, Kontrollfunktionen einbauen.
Letztlich aber ist wohl das Vertrauensverhältnis, das ein AG zu seinen Mitarbeitern hat oder eben nicht hat, entscheidend. Bis ein "Trinker" entlarvt ist, bedarf es auch einer langen Vorlaufzeit und meist wird das Problem erst erkannt, wenn es zu spät ist. Süchtige gehen nun mal i.d.R. nicht von sich aus auf die Vorgesetzten zu, aber das wissen SIE alle! Ich habe von einigen grossen Firmen erfahren, dass die Personal-/Sozialabteilung betroffene Mitarbeiter in die stationäre Therapie einer der von uns aufgeführten Kliniken schickten. Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter wissen sollten, dass das Problem Onlinesucht auch in dem jeweiligen Unternehmen erkannt wurde, es ernst genommen wird, und es einen Ansprechpartner dafür gibt. Die AN sollten wissen, dass ihnen mit Therapieangeboten (leider gibt es noch viel zu wenige) geholfen wird seitens des Arbeitgebers.
Hallo german,
aus aktuellem Anlaß finde ich es spannend. Ein ehemaliger MA hat sich "anvertraut" und ich erlebe den Entzug gerade mit.
URL: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=189698
Beobachten und Bieten: Warum der Konsum in Zeiten von "ebay" nicht mehr als Endstufe des Warentausches zu begreifen ist
Von Petra Kohse
Dass eine übermäßige Nutzung des Internets zu Vereinsamung führen kann, ist das eine. Anders als bei Lesesucht, Fernsehsucht oder Marathontraining besteht hier aber auch umgekehrt die Gefahr, sozial bedrängt zu werden.
Das beginnt schon damit, dass die Anzahl der Kontakte mit Bekannten sprunghaft in die Höhe geht, sobald man beginnt, mit ihnen e-Mails zu tauschen. Drei, vier Mails die Woche sind keine Seltenheit, an manchen Tagen werden sogar zwei geschickt, je nachdem, wie prompt die Antwort kommt. Wobei das Berichtete selbst oft geradezu tagebuchartigen Charakter hat. Die Permanenz und Beiläufigkeit des Mediums sowie die Bemühung, das Fehlen von Körperlichkeit durch Umgangssprache zu kompensieren, verleitet zu schnellen, ungefilterten Mitteilungen aus der Mitte des jeweiligen Gefühls- und Alltagslebens.
Auch in der öffentlich zugänglichen Internet-Kommunikation, in Chatrooms oder Special-Interest-Foren, tut sich keiner einen Zwang an. Man duzt sich, pointiert Privatestes und gibt - "Na, du findest dich wohl besonders schlau!" - ungeniert Rückmeldung übereinander. Dies und die häufig regressive Namensgebung der Kommunizierenden sind Symptome einer Allmachtsanmutung, die aus der absoluten Selbstbestimmtheit des individuellen Auftretens im World Wide Web resultiert. Als Text gewordene Kopfgeburten ihrer selbst, melden sich hier Erwachsene weltweit und rund um die Uhr unter den meist noch mit Nummern versehenen Namen Diddl, Fipsfops, Kuschelfee, Hausmaus, LittleBello oder Rumpelstilzchen zu Wort und spinnen das Stroh ihres Alltags zu Gold.
Beziehungsweise geben sich in Sachfragen als Fachleute zu erkennen. Die Beratungskommunikation nämlich ist im Informationsmedium der vornehmste Anlass, das Wort zu ergreifen. Über Geschlechter- und Altersgrenzen, lokale und soziale Bindungen hinweg, finden sich Internetnutzer und -nutzerinnen vor allem aufgrund gemeinsamer Interessen zusammen. Und tauschen sich auch jenseits parkettfähiger Sprachregelungen in absolut ernst zu nehmender Weise über Erziehungsfragen, technische Details oder medizinische Alternativen aus.
Käufertipps als Allmachtsspiel
Da allen Internetnutzenden gemein ist, dass sie sich in irgend einer Hinsicht als Verbraucher oder Verbraucherin ansprechen lassen, ist der Bereich der Produktinformationen naturgemäß einer der differenziertesten. Über jede handelsübliche Ware erfährt man hier, wem sie nutzt, was sie leistet und wo man sie am günstigsten bekommt. Während sich der Kaufwillige früher dem verkaufsorientierten Beratungsgespräches im lokalen Handel ausliefern musste, kann er sich dank unabhängiger Preis- und Produktvergleichsdienste jetzt schnell und effektiv alleine ins Bild setzen. Diese Möglichkeit hat einen ungeheuren Professionalisierungsschub unter den Kaufenden bewirkt, der nicht nur privat von Nutzen ist, sondern auch bereits wieder ins System zurückfließt.
Längst hat der Internethandel das Produktwissen von Kunden- und Kundinnen als Orientierung gebende Ressource entdeckt und räumt dafür immer prominentere Plätze frei. Auf den Angebotsseiten des Buchversands Amazon.de etwa, kann jeder jedes Buch kommentieren. Und wird auch aufgefordert, das zu tun.
Überdeutlich zeigt sich hier, wie groß der Allmachtsspieltrieb ist. Denn trotz des relativ geringen Anreizes, einen Einkaufsgutschein gewinnen zu können, wenn man die jeweils erste Rezension eines Buches verfasst, werden tatsächlich massenweise honorarfreie Kritiken verfasst. Um die Glaubwürdigkeit der Beiträge zu erhöhen und auch nicht rezensierwillige Kunden und Kundinnen in den Werbe- und Verkaufsprozess einzubinden, ist jede Besprechung ihrerseits zur Bewertung freigegeben. "Hilfreich" oder nicht? Unter Umständen kann es ein Text sogar zur "Kritik des Tages" bringen. Dem journalistischen Anstrich zum Trotz, macht die Meinungsforschung im kommerziellen Rahmen den zum Fachmann avancierte Kunden natürlich im Handumdrehen zum Agenten des Produkts. Was gar nicht immer auf Non-Profit-Basis laufen muss, wie das Beispiel der europaweit agierenden Ciao-AG zeigt. Diese seit 1999 existierende Internet-Plattform lässt Produkte aller Arten von registrierten Verbrauchern in ausführlichen Texten bewerten. Von der Tütensuppe bis zur Flugreise kommt alles vor, und die Berichte werden danach honoriert, wie häufig sie von den anderen Mitgliedern frequentiert und als wie nützlich sie von ihnen eingestuft werden. Eine Million Europäer machen bereits mit.
Von der Kommerzialisierung eigener Verbrauchserfahrungen bis zur Kommerzialisierung des Verbrauchten ist es nur noch ein kleiner Schritt. Entsprechend kann, wer bei Ciao zuhause ist, sicher auch im digitalen Massenauktionshaus ebay besucht werden, wo er selbst gemachte Fotos von Produkten bereitstellt und Herstellerinformationen mit eigenen Worten anreichert, um ab einem Euro aufwärts aus allem Gewinn zu schlagen, was vom Tage übrig bleibt. Ob einer sein altes Designersofa anbietet, weil er es nicht mehr sehen kann oder den irrtümlich zu klein gekauften Kinderpullover - den Konsum nicht als Endstufe des Warentausches zu begreifen, sondern als Zwischenstadium, ist eindeutig eine Emanzipation. In wirtschaftlich bedrängter Zeit vielleicht auch eine Notwendigkeit. Im wesentlichen jedoch eine selbstbewusste Teilhabe an Prozessen, denen man sich früher unterwerfen oder enthalten musste.
Gleichzeitig befreit die eigene Anbieterschaft den Kunden nicht von der Herrschaft des Warenflusses, sondern bindet ihn desto mehr in dessen Erfordernisse ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Erwirtschaftetes sofort wieder investiert wird, ist groß, und im Zweifelsfall sind es am Ende nur ebay und die Deutsche Bundespost, die sich zum Geldzählen zusammenfinden. Eine Verkaufsgebühr nämlich fällt immer an, und die Versandkosten stehen gerade bei Schnäppchen in grotesk überdimensioniertem Verhältnis zum Kaufpreis.
Soziale Kontrolle ist groß
Wobei die Preise kaum zu kalkulieren sind. Nirgendwo sonst im marktwirtschaftlichen Alltag des Durchschnittsbürgers bestimmt die Nachfrage den Preis so radikal und ausschließlich wie bei ebay-Auktionen. Unter Umständen muss hochwertige Ware für einen Euro abgegeben werden, aber andererseits ist auch nicht gewiss, dass die maximal zu erzielende Summe unter dem Ladenpreis des Produkts bleibt. Schließlich hat jemand, der beim Bieten an dieser Grenze steht, auch den bisherigen Einsatz an Beobachtungs- und Bietzeit zu bedenken.
Dass Kaufprozesse und Warenfluss bei ebay - oder auf allen anderen Plattformen für selbstbestimmte Verkäufe und Auktionen - privat und doch ohne Augenkontakt ablaufen, heißt indessen nicht, dass sie unkontrollierbar wären. Im Gegenteil ist die soziale Kontrolle hier deutlich größer als beispielsweise auf einem Flohmarkt. Anders als dort weiß man im Internet nämlich genau, mit wem man es zu tun hat, weil den Mitgliedsnamen der Geschäftspartner die Bewertungen ihrer bisherigen Transaktionen anhängen wie der fleißigen Jungfrau das Gold und der faulen das Pech. Ein offensives Bewertungssystem hält Verkaufende wie Bietende in Schach und produziert zuweilen - "Tschüssi, ich freu' mich auf deine Bewertung!" - eine Grußhaltung, die weit über das hinausgeht, was man sich an Nähe zu Fremden eigentlich zumuten möchte.
In der Tat rücken die Mitnutzer im Internet als Ergebnis vielfältiger Kompensationsstrategien oft so dicht heran und wedeln mit ihren jeweiligen Persönlichkeitsentwürfe so heftig herum, dass es nach einer längeren Sitzung vor dem Computer unabdingbar wird, draußen, auf der wirklichen Straße, zwischen stummen Passanten etwas Abgeschiedenheit und Einsamkeit zu atmen. Persönlichkeitsgefährdender als das körperliche Alleinsein beim Internetbesuch ist nämlich die Suggestion, nach allen Seiten eines Systems hin vernetzbar und entsprechend auf allen Positionen einsetzbar zu sein. Eines System zumal, das sich im gleichen Maße auszudehnen scheint, in dem man darin aufgeht.
User x Anzahl Beiträge (+ diverse Boards)
unter Berücksichtigung von Familienstand, Erwerbstätigkeit, Anmeldetermin,
usw :rolleyes:
Und ab wieviel x, bzw. wieviel boards definieren wir die Grenze zwischen Neurose und Sucht?? ;)
http://www.sternentempel.de/Internetsucht.gif
http://www.sternentempel.de/internetsucht.html
Dieses posting von niemandweiss aus einem anderen thread stell ich mal auch hier rein. Ganz ohne Hintergedanken... :)
Die phallisch-exhibitionistischen Narzißten:
Sie sind den sekundär-narzißtisch Gestörten zuzuordnen. Sie sind extrovertiert, setzen sich ständig in Szene und sind oft gute Unterhalter. Es ist die sozial akzeptiertere Form. Vor allen Dingen findet man sie in der Geschäftswelt, da sie dort mit ihrer Selbstbezogenheit und Skrupellosigkeit erfolgreich sind. Sozialkontakte dienen zur Erhöhung des Selbstwertgefühls. Phallische Narzißten brauchen Kontakt, da sie darauf angewiesen sind, von anderen bewundert zu werden. "Die Beziehungspersonen sind aber als Individuen bedeutungslos". Sie sind keine Personen mit einem Zentrum eigener Initiative und Aktivität (KOHUT)...
Narzißten haben ein ungesichertes Selbstgefühl und können den Partner nicht als eigenständiges Individuum wahrnehmen, sondern nur als >narzißtisches Objekt<, als eine Erweiterung des eigenen Selbst, als etwas, das ihr Selbst auffüllt, ergänzt, schmückt und erhöht" (Willi, 1975, S. 66/67).
Eigentlich sehnen sich Narzißten nach dem sogenannten primär-narzißtischen Urzustand zurück, in dem sie noch keine Trennung zwischen sich und der Umwelt kannten. Da ihnen aber das totale Einssein nicht mehr gelingen kann, lassen sie in einer Beziehung nur die Aspekte zu, die ihren Vorstellungen entsprechen. Sie entwerfen ein Idealbild ihres Partners und reagieren mit Wut, wenn diese sich nicht dementsprechend verhalten, da sie in diesen Situationen gezwungen sind, das Anders- und Getrenntsein der Beziehungsperson wahrzunehmen.
Der Narzißt ist direkt und kompromißlos in seinen Kritikäußerungen, reagiert aber seinerseits äußerst empfindlich auf Kritik. Wenn der Beziehungspartner sie nicht vorbehaltlos unterstützt, wird er fallengelassen.
niemandweiss
25.04.2003, 23:22
norbu
aber was hat das mit Internetsucht zu tun ? :rolleyes:
Hallo niemandweiss,
vielleicht hat sich die Frage nach letzter Nacht erledigt?? :cool:
Internet ist so 'ne "Art" Karneval :dd
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